Tag Archives: Religion

Von den Reichen nehmen …

Selten war es einfacher, die Kirche zu bestehlen. Nun, da Gottesdienste verboten sind und viele Kirchen geschlossen, kann es auch nicht passieren, dass einer*einem beim stehlen der Opfergaben ein*e eifrige*r Christ*in überrascht, die*der seinem*ihrem Gott noch das ein oder andere Gebet vortragen möchte.

Das dachten sich wohl auch ein oder mehrere Leute, die sich in der Nacht auf Donnerstag, den 02. April 2020 Zutritt zu einer Kirche in der Münchner Altstadt verschafften und sich die Gaben von insgesamt neun Opferstöcken aneigneten. Bei ihnen sind sie sicher besser aufgehoben, als bei der ollen Kirche!

Nur ein toter Gott ist ein guter Gott

Es ist zwar eine absurde Vorstellung, aber doch eine, die sich schon seit schier ewigen Zeiten zu halten scheint: Die Vorstellung eines Gottes oder manchmal auch mehrerer Gottheiten, der/die da irgendwo jenseits dieser Welt existieren soll(en). Eine Vorstellung, die sich als alles andere als ein harmloses Schauermärchen oder eine hoffnungsgebende Illusion entpuppt, eine Vorstellung die geschaffen wurde, um Menschen zu beherrschen und die bis heute aus eben jenen Gründen aufrechterhalten wird.

Die Vorstellung des christlichen Gottes – und ähnliches gilt auch für beinahe alle anderen Gottheiten – hat den verschiedenen Kirchen, Prister*innen, sowie nicht institutionellen Prediger*innen, die sich dennoch Gehör verschaffen können, unvorstellbaren Reichtum gebracht. Alleine die römisch-katholische Kirche in Deutschland soll einen Besitz von rund 200 Milliarden Euro haben und größte private Immobilieneigentümerin sein. Dabei ist das Vermögen, das die Vorstellung von Gott den Kirchen und ihren Bediensteten einbringt, bei weitem nicht die gesamte Tragweite dieser Illusion. Neben finanziellem Vermögen verleiht der Glaube an Gott seinen Prediger*innen auch große Macht. Macht, die seit Jahrhunderten die Wertvorstellungen unserer Gesellschaft formte, Macht die zusammen mit der Macht des Staates die Normen dieser Gesellschaft bestimmt, Macht die nicht nur die Gottesgläubigen und -fürchtigen unterwirft, sondern auch diejenigen, die sich weigern, einer solch absurden Idee Glauben zu schenken, für die es auch nach mehreren Jahrtausenden keinerlei nachhaltige Anhaltspunkte gibt.

Die Macht derjeniger, die von Gott predigen und vorgeben in seinem Sinne zu sprechen gegenüber jenen, die ihnen Glauben schenken bedarf denke ich keinerlei weiterer Erläuterung. Sie geben Ratschläge und Empfehlungen, manchmal sogar Ermahnungen, mit denen sie sich in das Leben anderer Menschen einmischen und versuchen, dieses nach ihren Vorstellungen zu formen. Gehorcht irgendwer ihren Vorstellungen nicht, so wird diese Person je nach Glaubensgemeinschaft stigmatisiert: Wer den christlichen Idealen zuwider lebt, beispielsweise indem sie*er seine*ihre Sexualität jenseits der beengenden Grenzen einer heterosexuellen, monogamen und zum Teil auch ehelichen Beziehung auslebt, wird von der Glaubensgemeinschaft stigmatisiert. Gerade dieses Beispiel eignet sich aber auch gut, um zu zeigen, dass es nicht nur die gläubige Gemeinschaft ist, die diese religiösen Vorstellungen reproduziert, sondern auch eine vermeintlich säkulare Gesellschaft: Wenngleich vielleicht der Aspekt der Ehe jenseits religiöser Gemeinschaften von geringerer Bedeutung sein mag, bleiben die gleichen Vorstellungen von Monogamie und Heteronormativität bestimmend für das Denken der Menschen. Ein Leben außerhalb dieser Vorstellungen gilt vielen als lasterhaft. Bestimmte christliche Ansichten hinsichtlich Reproduktion sind gar bis heute gesetzlich verankert, beispielsweise Regelungen zur Abtreibung, die es schwangeren Personen ab einem bestimmten Zeitpunkt verbieten, einen Abbruch vorzunehmen und ihnen zuvor ebenfalls Steine in den Weg legen.

Dabei ist es selbstverständlich nicht der Einfluss der Religion auf den Staat, sondern der Staat selbst, dem meine Feindschaft gilt, doch bemerkenswert bleibt dabei für mich dennoch die Rolle, die zum Erhalt des Staates der Religion zukommt. Religiöse Vorstellungen sind prägend für die Erziehung von Kindern innerhalb von Schule und Familie, sie tragen maßgeblich dazu bei, jene Moralvorstellungen zu etablieren, die der Staat in Form von Gesetzen durchsetzt. Ob mensch es nun Dekalog, kategorischer Imperativ oder Gesetze nennt, das Prinzip hinter all dem ist der Anspruch zu herrschen, indem mensch darüber bestimmt, in welchen Bahnen sich das Leben anderer Menschen bewegt.

Dabei sind die inhaltlichen Überschneidungen zwischen Dekalog und deutschem Strafgesetzbuch enorm: „Du sollst nicht stehlen“, sprach Gott einst zu Moses und so verfolgt der Staat heute alle diejenigen, die sich seinem Wort widersetzen. „Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht“, sprach Gott. Heute verbietet der Staat die Arbeit an Sonntagen. „Du sollst nicht morden,“ sprach Gott und heute ist es der Staat, der diejenigen straft, die einen anderen Menschen getötet haben. In diesem Sinne hat sich die Vorstellung von Gott, so absurd sie auch sein mag, als selbsterfüllende Verheißung entpuppt: Eine Verheißung, die durch eben jene erfüllt wird, die zugleich glauben, dass Gott dahintersteckt.

„Wenn Gott wirklich existieren würde, müssten wir ihn beseitigen“, schrieb Bakunin einst. Und während Anarchist*innen und andere Revolutionär*innen seither mit einigem Erfolg Könige, Zaren, Kaiser, Polizeipräsidenten, Fabrikbesitzer und viele weitere weltlichen Herrscher*innen beseitigten, so ist es ihnen doch bis heute nicht gelungen, diesen Gott, der alleine durch seine Existenz in den Köpfen der Menschen zu herrschen vermag, zu stürzen.

Da bleibt die Frage: Warum nicht? Während Messer, Revolver und etwas Sprengstoff sich als verlässliche und unabdingbare Mittel im Kampf gegen die weltlichen Herrscher*innen dieser Welt entpuppt haben, mussten diese Mittel bei einem göttlichen Feind scheitern. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Herrscher*in und Beherrschten. Sind nicht diejenigen, die die Existenz und die Lehren Gottes so vehement verteidigen nicht oft auch die größten Opfer dieser Ideologie? So haben viele versucht, Gott zu widerlegen, hielten das für das brauchbarste Mittel, um ihn zu stürzen. Sie alle sind gescheitert, mussten scheitern. Wie soll mensch auch etwas widerlegen, das seit jeher nur in den Köpfen der Menschen existierte? Etwas, das von geschickten Demagog*innen stets als unbegreiflich für den menschlichen Verstand inszeniert wurde, etwas, das sich dieser Welt ohnehin zu entziehen scheint?

Gott zu widerlegen erscheint mir der falsche Ansatz. Schließlich lasse ich mich dabei überhaupt erst auf die Ebene derjenigen herab, die die Vorstellung von Gott zur Herrschaft über andere Menschen nutzen. Und während ich mit ihnen darüber diskutiere ob es Gott nun tatsächlich gibt oder eben nicht, bleibt das Prinzip Gottes intakt: Er spaltet in Gläubige und Zweifler*innen, wobei er letzteren großzügig zu vergeben pflegt und ihnen jederzeit eine neue Chance eröffnet. Ein kluger Schachzug, denn wäre Gott nicht so gütig gegenüber all den Sünder*innen, er hätte längst alle Menschen gegen sich aufgebracht.

Statt zu versuchen, Gott zu widerlegen, will ich einen anderen Weg einschlagen. Ich will ihn zerstören, vernichten, töten. Es ist mir egal ob Gott existiert oder nicht, denn selbst wenn ich das für mehr als unwahrscheinlich halte, würde seine Existenz doch nichts für mich ändern. Wenn ich an Gott glaube, mache ich mich selbst zum*zur Sklav*in, wenn Gott dagegen existiert, dann hat er mich zur*zum Sklav*in gemacht. Das Resultat bleibt das gleiche. Ich will jedoch kein Dasein als Sklav*in fristen. Ich will ein Leben in Freiheit führen. Und genau deshalb ist es mir einerlei ob Gott existiert oder nicht, für mich steht fest: Er ist einer meiner schlimmsten Feind*innen und jede*r seiner Prediger*innen versucht mich unter seine Herrschaft zu unterwerfen.

 

 

[Santiago de Chile] Schön wie eine Kirche der Militärpolizei, die in Flammen aufgeht

Eine Kirche, die den „Carabineros“, der chilenischen Militärpolizei, gewidmet ist, wurde während der ersten Krawalle im Jahr 2020 in Chile am 03. Januar angezündet. In der Nähe des Plaza Italia in Santiago, seit Oktober das Epizentrum der Revolte in der chilenischen Hauptstadt, wurde die Kirche San Francisco de Borja von vermummten Revoltierenden angezündet. Die Mauern des Gebäudes wurden mit Parolen beschmiert, das heilige Mobiliar nicht nur zerstört, sondern auch in gigantische ketzerische Feuer vor der Kirche geworfen. Auf mehreren Bildern sieht mensch Brandherde an mehreren Orten in der Kirche.

Außerdem, nicht weit von der entbrannten Kirche, wurde das Krieger*innendenkmal, das ebenfalls den Carabineros gewidmet ist, während dieses Tages der Revolte angegriffen.

Quelle: Sans Attendre Demain

[Tübingen] Evangelikale TOS angegriffen

„Während die meisten sich vom vorweihnachtlichen Konsumrausch erholen und die freien Tage fröhlich um einen abgesägten und mit Plastik versehenen Baum sitzen, haben wir […] uns entschieden diese symbolträchtige und für Aktionen angenehm ruhige Zeit zu nutzen, um auf einen überregionalen antifeministischen Akteur, die Tübinger Offensive Stadtmission (TOS), hinzuweisen und diesen mit Farbe und Feuer anzugreifen. Dabei wurde das Foyer des TOS Gemeindezentrums mit lila Farbe eingedeckt und ein Kleinbus der reaktionären evangelikalen Gruppe niedergebrannt.“

Quelle: Indymedia

Erneut Kirchen mit Parolen gegen Gott und Herrschaft besprüht

An mindestens fünf Kirchen in München prangten am Morgen des 25. Dezember Parolen, die Gott und Religion zum Feind erklärten und zum Angriff gegen Kirche und Gottesvorstellungen aufriefen. Neben Parolen wie „Kein Gott, Kein Staat“ oder „Gott töten“, prangte an einer Kirche im Stadtteil Nymphenburg auch ein Zitat von Bakunin: „Wenn es Gott wirklich gäbe, müsste man ihn beseitigen.“

Insgesamt soll dabei ein Sachschaden von mehreren tausend Euro entstanden sein. Grund dafür: Kirchenfassaden oder Teile davon scheinen besonders empfindlich zu sein. Was anderswo einfach überstrichen wird, soll hier aufwändig restauriert werden. Besonders die Eingangstüren einiger Kirchen scheinen anfällig zu sein. In einem Artikel in einem kirchennahen Blatt wurde nach einer ähnlichen Aktion berichtet, dass es nicht ohne weiteres möglich sei, die Kupfertüren der Kirche zu reinigen.

Bereits in der Nacht auf den 06. Dezember hatten ähnliche Parolen an zahlreichen Kirchen in München Aufmerksamkeit erregt. Die Bull*innen und die Presse sprachen damals erst von vier, später von fünf Kirchen. Diese Zahl war damals jedoch offensichtlich weit untertrieben. In den Tagen danach konnten an unzähligen anderen Kirchen weitere Parolen oder deren Überreste beobachtet werden.

Kirchen mit Parolen besprüht

In der Nacht auf Freitag, den 06. Dezember wurden Angaben der Polizei zufolge mehrere Kirchen in Milbertshofen, Neuhausen und Untergiesing großflächig mit „politischen Parolen“ besprüht. Dabei sei ein Schaden von mehreren tausend Euro entstanden.

UPDATE: Unter anderem waren folgende Parolen an den Kirchen zu lesen: „Nieder mit der Kirche“, „Es reicht nicht Gott zu widerlegen, wir müssen ihn töten. Gegen jede Herrschaft, auch die göttliche“, „Ob in Chile oder sonstwo: Nieder mit Gott, Nieder mit dem Staat. Für soziale Revolte.“, „Die Kirche zerstören, den Staat niederbrennen“, „Religion ist Herrschaft, ich aber will frei sein“, „Weder Gott noch Herr, das Patriarchat abfackeln“.

Bereits vor wenigen Wochen wurde neben mehreren abgefackelten Ticketautomaten und dem Chilenischen Konsulat auch eine Kirche angegriffen, auf die „Kein Gott, Kein Staat, Kein Patriarchat“ gesprüht worden war (siehe Zündlumpen Nr. 41). Der Angriff wurde damals in den Zusammenhang mit der Revolte in Chile gestellt.

Interview mit den Organisator*innen der Proteste gegen den 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg

Am 25. Juli findet in Salzburg ein „1000-Kreuze-Marsch“ statt. Was ist das? Und wer steckt da dahinter?

InitiatorInnen (hier verwenden wir bewusst das Binnen-I) sind vor allem „Human Life International“, „Euro Pro Life“ und die „Lebenszentren“ München und Salzburg. Also christiliche FundamentalistInnen bzw. AbtreibungsgenerInnen verschiedener Couleur.

Der Gebtszug, den sie „1000-Kreuze-Marsch“ nennen ist ein ein Treffen christlicher AntifeministInnen aus Österreich, Bayern und Südtirol. Weiße Holzkreuze tragend trotten sie durch Salzburg mit dem Zweck, Propaganda gegen reproduktive Selbstbestimmung und Emazipation zu verbreiten.

Ihr organisiert dagegen Proteste. Wie werden die aussehen? Und wie kann mensch sich beteiligen?

Los gehts um 11:30 am Hauptbahnhof mit der Pro Choice Demo als Gegenveranstaltung. Die Demo wird entlang belebter Routen durch die Stadt ziehen, dabei werden wir laut sein für reproduktive Selbstbestimmung. Voll toll wären auch Grußworte oder sogar Redebeiträge, die wir verlesen können (schickt diese am besten an unsere Mailadresse) Mindestens die erste Reihe wird aus FLINT*-Personen bestehen, je nach Anzahl auch ein ganzer Block. Die Demo endet in der Nähe des Ortes, an dem die Fundis sich ca. eine Stunde später versammeln werden, um ihren Trauermarsch zu beginnen (am Mozartplatz). Danach werden wir versuchen, den Marsch zu blockieren – die genauen Blockadepunkte werden sich spontan ergeben, da noch nicht klar ist, welche Route die Fundis gehen werden. Bildet Banden (oder wütende Mobs), haltet die Augen offen und ergreift zusammen mit uns jede sich bietende Gelegenheit, um sich ihnen in den Weg zu stellen!

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Umständen straffrei für die*den durchführenden Ärzt*in und die schwangere Person. In allen anderen Fällen machen sich schwangere Person und Ärzt*in strafbar. Radikale Abtreibungsgegener*innen kämpfen dagegen für eine uneingeschränkte Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Wie ist die Situation in Österreich?

Die Situation ähnelt der in Deutschland. Auch in Österreich gibt es bestimmte Umstände (Indikationen), die erfüllt sein müssen, um sich damit nicht strafbar zu machen. Die Schwangerschaft darf nur in den ersten drei Monaten abgebrochen werden, und auch dann nur, wenn vorher eine Beratung stattgefunden hat. Eine Wartezeit nach der Beratung wie in Schland gibt es noch nicht – allerdings versucht die Kampagne „#Fairändern“ diese einzuführen.

Ein (Neben-)Argument radikaler Abtreibungsgegner*innen ist, dass aufgrund von Pränataldiagnostik diagnostizierte Erkrankungen, die schließlich zur Entscheidung führen, eine Abtreibung vorzunehmen, eine problematische genetische Selektion sind. Wie steht ihr zu dem Thema?

Es ist kein Zufall, dass die ultra-religiöse Rechte ihren Hebel zur vollständigen Kriminalisierung an diesem Punkt ansetzt. Zum Tragen kommt die embryopathische Indikation meist nicht aus Be_hindertenfeindlichkeit der schwangeren Person, sondern wegen der sozialen Auswirkungen auf die Person, die das Kind bekommt.

Wir finden es perfide, dass „#Fairändern“ Menschen mit Beeinträchtigungen für ihre reaktionären Zwecke instrumentalisieren. Diskriminierung und Abwertung von Menschen mit Beeinträchtigung ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Das Ziel von „#Fairendern“ und ähnlichen Gruppierungen ist es eben nicht, dieses Problem anzugehen, sondern unter diesem Deckmantel Schwangere zum Austragen jeder Schwangerschaft zu zwingen.

Sie sprechen Frauen (für sie werden nur Frauen schwanger) die Kompetenz ab, selbstständig Entscheidungen treffen zu können. Dazu kommen die Stigmatisierung von Be_hinderten, fehlende soziale Sicherung, die unzureichende Infrastruktur – Probleme, zu denen die Initiator_innen der Kampagne direkt beitragen, in dem sie als Politiker_innen vor allem der ÖVP Gesetzesänderungen ermöglicht haben, die eben diesen Leuten auch noch Gelder streicht.

Zudem ignorieren sie seit Jahrzehnten die Forderungen der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung (Be_hindertenbewegung) und blockieren diese aktiv.

Hervorzuheben ist außerdem, dass auch Frauen und gebärfähige Menschen mit Be_einträchtigungen ungewollt schwanger werden. Auch für diese Gruppen wäre es fatal, die Zugänglichkeit zu Abbrüchen weiter einzuschränken – die bestehende Gesetzeslage schafft schon jetzt teils unüberwindbare Barrieren (zum Beispiel die Fristenregelung in Kombination mit weiten Anreisewegen zu Kliniken, die Abbrüche vornehmen, um nur die offensichtlichste zu nennen).

Fazit: Die Thematik sprängt wahrscheinlich den Rahmen dieser Zeitung, eine feministische Debatte dazu, gemeinsam mit Betroffenen („nichts über
uns ohne uns!“), ist dringend nötig und leider lange überfällig.

Schwangerschaftsabbrüche zu reglementieren folgt einem machtpolitischen Anspruch, der dem patriarchalen Staat Kontrolle über potenziell gebärfähige Körper zusichert. Welche Perspektiven seht ihr umgekehrt, durch den Kampf gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen auch den staatlichen Einfluss allgemein zurückzudrängen? Oder geht es euch bei diesem Thema ausschließlich um Schadensbegrenzung?

Natürlich geht es uns auch um Schadensbegrenzung. Es würde unglaublich viel Schaden angerichtet, wenn die von Kirche und Staat vertretene Auffassung, Frauen und Schwangere wären nicht entscheidungkompetent, noch weiter als bisher Lebensrealitäten bestimmen würde.

Darüber hinaus geht es uns allerdings um mehr als das, nämlich um nicht weniger als ein gutes Leben für alle Menschen. Ein gutes Leben für alle braucht sowohl einen anonymen, barrierefreien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, als auch eine tatsächliche Gleichstellung von Menschen mit Be_hinderung. Dazu sind konkret unter anderem fortschrittliche Sexualaufklärung, (barriere)freier Zugang zu Verhütung und allem voran die Aufhebung der patriarchalen Arbeitsteilung nötig. Die heterosexuelle Kleinfamilie dient im Inneren als Keimzelle des Staates, die Sicherung der Macht des Staates über alle Bürger_innen funktioniert somit über die Macht von Männern über Frauen (in der immer noch hegemonialen binären Logik gedacht). Wir verstehen reproduktive Selbstbestimmung nicht als isolierten Kampf, sondern als Querschnittmaterie, die im Kampf um eine befreite Gesellschaft eine zentrale Rolle einnimmt.

Einer der Organisatoren des 1000-Kreuze-Marschs in Salzburg, Wolfgang Hering, wohnt in München. Auch der Verein EuroProLife ist in München ansässig. Sehr ihr da Möglichkeiten, den 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg von München aus zu sabotieren?

Zugfahrt begleiten (die Münchner Fundis haben ja davor in MUC ne „Gebetsprozession“ zu ner Klinik, die Abbrüche durchführt, mit Ende gegen 11:45 Uhr, danach werdens wohl mit dem Bayernticket anreisen – seid kreativ!), sabotieren wo geht. Die Fundis während der Fahrt mit Pro-Choice-Songs oder Stöhnen oder was auch immer euch einfällt ein bisschen aus der Fassung bringen …

Am Abend, nach dem Marsch, reisen sie wieder gemeinsam nach München, da gilt dann wohl das gleiche. Hoffentlich werden sie bei der Rückkehr ein bisschen erschrocken über den Zustand ihrer Autos sein …

Einen Zugtreffpunkt von München zum 1000-Kreuze-Marsch in Salzburg gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand der Redaktion leider nicht. Die Antisexistische Aktion München hat jedoch eine Empfehlung dafür ausgesprochen, den Zug um 8:56 Uhr ab Gleis 10 vom Hauptbahnhof München aus zu nehmen. Vielleicht finden sich Anreisende dort ja spontan zusammen.