Tag Archives: Knast & Bullen & Justiz

Ein knapper Gedanke über Gefängnisse

Die Gefängnisse, heute und schon immer, stellen die Waffe der Bestrafung dar, die die Macht gegen jeden und jede benutzt, die das Privateigentum angreifen. Die Ausbeuter bedienen sich dieser repressiven Apparate.

Um ihre Privilegien zu verewigen, halten sie die Ordnung und die Gesetze aufrecht, die ihren widerlichen Status Quo beschützen.
Diejenigen, die sich wehren, werden diese Mittel zu spüren bekommen und dienen somit als Exempel, um Angst zu schüren und diejenigen zum Schweigen zu bringen, die danach streben diese Ordnung umzuwälzen. So ensteht ein Gefängnis ausserhalb der Mauern, ein Gefängnis im eigenen Kopf, in dem die Ängste, mit denen sie uns tagtäglich füttern, die Zäune und Schlösser davon darstellen.

Wir können die Mauern nicht leugnen, die heute unsere Brüder und Schwestern einsperren, aber es sind eben gerade unsere mentalen Gefängnisse, die eine wirkliche Solidarität, alltäglich und aktiv, verwehren. Es sind unsere Ängste, die unsere Wünsche danach, die Macht zu zerstören, verwässern, die uns davon abhalten unsere Wildheit wachsen zu lassen und unsere Feinde anzugreifen.

Es ist an der Zeit zu handeln, in der Alltäglichkeit mit denjenigen, mit denen wir Affinität verspüren, um diese Gefängnisgesellschaft und jeglichen Versuch, dieses widerliche Todessystem zu reformieren, zu zerstören.

Die Solidarität darf niemals eine leere Parole sein, sondern muss ein alltäglicher Akt der Konfrontation mit der Macht und eine konstante Bestärkung unserer, im Kampf auf Leben und Tod, entführten Schwestern und Brüder sein.

(entnommen aus “MAURI…LA OFENSIVA NO TE OLVIDA. Escritos del compañero anarquista Mauricio Morales*” Orginaltitel “Una breve idea sobre las prisiones…”)

*Mauricio Morales oder auch Punky Mauri genannt, starb im Morgengrauen des 22.05.09 in Santiago de Chile, durch seinen eigenen Sprengsatz (ein Feuerlöscher mit Schwarzpulver gefüllt), der leider frühzeitig explodierte, als er gerade dabei war ihn vor einer Schule für Gefängniswärter zu platzieren. Noch am selben Tag kam es zu Konfrontationen mit der Polizei, als diese versuchte, die Besetzung zu durchsuchen, in welcher er zu diesem Zeitpunkt wohnte. Der Tod Punky Mauris zog nicht nur einen riesigen Prozess namens “Caso Bombas” (in den Jahren 2008 und 2009 kam es zu einer Vielzahl von Angriffen mittels selbstgebauter Sprengsätze gegen unter anderem Banken, Kasernen und Kirchen) gegen 14 weitere Gefährten nach sich, sondern mittlerweile auch Jahre der aktiven Erinnerung an einen Gefährten in Form des Angriffs. Der 22. Mai ist seitdem für viele, die sich mit dieser Tat verbunden fühlen, ein weiterer “Tag des Chaos”.

[Bielefeld, Deutschland] Drei Fahrzeuge des Ordnungsamtes abgefackelt

In der Nacht auf den 17. April 2020 wurden in Bielefeld drei Fahrzeuge des dortigen Ordnungsamtes in Brand gesteckt. Zwei von ihnen brannten vollständig aus, ein drittes konnte von der Feuerwehr noch rechtzeitig gelöscht werden. Es blieb aber dennoch ein Schaden.

Die Fahrzeuge waren vor dem Sitz des Ordnungsamtes am Ravensburg-Park abgestellt. Der Gesamtschaden wird auf rund 25.000 Euro geschätzt.

via Sans Attendre Demain / Anarchists Worldwide

[Gradisca d’Isonzo] Revolte im Abschiebeknast von Gradisca d’Isonzo

Letzte Nacht, am 29.03.2020, machten Gefangene im Abschiebeknast von Gradisca, die seit einigen Tagen in Hungerstreik getreten waren, ihren Ärger und ihre Verzweiflung hörbar, indem sie wieder Feuer in den Zellen anzündeten.

Die Polizei griff mit militärischer Unterstützung ein, um den Protest zu unterdrücken und die Feuerwehr eilte herbei, um um 21 Uhr, 22 Uhr, Mitternacht und 2 Uhr morgens die Flammen zu löschen. Möbel, Matratzen und Plastikoberlichter brannten und einige Zellen wurden beschädigt. Vorgestern hatte eine Person, die positiv auf den Coronavirus getestet und laut den Behörden zum Knast in Cremona gebracht und dort isoliert worden war, eine Verschlechterung ihres Zustands mit hohem Fieber erlitten und war in ein Krankenhaus in Cattinara gebracht worden.

Nach dem, was wir wissen, wurden einige Wachen auch unter Quarantäne gesetzt, ansonsten ist allerdings nichts für die anderen Gefangenen im Abschiebeknast unternommen worden.

Übersetzung des englischen Textes bei Act for Freedom Now!

[Brüssel/Anderlecht] Riots nach der Ermordung eines 19-Jährigen durch Cops

Am 11.04.2020 kam es zu Krawallen durch wütende Jugendliche aus der Anderlecht-Gegend der belgischen Hauptstadt Brüssel, sie attackierten Bullenkarren und schleuderten Wurfgeschosse auf die Cops, wobei ein Cop verletzt wurde und ein anderer zusammengeschlagen wurde. Die Unruhen wurden dadurch ausgelöst, dass eine Bullenpatrouille einen 19-Jährigen auf einem Roller verfolgte, der sich geweigert hatte für eine Ausgangssperrenkontrolle stehen zu bleiben. Er stieß mit einer entgegenkommenden Bullenkarre zusammen und starb noch vor Ort. Hunderte wütender Jügendliche aus der Gegend nahmen sich nach einem Aufruf in den sozialen Medien sofort die Straße und griffen die Cops an, die ankamen, um die Cops zu verstärken, die an der Tötung beteiligt gewesen waren. Mehrere Bullenkarren wurden in Brand gesetzt, ein Jugendlicher befreite eine Pistole aus einem Fahrzeug und schoss damit in die Luft, während er davon rannte.

Der lokale Jugendliche wurde Adil getauft und bereits jetzt führen die Medien den schmutzigen Job des Staates aus, imdem sie zu Ruhe aufrufen und seine Familie als Waffe benutzen, um den Ärger über den Mord an einem lokalen Jugendlichen und gegen die Ausgangssperre zu unterdrücken. Weiterhin haben die Cops ihre Präsenz in der Gegend heute (am Sonntag) verstärkt, sogar mit einem Wasserwerfer, weil sie befürchten, dass es zu weiteren Ausschreitungen kommen könnte. Belgien steht seit vier Wochen unter Ausgangssperre und versucht so, die Verbreitung der Corona-Epidemie einzudämmen.

Das ist ein klares Zeichen für kommende Ausschreitungen und Aufstände, das jetzt in der Festung Europa angekommen ist, nach anderen Ausbrüchen der Rebellion in anderen Teilen der Welt, wir sind uns bewusst, dass der Abschaum von Medien klar versucht, im Einklang mit den Autoritäten, jeden Ausbruch der Rebellion gegen die Coronavirus-Ausgangssperren zu unterdrücken*. Es ist nur ein kurzer Augenblick, ehe der globale Backlash ausbricht.

Erst Wuhan, jetzt Brüssel, Aufstand überall!

*Ausschreitungen brachen in Bristol, China und Palästina aus, sogar Telefonmasten brannten auf der Gefängnisinsel UK, parallel mit dem Bericht von Überfällen auf Supermärkte im Süden Italiens in Reaktion auf die „Lockdown-Maßnahmen“ (Ausgangssperre!)

Übersetzung des englischen Textes von Act for Freedom Now!

Die liebe Polizei, die Bombe und das Feuer

Komisch. Da fällt mir mal wieder eine alte anarchistische Zeitschrift in die Hände, welche ich vor einiger Zeit mal in einem Archiv kopiert habe. Sie ist vom 30. September 1932. Klandestin in Deutschland herausgegeben, trägt sie den vielversprechenden Titel Die Bombe. Und der erste Artikel der Nummer 1 beschäftigt sich dann auch mit dem kürzlich verhängten Ausnahmezustand der prä-hitler’schen (ob sie noch prä-faschistisch genannt werden kann, ist eher fragwürdig) Papen-Regierung. Und beim Lesen der Zeitung, die ganz humorvoll geschrieben ist, während die Druckqualität eher schlecht ist – erzwang die Zensur durch den neuverhängten Ausnahmezustand doch, dass die Zeitung nur in Schreibmaschinenschrift auf pappigem Papier gedruckt werden konnte… nun, beim Lesen dieser anonymen Anarchistischen Propagandaschrift von 1932 fühle ich mich, zwischen belustigt und schockiert, ziemlich stark an den heutigen Ausnahmezustand erinnert.

Der erste Artikel etwa, mit dem Titel „Ich verbiete…….!“, beginnt folgendermassen:

„“Mit dem Belagerungszustand kann jeder Esel regieren.“ Wenn dieses Bismarcksche Wort wahr sein sollte, dann regieren z. Zt. in Deutschland lauter Esel.“

Jaja. Der Artikel behandelt dann eben die Situation der prä-Hitler-Ära, die ja bald enden, bzw. allzu geschmeidig in den Nationalsozialismus übergehen sollte.. Auf der zweiten Seite dann ist das wunderschön-ironische Volkslied Die liebe Polizei, welches in den besseren Arbeiter-Turnvereinen spätestens ab den Sozialistengesetzen immer gern gesungen wurde, abgedruckt. Auch dieses wirkt heute sehr befremdlich aktuell. Und zutreffender als es sich der anonyme Dichter wohl jemals ausgemalt hätte. Es geht wie folgt:

1.) Wo zweie stehn und flüstern
Da sieht die Polizei
Den Himmel sich umdüstern
Und riecht Rebellerei
Fängt an zu arretieren,
Denn´s könnt zu Aufruhr führen
Und darauf hat sie ja zu sehn:
Die Welt soll sich auch morgen drehn:
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

2.) Fängt einer an zu niesen,
Spitzt sie die Ohren schnell
Und wittert hinter diesem
Den schändlichsten Rebell;
Niest er zum zweiten Male,
So sind es Kampfsignale; –
Die Polizei packt ihren Mann,
Bevor er weiter niesen kann.
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

3.) Vor jeder roten Nase
Da bleibt sie sinnend stehn,
Es könnte in der Strasse
Ein Attentat geschehn;
Und weiter dient dergleichen
Oft als Erkennunsgzeichen; –
Drum mit der Nase in Arrest,
Dann steh›n des Staates Pfeiler fest.
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

4. Drum lasst, ihr guten Christen
Euch nie von dem Geschrei
Der Wühler überlisten,
Und ehrt die Polizei;
Und tritt sie euch von hinten,
So lasst gefasst euch finden
Und denkt: „Ei nun, auch das ist gut
´s ist doch ein schönes Institut!“
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

So das schöne, leider allzu unbekannte Lied, welches heute – wortwörtlich – aktueller denn je ist, wenn man etwa die Sache mit dem Niesen beachtet. Es wurde traditionellerweise übrigens, als eine Art Parodie, zur Melodie des vaterländischen Liedes «Ich kenn einen hellen Edelstein» gesungen. Aber auch andere Vertonungen lassen sich finden.

Auch der nächste Text hat leider wieder einiges an Aktualität gewonnen. Dabei geht es um das liebe Denunzieren, welches das deutsche Volk ja nach 1932 bis zum geht nicht mehr betrieben hat, auch wenn diese Neigung ja schon vorher enorm ausgeprägt war – man denke z.B. an die sogenannte Hexenverfolgung.

Im Artikel handelt es sich vor allem um die Denunziation von illegalen Druckschriften. Auch wenn heute auch die Pressezensur ein Wiederaufleben erlebt, und bestimmt die im Internet (man denke daran, was Google, Facebook und Co. gerade abziehen, im Kampf gegen angebliche und reale Verschwörungstheorien). Aber eine akutere Gefahr wird der Denunziant gerade mehr durch das Verpfeifen von so kriminellen Dingen wie sich zuhause mit Freunden zu treffen, draussen im Kreis zu sitzen, rumzugammeln, verweilen und Bücher lesen etc. Auch hier ein paar Lesefrüchte:

«…besonders jene edle Institution, die unter dem Namen Polizei unrühmlich bekannt ist, kam ohne Denunzianten und Spitzel niemals aus. Das hatte seinen triftigen Grund; denn die Polizei bestand fast durchweg aus Elementen, die geistig auf sehr niedriger Stufe standen; auch brachte es der Beruf mit sich, dass nicht gerade die moralisch wertvollsten Individuen ihn ergriffen. Geistiger Tiefstand und moralische Minderwertigkeit also waren der Nährboden für das schmutzige Denunziantengeschäft.»

Auch wird behauptet, dass niemand ohne Belohnung Denunziant werden wollen würde. «Dieser Anreiz ist notwendig, denn ohne ihn würden sich keine Denunzianten melden und ohne diese würde die Polizei nie ihren Zweck erreichen.» Von 500 Mark ist die Rede. Leider hat sich das in der Geschichte und auch heute wieder als allzu optimistisch herausgestellt. Vielmehr führte und führt das Ressentiment, alle gleich unterdrückt sehen zu wollen wie man selbst es ist, dazu, aus purer Lust zu denunzieren… ist es nicht so?

Trotzdem ist es so und bleibt es immer so, vielleicht noch vielmehr wenn das ganze unentgeltlich geschieht:

«Der grösste Lump im ganzen Land,
Das ist und bleibt der Denunziant.»

Wie auch Die Bombe bekräftigt. Weiters schreibt die Bombe über das Leben unter der Papenregierung, welche etliche faschistische, wenn auch noch demokratische, Massnahmen durchsetzte. So wurden Bettler verhaftet, alle Subversiven eingesperrt und Nazis freigesprochen. Auch die wirtschaftliche Krise wird behandelt, die Armut, Hunger, etc. Dabei könnte wohl bald solches auf uns zukommen. Und es muss angemerkt werden: die Rezession, welche für 2020 von den Ökonomen prophezeit wurde, sie kommt jetzt. Und: sie kommt nicht «wegen corona». Vielmehr kommt sie ohnehin, und wenn in Zukunft das Geschwätz der Politik so gehen wird, als würden wir jetzt «alle den Gürtel enger schnallen müssen» und «wir sitzen alle im selben Boot», weil die Krise ja eine Art Naturereignis war, «wegen corona» eben, so ist das Quatsch. Es kommt ihnen aber gelegen. Auch, dass sie jetzt die Wirtschaft mit Geld vollpumpen können, ohne dass irgendwer das hinterfragt.

Aber zurück ins Jahr 1932. Natürlich ist 2020 nicht 1932. Aber auch heute stehen wir vor einem Abgrund. Einer Herrschaft durch den Ausnahmezustand, wie sie sich seit 2001 schon aufbaut, jetzt aber langsam endgültig normalisiert wird. Die Frage ist, ob wir im Pessimismus versinken sollen, angesichts der Tatsachen…? Und da muss man sagen, ob 2020 nicht 1932 ist, also die Einleitung zu Weltfaschismus und Weltkrieg, das liegt auch an uns allen… Das liegt daran, ob wir das mit uns machen lassen. Ob wir, die Ausgebeuteten und Ausgeschlossenen und Rebellen schon so am Ende sind, dass man alles mit uns machen kann.

Wir wissen es nicht.

Wenn Die Bombe schrieb: «Ein Regierungsgewaltiger unterdrückt eine zeitlang und glaubt damit die Stimme der Kritik, der Empörung, die Stimme des freien Geistes vernichten zu können. Ein jämmerlicher, bemitleidenswerter Narr, der sich das einbildet. Die Stimme der Empörung ist nicht zu unterdrücken, und sie wird lauter und lauter erschallen, trotz Verbot und Gewalt, bis sie eines Tages der Orkan entfacht, der alle Verbote und Unterdrückungsmassregeln wie Spreu hinwegfegt und mit ihnen diejenigen, die sie erliessen. Der freie Geist lebt, und er spottet der Reaktionäre von heute, wie er der Reaktionäre aller Zeiten gespottet hat: «Ich war, ich bin, ich werde sein!»»

Nun, wenn Die Bombe so schrieb, und sich die darauf folgende Zeit anschaut, dann wird einem mulmig zumute. Der Vorschlag der Bombe, der in der zweiten Ausgabe formuliert wurde, wurde leider nicht allzu häufig umgesetzt. Sie Bewirbt dort «Wanzol», ein «Vollkommen sicheres Mittel zur Vertilgung von Wanzen.» Dabei sind ganz besondere Wanzen gemeint. Jene, welche „wohlgenährt und gut gekleidet“ sind, „und in Villen und Palästen [wohnen]. Es sind die Leute, die im Besitz des Grund und Bodens, der Fabriken und sonstigen Reichtümer sind, es sind diejenigen, die uns ausbeuten und beherrschen.“ Zur Vernichtung dieser «Blutsauger» und «Parasiten» empfahl Die Bombe «Wanzol». Es wurde dabei kaum verhüllt, dass damit wohl eben das gemeint ist, was der Titel der Zeitung war. «Und wenn die Geplagten auch nicht an die Unfehlbarkeit des Mittels glauben – warum versuchen sie es nicht wenigstens? Versuch macht klug. Aber der Versuch muss gemacht werden. Und wenn Wanzol nicht helfen sollte, dann nehmt Feuer, das heilige Feuer, das Prometheus, wie die Sage berichtet, einst den Göttern raubte, um der leidenden und frierenden Menschheit die grösste Wohltat zu erweisen. Im Feuer stirbt jegliches Ungeziefer.»

Dabei empfiehlt Die Bombe vor allem, diese Kur beim damaligen Aussenminister Konstantin von Neurath anzuwenden. Aber eben: leider wurde «Wanzol» und auch das liebe Feuer viel zu wenig angewandt, und so konnte die Geschichte ihren Lauf nehmen. Und Neurath seine Rolle auch in der SS weiterführen.

Nur ein Subversiver, der dazu Extra aus Holland einreiste, fand noch die Kraft, welche in Deutschland niemand fand, und zündete den Reichstag an. Marinus van der Lubbe. Aber: anstatt dass diese Kur noch weitere Verbreitung fand, wurde er verleumdnet und diffamiert, während die Massen in den Nationalsozialismus marschierten, oder zumindest passiv und paralysiert dastanden.

Aber ja, diese kleine Geschichte, was hat sie mit 2020 zu tun?

Das mag jeder selber entscheiden.

Und jeder mag sich fragen, bei welcher Wanze heute wohl am ehesten eine Behandlung mit «Wanzol» nötig wäre. Sind es vielleicht gewisse Ministerpräsidenten und ähnliches Gesindel? Oder was wäre mit Herr Wieler, dem Präsidenten des RKI? Oder was mit Bill Gates, dem wichtigsten Privatfinancier hinter der WHO? Es gehen wohl so manchem noch viele Leute durch den Kopf.

Ich will hier bestimmt niemandem zu einem Verbrechen aufrufen, schliesslich handelt es sich hier ja nicht um eine klandestine Zeitung. Aber nachdenklich sollten diese Zeiten stimmen. Auch darüber, welche Mittel denn angebracht sind. Die Ära, die sich jetzt eröffnet, wird sie jene des absoluten Gehorsams werden, oder lebt die Flamme noch, welche sie in eine der Revolten und Aufstände verwandeln könnte? The future is unwritten.

Jenseits von Hoffnung und ihrem Kehrstück: Pessimismus; lohnt es sich zumindest, über die Sache mit «Wanzol» mal nachdenken. «Und wenn dies nicht hilft: Feuer!», schlussfolgert auch Die Bombe

Eine wühlende Leseratte

Die liebe Polizei (Lied)

Aus dem Liederbuch »Der freie Turner«, Leipzig, 1913; S. 316 ff.

Transkribierter Liedtext:

1.) Wo zweie stehn und flüstern
Da sieht die Polizei
Den Himmel sich umdüstern
Und riecht Rebellerei
Fängt an zu arretieren,
Denn´s könnt zu Aufruhr führen
Und darauf hat sie ja zu sehn:
Die Welt soll sich auch morgen drehn:
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

2.) Fängt einer an zu niesen,
Spitzt sie die Ohren schnell
Und wittert hinter diesem
Den schändlichsten Rebell;
Niest er zum zweiten Male,
So sind es Kampfsignale; –
Die Polizei packt ihren Mann,
Bevor er weiter niesen kann.
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

3.) Vor jeder roten Nase
Da bleibt sie sinnend stehn,
Es könnte in der Strasse
Ein Attentat geschehn;
Und weiter dient dergleichen
Oft als Erkennunsgzeichen; –
Drum mit der Nase in Arrest,
Dann steh›n des Staates Pfeiler fest.
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

4) Drum lasst, ihr guten Christen
Euch nie von dem Geschrei
Der Wühler überlisten,
Und ehrt die Polizei;
Und tritt sie euch von hinten,
So lasst gefasst euch finden
Und denkt: „Ei nun, auch das ist gut
´s ist doch ein schönes Institut!“
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

[Thiva] Rebellion im Frauenknast von Eleona in Thiva nach dem Tod einer Gefangenen

09. April 2020, der Aufstand im Frauenknast von Eleona, Thiva geht weiter. Er brach am Morgen aus, nachdem eine 38-Jährige Gefangene, die unter Fieber und Atemnot litt, in der Abteilung des Flügels E vor 20 Mitgefangenen verstorben war. Sie starb an den Folgen einer Coronainfektion. Die anderen Gefangenen steckten ihre Matratzen und Kleider in Brand und zerstörten die Kühlanlage des Gefängnisses. Mittlerweile sind ein*e Staatsanwält*in und ein*e Gerichtsmediziner*in im Gefängnis eingetroffen, um eine Autopsie vorzunehmen. Schwer bewaffnete Polizeikräfte – MAT [Eine Spezialeinheit zur Bekämpfung von Aufständen; Anm. d. Übers.] – stürmten das Gefängnis, um eine Ausbreitung der Aufstände auf andere Flügel des Gefängnisses zu verhindern. Sie schlugen heftig auf die Gefangenen ein und trotz dieser Repression breitete sich die Revolte im gesamten Gefängnis aus.

Erklärung der Gefangenen vom 09. April 2020

Heute, am 09. April verstarb die Gefangene Azizel Deniroglou hilflos in ihrer Zelle, nachdem sie sich über Herzbeschwerden und hohes Fieber beklagt hatte. Sie hatte die ganze Nacht um Hilfe gebeten, da sie Schmerzen in der Brust hatte und nicht atmen konnte. Zeug*innenaussagen zufolge wurde bei ihr nicht einmal Fieber gemessen und uns sind die genauen Umstände ihres Todes nicht bekannt. Die Schichtleiterin drohte ihr mit einem Vermerk, weil sie sich belästigt fühlte. Der leblose Körper unserer Mitgefangenen wurde in einem Laken vor den schockierten Augen des gesamten Flügels aus der Zelle geschleift. Dieser tragische Vorfall ereignete sich im Flügel E, wo ungefähr 120 Menschen inhaftiert sind. Die Gefangenen revoltierten und die Revolte verbreitete sich im gesamten Gefängnis. Eine andere Gefangene starb vor einem Monat. Die kriminelle Gleichgültigkeit gegenüber den Gefangenen und ihrer Gesundheit verursachte den Tod vieler Inhaftierter, die Regierung und das Ministerium sind dafür verantwortlich, sie zum Tode verurteilt zu haben. Die Regierung und das Ministerium sind für den Tod dieser Gefangenen verantwortlich. Wir fordern die sofortige Entlassung aller Patient*innen, aller Mütter mit ihren Kindern und der Älteren, die als Risikogruppe gelten und insgesamt ein Drittel der Gefangenen ausmachen. Wir werden nicht in unsere Zellen zurückkehren, bis diese Forderungen erfüllt sind!

Pola Roupa, eine politische Gefangene, die Teil des revolutionären Kampfes ist, berichtete ebenfalls, dass vor etwa einem Monat eine andere Gefangene im Gefängnis verstorben sei. Sie betonte: „Ungeachtet der Versprechen der Gefängnisleitung angesichts der Corona-Pandemie wurde bislang nichts getan. Krankenhäuser nehmen keine Gefängnisinsass*innen auf, es gibt keine*n Ärzt*in Thiva. Die Risikogruppen sollten entlassen werden. Wir sind Gefangene. Wir wurden nicht zum Tode verurteilt.“

Übersetzung des englischen Textes bei The Plague and the Fire.

 

[Irkutsk] Gefängnisrevolte wird blutig niedergeschlagen

Vergangenen Donnerstag, den 09. April 2020, soll es in einer Strafkolonie in Irkutsk zu einer heftigen Knastrevolte gekommen sein. Medienberichten zufolge spielten die Gefangenen den Wärter*innen einen Suizidversuch vor, um diese dann beim Betreten der Zelle anzugreifen und aus ihrer Zelle zu entkommen. Im Laufe der Revolte brach ein schwerer Brand aus, der einen Teil der Strafkolonie zerstörte.

Mit Maschinengewehren und Giftgas schlugen die Cops den Aufstand schließlich nieder. Berichten aus dem Knast zufolge seien dabei rund 200 von 300 Betroffenen Insass*innen verletzt worden. Medienberichte sprechen von mindestens einem Toten.

Grund für den Ausbruch der Revolte sei unter anderem auch die schlechte bzw. mangelnde medizinische Versorgung in der Strafkolonie gewesen.

[Cayenne, Guyana] Flammende Revolte im Gefängnis von Rémire-Montjoly

Am Mittwoch, den 01. April, ist gegen 8 Uhr morgens eine Revolte im Gefängnis von Rémire-Montjoly, in der Nähe von Cayenne in Guyana, ausgebrochen. Zwischen 80 und 130 Personen sollen an der Meuterei teilgenommen haben, im Verlaufe welcher ein Flügel des Gefängnisses in Teilen angezündet wurde und Material des Sicherheitspersonals zerstört wurde. Angefangen hatte es nach Aussage des Generalstaatsanwalts durch eine Falle, die Gefangene einem Wärter gestellt hatten, um ihm die Schlüssel zu stehlen. Die Meuterei konzentrierte sich auf zwei Viertel des Knastes. Meuterer zündeten ihre Matratzen an, sodass mehrere Zellen zerstört wurden. Einige Gefangene schafften es aufs Dach des Gefängnisses. Die Wärter*innen erhielten Verstärkung von der Gendarmerie, sodass am späten Vormittag die Revolte niedergeschlagen wurde. Auch hier war Grund für die Revolte die Untersagung von Besuchen aufgrund der Coronakrise sowie sonstige Haftbedingungen in diesem Zusammenhang.

Quelle: Sans Attendre Demain

[Amiens] Brandangriff gegen den Strafvollzug

In der Nacht auf den 1. April 2020, während der Ausgangssperre, wurden zwei Einrichtungen der Strafvollzugsverwaltung Ziel einer Brandattacke: fünf Autos des SPIP (Amt für Wiedereingliederung und Bewährungshilfe) und zwei Transportwägen für Gefangene wurden abgefackelt, genau gegenüber von der Justizvollzugsanstalt von Amiens (Avenue de la Défense Passive). Auf einer Mauer des Parkplatzes wurde mit schwarzer Farbe „Crève la justice, crève la taule, crève l’Etat et crève! (A)“ („Justiz verrecke, Knast verrecke, Staat verrecke und verrecke! (A)“) getaggt.

Mehrere Individuen haben sich gegen 3h30 Zugang zum Parkplatz des SPIP und des PREJ (Amt zur Verlegung von Gefangenen) verschafft, dabei sorgfältig darauf geachtet die Überwachungskameras zu vermeiden die sich auf seiten des Gefängnisses befinden. Drei Autos des SPIP sind vollständig abgebrannt, zwei weitere durch die Flammen beschädigt. Dann wurde an zwei Gefängnisbussen (des PREJ), die zum Transport von Gefangenen verwendet werden, Feuer gelegt. Die Büros dieser beiden Einrichtungen wurden anschließend angegriffen, ein Fenster wird eingeschlagen und ein Feuer entfacht, das sich (leider) nicht verbreitet hat. „Diese Individuen haben versucht das Gebäude mit einem Benzinkanister in Brand zu setzen, was ihnen aber nicht gelungen ist“, erklärt das SNP-FO (Nationale Gewerkschaft des Strafvollzugs der Arbeiter). „In diesem Moment sei ein Alarm losgegangen, der den oder die Täter*innen in die Flucht schlug, und der Wächter sei herbeigeeilt, der jedoch nur noch die Schäden feststellen konnte.“ Dieser Brandangriff interveniert, während seit dem Beginn der Gesundheitskrise in Verbindung mit der Verbreitung des Coronavirusses (Covid-19) Revolten in zahlreichen Gefängnissen in Frankreich und anderswo hart niedergeschlagen worden sind.

Quelle: Sans Attendre Demain