Tag Archives: Gentrifizierung

Angriff auf Bauprojekt

In der Hellabrunner Straße gingen zwischen Donnerstag, dem 21. und Freitag dem 22. November laut Bull*innen mehrere Scheiben eines Gebäudes kaputt, andere wurden mit schwarzer Farbe übermalt.

Vermutlich handelt es sich bei dem Gebäude um einen Teil des auf dem ehemaligen OSRAM-Geländes entstehenden Wohnkomplexes „Isar Living“. Bereits im August hatte dort ein Baucontainer gebrannt.

Bei dem jüngsten Angriff soll ein Schaden von rund 10.000 Euro entstanden sein.

Wilde Demo gegen Gentrifizierung

Am Samstag, den 23. November 2019 nahmen sich rund 30 Personen die Straßen im Westend. Mit einem Transparent gegen Gentrifizierung, Flyern, Zeitungen und Plakaten zogen sie durch die Straßen und machten Bewohner*innen und Passant*innen auf die Gentrifizierung im Viertel aufmerksam. Auf einem der verteilten Flyer war folgendes zu lesen:

Was heißt es in dieser Stadt zu leben?

Was heißt es hier kein Geld zu haben? Was heißt es hier nicht weiß zu sein? Was heißt es sich hier die Mieten nicht leisten zu können? Was heißt es hier den ganzen Tag lohn-arbeiten zu müssen nur um überleben zu können? Was heißt es hier von immer mehr Kameras umgeben zu sein? Immer mehr Smartphones? Immer mehr Cops und immer mehr PAGs (Poliezi Aufgaben Gesetzte)? Was heißt es hier keinen festen Wohnsitz zu haben? Was heißt es hier ein Kopftuch zu tragen? Was heißt es hier im Rollstuhl zu sitzen? Was heißt es hier mit Be_Hinderung zu leben? Was heißt es hier kein Abi zu haben? Was heißt es hier kein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel zahlen zu wollen/können? Was heißt es hier aus der Schule geschmissen zu werden? Die Schule zu schmeißen? Was heißt es hier keinen SUV fahren zu wollen/(können)? Was heißt es hier auf der Straße unterwegs zu sein? Was heißt es hier nicht straight hetero zu sein? Was heißt es hier trans*, queer*, weiblich*, männlich* (gelesen) zu sein? Was heißt es hier Harz4 zu beantragen? Was heißt es hier keinen Bock auf Fremdbezeichnung und Fremdbestimmung zu haben und doch die ganze Zeit fremd-bezeichnet und -bestimmt zu werden? Was heißt es hier Sachen ausprobieren zu wollen? Sachen, die vielleicht nicht mehrheits-tauglich sind? Sachen die nicht alle verstehen können/wollen? Sachen, die irgendwann von Menschen, die mensch nicht kennt, diskutiert und verboten wurden? Was heißt es hier mit Kindern zu leben? Was heißt es hier sich einen Raum zu suchen, an dem mensch sich wohlfühlen kann? Has heißt es hier sich Raum, der gebraucht wird (und keine Person hat das zu bestimmen/beurteilen, die nicht selbst betroffen ist), zu nehmen, obwohl mensch mit Bestrafungen rechnen muss? Was heißt es hier zu sein, aber das Gefühl nicht los zu werden, dass mensch nicht erwünscht ist? Was heißt es hier als „kriminell“ bezeichnet zu werden? Was heißt es hier nicht lohn-zu-arbeiten (wollen)? Was heißt es hier abtreiben zu wollen/müssen? Was heißt es hier keinen Pass zu haben? Was heißt es hier keinen „deutschen“ Pass zu haben? Was heißt es hier nicht ernst genommen zu werden? Was heißt es hier im Knast zu sitzen? Was heißt es hier aus einer Wohnung geräumt zu werden? Aus einem Leerstand? Unter einer Brücke? Was heißt es hier zu wohnen und ständig Angst zu haben durchsucht, geräumt, rausgeschmissen, verdrängt zu werden? Was heißt es hier durch die Straßen zu laufen/fahren? Schräg angeschaut zu werden? Angemacht zu werden? Rassistisch, sexistisch, antisemitisch, be_hindertenfeindlich angegriffen zu werden? Was heißt es hier Tag für Tag zu überleben?

Ich habe keine endgültigen Antworten auf diese Fragen. Nicht für mich und für dich sowieso nicht. Sie sind keineswegs „neutral“ gemeint.

Nein.

Wenn ich in dieser Stadt unterwegs bin und ich denke es könnte in jeder anderen Stadt genau so sein, in meinem Zimmer sitze. Ich bin wütend auf so vieles. Ich zweifle und verzweifel auch. Aber das was ich hier erlebe, will und kann ich nicht einfach hin nehmen.

Wir alle haben unterschiedlich, sich verändernde Perspektiven. Das fängt schon damit an, welche Fragen wir uns überhaupt stellen und welche nicht. Teilweise versinke ich im Fragen stellen, es werden immer mehr und immer weniger weiß ich darauf zu erwiedern. Ich hab keine Lust mir immer nur weitere Fragen zu stellen. Ich will versuchen Wege zu finden, die sich für mich gut anfühlen.

Und ich will das nicht alleine. Aber ich will mich nicht an auferlegte und gemachte Regeln halten, nicht Institutionen um die Verwaltung meines Lebens bitten (oder mir die am wenigsten Ätzende „ausssuchen“) und diesen ja nicht die Kontrolle über mich und mein Umfeld geben. Ich will mit den Menschen um mich herum, in freiwillig gewählten Gemeinschaften, Wege des Zusammenlebens erforschen und Wege finden, die sich wie wir auch verändern.

Dafür müssen wir anfangen uns kennen zu lernen.

(Außer du bist ein*e überzeugte*r Cop, Politiker*in, Staatsschützer*in, Nazi, Pickup Artist, Rassist*in, Kapitalist*in, Abtreibungsgegner*in, etc., dann verpiss dich!)

Hey du.

Hallo, was geht bei dir so?

[Berlin] Beim Räumungsprozess der Liebig34 geht’s tumultig zu

„Landgericht Tegeler Weg heute morgen [15. November]: Farbanschläge gegen das Gericht, eine Bombendrohung, die Mandant*innen kurz vor Beginn unter Vorwand von den Bullen eingesackt, eine kurzfristige Saalverkleinerung, massive Sicherheitskontrollen, Cops die uns brutal aus dem Saal zerren und eine teilweise und distanzlose und respektlose Presse […]. Am Ende der Verhandlung wurde die Öffentlichkeit mit Ausnahmen einiger Pressevertreter*innen ganz ausgeschlossen. […] Alle nicht cis-männlichen Personen vor dem Gericht haben eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Widerstand bekommen. Auch wenn sie gar nicht im Gerichtssaal waren. Darüber hinaus hat die Präsidentin des Landgerichts uns kollektiv und auf uns unbekannte Zeit Hausverbot ausgesprochen. […] Wir haben dem Gericht bereits heute morgen gezeigt, was wir von der Justiz im kapitalistischen Nationalstaat halten: Nichts. Was interessiert uns was der Richter Herr Borgmann drüber denkt, ob wir in unserem Zuhause bleiben dürfen oder nicht. […] Was wir dazu sagen? Wir antworten mit drastischen Maßnahmen! […] Wrobel, Padovicz und Siganadia haben heute kein Versäumnisurteil gegen uns erlangt! Der Prozess wurde auf den 13.12. verschoben, da die Menschen, die heute die Liebig34 vor Gericht vertreten sollten, bereits vor der Verhandlung festgenommen wurden. […]

Wir haben nichts mehr zu verlieren!

Wir werden weiterhin in unserem Haus bleiben!

Wir werden keinen Cent Miete mehr bezahlen!

Wir werden in unserem Zuhause bleiben und es bis zuletzt verteidigen!“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Flammen für Liebig34

„Am Abend des 10. Novembers haben wir, wenn auch nur vorübergehend, zwei Geldautomaten der Firma Euronet zerstört, die sich auf dem Eigentum der Firma Real Estate Padovicz befinden. Diese Wahl ist natürlich kein Zufall, sondern versteht sich als Solidaritätsaktion in Hinblick auf den Räumungsprozess der Liebigstraße 34 und als Antwort auf die Pläne von Padovicz.“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Gentrifizierungsvorantreiber*innen angegriffen

„Eine Villa im besseren Teil des Berliner Stadtteils Karlshorst. Hier residiert die Familie Tragsdorf, Andrea – zuständig für die Hausverwaltung der Liebig34, Tilo – ehemaliger Wirtschaftsstadtrat von Friedrichshain, Sohn Tom – ganz frisch im Immobiliengeschäft. Hier trug sich letzte Nacht [vom 12. auf den 13. November] zu, was längst überfällig war: in der Gundelfingerstr.49 klirrten die Scheiben im Erdgeschoss, ein Auto wurde geplättet und noch mehr am Ego kratzen sollte der SUV, der von innen mit Buttersäure besudelt wurde. Unser bescheidener Beitrag zum Räumungsprozess der Liebig34 am Freitag (9h Landgericht Berlin, Tegeler Weg). […] Ob die Liebig34 erhalten bleibt entscheidet sich nicht im Prozessaal, sondern auf der Straße! Für einen militanten Queer-Feminismus: Eskalation statt Räumung!“

Quelle: Indymedia

[Bremen] Vonovia-Fuhrpark angezündet

In der Nacht auf den 03. November wurden auf einem Parkplatz des Immobilienunternehmens Vonovia insgesamt neun Fahrzeuge des Konzerns angezündet. „Nach Angaben der Polizei beläuft sich der Gesamtschaden auf rund 250.000 Euro. […] Bei fast allen Autos haben die Front und der Motorraum gebrannt. Die Scheiben sind zerborsten, ein Bild der Verwüstung. Die Täter hatten sich gegen drei Uhr morgens durch einen Maschendrahtzaun Zutritt verschafft. Der Draht wurde aufgeschnitten. Nach den Brandspuren zu urteilen, könnte es nach einer bekannten Methode abgelaufen sein: Grillanzünder auf den Autoreifen legen, anzünden, weglaufen. Fünf Minuten später brennt der Reifen, nach zehn Minuten das Auto.“ Eine Person wurde kurz danach verhaftet, ist aktuell aber wieder auf freiem Fuß.

Quelle: Weser Kurier

Platte Reifen für Vonovia

Am Donnerstag, den 07. November 2019 konnte im Westend ein in der Ganghoferstraße abgestelltes Auto von Vonovia bewundert werden, dessen Reifen vermutlich geplättet worden waren (siehe Meldung bei Indymedia).

Dieser Angriff auf das eigenen Angaben zufolge größte Wohnungs- und Immobilienunternehmen in Deutschland reiht sich ein in eine Serie an Angriffen, die deutschlandweit während des letzten Jahres zugenommen zu haben scheinen. Alleine innerhalb der letzten zwei Monate gab es mindestens 10 Angriffe auf Fahrzeuge und Zweigstellen des Unternehmens in Bremen, Freiburg, Berlin, Wuppertal und München. Besonders die Fahrzeuge des Immobilienkonzerns haben sich dabei als beliebte Angriffsziele etabliert: abgefackelt, mit Farbe verunziert, die Reifen zerstochen oder Auspuff, Lüftung und andere Öffnungen mit Bauschaum ausgefüllt, die Möglichkeiten der Sabotage sind ebenso einfach wie vielfältig.

Der jüngste Angriff auf ein Vonovia-Fahrzeug in München ist dabei der Dritte innerhalb von zwei Monaten. Am 13.09.2019 wurde ein Fahrzeug des Immobilienkonzerns in Laim umlackiert und in der Nacht auf den 04. September wurde ein weiteres Fahrzeug von Vonovia mit Farbe verkehrsuntauglich gemacht.

Google breitet sich aus

Google hat vor einigen Tagen den Postpalast in der Nähe der Hackerbrücke in der Arnulfstraße/Ecke Wredestraße gekauft, um seinen Standort in München zu vergrößern. Bereits jetzt beschäftigt Google 1000 Mitarbeiter*innen in München und ist Googles größter Standort in Deutschland, zukünftig sollen durch das Bauen von Büroflächen und Umbauen des Postpalastes noch einmal 1500 weitere Arbeitsplätze entstehen. “ „Wir freuen uns, dass wir in München ein so innovationsfreudiges Umfeld haben“, sagte ein Sprecher von Google. Das schmerzt. Leider hat Google in München bisher zu wenig Gegenwind bekommen, als dass Google sich hier unwohl fühlen würde. Vielleicht können wir ja aus dem Kampf gegen den Google-Campus in Berlin Inspiration ziehen, um München den Ruf eines „innovationsfreudigen Standorts“ zu vermiesen.