Tag Archives: Aufstand & Revolte

[Libanon] Chronik der Revolte gegen die durch Corona noch weiter verschärfte Wirtschaftskrise

Bericht vom 28.04. – Die Revolte ist stärker als ihre Ausgangssperre

Im Libanon, auch wenn die Quarantänebestimmungen [confinement], die am 14. März eingerichtet worden waren, diesen Montag ihr Ende nahmen, sind die Maßnahmen der „Entquarantänisierung“ [dé-confinement] nicht weniger drastisch, insbesondere mit der Einrichtung einer Ausgangssperre. Dies konnte dennoch nicht verhindern, dass sich die Straßen entflammten (insbesondere die Banken). Am Abend des Montags, den 27. April in Tripolis, im Norden des Landes, haben tausende Personen den Quarantänebestimmungen und der Ausgangssperre getrotzt, indem sie auf die Straße gingen, um zahlreiche Banken anzuzünden und sich den bewaffneten Milizen des Staates zu stellen. Mindestens ein Militärfahrzeug brannte durch den Wurf eines Molotowcocktails ab. Die Repression durch die Armee ist  heftig: 40 Personen mussten ins Krankenhaus und ein junger 26-jähriger Mann starb, nachdem er während Auseinandersetzungen mit den Militärs durch eine Kugel verletzt worden war.

Männer, Frauen und Kinder marschierten in den Straßen und schrien „Revolution! Revolution!“. Die Protestierenden wurden in dem Moment von der Armee zurückgedrängt, als sie zum Haus eines Parlamentariers wollten, demgegenüber sie feindlich sind. Einige haben Steine geworfen, die Armee antwortete mit Schüssen in die Luft, um die Menge in der Zone rund um den Al-Nour-Platz zu zerstreuen. Unter anderen wurden ein Jeep der Armee und mehrere Bankfilialen durch den Wurf von Molotow-Cocktails in Brand gesetzt.

Am selben Abend wurden die Räume der Zentralbank in Sidon (im Süden) Ziel von Stein- und Böllerwürfen, wie die nationale Informationsagentur berichtete. In derselben Stadt war bereits am Samstag abend ein Sprengsatz gegen eine Bank geworfen worden.

Die letzten Tage hatte es tagsüber mehrere Demonstrationen gegeben, insbesondere durch Autokolonnen in der Hauptstadt, trotz der Quarantänebestimmungen, die am 14. März durch die Autoritäten ins Lebens gerufen worden waren, die auch eine nächtliche Ausgangssperre etablierten.

Am Abend des 26. April wurden mehrere libanesische Banken in Tripolis und Mina (im Norden) durch Unbekannte angegriffen. Diese Angriffe bildeten die Fortsetzung von ähnlichen Ereignissen in Tyr und Saïda im südlichen Libanon, im Laufe des Wochenendes, während der Libanon mit seiner schlimmsten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 30 Jahren konfrontiert ist. Des Nachts hat ein Gruppe Personen die Fassade der Bank Byblos in Mina angegriffen, ehe sie die Flucht ergriff. Im Zentrum von Tripolis, sind es die Filialen der BLOM Bank und der BBAC, die Ziel von Molotow-Cocktails wurden, die Männer, die Schutzmasken trugen, warfen. […]

„Die Politiker lenken unsere Aufmerksamkeit mit dem Coronavirus ab, um weiter stehlen zu können“, skandierten am 16. April Demonstrierende, ehe sie von den Streitkräften der Armee niedergeprügelt wurden.

Der Libanon hatte am 17. Oktober 2019 eine große Bewegung der Revolte erlebt, bei der der Al-Nour-Platz in Tripolis während langer Monate das Nervenzentrum der Revolution vom 17. Oktober gewesen war: an bestimmten Tagen waren Hunderttausende im ganzen Land auf die Straße gegangen, um ihre Wut herauszuschreien und danach zu handeln. Die Banken wurden regelmäßig Ziel, von der Straße der Komplizenschaft mit der politischen Macht beschuldigt und beschuldigt zur ungebremsten öffentlichen Verschuldung und dem Staatsbankrott beigetragen zu haben. Seit Monaten grassiert eine sehr schwere Wirtschaftskrise im Libanon, die durch die Coronapandemie und die Präventionsmaßnahmen, die darauf folgten, noch verschlimmert wurde.

Circa 45 % der Bevölkerung lebt laut offiziellen Schätzungen inzwischen unter der Armutsgrenze. 2020 sollte die Wirtschaft laut internationalem Währungsfond eine massive Schrumpfung von 12 % erleben. Der Libanon erfährt auch eine Abwertung seiner nationalen Währung im Vergleich zum Dollar, was eine heftige Inflation zur Folge hatte.

Der Coronavirus ist die geringste aller Sorgen der Libanes*innen, die verhungern. Die Gesamtanzahl an Personen, die sich seit dem 21. Februar am Virus angesteckt haben, beläuft sich auf 672. Und bisher gab es 21 Tote.

[Überwiegend vom „L’Orient-Le Jour“ vom 28.04.2020 übernommen, mit einigen Ergänzungen von Démesure.]

Aus dem Französischen übersetzt von Sans Attendre Demain.

Bericht vom 29.04. – Hin zu einer Ansteckung der Revolte? (28. April 2020, aktualisiert)

Diesen Dienstag, den 29. April, haben sich die Meutereien am zweiten Tag in Folge in Tripolis fortgesetzt. Am Vorabend hat die Nachricht vom Tod eines Demonstranten, Fawaz Fouad Samman, der am Vorabend von Kugeln während Auseinandersetzungen mit der Armee getötet wurde, die Feuer der Revolte in mehreren Städten geschürt, insbesondere im Süden des Landes, wie in Beyruth und in Saïda. Diese neue Nacht der Zusammenstöße soll 81 Verwundete unter den Sicherheitskräften (51 Militärs allein schon in Tripolis verwundet, darunter 6 Offiziere) verursacht haben. Um die zwanzig Personen wurden in Tripolis verhaftet.

In Tripolis, der zweitgrößten Stadt des Landes, hatten sich mehrere Tausend Menschen auf den Al-Nour-Platz eingefunden, unter dem Slogan „Das wird verheerend sein“, Anspielung auf die Natur der Demonstration: hunderte junge Leute haben die Straßen verbarrikadiert, zahlreiche Banken geplündert und angezündet (insbesondere die der libano-französischen Bank), Pflastersteine aus den Gehsteige gerissen, um sie auf die Militärs zu werfen und zwei Militärfahrzeuge abgefackelt. Sie sind mithilfe von Tränengas und Gummikugeln auseinandergetrieben worden. Die Soldat*innen haben ebenfalls die Verfolgung einiger Individuen aufgenommen, die mehrere Fahrzeuge der Armee beschädigt haben. Diese Unruhen haben direkt nach der Beerdigung des jungen Familienvaters stattgefunden, die am frühen Nachmittag organisiert worden war, inmitten einer angespannten Menge, die gekommen war, um ihm die letzte Ehre zu erweisen trotz der Bedrohung durch den Coronavirus. Auf dem Bahsas-Platz wurden zwei Soldaten durch Steinwürfe verletzt und ein Militärfahrzeug ist beschädigt worden.

Bevor die Spannung auf dem Al-Nour-Platz stieg, hatten Demonstrant*innen Steine auf die Residenz des ehemaligen Premierministers Nagib Mikati à Mina geworfen. Die Armee und die Sicherheitskräfte, groß eingesetzt, setzten massiv Gas ein, um die Demonstrierenden zu vertreiben. Daraufhin zerschlugen Protestierende die Fassaden von Bankfilialen in der Nähe.

„Ich will meine Stimme gegen den Hunger, die Armut, die Inflation und die Ungerechtigkeit erheben“, rief ein 41-jähriger Demonstrant aus, Khaled. Dieser Ersatzteilverkäufer für Motorräder sagt, dass er nicht mehr in der Lage sei, die Bedürfnisse seiner drei Kinder zu befriedigen, seit er seine Arbeit verloren hat, innerhalb einer Situation, die mit der Pandemie immer schlimmer geworden ist.

Am anderen Ende des Landes, in Saïda (Süden) fand eine Versammlung vor dem Sitz der Bank des Libanons (BDL) statt, wo ein bisschen später Demonstrant*innen erst Böller, dann circa ein Dutzend Molotow-Cocktails in Richtung des Gebäudes warfen, was mehrere kleine Brände verursachte und die Armee auf den Plan rief. Nach der Intervention der Armee zum Schutz der BDL verteilten sich die Meuternden im Stadtzentrum und zerstörten die Fassaden von mindestens einem Dutzend Banken. Um die fünfzehn Fahrkartenautomaten wurden ebenfalls zerstört. Auch in Beyruth kam es zu Demonstrationen, die in Steinwürfen gegen die BDL endeten.

Seit Beginn der Quarantänemaßnahmen trifft die Misere mit voller Wucht die libanesische Bevölkerung. Das Land erlebt eine noch nie dagewesene Steigerung der Inflation in wenigen Wochen (+ 150 %). Der Wirtschaftsminister Raoul Nehmé meldete eine allgemeine Preiserhöhung um 55 %, ohne zu präzisieren, in Bezug auf welche Periode diese stattfinde.

[Zusammengesetzt aus Meldungen der libanesischen und französischen Presseagenturen, 28. und 29.04.20]

Quelle: Sans Attendre Demain, stellenweise gekürzt

Bericht vom 30.04. – Die Bewegung der Revolte setzt sich fort

Am dritten Tag in Folge sind tausende Menschen in mehreren Städten im Libanon gegen die Verantwortlichen der immer weiter wachsenden Misere (Banken, Politiker,…) auf die Straße gegangen, obwohl die Lockerung der Quarantänemaßnahmen ab Montag eingeleitet worden war. Im Gegensatz zum Vortag kam es ein bisschen überall mit Einbruch der Nacht zu Demonstrationen und Meutereien, so wie in Tripolis.

In Tripolis, Epizentrum der Bewegung, stellten sich hunderte Demonstrant*innen dem Militär am Mina-Kreisverkehr. Des Weiteren blockierten sie die Straße, die zum Al-Nour-Platz führt, mit brennenden Reifen und forderten die Freilassung von Menschen, die am Vortag verhaftet worden waren (ungefähr zwanzig Personen).

Die Armee von ihrer Seite aus berichtet, dass 23 Soldaten während der Zusammenstöße in Tripolis (Norden) und Saïda (Süden) verletzt worden sind, darunter einer, dem mehrere Finger amputiert werden mussten.

In vielen Städten protestierten Menschen, zündeten Bankfilialen an, warfen Böller und Molotow-Cocktails auf die Armee. „Wir haben die Monopole und die Diebstähle durch die Geschäftsleute satt“, skandierten Demonstrant*innen in Beyruth.

Die Bewegung der Revolte, die seit mehreren Monaten in mehreren Regionen am Köcheln ist, ist aufs schönste in diesen letzten Tagen vor dem Lockern der Quarantänemaßnahmen seit letztem Montag wieder aufgeflammt.

[Via L’Orient-Le Jour aus Meldungen der iranischen Presseagenturen, 29. und 30.04.2020]

Quelle: Sans Attendre Demain, stark gekürzt

 

[Gradisca d’Isonzo] Revolte im Abschiebeknast von Gradisca d’Isonzo

Letzte Nacht, am 29.03.2020, machten Gefangene im Abschiebeknast von Gradisca, die seit einigen Tagen in Hungerstreik getreten waren, ihren Ärger und ihre Verzweiflung hörbar, indem sie wieder Feuer in den Zellen anzündeten.

Die Polizei griff mit militärischer Unterstützung ein, um den Protest zu unterdrücken und die Feuerwehr eilte herbei, um um 21 Uhr, 22 Uhr, Mitternacht und 2 Uhr morgens die Flammen zu löschen. Möbel, Matratzen und Plastikoberlichter brannten und einige Zellen wurden beschädigt. Vorgestern hatte eine Person, die positiv auf den Coronavirus getestet und laut den Behörden zum Knast in Cremona gebracht und dort isoliert worden war, eine Verschlechterung ihres Zustands mit hohem Fieber erlitten und war in ein Krankenhaus in Cattinara gebracht worden.

Nach dem, was wir wissen, wurden einige Wachen auch unter Quarantäne gesetzt, ansonsten ist allerdings nichts für die anderen Gefangenen im Abschiebeknast unternommen worden.

Übersetzung des englischen Textes bei Act for Freedom Now!

[Brüssel/Anderlecht] Riots nach der Ermordung eines 19-Jährigen durch Cops

Am 11.04.2020 kam es zu Krawallen durch wütende Jugendliche aus der Anderlecht-Gegend der belgischen Hauptstadt Brüssel, sie attackierten Bullenkarren und schleuderten Wurfgeschosse auf die Cops, wobei ein Cop verletzt wurde und ein anderer zusammengeschlagen wurde. Die Unruhen wurden dadurch ausgelöst, dass eine Bullenpatrouille einen 19-Jährigen auf einem Roller verfolgte, der sich geweigert hatte für eine Ausgangssperrenkontrolle stehen zu bleiben. Er stieß mit einer entgegenkommenden Bullenkarre zusammen und starb noch vor Ort. Hunderte wütender Jügendliche aus der Gegend nahmen sich nach einem Aufruf in den sozialen Medien sofort die Straße und griffen die Cops an, die ankamen, um die Cops zu verstärken, die an der Tötung beteiligt gewesen waren. Mehrere Bullenkarren wurden in Brand gesetzt, ein Jugendlicher befreite eine Pistole aus einem Fahrzeug und schoss damit in die Luft, während er davon rannte.

Der lokale Jugendliche wurde Adil getauft und bereits jetzt führen die Medien den schmutzigen Job des Staates aus, imdem sie zu Ruhe aufrufen und seine Familie als Waffe benutzen, um den Ärger über den Mord an einem lokalen Jugendlichen und gegen die Ausgangssperre zu unterdrücken. Weiterhin haben die Cops ihre Präsenz in der Gegend heute (am Sonntag) verstärkt, sogar mit einem Wasserwerfer, weil sie befürchten, dass es zu weiteren Ausschreitungen kommen könnte. Belgien steht seit vier Wochen unter Ausgangssperre und versucht so, die Verbreitung der Corona-Epidemie einzudämmen.

Das ist ein klares Zeichen für kommende Ausschreitungen und Aufstände, das jetzt in der Festung Europa angekommen ist, nach anderen Ausbrüchen der Rebellion in anderen Teilen der Welt, wir sind uns bewusst, dass der Abschaum von Medien klar versucht, im Einklang mit den Autoritäten, jeden Ausbruch der Rebellion gegen die Coronavirus-Ausgangssperren zu unterdrücken*. Es ist nur ein kurzer Augenblick, ehe der globale Backlash ausbricht.

Erst Wuhan, jetzt Brüssel, Aufstand überall!

*Ausschreitungen brachen in Bristol, China und Palästina aus, sogar Telefonmasten brannten auf der Gefängnisinsel UK, parallel mit dem Bericht von Überfällen auf Supermärkte im Süden Italiens in Reaktion auf die „Lockdown-Maßnahmen“ (Ausgangssperre!)

Übersetzung des englischen Textes von Act for Freedom Now!

[Hubei Provinz] Wütende Menschen greifen die Cops an und randalieren, nachdem sie daran gehindert wurden, die Region zu verlassen

Auf der Brücke über den Yiangtzee, die die benachbarten Provinzen Jiangxi und Hubei verbindet (in der Hauptstadt der Hubei-Provinz, Wuhan, wird der Ursprung der Corona-Pandemie vermutet), brach ein gigantischer Riot aus. Tausende wütender Menschen, die seit Monaten eingesperrt waren, strömten aus Protest aus der Hubei-Provinz und versuchten, die Brücke zu überqueren, wo sie mit Riot-Cops der benachbarten Provinz zusammenstießen, die sie daran hinderten, zu passieren, solange der chinesische Staat die Einschränkungen nicht aufgehoben hätte. Randalierer*innen warfen Bullenwägen um und zerstörten sie, bewarfen die Cops mit Steinen und stahlen sogar ein Schutzschild aus einem der Vans, um die Cops mit ihren eigenen Waffen anzugreifen. Wir hören, dass keine*r die Lügen der Kommunistischen Partei wirklich glaubt, die behauptet, dass der Virus unter Kontrolle sei und auch, dass die Menschen genug von der ganzen Repression haben.

Mensch kann nur erwarten, mehr solcher anti-sozialen Wutausbrüche, wie diesen auf der ganzen Welt zu sehen, wo die Regierungen und Staaten überall ihre wahre autoritäre Natur zeigen im  Angesicht des Coronavirus und der Angst, der Massen, die dieses hervorruft, die selbst eine Krankheit ist.

Wir werden uns bald wieder mit einem Bericht über die Zunahme von Technologie, die rasant verbreitet wird, um uns alle noch besser zu unterdrücken, im Namen des Krieges gegen Covid-19!

Die Unzivilisierten

Übersetzung eines englischen Textes bei 325.

[Bristol] Riots gegen die Polizei und Brandstiftungen, nach Ausrufung des Notstands

23. März 2020 – Nachdem der (nun infizierte) Premierminister Boris Johnson den Notstand ausgerufen und die neuen Maßnahmen zum Umgang mit dem Coronavirus vorgestellt hat, belästigten Cops am Abend in Southmead, Bristol junge Leute auf den Straßen. Die Polizei wurde mit Steinen und Flaschen angegriffen und zwei Lieferfahrzeuge der Supermarktkette Iceland wurden außerhalb ihres Depots angefackelt. In der ganzen Stadt wurden außerdem mehrere Autos zerstört und in Brand gesteckt. Junge Menschen stehen bereits unter „besonderer Beobachtung“ – d.h. Missbrauch, Verprügeln, Belästigungen, Zerstreuungen, Sonderbestimmungen – durch die Polizei und Randale und sich zur Wehr setzen sind die einzige wirkliche Lösung; nicht zuhausebleiben und Angst haben.

Die Supermärkte und andere Unternehmen, die massiv von dieser „Krise“ – für die alleine die Strukturen der Macht und des Kapitals verantwortlich sind – profitieren sind valide und verständliche Ziele der nihilistischen und anti-sozialen Wut über diese Situation. Die Lügen der Medien erzählen uns, dass wir „alle in einem Boot sitzen“, aber es ist klar, dass wir das nicht tun und niemals tun werden.

Es ist der Kampf der jungen Menschen und der Unbeherrschbaren gegen dieses kranke System und das ist nur ein Tropfen des Regens, der kommen wird.

Tod den Politiker*innen, der Polizei und denen, die diese Welt vergiftet haben.

Übersetzung des englischen Originals bei 325.

[Agadez, Niger] Flammende Revolte von sudanesischen Geflüchteten in einem UNO-Camp

Zu einer Revolte kam es am Samstag, den 04. Januar 2020, in einem Flüchtlingscamp der UNO in der Region Agadez in Niger. Fast 90 % des Camps wurden dabei in Schutt und Asche gelegt. Die dort untergebrachten Menschen protestieren seit Mitte Dezember dafür, dass ihre Anträge auf Anerkennung als Flüchtlinge schneller bearbeitet und sie endlich nach Europa gebracht werden sollen.

Die Situation war eskaliert, nachdem lokale Sicherheitsbeamte einen seit 16. Dezember andauernden Sitzstreik vor den Büros des Hochkommissariats der UNO geräumt und die dort protestierenden Menschen in das Camp circa 15 Kilometer von Agadez entfernt gebracht hatten. „Einmal an ihren Standort mit Bussen zurückgebracht, haben sie erst das Camp in Brand gesteckt“, ehe sie „mithilfe von Projektilen das Sicherheitspersonal angegriffen haben“, erklärte ein Verantwortlicher. Von den „331 Unterkünften“ des Camps seien „290 Unterkünfte und die Krankenstation in Schutt und Asche gelegt“ worden. Mindestens zwei Personen wurden durch die Protestierenden verletzt, die „Scheiben der Busse zerstörten“.

Viele aus dem Sudan flüchtende Menschen sind seit 2017 in diesem Camp untergebracht, seit 2018 demonstrieren sie für eine schnellere Bearbeitung ihrer Anträge.

Quelle: Sans attendre demain

[Santiago de Chile] Schön wie eine Kirche der Militärpolizei, die in Flammen aufgeht

Eine Kirche, die den „Carabineros“, der chilenischen Militärpolizei, gewidmet ist, wurde während der ersten Krawalle im Jahr 2020 in Chile am 03. Januar angezündet. In der Nähe des Plaza Italia in Santiago, seit Oktober das Epizentrum der Revolte in der chilenischen Hauptstadt, wurde die Kirche San Francisco de Borja von vermummten Revoltierenden angezündet. Die Mauern des Gebäudes wurden mit Parolen beschmiert, das heilige Mobiliar nicht nur zerstört, sondern auch in gigantische ketzerische Feuer vor der Kirche geworfen. Auf mehreren Bildern sieht mensch Brandherde an mehreren Orten in der Kirche.

Außerdem, nicht weit von der entbrannten Kirche, wurde das Krieger*innendenkmal, das ebenfalls den Carabineros gewidmet ist, während dieses Tages der Revolte angegriffen.

Quelle: Sans Attendre Demain

[Basel] Brandanschlag in Solidarität mit den Aufständen auf dem ganzen Planeten

„Wie können wir uns solidarisch zeigen mit den verschiedenen Revolten, Kämpfen und Aufständen, die momentan in allen Ecken der Welt ausbrechen? Wie können wir auch hier in der Schweiz unserem Verlangen nach Rebellion Ausdruck verleihen?

Ob in Chile, im Iran oder sonstwo, ob heutzutage oder in vergangenen Kämpfen: Banken gehören wohl immer zu den ersten Einrichtungen, die von den Flammen der Aufständischen ergriffen werden. Der Angriff auf Geldinstitute erscheint uns somit als ein jederzeit angebrachtets Mittel, um dieses globalisierte Machtsystem der Erniedrigung, Kontrolle und Ausbeutung anzugreifen.

In der Nacht auf den 27. November haben wir einen Postomat [Geldautomat der Schweizer Postbank] in Basel angezündet. Dafür brauchten wir nur einen Block Anzündwürfel auf den Bildschirm zu legen und ab die Post.

Auf dass das Feuer der Freiheit weiter um sich greift!
Gegen jede Autorität!“

Quelle: Indymedia

Santiago, Chile: 18. November, 31. Tag der sozialen Revolte

EIN UNVERGESSLICHER MONAT

Unter den Kapuzen… ein unauslöschliches Lächeln!

Wir atmen ein Gemisch aus Rauch und Tränengas. Wenn wir uns umsehen, sind wir überwältigt von dem Anblick, Tausende kämpfen noch immer. Ein gewaltiges Hochgefühl breitet sich in unseren Gliedern aus und unter den Kapuzen zeichnet sich ein unauslöschliches Lächeln ab. Wir leben das, wovon wir hunderte Male gelesen haben!

Es gibt keine Gewissheit für irgendetwas, wir werden auch weiterhin von der Suche nach Freiheit angetrieben. Aber beinahe zu jedem Zeitpunkt steht unser Verlangen dem der Massen entgegen, wir sind noch immer eine schwarze Minderheit… Aber eine äußerst aktive Minderheit.

Dieses Wochenende gab es fünf Brandanschläge auf Banken in Peñalolén, Cerrro Navia, Lo Espejo, El Bosque und Santiago und einen Molotow-Cocktail-Angriff gegen eine Polizeistation in Maipu, in deren Folge zwei Menschen festgenommen worden sind.

Am heutigen Montag kam es auf dem Plaza de Puente Alto zu Zusammenstößen mit den Scherg*innen und zu einem Angriff auf ihre Polizeiwache. Auf dem Plaza de Maipu gab es Riots und eine Kanone wurde vom Plaza Monument gestürzt, als Student*innen die CODEDUC [1] besetzten.

In Antogasta bemalten unbekannte Menschen den Anker, das Wahrzeichen der Stadt, mit schwarzer Farbe. In Iquique wurde ein Wachhäuschen der Regierung mit Molotow-Cocktails attackiert. In Valdivia wurde das Hauptquartier der Sozialistischen Partei in Brand gesteckt. In Concepción wurden die Flaggen aller Parteien als Zeichen dafür verbrannt, dass die Revolte keine Anführer*innen und keine politischen Parteien hat. In Santiago wurde die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Beatriz Sánchez vom „Nullpunkt“ vertrieben, weil mensch ihr vorwarf, Teil der Verhandlungen mit den Eliten zu sein.

Unter den tausenden Menschen auf dem „Plaza de la Dignidad“ flatterten schwarze anarchistische Flaggen und ökoanarchistische Flaggen. Encapuchadxs (Vermummte) verteilten anarchistische Zeitungen und eine Brassband spielte „Bella Ciao“.

Als die Sonne unterging, entfesselte die Polizei ihre gesamte Artillerie, feuerte Gummischrot und Tränengas in großer Menge ab. Angesichts dieser Gewalt seitens der Polizei bevorzugten es heute einige, sich in den Fluss Mapocho zu stürzen, um zu entkommen.

Die zentrale medizinische Notaufnahme behandelte mehr als 40 Verletzungen durch Gummischrot, doch die Anzahl der Wunden vervielfacht sich, wenn wir andere medizinische Zentren und diejenigen, die kein medizinisches Zentrum aufsuchten, berücksichtigen. Ein Demonstrant erlitt einen Schädelbruch, als eine Tränengasgranate explodierte und musste notoperiert werden.

In Valparaiso ließ die Polizei einen jungen Mann, der von einem Schuss im Nacken getroffen worden war, in kritischem Zustand zurück. Demonstrant*innen beklagten Verbrennungen zweiten Grades durch das toxische Wasser der eingesetzten Wasserwerfer.

Die Rache folgte in der Nacht, als unbekannte Menschen die anonym veröffentlichten Daten nutzten und ihre nächtlichen Attacken gegen die Privatfahrzeuge und -häuser der Polizei fortsetzten.

Abgeordnete fordern von der Regierung die Entlassung des Generaldirektors der Carabineros ungeachtet der Vorwürfe von Verstößen gegen die Menschenrechte, die sie in ihrer Position nochmals bestätigen.

Es gibt virale Videos von Restaurants und Geschäftsgrundstücken, in denen Polizist*innen in Zivil buchstäblich ausgeschlossen werden, weil mensch diese wegen ihrer repressiven Tätigkeit weder bedienen noch in seiner*ihrer Nähe haben will.

Rekrutierungszentren brechen zusammen aufgrund der hohen Anzahl junger Menschen, die sich weigern, ihren Militärdienst zu leisten. Es herrscht eine lautstarke Ablehnung der mörderischen Arbeit des bewaffneten Arms von Staat und Kapital.

Große Waldbrände breiten sich in verschiedenen Teilen von Valparaiso aus und alles deutet darauf hin, dass diese vorsätzlich entfacht wurden. Bewohner*innen beschuldigen den Staat des Versuches, sie durch diese Katastrophe zu demobilisieren.

Noch immer gibt es keine Antwort auf die Forderungen der Menschen. Die professionellen Bürokrat*innen verzögern die Erhöhung der Renten, der Mindestlöhne, die Streichung der CAE-Schulden [2] und so weiter. Sie behaupten, es gäbe keine Ressourcen und sie versprechen langfristig einige Brotkrümmel. Wir haben ihnen niemals geglaubt, geschweige denn jetzt.

Gewerkschaften haben einen 48-Stunden Streik für den 19. und 20. November angekündigt und einen GENERALSTREIK für den 21. November und das Lehrer*innenkollegium wiederholt seinen Aufruf zum Boykott des Simce Tests [3].

Absolvent*innenfeiern sind voll von Plakaten zur Unterstützung der Revolte und Sportler*innen zeigen Gesten der Solidarität mit den Verstümmelten, indem sie bei der Verleihung von Medaillen oder wenn sie für klassische Teamfotos posieren mit ihrer Hand ein Auge zuhalten.

LASST UNS DIE BEISPIELE ANTIAUTORITÄRER ORGANISIERUNG VERVIELFACHEN!

WIR VERSUCHEN NOCH IMMER, ANARCHIE ZUM LEBEN ZU ERWECKEN!

Anmerkungen

[1] Eine Schule in Maipu.

[2] Studiengebühr-Kreditsystem (CAE), das für die Absolvent*innen der Universitäten bedeutet, dass sie 20 Jahre lang massive Schulden für ihre Ausbildung zurückzahlen müssen.

[3] Ein System zur Messung der Bildungsqualität, eine Reihe an Tests, die in Chile genutzt werden, um bestimmte Aspekte der Bildungspläne zu messen. Derzeit verantwortet eine staatliche Behörde, das Amt für Bildungsqualität, die Tests für Schüler*innen in der 2., 4., 6. und 8. Klasse (Grundausbildung) und der 10. und 11. Klasse (2. und 3. Jahr der Sekundarausbildung).

 

Diese Übersetzung folgt der bei Anarchists Worldwide veröffentlichten englischen Übersetzung eines über soziale Netzwerke verbreiteten Updates zur Situation in Chile.