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Weltstadt mit Herz für den technologischen Totalitarismus

„Wenn Sie … vom Hauptbahnhof in München … mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen … am … am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten.

Wem klingen diese berühmten Worte nicht im Ohr, wenn er in München die Schlagzeilen auf den Zeitungskästen liest, dass ein neues vielversprechendes Fortbewegungsmittel der Zukunft für den Transport tausender Menschen zum Münchner Flughafen diskutiert wird: Flugtaxis! Doch während man über die „Pläne, wie Flugautos in der Zukunft den Verkehr entlasten könnten“, noch herzlichst lachen kann, sind diese nur ein kleiner Baustein eines viel größeren diskutierten Komplexes, der bereits seit einigen Jahren in München vorangetrieben wird: der „Smart City“.

Seit circa zehn Jahren leben mehr als die Hälfte der Menschen auf diesem Planeten in Städten. Bis 2050, so prognostiziert die WHO, könnten es knapp 70 Prozent aller Menschen sein. „Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Städte sein“, schwadronieren diejenigen, denen aufgrund dieser so zumindest angedachten Tatsache eine grundlegende Neuorganisation dieses Molochs vorschwebt. Das Modell Stadt braucht nämlich aufgrund immer weiter ansteigender Bewohner*innenzahlen eine Rundumerneuerung. Smog, Stau, noch mehr Smog, „Kriminalität“, vollgestopfte U-Bahnen, vollgestopfte Straßen, Lärm, Berge von Müll und natürlich noch mehr Smog: all diese Probleme sollen nach Plan ihrer Verwalter*innen bald der Vergangenheit angehören. Die Stadt der Zukunft: Sie soll sauber, abgasfrei, staufrei, ruhig, sicher, mobil, grün sein, indem jeder beeinflussbare Parameter durch Messung, Visualisierung und „intelligente“ und maschinengestützte Berechnung im gewünschten Sinne effizient gesteuert wird. Eine perfekte Ordnung, in der Maschinen den Unsicherheitsfaktor Mensch ausschalten sollen, in der nichts Unverhergesehenes mehr passieren kann, in der man alles unter Kontrolle hat, keine Störungen, kein Chaos, kein Leben. „Smart City“, so nennt sich diese Utopie der Technokrat*innen, die, eingesperrt in ihren Glas- und Betonkäfigen überwacht von ihrer Smartwatch und diversen Healthapps mehr von ihrer wachen Zeit vor einem Bildschirm als mit einem anderen echten Menschen verbringen, und davon bereits so verwirrt sind, dass sie lieber einen Roboter haben, der sich um sie kümmert als einen Menschen.

Natürlich ist auch München ganz vorne mit dabei die Stadt und Mobilität von morgen zu entwickeln. Tech-Unternehmen schwärmen von München als dem „neuen Silicon Valley“, haben es liebevoll „Isar Valley“ getauft. Immer mehr Tech-Unternehmen siedeln sich in München an, viele werden dort geboren, bereits in München sitzende Tech-Unternehmen bauen ihre Infrastruktur aus. Die soeben in München stattgefundene, zur „Mobilitätsmesse“ umkonzeptionierte Automesse „IAA Mobility“ versteht sich als „Initialzündung“ zur Entwicklung einer „Smart City“. In ganz München schießen Sharing-Anbieter, eAuto-Ladesäulen, eScooter, eBikes und eRoller wie Pilze aus dem Boden. Gezielt fördert die Stadt dabei die Forschung an „digitalen Lösungen“.

Smart Data Plattform, Digitaler Zwilling, Internet of Things

Von 2017 bis Juli diesen Jahres setzten Münchens Verwalter*innen etwa das Smarter-Together-Pilotprojekt um, um erste Schritte in Richtung Smart City zu testen und in Gang zu bringen. Die Bilanz: natürlich enthusiastisch, die „Digitalisierungsstrategie“ bis 2025 beschreibt nun die nächsten Schritte. Ein großes Projekt der Stadt ist dabei die Erstellung einer zentralen Datenbank, der sogenannten „Smart Data Plattform“, denn die „Erzeugung, Bereitstellung, Analyse und der Austausch von Daten sind wichtige städtische Grundlagen zur Entwicklung einer lebenswerten Smart City.“ In der Smart Data Plattform sollen die Daten zur Auswertung zentral zusammenlaufen, auf die dann alle „Fachbereiche“ Zugriff haben sollen und zu deren Datenbank auch „Datenbestände aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft“ hinzugefügt werden sollen. Insgesamt sollen „Dinge“, wie es auf der Digitalisierungs-Propagandaseite der Stadt heißt, mit Sensoren ausgestattet und über ein Internet of Things miteinander verbunden werden. Die Messdaten der Sensoren sollen „innovative Lösungen in Bereichen wie Mobilität, Energie, Sicherheit oder Umwelt“ ermöglichen. Welche „Dinge“ mit was für Sensoren bestückt werden sollen bzw. auf welche Daten die Stadt zugreifen will, bleibt bisher relativ vage. Grundsätzlich werden Daten aus Smart Homes, „sonstige Gebäudedaten“, die Nutzungszahlen der smarten Mobilitätsangebote, die Messungen smarter Lichtmasten und „andere bestehende Daten“ als Datenpools genannt.

Konkret testete die Stadt als ein erstes Pilotprojekt in Neuaubing-Westkreuz den Einsatz „smarter“ Straßenlaternen. Dafür wurden 60 „smarte“ Laternen in drei Straßen installiert, die mit unterschiedlichsten Sensoren zur Erfassung von Daten zur Luftqualität, zum Wetter, zum Parkplatzmanagement und zum Verkehrsfluss, sowie WLan ausgestattet waren. Die Bilanz fällt nach dem Test eher nüchtern aus: Der Ausbau der erforderlichen Infrastruktur sei kompliziert und viel zu teuer. Deshalb seien smarte Laternen eigentlich nur für ausgewählte Standorte sinnvoll einsetzbar, nicht jedoch als flächendeckende Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet. Jedoch seien dank dieses Versuchs smarte Lichtmasten „bei Bedarf einsatzbereit“.

Neues Projekt der Stadt ist nun die „Smartisierung“ von Altkleidercontainern, sodass diese von selbst ihren Füllstand erkennen. Bereits seit 2020 sollen entsprechende Sensoren in die Container eingebaut werden, wie weit die Durchführung dieses Projekts ist, konnte ich leider nicht herausfinden, es heißt nur, es würden bisher „erste smarte Altkleidercontainer pilotiert“. Des Weiteren plant die Stadt städtische Fahrzeuge mit Sensorik auszustatten. Auch die von der Stadt geförderten eMobility- und Sharing-Modelle, die bereits jetzt die Stadt fluten, mvg-eBikes und -eScooter, Carsharing-Fahrzeuge und eLadestationen, verschaffen der Stadt enorme Datenmengen über die Nutzung dieser Angebote, die wiederum in eine Auswertung des Nutzungsverhaltens der Fahrzeuge und von Fahrtstrecken münden.

Als weitere mögliche Datenquelle ist außerdem seit Januar 2020 in ganz Deutschland der sukzessive Einbau sogenannter Smart Meter – Stromzähler für das Haus, die alle 15 Minuten den Stromverbrauch speichern und alle 24 Stunden die Daten übertragen – für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6000 kWh pro Jahr, für Betreiber von stromerzeugenden Anlagen und für Nutzer von Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen Pflicht, für alle anderen (was die meisten Privathaushalte sind) ist es fortan erlaubt, der Trend soll langfristig in Richtung einer kompletten Umstellung auf Smart Meter gehen. Über den Einbau darf dabei nur der Vermieter oder der Messstellenbetreiber entscheiden, nicht aber der faktische Bewohner eines Haushalts. Mit dem Smart Meter kann ein jederzeit zugängliches, sehr genaues und aktuelles Strom-Nutzungsprofil pro Haushalt erstellt werden. Sicherheitsbehörden sabbern natürlich bereits bei den Möglichkeiten, mithilfe der genauen Beobachtung des Stromverbrauchs gewisser Milieus (die beispielsweise der organisierten Kriminalität verdächtigt werden) Straftaten aufzuklären. Darüber hinaus sind Autohersteller verpflichtet ab 1. April 2022 Messwerte zum Kraftstoff- und Stromverbrauch der individuellen Fahrzeuge an die europäische Umweltagentur zu senden. Dabei werden die Fahrzeug-Identifikationsnummer, die Fahrgeschwindigkeit, die zurückgelegte Strecke und der Kraftstoffverbrauch erfasst. Bereits seit 2018 müssen in alle Neuwägen außerdem GPS-Sender verbaut werden.

Die Smart Data Plattform soll außerdem dazu dienen einen „Digitalen Zwilling“ zu erstellen, der bis 2024 fertig gestellt werden soll. Dabei ist die Bezeichnung „Digitaler Zwilling“ durchaus wörtlich gemeint: Mithilfe regelmäßiger Drohnenflüge über der Stadt sollen aktuelle Luftaufnahmen dabei helfen, ein hochaufgelöstes 3D-Modell für die gesamte Stadt zu erstellen. Kamerabestückte Spezialfahrzeuge sollen in sogenannten „Mobile-Mapping-Kampagnen“ Daten über den Straßenraum und seine Infrastruktur ergänzen. Damit dieser virtuelle „Zwilling“ den Anschein des tatsächlichen Abbilds der echten Stadt bekommt, sollen „dynamische Daten“ und „Echtzeitinformationen“, durch den Zugriff auf Internet-of-Things-Systeme, etwa Kaffeemaschinen oder Kühlschränke mit W-LAN, und auf Sensordaten, die mithilfe tausender überall in der Stadt installierter Sensoren erhoben werden, in den „Zwilling“ eingespeist werden. Städtische Fahrzeuge sollen mit Sensoren ausgestattet werden, die „Umweltdaten“ erheben sollen. Durch den Ausbau „stadtweiter Sensorik- und Messsysteme“ soll eine Echtzeit-Erfassung „relevanter Datenströme“ ermöglicht werden. Um diese Masse an Daten künftig generieren und insbesondere transportieren zu können, arbeitet die Stadt deshalb auch daran, das Internet of Things technisch überhaupt erst zu ermöglichen, indem sie beispielsweise das Long Range Wide Area Network (LoRa WAN) und das 5G-Funknetz ausbaut. Zentraler Ansprechpartner dieses Projekts ist der GeodatenService München (Denisstraße 2), wichtiger Partner das IT-Referat der Stadt München (Agnes-Pockels-Bogen 21).

Einen Faktor soll dieser Zwilling aber angeblich nicht wiedergeben: den Menschen. Eines der Propagandavideos illustriert das zumindest gewünschte Ausmaß des Digitalen Zwillings: In Echtzeit soll es möglich sein nachzuschauen, wo gerade ein Auto oder Fahrrad entlangfährt. Aber, wie an dieser Stelle noch einmal versichert wird, „selbstverständlich werden dabei keine personenbezogenen Daten erfasst“. Das Video zeigt dabei, wie eine Person mit Kinderwagen zuerst von einer Drohne und einem Kamerawagen fotografiert wird, dann aber ihr Gesicht verpixelt wird. „Maximale Transparenz“ und „eine genaue Datengrundlage“ sind das Ziel dieses Binge-Datensammelns. Alles zum Zwecke des Gemeinwohls, denn ohne Riesendatensätze seien „wichtige soziale Güter“ nicht zugänglich. „Mittels Digitalisierung der Verkehrswege“ erhoffe man sich etwa eine saubere Luft. Doch damit man keine Panik vor Big Brother bekommt, wird versprochen, dass die erhobenen Daten im Nachhinein anonymisiert werden. Erheben muss man sie aber natürlich trotzdem.

Dann braucht man sich ja keine Sorgen zu machen, wenn sich auf der Webseite der gerade in München stattgefundenen „IAA Mobility“ – dem „Treiber, der Impulse für eine Weiterentwicklung einer Millionenstadt zu einer Smart City mit intelligenten Verkehrskonzepten und innovativer Vernetzung der Verkehrsträger gibt – nachhaltig und an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet“ – zu der Frage „Kommt mit der Smart City die Überwachung?“ recht unverblümt nachlesen lässt:

„Im Endeffekt ist das Leben in Songdo [eine Smart-City-Planstadt in Südkorea] komplett überwacht. Und das 24 Stunden am Tag. Ganz gleich, ob bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs. Jeder, der hier wohnt oder arbeitet, muss sich bewusst sein, dass er Teil einer permanenten Datenerhebung ist.“

Anders als in den Polizeistaaten der Vergangenheit setzt die sich anbahnende eDemocracy nicht auf den mehr oder weniger geheim operierenden Überwachungsstaat, sondern auf „maximale Transparenz“ und „Offenheit“. „Wissen zu teilen ist ein grundlegendes Prinzip unserer Demokratie“, heißt es etwa in der „Smarter Together“-Propaganda-Broschüre. Wer Wissen habe, könne bessere Entscheidungen treffen. Wer über sein Smartphone alle Parameter zu seinem Leben vorgehalten bekomme, wieviele Meter man zurückgelegt, wie viel man getrunken, wie oft man den 1,5-m-Abstand zu anderen Menschen nicht eingehalten, wie viel Strom man wann verbraucht habe, der könne besser herausfinden, was das „richtige“ Verhalten sei. Anreize schaffen zur Selbstoptimierung, zur sanften Verhaltensanpassung mithilfe von Bonusprogrammen oder Gewährung von „Privilegien“, etwa das, aus dem Haus gehen zu dürfen, das ist der Totalitarismus von morgen.

Und sollte es doch noch ein paar Unbelehrbare geben, dann sehen natürlich auch die Sicherheitsbehörden ein riesiges Potenzial in der „Transparenz von morgen“. Bisher finden die Sicherheitsbehörden in den Propagandamaterialien für München kaum Erwähnung. In punkto „Sicherheit“ wird nur ein konkretes Projekt erwähnt: die Ausstattung der Feuerwehr mit Drohnen, um aus der Luft schneller „Fluchtwege“ zu erkennen. Logischerweise können Drohnen Fluchtwege nicht nur bei Bränden erkennen. Bereits heute setzt die Polizei Drohnen für Luftaufnahmen von Tatorten, zur Sicherung von Bahnstrecken oder zur Aufspürung von „Verkehrssündern“ ein. Das 2018 reformierte bayerische Polizeiaufgabengesetz erlaubt außerdem den Drohneneinsatz bei Demonstrationen (mit „Eskalations“potenzial, etwa wenn erwartbar ist, dass „Ordnungswidrigkeiten (!) von erheblicher Bedeutung“ begangen werden könnten) und Observationen. Künstliche Intelligenz wird teilweise bereits dazu eingesetzt vorherzusagen, in welchen Vierteln oder sogar Straßen in nächster Zukunft Einbrüche stattfinden könnten. Eine ganze Behörde gibt es für die bundesweite Forschung am Ausbau der technologischen Überwachung: Die „Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich“ (ZITis, Postanschrift: Zamdorfer Str. 88, Büros „NEO“: Hermann-Weinhauser-Str. 73, zukünftig soll die ZITis ein eigenes Gebäude auf dem Gelände der Bundeswehr-Uni in Neubiberg erhalten), „das Start-Up unter den Behörden“ und 2017 erst ins Leben gerufen, ist für „digitale Forensik, Telekommunikationsüberwachung, Krypto- und Big Data-Analyse“ zuständig. Aktuelle Forschungsprojekte von ZITis sind etwa FORMOBILE, in dem die Auswertung von Handydaten verbessert werden soll, oder KISTRA, das den Einsatz von KI zur Früherkennung von Straftaten der „Hasskriminalität“ erforscht. Am Projekt KISTRA ist übrigens auch das Unternehmen „Munich Innovations Lab“ (Pettenkoferstr. 24) beteiligt, ebenso wie Prof. Dr. Rieger für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU, die für KISTRA die „sozialwissenschaftliche Begleitforschung [übernimmt] und … durch die Untersuchung der Bedingungen von Wahrnehmung und Wirkung von Hass im Internet zum Gesamtvorhaben bei[trägt]“.

Isar Valley

Die Pläne der Stadt sind dabei aber nur die eine Seite der Medaille. Sie dienen überwiegend der verbesserten Stadtplanung und -verwaltung, die nebenbei natürlich auch den Sicherheitsbehörden riesige Möglichkeiten eröffnen. Doch was wäre die Regierung ohne die Unternehmen, die den technologischen Wandel mit aller Macht vorantreiben. Denn nicht nur die neuesten „smarten“ Angebote wie die städtischen Sharingdienste sind mit Spionagesoftware gespickt. Auch das eigene Auto und das eigene (e-)Bike ist mit GPS-Sendern ausgestattet, die neue Fernbedienung mit „Alexa“, die Türklingel mit Kameras, die ihre Bilder nicht „nur“ ans eigene Smartphone schicken, sondern auch an die Konzernzentrale des Herstellers, ebenso der neue Tesla, die neue Kaffeemaschine und der Kühlschrank haben W-LAN. Die Telekom bietet bereits heute an das eigene Zuhause in einen komplett überwachten Raum umzubauen, das sogenannte „Smart Home“. Laut irgendwelcher Statistiken besitzen inzwischen bereits 89 Prozent der Menschen in Deutschland ein Smartphone, das eins der zentralen Werkzeuge zur Nutzung all dieser „smarten“ Angebote ist und entsprechend immer mehr einen privaten „digitalen Zwilling“ seines Nutzers erstellt, der in der neuen „transparenten“ eDemocracy für viele Interessenten, etwa Unternehmen und Behörden, wichtige Informationen liefert. In diesem neuen System, in dem es „weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen gibt“, da alle „genau wissen, was Leute tun und möchten“, in dem „Verhaltens-bezogene Daten … Demokratie als das gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen“ (Smart City Charta der Bundesregierung), was übrigens auch die Erfüllung des Traumes einiger „pragmatischer Anarchist*innen“ wäre, die in einem solchen datenbasierten kybernetischen System die perfekte staatsfreie Selbstverwaltung sehen, braucht es keinen zentralen Akteur, keinen Schritt-für-Schritt-Plan, keine zentralisierte Planung, keinen direkten Zwang und keinen zentralen Überwachungsapparat. Was das Potenzial dieser Flut an Daten ist und wie sie genutzt werden können, das wird sich in Zukunft noch zeigen. Doch es kann nur nützen, so viele Daten wie möglich erst einmal zu sammeln.

Um nun all diese kostbaren Daten abzuschöpfen, bzw. sie zu generieren, braucht es aber noch viele schlaue Köpfe, die die entsprechende Technologie erfinden und entwickeln und viel Kapital. In München gibt es dafür einige Projekte, um diese beiden Faktoren zusammenzubringen. Die Stadt selbst eröffnete dafür im Juni gemeinsam mit der bereits seit 2002 existierenden „Start-Up-Schmiede“ UnternehmerTUM das Munich Urban Colab, ein „Innovations- und Gründungszentrum für Smart City Solutions“ (Freddie-Mercury-Straße 5 im Kreativquartier), in dem Start-Ups, Studenten, Wissenschaftler, Mitarbeiter von DAX-Konzernen, Investoren und Beamte des Wirtschaftsreferats Platz finden sollen um zu forschen, zu basteln und zu entwickeln, sich auszutauschen und zu vernetzen. Die Stadt hat außerdem ein „Mobility Hub“ gegründet, das ebenfalls seinen Sitz im Colab hat und das ebenfalls Start-Ups mit Investoren im Bereich Mobilität zusammenbringen soll. Dafür verantworlich, dass es in München eine recht bedeutende Start-Up-Szene gibt, ist das von der BMW- und Quandt-Erbin Susanne Klatten gegründete Gründerzentrum UnternehmerTUM (Lichtenbergstr. 6 in Garching), das insbesondere Studenten der TU dazu animiert ihre Forschungen in Geschäftsideen zu verwandeln und diese mit Investoren zusammenbringt. Die TU, aber auch die LMU sind wichtige Quellen zur Entwicklung technischer Lösungen und um Nachwuchs für die Tech-Unternehmen zu rekrutieren. Die TU beherbergt unter anderem die Munich School of Robotics and Machine Intelligence (Heßstr. 134), die insbesondere an Künstlicher Intelligenz und der Entwicklung von Robotern forscht. Die TU verfolgt auch schon länger den „Industry on Campus“-Ansatz und arbeitet eng mit Unternehmen zusammen, die hohe Geldsummen in die Universität pumpen. Der Lidl-Gründer schenkte der TU etwa Ende 2017 zwanzig neue BWL-Professuren, Google ist „Exzellenzpartner“ der TU, spendete eine Million in die Uni zur Erforschung von Künstlicher Intelligenz, Maschinellem Lernen und Robotik und schloss einen Rahmenvertrag für gemeinsame Forschung. Auch der Halbleiterhersteller Infineon, die Autohersteller BMW und VW sowie der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sind „Exzellenzpartner“ der TU, d. h. sie spendeten der Uni mindestens eine halbe Million Euro.

Im Gegensatz zu Berlin gilt München als Brutkasten für „Deep-Tech-Unternehmen“ und „Business-to-Business-Konzepte“. Große Tech-Unternehmen wie IBM, Huawei, Amazon, Microsoft, Fujitsu, SAP, Salesforce, Infineon, BMW, Siemens und Intel haben Standorte oder sogar ihren Sitz in München. Apple will neben der bereits existierenden Forschungseinrichtung in München nun in der Nähe der Spaten-Brauerei in der Karlstraße ein „Europäisches Zentrum für Chip-Design“ errichten. Google baut sich im Postpalast an der Hackerbrücke einen zweiten Standort auf. SAP hat Mitte Juli mit dem Bau eines neuen Forschungs- und Entwicklungsstandorts auf dem Garchinger Campus der TU begonnen. Dieser soll Platz für 600 SAP-Mitarbeiter und für 130 Professoren und Studenten der TU bieten. Das World Economic Forum will ein „Forschungszentrum für die vierte industrielle Revolution“ in München eröffnen. Intel will ab 2022 in München einen automatisierten Taxidienst mit selbstfahrenden Autos anbieten. BMW als Münchner Traditionsunternehmen, das als eines der wenigen Unternehmen auch in München seinen Produktionsstandort hat, ist in München ein zentraler Akteur, der die Digitalisierung vorantreibt. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Entwicklung autonom fahrender Autos. Um diesem Ziel näherzukommen, eröffnete BMW 2016 in Unterschleißheim das BMW-Entwicklungszentrum „Campus Autonomes Fahren“ (Landshuter Str. 26). Autonom fahrende Autos, deren Vision das Versprechen beinhalten, die Zahl der Autounfälle maßgeblich zu reduzieren, sind ein maßgeblicher Faktor um die Akzeptanz eines Internet of Things zu steigern und ein allumfassendes Überwachungsnetz aufzuspannen, das die Autos brauchen, um autonom fahren zu können.

München – Stadt mit Herz für den technologischen Totalitarismus

Wie man sieht, ist München in Europa ein wichtiger Standort für den technologischen Alptraum, in dem wir heute bereits leben und der in Zukunft gigantische Ausmaße annehmen soll. Die reale Umsetzung der ambitionierten städtischen Smart-City-Pläne wirken erst einmal eher mau, ja gar lächerlich, wenn man anschaut, dass sie darin bestehen sollen, Altkleidercontainer zu smartisieren und diesen Digitalen Zwilling zu erstellen. Immerhin hat Google bereits vor Jahren die ganze Stadt mit ihrem Google-StreetView-Projekt digitalisiert, Apple schickt derzeit bis Anfang Oktober noch für „Apple-Maps“ elf Kamera-Autos auf die Münchner Straßen. Für gewisse Projekte wie die E-Akte oder das „München Portal der Zukunft“ fehlt der Stadt außerdem laut eigener Aussage wegen Corona gerade das Geld. Auch die Erweiterung der Smart-City-Projekte über die bereits beschlossenen Maßnahmen hinaus wurde aus Geldmangel vorerst vehement ausgeschlossen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „Corona-Krise“ der ganzen Digitalisierung auch in München einen enormen Schub verliehen hat, insbesondere um ihre Akzeptanz zu steigern und mit Gewalt eine Umstellung auf die Nutzung digitaler Angebote zu erzwingen. Auch die Münchner Politiker und Unternehmer blasen in das Horn Corona als „Chance“ zu begreifen um die Digitalisierung massiv voranzutreiben und benutzen Corona als Rechtfertigung für einen schnellen Umbau. Die Bekämpfung auch zukünftiger Epi- oder Pandemien ist ein willkommener Vorwand zur Realisierung der Digitalisierungspläne. Auch die gezielte Förderung des „Tech-Standorts“ München durch die Politik und die ambitionierten Pläne der einzelnen Unternehmen, Forscher, Studenten und Kapitalgeber, die die Förderangebote der Stadt mit Kusshand entgegennehmen, die dezentrale schleichende Einführung (potenziell) smarter Gegenstände in allen Lebensbereichen sowie die digitale Umstellung vieler Prozesse treiben das Projekt „Smart City“ sehr real und aufgrund der vielen Akteure und Bereiche relativ unbemerkt voran. Hier in München ist eins der vielen Herzen des sich entwickelnden, neuen technologischen Totalitarismus. Hier wurde und wird die Technologie von heute wie die von morgen maßgeblich entwickelt und vermarktet.

Für uns gilt es angesichts dieser Vielzahl an Feinden der Freiheit die Achillesfersen dieses Monsters zu finden. Startups etwa sind sehr von der Motivation einzelner Personen abhängig und können schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Einzelne Bauteile sind außerdem momentan aufgrund der corona-bedingten Produktionsausfälle schwer lieferbar oder werden immer teurer. Beispielsweise die für smarte Geräte unabdingbaren Halbleiter haben gerade mit Lieferengpässen und Rohstoffmangel zu kämpfen. Auch Stahl ist momentan ein gefragtes Gut, weil China seinen Export eingestellt hat. Sonstige Metalle sind ebenfalls gerade sehr knapp. Die Just-in-Time-Produktion zeigt aktuell ihre Schwächen, die Automobilproduktion etwa hat durch Rohstoff- und Bauteil-Lieferengpässe Produktionsschwierigkeiten. Es ist bereits von einer „Rohstoffkrise“ die Rede. Auch die Logistik hat durch teilweise wochenlange Shutdowns von Containerhäfen u. ä. riesige Rückstaus abzuarbeiten und zu wenig Transportmittel zur Verfügung. Gezielte Sabotagen an der Logistik könnten aufgrund dieser Situation momentan große Wirkung entfalten. Ansonsten ist auch weiterhin die Sabotage an der Funk- wie auch an der Strominfrastruktur ein spannendes Interventionsfeld. Denn ohne Funk und natürlich besonders ohne Strom geht in der smarten schönen neuen Welt überhaupt nichts.

Gefängnisstadt…

Es handelt sich nur um eine kleine nichtige Sache, ein einfaches kleines elektronisches Kästchen. Es ist ein Infrarot- oder Ultraschalldetektor, der mithilfe von RFID oder GSM verbunden wird, wie er sich an allen Straßenecken (oder Geländen wie im Hochtal von Aude oder auf dem Berg Sainte Victoire) bereits seit einigen Jahren vervielfacht. Es ist gleichzeitig ein Messinstrument, das dazu dienen soll, die Luftverschmutzung zu messen, den Verkehr, den Lärm, das Gewicht des Mülls, das Wetter oder auch die Anwesenheit von Passanten, und ein Apparat, der gemäß der Algorithmen der Herrschaft programmiert ist, um mit letzteren interagieren zu können. Es kann gleichzeitig ein Bewegungsdetektor und ein Regulator der Lichtintensität sein. Es kann eine ausgefallene Wanze sein, die die Züge banaler Laternen annimmt.

In Paris tritt ein Unbekannter aus dem Zwielicht, den das Neon der Vitrinen nicht anzieht, wachsamen Auges. Er schaut stur geradeaus, bereit sich ins städtische Wirrwarr zu schlängeln, einige Meter noch zurückzulegen um erneut mit dem Hintergrund zu verschwimmen. Irgendetwas hakt jedoch, während er voranschreitet: Während das Licht der Laternen sichtlich hinter seinem Podex schwächer wird, umfängt es ihn auch ununterbrochen mit einem störrischen Lichtkegel bei jedem seiner eiligen Schritte. Es ist ein bisschen, als würde der mobile Projektor der Gefängnisstadt auf einmal ein Auge auf seine zerbrechliche Silhouette geworfen haben. Er kann sich im Süden, im Norden oder im Westen der Hauptstadt aufhalten (Square René-Le-Gall/13., Boulevard de Courcelles/17. oder Rue Antoine-Bourdelle/15. Arrondissement [Pariser Viertel, Anm. d. Übs.]), das ändert nichts daran. Das ist kein schlechter Traum: die öffentliche Beleuchtung dieser Straßen wurde neuerdings mit Präsenzdetektoren ausgestattet, mit LEDs und Stromkreisen, die mit ihrer Intensität jedem nächtlichen Spaziergänger folgen, wie Scheinwerfer, die den Überwachungskameras einen stillen Alarm senden. Dunkler davor, dunkler dahinter, aber mit einem Strom an Scheinwerfern, die auf dich gerichtet sind und die sich weigern, dich loszulassen. Eine Art umgekehrtes Schattenspiel, das man von weitem und von überall beobachten kann. Diese „intelligente“ Vorrichtung hat gleichgültig zum Vorwand genommen Strom zu sparen, Fledermäuse oder Radfahrer zu beschützen, indem die Leuchtkraft der Straßenlaternen an die Bewegung der Passanten angepasst wird, und damit aufs Neue die Metapher der Glühwürmchen realisiert, die man zu sehr sieht, weil der Rest so grau ist wie die Befriedung. Es handelt sich um eine kleine nichtige Sache, sicherlich, um lächerliche Infrarot-Präsenzdetektoren, die am Ende eines Mastes befestigt wurden, die dich allerdings in volles Licht tauchen, wenn du gerne angenehmen nächtlichen Touren nachgehen möchtest.

Um besser die Sterne sehen zu können oder einige winzige Energieeinsparungen vornehmen zu können, die die Industrie und der Krieg ansonsten gefräßig verschlingen, hat die Herrschaft natürlich nicht entschieden, seine Beleuchtung in den Metropolen komplett abzuschalten, sie hat sie lediglich angepasst, weil sie zuallererst einen Ordnungsimperativ verfolgt. Einst kam als erstes der Erlass von Heinrich II. 1558, der in der Hauptstadt des Königreichs [Frankreich, Anm. d. Übs.] einen Erlass gegen „die Schächer, Diebe, Türaufbrecher“ verkündete, in dem er befahl Laternen (damals Eisenkörbe, die mit Harz und Werg gefüllt waren und an Holzträger aufgehängt wurden) an jeder Straßenecke und in der Mitte der längeren unter ihnen zu entfachen, von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens, 6 Monate im Jahr. Dann war es Ludwig XIV. 1667 mit seinem berühmten Slogan „Sauberkeit, Klarheit, Sicherheit“, der um die 2800 Laternen innerhalb weniger Monate errichten ließ, die von den Bürgern aus der Gegend unterhalten wurden und jedes Jahr vom 20. Oktober bis zum 31. März angemacht wurden, auch in den Vollmondnächten. Die anschließenden Übergänge von Kienspänen und Talglichtern über Öllaternen zu Gas- und endlich zu elektrischen Laternen – mit Glühbirnen, die heutzutage mit mit Sensoren versehenen LEDs ersetzt werden – war weniger Ausdruck der Sorge der Herrschenden um Fledermäuse oder verlorene Nachteulen, sondern galt der Perfektionierung in der Überwachung, der Kontrolle und der Verfolgung der Unerwünschten, um den Schlaf und das Hab und Gut der Reichen zu beschützen.

Dieses strahlende Pariser Experiment spiegelt die neue Generation an Überwachungskameras wieder, die momentan in den weniger dicht besiedelten ländlichen Zonen ihren Einzug findet, wo die öffentlichen Kameras mit Bewegungsmeldern nur die Tagesverirrten, die ab und an vorbeikommen, aufzunehmen brauchen, allerdings an eine massifizierte und nächtliche Zone angepasst: Jeder Nachtschwärmer, Fußgänger oder Fahrradfahrer bildet ebenso viele kleine überall hervorgehobene Punkte, die anschließend von den Augen des Staates auf den Kontrollbildschirmen der Stadt unter die Lupe genommen werden. Wenn die Überwachung natürlich die Basis dieser Art Apparat ist, ist dieses Ziel allerdings nicht mehr das einzige, da diese neuen interaktiven Laternen außerdem Daten übertragen und produzieren, die detailliert jede Bewegung erfassen und Nacht für Nacht den Moloch einer werdenden Smart City nähren.

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Der absichtlich vage Begriff der Smart City, der gerade sehr in Mode ist, bezieht sich auf alles, was in der Verwaltung und Planung einer Stadt digitalisiert und verbunden werden kann. Es handelt sich gleichzeitig um eine Produktivitäts- und Profitquelle für das Kapital, und um eine gezielte Kontrolle innerhalb einer Masse für den Staat, da es so sehr klar zu sein scheint, dass, sobald alles (einschließlich ihrer Bewohner) in einer Stadt in Daten übersetzt und miteinander verbunden sein wird, alles und jeder nachverfolgbar und sichtbar für die Unternehmen und die Institutionen sein wird. Die Smart City-Projekte zielen daher hauptsächlich auf die Regierung ab (am häufigsten eine Digitalisierung der Bürokratie, um sie effizienter zu machen) oder auf den Transport- und  Energiebereich (es scheint eine Präferenz für Themen zu geben, die bereits in Begriffen von Strömen und Knoten gedacht werden). Was die Sicherheitsdomäne betrifft (die Integration verschiedener Überwachungsformen und -plattformen als auch die Einführung neuer Technologien wie der Gesichtserkennung und der programmgestützten Verhaltens- und Situationsanalyse), wenn diese weniger in den Vordergrund gestellt wird, ist es sicherlich um zu vermeiden, dass die Smart City auf Anhieb mit den dystopischen Bildern von Big Brother in Verbindung gebracht wird (auch wenn Staaten wie Singapur, China oder näher von hier die Niederlande und das Vereinigte Königreich ohne große Hemmungen ihre Möglichkeiten austesten).

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit den interaktiven Straßenlaternen, die der ganze Stolz des Unternehmens Evesca sind, diese „Ansammlung mehrerer Technologien um unterschiedliche Verkehrsteilnehmertypen zu erkennen, denn selbst der Anwohner, der seinen Müll hinunterbringt, soll erkannt werden.“ Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen. In einer ersten Zeit, sobald einmal diese Wanzen in größerem Maßstab verbreitet sind, wird sich die Möglichkeit entwickeln können, präzise Statistiken über die Nutzung jeder Straße und jedes Gehwegteils zu erheben, um die Müllabholung, die Parkplätze, die Ampeln, die Einzugsgebiete von Geschäften (jener Laden mit jener Sache an jener Stelle) oder auch die Touren von Taxis und die Streifen der Polizei – wie sie in ihrer Techsprache sagen – zu optimieren. Und da man nicht vergessen kann, dass viele der Daten zuerst in Form von Selbstpolizierung der Nutzer von Smartphones und verbundenen Objekten verschenkt werden, haben einige Start-Ups wie Quantmetry (auf Algorithmie spezialisiert) und Dataiku (auf die Analyse und Einrichtung/Verwaltung von Big-Data-Plattformen spezialisiert) seit 2017 eilig die Mobilfunkdaten des SFR-Netzes (Anzahl der anwesenden Personen pro Straße und Fortbewegungsgeschwindigkeit ) mit denen der Vermessung des Fußgänger- und Straßenverkehrs mithilfe von Induktionsschleifen im Straßenpflaster, die das Pariser Rathaus zur Verfügung stellt, und das für ein ganzes Arrondissement (das 13.), miteinander kombiniert, um diese famosen  Straßenlaternen mit Bewegungsmelder zu entwickeln. Diese wiederum, und das in der zweiten Zeit, werden bis 2019 das Detail jeder individuellen Route in ihrer ganzen Einzigartigkeit ausspucken, um so weiterhin zu ermöglichen, die globale Datenbank zu nähren, zu verfeinern, zu erweitern, zu kreuzen und komplexer zu machen, usw.

Die Smart City kann nicht Punkt für Punkt angegriffen werden, indem man den Aussagewert von diesem oder jenem anzweifelt, sondern muss als eine gewaltige Maschine begriffen werden, die Millionen an Daten in allen Bereichen produziert, verbindet, extrapoliert und generiert, und damit eine angestrebte totale Vernetzung eines jeden Lebensausdrucks auf einem Gebiet ermöglicht, um  den Fluss (von Waren im Alltag wie auch von Militär im Fall von Störungen) rationalisieren zu können, einen gezielten Alarm auslösen zu können, die Quelle eines Problems ausfindig machen zu können und dieses schnellstmöglich zu lösen. Das ist nicht mehr und nicht weniger als ein Projekt der Kontrolle und der Verwaltung, angepasst an eine Massengesellschaft, und mit dem Ziel Antworten auf alle Schwachstellen und andere auswählbare statistische Anomalien, ausgehend von Normen, die selbst auch nach Lust und Laune flexibel und  manipulierbar sind, zu entwickeln und diese zu regulieren (das ist das Schöne daran über Big Data zu verfügen, dass man die Frageparameter der Datenbank verändern kann). Geräusch-, Bewegungs-, Strahlen-, Zeiten-, Körperwärme-, Temperatur-, Tonsensoren oder Sensoren über die Nutzung öffentlicher wie privater Flächen (falls euch Linky oder GPS, das seit 2017 in jedes neue Auto verpflichtend eingebaut wird, etwas sagen): einmal in den großen Daten- und Appfleischwolf eingerührt, dessen Zutaten an allen Straßenecken gesammelt wurden, wird keine davon in einer nahen Zukunft nicht stramm stehen um die Netze der Ausbeutung, der Kontrolle und der verallgemeinerten Enteignung unseres Lebens noch enger zu ziehen.

Es ist entsprechend auch nicht überraschend, dass Unternehmen wie Bouygues [französischer Mobilfunkanbieter], Suez [französisches Wasserunternehmen], Mastercard oder EDF [französisches Stromunternehmen] auch Teilnehmer des jährlichen Datacity-Projektwettbewerbs sind, das von der Stadt Paris veranstaltet wird, und Inkubatoren des Start-Ups NUMA (der Streich mit den Snitch-Laternen ist eins der zehn ausgezeichneten Projekte von 2017). Oder dass trotz aller mit den „anti-terroristischen“ Maßnahmen verknüpften Einschränkungen ein kleines Flugzeug auf niedriger Höhe Paris und seine Umgebung vier Monate lang bis nächsten 30. September überfliegen darf. Dieses Flugzeug, das der Gesellschaft Aerodata (aus Lille) gehört, soll mithilfe von Kameras die 180 000 Gebäude der Hauptstadt digitalisieren, Daten, die durch Geometer von Geosat (ansässig in Bordeaux) vervollständigt werden, die damit beauftragt sind am Boden Straßenerhebungen mit einem Laser-Scanner durchzuführen, bevor das Ganze zur ersten 3D-Karte von Paris verarbeitet wird, realisiert durch Luxcarta (ansässig in Nizza). Dieses 3D-Modell für um die drei Millionen Euro  wird eine der grundlegenden Datensammlungen sein, die erlaubt fein alle anderen auszuwerten, indem sie allen Start-Up-Haien zur Verfügung gestellt wird um das Abheben einer invasiven Smart City wie nie zu stimulieren.

Es verhält sich nicht anders im Bereich der Sicherheit, sodass die verschiedenen Autoritäten regelmäßig ihre eigenen „Hackathons“starten um Informatikern, Mathematikern und anderen Ingenieuren zu ermöglichen ihre kostbaren Daten auszuwerten: nach dem im Januar 2016 nominierten Nec Mergitur haben die Polizeipräfektur von Paris und die Stadt beispielsweise unter 400 Teilnehmern das Start-Up Etaonis ausgewählt, das den Bullen helfen wird „die Informationen in den sozialen Netzwerken zuverlässig und geolokalisiert zu filtern“ oder Repaire, die einen Dienst erarbeiten werden, mithilfe dessen die Ordnungskräfte Zugang zu allen Gebäudegrundrissen in 2D und 3D haben. Auf seiner Seite hat das [französische] Justizministerium auch nicht geruht, etwa mit seinem „Hackathon“ von Januar 2018 hunderten von Teilnehmern vorzuschlagen sich die digitale Plattform der zukünftigen Agence nationale du travail d’intérêt général [Nationalagentur für Sozialstunden] vorzustellen mit dem Ziel „die Verfolgung der Ausführung der Strafe zu verbessern um darüber zu wachen, dass die Sanktion effektiv ist“… Dies wird natürlich durch die komplette Digitalisierung der Daten dieses Ministeriums, aller verhängten Urteile und der Daten über die Verurteilten bis hin zu einer strikten zukünftigen Vernetzung mit den Strukturen, in denen diese Zwangsarbeit geleistet werden soll, ermöglicht. Und wenn wir schon dabei sind, erinnern wir uns daran, dass von April bis Juni 2017 die Berufungsgerichte von Douai und von Rennes die Erlaubnis bekamen mit dem Start-Up Predicitive, Preisträger eines vorangehenden Wettbewerbs, zusammenzuarbeiten, was ihr ermöglicht hat die Rechtsprechung der Berufungs- und der Kassationsgerichte, sprich hunderttausende Dokumente zu digitalisieren, um sein Programm zum Laufen zu bringen, das die Erfolgschancen einer Gerichtsakte bewertet und die wahrscheinliche Schadensersatzhöhe berechnet.

Mit diesem letztens stattgefundenen, groß angelegten Experiment zu diesem „Hilfswerkzeug zur Entscheidungsfindung für die Richter, das auch als Mittel dienen kann die Gerichte zu entlasten“, erforscht der Staat die andere Facette von Big Data: Die Extrapolierung der Zukunft anhand der Summe der vergangenen Vorkommnisse mithilfe künstlicher Intelligenz um Ereignisse vorauszusehen und vorauszusagen, d. h. die sogenannte prädiktive Justiz, die einen dann doch so ein bisschen an Minority Report erinnert. Genauso wie übrigens die Ordnungskräfte, die vorhaben ihre Streifen an der Summe von ihren neuen NEO-Tablets generierten Elementen zu orientierten, um ihre Statistiken der auf frischer Tat ertappten Delikte aufzublasen (insbesondere Einbrüche und Autodiebstähle). Oder wie das Geschäftsviertel La Défense in Paris, das die Sitze zahlreicher Großkonzerne versammelt und im Januar 2018 seinen „Hyperviser“ eingeweiht hat, eine künstliche Intelligenz, die die Daten der 14 000  Sender und 321 auf der Straße eingesetzten Kameras sammelt und analysiert.

All das plädiert mehr denn je danach die angelegten Wege zu verlassen und das Unvorhergesehe und die Einzigartigkeit, die Vorstellungskraft und die Entschlossenheit zu kultivieren, weit weg von der Statistik der großen Zahlen, wie es uns jene Unbekannten lehren, die die Schließerautos vor den Gefängnissen von Fresnes oder von Valence letztens am 31. Mai und am 5. Juni abgefackelt haben. Oder wie uns die Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen zeigt, die einen Kabelstrang bestehend aus acht 10 000-Volt-Kabeln, der unter der Mörschbrücke in Berlin verläuft, am 31. März dieses Jahres angezündet hat. Zusätzlich dazu, dass 400 Geschäfte für lange Stunden ohne Strom waren, hat dieser Angriff vor allem den benachbarten Biotechnologiepark gelähmt und das Internet über weite Strecken lahm gelegt, denn es verliefen auch wichtige Glasfasernetze (vor allem militärische) dort. In ihrem Kommuniqué hat die Gruppe betont:

Es braucht das Eingreifen derer, die nicht länger zuschauen wollen. Zum Beispiel durch Angriffe auf das Funktionieren der Metropolen. Zum Beispiel durch die Sabotage von Strukturen, welche diese Zerstörung aufrecht erhalten, durch Angriffe auf Infrastruktureinrichtungen, künstliche Intelligenz, Smart City, Industrie 4.0 – Überwachungsformen aller Art.

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Aber zurück zu unseren interaktiven Straßenlaternen, angesichts dieser sehr zeitgemäßen Art von Problemen, hat der berühmte zu früh verschwundene Dr. A. Ufgehts, Hals-Nasen-Ohren-Arzt für städtische Prospektive, bestätigt, dass jede Halbmaßnahme in dieser Sache nutzlos sei (die verschiedenen Sensoren, einschließlich Bilder, einen nach dem anderen ausfindig machen und neutralisieren) und stattdessen vorgeschlagen sich direkt zu ihrer Quelle zu begeben. Hinsichtlich einer Heilbehandlung empfahl er, den Blick beispielsweise gen das Viertel von Planoise in Besançon zu richten, wo eine Brandstiftung an einem Transformator während eines Krawalls im März 2015 die Augen des Staates ins Dunkel getaucht hat, oder auch gen die Stadt Niort, in der zahlreiche Stromkästen, die die Straßenbeleuchtung mehrerer Straßen versorgen, im März 2018 regelmäßig sabotiert wurden. Hinsichtlich einer Vorsorgebehandlung jedoch, schließlich ist es ja wohlbekannt, dass es ebenso wichtig ist Vorsorge zu betreiben wie zu heilen, hat er hinzugefügt, dass der Blick sich gen diese kleinen diffusen und dezentralisierten Strukturen richten könnte, die man Start-Ups nennt, von denen es nur so wimmelt um all diese Daten für die Herrschaft verwertbar zu machen. Das ist zumindest, was der gute Doktor A. Ufgehts darüber sagte, dessen (Seh-)Schärfe sicherlich nicht künstlich war.

Der Klimawandel ist die Phantasterei einer Rechenmaschine!

Über die Entstehungsbedingungen eines militärisch-politischen Kontrollinstruments und seinen resultierenden grünen techno-wissenschaftlichen Totalitarismus

[Es ist so weit: Beim Zündlumpen hat man sich endgültig um den Verstand gesoffen oder gekifft – ein Verdacht, den manch eine*r schon immer heimlich gehegt hat – und nun wird nach Corona und dem Segen der Immunisierungsimpfungen sogar der Klimawandel „geleugnet“. Zeit dieses „Schwurbelblatt“ endgültig ad acta zu legen? Aber doch sicher nicht, ohne sich zuvor noch die geballte Dröhnung dieses ketzerischen Beitrags zu geben und diesen letzten Trip noch einmal voll auszukosten – und wer weiß, vielleicht bleibst du darauf ja hängen; Editorische Anmerkung der Redaktion]

Wenn man die Theorie des Klimawandels, wie sie uns heute beinahe als ontologische Tatsache präsentiert wird, nutzen wollen würde, um die sozialen und ökologischen Katastrophen (besser) zu verstehen, die sich um uns herum ereignen, so ist es meines Erachtens nach unbedingt notwendig, sich auch mit der Genese dieser wissenschaftlichen Theorie auseinanderzusetzen. Denn egal was man nun im Allgemeinen von der modernen Wissenschaft halten mag, egal ob man diese als kolonial und patriarchal betrachtet oder als ein Werkzeug der Emanzipation, egal ob man einer wissenschaftlichen Analyse mehr Bedeutung beimisst als einem Gefühl, einer Erfahrung oder einem Traum – und ich sage nicht, dass diese Fragen nicht von Belang wären, ich will sie nur vorerst zurückstellen –, so muss man doch zumindest der Wissenschaft als Institution, ihren zahlreichen staatlich-kapitalistischen und militärischen Instituten, ihren Hierarchien und vor allem den aus ihrer Forschung resultierenden Technologien ein Minimum an Misstrauen entgegen bringen, wenn man vermeiden will, nicht einer Ideologie aufzusitzen, wenn man nicht in Manier der Kirchgänger*innen, die ergeben den Priestern lauschen, willentlich oder unwillentlich am nächsten Kreuzzug, der nächsten Inquisition oder – zeitgemäßer ausgedrückt – dem nächsten Kolonialisierungsfeldzug mitwirken will. Vor diesem Hintergrund will ich zunächst eine – von leviathanischer Geschichtsschreibung gar nicht allzu divergierende – Geschichte der Erforschung des Klimawandels erzählen, eine Geschichte, die 1945 nirgendwo anders beginnt als in Hiroshima und Nagasaki.

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Am 6. und 9. August 1945 wurden die „Little Boy“ und „Fat Man“ getauften Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen und löschten dabei insgesamt rund 100.000 Menschen von einem Wimpernschlag auf den nächsten aus und hinterließen noch einmal mindestens ebenso viele verstümmelte Überlebende, die das nächste Jahr nicht mehr erleben sollten. Der als Schwarzer Regen bekannt gewordene Fallout dieser Atomexplosionen sollte die Militärstrategen der US-Armee in den folgenden Jahren noch intensiv beschäftigen und diese Beschäftigung würde schließlich ein gänzlich neues, interdisziplinäres Forschungsfeld hervorbringen. Wie verteilt sich der Fallout einer Atombombe in der Atmosphäre und den Meeren? Was hat das für Auswirkungen? Und wie lässt sich feststellen, ob nicht gerade vielleicht ein anderer, feindlicher Staat, eine solche genozidale Superwaffe testet? Diese Fragen trieben hochrangige Militärs um und ließen sie des Nachts nicht schlafen und so beauftragten sie diverse Wissenschaftler*innen, unter anderem auch Geologen, Meteorologen und Ozeanologen damit, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Bei ihren Untersuchungen entwickelten einige dieser Wissenschaftler*innen eine heute sehr populäre Theorie weiter und schufen Möglichkeiten, mithilfe globaler Messungen diese Theorie zu bestätigen (wie sich eine wissenschaftliche Theorie eben bestätigen lässt): Es geht natürlich um den Kohlenstoffdioxid-induzierten Treibhauseffekt. Als im Jahre 1957/58 ein internationales Geophysikalisches Jahr ausgerufen wird (ein freilich politisches Manöver zur Legitimation militärischer Forschung und Aufrüstung, wie der in diesem Rahmen ins All geschossene Satellit Sputnik und das gescheiterte Vanguard-Projekt, das in diesem Rahmen ebenfalls einen US-Satelliten in den Orbin befördern wollte, zeigen), erhält unter anderem Charles David Keeling erhebliche Fördermittel, um weltweit mithilfe entsprechender Sensoren den CO₂-Gehalt der Atmosphäre zu messen. Seine Messreihe, die auch Keeling-Kurve genannt wird, ist der erste wissenschaftliche Beweis für einen kontinuierlichen Anstieg des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre. Etwa zeitgleich, ab dem Jahre 1956, entwickelt der Wissenschaftler Gilbert Plass  ein Computermodell, das die zu erwartende globale Erwärmung aufgrund dieses CO₂-Anstiegs errechnen sollte. Diese Berechnungen können wohl als die historische Geburtsstunde dessen gelten, was uns heute von der Popkultur, ebenso wie von Staaten und Regierungen, aber auch Klimaaktivist*innen und sogar zahlreichen Anarchist*innen als „Klimawandel“ untergejubelt wird. Gilbert Plass, bzw. eigentlich muss man ja sagen, sein Computer errechnete – oder sollte man es orakeln nennen? – für eine Verdoppelung des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre einen globalen Temperaturanstieg um 3,6 Grad Celsius. Bis zum Jahr 2000 würde die Temperatur, bei einem angenommenen Anstieg der CO₂-Konzentration um 30 %, um rund 1 Grad ansteigen.

Es lohnt sich zu bemerken, dass zeitgleich zu dieser Forschung Atombombentests in gigantischem Umfang stattfinden, sowohl überirdisch als auch unterirdisch, im Wasser und in der Luft. Dabei werden ganze Landstriche verwüstet, Tiere und Pflanzen ausgelöscht, Menschen zwangsweise umgesiedelt (beispielsweise auf Bikini und Enyu, aber keineswegs nur dort), sowie tausende Versuchstiere gezielt den Explosionen ausgesetzt und folglich ermordet und verstümmelt. Mehrere hunderttausende Menschen sterben in der unmittelbaren Umgebung der Testorte an den Folgen dieser Tests. Was dabei als radioaktiver Fallout auch Bevölkerungen und Natur weit ab von den Testorten vergiftet, lässt sich heute kaum noch bestimmen, auch, weil nicht nur die Tests selbst, sondern auch deren Auswirkungen der Geheimhaltung unterliegen. In der Sowjetunion und den USA wird darüber hinaus auch am „zivilen Einsatz“ von Atomsprengköpfen, etwa zum Bau von Kanälen, usw. geforscht.

Die einst zum Zwecke der Bestimmung der Auswirkung von Atombomben bestellten Forscher*innen, sie haben längst ihren eigenen Umgang mit dieser unfassbaren Auslöschung von Leben gefunden. Sie interessieren sich nicht mehr für radioaktive Strahlung und deren Folgen, sondern für CO₂. Und dabei widmen sie sich vor allem zwei ganz neuen Sparten militärischer Forschung: dem Computer und der Raumfahrt.

Es lohnt sich hier, noch einmal einen Schritt zurückzutreten, in die 1940er Jahre und uns die Arbeit von John von Neumann zu Gemüte zu führen, einem der heute als Urväter der Informatik geltenden Wissenschaftler, die damals für das US-Militär arbeiteten. Nachdem er sich zuvor bereits vor allem mit Fragen der Ballistik und den Druckwellen von Bomben- und Minenexplosionen beschäftigt hatte, wirkte von Neumann ab 1943 am sogenannten Manhattan-Projekt mit, das jene Atombomben hervorbrachte, die 1945 die Bevölkerungen von Hiroshima und Nagasaki auslöschen würden. Von Neumann gehörte dabei nicht zu jenen Wissenschaftler*innen, die im Anschluss an diese Atombombenabwürfe wenigstens vorgaben entsetzt darüber zu sein, was sie geschaffen hatten – sofern man das überhaupt für glaubwürdig halten mag –, und sich auf recht wirkungslose und ebenso beschränkte Weise, wie es einem*r Wissenschaftler*in, die*der ein*e solche*r bleibt, eben zuzutrauen ist, gegen nukleare Waffen einsetzten; Nein, von Neumann nahm am darauffolgenden atomaren Wettrüsten aktiv teil und trug unter anderem dazu bei, die Wasserstoffbombe zu entwickeln. Neben seinem Engagement als Atombombenbauer engagierte sich von Neumann jedoch auch wesentlich auf dem Gebiet der Kybernetik. Zusammen mit deren populären Begründer Norbert Wiener organisierte er im Winter 1943/44 ein Treffen von Ingenieuren, Neurowissenschaftlern und Mathematikern, das sich mit den „Gemeinsamkeiten zwischen dem Gehirn und Computern“ beschäftigte. Er trug auch maßgeblich zum Bau von Computern bei, leitete eigene militärische Projekte zur Entwicklung von Computern, mit denen beispielsweise ballistische Berechnungen durchgeführt werden sollten. Bereits 1946 schlug von Neumann vor, Computer zur numerischen Wetterprognose zu verwenden, im März 1950 wurde auf dem militärischen Großrechner ENIAC, der von Neumann mit entwickelt worden war, die erste solche computergestützte Wettervorhersage auf Basis tatsächlicher Wetterdaten errechnet. Diese Berechnungen und die dabei entstandenen Modelle würden die Grundlage der in den späten 50er und frühen 60er Jahren aufkommenden, computerbasierten Klimamodelle bilden. Nach den Arbeiten von Gilbert Plass entwickelten Syukuro Manabe und Richard Wetherald 1967 das „Manabe-Wetherald one dimensional radiative-convective model“, das für eine Verdopplung des CO₂-Gehalts der Atmosphäre einen globalen Temperaturanstieg um 2,3 ° C vorhersagte. Dieses und die folgenden computerbasierten Modelle zur Vorhersage von Klimaphänomenen basieren vor allem darauf, dass die aus verschiedenen Eisbohrkernen der Arktis und Antarktis (die in der Regel vom oder mit Unterstützung des US-Militärs aus dem Eis gebohrt wurden) gewonnenen Daten über frühere CO₂-Konzentrationen der im Eis eingeschlossenen Luft der Atmosphäre, sowie die heutigen Messungen damit simuliert werden. Spiegeln die Ergebnisse diese (sehr selektiv erhobenen) realen Messungen aus diesen Proben wieder, gelten sie als tauglich, tun sie das nicht, gelten sie als untauglich (was auf mehr als 90% solcher Modelle zutrifft) und werden verworfen. Es handelt sich also bei diesen Modellen um wissenschaftliche Orakel, deren genaue Funktionsweise selbst den entwickelnden Forscher*innen unergründlich bleibt, von denen man sich jedoch erhofft, dass diese auf die eine oder andere Weise möglichst präzise Vorhersagen machen.

Im Zusammenhang mit dem atmosphärischen CO₂-Messungen der Vergangenheit und Gegenwart sind besonders zwei Phänomene, der sogenannte Kernwaffen-Effekt und der Suess-Effekt, hervorzuheben. Die Klimawissenschaft selbst widmet diesen Phänomenen bloß insofern Aufmerksamkeit, als dass sie diese bei der Kalibrierung ihrer Messmethoden berücksichtigt, abseits der wissenschaftlichen Brille betrachtet, könnte sich aus diesen Phänomenen, wie aus der Tatsache, dass es die Militärforschung um Atomwaffen und Kernphysik ist, die so gut wie alle Grundsteine der Klimawandelforschung legte, ein ganz anderes Bild ergeben: In der Atmosphäre kommt der in CO₂ gebundene Kohlenstoff in verschiedenen Isotopformen vor, vor allem als 12C und 14C. Isotope sind Atome des gleichen Elements, was sich durch die Protonenanzahl im Kern auszeichnet, bei denen jedoch die Neutronenanzahl verschieden ist. 12C etwa hat 12 Neutronen im Kern, 14C dagegen 14. 14C ist leicht radioaktiv. Es wird von der Wissenschaft angenommen, dass in der Atmosphäre stets ein gewisses Gleichgewicht aus 12C und 14C-Isotopen des CO2 gebundenen Kohlenstoffs existiert, weil die 14C-Isotopen in höheren Atmosphärenschichten gleichmäßig durch die Sonneneinstrahlung aus Stickstoffatomen entstehen und mit einer gewissen Halbwertszeit wieder zu 12C-Isotopen zerfallen. Das Verhältnis aus 12C und 14C-Isotopen müsste also eigentlich über die Zeiten konstant sein. Ist es aber nicht. Neben angenommenen natürlichen Ursachen für Schwankungen werden vor allem zwei Technologie-induzierte Schwankungsursachen angenommen: Der Suess-Effekt trägt zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichts in Richtung der 12C-Isotope bei. Diese Verschiebung beginnt vor ca. 150 Jahren mit der Industrialisierung und der vermehrten Verbrennung von fossilen Brennstoffen, in denen sich die 14C-Isotope aufgrund des hohen Alters ihrer Bindung, das ihre Halbwertszeit oft überschreitet, durch den radioaktiven Zerfall größtenteils in 12C-Isotope verwandelt haben. Das bei der Verbrennung frei werdende CO₂ enthält also eine deutlich höhere Konzentration an 12C-Isotopen als das atmosphärische Gleichgewicht und verschiebt dieses folglich in Richtung einer höheren 12C-Konzentration. Eine umgekehrte Verschiebung dieses Gleichgewichts wird durch den sogenannten Kernwaffeneffekt bewirkt. Insbesondere durch die oberirdischen Wasserstoffbombentests ab 1953 hat sich der Anteil der 14C-Isotope in der Atmosphäre verdoppelt, da bei einer Kernwaffenexplosion solche Isotopen freigesetzt werden. Bis heute hat sich das 12C/14C-Verhältnis nicht wieder normalisiert. Bei Unterwasser-Kernwaffentests werden übrigens ebenfalls 14C-Isotope freigesetzt, die sich jedoch kaum vertikal im Ozean verteilen, sondern teilweise eine etwa 1 Meter dicke Wasserschicht auf hunderte von Quadratkilometern radioaktiv kontaminieren. Mittlerweile testet man Atomwaffen deshalb nicht mehr in Luft oder Wasser, sondern unter der Erde … Jaja, was die Wissenschaft nicht alles für uns tut.

Die bereits angesprochenen Computermodelle für Klimaorakeleien wurden Mitte der 1960er Jahre durch eine weitere militärische Technologie ergänzt: Satelliten. Schun kurz nachdem 1959/60 die ersten militärischen Erdbeobachtungssatelliten, auch Spionagesatelliten genannt, von den USA aus ins All geschickt  wurden und sich zunächst vor allem mit der Beobachtung der UdSSR, der Volksrepublik China und schon bald mit dem Mittleren Osten (insbesondere im Sechstagekrieg) beschäftigten, wurde 1960 von den US-Behörden ESSA (Environmental Science Services Administration), NASA (National Aeronautics and Space Administration) und NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) das erste Wettersatellitenprogramm namens TIROS (Television and InfraRed Observation Satellite) ins Leben gerufen. Die Satelliten der TIROS-Generation waren mit Kameras ausgestattet, die eine Auflösung von etwa 3 Kilometer und einer Beobachtungsbreite (Schwadbreite) von rund 1200 Kilometern besaßen. Zudem befanden sich Strahlungsmessgeräte an Bord, die beinahe das gesamte Spektrum elektromagnetischer Strahlung abdeckten und eine Auflösung von 50 Kilometer hatten. Ab 1966 standen die in diesem Rahmen ins All beförderten Satelliten der Klimaforschung zur Verfügung. Das bereits parallel begonnene Wettersatellitenprogramm Nimbus lieferte dem bereits erwähnten Klimapropheten Manabe 1969 jene Messdaten, mit denen sein Klimamodell „verifiziert“ werden konnte (d.h. es errechnete ähnliche Ergebnisse). Die seither in der Klimaforschung eingesetzten Erdbeobachtungssatelliten dienen dazu, Eisfelder zu vermessen und damit deren Schwund zu bestimmen, die Wärmerückstrahlung der Erdoberfläche zu bestimmen, Wind- und Meeresströmungen zu beobachten, usw.

Es dauert nicht lange, bis die Klimaforschung, die zuvor beinahe ausschließlich eine militärische Angelegenheit gewesen war, auch zu einem weltpolitischen Gegenstand wird. 1979 wird in Genf die erste Weltklimakonferenz abgehalten, aus der in weiterer Folge das Weltklimaforschungsprogramm ebenso wie das IPCC, das Intergovernmental Panel of Climate Change, auch bekannt als Weltklimarat hervorgehen werden. Ein letztes Mal noch wird die Klimaforschung in den 1980er Jahren auf ihr Entstehungsgebiet, nämlich die Folgenabschätzung von Kernwaffeneinsätzen zurückkommen. Unter der Bezeichnung „Nuklearer Winter“ sollte vor den Auswirkungen eines globalen Atomkriegs gewarnt werden, die durch eine Verdunkelung der Atmosphäre durch Ruß, Rauch und Staub als globaler Temperaturabfall um 6 bis 8 Grad prognostiziert werden. Als Reagan und Gorbatschow jedoch ihre Atomraketen wieder einpacken, wird mit ihnen auch jegliche populäre Referenz der Klimawandelforschung auf diese Epoche atomarer Vernichtungswaffen verschwinden. Mit dem zunehmenden Dahinscheiden des Kalten Krieges gewinnt der sogenannte Klimawandel als ordnungspolitisches Paradigma der Weltpolitik an Bedeutung. In den 90er Jahren wird eine Klimakonferenz die nächste jagen, bei denen Staaten untereinander regeln, wie viel CO₂ sie jeweils ausstoßen dürfen und so dieses eindimensionale Maß für die Zerstörung der Biosphäre gefestigt wird. Motivation für diese Konferenzen: Durch die prognostizierten Folgen einer globalen Erderwärmung sehen sich die Herrschenden existenziell bedroht. Sie fürchten nicht nur Hungersnöte in Folge von Naturkatastrophen und kollabierenden Ökosystemen, sondern vor allem auch Aufstände ihrer Bevölkerungen sowie Völkerwanderungen, die ihre geopolitischen Interessen gefährden. Diese Überlegungen sind bis heute maßgeblich und führten zu einer neuen Aufrüstungswelle, die weniger in genozidale Superwaffen investiert (auch wenn solche Projekte längst nicht vollständig eingestellt wurden), als in Grenztechnologie und andere Technologien des globalen Bevölkerungsmanagements (siehe auch den Artikel „Planspiel Klimawandel“ in dieser Ausgabe).

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Was hat nun diese Genese des heute weitverbreiteten Szenarios eines Klimawandels damit zu tun, ob ich mich dieser Analyse guten Gewissens bedienen kann, um die ökologische Zerstörung dieses Planeten besser zu begreifen?

Zunächst einmal fällt unweigerlich auf, dass die Zerstörung der Biosphäre seit der Entwicklung des Modells „Klimawandel“ weitergegangen ist, ja vielfach sogar noch zugenommen hat, ebenso wie bereits vor der Etablierung dieses Modells als allgemein anerkanntes Szenario Menschen auch ohne Rückgriff darauf begriffen haben, dass die industrielle Verpestung der Umwelt, die Betonwüsten der Städte und die landwirtschaftliche Vernichtung von Lebewesen fatale Folgen für das (freie) Leben auf diesem Planeten haben. Weder lässt sich also sagen, dass die globale Zerstörung der Biosphäre nur mithilfe des Modells des „Klimawandels“ begriffen werden kann, noch hätte dieses neue Verständnis dieser Zerstörung dazu beigetragen, dass irgendeine Änderung eingetreten wäre. Soweit verhält sich das Modell „Klimawandel“ also bestenfalls neutral, wie übrigens so viele wissenschaftliche Dogmen.

Zugegeben: Die bildmächtige kulturelle Rezeption des Szenarios „Klimawandel“ vermag noch einmal eine andere Sprache zu sprechen, als die sich hinter ihr versteckende Wissenschaft. Sie bedient sich dessen, was die Wissenschaft als eine bestimmte Anzahl an Tonnen CO₂ zu abstrahieren pflegt, wenigstens als Bilder gigantischer Rauchwolken über Kohlekraftwerken oder als beinahe faschistisch anmutende, allmorgend- und allabendliche Autoparaden durch die Straßen irgendeiner (Beton-)Stadt. Doch es ist gar nicht im engeren Sinne die wissenschaftliche Theorie des Klimawandels, die dort im Vergleich zu irgendwelchen für den gemeinen Fernsehzuschauer beeindruckenden ebenso wie exotischen Naturaufnahmen über das Gerät flimmernden Bildern dargelegt wird. Nein, es sind ja eben keine nuklearen Differenzialgleichungen, keine Schaltpläne von Computern, ja nicht einmal die Schaubilder irgendeines der zahlreichen kybernetischen Klimamodelle, die dort gezeigt werden.  All das, es wäre dem gemeinen Fernsehzuschauer völlig unbegreiflich, ebenso wie es dem vielleicht wissenschaftlich-mathematisch-kybernetisch geschulten Auge bloß eine rationale, emotionslose Erläuterung eines Modells bleibt und selbst den entwickelnden Wissenschaftler*innen selbst ein nettes Zahlenspiel ist, angetrieben von einer vielleicht gewissermaßen verständlichen Faszination, das fehlende Element in einem Rätsel zu finden und manchmal vielleicht auch von irgendwelchen technokratischen Utopien beflügelt oder wenigstens von der Aussicht eines Karriereschubs.

Man kann nun freilich darauf vertrauen, dass die Damen und Herren Wissenschaftler*innen, die sich in ihrem Alltag mit jenen Zahlenspielen befassen und mal hier, mal dort eine Zahl austauschen, einen Parameter hinzufügen oder entfernen oder eine gänzlich neue Gleichung aufstellen, ihre Arbeit schon gewissenhaft machen werden. Und obwohl ich selbst das bezweifle, ist das vielleicht auch gar nicht das Problem: Denn man kann seine Arbeit ja schon gewissenhaft machen, kann wie vielleicht Robert Oppenheimer vor dem Trinity-Test auch nach Abschluss aller Arbeiten noch einmal alle Berechnungen durchgehen, um zu überprüfen, dass einem auch ja kein Fehler unterlaufen ist, und dennoch kann mein Projekt, an dem ich da gerade arbeite, vom Typus des Manhatten-Projekts sein. Was uns vielleicht zu dem eigentlichen Problem bringt: Kann ich darauf vertrauen, dass jene Wissenschaftler*innen, die zuvor direkt oder indirekt an Projekten wie dem Manhatten-Projekt beteiligt waren, jene, deren Branche nur in der Nachfolge solcher Projekte entstehen konnte, jene, deren gesamte wissenschaftliche Tradition, deren Dogmen oder Axiome, wie man auch sagt, auf diesen vorangehenden Arbeiten gründen, an irgendetwas arbeiten, was in meinem Sinne sein könnte? Ich denke, ich kann es nicht.

Wenn ich darauf jedoch nicht vertrauen kann, wie kann ich dann das Modell „Klimawandel“ für mich nutzen und es übernehmen? Der einzige Weg dazu wäre aus meiner Sicht, wenn ich es alleine oder gemeinsam mit anderen, die meine Ideen teilen, nachprüfe. Ich benötige also Computer (und wir sprechen hier gewiss nicht von einem handelsüblichen Personal Computer), Satelliten, gigantische Bohrer, Arktis-Forschungsstationen, Equipment zur Radiokohlenstoffdatierung und vielleicht, das wird sich zu gegebener Zeit dann noch herausstellen, benötige ich sogar Kernwaffen, um meine eigenen Tests damit durchzuführen. Anders ausgedrückt: Ich müsste eben jene industriell-technologisch-militärische Todesmaschinerie nachbauen oder mich ihrer uneingeschränkt bedienen (können), die eben auch die Klimawandelforschung hervorgebracht hat. Denn wie anders sollte ich in der Lage sein, den „Klimawandel“ selbst zu begreifen, ohne mich dabei auf die Behauptungen derjenigen zu stützen, die sich schon so oft als meine erbittertsten Feind*innen erwiesen haben?

Aber stellen wir diese Problematik für den Moment noch einmal zurück und widmen wir uns, bevor nun irgendwer auf die Idee kommen mag, ein „anarchistisches“ Atomprogramm ins Leben zu rufen, noch einmal den möglichen Erkenntnissen, die uns eine eigene, wissenschaftlich abgesicherte und vereinheitlichte (weil sie Objektivität behauptet und damit subjektive Erfahrungen abwertet und schließlich eliminiert) Theorie des Klimawandels erwartungsgemäß liefern würde: Die momentane industrielle, militärpolitische Ausprägung dieser Theorie, sie vermag vor allem eines zu liefern: Zukunftsprognosen. Wenn „wir“ dies oder jenes nicht innerhalb der nächsten 5, 10, 20, 30, 50 oder hundert Jahre ändern würden, dann … ja dann kommt die Apokalypse. Und weil es diese Apokalypse weder geben soll, noch darf, verlängert sich das Zeitfenster nach 5 Jahren auf 10, nach 10 auf 20, nach 20 auf 30, und so weiter. Manchmal wird auch erklärt, man habe eine entsprechende Veränderung nun erreicht oder irgendeine neue Forschungsarbeit erklärt eben kurz und knapp, dass man sich in der Vergangenheit ohnehin geirrt habe und man nicht dies, sondern jenes hätte verändern sollen, was also die ausgebliebene Veränderung irrelevant macht. Hat man von den Wissenschaftler*innen des Klimawandels jemals den Vorschlag vernommen, hier und jetzt, also jetzt gleich, hinzugehen, zum nächsten Kraftwerk, zur nächsten Autobahn, zum nächstgelegenen Tagebau, zur nächstgelegenen Raffinerie oder Fabrik und dieses Elend ein für alle Mal niederzubrennen? Gewiss nicht. Und jenen, die schon dazu neigen zu betonen, dass eigentlich alles sofort stoppen müsste, taugt als Vorwand im Zweifel, dass der Akt des Abfackelns ja nur neues CO₂ produzieren würde. Wie praktisch. Zumindest für jene, denen am Fortbestand der alten Ordnung gelegen ist. Stattdessen wird die gegenwärtige Zerstörung der Biosphäre den Klimawandel-Prophet*innen zunehmend zum Referenzpunkt des gerade noch Erträglichen, zu dem, was später rückgängig gemacht werden könne, zu dem, was zwar beendet werden soll, aber weder mitten im Geschäftsjahr, noch solange keine ertragreiche, nunmehr CO₂-neutrale Alternative der Zerstörung derselben Biosphäre gefunden ist.

Sowieso: CO₂-neutral. Auch wenn man das Klima als ein übermäßig kompliziertes und ohne Computer, Satelliten und wissenschaftliche Propheten unmöglich zu verstehendes (und doch ist man überrascht, dass indigene Bevölkerungen oft ebenso bessere Prognosen als die der Wissenschaft liefern, was diese Phänomene angeht, wie die wenigen überlieferten „Bauernweisheiten“ selbst innerhalb des zivilisierten Lebens) Gebilde zu inszenieren versteht, so sind doch die praktischen Schlüsse, die man daraus zu weissagen versteht, vergleichsweise banal: CO₂ und Treibhausgase, die sich als CO₂-Äquivalent angeben lassen, müssten beschränkt werden. Dafür ist es auch tauglich, neue Akte der Zerstörung der Biosphäre zu begehen, indem etwa CO₂ in unterirdische Gesteinsschichten hineingepresst werden soll, oder gar allzu offensichtliche Schönrechnungsversuche, indem ganze Biotope gerodet werden und dort im Anschluss neue, schneller wachsende Bäume (etwa Eukalyptus) gepflanzt werden, als Ausgleich dafür, dass etwa fossile Brennstoffe beim Transport von Waren und Menschen verbrannt werden. Ebenso verwandeln gigantische Tagebaue ganze Landstriche in Wüsten, um nach jenen Technologie-Rohstoffen zu schürfen, mit denen dann die CO₂-neutralen, erneuerbaren Wind-, Wasser-, und Solarkraftwerke errichtet werden, für deren Bau mancherorts ebenfalls Wälder gerodet werden. Nicht zuletzt wird sogar die Atomkraft als „saubere“ Energiequelle gehandelt, weil eben atomarer Müll, der noch in 10.000 Jahren eine tickende Zeitbombe sein wird, ebenso wie die schon heute gesundheitsschädliche und tödliche Strahlung selbst um „intakte“ Kernreaktoren mit nur „unbedenklichen Rissen“ oder selbst ohne irgendwelche Risse eben kein CO₂ und kein CO₂-Äquivalent sind. Das alles sind die Entscheidungen, die auf Basis der Erkenntnisse der aktuellen „Klimawandel“-Theorie von Herrschenden getroffen und der überwiegenden Mehrheit gehirngewaschener Bevölkerung gutgeheißen wird. Das ist der faktische Nutzen, den diese Theorie derzeit in einem Kampf gegen die Zerstörung der Biosphäre einzubringen vermag.

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Wenn ich mich in der Welt umsehe, egal ob ich den Erzählungen von Gefährt*innen aus Südamerika lausche, mich mit Geflüchteten von beinahe überall aus der Welt über die Zustände in ihrer Heimat unterhalte, die Analysen von Anarchist*innen aus anderen Teilen der Welt lese, oder vor die eigene Haustür trete, so nehme ich eine gigantische ökologische Zerstörung wahr. Waldrodungen für Plantagen, die die Böden in wenigen Jahren aufbrauchen, Tagebaue, die Quadratkilometer um Quadratkilometer der Biosphäre in lebensfeindliche Wüsten verwandeln, schwindende Wasserresserven, die zu Dürren führen, Waldbränden und Wüsten, auf Feldern ausgebrachte Pflanzengifte, die Insekten ausrotten, Böden und Wasser kontaminieren und nur noch den Anbau von genmanipuliertem, patentiertem Saatgut möglich erscheinen lassen, landwirtschaftliche Monokulturen, die die Böden Jahr um Jahr schwinden lassen und gigantische Mengen an Düngemitteln erfordern, Gewässer, die aufgrund der landwirtschaftlichen Vergiftung kippen, schwindende Fischbestände, Plastikmüll in den Meeren, strahlenverseuchte Umgebungen, betonversiegelte Flächen, auf denen nichts mehr gedeiht, luftverpestende Industrie, die Krankheiten bei Mensch, Tier und Pflanzen hervorruft und Artensterben verursacht, Autobahnen, deren Lärm Tier und Mensch vertreibt, Städte, mit ihren Betonwüsten und ihrer Lichtverschmutzung, Müllberge, die Böden und Gewässer vergiften, Windparks, die zum Aussterben von Mikroorganismen und Insekten führen, Solarparks, die man auch schwarze Wüsten nennen kann, Wasserkraftwerke und begradigte Flüsse, deren Biotope dadurch zerstört werden, anhaltende Trockenheitsperioden und Wetterextreme, die zu Dürren und Überschwemmungen führen, aussterbende Vogelarten, Bienensterben, Insektensterben im Allgemeinen, usw. usw. Und man braucht kein*e Wissenschaftler*in  zu sein, um zu wissen, was für all diese Dinge verantwortlich ist, ebensowenig wie es den ohnhein zweifelhaften Verstand eines Mathematikers braucht, um sagen zu können, dass all diese Zerstörungen schon in Kürze dazu führen werden, dass die Grundlage für unser Leben auf diesem Planeten vollkommen zerstört sein wird. Man könnte vielleicht geneigt sein zu behaupten, dass die in Städten lebenden Menschen durch ihre Lebensweise so sehr von ihrer Umwelt entfremdet sind, dass sie diese Vernichtung nicht erkennen würden, aber ich bin nicht geneigt, das zu glauben. Nein, von der eigenen Umwelt entfremdet oder nicht, wer halbwegs mit offenen Augen durch diese Welt wandelt, der*dem kann diese Zerstörung nicht entgehen. Und es entgeht den Menschen ja auch nicht, dass die Welt um sie herum mitten in einem Kampf auf Leben und Tod mit der industriellen Zivilisation steckt. Und vielleicht ist durchaus bereits den meisten gedämmert, dass es nun an ihnen ist, sich für eine Seite in diesem längst tobenden Krieg zu entscheiden: für die Todesmaschinerie des Fortschritts oder für die Möglichkeit des Lebens.

Das Narrativ des Klimawandels, es erfüllt dabei vielleicht den schmutzigsten Zweck von allen, indem es den Fortschritt als auf Seiten des Lebens stehend ausgibt und die völlig unbegründete Hoffnung aufkeimen lässt, dass wenn dieser Fortschritt nur CO₂-neutral wäre, er vielleicht weniger todbringend sein könnte… Zugleich ist die Theorie des Klimawandels unzweifelhaft auch ein Instrument militärisch-technologischer Kontrolle, das strategisch relevante ökologische und soziale Zusammenbrüche vorhersehbar und folglich daraus resultierende Erhebungen gegen die Herrschenden schon präventiv bekämpfbar macht bzw. machen soll. Es ist naiv zu glauben, dass Forschungsbeiträge, die sich mit den Auswirkungen von klimainduzierter Flucht, Nahrungsmittelknappheiten, Umweltkatastrophen und Co. befassen und diese sogar in den Mittelpunkt der eigenen Forschung rücken, zu irgendetwas anderem (etwa einem Erweckungserlebnis der westlichen Bevölkerung) beizutragen vermögen, als dazu, solche Katastrophen besser verwaltbar zu machen. Egal ob man sich nun mit eigenen Forschungsbeiträgen aktiv an dieser Herrschaftssicherung beteiligt, oder ob man der Wissenschaft durch eine außerhalb von ihr stehende, sich jedoch uneingeschränkt positiv auf sie beziehende, Bewegung dazu verhilft, neuen Nachwuchs zu rekrutieren, das Vertrauen der Menschen in sie zu steigern oder auch nur den Mördern im Weißkittel das Gefühl verleiht, etwas „für die Menschheit“ zu leisten. In jeder Form kann ein Bezug auf die Wissenschaft und ihr Narrativ des Klimawandels meiner Meinung nach keinesfalls der Ausgangspunkt einer anarchistischen Analyse sein.

Wo uns die Wissenschaft das Bild vermittelt, es mit einem komplexen System aus un- oder auch nur schwer durchschaubaren Einflüssen zu tun zu haben, das die Biosphäre, unser aller Lebensgrundlage zu einer lebensfeindlichen Wüste verwandelt, in das wir daher nur äußerst besonnen, das heißt, dem Rat der Nekrowissenschaftler*innen folgend, eingreifen sollten, ist die Realität doch eigentlich ganz einfach: Es ist nicht mehr und nicht weniger als die industrielle Zivilisation, die für diese Zerstörung der Biosphäre verantwortlich ist; und auch wenn es freilich auch ein Interesse des techno-industriellen Komplexes ist, die Lebensfähigkeit der Biosphäre gerade soweit zu erhalten, dass diese auch weiterhin die notwendigen Rohstoffe zur Reproduktion der industriellen Zivilisation zu liefern vermag, so ist es doch gänzlich unvorstellbar, dass die Technologie ebenso wie die Wissenschaft dieses Komplexes irgendeinen Beitrag dazu zu leisten vermag, dass wir einst wieder Seite an Seite mit anderen freien Wesen in einer intakten Biosphäre leben können werden.

Boris, wir denken an dich!

Seit Anfang August liegt Boris mit schweren Brandverletzungen im Krankenhaus, noch immer ist unklar, ob er überleben wird. In Frankreich und anderswo gab es seit seiner Inhaftierung und insbesondere seit dem Brand in seiner Zelle einige Angriffe, die mit den Gedanken bei Boris seinen Kampf fortführen.

16. Juni

„Wir haben in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni [in Toulouse] drei Fahrzeuge mithilfe von Anzündern, die wir unter die Vorderreifen oder auf den Hinterreifen unter die Tanköffnung gelegt haben, angezündet, ein E-Auto von Tesla, einen Lieferwagen von Socorep und einen Lieferwagen von Scolopec.

– Den Tesla, weil das, was ihn zusammensetzt,  aus den schlimmsten Extraktionsbedingungen von seltenen Erden, von Kunststoffen, von Metall stammt und weil er mit Strom angetrieben wird, der auch mithilfe der Extraktion von Uran produziert wird. Dieser Extraktivismus hält zahlreiche Orten und Personen unter westliche neokoloniale Abhängigkeit, während er gleichzeitig die Umwelt zerstört… Das ist der Grund, aus dem uns der mit grünem Lack überstrichene Kapitalismus anekelt, weil er wie der Rest von der Ausbeutung der Welt zu wirtschaftlichen Zwecken abhängt und weil seine Produktion überhaupt nicht recyclebar ist.

– Den Socorep-Lieferwagen, weil Socorep ein Großbau-Unternehmen ist, das zur Ausbreitung der Städte und der Zivilisation beiträgt, auch wenn 40 000 Wohnungen in Toulouse leerstehen (um nur von Wohnungen zu sprechen) für so viele Personen auf der Straße und für abgeschobene Menschen in ihr Herkunftsland.

– Den Scolopec-Lieferwagen, weil dieses Unternehmen Telekommunikationsnetzwerke errichtet, insbesondere 5G, was zur Abhängigkeit von der Technologie und der Gesellschaft des Spektakels, die so viele Menschen einlullt, beiträgt. Außerdem wird diese Technologie immer mehr Alltagsgegenstände miteinander verbinden und eine größere Überwachung der Bevölkerung und der Ströme ermöglichen, wenn sie aufrecht erhalten wird.

Wir wollen dieser wuchernden Zivilisation ein Ende setzen.
Auf dass diese Flammen sich ausbreiten mögen und unsere Anarchie dazu!

Solidarität mit B., der für die Brandstiftungen an Funkmasten angeklagt ist.“

15. Juli

„In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli haben wir einen Transporter mit Hebebühne von Scopelec im Quartier des Eaux Claires in Grenoble angezündet.

Ein kleiner Schlag gegen dieses Unternehmen, das Teil daran hat, durch die Installation von Telekommunikationsnetzen (Glasfaser, 5G, etc.) die technologische Kontrolle auszuweiten. Die Etablierung eines Gesundheitspasses ist ein Stein mehr in der Errichtung „intelligenter Städte“, von Überwachung und Tracking.

Solidarität mit Boris, der für die Brandstiftung an zwei Funkmasten eingesperrt ist!

P.S.: Der Regen löscht das Feuer nicht.“

 

18. August

„In den Höhen der Peripherie von Nancy hat an diesem 18. August eine 5G-Antenne gebrannt. Weder Atomkraft noch 5G! wurde auf eine Wand der Einfassung getaggt, die Menschen vom Zutritt abhalten sollte.

Eine Antwort unter anderen gegen die Hartnäckigkeit der Regierung, mit Gewalt ihr Projekt der Digitalisierung der Welt durchzusetzen. Dieses Jahr wird auch entscheidend für das Atommüll-Endlagerprojekt in Bure sein, das sich auch trotz des lokalen und weiter entfernten Widerstands, der seit Jahren aufrechterhalten wird, auferlegt. Die Atomkraft und 5G sind die Pfeiler einer tödlichen Industrie.

Solidarität mit allen in Folge dieser Kämpfe angeklagten Personen!

Erleuchtete Jogger und Joggerinnen“

21. August

„Gestern abend wollten wir Boris, anarchistischer Gefährte, der wegen eines Feuer in seiner Zelle im Gefängnis von Nancy-Maxéville im Koma liegt, eine solidarische Botschaft schicken.

In Montreuil schreitet die Gentrifizierung mit Riesenschritten voran, mit neuen Wohngebäuden, die dank des Ausbaus der U-Bahn für eine betuchtere Bevölkerung bestimmt sind. Wir sind keine Bewunderer der Elendsbehausungen der Armen und der Viertel, die vom Schwarzhandel zermürbt sind, eine einfache Form des Kapitalismus, wenn auch illegal. Aber das Labyrinth aus Gassen zwischen den kleinen, selbstgebauten Häusern hat seinen Charme und erlaubt den Menschen, die dort leben, andere Beziehungen zu bilden, weniger vom Geld bestimmt sind. Auch eine andere Beziehung zum Staat. Die verwinkelten Gassen machen die Videoüberwachung, die auch in Montreuil zunimmt (wie überall in Paris), weniger effizient.

In diesem Kontext ist die Werbung in wichtiger Vektor, um die kapitalistischen und autoritären Werte dieser Gesellschaft durchzusetzen: Eigentum, Konsum, Arbeit, „Erfolg“, Konformismus. Diese Ideen haben die Vorstellungskraft von fast allen kolonisiert, inklusive der ärmsten und marginalisiertesten sozialen Schichten. Dieser Konformismus des Denkens verhindert sich etwas anderes vorzustellen, ein anderes Leben. Wie soll man mit Menschen über Revolution sprechen, die nur von Reichtum, Familie, flüchtigen Gadgets träumen, die das gelebte Leben ausfüllen?

Deshalb dachten wir, dass ein Kastenwagen von JC Decaux [Werbeunternehmen] ein gutes Ziel wäre. Der, der in der Rue Ernest Savart geparkt war, wurde also den Flammen übergeben. Das gleiche Schicksal ereilte etwas weiter unten in der Rue Victor Beausse ein Kleintransporter von Enedis [Stromunternehmen] (nicht nötig, die in diesem am meisten nuklearisierten Land der Welt vorzustellen).

Nur Mut Boris!
Erhobenen Hauptes, mit feurigem Herzen!
Lang lebe die Anarchie!

21. August

In der Nacht vom 21. auf den 22. August haben wir in Paris einen Transporter von Eiffage [Knastbauer] in Brand gesetzt. Das Gefängnis zerstört Leben, drinnen und auch nach der Entlassung. Es schwebt auch wie eine Drohung über den Personen außerhalb. Eine Drohung gegen jene, die sich gegen diese Ordnung der Dinge auflehnen. Es ist das letzte Bollwerk dieser Welt gegen jene, die aus Notwendigkeit oder aus einer Entscheidung heraus diese bekämpfen.

Wir haben leider nicht die Kraft um das zu tun, was getan werden müsste, nämlich diese Betonmonster bis zum letzten in Trümmern zu hinterlassen. Wir weigern uns trotzdem aufzugeben, weil es durch den Kampf in der unterlegenen Position selbst ist, dass wir ein bisschen erblicken können, was wir wollen: Freiheit und das Ende der Ausbeutung.

Wir greifen also unter anderen die Unternehmen an, die sich durch das Bauen von Gefängnissen oder durch ihre Verwaltung bereichern. Wie Eiffage!

Solidarität mit Boris“

30. August

„Die kapitalistische Wirtschaft braucht es der Gesellschaft Sicherheit zu verkaufen, einer elendigen, schlafenden Gesellschaft. Die kapitalistische Maschine, ihre uniformierten Schergen und die Scheiße, die sie umgibt, existiert, um Menschen dazu zu bringen Befehlen zu gehorchen und dann zu scheißen und Plastikzeug wie Handys zu kaufen. Natürlich bringt eine Wirtschaftskrise keine Repression, aber Immigranten, Viren, Feuer und Dissidenten schon. Regierungen werden alles nutzen um die Überwachung der Massen zu vergrößern, Angst zu schüren, Langeweile über Bildschirme, folge einfach den Apps und du bist sicher.

Einige gehorchen Befehlen natürlich nicht, sondern positionieren sich bewusst auf der anderen Seite und leisten Widerstand gegen die leere kapitalistische Realität. Einige führen den Kampf in den Zellen der Tyrannei fort. Für sich und für uns. Lasst uns die Feuer von den Wäldern in die Städte tragen. Lasst die Aristokraten, die Sicherheitskräfte und ihre Herren jeden Preis für die Katastrophen zahlen. Am Montag, den 30. August, haben wir ein Fahrzeug des ELTA-Kuriers [griechische Post] in Vyronas in Gmittou [in Griechenland] abgefackelt.

EINE KLEINE SOLIDARITÄTSBOTSCHAFT UND UNTERSTÜTZUNG FÜR DIMITRIS HATZIVASSILIADIS

FÜR DEN ANARCHISTEN BORIS DER NACH EINEM BRAND IN SEINER ZELLE IM KOMA LIEGT

Anarchisten“

4. September

„Während ich im unteren Montreuil in der Nähe von der Nummer 4 der Rue Dolorès spazieren ging, konnte ich feststellen, dass die Fassade von Egis umdekoriert worden war. Zusätzlich zu zahlreichen Tags kann man auf den oberen Etagen Farbflecken erkennen.

„Solidarität mit den Eingesperrten / Stirb Egis Stirb Knast / Antennen, Gitterstäbe, Nieder mit dieser Gefängniswelt / Egis baut Gefängnisse / Solidarität / Egis stirb / Wir wollen nicht in euren Knästen vermodern / Feuer den Knästen / Aufstand, er lebe hoch! / 3G, 4G, 5G, Antennen brennt / Stirb Knast / Solidarität mit Boris / Flucht / Es lebe das Feuer / Konstrukteur der Gefängnisstadt / Egis Kollaborateure“

Egis ist tatsächlich als Ingenieursfirma bekannt, die insbesondere Vorstudien zur Errichtung eines neuen Knastes im Département Seine-Saint-Denis, neben dem Knast von Villepinte, erstellt; Boris ist ein anarchistischer Gefährte, der heute aufgrund eines Brandes seiner Zelle im Koma liegt. Er ist für die Brandstiftung an zwei Funkmasten während des ersten Lockdowns inhaftiert.

Hier haben wir mal eine bunte Fassadenneugestaltung, die eine schöne Abwechslung zum Grau der Gefängnisstadt ist!“

5. September

„In Solidarität mit Boris, der seit einem Feuer in seiner Zelle seit inzwischen einem Monat im Koma liegt, wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag ein Fahrzeug von Orange [frz. Mobilfunkanbieter] vor den Büroräumen von Orange im Zentrum von Grenoble  angezündet.

Warum Orange? Einfach weil wir den Bericht über den Prozess von Boris gelesen haben und wir gesehen haben, dass Orange über seine Anwältin versucht hat unseren Gefährten so weit wie möglich in die Scheiße zu reiten. Natürlich sind die Richter, Staatsanwälte und Schließer ebenso verantwortlich für seine Lage, aber wir hatten Lust eine Kampagne gegen Orange zu starten, da Orange ein bisschen überall in unserer Greifweite liegt: zerstochene Reifen, eingeworfene Schaufenster der Stores, Tags, verbrannte Karren, verbrannte Masten, etc., für jeden Geschmack ist etwas dabei, derjenigen, die Lust haben an dieser kleinen Kampagne teilzuhaben, um zu zeigen, dass wir Boris nicht vergessen und dass wir an ihn denken, erhobenen Hauptes und mit feurigem Herzen!

Wir nutzen dieses kleine Communiqué um an der Debatte um anarchistische Solidarität teilzunehmen. Für uns sollte sich diese Solidarität nicht auf die Repression beschränken, und in all diesen Situationen scheint es uns wichtig, dass die Anarchisten sich gegenseitig unterstützen um zu zeigen, dass Affinität nicht nur ein sinnentleertes Wort ist. Insbesondere seit dem Beginn der Corona-Krise, die zahlreiche Anarchisten extrem isoliert hat. Wir wollten auch sagen, dass Solidarität nicht nur Angriff ist, dass es jede Menge Arten und Weisen gibt, seine Solidarität mit den Anarchisten um uns herum auszudrücken.

Wir nutzen es auch um lauthals das stachlige Problem auszudrücken, dass in diesen letzten Jahren unsere Angriffsziele auch diejenigen der Faschos/Verschwörungstheoretiker sind. Von Masten (erinnern wir uns, dass von quasi allen Prozessen wegen Funkmastbränden in Frankreich Boris der einzige gewesen ist, der keine Verschwörungstheorien ausgedrückt hat) bis hin zu Impfzentren. Was sagt das über den aktuellen Anarchismus? Und wie das angehen, sodass man die anarchistischen Akte nicht mit Akten von Verschwörungstheoretikern verwechseln kann und warum ist das wichtig? Dass die Linken seit Wochen Hand in Hand mit Faschos/Verschwörungstheoretikern auf die Straße gehen, sollte uns eine Warnung vor der Gefahr der Idee eines gemeinsamen Kampfes sein, die dazu führt, dass es uns egal ist, mit wem wir kämpfen, solange man die gleiche Praxis und das gleiche Ziel hat. Man vergisst, dass die Menschen, deren Handlungen man bejubelt, oder mit denen man demonstriert, Positionen haben, die hinsichtlich quasi allem mit den unseren in Widerspruch stehen, und dass wir in anderen Kontexten ihr Angriffsziel sein werden.

Viel Kraft und Mut für Boris und seine Lieben!

Einige solidarische Widerborste

6. September

„Nicht einfach, eine schmutzige Domäne zu finden, in der Vinci nicht mitmischt. Von Katar bis Chile, von Frankreich bis Russland, dieses Industrieprunkstück exportiert seine Infrastrukturen in die ganze Welt. Zerstörung des Lebendigen, Ausbeutung und Einsperrung von Menschen sind natürlich auf dem Programm. Deshalb wird das Nutzfahrzeug von Vinci, das wir vor einigen Tagen in Ivry angezündet haben, Vinci nicht davon abhalten weiter seine Knäste zu bauen.

Wir hoffen nur, dass, außer dass uns dieser Moment gut getan hat, es dazu beiträgt die Wütenden von überall daran zu erinnern, dass sie nicht alleine sind und dass die Flamme der Revolte nicht erloschen ist. Was das betrifft, haben wir uns nicht davon abhalten können, während wir unser Freudenfeuer entfachten, an unseren Freund Boris zu denken, der immer noch im Krankenhaus liegt.

Feuer den Knästen und jenen, die sie bauen!

 

Quelle: Sans Nom, Dark Nights

[Cremona, Italien] Green Pass? Alles blockieren

[Der folgende Text wurde Anfang September 2021 in Cremona, Italien, als Flyer verteilt]

Ein altes Sprichwort besagt, dass der Refrain derjenigen, die das Haupt erhoben halten, die Windgeschwindigkeit des Sturms bestimmt.

Am heutigen Mittwoch, den 1. September, wurde in verschiedenen Bahnhöfen des Belpaese eine Einladung verteilt, Züge zu blockieren, um die Verpflichtung all derjenigen, die mit bestimmten Transportmitteln reisen wollen, einen grünen Pass mit sich zu führen, zu kritisieren. Was könnte passieren, wenn der Zug der Resignation gegenüber des Zwangs stoppen würde, im Sinne von „wenn ich mich nicht bewegen kann, dann bewegt sich niemand“?

Wenn ein Telematik-Steuerungs-Verstärker angegriffen wird, wenn ein Impfzentrum sabotiert wird, wenn ein*e Virolog*in, die*der Einschränkungen für jene, die sich nicht impfen lassen, fordert, auf der Straße angegriffen wird, wenn ein Partei Bankett umgestürzt wird, wenn du die glänzende Idee hast, damit zu beginnen die Bewegung menschlicher Waren zu blockieren, wie viele Möglichkeiten könnten daraus entstehen? Wenn ein aufkeimender Protest gegen Grüne Pässe und die Disziplinierung der Bewegungen der Menschen Räume für alle öffnet, ohne Anführer*innen oder die Vollstreckung von Gesetzen, können wir dann damit beginnen, Inhalte zu entwickeln, die die sozialen Widersprüche als ein Resultat der zunehmenden luftabschnürenden Kontrolle über unsere Leben begreifen?

Es gibt viele Möglichkeiten des Ungehorsams, um als denkende Individuen zu explodieren. Alleine oder gemeinsam mit anderen. Im Lichte der Sonne, ebenso wie im Dunkel der Nacht – mit der Idee mit allem zu brechen, das uns die Luft abschnürt – können wir dem Käfig der Politik und den Ketten der Vernunft entfliehen. Mit nur einem kleinen bisschen Vorstellungskraft können wir versuchen ungekannte Momente der Befreiung von den Beschränkungen zu erleben.

Alles zu blockieren stoppt die Regneration einer Gegenwart voller Diskriminierungen, die von der Vergangenheit aufgezwungen werden, es stellt die Vorstellungskraft der Reflexion wieder her und erweckt den Geist der Revolte zum Leben. Anders als der technische Wortschatz des Regimes ist das Blockieren niemals ein Selbstzweck, sondern es bedeutet, Risse in der Normalität zu erzeugen, neue Räume zu öffnen, wo wir zuvor unfähig waren, sie zu begreifen, unerwartete Überraschungen zu erschaffen, uns einzuladen zu ungekannten Horizonten zu reisen, Gelegenheiten für neue Herausforderungen entstehen zu lassen.

Alles zu blockieren bedeutet also, ein Leben in Würde zu ermöglichen und schließlich die EInzigartigkeit eines jeden Individuums zu entdecken.

Einige wenige Vagabund*innen


Die deutsche Übersetzung folgt der bei Dark Nights veröffentlichten, englischen Übersetzung. Das italienische Original erschien unter dem Titel Green pass? Bloccare tutto bei Finimondo.

Auf dass der Wind sich dreht!

Die industrielle Windenergie ist niemals etwas anderes als die Fortführung der industriellen Gesellschaft mit anderen Mitteln. Anders gesagt kann eine klarsichtige Kritik der Elektrizität und der Energie im Allgemeinen nichts anderes als eine Kritik an der Gesellschaft sein, für die die massive Energieproduktion überlebensnotwendig ist. Der Rest ist nur Illusion: maskierte Zustimmung zur aktuellen Situation, zu deren Erhaltung in ihren wesentlichen Aspekten sie beiträgt.

Le vent nous porte sur le système, 2009

Eine Gewitternacht. Die elektrischen Entladungen erleuchten den Himmel, während der Donner das Ende der Welt anzukünden scheint. Auch wenn letzteres an diesem 1. Juni 2018 in Marsanne (Drôme [Frankreich, Anm. d. Übs.]) nicht eintrat, ist dennoch etwas in jener Nacht geschehen, oder besser zwei Dinge, die letzlich ein unerwartetes Schicksal erlitten: zwei Windkrafträder werden angegriffen. Eines brennt vollständig ab, das zweite wird beschädigt. Die missgelaunten Staatsbüttel und die RES-Gruppe [Erneuerbare-Energien-Unternehmen, Anm. d. Übs.] konnten nur noch die Einbruchsspuren an den beiden Eingangstüren der gigantischen Kolonnen feststellen,  auf denen die Turbine und die Flügel dieser Industriemonster der erneuerbaren Energie sitzen. [1] Zwei weniger von den Abertausenden, die in Frankreich in diesem letzten Jahrzehnt aufgepflanzt wurden. Oder besser drei, wenn man den Brand des Windrads vom Plateau d’Aumelas, nicht weit von Saint-Pargoire (Hérault [Frankreich, Anm. d. Übs.]) entfernt, vier Tage später, mitzählt, durch einen dieser kalendarischen Zufälle, die manchmal alles noch besser machen.

Dass diese Windräder nichts mehr mit den malerischen Windmühlen von anno dazumal zu tun haben – die, das nebenbei erwähnt, in den meisten Fällen wichtige Akkumulationsquellen für die mehr oder weniger lokale Elite gewesen sind, die häufig die Wutausbrüche der Bauern auf sich zogen –, ist zweifelsohne ziemlich offensichtlich.  Aber warum unterstützen die Staaten zahlreicher Länder die Aufstellung dieser „Windparks“ auf den Hügeln, in den Tälern und bis ins Meer hinein? Sicherlich nicht aus rein mathematischem Kalkül, denn selbst die Ingenieure können nicht alle Zahlen manipulieren und müssen zugeben, dass die Windräder nicht mehr als 19 % der Zeit pro Jahr laufen (ein deutlich niedrigerer Kapazitätsfaktor als Atomkraftwerke, die 75 % erreichen oder Kohlekraftwerke mit zwischen 30 und 60 %). Es kann auch nicht wegen des Willens sein den gesamten Energiepark in einen „erneuerbaren“ zu verwandeln, wenn man betrachtet, dass das schlichtweg unmöglich ist, wenn man denselben Stromverbrauch aufrechterhält (in Frankreich müsste man dafür alle 5 km² ein Windrad hinstellen). Es kann auch nicht wegen der Sorge um die „Umwelt“ sein, auch ohne dass das Risiko ausgeschlossen ist sich von den smarten Diskursen einer sauberen Technologie einwickeln zu lassen, wenn man bedenkt, dass allein die Produktion und Installation von Windrädern (ganz zu schweigen vom zentralisierten Stromnetz, an das man sie anschließen muss) den Abbau sehr seltener und sehr toxischer Stoffe erfordert, ebenso ölfressende Boote zum Transport der Mineralien, gigantische Fabriken um sie zu bauen, Autobahnen um die Teile zu transportieren, usw. Letztlich kann es auch nicht sein um Steine in das Räderwerk der großen Energiekonzerne zu schmeißen, die vor allem mit Erdöl und Gas ein Vermögen gemacht haben, denn es sind dieselben Unternehmen, die massiv in die erneuerbaren Energien investieren. Nein, über diese Wege werden wir nichts verstehen, wir müssen eine andere Erklärung finden.

Eliminieren wir auch sogleich alle umweltschützenden und Öko-Prahlereien, die inzwischen nicht nur von den Demokraten vom Dienst vor sich hergetragen werden, sondern auch von fast jedem Unternehmen, jedem Staat, jedem Forscher. Es gibt keine „Energiewende“, die gerade im Gange wäre, es hat in der ganzen Geschichte noch keine gegeben. Was auch immer die umworbenen Mitarbeiter der technologischen Start-Ups behaupten, die Ausbeutung der menschlichen Muskelkraft wurde nie aufgegeben… Die allgemeine Verbreitung der Verwendung von Erdöl hat nicht zu einer Aufgabe der Kohle geführt. Die gewaltsame Einführung der Atomkraft hat kein bisschen das Verschwinden der „klassischen“ Kraftwerke bedeutet, die mit Gas, Öl oder Kohle funktionieren. Es gibt keine Wende, es gibt nur Ergänzungen. Die beschleunigte Forschung an neuen Energieressourcen hängt ausschließlich mit strategischen Interessen, und sicherlich nicht mit ethischen, zusammen. In einer Welt, die nicht nur abhängig, sondern ultra-abhängig von der Stromenergie ist, ist die Diversifizierung der Arten sie zu produzieren angesagt. Um die Widerstandsfähigkeit der Zufuhr zu erhöhen, was eine entscheidende Wichtigkeit in einer vernetzten Welt hat, die auf allen Ebenen bedarfsorientiert funktioniert, ist die Quellen zu diversifizieren und zu multiplizieren die Losung, einschließlich um mit den berühmten „Spitzenlasten“ fertig zu werden, die, aus technischen Gründen, nicht von einem einzigen Typ der Energieproduktion aufgefangen werden können (wie beispielsweise die Atomkraft). Daher nicht nur die Entwicklung der Wind- und der Solarkraft, sondern auch von Biomassekraftwerken, genetisch verändertem Raps, der als Biotreibstoff dient (welche Verrenkungen die Sprache der Technowelt erlaubt!), neuen Typen von Atomkraftwerken, nanoproduzierten leitenden Werkstoffen, die versprechen den Wärmeverlust im Zuge des Stromtransports um winzig kleine Mikro-Prozentsätze zu reduzieren, und die Liste könnte hier noch fortgesetzt werden.
Es ist also nicht verwunderlich, dass eine von den drei ausgewählten Domänen für die subventionierten europäischen Forschungsprogramme im Rahmen des Horizont 2020 die der Energie ist.

***

Aber was ist denn nun diese Energie und in welchen Bereich fällt die Energiefrage im Allgemeinen? Wie die zahlreichen Kämpfe der Vergangenheit ins Licht gerückt haben, insbesondere jene gegen die Atomkraft, ist die Energie eine Drehachse der staatlichen und kapitalistischen industrialisierten Gesellschaft. Wenn Energie Produktion bedeutet, erlaubt die Produktion den Profit durch die Vermarktung. Wenn Energie Stärke bedeutet, erlaubt die Stärke den Krieg und Krieg bedeutet Macht.

Die Macht, die die Kontrolle über die Energieproduktion ermöglicht, ist immens. Die westlichen Staaten haben nicht die Ölkrise von 1973 abgewartet, als ihre Abhängigkeit von den ölproduzierenden Ländern, die ihre eigenen Machtpläne verfolgten, für alle offensichtlich wurde, um sich dessen bewusst zu werden. Diese war eine der wesentlichen Triebfedern mehrerer Staaten, darunter auch Frankreichs, um den Ausbau der Atomkraft zu rechtfertigen: über eine relative energetische Unabhängigkeit zu verfügen und diese als Waffe zu nutzen um andere Länder dazu zu zwingen zu spuren. Eine Sache allerdings ist vielleicht noch wichtiger, und es ist das, wo uns die Kritik an der Atomkraft erlaubt, die Rolle der Energie in ihrer ganzen Tragweite zu begreifen: die Atomkraft bestätigt, dass einzig der Staat und das Kapital die Kapazitäten zur Energieproduktion innehaben dürfen, dass diese Kapazitäten eine Beziehung, die mit dem Abhängigkeitsgrad der Bevölkerungen verbunden ist, repräsentieren, dass jede revolutionäre Aufwallung, die die Welt radikal verändern will, sich mit diesen Energiekolossen auseinandersetzen müssen wird. Kurz, dass Energie Herrschaft bedeutet. Wie es ein sehr gut untermauerter kritischer Essay von vor einigen Jahren unterstrich, der die Atomkraftfrage mit der der Windkraft verknüpfte: „die wesentliche Energie, die aktuell verbraucht wird, dient dazu eine unterwerfende Maschinerie am Laufen zu halten, aus der wir uns befreien wollen.“

Trotzdem verursacht das Aufbringen der Energiefrage immer noch häufig, auch unter den Feinden dieser Welt, mindestens eine gewisse Verlegenheit. Wir assoziieren tatsächlich leicht die Energie mit dem Leben,  nach dem Muster der Energetiker, die umfassend dazu beigetragen haben, eine Vision zu verbreiten, die jedes Lebensphänomen mithilfe von (chemischen, kinetischen, thermodynamischen,…) Energieübertragungen, -verlusten und -umwandlungen erklärt. Der Körper sei demzufolge nur eine Ansammlung an energetischen Prozessen, so wie eine Pflanze nur eine Zusammenwirken chemischer Umwandlungen sei. Ein anderes Beispiel, wie eine ideologische Konstruktion die sozialen Beziehungen beeinflusst – und dann wiederum von diesen beeinflusst wird–, ist die sehr aktuelle Verknüpfung von Mobilität, Energie und Leben. Permanent seinen Standort zu wechseln, nicht stillzustehen, „in der Welt herumzukommen“, indem man von einem ICE in einen Billigflieger hüpft, um in einem Sekundenbruchteil hunderte Kilometer zurückzulegen, ist ein neues Paradigma „des sozialen Erfolgs“. Reise, Entdeckung, Abenteuer und das Unbekannte sind Wörter, die inzwischen auf allen Werbetafeln zu finden sind, und die durch eine gefälschte Assimilation eine ganze Bandbreite an menschlichen Erfahrungen, die auf schnelle und risikolose Besichtigungen von Orten, die zu diesem Zweck hergerichtet wurden, reduziert wurden. zerstören. Bis hin dazu in Zimmern von Unbekannten zu schlafen, die durch die Registrierung und die Datenbanken einer virtuellen Plattform ordnungsgemäß kontrolliert, garantiert und bewirtschaftet werden. Vielleicht ist es aus dem Grund, dass die Wangen sich röten oder die Lippen zu beben beginnen, sobald es jemand wagt vorzuschlagen, dieser Welt den Saft abzudrehen.

Diese Verlegenheit zu besiegen ist keine einfache Sache. Eine ganze staatliche Propaganda versetzt uns kontinuierlich in Alarmbereitschaft, unterstützt von sehr realen Kriegsbildern, was die Zerstörung der Energiezufuhr bedeutet. Trotzdem ist eine kleine Mühe um sich von den Chimären zu befreien, die in unseren Köpfen spuken, ein notwendiger Schritt. Und das ohne dennoch „alternative Programme“ zu entwickeln um diese Frage zu lösen, denn in dieser Welt kann sie nicht gelöst werden. Die modernen Städte können nicht ohne ein zentralisiertes Energiesystem auskommen, ob dieses jetzt von Atomkraftwerken, Nanomaterialien oder Windrädern produziert wird. Die Industrie kann nicht darauf verzichten monströse Mengen an  Energie zu verschlingen.
Das Schlimmste – und das ist das, was teilweise gerade umgesetzt wird, nicht nur innerhalb der Kämpfe gegen das Energiemanagement und die Ressourcenausbeutung, sondern auch innerhalb derer gegen das Patriarchat, Rassismus und den Kapitalismus – wäre, wenn aus dem Bedürfnis heraus angesichts einer unruhigen und ungewissen Zukunft nicht mit leeren Händen dastehen zu wollen, die Forschung und die Experimente für eine Autonomie den Fortschritt der Herrschenden nähren. Die experimentellen Windräder innerhalb der Hippie-Kommunen der 60er Jahre in den USA haben vielleicht einige Zeit gebraucht, ehe sie Einzug in die Industrie hielten, doch heute sind sie ein wichtiger Vektor der kapitalistischen und staatlichen Umstrukturierung. Wie es ein kürzlich erschiener Text zusammenfasste, der Kampfperspektiven skizzierte, die von aktuellen Konflikten in verschiedenen Ecken der Welt rund um die Energiefrage inspiriert sind:

Sicherlich ist es möglich, im Gegensatz zur Vergangenheit, dass in diesem beginnenden dritten Jahrtausend das Verlangen nach Subversion sich mit der Hoffnung auf Überleben auf demselben Gebiet kreuzt, jenem, der darauf abzielt die technische Reproduktion des Existierenden zu be- und zu verhindern. Doch es ist eine Begegnung, die dazu verdammt ist sich in eine Konfrontation zu verwandeln, weil es offensichtlich ist, dass ein Teil des Problems nicht gleichzeitig Teil der Lösung sein kann. Um ohne diese ganze Energie auszukommen, die hauptsächlich für die Politiker und die Industriellen notwendig ist, muss man auch ohne jene auskommen wollen, die sie erforschen, sie ausbeuten, sie verkaufen, sie benutzen. Die energetischen Erfordernisse einer ganzen Zivilisation – der des Geldes und der Macht – können sicherlich nicht bloß aufgrund des Respekts gegenüber hunderte Jahre alten Olivenbäumen, gegenüber Riten unserer Ahnen oder für die Bewqhrung der Wälder und der Strände, die bereits großteils verseucht sind, infrage gestellt werden. Nur eine andere Auffassung des Lebens, der Welt und der Beziehungen kann das machen. Nur das kann und muss die Energie infrage stellen – in ihrem Gebrauch und ihren falschen Bedürfnissen, und also auch in ihren Strukturen –, indem sie die Gesellschaft selbst infrage stellt.

Und wenn diese titanische Gesellschaft effektiv dem Schiffbruch entgegensteuert und auf dem Weg dahin jede Möglichkeit eines autonomen Lebens, jedes innere Leben, jede einzigartige Erfahrung reduziert oder zerstört, die Böden verwüstet, die Luft vergiftet, das Wasser verschmutzt, die Zellen verstümmelt, denken wir wirklich, dass es deplatziert oder zu willkürlich wäre vorzuschlagen, dass, um der Herrschaft zu schaden, um ein bisschen Hoffnung zu haben, unbekannte Horizonte zu eröffnen, um einer maßlosen und abgezäumten Freiheit etwas Raum zu verschaffen, die energetischen Fundamente dieser selben Herrschaft zu unterhöhlen einen der wertvollsten Wege darstellen könnte?

***

Betrachten wir, was wir vor uns und um uns herum haben: überall auf der Welt gibt es Konflikte rund um die Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen oder gegen die Errichtung von Energiestrukturen (Windparks, AKWs, Pipelines und Ferngasleitungen, Hochspannungsleitungen und Biomassekraftwerke, genetisch veränderte Rapsfelder, Minen,…) . Alle Staaten betrachten diese neuen Projekte und die existierenden Energieinfrastrukturen als „kritische Infrastrukturen“, d. h. unentbehrlich für die Macht. Angesichts der Zentralität der Energiefrage muss man sich auch nicht wundern zu lesen, dass im jährlichen Bericht einer der angesehensten Agenturen zur Beobachtung politischer und sozialer Spannungen  in der Welt (die von den globalen Versicherungskolossen subventioniert wird), dass von allen als solche berichteten und von „nicht-staatlichen“ Akteuren ausgeführten Attentaten und Sabotagen auf diesem Planeten, unabhängig von den Tendenzen und Ideologien, 70 % Energie- und logistische Infrastruktur zum Ziel hatten (etwa Strommasten, Transformatoren, Pipelines und Ferngasleitungen, Funkmasten, Stromleitungen, Brennstofflager, Minen und die Bahn).
Klar, die Motivationen, die diejenigen, die innerhalb dieser Konflikte kämpfen, antreiben, könnten nicht diverser sein. Mal reformistisch, mal ökoaktivistisch, mal aus indigenen oder religiösen Ansprüchen resultierend, mal revolutionär oder manchmal einfach nur zur Verstärkung der Fundamente eines Staates – oder eines zukünftigen Staates. Weit von uns entfernt ist die Idee, die Entwicklung, die Vertiefung und die Verbreitung einer radikalen Kritik aller Aspekte der Herrschaft zu vernachlässigen, aber was wir hier gerne unterstreichen würden, ist dass sich innerhalb dieser selben asymmetrischen Konflikte ebenfalls eine Methode des autonomen, selbstorganisierten Kampfes und der direkten Aktion verbreitet, die de fakto mit anarchistischen Vorschlägen in diese Richtung übereinstimmt. Über die aufständischen Potenziale hinaus, die diese Konflikte rund um neue Energieprojekte haben könnten, die vielleicht Möglichkeiten einer umfassenderen und massiven Revolte gegen diese Schädlichkeiten sichtbar machen könnten, ist es auf jeden Fall klar, dass die Produktion, die Lagerung und der Transport all dieser Energie, die diese Gesellschaft benötigt, um auszubeuten, zu kontrollieren, Krieg zu führen, zu unterwerfen und zu beherrschen, unveränderlich von einer ganzen Serie an auf dem ganzen Gebiet verstreuten Infrastrukturen abhängig ist, die die verstreute Aktion in kleinen autonomen Gruppen begünstigt.

Wenn die Geschichte der revolutionären Kämpfe vor sehr wegweisenden Beispielen überläuft, wenn es um die Aktionsmöglichkeiten gegen das, was die staatliche und kapitalistische Maschinerie am Laufen hält, geht, zeigt ein Blick auf die Chronologien der Sabotagen der letzten Jahre, dass es in der Gegenwart in unseren Gegenden auch nicht daran mangelt. Die Verlegenheit von sich abzuschütteln, anderswo und anders hinzuschauen, zu experimentieren, was möglich ist und was sich ergibt, das sind die Bereiche, die es zu erkunden gilt.  Niemand kann vorhersagen, was dabei herauskommt, aber eine Sache bleibt sicher: dies fällt in den Bereich der anarchistische Praxis der Freiheit.

Übersetzt aus dem Französischen, „Que tourne le vent!“ aus: Avis de Tempêtes n# 6 – 15. Juni 2018.

Anmerkungen der Übersetzung

[1]  „01.06.18 Marsanne (Frankreich]. In der Drôme wird ein Industriewindrad der RES-Gruppe zerstört und ein zweites beschädigt, nachdem ihre Türen aufgebrochen und anschließend die elektrischen Schränke an der Spitze des Mastes ebenso wie am Fuß in Brand gesetzt worden waren. Zwei Millionen Euro Schaden. Angriff, zu dem sich „Individuen [bekannten], die für sich handeln und sich zeitweise zu Sabotagekommandos zusammenschließen…“ (Avis de Tempêtes, n# 6, S. 9)

Die IAA in München – Ein postfaschistisches Forum des grünen Kapitalismus und seiner Technokraten

Werden da überhaupt Autos ausgestellt oder sind es vielmehr die Frauen(körper), die da zum Verkauf stehen? Wo immer die Bonzen-Autohersteller ihre neuesten Männerspielzeuge präsentieren, scheint dies von der Präsentation von Frauenkörpern begleitet zu werden. Kein Wunder, dass weibliche Körper in manchen Männerdomänen als „Fahrgestelle“ beschrieben werden. Da verwundert es fast ein wenig, dass manch ein Exemplar dieses autofanatischen Typus Mann nicht gleich das mechanische Vorbild seiner Phantasie besteigt. Wobei, wer weiß schon, was diese Typen in ihren Garagen den lieben langen Tag so treiben? Doch die Internationale Automobilausstellung (IAA) lässt sich nicht einfach als Forum für diese absonderliche Art von maskulinem Massenfetisch beschreiben. Zugleich stellte sie in der Vergangenheit ebenso ihren Charakter als Forum einer postnationalsozialistischen Politik und Wirtschaft unter Beweis, wie sie sich bereits als ein Instrument nationalsozialistischer Propaganda verdient gemacht hatte. Und während diese Charakteristika die IAA eigentlich durchgehend seit 1933 begleiteten, begannen sich an ihren Rändern schon vor Jahrzenten die weniger konservativen Vertreter*innen der technokratischen Fortschrittsideologie zu versammeln, jene grüne Fraktion an Kapitalist*innen, die uns heute nicht nur mit ihrer „Elektromobilität“ in den Ohren liegt, sondern die sich auch insgesamt anschickt mit ihrer oft transhumanistischen Ideologie so gut wie alle Branchen der Wirtschaft zu erobern und zunehmend auch die Politik hier und anderswo zu bestimmen.

Die deutsche Autoindustrie und der Nationalsozialismus

Werbeplakat für die Internationale Automobil und Motorradausstellung (IAA) 1934.

Die Automobilindustrie wird immer wieder als Stolz der „Deutschen Wirtschaft“ beschrieben. Tendenziöse Journalist*innen loben in Büchern, Zeitungsartikeln, Fernsehdokumentationen usw. in Tradition früherer Demagog*innen die „deutsche Ingenieurskunst“, die angeblich dafür verantwortlich sein soll, dass die deutsche Autoindustrie heute international so gut dasteht. Was auch immer eine „deutsche Ingenieurskunst“ sein soll, beruht der wirtschaftliche Erfolg deutscher Autobauer jedoch auf etwas ganz anderem, nämlich auf der Gunst, den diese Industrie durch den Nationalsozialismus erfahren hat, den staatlichen Groß-Aufträgen in dieser Zeit, sowie nicht nur auf der Arisierung von erheblichen Vermögenswerten, sondern auch auf dem Einsatz von KZ-Zwangsarbeitern in den Werken von Daimler, BMW, VW, ja sogar in denen des amerikanischen Hitler-Brieffreundes Henry Ford. Dass in Deutschland bis heute die Autoindustrie so großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss genießt, dass „die Deutschen“ bis heute ein vielfach gestörtes Verhältnis zu dem Produkt Auto haben, das zumindest von einigen Zeitgenossen geradezu fetischisiert wird, all das kann getrost als eine postnationalsozialistische Kontinuität bezeichnet werden. Und ja, auch die IAA hat damals schon Hitler und seine Schergen hofiert. Aber alles schön der Reihe nach.

Vollgas voraus!

– Motto der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung von 1933.

Ein Autofan auf der IAA von 1933.
Der gleiche Autofan auf der IAA von 1934.

Auf der Webseite der IAA wird zur Zeit des Nationalsozialismus folgendes bemerkt:

Die 23. IAA wurde von Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet. Hitler stellte sich als Freund des Automobils dar und kündigte massive Steuervergünstigungen für die Industrie und Straßenbauprogrammen an. In den Folgejahren nutzten die Nationalsozialisten die IAA vermehrt zu Propandazwecken, die sich währenddessen zu einer Massenveranstaltung wandelte: 1934 kamen bereits 600.000 Besucher. Möglich wurde dies durch deutschlandweite Werbung auf Litfaßsäulen, Werbefilme in Kinos und der Einsatz von Sonderzügen und -bussen. Die 29. und vorerst letzte Auflage der IAA vor dem Zweiten Weltkrieg fand 1939 statt und erreichte einen Rekord von 825.000 Besuchern. In dem Jahr feierte der „Volkswagen“, der damals noch „Kraft-durch-Freude-Wagen“ hieß, seine Premiere. Nach dem Krieg sollte das Fahrzeug als „Käfer“ Automobilgeschichte schreiben.

Kann es sein, dass man bei der IAA doch irgendwie stolz darauf ist, auf die Besucherrekorde und darauf, dass das nationalsozialistische Projekt des „Volkswagens“ einst auf der IAA präsentiert wurde? Irgendwie drängt sich einem dieser Verdacht doch förmlich auf, oder nicht? Nun, jedenfalls sollte das Auto der nationalsozialistischen Propaganda von Anfang an als Motor dienen. Dass Hitler „die Autobahnen gebaut hat“, daran erinnerte man sich einst in Deutschland lebhafter als an die Schicksale derjenigen, die diese Arbeit als Zwangsarbeiter tatsächlich verrichteten. Dabei lohnt es sich zumindest nebenbei einmal zu erwähnen, dass Hitler nicht der einzige Autobahnenbauer seiner Zeit war: Unter anderem sein späterer Nachfolger und einstiger politischer Konkurrent, Konrad Adenauer, hatte sich zuvor schon als Autobahnbauer in Köln hervorgetan. Sein Projekt wurde von den Nationalsozialisten sogar übernommen und fortgeführt. Aber die Nationalsozialist*innen beließen es nicht beim Bau von Autobahnen. Staatlich geförderter Motorsport gehörte ebenso zu ihrem Repertoire wie das Projekt „Volkswagen“, bzw. „Kraft durch Freude“-Wagen, wie er damals noch genannt wurde. Der zu diesem Zweck 1937 gegründete Volkswagen-Konzern ist heute der weltweit umsatzstärkste Automobilkonzern.

Günther Quandt, die NSDAP, Goebbels und das Quandt-Imperium

Der Großindustrielle Günther Quandt war einer jener Kapitalisten, die vom italienischen Faschismus derart begeistert waren, dass sie 1931 der Gesellschaft zum Studium des Faschismus beitraten. Ziel dieses kleinen Zirkels an vorrangig hochrangigen konservativen antidemokratischen Persönlichkeiten des rechten Spektrums, sowie zahlreichen Großindustriellen, war es, den italienischen Faschismus nach Deutschland zu bringen. Sie war dabei ein wichtiges Bindeglied zwischen NSDAP und wirtschaftlichen, sowie politischen Eliten. Im Tagebuch von Josef Goebbels wird man später lesen können, dass Günther Quandt bei einem Treffen im Dezember 1931 mit dem späteren Reichspropagandaminister diesem 2000 Mark in die Hand drückte und ihm versicherte, dass er von nun an politisch ganz auf die NSDAP setzen werde. Bereits zuvor war Quandt einer derjenigen Industriellen gewesen, die sich Mitte 1931 mit Hitler im Hotel Kaiserhof getroffen hatten und ihm im Falle eines Putsches durch die NSDAP 25 Millionen Reichsmark versprochen hatten. Kurz nachdem sich Günther Quandt im Dezember 1931 mit Goebbels getroffen hatte, fand auf dem Gut Severin in Parchim, einem Anwesen Quandts, die Hochzeit zwischen Josef Goebbels und Magda Quandt, seiner Exfrau, statt. Quandts Sohn und späterer Erbe, Harald Quandt, wurde von Joseph Goebbels später adoptiert und machte als Fallschirmjäger Karriere bei der deutschen Wehrmacht.

Joseph Goebbels heiratet Magda Quandt, die Exfrau des Industriellen Günther Quandt. Mit im Bild: Ihr gemeinsamer Sohn mit Günther Quandt und dessen späterer Erbe, Harald Quandt.

Günther Quandts Industrien, die unter anderem der Herstellung von „Militärtuch, Akkumulatoren, Trockenbatterien, Schusswaffen, Munition, Leichtmetall“ dienten, spielten eine wichtige Rolle für die Rüstungsindustrie des NS-Regimes. Insbesondere die AFA-Werke (heute VARTA), in denen Akkumulatoren hergestellt wurden, profitierten dabei exzessiv vom Einsatz von KZ-Zwangsarbeitern. Quandt ließ dafür sogar ein werkseigenes Konzentrationslager, das KZ-Außenlager Hannover-Stöcken errichten, in dem rund 1500 Häftlinge untergebracht waren. Viele von ihnen starben aufgrund der gesundheitsschädigenden Bleidämpfe der Batterienproduktion.

Quandts Sohn Harald und dessen Halbbruder Herbert, der schon während des Nationalsozialismus mit in die Geschäfte seines Vaters eingestiegen war, übernehmen nach Quandts Tod dessen Imperium, darunter sind nicht nur Beteiligungen an VARTA und der heutigen KUKA AG (damals Metallpatronen AG, ein Rüstungsunternehmen, das Sturmgewehre, Handgranaten, Nebelkerzen, Bombenzünder und weitere Rüstungsgüter produzierte), sondern auch Beteiligungen an den Autoherstellern BMW und Daimler-Benz.

Ferdinand Porsche und der Volkswagen

Fünf Mark die Woche musst Du sparen
willst Du im eignen Wagen fahren.

– Leitspruch der nationalsozialistischen Kampagne für den Kraft-durch-Freude-Wagen „Volkswagen“

1934 kündigt Hitler in seiner Eröffnungsrede der IAA – wo denn auch sonst? – die Entwicklung eines „Volkswagens“ an, also eines für „jeden Deutschen“ erschwinglichen Automobils. Im Auftrag des Reichsverbands der Automobilindustrie (heute Verband der Automobilindustrie, VDA, der Ausrichter der IAA) beschäftigte sich fortan Ferdinand Porsche, der „Lieblingsingenieur“ Hitlers, mit der Konstruktion des späteren VW-Käfers. Fertiggestellt wurde der „Kraft durch Freude-Wagen“ während der Epoche des Nationalsozialismus jedoch nicht mehr, obwohl viele autofanatische Deutsche bereits Anzahlungen geleistet hatten. Stattdessen baute das eigentlich dafür vorgesehene Volkswagenwerk die als „Kübelwagen“ und „Schwimmwagen“ bekannt gewordenen Militärfahrzeuge der Wehrmacht. Später, 1940, stellte Porsches Schwiegersohn Piëch die Produktion auf Rüstungsgüter um und produzierte unter anderem die „Vergeltungswaffe“ V1, selbstverständlich, man braucht es eigentlich ja kaum noch dazu sagen, unter Einsatz von rund 20.000 Zwangsarbeitern aus Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern.

Porsche selbst entwickelte von 1939 bis 1945 zahlreiche Kriegsfahrzeuge mit, darunter den Panzerkampfwafgen VI Tiger, den nach ihm benannten Panzerjäger Ferdinand und den Panzerkampfwagen VIII Maus, der jedoch nie in Serienfertigung ging. Porsche selbst bestellt dabei immer wieder Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern, die er zur Fertigung seiner Entwicklungen einsetzen lässt.

Nach dem Krieg entsteht aus Porsches Volkswagenwerk der weltweit umsatzstärkste Autokonzern VW.

In 10 Jahren jedem schaffenden Deutschen einen Volkswagen!

– Robert Ley, 1938

Übrigens lohnt es sich zu bemerken, dass naheliegenderweise nicht nur die Nationalsozialisten der Idee eines für das „Volk“ erschwinglichen Wagens zugeneigt waren, sondern auch andere Demagog*innen, denen daran gelegen war, die Bevölkerung ruhig zu stellen und abzulenken. Der Trabant der DDR erfüllte einen ähnlichen Zweck, nämlich den der Massenmotorisierung. Wie das Versprechen des Volkswagens der Nationalsozialisten übrigens ein leeres Versprechen: Die Wartezeiten für ein solches Auto betrugen meist mehr als 10 Jahre.

Zwangsarbeit in der Automobilbranche der NS-Zeit

Nicht nur Ferdinand Porsche und Günther Quandt gehörten zu den Industriellen, die von der Zwangsarbeit von Millionen KZ-Insass*innen und Kriegsgefangener profitierten. Schon bevor beinahe die gesamte Automobilbranche als kriegswichtige Produktion eingestuft wurde, dienten sich die meisten Autohersteller den Nationalsozialisten an, die ihnen im Gegenzug dafür allerlei Gefälligkeiten erwiesen. Schon 1933 wurden die Insass*innen von Konzentrationslagern, beispielsweise im Schutzhaftlager Dachau, zur Arbeit im Straßen- und Autobahnbau, ebenso wie im Gleisbau gezwungen. Ab 1938 wurden sowohl erwerbslose Jüd*innen von den Arbeitsämtern zum „Geschlossenen Arbeitseinsatz“ verpflichtet und mitunter auch Autoherstellern zugeteilt, ebenso wie mit der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ sogenannte „Asoziale“ in Konzentrationslager deportiert und dort zur Arbeit gezwungen wurden.

Daimler-Benz, die Auto Union (Audi), BMW, Ferdinand Porsches Volkswagenwerk, sie alle ließen sich Zwangsarbeiter aus den Konzentrationslagern ebenso wie Kriegsgefangenenlagern zur Verfügung stellen, deren Arbeit für sie quasi kostenlos war, lediglich eine geringfügige Leihgebühr musste an den deutschen Staat entrichtet werden. Die schon damals General Motors gehörende Adam Opel GmbH beschränkte ihre Verwertung von Zwangsarbeitern auf Kriegsgefangene. Selbst der amerikanische Autohersteller Ford, dessen Werk im Sommer 1932 in Köln wiedereröffnet wurde, bekam Zwangsarbeiter*innen aus dem KZ-Buchenwald und Kriegsgefangene von den Nationalsozialisten zugeteilt. Henry Ford selbst erhält 1938 das „Adlerschild des Deutschen Reiches“, die höchste Auszeichnung, die im NS an Ausländer vergeben wurde. Die Arbeitsbedingungen für die Zwangsarbeiter*innen waren oft so schlecht, ihre Verpflegung so mangelhaft, dass viele von ihnen an den Folgen starben. Wer als KZ-Insass*in nicht mehr arbeitstauglich war, wurde in den Gaskammern ermordet.

Autonomes Fahren, Smart City und die vierte Industrielle Revolution

Schon einmal ist das Auto Experimentierfeld einer bedeutenden und bis heute prägenden industriellen Entwicklung gewesen, als der Industrielle und Hitler-Fan Henry Ford seine Auto-Produktion nach dem Fließbandprinzip anordnete und dabei die Arbeiter*innen selbst mehr als bereits zuvor zu hirnlosen Automaten degradierte. Tatsächlich werden in den Kraftfahrzeugwerken von Heute die drögsten Aufgaben von mechanischen Automaten, Fertigungsrobotern, übernommen, während menschliche Arbeitskräfte für jene Aufgaben eingesetzt werden, die für Roboter (noch) zu anspruchsvoll sind. Allerdings bedeutet diese zunehmende Automatisierung der Produktion keineswegs, dass die Arbeiter*innen weniger zu Robotern degradiert werden. Wo die menschliche Arbeitskraft billiger ist oder eine technologische Entwicklung, die die Bewältigung dieser Aufgabe durch eine Maschine möglich macht, noch aussteht, da bedient sich die Produktionsmaschinerie der menschlichen Fähigkeiten ihrer organischen Apparate, bestimmt jedoch zunehmend mehr die Parameter dieser Tätigkeit, trifft Entscheidungen und kommandiert die Arbeiter*innen auch sonst herum, wo es nur möglich ist. Auch wenn in der Auto-Produktion sehr große Schritte hin zu einer vollständigen Automatisierung gemacht wurden, ist es heute weniger die Produktion des Autos, als sein Einsatz auf den Straßen, die dieses Produkt zu einem so wichtigen Experimentierfeld für die Technokraten und Transhumanisten der „Vierten Industriellen Revolution“ macht.

Autonomes Fahren, eine Vision, die erstmals von transhumanistischen Ideenschmieden des Silicon Valleys erforscht wurde (wer erinnert sich nicht an die Google-Autos, die die Kameras und übrigen Sensoren noch auf dem Dach trugen und dort, wo man zuließ, dass sie auch tatsächlich „autonom“ fuhren, immer wieder Menschen, vor allem Schwarze, an- und überfuhren?), ist heute ein Forschungsfeld, das von so gut wie allen Automobilkonzernen bearbeitet wird. Damit verknüpft ist unmittelbar der Ausbau des 5G-Funknetzes, sowie der Ausbau von sensorbestückten Straßenschluchten in den Städten, sowie auf den Autobahnen. 5G, also die 5. Generation des modernen Mobilfunknetzes, wird als eine Schlüsseltechnologie der sogenannten vierten Industriellen Revolution betrachtet, weil sie es den abermillionen und -milliarden Geräten, Sensoren, Fahrzeugen, Gadgets und sonstigem „smarten“ Equipment überhaupt erst ermöglichen wird, ihre Informationen, Messungen, Beobachtungen, usw. in Echtzeit in das weltumspannende, kybernetische Netz, das Internet, einzuspeisen. Autonomes Fahren setzt diese Technologie aus den gleichen Gründen voraus, damit nämlich nicht nur Autos miteinander, sondern auch Ampeln, Verkehrsschilder, Straßenlaternen, Tunnel, von Fußgängern getragene Smartphones, usw. ihre Beobachtungen miteinander austauschen können. Neben der seit einigen Jahren beständig gepflegten Propaganda schnellerer Datenraten als ein Segen für die Konsument*innen (als ob das ruckelfreie, hochauflösende Abspielen von Videos irgendwie besser und erstrebenswerter wäre, als das Leben in der Realität, wobei es das zumindest dann besonders zu sein scheint, wenn man sich in der Arbeit oder auf der langweiligen Bahn- oder Autofahrt dorthin oder von dort oder in der Öde des standardisierten spießigen Ikea-Eigenheims befindet) dient heute folglich vor allem das Autonome Fahren als Legitimationsgrundlage für den Ausbau des potenziell gesundheitsschädlichen (zumindest befürchten das sogar Teile der weltweiten Ärzt*innenschaft) 5G-Netzes.

Während die Befürworter*innen des Autonomen Fahrens uns erzählen, dass dadurch weniger Unfallopfer zu beklagen wären, versuchen sie zugleich gemeinsam mit führenden Sozialethiker*innen und -eugeniker*innen eine „neue Ethik“ zu etablieren, die es den todbringenden Maschinen auf Rädern ermöglichen soll, zu entscheiden, wer denn von ihnen lieber überfahren werden soll, der Schwarze, die Weiße, ein Kind im Rollstuhl oder ein Großvater am Gehstock, lieber zwei Arbeitslose oder ein Topmanager, usw. usw. Und ganz gemäß des kybernetischen Charakters dieses Projekts bieten sie interessierten Hobby-Henker*innen, denn so muss man zweifellos jene bezeichnen, die den Maschinen das zielgerichtete Morden beibringen wollen, an, in gameifizierten Online-Szenarios ihren Senf dazu zu geben. Dass dabei die einzig vernünftige Option das („autonom fahrende“) Auto abzufackeln in keinem dieser Szenarien überhaupt vorkommt, versteht sich ebenso von selbst, wie die ständig wiederholte Behauptung, dass es der menschliche Makel und nicht die todbringende Technologie wäre, der für die so zahlreichen Tode durch den Straßenverkehr verantwortlich sei, wo sich doch offensichtlich zwei zu Fuß gegeneinander prallende Menschen (und das kommt viel seltener vor) sehr viel seltener tödlich verletzen.

Im Zuge der IAA wurde in München tatsächlich das 5G-Netz erheblich ausgebaut. Entlang der eigens für die IAA eingerichteten, sogenannten „Blue Lane“, einer Teststrecke für Autonomes Fahren und E-Autos, sowie in den Messehallen, auf dem Messegelände und an den Innenstadt-Standorten der IAA wurde durch die Telekom, Vodafone und Telefonica eine angeblich flächendeckende 5G-Versorgung realisiert. Nicht nur wurden dafür 40 Kilometer Glasfaserkabel neu verlegt, auch Dutzende neue Antennenstandorte wurden für 5G erschlossen. Eine enorme Ausweitung, der bisher hauptsächlich im Milbertshofener Umland der BMW-Werke in München etablierten 5G-Infrastruktur, die nach der Messe nicht wieder verschwinden wird. Dafür sollen die Fahrzeuginsass*innen auf der „Blue Lane“ der IAA in den „Genuss“ von Virtual Reality-Unterhaltungsangeboten kommen. So sollen die Langeweile, das Betäubungsgefühl und das Unbehagen, die mit einer Fahrt im Auto in der Regel einher gehen, durch die Ersatzerfahrungen virtueller Erlebnisse kompensiert werden.

Bei so viel Entgegenkommen der Stadt München an die Technokraten der IAA und Co., wundert es kaum, dass das Weltwirtschaftsforum (WEF), beabsichtigt ein Zentrum für die Vierte Industrielle Revolution in München zu errichten. Der 5G-Ausbau im Zuge der IAA und zuvor, ebenso wie das ohnehin günstige Investitionsklima für Tech-Startups in München, sowie die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren zahlreiche führende Unternehmen des Cyber-Valleys hier angesiedelt haben, dürfte auch den Vorhaben dieser Technokraten, die die ganze Welt in ein kybernetisches Gefängnis verwandeln wollen, entgegen gekommen sein und folglich den Wirtschaftseliten dieser Welt gefallen haben.

Alle Straßen führen nach Rom und alle Gleise nach Auschwitz

Die IAA will in diesem und den folgenden Jahren versuchen, ihren Fokus weg vom Auto hin zu Mobilität insgesamt zu verschieben. Während das schon immer vorrangig als Spielzeug der Bonzen dienende Auto zunächst dank einem Industriellen, der seine Arbeiter*innen als einen zwar nicht neuen, aber zumindest doch zuvor unberücksichtigten Absatzmarkt entdeckte, zu einem Konsumgut für alle, die auf der Suche nach sozialem Status waren, wurde und erst gegen Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Verkehrsmittel, mit dem die Menschen in die Büros und Fabriken in den Vorhöfen der Metropolen gelangten, gilt für das gesamte Transportwesen von sowohl Waren als auch Menschen noch viel mehr und vor allem seit eh und je, dass es sich dabei um eine kritische Infrastruktur der Herrschaft handelt. Dass sprichwörtlich ebenso wie buchstäblich „alle Wege nach Rom führen“, also in die Metropolen der imperialen, kapitalistischen Macht, mag eine Binsenweisheit sein, und doch ist es eine, die uns vor Augen hält, welchen Interessen jegliche Form des Transportwesens im Allgemeinen und eine seiner modernen, globalistischen und spezifischen Ausprägungen als bürgerlich liberale „Mobilität“ im Besonderen, ausschließlich zu dienen vermag. Während es vor allem die Verwalter*innen des Imperiums mit ihren Truppen waren, die aus Rom auszogen und mit Steuern, Kriegsbeute und anderem zurückkehrten, die Kaufleute, die Waren aus allen möglichen Winkeln des Reiches nach Rom brachten und die Sklav*innenhändler, die die Oberschicht Roms mit ihrer Diener*innenschaft versorgten, die für ihre Tätigkeit allesamt der Straßen bedurften, die von Rom aus bis zu den Rändern des Imperiums reichten, so sind es heute vor allem die LKW-Kolonnen auf den Autobahnen dieser Welt, sowie der Schienenverkehr, die Rohstoffe und Waren und letzterer eben auch die modernen, bezahlten ebenso wie manchmal auch unbezahlten Sklav*innen, die Arbeitskräfte in den Büros und Fabriken, den Minen, Feldern und Wäldern, zu Lande verschippern, nachdem sie oft vom anderen Ende der Welt in den Häfen verladen oder gar per Luftfracht ins Land gebracht wurden, während der Personenverkehr, der all die Agent*innen der kapitalistischen und kolonialen Weltadministration an ihre Ziele bringt, auf Flugzeuge, Hochgeschwindigkeitszüge und PKW setzt.

Die Ideologie der Mobilität, die uns von den Globalist*innen und Jünger*innen des Fortschritts als größtmöglicher Ausdruck von Freiheit verkauft wird, ist im Grunde nichts anderes als die Verherrlichung jener fahrenden Klasse an Managern, Politiker*innen, Stars und Unterhalter*innen, Superreichen, Philantropen und anderer Bevölkerungsverwalter*innen, die durch die Lande reisen in dem permanenten Bestreben, die Belange der Herrschaft in allen Winkeln des Imperiums zu regeln. Sie hat sich jedoch so sehr verfestigt, dass es den Menschen kaum noch möglich ist, einen Unterschied zu sehen zwischen jenen Wenigen, die mehr oder weniger freiwillig von Stadt zu Stadt, Metropole zu Metropole, von der Hauptstadt in die Kolonie, usw. pilgern und dabei die für ihre Klasse entwickelten Hochgeschwindigkeitsverkehrsmittel nutzen und jenen, die dann doch eher sehr beschränkt freiwillig tagtäglich mit Bus und Bahn als das erforderliche Menschenmaterial in die Büros und Fabriken gekarrt werden, oder die sich dort, wo diese Verkehrsmittel nicht ausreichend zur Verfügung stehen, selbst mit dem Auto dorthin karren. Ob in Personenzügen oder Viehwaggons, wo Menschen dicht an dicht gedrängt Minuten- und stundenlange ausharren und dort wo die Menschen sogar von Personal der Verkehrsbetriebe noch ein wenig mehr gestopft werden, da vermag der Unterschied kaum noch aufzufallen. Und wer dieses Verkehrsmittel dem „Individualverkehr“ gegenüber verherrlicht, ist nicht nur ein Feind des Individuums, sondern auch ein Feind jeden Lebens, für den dieses eben nur als eine Ressource taugt, die im eigenen Interesse herumgeschubst werden kann, wie es einem beliebt.

Gleise, die in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz führen.

„Auschwitz war für mich nur ein Bahnhof“, sagte einst Franz Novak, einer der Eisenbahner, die die Deportation der jüdischen Bevölkerung im Büro des Bürokraten Adolf Eichmann („Ich war kein normaler Befehlsempfänger, dann wäre ich ein Trottel gewesen, sondern ich habe mitgedacht, ich war ein Idealist gewesen.“) mit Sonderzügen und penibel erarbeiteten Fahrplänen maßgeblich mit organisiert hatte. Wenn der SS-Mann Novak auch beabsichtigte, sich mit dieser Aussage vor Gericht von seiner Beteiligung am Holocaust zu entlasten und er selbstverständlich wusste, was hinter der Rampe von Auschwitz auf die dorthin Deportierten wartete, so denke ich doch, dass eine gewisse Wahrheit in seiner Aussage liegen mag: Was Hannah Arendt als eine gewisse „Banalität des Bösen“ Novaks Vorgesetztem Eichmann attestiert, dass dieser nämlich entgegen seiner eigenen Einschätzung eben schon ein ziemlicher Trottel gewesen sein muss, der durch das hirnlose Befolgen von Befehlen und die notwendige Entfremdung, die damit einhergeht, dass er vom Schreibtisch aus handelte, überhaupt in der Lage dazu war, einen solchen industriellen Genozid maßgeblich mitzuorganisieren, das kann getrost auch von Novak selbst gesagt werden. Die Eisenbahn, die den Transport von vorher unvorstellbaren Massen an Menschen ermöglicht, sie wurde in ihrer Geschichte wiederholt genutzt, um indigene Bevölkerungen zu deportieren, der Holocaust und die Deportation von Millionen von Juden in fahrplangerecht abfahrenden Sonderzügen stellt dabei nur den vorläufigen Höhepunkt der Grausamkeit in dieser Geschichte dar. „Wenn diese Sache einmal gemacht werden musste,… dann war es besser, wenn Ruhe und Ordnung herrschten und alles klappte“, erklärte Adolf Eichmann sein Handeln, wobei er mit „Sache“ die Deportation und Vernichtung der Juden meint. Dass dies in „Ruhe und Ordnung“ überhaupt möglich ist, das ist vor allem der Technologie von Zügen, Gaskammern, Krematorien, informationstechnisch gestützter Datenbanken (Hollerith-Lochkarten), in denen die Menschen automatisiert dem Arbeitseinsatz oder der Vergasung, dem einen Lager oder dem anderen zugewiesen werden können, Grenztechnologie (Zäune, Stacheldraht, Wachtürme, usw.), erbbiologischer medizinischer Untersuchungen, usw. geschuldet, die die den Genozid letztlich maßgeblich organisierenden Menschen von der Verantwortung für ihr Handeln, das nunmehr rational ist und dem Diktat der Wissenschaft und der Logik folgt, loszusagen scheint. Mit Blick auf Novak und seine Eisenbahnen könnte man vielleicht auch sagen, dass die schiere Möglichkeit Menschen zu hunderten und tausenden in Waggons zu pferchen und an einen anderen Ort zu deportieren und seine Aufgabe dafür die nötige Papierarbeit zu vollbringen, ebenso wie der Zugführer „nur“ die Lokomotive steuert, der Techniker „nur“ die Maschinen wartet und sich irgendwelche anderen arbeitsteilig am Holocaust Mitwirkenden vielleicht sogar darin gefallen mögen, die vollgestopften Wägen in der prallen Sonne mit etwas Wasser zu kühlen und so irgendeiner präfaschistischen Moral genüge zu tun, also einerseits die von der Technologie erforderte Arbeitsteilung und die daraus resultierende Entfremdung und andererseits der Ehrgeiz auf dem eigenen Gebiet herausragende Leistungen innerhalb eines Systems der Fahrt in den Tod zu vollbringen, die notwendige Bedingung dafür sind, dass ein solcher Genozid überhaupt denkbar wird. Denn genau auf diese Weise ist es möglich, die Deportierten dermaßen zu entmenschlichen, dass es völlig ausgeschlossen sein wird, sich in ihnen wiederzuerkennen.

Diese strukturell genozidale Macht der Technologie, sie kann von uns nicht einfach ignoriert werden. Wir können uns von einer Technologie, die uns entweder als Arbeitssklav*innen in die Büros und Fabriken oder eben in die Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager zu verbringen vermag, eine Technologie, deren Einsatz also von einer Entscheidung der Herrschenden abhängt und die folglich alleine den Interessen der Herrschenden dient, keinerlei emanzipatorisches Potenzial erwarten, im Gegenteil: Diese Technologie muss von uns vielmehr als elementarer Bestandteil unserer Unterdrückung, als ein Instrument der Herrschenden zu unserer Versklavung begriffen werden.

Die Zerstörung der Todesmaschinerie und ihrer Mobilität

Erst wenn man das Transportwesen und eine seiner Facetten, die Mobilität, als ein Instrument der Herrschaft versteht, sich sowohl in den zu Betonwüsten gewordenen Metropolen aufrechtzuerhalten, als auch selbst in den abgelegensten Winkeln der Welt, in denen die Biosphäre noch sowohl halbwegs fruchtbare Böden, als auch jede Menge Rohstoffe verbirgt, beginnt man zu begreifen, wie es überhaupt sein kann, dass der für Transportwesen und Mobilität notwendige, globale extraktivistische Rohstoffabbau, für den wiederum das Transportwesen und die Mobilität unverzichtbar sind, nicht nur ein merkwürdiger und hirnloser Selbstzweck sind. Es geht bei weitem über die ursprüngliche Akkumulation von Reichtümern in einem Prozess kolonialer Ausbeutung hinaus, die für E-Autos, Autos im Allgemeinen, Züge, Flugzeuge, Windturbinen, Photovoltaikzellen, E-Roller, E-Bikes, Microchips, Funkkommunikation, Roboter, usw. usw. erforderlichen (Edel-)metalle, seltenen Erden sowie das Alkalimetall Lithium, und natürlich die nicht wegzudenkenden fossilen Brennstoffe zu schürfen, sondern von der Kommunikationstechnologie, über Waffen und andere Rüstungsgüter bis hin zu den motorisierten Fortbewegungsmitteln der Schergen der Herrschaft machen die mit diesen Rohstoffen gefertigten Produkte, die zu deren Herstellung errichteten Verkehrsinfrastrukturen, insbesondere Straßen und Schienennetze, aber auch Elektrizitätsinfrastruktur, Wasserleitungen und Brunnen und Co. und die damit – ebenso wie dafür – in Gang gehaltene Energieversorgung  auch die materielle repressive Schlagkraft der Herrschaft aus. Selbst wenn also die extraktivistische Zerstörung der Umwelt durch Minen, Straßen- und Gleisbauten, Raffinerien, usw. vielleicht vorrangig den Ideologien von Fortschritt und Wachstum folgt und sicher maßgeblich von ihnen vorangetrieben wird, so sind sie nicht bloßer Selbstzweck, sondern schlicht notwendig, um die globale Todesmaschinerie kolonialer, kapitalistischer Herrschaft am Laufen zu halten.

Wenn hierzulande die sozialistischen Fortschrittsjünger*innen also davon schwadronieren, dass man diese Maschinerie bloß in die richtigen Hände, die ihren, zu übergeben bräuchte, dann sollte man sich egal ob sie nun in faschistisch-sozialistischer Manier Volkswägen für alle versprechen, ob sie sich den genozidalen Kerntechnologien der Deportation, dem Transportwesen auf Gleisen, zuwenden, oder ob sie diese beiden Ansätze in einer technokratischen Dystopie, die angeblich um’s Ganze ginge, fusionieren, nicht darüber täuschen lassen, dass dies dieselben kolonialen Prozesse erfordert, wie das derzeitige kapitalistische Mobilitätsunterfangen. Es erfordert dieselbe Versklavung von Menschen in den Minen des globalen Südens, es erfordert dieselbe, lebensraumvernichtende Zerstörung der Biosphäre durch Tagebaue, wasseraufbrauchende Industrieanlagen, den Ausstoß von Umweltgiften, petrochemische Landwirtschaft und deren genmanipulierte Monokulturen, radioaktive Verstrahlung, Urbanisierung und Straßenbau, usw. usw., es erfordert dieselben mörderischen Grenzpolitiken, die die Menschen daran hindern in die wohlhabenderen Regionen dieser Welt zu fliehen und die gleiche konsum- und medial produzierte Ablenkung und Befriedung der Massen, die uns auch heute schon zu willenlosen ebenso wie willfährigen Subjekten als Teil dieses industriellen Todesmarschs degradiert.

Nein, wenn wir uns gegen die Todesmaschinerie wenden wollen, die uns und die ganze Welt mit rasanter Geschwindigkeit auf den Abgrund zusteuert, dann gibt es keinen anderen Weg als ihre kompromisslose Zerstörung. Die IAA anzugreifen kann dabei kaum mehr als ein symbolisches Unterfangen sein, vielleicht noch der Versuch anhand eines spezifischen Anlasses die eigene Kritik an Kapitalismus und Zivilisation zu schärfen und sich daran auszuprobieren eine aufständische Praxis gegen die Technologie zu entwickeln. Doch weder endet der Kampf mit der Zerstörung der IAA, noch hat er mit ihr begonnen. Autos, Straßen, Gleise und Züge, das Elektrizitätsnetz, Kommunikationsinfrastruktur, Informationstechnik, Tagebaue und Bergwerke, Panzer und Grenztechnologie, Atomkraftwerke und Atombomben, all das ist Teil der gleichen industriellen Todesmaschinerie, die unsere Leben fest im Griff hat und uns langsam aber sicher die Kehle zuschnürt. Wenn wir daran etwas ändern wollen, müssen wir die gesamte Technologie zerstören, unabhängig davon, welche Scheinfreiheiten sie uns auch versprechen mag.

Planspiel Klimawandel

Dieses Szenario wird Dir präsentiert vom Club of Rome und seinen techno-kapitalistischen Philantropenfreunden

Vorwort

Ursprünglich zur Simulation militärischer Schlachten und zur Ausbildung von Offizieren entwickelt, hat sich das sogenannte “Planspiel” zu einem ebenso verbreiteten wie mächtigen Instrument entwickelt, die Umsetzung bestimmter wirtschaftlicher und politischer Agenden auf dem Reißbrett zu planen, bzw. zwischen verschiedenen Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Es ist eine beinahe ulkige Vorstellung, wie die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Eliten zum gemeinsamen Spieleabend zusammenkommen und zweifellos ist dies nicht ausschließlich die Form, die man sich darunter tatsächlich vorzustellen hat. Aber mir geht es hier nicht um die tatsächlich Form dieser Art von Zusammenkünften, über die ich ohnehin bloß spekulieren kann. Vielmehr geht es mir um eine instrumentelle Beschreibung dessen, was sich in seinen Auswirkungen weltweit konkret erfahren und beobachten lässt und das sich meines Erachtens nach am besten als ein gigantisches Planspiel rund um die Verwaltung einer globalen Apokalypse, der sogenannten “Globalen Erwärmung”, beschreiben lässt. Ein Planspiel, bei dem die Spieler*innen am Spieltisch ihre Macht und ihren Profit sichern müssen und gleichzeitig die verbleibenden grünen Oasen der Welt strategisch günstig besetzen müssen, um zu überleben.

Jegliche Ähnlichkeit der folgenden Erzählung mit der Realität ist beabsichtigt und alles andere als ein Zufall.

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1. Das Szenario

Wir schreiben das Jahr 1968. Den italienischen Industriellen Aurelio Peccei, der von Kraftfahrzeugfirmen über Fluggesellschaften bis hin zu Computerherstellern den technologisch bedeutendsten Wirtschaftsbranchen seiner Zeit vorgesessen hatte, plagt ein Anflug von schlechtem Gewissen. Vielleicht ist schlechtes Gewissen das falsche Wort. Vielleicht muss man seinen Gemütszustand eher als einen Anflug der Langeweile über die Tristesse seines Alltags in Kombination mit dem verachtenden Bedauern, mit dem Philanthropen auf die Misere der im Elend lebenden herabzusehen pflegen, beschreiben. Bereits früher war Peccei von einem solchen Gemütszustand heimgesucht worden: 1958 hatte er aus einem eben solchen Gemütszustand heraus das Consultingunternehmen Italconsult gegründet, das durch wirtschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Beratung die “Probleme der Dritten Welt” angehen sollte, ganz so, als würden diese von den Menschen dort verursacht werden. Aber Peccei hatte dazugelernt. Das zynische, neokoloniale Konzept der “Hilfe zur Selbsthilfe”, es funktionierte einfach nicht. Alles musste man selber machen! Also würde er sich der “Probleme der Menschheit” – Umweltzerstörung, Armut, endemische schlechte Gesundheit, die Verschandelung der Städte und Kriminalität – annehmen. Aber nicht voneinander isoliert, sondern als ein verallgemeinertes “Meta-Problem”, der „problematic“. Und diese “problematic”, die sah Peccei freilich nicht im Kapitalismus, nicht im Industrialismus, nicht in der Zivilisation begründet. Nein, das Problem lautete, wie der von ihm zu diesem Zweck gegründete Club of Rome rund vier Jahre später proklamieren würde: “Die Grenzen des Wachstums.”

Kaum jemals hat eine ihrem gesamten Wesen nach so banale Studie so viel Beachtung gefunden wie die “Grenzen des Wachstums” des Club of Rome. Kurz zusammengefasst – und man muss kein*e Wissenschaftler*in sein, um das genau so vorherzusehen – sagt die Studie, dass das permanente ökonomische Wachstum, auf das sich der Kapitalismus damals wie heute eingestellt hatte, nicht endlos so weitergehen könne. Schockieren konnte und kann das damals wie heute eigentlich nur eine bestimmte Art von Zeitgenossen: Industrielle wie Peccei. Und doch: Die Studie geht durch die (westliche) Welt, als würde sie irgendetwas bahnbrechendes erzählen. Ob es das aufwendige Marketing des Club of Rome ist, das ihr zu dieser Popularität verhilft oder die zu diesem Zeitpunkt bereits eingesetzte mediale Verblödung, deren erste Opfer offensichtlich die Medienmacher*innen selbst gewesen sein müssen. Vielleicht ist es auch einfach eine Modeerscheinung der Zeit. Wenige Jahre zuvor hatte etwa Edward Norton Lorenz mediale Aufmerksamkeit mit dem sogenannten Butterfly Effect erregt. Auslöser des Ganzen damals: Weil ein von Lorenz verwendeter Computer mit dem von ihm verwendeten meteorologischen Modell völlig falsche Aussagen liefert, stellt Lorenz sich die für den wissenschaftlichen Laien absurde Frage, ob denn der Flügelschlag eines Schmetterlings, bzw. der einer Möwe nicht vielleicht einen Tornado auslösen könnte und kommt zu einem überraschenden Ergebnis, das außerhalb einer streng wissenschaftlichen Sicht unverständlich bleibt: Ja. Was Lorenz “Entdeckung” und die Studie des Club of Rome gemeinsam haben: Auch der Club of Rome verwendet ein Computermodell. Das komplexeste seiner Zeit und wohl eines der bis dahin bedeutendsten kybernetischen Modelle weltweit. Es trägt den Namen “World3”, also “Welt3”, und nutzt ganze 5 (!!!) Variablen, um das Ende der Welt so präzise wie es nur der Wissenschaft möglich sein kann, vorherzusagen. Damals wird der Zeitpunkt der Apokalypse für ungefähr das Jahr 2072, also – rein zufällig, wie man sieht – für in damals, wir befinden uns im Jahre 1972, ziemlich genau 100 Jahren vorhergesagt.1

Der Klimawandel ist damals noch nicht Teil der “The Limits of Growth”-Hysterie. Aber “The Limits of Growth” sind ein Meilenstein in der Betrachtung von globalen Prozessen, die von der industriellen Produktion in Gang gesetzt wurden aus einer Perspektive der Industriellen und ihrer Hofnarren, der Wissenschaftler*innen. Denn während die Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzungen durch Kraftwerke, das Roden von Wäldern, die Verwüstung von Böden durch petrochemische Landwirtschaft und die Verseuchung ganzer Regionen durch nukleare “Unfälle” und Kriege auf eine einfache, aber im Widerspruch zu den Interessen der Industriellen stehende Art und Weise gelöst werden können, nämlich einfach damit aufzuhören, eröffnet die vernetzte Betrachtung, das kybernetische Modell, das nicht die Ursachen, sondern bloß die Folgen betrachtet, einen ganz neuen Ansatz der Lösungsfindung: Von nun an wird es Sache der Staaten und multinationalen Konzerne sein, die Apokalypse zu vermeiden. Für diese Art von “Problem” ist ein zentrales Krisenmanagement unabdingbar. Und selbst die industriellen Hofnarren gehen dabei nicht leer aus. Denn es wird ihre Expertise sein, die fortan gefragt sein wird. Was immer sie an Lösungen anbieten, welche Fristen sie auch immer setzen werden, man wird sich nach ihnen richten müssen. Denn wen könnte man sonst in einer derart “komplizierten” Angelegenheit um Rat bitten? Außer vielleicht …

Richtig: Den Computer. Dieses unfehlbare Orakel, das selbst die Wissenschaftler*innen selbst befragen, man könnte doch …

Nun ja, vorerst jedenfalls nicht. Noch sind es die Routinen und Algorithmen der Wissenschaftler, die der Computer einliest. Manchmal sogar noch von Lochkarten. Noch gibt es keine evolutionären Algorithmen, kein Machine Learning und selbst von Big Data kann man kaum sprechen – Auch wenn IBMs-Lochkartensysteme zur bürokratischen Verwaltung des Holocaust wohl als ein erstes Experiment in diese Richtung betrachtet werden kann. Man ist ja schon froh, wenn der Computer 1,0 und 1,0 richtig zusammenzählen kann. Denn wenn nicht … Nun, der Butterfly-Effekt, den Lorenz beobachtete, singt ein Lied davon …

Trotz der gigantischen medialen Aufmerksamkeit, die dem Club of Rome von Anfang an sicher war, braucht es etwas Zeit, bis sich ihre Ideen festigen. Wir haben es hier immerhin mit einem äußert progressiven Flügel an Industriellen zu tun, deren Ideen bei der konservativen Mehrheit nicht gerade Freudensprünge auslösen. Und der heutige Schlag an Philantropen, der dieses Projekt fortführen wird, muss überhaupt erst geboren werden. Bill Gates etwa gründet Microsoft erst im Jahre 1975/76 und noch größere Spinner*innen mit gewissermaßen auch noch abgefahreneren Agenden, wie Elon Musc oder Jeff Bezos sind gerade erst aus dem Mutterleib gekrochen.

Anstatt auf Bündnisse mit dem konservativen Flügel des Kapitals zu setzen war es schon aufgrund des Narrativs einer Bedrohung der Menschheit ohnehin naheliegender, sich auf den Aufbau einer populären Bewegung zu fokussieren. Was war da naheliegender als die damals aufkommenden Umweltbewegungen für sich einzunehmen. Das war kein neues Konzept. Die Gründung der bis heute bestehenden Umweltorganisation “Friends of the Earth” etwa wurde ebenfalls um diese Zeit herum, 1969, von dem Inhaber der Atlantic Richfield Oil Company finanziert. Dass das Ehepaar Meadows, das an der Veröffentlichung von “Limits of Growth” maßgeblich beteiligt war, selbst bereits in der studentischen Umweltbewegung aktiv war, war da sicherlich mehr als praktisch. Die unter anderem von der Volkswagenstiftung, also jenen Akteur*innen, die hauptsächlich mitverantwortlich für Umweltzerstörung zeichneten, finanzierte Studie lancierte, wenngleich sich oft nicht direkt auf sie bezogen wurde, zu einem maßgeblichen Bezugspunkt zahlreicher Umweltbewegungen in den USA und Europa.

Und doch richtete sich eine Kernaussage von “Limits of Growth” an niemand anderen, als an das Kapital selbst. Ab dem Jahr 2008, nachdem sie ihren Höhepunkt erreicht hätte, würde die Industrieproduktion pro Kopf dramatisch einbrechen, prophezeiten die frisch gekührten Weltuntergangsprophet*innen, und sich dann in den folgenden Jahrzehnten auf einem Niveau, das unter dem vom Ende des 19. Jahrhunderts liegen würde, einpendeln. Von Industriellen und ihren Hofnarren ins Leben gerufen, scheint diese Prognose die eigentliche Bedrohung für den Club of Rome auszumachen. Aber wer, der Ausgebeuteten dieser Welt würde sich für die Belange ihrer Ausbeuter*innen interessieren? Es gilt also die Interessen der Industriellen mit denen der gesamten Erdbevölkerung gleichzusetzen. Dass für das Jahr 2020 ein Zusammenbruch der Nahrungsproduktion prophezeit wird ist dabei ein erster Schritt, aber es wird nicht genug sein. 1991 veröffentlicht der Club of Rome-Mitbegründer Alexander King ein Buch, das einerseits Aufschluss über die Agenda dieses grünen Flügels des Kapitals gibt und andererseits versucht, die Probleme einer techno-industriellen Zivilisation nicht auf deren zentrale Akteur*innen, sondern auf die Menschheit selbst zurückzuführen. Und er bringt schon im Titel einen Gedanken ins Spiel, von dem wir im letzten Jahr nur allzu viel gehört haben. Der Titel seines Buches lautet: The First Global Revolution. Doch seine Revolution besteht nicht etwa darin, die Verursacher*innen seiner “Problematique”, ihn eingeschlossen, zu enthaupten, wie das so viele Revolutionen der Geschichte mal mehr, mal weniger verständlicherweise mit sich brachten, sondern wie alle Herrschenden, die von Revolution sprechen versteht er darunter die Einrichtung eines globalen und totalitären Kontrollapparats unter Leitung von – na von wem wohl … Dabei versteht King diesen Prozess durchaus auch als eine sozial-kulturelle Bewegung, die die Regierungen dieser Welt dazu zwingt, “grünere” Umweltpolitiken zu verfolgen und allzu große soziale Ungleichheiten, die immer auch ein bedrohliches aufständisches Potenzial bergen, aufzuheben.

Ich denke man muss verstehen, dass es sich bei dem was King und der Club of Rome hier skizzieren um ein Programm des “grünen”, linken Flügels des Kapitals handelt, dass sie ganz bewusst in den Aufbau einer sozialen Bewegung investieren, die sich ihre wissenschaftlichen Analysen zum Ausgangspunkt wählt, und dass die heutige Klimabewegung, die zweifelslos in der Tradition dessen steht ebenso wie das derzeit akute Projekt des “Great Resets”, der von Vertreter*innen des World Economic Forum propagiert wird, zumindest in enger Tradition dieses Ansatzes stehen.

Als King 1992 sein Buch veröffentlicht, kommt darin auch die globale Erderwärmung, auf die sich heute unter anderem als Klimawandel bezogen wird, zur Sprache, die, ursprünglich hervorgehend aus der Erforschung der Auswirkungen nuklearer Waffen, eigentlich erst seit den 1980ern politische Relevanz entwickelte, als die unter anderem von der NASA, also einer US-Militärorganisation betriebene Forschung zunehmend zu dem Ergebnis kam, dass der “Klimawandel” katastrophale, d.h. in diesem Kontext vor allem die Vormachtstellung der USA und der westlichen Welt im Allgemeinen bedrohende, Konsequenzen haben könnte. Das Narrativ des Klimawandels erinnert dabei stark an das von King aufgebaute Szenario: Wir alle sitzen im gleichen Boot, weltweit und über die Grenzen von sozialen Klassen hinweg und wir alle seien als Teil dieser Gesellschaft gleichermaßen mitverantwortlich für diese Katastrophe. Ein Narrativ, das so freilich nicht haltbar ist, deshalb entwickelt sich schnell eine bestimmte Einschränkung: Wir Konsument*innen (egal ob arm oder reich) der westlichen Welt sind vor allem verantwortlich, während der globale Süden etwa zwar von einer individuellen Schuld entlastet wird, aber wen kümmert das schon und vor allem was soll das bedeuten? Nachdem in den 90er Jahren eine staatliche Klimakonferenz die nächste jagt, Abkommen zwischen Staaten geschlossen werden und schließlich 1997 im sogenannten Kyoto-Protokoll ein Zertifikate-System für Treibhausgasemissionen entwickelt wird, bei dem das Recht zur Emission von Treibhausgasen durch Unternehmen gegen Geld erworben werden kann, geht erst einmal alles weiter wie gehabt. Sowieso soll das Ganze ja erst im Jahr 2005 in Kraft treten und überhaupt lassen sich die Treibstoffemissionen der Wirtschaft nicht einfach herunterfahren ohne in eine Wirtschaftskrise zu geraten. Stattdessen werden der bürgerlichen Mittelschicht und der armen Bevölkerung in westlichen Ländern in den folgenden Jahren von Medien, Politik, Klimaschutzbewegung und eben jenem elitären linken Flügel des Kapitals erst einmal gehörig das Gehirn gewaschen. Wer erinnert sich nicht an die unzähligen und in der Regel auch ziemlich idiotischen Tipps, wie man im eigenen Haushalt Strom und Energie und damit Treibhausgasemissionen sparen könne. Vom Schließen des Kühlschranks bis hin zum Löschen des Lichts, wenn man es gerade nicht braucht ist wirklich alles dabei und eine energiesparfanatische bürgerliche Mittelschicht, die fortan darin aufgeht, ihren Müll zu trennen, Strom und Heizungsenergie zu sparen, die GRÜNEN zu wählen und sich moralisch erhaben zu fühlen dominiert sämtliche Diskurse um Klimaerwärmung. Später wird jene Schicht dazu übergehen, im Biomarkt einzukaufen, Plastiktüten durch Papiertüten zu ersetzen und sich neue, angeblich klimaschonende Elektroautos anzuschaffen, während sie für Porto, Bahnfahrten und Flüge gerne ein paar Cent oder auch einmal ein paar Euro mehr bezahlen, damit die dabei verursachten Treibhausgasemissionen auf den Wert Null gerechnet werden. “Klimaneutral” wird das dann genannt werden. Alles ganz im Sinne des Club of Rome. Man tut eben was man kann und da ist einem auch das “sauer” verdiente Geld nicht zu schade.

Und während in den Privathaushalten in der Folgezeit leidenschaftlich und mal mehr, mal weniger Strom gespart wird, verdienen Industrieunternehmen eine Zeit lang Geld damit, nachts ihre Gebäude und Parkplätze zu erleuchten, weil die Kohle- und Atomkraftwerke der Energieunternehmen des Nachts nicht einfach so gedrosselt werden können und Energiegroßabnehmer*innen so teilweise Geld bezahlt wird, dafür, dass sie die zur Verfügung gestellte Energie verbrauchen. Als Regierungen in Europa irgendwann damit beginnen, ihre Vereinbarung von Kyoto tatsächlich in Angriff zu nehmen, da verdienen Energieunternehmen beispielsweise in Deutschland Geld damit, sich ihr Recht auf Umweltverschmutzung einzuklagen oder wenigstens Abfindungen für das Unterlassen zu kassieren, während sie sich den Ausbau sogenannter erneuerbarer Energiequellen ebenfalls großzügig staatlich subventionieren lassen. Die mittlerweile wieder wachsende Klimaschutzbewegung beschränkt sich unterdessen darauf zu drängen, dass bereits getroffene, interstaatliche Vereinbarungen eingehalten werden und fungiert ansonsten vorrangig als Lobbyorganisation für die Hersteller*innen von Photovoltaik-, Windkraft- und Wasserkraftwerken und beschert später auch dem einen oder anderen Bonzen-Hersteller von E-Autos ein gutes Geschäft. Was tut man nicht alles für eine “weiße Weste” und ein reines Gewissen?

2. Die Mission

Während eine weitestegehend bürgerliche Klimaschutzbewegung noch immer die Spätfolgen ihrer Gehirnwäsche Ende der 90er und zu Beginn der 2000er auskuriert, kann man leider nicht behaupten, dass sich die Staaten auf ihren leeren Versprechungen aus den 90er Jahren ausgeruht hätten. Ihre seitdem angestoßenen Forschungsprojekte, die oft unter militärischer Leitung durchgeführt wurden, bestanden darin herauszufinden, welche sozialen, ökonomischen und politischen Konsequenzen die zunehmende Unbewohnbarkeit – Überflutung und Desertation sind dabei die wohl häufigsten Ursachen – der oft dicht besiedelten Landstriche hätten und wie man in einem nie zuvor dagewesenen, globalen Ausmaß an Hungersnöten, Völkerwanderungen, Kriegen und Revolten Herr der Lage bleiben könne. Schon zu Beginn der 2000er Jahre wurde in Europa dafür ein Konzept entwickelt, das heute mitunter als “Festung Europa” beschrieben wird und dessen tödliche Auswirkungen bereits heute an den im Mittelmeer ertrinkenden, in Lagern vor oder hinter den EU-Grenzen vegetierenden und verreckenden Menschen demonstriert werden. Im Jahr 2004 wird die dafür verantwortliche “Grenzagentur” FRONTEX gegründet. Von Anfang an spielt die “Abwehr” von Flüchtlingsströmen in Folge von “Umweltkatastrophen” und speziell des “Klimawandels” eine bedeutende Rolle für FRONTEX, wobei mit großem Aufwand daran geforscht wird, die Entwicklung solcher Tendenzen vorherzusagen, zu überwachen und durch Bündnisse mit weit entfernten außereuropäischen Staaten, die Flüchtlingsströme nach Europa frühzeitig durch Internierung der Flüchtenden unterbinden sollen, ebenso wie durch die Internierung dennoch ankommender Flüchtender in Lagern vor und innerhalb der EU-Außengrenzen zu kontrollieren. Was selbstverständlich in keinem Gesetz, keiner Verordnung und keiner Leitlinie steht, aber dennoch – und das wenig überraschend – gängige Praxis ist, sind das als “Pushback” euphemisierte vom Boot treten und im Mittelmeer ertrinken lassen oder, wie jüngst wieder kurz bildmächtig durch die Medien spukte, um dann nach wenigen Tagen vergessen zu werden, das ins Meer zurücktreiben von Flüchtenden, sowie die institutionalisierte Unterlassung/Verhinderung von Seenotrettung kenternder Flüchtlingsschiffe und -boote und andere Praktiken des organisierten Massenmordes. Dabei erfährt die Grenzschutztechnologie an den Außengrenzen Europas eine gigantische technologische Aufrüstung. Von Drohnenüberwachungsflügen über den Grünen Grenzen bis hin zur Errichtung von Infrarot- und Videoüberwachten Grenzzäunen, aber auch biometrische Erkennungstechnologien, die dazu dienen sollen, wiederholte Einreiseversuche unter unterschiedlichen “Legenden” zu unterbinden, wird von FRONTEX und Co. eine neue Art von Überwachungstechnologie erprobt, deren Einsatz keineswegs auf die Grenzen selbst beschränkt bleibt und die sich nach Belieben gegen jede Klasse von Bevölkerung richten lässt. Besonders hervorzuheben ist hier vor allem auch die Rolle biotechnologischer Forschung, etwa die Tendenz gigantische DNA-Datenbanken aufzubauen um damit unter anderem auch Angaben zur Herkunft von Flüchtlingen durch entsprechende DNA-Analysen (eine moderne Form der biologistischen Rassenlehre) zu überprüfen.

Auch für die USA und Kanada ist die klimaveränderungsbedingte Flucht ein Anlass, Migrations- und Sicherheitsstrategien gegen die erwarteten Flüchtlingsströme zu entwickeln. Obwohl die Trump-Administration der vergangenen vier Jahre dazu übergegangen war, den Klimawandel zu leugnen, kann die Errichtung eines High-Tech Grenzzaunes an der Grenze nach Mexiko durchaus als Kontinuität einer solchen Abschottungspolitik verstanden werden, die wie jede solche Politik, auch die in Europa, selbstverständlich vor allem in ihren rassistischen Implikationen fortlebt und sich über die rassistischen Agenden ihrer Befürworter*innen sehr häufig verselbstständigt. Aber auch nachdem Trumps Nachfolger Biden die Migration aus Mexiko vorerst wieder ermöglichte – zumindest in Teilen –, bestand sein dringlichstes und vorrangigstes Anliegen bei der Wiederaufnahme einer “Klimapolitik” darin, seine Geheimdienste anzuweisen einen “Bericht über die Sicherheitsauswirkungen des Klimawandels” anzufertigen. Er kehrt damit zur US-Politik der Prä-Trump-Ära zurück, als den Ratschlägen von Wirtschaft und ihrer Wissenschaft folgend US-Militär und Geheimdienste daran arbeiteten, nicht nur die Rohstoffversorgung der USA in einer Periode der klimainduzierten “Unsicherheit” zu gewährleisten, sondern vor allem, zu bestimmen, welche Orte dieser Welt im Szenario einer klimainduzierten globalen Katastrophe von strategischer Bedeutung wären und wie die Kontrolle über diese möglichst bereits im Voraus erlangt werden könnte.

Wie ernst imperialistische Staaten weltweit die erwarteten Konflikte im Zuge einer klimainduzierten Unbewohnbarkeit weiter Teile der Erdoberfläche nehmen, das lässt sich kaum irgendwo besser erkennen, als daran, dass die jährlichen Rüstungsausgaben weltweit ab den 2000er Jahren trotz dem Ende des Kalten Krieges und diverser “Abrüstungsverträge” bis zu den 2010er Jahren um beinahe 50% angestiegen sind. Dabei erlebt die Militärstrategie, so unterschiedlich sie in den verschiedenen Regionen der Welt auch aussieht, einen Wandel. Militärisch-wissenschaftliche Forschung an Massenvernichtungswaffen beschäftigt sich zunehmend damit, wie die “Infrastruktur” bei ihrem Einsatz intakt bleiben kann. Die Menschen einer Stadt oder eines ganzen Landstriches vernichten, dabei aber Straßen, Gebäude, usw. erhalten, das ist die Devise. Gleichzeitig scheinen sich die Einsatzszenarien für die das Militär trainiert und in deren spezifische Kriegstechnologie der Militäretat investiert wird, zu verändern. Sind es nur die Erfahrungen aus den “Verteidigungseinsätzen” am Hindukusch, bei denen klassische Gefechtstrategien an den Guerillastrategien ihrer Feind*innen scheiterten, die die Armeen weltweit für Konflikte in urbanen und besiedelten Gebieten trainieren lassen oder steckt dahinter vielmehr die allgemeine Erwartung eines Bürgerkriegsszenarios in der Zukunft? Militärische Strategiepapiere und sicherheitspolitische Konferenzen gehen jedenfalls seit Jahrzehnten von einer ab dem Jahr 2020, nicht (ganz) zufällig dem Jahr ab dem laut ursprünglicher Fassung von Limits of Growth die Nahrungsmittelproduktion und der wirtschaftliche Dienstleistungssektor zusammenbrechen könnten, zunehmend bröckelnden globalen Sicherheitslage aus und plädieren dafür, sich militärisch auf bürgerkriegsartige Konflikte einzustellen.

Das passt auch zum Ausbau der Überwachungs- und Kontrollinfrastruktur der letzten Jahre in Städten weltweit. Tatsächlich sind es oft militärische Strategien, die im Kampf gegen Guerillakämpfer*innen entwickelt wurden, die als Vorbild für die moderne Polizeiarbeit dienten und einst der militärischen Intervention vorbehaltene Technologien werden – bereinigt um die ein oder andere allzu abartige Schweinerei – zunehmend “demokratisiert” und zu wichtigen Werkzeugen der täglichen Polizeiarbeit. Alleine in Deutschland wurde das polizeiliche Arsenal in den letzten Jahrzehnten um zahlreiche Waffen der Aufstandsbekämpfung erweitert. Terrorabwehr, sagen Politiker*innen, Medien und ihre Freund*innen. Den Terror bekämpft man bekanntlich auch am Hindukusch und anderswo in der Welt, wo die tarnfarbentragenden Kolleg*innen der Polizei im Namen der Terrorabwehr morden. In den deutschen Städten, ebenso wie in den meisten Städten Europas nahm im Namen der Terrorabwehr in den letzten Jahren die Videoüberwachung öffentlicher Plätze zu, es wurden vielerorts auch die letzten verbleibenden dunklen Ecken der Städte ausgeleuchtet, Kennzeichenerfassungssysteme erfassen, wer mit seinem Auto die Straße lang fährt, Kameras zeichnen auf, wer die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt und eine große Varietät an smarter Technologie schickt sich unterdessen an, ein Paar sehender Glasaugen in jeden bisher toten Winkel der Städte zu bringen. Terroristen haben es da schwer, jubelt die Presse. Doch wer noch ein Fünkchen Verstand in seinem Hirn schlummern hat, die*der mag bereits ahnen, dass man selbst der*die Terrorist*in der nahen Zukunft sein wird, wenn man es nicht bereits ist.

Denn in einer Welt, in der die westlichen Demokratien und die darin subtiler funktionierenden Herrschaftsmechanismen nicht mehr auf dem Rücken einer weitaus weniger subtil funktionierenden, kolonialen Herrschaft und Ausbeutung getragen werden, wird auch die bestehende Illusion einer Interessensgleichheit der hiesigen Arbeiter*innen mit ihren Bossen zu bröckeln beginnen. Terrorist*in ist in diesem Szenario nicht mehr nur die*derjenige, deren*dessen Hass – manchmal durch eine religiöse Ideologie kanalisiert, manchmal nicht – sich gegen die Mitglieder der (vermeintlichen) Interessensgemeinschaft richtet, die ihn*sie und alle um ihn*sie herum unterwerfen, sondern auch die*derjenige, die*der diese Interessensgemeinschaft aufkündigt, um sich selbst gegen die einstigen Verbündeten zu wenden. Oder anders ausgedrückt: Terrorist*in ist in einem Szenario der politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Instabilität jede*r, die*der den Plänen der Herrschenden in die Quere kommt. Wenn wir unseren Blick über den Tellerrand hinausschweifen lassen, so finden wir in dem, was in China als Social Scoring etabliert wurde, der westlichen Welt jedoch nicht so fremd ist, wie es aufgrund der allzu tiefgreifenden Hirnwäsche durch die Medien vielleicht scheinen mag, die allgemeine Tendenz dieser Entwicklung: Ein totalitäres kybernetisches System der Kontrolle durch Belohnung und Disziplinierung, dessen Zweck es ist, zu gewährleisten, dass sich alle Menschen genau so verhalten, wie das die Herrschenden gerne hätten. Das ideale Werkzeug also, um die Pläne eines zentralen Krisenmanagements des Klimawandels Wirklichkeit werden zu lassen.

3. Das Spiel hat längst begonnen …

So in der Art scheinen das jedenfalls diejenigen zu sehen, die sich derzeit für einen “Great Reset” stark machen. Wer hätte je gedacht, dass eines der vermutlich neoliberalsten Elitentreffen dieser Welt eines Tages entscheiden würde, in China nicht mehr nur einen günstigen Produktionsstandort und einen ergiebigen Rohstofflieferanten zu sehen, sondern sich zunehmend auch für dessen Organisationsmodelle der Gesellschaft erwärmen würde? Aber es ist wahr. Führende Köpfe des World Economic Forums, palavern im Zusammenhang mit der “Great Reset-Initiative” des WEF immer häufiger davon, dass das “chinesische Modell” dem gescheiterten “westlichen Modell” überlegen sei. Man braucht sich freilich keine Illusionen zu machen. Dank Smartphones, Smart-Homes, Smart-Cities, sozialen Netzwerken und jeder anderen smarten Technologie, die sich die Bürger*innen der “westlichen Welt” in den vergangenen Jahren mehr als bereitwillig selbst angeschafft und finanziert haben, sind alle wesentlichen Aspekte eines Sozialkredit-Systems und eines Systems der kybernetischen sozialen Kontrolle längst vorhanden. Einzig die relative Fragmentiertheit und Uneinheitlichkeit unzähliger partieller Systeme und die algorithmische Hoheit, die hier nicht beim Zentralkommitee der Kommunistischen Partei liegt, sondern auf einige Tech-Unternehmen verteilt ist, unterscheidet den einen Ansatz vom anderen. Es erschließt sich vor dem Hintergrund global auftretender Zerfallserscheinungen der bisherigen Ordnung selbstverständlich auch, warum dem WEF und anderen Akteur*innen derzeit so viel daran gelegen ist, diesen Unterschied aufzuheben: Ihre Macht bröckelt – und wo immer die Macht von Herrscher*innen bedroht ist, werden die relativen Freiheiten ihrer Untertanen in einer Art von Ausnahmezustand aufgehoben in dem Versuch alles und jeden zu kontrollieren. Und im Falle der in Tradition der Apokalypsen des Club of Rome stehenden, drohenden globalen Klimakatastrophe samt ihrer sozialen Auswirkungen ist freilich nichts weniger genug, als die gesamte Welt bis ins letzte Detail zu kontrollieren.

Pläne, Visionen und erwartete Szenarien einer gewissen Klasse an Technokraten und Kapitalisten reichen von einer möglichst immer weiter gesteigerten Innovationskraft, in die die letzten Ressourcen dieses Planeten investiert werden sollen, in der Hoffnung so bis zu einem möglichen Kollaps technologische Möglichkeiten der Umkehrung gefunden zu haben, bis hin zu Fluchtplänen auf den Mars. Die Szenarien des sozialen Zusammenbruchs sehen eigentlich durchweg einen globalen Bürgerkrieg vor, in dem nur mehr wenige, grüne Regionen dieser Welt unter totalitäre Kontrolle gebracht werden sollen, während man sich die verbleibenden Wüstenregionen etwa wie die Kriegsgebiete in Syrien, oder im Kongo vorstellen kann, in denen die Produktion unter ständig wechselnden Machthabern weiterläuft, während Milizen um die Vorherrschaft kämpfen, dabei Genozide an der Bevölkerung begehen und diese versklaven und die in den verbleibenden grünen Oasen dieser Welt sitzenden Herrscher*innen dieser Welt mit allen Parteien handeln und Rohstoffe wie Waren gegen jene Waffen tauschen, mit denen die Menschen massakriert werden.

Die jetzige Übergangsphase, in der die Zerfallserscheinungen immer offensichtlicher werden und hier und dort in Form von sozialen und ökonomischen Zusammenbrüchen offenbar werden, ist die kritische Phase, in der es darauf ankommt, die Bevölkerung ruhigzustellen. Denn eine Verwaltung des Zusammenbruchs und eine Sicherung der eigenen Machtansprüche kann nur dann gelingen, wenn es nicht zu massenhaften Revolten kommt – oder zumindest nicht zu Revolten in den Metropolen der Macht oder zu solchen, die ihre Rohstoffversorgung ernsthaft gefährden.

Vor diesem Hintergrund kann die noch immer anhaltende Periode des pandemisch legitimierten globalen Ausnahmezustands inklusive Lockdowns, Ausgangssperren, Versammlungsverbote, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Grenzschließungen, Militärposten inmitten europäischer Städte, usw. usw., vielleicht als eine Art von Blaupause für die kommenden Jahre begriffen werden. Das vor allem medial produzierte Bild des Virus, der die Menschen nur so dahin rafft hat für genügend Ablenkung gesorgt, dass selbst einige derjenigen, deren Engagement, ebenso wie ihre Sichtweise ansonsten auf das Feld tödlicher Landesgrenzen verengt zu sein schien, kaum bemerkten, dass der von ihnen mitgetragene pandemisch legitimierte Ausnahmezustand die Situation an diesen Grenzen dramatisch verschärfte, dass sämtliche Restmöglichkeiten den EU-Außenlagern doch noch zu entfliehen von einem Tag auf den nächsten verschwanden, dass die teils von solchen Leuten mitgetragene Seenotrettung fliehender Menschen in Richtung EU ebenfalls stoppte, dass die Situation in Lagern wie Moria auf Lesbos so unerträglich wurde, dass seinen Insass*innen nichts anderes übrig blieb, als es niederzubrennen (es gab ja sogar Leute, die daraufhin für dessen Wiederaufbau votierten), usw. usw. Und die Grenzschließungen der EU-Außengrenzen sind sicherlich nur der überhaupt noch ergründbare Gipfel der neuen Ein- und Ausschlusspolitik im Namen von Covid-19. Es ist klar, dass Flucht, egal ob aus jenen Gebieten, die infolge der desaströsen ökologischen Zerstörung zu unbewohnbaren Wüsten geworden sind, aus jenen, in denen die koloniale Ausbeutung und kapitalistische Veräußerung der Region den Menschen die ökonomische Existenzgrundlage geraubt hat, aus jenen, die von den zahlreichen Kriegen um Rohstoffe, militärstrategische Vormacht oder wirtschaftlichen Profit, ebenso wie um religiösen Wahn in ein (soziales) Minenfeld verwandelt wurden, oder aus jenen, in denen Bürger*innenkriege um das letzte bisschen bewohnbaren Platz inmitten der desaströsen Zerstörung allen Umlands toben, keinen Lockdown kennt. Folglich stellt sich angesichts dessen, dass diese Flucht vor Europa nun mehr als je zuvor an ein absolut totes Ende gelangt, weniger die Frage ob, sondern vielmehr die Frage wo all die Menschen nun in Konzentrationslager gesperrt, niedergemetzelt werden, verhungern und verdursten, ertrinken, ihren Kräften erliegen, Sklavenhändler*innen in die Hände fallen, oder aus Verzweiflung Selbstmord begehen. Und wer interessiert sich dafür? Wer hätte gedacht, dass den deutschen Antifas einmal das Leben des sprichwörtlichen Nazi-Opas wichtiger sein würde, als das der flüchtenden Bevölkerung des globalen Südens? Naja, für manch eine*n vielleicht keine große Überraschung.

Während also die “Festung Europa”, von der schon Hitler schwärmte, ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt, erreicht auch die innereuropäische Isolation – und gleiches gilt übrigens auch für die gesamte westliche Welt – einen neuen Höhepunkt. Einer dank Smartphones, Fernsehen, Home-Entertainment jeder Art, “sozialen” Netzwerken, algorithmisch vermittelten Paarbeziehungen ebenso wie Liebesaffären, usw. ohnehin in im letzten Jahrzehnt bereits weit vorangeschrittenen Verflachung der Beziehungen zwischen den Menschen, folgte im letzten Jahr das, was vielen der ohnehin schon am seidenen Faden hängenden, letzten verbleibenden realweltlichen Beziehungen den endgültigen Todesstoß verpasste: Rund ein Jahr fremd- ebenso wie selbstverordnete Isolation in der heimischen Sphäre, bei der sämtliche Beziehungen, die über die in diesem Kontext überraschenderweise wieder erstarkende patriarchale Basisorganisationseinheit der Familie hinausgehen, in die Weiten des kybernetischen, spiegelweltlichen Internets verbannt wurden. Ihr Zustandekommen wird damit essentiell bestimmt durch die vermittelnde Technologie und ist jenseits von ihr sowieso kaum noch zu denken. Die sprungartig angestiegene Nutzung von algorithmischen Partnervermittlungsbörsen, aber auch die plötzliche Verbreitung von Wörtern wie “zoomen”, bezeugen diesen neuen Grad der Entfremdung. Das Problem dabei ist nicht nur, dass die Beziehungen in einem noch größeren Grad als bisher verflachen, sondern vor allem auch, dass die Technologie, die diese zustande bringt, dadurch zunehmend weniger wegdenkbar wird, sich also kulturell verfestigt. Eine Technologie, die nicht nur die häusliche Einsperrung der Menschen überhaupt möglich macht, sondern auch eine, die in der Vergangenheit die gezielte Manipulation der Emotionen der Menschen erforscht hat (vgl. bspw. Studien des Unternehmens Facebook, sowie die psychologischen Sparten der Spieleindustrie), und die somit das ideale Instrument globaler Gleichschaltung liefert, nach dem die grünen, technokratischen und oft auch transhumanistischen Herrscher*innen und Verwalter*innen der zerfallenden Welt so händeringend suchen.

So oder so, die Periode des Corona-legitimierten Ausnahmezustands hat beeindruckend unter Beweis gestellt, wie leicht die Aufmerksamkeit der Menschen innerhalb der westlichen Welt von den viel existenzielleren Problemen in ihrem Umfeld, sowie deren Auswirkungen andernorts auf der Welt durch eine geeignet popkulturell vorbereitete Erzählung (von Romanen, Filmen, Computer- und Handyspielen bis hin zu Gesellschaftsspielen hat die Unterhaltungsindustrie eine wahrliche Vielfalt an Pandemieszenarien in die Köpfe der Menschen gebracht, die während der Corona”pandemie” durchaus die Phantasie der Menschen beeinflussten) einer (bloß scheinbaren?) globalen Katastrophe – wer sieht die Parallelen zum Club of Rome-Apokalypsen-Narrativ nicht? – abgelenkt werden kann. Nicht zuletzt deshalb dürften die grünen Technokraten-Propagandist*innen in ihren Think Tanks bereits an einer Neuauflage dieser Erzählung schrauben, wie immer unterstützt von ihren Hofnarren, den Wissenschaftler*innen, die längst eine Vielfalt von Studien angestellt haben, wie die Menschen pädagogisch und propagandistisch, ebenso wie manipulativ sowohl mithilfe von massenpsychologischer Kommunikation, als auch individuell zugeschnittenen Social Media Kampagnen, dazu gebracht werden können, sich dem Willen der Herrschenden gemäß zu verhalten.

4. Auswertung

Dass sich in der momentanen Phase der pandemie-katastrophistischen und technologisch-gamifizierten Ablenkung von ihrem eigentlichen Gegenstand, große Teile der (liberalen) Klimabewegung auf Seiten der Herrschenden schlagen, indem sie nicht nur deren (ohnehin längst gefassten) Klimagipfel-Beschlüsse verfechten, sondern sich zugleich auch noch für Maßnahmen der globalen Einsperrung einsetzen (zum Beispiel in Person Greta Thunbergs und all der anderen, mittlerweile in die Parteien eingetretenen Leitfiguren der Fridays For Future-Bewegung), vermag vielleicht kaum zu überraschen. Es zeigt aber die Gefährlichkeit des allzu innigen Spiels von sich radikal glaubenden Akteur*innen mit jenen liberalen Bewegungen auf, von denen einige noch immer zweifeln, ob sie sich auf Greta Thunberg und Co. nun positiv beziehen sollten oder nicht und die sich teilweise sogar dazu versteigen, jene anarchistischen Kritiken an diesen Anführer*innenfiguren, die auf deren ideologische, ebenso wie ganz realeVerflechtungen mit der Herrschaft hinweisen, verschwörungstheoretisch oder gar “von rechts” motiviert – gemäß dem Motto: “Was nicht links ist, muss rechts sein” – zu bezeichnen. Sie haben sich einer nur scheinbaren sozialen Bewegung soweit angebiedert, dass sie darüber eigene Interessen und sogar die Anliegen der Ausgebeuteten, die sie zu verfechten glauben und vorgeben, selbst vergessen haben. Plötzlich wird grüne Technologie als im Interesse derer verkauft, die dafür in Minen versklavt, in Kriegen und Genoziden gemetzelt und in einst vor Leben sprudelnden Gebieten sich dem Diktat des Ökonomischen folgend diese in Wüsten zu verwandeln gezwungen sehen. “Klimagerechtigkeit” nennt sich das. Und in angeblich deren Interesse werden die ebenso todbringenden Wind- und Solarparks, die Geothermiekraftwerke, die Wasserkraftwerke und andere Spielarten der nach wie vor todbringenden Industrie, die sich nun eben “grün” getauft hat, auf den westlichen Territorien legitimiert, wo die von ihnen erzeugte Energie nicht zuletzt in das Militär und die Grenzen investiert wird, die die angeblichen Haupt-Interessensstifter*innen aus diesen Regionen fernhalten.

Sich einer solchen Perspektive auch nur anzunähern bedeutet jeglichen aufständischen Anspruch aufzugeben. Und nicht nur das, es bedeutet, ein Zahnrädchen im Getriebe dieser Todesmaschine zu werden.

Was aber macht eine aufständische Perspektive aus, die vom Sand im Getriebe, bis zum vernichtenden Triebwerksbrand das auszulösen vermag, was jeder Ausbeutung und Sklaverei, jeder Unterdrückung und Herrschaft durch diese Todesmaschinerie namens industrielle Zivilisation ein Ende zu bereiten vermag? Fest steht für mich, dass eine solche Perspektive vor allem auch auf die Adjutanten des neuen wie alten Unterfangens, sich die gesamte Welt untertan zu machen, abzielen muss, auf die Wissenschaft. Und damit meine ich keineswegs bloß diejenigen, angewandten Wissenschaftler*innen, die an jenen Technologien feilen, die unmittelbar der Herrschaft und Unterdrückung dienen, ich meine die Wissenschaft in ihrer derzeitigen Gesamtheit, in ihrer Totalität, von der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung über die Geistes(verwirrungs- und -züchtigungs)wissenschaften bis hin zu den Propaganda- und Sozial(ingenieurs)wissenschaften. Keines dieser Orakel darf uns als Verbündeter im Kampf gegen jene dienen, für deren Herrschaftssicherung sie ins Leben gerufen wurden und fortan funktionierten.

Nicht zuletzt sind es jene Gefilde der Wissenschaft, aus denen einige der wichtigsten Innovationen der hyperprogressiven grünen Technologie und seiner Kapitalfraktion entspringen und in Zukunft entspringen sollen. Vielleicht lohnt es sich daher, einen genaueren Blick auf diesen Prozess zu werfen:

Zwar sind es vor allem weltumspannende Mega-Konzerne, die schließlich die Vermarktung der grünen Technologien dominieren, wie beispielsweise im Bereich der Biotechnologie und der Computertechnologie, doch entstehen die technologischen Innovationen meist in einem universitären Umfeld, dem es ohne die Kapitalinvestitionen der Konzerne an den Möglichkeiten ihrer Umsetzung mangeln würde. Wenn die Wissenschaft nicht eigentlich schon immer neben dem Staat auch kapitalkräftigen Unternehmen gedient hat, so wurden spätestens ab der Mitte des 20. Jahrhunderts die Grundlagen dafür gelegt, dass wissenschaftliche Forschung in verschiedenen Bereichen zukünftig unmittelbar der Wirtschaft dienen könne. Heute spielen in diesem Prozess vor allem Startups eine bedeutende Rolle. Jungen und älteren Wissenschaftler*innen, die in einem bestimmten Bereich eine Innovation entwickeln, steht dabei im Umfeld von vielen Universitäten ein Netzwerk zur Verfügung, das einerseits Kontakte zu industriellen Investor*innen herstellt und andererseits für die Investor*innen jene Ideen herausfiltert, die sich für sie als besonders nützlich erweisen könnten. Um ganz gezielt Innovationen in einem bestimmten Bereich entwickeln zu können, rufen diese Netzwerke in Zusammenarbeit mit Unternehmen häufig auch Wettbewerbe aus, in denen Wissenschaftler*innen und Startups darum konkurrieren, eine Lösung für ein spezifisches Problem zu entwickeln. Auf diese Weise werden Startups befähigt, ihre Ideen umzusetzen und wenn sie damit Erfolg haben, so werden sie entweder von ihren Investor*innen aufgekauft oder aber man hat sich durch Lizenzverträge, etc. schon vorher das Recht gesichert, von diesen Innovationen zu profitieren. Tatsächlich kommen Innovationen heute in vielen Branchen, auch jenen, die für die grüne Technologie von besonderer Bedeutung sind, auf diese Art und Weise zustande. Die weniger etablierten und meist schlechter geschützten Startups könnten also neben wissenschaftlichen Laboren, Think Tanks und Forschungseinrichtungen einen geeigneten Angriffspunkt bieten, um die industrielle Manifestation wissenschaftlich-technologischer Entwicklungen an ihrem schwächsten Punkt anzugreifen.

Die Wissenschaft anzugreifen, das vermag zwar möglicherweise die Innovationskraft des grünen Kapitalismus einzudämmen, jedoch nicht notwendigerweise zu einem ebenso notwendigen Produktionsstopp beitragen. Dass nur die Arbeiter*innenklasse durch einen Generalstreik einen solchen Produktionsstopp auslösen könnte ist für jene, die es sich nicht zur Aufgabe machen wollen, ihr Leben dem Aufbau einer kaum weniger monströsen Maschinerie der Organisation irgendeines vermeintlich revolutionären Subjekts zu widmen – was nicht bedeutet, dass man sich nicht für soziale Konflikte interessieren würde –, ebenso unbefriedigend wie es ein Mythos ist. Die heutige global vernetzte und oft computergesteuerte industrielle Produktion ist von einer Reihe fragiler Infrastrukturen abhängig. Während schon der lahmgelegte öffentliche Nahverkehr in Städten in der Vergangenheit wiederholt dazu führte, dass die Produktion in den noch nicht roboterisierten Werken der Industrie ins Schwanken geriet und teilweise zumindest tageweise einbrach (anschließend wurden meist Shuttlebusse für die Arbeiter*innen in die Fabriken organisiert), sind es vor allem die Versorgung dieser Werke mit Energie (Strom), ihre Anbindung an das kybernetische Netz (immer mehr wird die Auftragssteuerung der Produktion aus der entlegenen Konzernzentrale erledigt) und die Versorgung mit den nötigen Rohstoffen und Zwischenprodukten (Logistik). Wird die dafür notwendige Infrastruktur (Stromnetz, Internet, Güterschienennetz, sowie der Güterverkehr auf Autobahnen) empfindlich gestört, so wird auch die von der jeweiligen Störung betroffene Produktion ausfallen. Der auf der Hand liegende Vorteil einer solchen Fokussierung auf die Infrastruktur anstelle der einzelnen Produktionsstandorte ist, dass durch großflächig verursachte Ausfälle, die sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand erzielen lassen, ganze Cluster der industriellen Produktion ausfallen, während Angriffe auf ein einzelnes Werk nur mit einem bedeutend größeren Aufwand zu bewerkstelligen sind und in ihrem Effekt oft hinter ersteren zurückbleiben.

Ungeachtet der konkreten strategischen Ausrichtung (deren ausführliche Diskussion sicherlich anderswo fortgesetzt werden wird) des Kampfes gegen die industrielle ökologische Zerstörung und ihre sozialen Katastrophen ist für mich klar, dass nur die totale Zerstörung der Industrie, des Staates und jeder anderen Organisationsform der Herrschaft inklusive ihrer Wissenschaft und Technologie die Grundlage für ein Leben in Freiheit legen kann. Mein Handeln auf irgendein anderes Ziel einzustellen, bedeutet in die Fallen jener zu tappen, die verstanden haben, einen Teil der ökologischen Zerstörung zu beklagen, während sie jenes dafür verantwortliche System weiter am Leben erhalten, von dem sie auf die eine oder andere Art selbst profitieren.


[1] Ganz so stimmt das natürlich nicht. Weil wir es hier trotz aller politischen Motivationen immer noch mit Wissenschaftler*innen zu tun haben, gibt es natürlich kein genaues Weltuntergangsdatum. Vielmehr beinhaltet die Studie eine Reihe von Szenarien, die ganz unterschiedliche Verläufe vorhersagen und nicht in allen – auch das ist Teil des politischen Spektakels – geht die Welt unter… Aber es ist ja offensichtlich was der Zweck des Ganzen ist.

[Frankreich] Die Anti-Zock-Biometrie erreicht die Supermärkte

Um Diebstähle zu erkennen, experimentieren Carrefour, Monoprix, Super U, Franprix und Intermarché [französische Supermarktketten, Anm. d. Übs.] mit Programmen der biometrischen Analyse um alle unsere Bewegungen in ihren Geschäften zu überwachen.

Die Gesundheitskrise hatte bereits die Anwandlungen der biometrischen Überwachung der privaten Unternehmen befreit: thermische Kameras am Eingang der Unternehmen, Erkennung physischer Abstände in den Büros, Verfolgung der Augenbewegungen für die Distanz-Uniprüfungen… Mehrere französische Unternehmen bieten nun an, mithilfe von Programmen zur biometrischen Analyse, die direkt mit den bereits in den Läden vorhandenen Überwachungskameras verbunden sind, automatisch Ladendiebstähle „in Echtzeit“ zu erkennen [Programme zur Verhaltenserkennung, die dann einen sofortigen Alarm auf das Smartphone des Detektivs mit einer Kopie der Bilder schicken].

Während die Idee automatisch Ladendiebstähle aufzudecken bereits in Japan getestet wurde, haben mehrere französische Unternehmen nicht gezögert ihr eigenes Programm zu entwickeln:

„Anaveo“, ein Unternehmen mit 320 Personen mit einem Umsatz von 70 Millionen Euro, arbeitet an der Videoüberwachung für den Handel. Sein Programm „SuspectTracker“ verspricht den Bilderfluss, der von den Kameras geliefert wird, zu empfangen um „verdächtiges Verhalten“ zu analysieren, beispielsweise „Handbewegungen in Richtung des Kinderwagens, des Rucksacks, der Hosen- oder Jackentasche“. Ihre Präsentationsvideos erwähnen beiläufig, dass die aufgedeckten Diebstähle eine Datenbank füttern werden, die es erlaubt den Algorithmus weiter zu verbessern.

„Oxania“, ein 2019 gegründetes Start-Up, hat ein Programm entwickelt, „Retail Solutions“, das in der Lage sein soll, „Handbewegungen, die mit Diebstahl assoziiert werden in Echtzeit zu erkennen, Verhalten festzustellen, gefährliche Situationen, den Weg des Kunden und noch viel mehr“. Das Präsentationsvideo steht ganz ruhig dazu eine biometrische Analyse der Verhaltensweisen der anwesenden Personen im Laden zu machen (Körpertemperatur, Handbewegungen, Körper…).

Und besonders „Veesion“, Pariser Start-Up, das ein Produkt der „Gestenerkennung“ mit „einem Algorithmus [verkauft], das mehrere Bausteine besitzt, die zusammen arbeiten und ermöglichen zu jedem Zeitpunkt zu sagen, ob es eine Handbewegung gegeben hat, die mit Ladendiebstahl in Verbindung gebracht werden kann oder nicht. Es gibt einen Baustein, der den Menschen erkennt, ein anderer lokalisiert die Gliedmaßen an diesem menschlichen Körper, ein anderer erkennt die Objekte von Interesse, den Einkaufswagen, eine Handtasche, einen Einkaufstrolley, das Regal selbst, die Artikel, die aus dem Regal genommen werden. Und diese Bausteine arbeiten zusammen, um eine Diebstahlswahrscheinlichkeit zu jedem Zeitpunkt zu berechnen. Anschließend haben die Ladenmitarbeiter eine mobile App, die laufend die Videos erhalten, sobald eine verdächtige Handbewegung erfasst worden ist“, erklärt Benoit Koenig, Chef des Unternehmens Veesion (France Bleu, 19. August 2020). Als Bonus bietet Veesion an „Ihre Diebstahlsgeschichte zu analysieren und personalisierte Empfehlungen zu liefern“.

Das Beeindruckendste ist vielleicht die Liste der Kunden der oben genannten Unternehmen zu untersuchen und festzustellen, dass ihr Aufmarsch bereits weit fortgeschritten ist.
Das Unternehmen Veesion kündigt an mehr als 120 Geschäfte in Frankreich auszustatten und die angezeigte Karte auf [ihrer Webseite] lässt deutlich mehr erahnen. Im Bereich „Success Stories“ auf ihrer Seite findet man einige hervorgehobene Beispiele in einer deutlich größeren Zusammenstellung, die man noch kaum ermessen kann: Monoprix (Produkt, das im Juli 2019 in einer Filiale in Paris auf 22 Kameras installiert wurde), Franprix (3 Filialen in Paris auf 48 Kameras 2019), Super U Express (1 Filiale in Paris mit 13 Kameras 2019), Bio c‘ Bon (4 Orte in Paris) [+ Monoprix des Polygone in Montpellier oder Monoprix Lafayette in Paris).

Das Unternehmen Anaveo steht ebenfalls gut da, auch wenn es schwierig ist die exakte Anzahl ihrer Kunden zu erraten. Wir wissen zumindest, dass seine Verbreitung bereits begonnen hat, wie es die Aussagen eines Carrefour Market in Bourges, der angekündigt hat 11 Lizenzen des Programmes für seine 32 Kameras gekauft zu haben, und die eines Intermarché in Artenay belegen. Keine Scham, weder bei den Entwicklern des Programms noch beim Handel. Im Gegenteil, wie es die Gesellschaft Anaveo klar sagt, ist das Ziel der Stationierung dieser biometrischen Überwachung die Bekämpfung der „unsichtbaren Entfernung“ (sprich des Ladendiebstahls) und „dem Handelssektor dabei zu helfen seinen Umsatz zu beschützen“.

Schlimmer noch, für den Gründer von Veesion wird der soziale Stress, den die momentane Pandemie verursacht, soziale Unruhen verursachen, die die Läden dazu zwingen werden, „mehr in Lösungen zu investieren, die ihnen erlauben sich davor zu beschützen“. Sein Unternehmen sollte dann laut ihm „auf der Höhe der neuen Herausforderungen des physischen Retails sein“, das heißt, wenn man ihm folgt, die Werkzeuge der Technopolice zu entwickeln, um den Handel vor den armen Bevölkerungen zu beschützen, die von der sozialen Krise zum Diebstahl verleitet werden.

[Anmerkung: In einem online verfügbaren Werbevideo des Programms Veesion, das bei Monoprix installiert ist, kann man einen Überblick über die Qualität der Bilder, die von der Kamera erfasst und sofort auf das Smartphone des Detektivs mit mehreren Optionen geschickt werden, erhalten: https://www.youtube.com/watch?v=oj-d_FX1ot4&t=8s]


Um ihnen zu sagen, was wir von ihnen halten:

Start-up Veesion (2018)
* Gründer und Bosse (Foto nebenan) : Benoît Koenig, Thibault David et Damien Menigaux
Firmensitz : 143 rue Saint-Martin, 75003 Paris
* mit ihrer Entwicklung verbundener « Start-Up-Inkubator » : Agoranov, 96 bis Boulevard Raspail, 75006 Paris

Groupe Anaveo (1999)
Präsident (Foto nebenan) : Laurent Bellot
* Firmensitz : Les Carrés du Parc – 10 rue des Rosiéristes – 69410 Champagne au Mont d’Or
* und 11 Agenturen überall auf dem [französischen] Territorium (siehe ihre Seite) : Eguilles (13), Mérignac (33), Annoeullin (52), Rezé (44), Villebon sur Yvette (91), Cesson Sevigne (35), Niederhausbergen (67), Ramonville Saint Agne (31), Vierzon (18), Le Port (97)

Oxania (2019)
Präsident und Mit-Begründer (Foto nebenan) : Jérémie Demol
Allgemeiner Direktor und Mitbegründer : Antoine Sevilla
Firmensitz : 255 avenue de Genève, 74130 Bonneville

Quelle: Sans Nom


Ergänzung durch die Übersetzung

Wenn auch noch nicht so weit fortgeschritten, gibt es auch in Deutschland Vorstöße in die Richtung. Bisher gibt es laut eigener Angabe ein Start-Up, das eine solche KI entwickelt und verkauft:

Signatrix (2017)
* Gründer und Chef: Philipp Müller (siehe Bild nebenan)
* Laut eigener Aussage momentan der einzige deutsche Anbieter auf dem Markt. 14 Mitarbeiter. Die Supermarktkette Globus setzt seit 2018 in insgesamt vier Filialen das Signatrixer Programm CartWatch ein, um Ladendiebe zu fangen. Angeblich ist auch Edeka Kunde von Signatrix. Die Besonderheit (und auch die Schwäche) dieses Programms ist, dass es speziell volle Einkaufswagen und Einkaufskörbe erkennt, die ohne an der Kasse gewesen zu sein hinausgetragen werden oder ob Dinge an der Kasse im Wagen „vergessen“ wurden. Es kann auch erkennen, ob Menschen eine Maske tragen. Laut eigener Aussage arbeitet das Start-up allerdings noch daran, auch den „normalen“ Ladendiebstahl aufdecken zu können.
* Firmensitz: Kurfürstendamm 123, 10711 Berlin

[Gap, Frankreich] Zum Angriff auf ein Impfzentrum in Gap

Gap. Stadtzentrum. Die Nacht vom 1. auf den 2. Juni 2021. Einige Individuen brechen die Hintertür eines Veranstaltungssaals auf, die in ein Impfzentrum verwandelt worden ist. Die Tür gibt leicht nach, einige Individuen finden sich in einem langen Gang wieder. Er verläuft links von einigen Räumen, in die er jeweils führt. Eine Tür auf der Rechten ist nicht verschlossen, sie führt in einen großen Saal, in dem höchstwahrscheinlich die Impfungen stattfinden. Hastig werden mit dem dort befindlichen Mobiliar Haufen gebaut. Fläschchen mit hydroalkoholischem Gel wird mit dem Benzin ausgeschüttet. Eine Bewegung mit dem Feuerzeug, alles entflammt sich und die Silhouetten verschwinden in der Nacht. Das Ganze hat nur einige Minuten gedauert, genug um einen guten Teil des Gebäudes zu zerstören.

Letztlich handelt es sich um einen ziemlich symbolischen Akt, weil ein anderes Zentrum tagsüber geöffnet wurde, und so weit man in der Presse lesen konnte, hatte der Angriff von derselben Sorte in Nyons einige Wochen früher nur eine leichte Verspätung der Öffnungszeit zur Folge, die schnell wieder aufgeholt wurde. Ein gutes Beispiel, das zeigt, wie wichtig es ist, das Herz des Monsters ausfindig zu machen anstatt seine Tentakeln anzugreifen, aber sei’s drum.

Auch wenn uns überaus bewusst war, dass dieser Akt hauptsächlich symbolisch sein würde, wollten wir auch, dass er eine Debatte auslöst. Wir wundern uns seither über die Stille auf den anarchistischen Blogs und Zeitungen über diese Nacht und die davor (plus die aus der jüngsten Vergangenheit, da sich seit der Verkündung zur Erweiterung des „Pass Sanitaire“ [„Gesundheitspass“ in Frankreich, dessen Besitz den Zugang zu Restaurants, den Besuch im Krankenhaus usw. erlaubt] die Akte zur Zerstörung von Impfzentren vervielfachen, die nicht alle von Zeichen begleitet werden, die denken lassen, dass sie aus reaktionären Kreisen kommen oder von der extremen Rechten).

Sollte es wirklich unvorstellbar sein, dass Anarchisten Corona-Impfzentren angreifen könnten? Liegt das daran, dass man nicht das Risiko auf sich nehmen will mit nicht sehr feinen bis hin zu wirklich problematischen Kritiken, die mit Beginn der Pandemie an Stärke gewonnen haben, in einen Topf geworfen zu werden? Ist es, weil Leute nichts von diesen Angriffen mitbekommen haben, oder dass das Ziel wenig geeignet erscheint? Und doch, im Schatten des „Pass Sanitaire“ und zu dem Zeitpunkt, an dem der zuerst widerspenstige Teil der Bevölkerung nun doch nachgibt (und ihre Schulter den Impfhelfern präsentiert), angesichts des Drucks, den die Regierung ausübt und weil es sich als unmöglich herausstellen wird ohne diese Impfung weiterhin ein „normales“ Leben zu führen, scheint es für diejenigen, die sich weigern, den Gang dieser Welt zu akzeptieren, umso logischer, den sauberen Ablauf der Impfkampagne zu sabotieren. Schade, dass diese Akte nicht das Echo erfahren haben, das sie verdient haben. Deswegen also dieser Text, der hofft das Schweigen zu durchbrechen, einige Punkte klar zu machen und der Debatte Raum zu geben.

Wenn mich die Vorstellung glücklich macht, dass Impfzentren das Ziel von Angriffen werden, dann liegt das nicht daran, dass ich denke, dass der CIA davon profitiert um die Bevölkerung zu verchippen, oder dass der Coronavirus nicht existiert. Auch nicht weil ich denke, dass die Menschheit verschwinden sollte und dass der Virus ein gerechter Angriff des Planeten gegen seine Parasiten ist, auch wenn diese Geschichte mich zum Lächeln bringt. Sondern weil, da ich Corona als eine „logische“ Konsequenz unserer zusammengepferchten und globalisierten sozialen Organisation verstehe, ich gegen die Fähigkeit der techno-industriellen Welt alles zu opfern, um weiterhin existieren zu können, kämpfen will. Auch weil ich gerne hätte, dass „man“ akzeptiert, dass man krank wird, auch todkrank, auch wenn ich selbstverständlich an Corona Verstorbene sehr bedaure; so wie ich die Toten bedaure, die auf dem Altar des techno-wissenschaftlichen Fortschritts geopfert wurden, die menschlichen und nicht-menschlichen Tiere, die als Versuchstiere dienen, den Krieg um die Rohstoffe, die diese Megamaschine verschlingt und ohne die es weder wissenschaftliche Forschung noch Impfstoff gibt.

Es interessiert mich nicht, Teil dieses menschlichen Viehbestands zu sein, das man zwingt um jeden Preis gesund zu sein, damit er produzieren und konsumieren kann. Es interessiert mich vielmehr, dass man Behandlungsformen wieder findet, die nicht darin bestehen alles um einen herum zu zerstören.

Die Auswahl des Angriffsziels entspricht, so viel ist sicher, nicht dem Konsens. Die Medizin anzugreifen, die sich mit sogenannten „vitalen“ Fragen befasst, ist weder harmlos noch eine Entscheidung, die man auf die leichte Schulter nehmen kann. Aber lassen wir uns in die Falle locken, die die Verantwortlichkeiten umdreht, nach der es unsere Angriffe sind, die dem allgemeinen Wohlbefinden schaden? Muss man erneut wiederholen, dass es vor allem diese ganze techno-industrielle Welt ist, die verstümmelt, vergiftet und uns anschließend gewaltsam mit ihren Medikamenten verwalten will? Sie an ihrer Wurzel anzugreifen ist immer noch genauso notwendig, und wenn der Abhängigkeitsgrad von dieser Welt derart ist, dass unsere Handlungen Leben gefährden können (oder sie es zumindest scheinbar tun), dann bedeutet das, dass die Zeit eilt, und dass wir schwere Entscheidungen treffen müssen. Wir können nicht warten, dass alle aus ihrer Autonomie heraus Umgänge gefunden haben, um das anzugreifen, welches eben diese Autonomie in immer weitere Ferne rückt.
Auch wenn ich damit Orakel spielen mag, würde ich sagen, dass diese Abhängigkeit sich nur verschärfen kann. Aber was werden wir dann machen, arme revoltierende Seelen, wenn die Erpressung derart sein wird, dass wir nicht einmal mehr den kleinen Finger heben können werden ohne dabei zu riskieren, das Leben von Menschen zu gefährden? Stimmen, nicht immer so weit entfernt, erheben sich bereits jetzt, um über die Gefahren zu reden, die mit dem Angriff auf Funkmasten verbunden sind. Strafverfahren sind eingeleitet worden wegen Todesfällen, die sich in den paar Stunden ereigneten, in denen Orange [französischer Mobilfunkanbieter] nicht in der Lage gewesen ist ein Netz für die Notrufnummern herzustellen. Der Moment scheint nah, an dem der Angriff auf die Telekommunikation als eine Gefährdung des Lebens anderer betrachtet wird, genauso schlimm, wie wenn man jemanden von einer Brücke hängt und droht ihn fallenzulassen.

Ich schweife ab, versuche aber dadurch den Kritiken zuvorzukommen, die sicherlich nach Erscheinen dieses Communiqués aufkommen werden. Auch weil ich mir erhoffe zur Reflexion über unsere Handlungsspielräume einzuladen, wie sehr sie sich verkleinern, und wie sehr wir sie uns selbst verkleinern angesichts von Entscheidungen, die immer schwerere Konsequenzen haben. Verhindern wir, dass wir unsere Radikalität (im ursprünglichen Sinne dieses Wortes, das An-die-Wurzel-gehen) in unseren Diskussionen und Handlungen verlieren, unter dem Vorwand, dass diese Welt, die wir zerstören wollen, überlebensnotwendig für einen Großteil der westlichen Bevölkerung geworden sei.

Wir sind verantwortlich für unsere Handlungen, aber nicht schuld an ihren Konsequenzen.

Diese techno-industrielle Welt zu zerstören bedeutet auch, zynischerweise, zu akzeptieren, dass wir die Leben riskieren (einschließlich unseres eigenen), die davon abhängen. Ich fürchte, dass es keine „sanfte Methode“ gibt um aus dieser Hölle rauszukommen. Der Befund kann endgültig erscheinen, aber es ist auch noch Zeit, und zwar gleichzeitig, unsere Netzwerke, unsere Methoden, unsere Fähigkeiten, unsere Formen der gegenseitigen Hilfe und des Heilens und Umsorgens zu verbessern, damit ein soziales System anzugreifen nicht bedeuten muss, auch alle Individuen anzugreifen, die mit Gewalt in seinem Inneren gehalten werden.

Auf dass die Corona-Toten uns nicht erblinden lassen im Hinblick auf den Horror von allem anderen.
Auf dass die Erpressung des Staates nicht unsere Entschlossenheit schwächt, und die Größe der Aufgabe nicht zu Resignation führt, sondern ein ununterdrückbares Verlangen zu handeln hervorruft.

Mehr als je, an jene, die angreifen UND keine ebenso faule Welt wie die vorherige schaffen wollen, auch wenn sie weniger technologisch sein mag. An alle anderen, dass sie wissen, dass ich keinen gemeinsamen Kampf mit Patrioten und Reaktionären führe, auch wenn wir manchmal offensichtlich die gleichen Angriffsziele haben.

Ein Gruß an Boris und an die anderen für ihre Liebe zur Freiheit Eingekerkerten.

Quelle: Indymedia Bruxsel, 29. Juli 2021, übersetzt aus dem Französischen.