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[Virus Radio] Das Elend der Linken – Track 3

Seit der baiuwarische Verfassungsschutz verwirrt feststellte, dass die „Linksextremen“ in der „Coronakrise“ scheinbar regierungstreu geworden seien (was ja auch stimmt), scheint es mir, dass zur Linken eigentlich nicht mehr allzu viel gesagt werden muss. Solches Lob sagt eigentlich alles aus. Ebenso ist mit Zerocovid die linke Szene auch endlich dazu übergegangen, sich zu spalten. Wir sagen: gut so!, aber, ihr lieben (angeblichen) Revolutionäre: noch eine Anstrengung, wenn ihr die Anarchie wollt! Denn solange ihr den Kadaver der Linken wiederbeatmen wollt, werdet ihr immer nur neue Autoritäten und neue Kompromisse züchten, werdet ihr eine Bewegung (re-)produzieren, die euch in die eine oder andere Sackgasse führt, anstatt zur sozialen Revolution.

Auch wenn es eigentlich also gute Argumente gäbe, die Remixe des Elends der Linken hiermit ein für alle Mal einzustellen, da die Kritik und Blossstellung ihres Elends längst in aller Munde ist, lege ich hier nocheinmal nach, mit einem klassischen Remix von Skits und Styles über die Linke in der alten Normalität. Dabei benutze ich Material, dass wir nie zuvor veröffentlicht haben. Schon vor Jahren produziert (ca. 2012), hatte damals der Anlass sein Haltbarkeitsdatum schon überschritten (irgendeine widerliche Unschuldskampagne à la “Antifaschismus ist legitim, nicht kriminell”), weshalb dann das ganze nie so ganz vollendet wurde und seinen letzten Schliff verpasst hat. Heute passt es wie die Faust aufs Auge und zeigt nocheinmal auf, dass die gegenwärtige Misere schon längst prognostiziert werden konnte. Damit im Nachhinein keiner behaupten kann, die Linke wäre vorher nicht schon ein Hindernis auf dem Weg zur Befreiung gewesen – und dass die Freunde und Freundinnen der Anarchie dies nicht schon längst festgestellt hätten (und zwar auch anderswo).

Weiterhin also die härteste Mucke auf Virus Radio, die dir deinen Nuckel raushaut. Aber noch besser als Radio ist es natürlich: Live… À propos Live: da kommt mir ein alter Witz über das Fusion Festival in den Sinn, der bei jenen anarchoiden Partygängern zirkulierte, die diesen linken Karneval aus den einen oder anderen guten oder schlechten Gründen trotzdem immer besucht haben: Nämlich, dass die stalinistischen Zaunwärter, welche seit einigen Jahren die Grenze der Fusion beschützen, eigentlich nur trainieren um die künftigen Gulags zu verwalten… In der Neuen Normalität sind ja nun allzu viele schlechte und gute Witze in Erfüllung gegangen, und dieser gehört ganz bestimmt dazu. Wenn die Linke nun langsam wieder aus den Stayathome-Löchern kriecht, so also nur um zu experimentieren, wie man – oder sie – die Neue Normalität besser verwalten kann… aber eben, das haben wir ja alles schon prognostiziert, dazu muss man nur die letzten paar Sendungen hören.

Wenn der Superspreader von Live spricht, dann meint er natürlich nicht den live selbstverwalteten Tanzgulag. Denn “Keine Fusion um jeden Preis” ist ihm natürlich allzu lasch, vielmehr will er um jeden Preis keine Fusion mit den Linken, und feiert lieber mit der verwirrten lost youth, die sich täglich ihr Katz-und-Maus-Spiel mit den Bullen liefert, als mit diesen konformistischen Idioten!

Prosit also, hier kommt der Remix. Reisst vom Kadaver los was ihr könnt…

Das Elend der Linken feat. Antifa (old school Rettungsring-Mix)

Die Nazis. Eine ganze Szene scheint sich an ihnen zu orientieren. An den Nazis. Nein, wir reden nicht von den Nazis selber. Wir meinen die Antifa. Die Nazis sind ein Problem. Klar. Die Bullen, die Rechte und die Linke, das Bestehende insgesamt, sind ein Problem. Die Nazis sind unsere Feinde. Die Bullen, die Linke und die Rechte, das Bestehende, sind unsere Feinde. Es gibt keinen Grund sich auf einen dieser Teile als das ultimativ Böse zu beziehen, auf das, was dann unsere ganze (Negativ-)Definition ausmacht.

Jeder ist antifaschistisch. Ein jeder, der nicht so bescheuert ist, sich nicht auf diesen linken, ach so viel sagenden Nenner zu beziehen… Die Stasi, die AktivistInnen, und deine Mami ist antifaschistisch. Weil der Faschismus ja die ultimativ böse Ausformung der Boshaftigkeit ist.

Die Antifa ist so vieles. Antifaschismus bedeutet so viel, er reicht von Bürgern bis zu Revolutionären, von linken Reformisten bis zu blablabla. Der Antifaschismus, was ist heute seine Bedeutung? Ein gemeinsamer Nenner, der Revolutionäre und die miefendsten linken Bürger gemeinsam auf die Strasse bringt, im Namen einer Ideologie, die ihnen allen das Gefühl gibt, die Guten zu sein. Der sie dazu bringt, die Bullen, das Bestehende insgesamt, zu ignorieren, um gegen die Schlimmsten, die Faschisten auf die Strasse zu gehen. Eine Ideologie, die zumindest die Linke – von oben bis unten – sich vertragen lässt, sie ihre Differenzen vergessen lässt, ist praktisch… Fragt sich nur für wen…

Wer profitiert davon, wenn alle mit einem destruktiven Hass auf das gesamte Bestehende sich mobilisieren lassen, um gegen die FaschistInnen auf die Strada zu gehen, die ja offensichtlich auch den Demokraten ein Dorn im Auge sind (schliesslich konkurrieren diese beiden um die Macht, die Faschos als die Bösen, die Demokraten als die Guten). Wer profitiert davon, wenn wir vom Bestehenden als Totalität ablassen, und nicht mehr mit der Gesellschaft brechen, sondern sie umarmen, zumindest ihren linken, liberalen Arm. Wer profitiert davon als die Verteidiger des Bestehenden, die ihre Scheisse damit noch besser funktionieren sehen?

Problematisierung

Der Antifaschismus wird davon abhängig, mit was für einer Sorte AntifaschistIn wir gerade sprechen, entweder als etwas total rrrrevolutionäres abgehandelt, oder als etwas, dass einfach den bestehenden Staat beschützen soll. Das macht das hybride Wesen des Antifaschismus aus. Die autonome Antifa ist stolz darauf, die Bürger manchmal sogar zu einem „militanten Angagement“ zu bringen, während sich die Bürger das als moralischeres Aktivbürgertum durchgehen lassen, legitim, was nun hankerum auch die autonomen Antifas für sich in Anspruch nehmen (die Legitimität). Da finden sich beide Teile im Kampf gegen ihre „Kriminalisierung“, die einen aus offensichtlichem Legalismus, die anderen aus dem Bedürfnis, auch mal legalisiert für die Zerstörung der Gesetze zu kämpfen. Beide finden sich also in einem radikalen Reformismus, den einen gefällt das Radikale, den andern der Reformismus…

Nun, da sich beide Teile des Antifaschismus militant gebärden, halten dies die einen für einen Schritt zur Revolution, während die anderen das Ganze klarer als eine Erweiterung ihres linken Aktivbürgertums sehen. Zu denen, die sich das Ganze als revolutionäre Aktion erhoffen, an welche wir uns schliesslich auch richten: mensch ist nicht einfach revolutionär, nur weil er Gesetze bricht, wie das Beispiel der Suffragetten zeigt, die ihre ganz sympathischen Aktionen für das Frauenstimmrecht verschwendet haben… (Während einige sich anschliessend so an den Aktivismus gewöhnt haben, dass sie in ganz anderen Dingen weitergekämpft haben (die auch nicht revolutionär waren), war das Ganze trotz allem eine agressive Selbstintegration ins Bestehende) Ganz allgemein ist dann das die Oberflächlichkeit des Aktivismus, sich an der (gemeinsamen) Aktivität aufzuhängen, die ganz toll ausschauen kann, aber übersehen, dass innerhalb ganz verschiedene Motive, eigentlich unvereinbare Richtungen bestehen, die konkurrieren. Es dominiert meistens nicht in Richtung Bruch mit dem Bestehenden! Und falls es dazu tendieren würde, wäre es auch ein Bruch innerhalb der Antifa…

Denn: Antifaschismus als einziger Inhalt ist an und für sich nicht revolutionär, sondern eben nur antifaschistisch. Es ist das Ausblenden aller anderen Konflikte um den Faschismus zu verhindern, und der gemeinsame Boden, auf dem die antifaschistische Querfront steht, ist diese Gesellschaft. Die Antifa ist der Rettungsring (Daher auch das Antifa-Logo, das einen Rettungsring darstellen soll. Weimar vor dem Faschismus retten heisst aber Noske zu vergessen), der uns alle wieder ins Boot zurückholt. Einzig ein revolutionäres Projekt bietet überhaupt die Chance diesen Boden, auf dem eben auch der Faschismus wächst, endlich zu zerstören. Und vielleicht irgendwann mal nicht zwischen der einen und der anderen Scheisse wählen zu müssen, sondern die reale Möglichkeit der Freiheit zu haben.

(…)

Aber es ist klar, an diejenigen AntifaschistInnen, die Politiker sind, irgendwelche NGOs, Kleinbürger und Paraparteimitglieder wenden wir uns nicht. Wir wenden uns an diejenigen autonomen Antifas, die zwar irgendwie das System scheisse finden, aber halt trotzdem bloss eine radikale Linke sein wollen. Diejenigen die zwar eigentlich auch alle Staaten abschaffen wollen, aber doch nicht so richtig, denn wenn die Bullen die Nazis bekämpfen… Und die Gesellschaft… Diejenigen, die mit revolutionären Parolen um sich werfen um dann trotzdem den Sozialstaat irgendwie ganz gut zu finden.

Die heroische Geschichte des Antifaschismus

Und die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Antifas nichts als der verlängerte Arm des Staates sind, auch wenn sie das vielleicht nicht sein wollen, sie reproduzieren und erhalten den Status quo, wenn ihre Aktivität nicht über die der Antinazipolizei herausgeht. Einfach „die Gesellschaft“ – dieses Heiligtum – gegen die Nazis verteidigend, vergessend dass die Dichotomie links/rechts nur die wahren Konflikte verschleiert, dass die Gesellschaft heute einfach ein abstraktes Verwaltungsorgan ist, herumspukend in den Köpfen der Bürger, um die schlechten Teile (und seien sie auch die Nazis) zu neutralisieren.

Aber es ist klar: Es sind dieselben, die Dresden abgefeiert haben, da hier seit langem wiedereinmal die tolle Antifaeinheitsfront realisiert wurde. Danke Amerikkka, ihr habt uns vom Faschismus befreit. Durch einen Krieg, der für die Befehlshaber natürlich nicht in erster Linie ein riesen Geschäft ist, sondern aus reinsten humanitären Motiven. Unsere Befreier…

Doch: „weil der Mensch ein Mensch ist, kann er sich nur selbst befreien“ heisst doch, das uns keine Armee befreien kann, dass nur wir es sind, und nicht irgendwelche Führer, die uns von jeglicher Knechtschaft befreien können (und wollen)… aber, es schleicht sich im Liedtext auch wenige Zeilen später gleich ein Fehler ein, der auf den nicht genug hingewiesen werden kann: die Arbeitereinheitsfront. Dass der Faschismus so restlos gesiegt hat, liegt auch an der beinahe-Abwesenheit von Revolutionären [Anm. Superspreader 2021: Oder viel eher an deren Bolschewisierung? Egal, hier ist nicht der Ort für geschichtliche Genauigkeiten], und eine linke Einheitsfront verwirrt höchstens die Fronten, wie diejenige zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, Ausgebeuteten und Ausbeutern, zwischen denjenigen, die für die Zerstörung dieser Gesellschaft kämpfen und denen, die bloss zu ihrer Perfektion beitragen wollen. Wir können auch einen der wenigen aus dieser Zeit sprechen lassen, der das Ganze ein bisschen klarer sah und alles unternommen hat, um nicht bloss den Nationalsozialismus zu zerstören und danach damit auch nicht aufgehört hat:

Weil wir die bestehende Ordnung angreifen, nennt man uns Unruhestifter und gefährlich. Wohlan denn, wir sind gefährlich! Wir sind beides: asozial und zerstörerisch, da wir ein System beseitigen wollen, das auf soziale Ungerechtigkeit aufgebaut ist; Weil wir den Staat vernichten wollen, der die Inkarnation von Gewalt und Vernichtung ist. Wir sind unmoralisch, weil wir entschiedene Gegner der stagnierten Koden und Traditionen sind und die herrschende Moral des Staates bekämpfen, die die Reichtümer der Bevorrechtigten beschützt gegen die Besitzlosen; den Krieg mit all seinen Vergeltungen, Greuel, Massendemoralisation und Vernichtung heiligt im Interesse des Profits; und willkürlich das Denken der Massen mit allen Mitteln der Propaganda vergiftet. Wir stellen uns bewusst ausserhalb der Gesetze, weil wir die Gesetze, die sich auf dem Recht des Besitzes aufbauen verwerfen. Wir weigern uns, dem Zwange des Staates zu gehorchen, der die Menschen ihrer elementarsten Rechte der Selbstbestimmung beraubt und sie zwingt, den Gesetzen des eigenen Gewissens entgegenzuhandeln. Wir sind asozial, weil uns ein ununterdrückbares Gerechtigkeitsgefühl treibt. Wir sind zerstörerisch, weil wir von einem konstruktiven Instinkt geleitet werden. Solange wie die gegenwärtige soziale Ordnung die Wohlfahrt ihrer Institutionen höher stellt als die Wohlfahrt des Menschen; solange Staat und Kirche dem Menschen übergeordnet werden; Besitz mehr gilt als Menschlichkeit; orthodoxe Sittenregeln mehr als das Gewissen; werden wir nicht aufhören die Bollwerke der konstituierten Autoritäten zu bestürmen und unterhöhlen, werden wir nicht davon lassen, den faulen Frieden der Gewissenlosen zu stören, werden wir nicht unsere Bemühungen aufgeben, um die künstlichen Gitter niederzureissen, die die Gemeinschaft verhindern; werden wir nicht nachlassen, die Betrogenen zu Rebellion zu reizen!”

Wir brechen mit dem Partisanenmythos und mit der antifaschistischen Einheitsfront. Uns ist die Geschichte nur allzu bewusst und wir vergessen unsere Gefährten nicht, die nach dem zweiten Weltkrieg in Italien von der KP für Jahrzehnte weggesperrt wurden, während die Faschisten amnestiert wurden. Sie wurden weggesperrt, denn sie haben schon vor dem offiziellen Beginn des Widerstands gekämpft. Und sie haben gegen alle Autoritäten gekämpft – der KP natürlich ein Dorn im Auge. Wir vergessen nicht, wie die KPD versucht hat, den Widerstand zu kontrollieren und jegliche (von ihr) unabhängige Initiative zu unterdrücken oder zu vereinnahmen versucht hat – schon vor 1933 natürlich. Wir vergessen nicht Kronstadt, und dass dieses nur ein viel zu spätes Symbol war. Genauso wenig, wie wir vergessen, dass die KPD gemeinsam mit der NSDAP Wohnstreiks gemacht hat. Wieviele von der KPD direkt zur NSDAP übergelaufen sind. Vom RFB zur SA? Durchaus keine Ausnahmeerscheinung.

Wir vergessen aber auch nicht, wie zu viele Anarchisten plötzlich Kriegsbefürworter wurden. Wir vergessen auch nicht, dass die antifaschistische Einheitsfront in Spanien maßgeblich (für die Anarchisten – zumindest nannten sie sich so – ins Parlament gingen und alle Prinzipien sausen gelassen haben) für die Verhinderung der Revolution verantwortlich war. Anstatt die damalige Gesellschaft noch viel hartnäckiger zu bekämpfen, riefen CNT und FAI dazu auf, wieder arbeiten zu gehen und gemeinsam mit den Bürgern sich im Bürgerkrieg als Armee zu formieren.

(…)

Der Antifaschismus ist also legal? Illegal? Scheissegal?… Es ist uns nicht wert diesen Begriff, der noch nie inhaltsleerer war, als den unsrigen zu erkämpfen. Um den Antifaschismus drehen sich allerlei Mythen, und er dient heute vor allem dazu, einen gemeinsamen Nenner zwischen denen zu finden, die sonst keinen haben. Wir kämpfen gegen den Staat, gegen die Autorität in all ihren Ausformungen. Das macht uns viele Feinde. Diese Feinde kommen manchmal als Sozialarbeiter mit offenen Armen auf uns zu und manchmal treten sie uns als Faschist, die stolz darauf sind Autoritäre zu sein, mit aller Gewalt entgegen. Sie können Bürger sein, die die Autorität lieben, so wie auch immer sie gerade ist oder Leninisten, die hartnäckig versuchen, ihr autoritären Träume zu verwirklichen. Sie alle sind unsere Feinde. Sie auch so zu behandeln ist was wir lernen wollen…

Jajaja… diesen Track hatte ich schon beinahe vergessen, aber er enthält, trotz einiger Unausgegorenheiten doch einiges passendes. Es wird auch nicht der letzte Remix des Elends der Linken gewesen sein, trotz allem nicht… denn mir kommen schon neue Ideen, was es noch zu sagen gäbe. Aber Bill Gates wird sich wahrscheinlich nicht hier im Studio sehen lassen. Leider. Er hat nämlich so viel zu tun zur Zeit und ist auch ganz penibel was Hygiene anbelangt. So verraucht wie es hier in unserem Keller ist, Leute, die sogar husten ohne sich die Hand vor den Mund zu halten, skandalöse Zustände allgemein… und zu allem heran sind wir auch noch ungeimpft!

Aber nocheinmal ein paar Worte zum Track, der natürlich veraltet ist. Der historische Teil hapert natürlich massiv, ist unausgegoren belassen, aber die Tendenz scheint klar. Ebenso sollte festgestellt werden, dass durch den gegenwärtigen Umbruch der Boden, auf dem die antifaschistische Einheitsquerfront steht, heute die “Neue Normalität” ist, während sie alles bekämpft, was noch in der alten Normalität denkt und handelt (z.B. Querdenker, die vom Grundgesetz oder auch die Anhänger der noch Älteren Normalität, Reichsgesetz (z.B. weimarisch, wilhelminisch oder nationalsozialistisch sei dahingestellt) labern). Im Gespräch ist es mir auch immer noch vorgekommen, dass einige dieser Antifanten, die mit der Parole “Maske auf, Fresse zu!” (ansonsten waren sie weder als Antifa erkennbar noch sonstwas) gegen Querdenker oder sowas demonstriert haben, behaupteten, sie wären gegen alle Staaten. Das glauben sie. Andere glauben, sie wären “Söders Truppe”. Und es scheint mir, dass es möglich ist, zu glauben, gegen alle Staaten zu sein und trotzdem zum Stosstrupp eines Staates zu werden (oder zumindest einer “neuen Normalität”, was aber eben ein Staat im Sinne eines Zustandes ist). Das ist zumindest die Realität der heutigen Antifa, die längst nichtmehr nur Faschisten bekämpft. Sogar Kleber mit “Anti-egoistische Aktion” werden herumgeklebt, die schwarze und rote Fahne durch Klopapier ersetzt, von “no-borders.net” (Leider hab ich kein Foto gemacht, da ich nicht ständig so ne Wanze rumtrag, aber diesen anti-egoistischen Rettungsring der Gesellschaft, den gibts – und wird rumgeklebt, true story!). Wobei diese angeblich Grenzenlosen dabei enden, ganz banale Normen durchzusetzen. Deshalb muss der heutige Remix wohl vor allem als historisches Dokument gesehen werden, welches jenen, die es nicht kommen sehen haben, hilft, sich zu orientieren. Und mir persönlich hilft es, zu verstehen, dass man das logisch gesehen hat kommen sehen. Ein schwacher Trost.

Während sich die Rechten heute also (belustigenderweise könnte man sagen, wenn die Sache nicht so ernst wär) darüber beklagen, dass sie nun alle wie Flüchtlinge behandelt werden, während es ja sie waren, die dem Staat ermöglicht haben, für die heutige Lockdownrealität an Flüchtlingen zu trainieren… ist die Linke dazu übergegangen, zufrieden damit zu sein, wenn alle wie Flüchtlinge behandelt werden – dann wird ja immerhin niemand diskriminiert. “Toll, endlich haben alle keine Privilegien mehr!” Und so bekämpft die Linke jene, welche wieder das “Privileg” wollen, nicht komplett bevormundet, kontrolliert, schikaniert, etc. zu werden, anstatt sie dafür zu kritisieren, dass sie dasselbe als Privileg wollen, während sie Bevormundung, Kontrolle und Schikane ja bei anderen gar nicht so schlimm finden. Und folglich will die Linke die Rechte unterdrücken und die Rechte die Linke. Oder: beide wollen ihre Form der Unterdrückung. Wobei mit Zerocovid ja dazu übergegangen wurde, dass die totale Festung Europa von Linken fast stärker herbeigesehnt wird als von Rechten. Die soziale Revolution findet anderswo statt, und diese Bürgerkriegslogik wird niemanden befreien.

Eine grenzpfahllose Welt ohne Vaterländer, ohne Eigentum und Reiche, ohne Statistiker und Experten, Aparratschiks und Blockwarte, eine Welt ohne Polizei und ohne Kybernetik, ohne Bürokratie und Spekulation, ohne Bevormundung, Kontrolle und Schikane… solch eine Welt tragen wir im Herzen, wenn wir kämpfen, mit so einer Vorstellung stürzen wir uns in den sozialen Konflikt, und da sind Linke wie Rechte wie Mittige unsere Feinde, wobei aber das kleine Risiko interessant ist, dass wir uns trotzdem als Individuen treffen, die selbstbestimmt gegen ihre Unterdrückung aufbegehren und die Politik hinter sich lassen… war früher die Annahme, dass sich solche Leute vor allem unter Linken finden werden, so muss heute gesagt werden, dass diese menschlich mittlerweile oft genauso anwidernd und tief gesunken sind wie irgendwelche offenen Reaktionäre und Rassisten, mit denen es natürlich keinen gemeinsamen Boden geben kann.

Jaja… steile These, und geprüft wird sie natürlich in der Realität.

Hab mich natürlich dazu verstiegen, jetzt trotzdem zuviel Zeitgemässes zu den Linken zu sagen, obwohl der baiuwarische Verfassungsschutz ja eigentlich schon alles gesagt hat. Das wars für heute mit der Sendung auf Radio Virus, 1312 Megaher…

Chrrrz…

Chhh…

[Kloster Veßra, Thüringen] Flammen im Nazi-Kannibalen-Restaurant „Goldener Löwe“

Ein weiterer Angriff auf die Thüringer Neonaziszene und ihre Immobilien traf am 28. Mai die Gaststätte „Goldener Löwe“, die von Neonazi Tommy Frenck betrieben wurde. Auch wenn die Gaststätte nicht auf die Grundmauern ausgebrannt ist, ist doch ein beträchtlicher Schaden entstanden. So schnell werden die kannibalistisch veranlagten Gäste im „Goldenen Löwen“ also kein „Hitlerschnitzel“ mehr bestellen können, aber vielleicht fällt Frenck ja ein neuer Kassenschlager ein. Vielleicht tut es seinem Laden ja auch mal ganz gut, dieses Gammelfleischprodukt mit etwas Frischerem zu ersetzen. Wie wäre es beispielsweise mit „Rzehaczek-Haxn„? Zu etwas anderem sind die Beine seines Kameraden ja doch nichts mehr nütze. Und wenn ihm dann der Nachschub an Nazi-Frischfleischprodukten ausgehen sollte, findet sich sicherlich jemand, der für den nötigen Nachschub sorgt…

[Eilenburg, Sachsen] Falsche Polizisten zertrümmern Sprunggelenke von JN-Bundesvorsitzendem

Bereits Anfang März bekam der Neonazi Paul Rzehaczek in den frühen Morgenstunden Besuch von mehreren falschen Polizist*innen, die in seine Wohnung eindrangen, dort nach verwertbaren Materialien wie Datenträgern suchten und ihm schließlich ein bleibendes Andenken hinterließen: Mit einem Hammer zertrümmerten sie dem Bundesvorsitzenden der Jungen Nationalisten (Jugendorganisation der NPD) Medienberichten zufolge beide Sprunggelenke.

So hat sich das Strammstehen für Paul Rzehaczek wohl für eine Weile, wenn nicht dauerhaft, erledigt.

[Thüringen] Brandstiftungen gegen die Neonaziszene

Es dürfte eine ganze Reihe schwerer Schläge gegen die Thüringer Neonaziszene sein. Innerhalb weniger Tage brannten mindestens vier Immobilien ab, die sowohl von der lokalen Neonaziszene, sowie teilweise auch von der bundesweiten Neonaziszene genutzt wurden. Bei allen vier Bränden gehen die Ermittlungsbehörden mittlerweile von Brandstiftung aus.

  • In der Nacht auf Montag, den 12. April brennt in Schmölln das von Neonazis betriebene Sportstudio „Barbaria Schmölln“ ab, in dem bereits das Neonazi-Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ stattfand.
  • In der gleichen Nacht trifft es auch eine Konzerthalle des Neonazis Josef Höschler im benachbarten Ronneburg. Sie brennt beinahe vollständig nieder. In der Halle hatten in der Vergangenheit bereits Rechtsrockkonzerte stattgefunden.
  • In der Nacht auf Montag, den 19. April brennt das szeneintern auch „Obersalzberg“ genannte „Waldhaus“ bei Sonneberg vollständig nieder. Die anrückende Feuerwehr wird durch offenbar auf den Zufahrtsweg gezerrte Baumstämme an der Anfahrt gehindert und kann schließlich nur noch ein Übergreifen des Feuers auf den Wald verhindern.
  • Am Freitag, den 23. April brennt abends (noch bei Tageslicht) das Rittergut in Guthmannhausen, eine Immobilie, die seit dem Erwerb durch den von Ursula Haverbeck gegründeten Verein „Gedächtnisstätte“ vor rund 10 Jahren für Seminare und andere Veranstaltungen der Neonaziszene genutzt worden war. Der Brand sei laut Polizei im Dachstuhl des Gebäudes ausgebrochen und dort von Unbekannten vorsätzlich gelegt worden. Der gesamte Dachstuhl brannte aus.

In Reaktion auf diese vier Brände haben bekannte Neonazis wie Thorsten Heise (Dorfstraße 41, 37318 Fretterode) – unter anderem verwickelt in den NSU – ihre Kameraden dazu aufgrufen der „örtlichen Antifa“ einen Besuch abzustatten. Eine besondere Aufmerksamkeit, die man schon aus Gründen der Höflichkeit sicherlich nur erwidern kann …

[Virus Radio] Das Elend der Linken – Track 1

von DJ SUPERSPREADER

Mit einigen Remixen wird der eigentlich eher langweilige Track DAS ELEND DER LINKEN, ein Klassiker *gähn* 2020 extra neu für euch aufgelegt. Heute spielen wir den ersten Remix, gefeatured von der autonomen Antifa, mit ihrem neuen Antivirus-Programm (diesmal nicht für Windows), welche dem ganzen den moralistischen Touch gibt, der ja nötig ist, damit ihr auch wirklich ausgelassen dancen können. Heyyyy!

Aber zuerst habe ich für euch noch ein tolles Intro im Set, welches das ganze episch einleitet, während danach die Party erst so richtig los geht. Yeah!

„Hate the media“

(Verstoss gegen die Moderationskriterien-mix)

Da der Zündlumpen nach wie vor auf Indymedia toleriert wird, einer Seite welche sich ganz besonders darin hervortut, die Linksradikale als Bewegung zu erhalten, hier ein kleinen Introtrack also. Während Indymedia zwar als Plattform für etliche, beileibe nicht linke, anarchistische Publikationen hinhielt, tat es sich hervor, sämtliches, was zu einer eventuellen Aufklärung des Coronawitzes führen könnte, nach staatlichen oder noch strengeren Massstäben zu zensieren (und zwar Sachen die nicht sozialdemokratischer waren als viele andere Indymedia-Publikationen). Indymedia hat sich also trotzalledem darin hervorgetan, den offiziellen Kampf gegen „Fake News“ mitzuführen, damit es ja nicht zu schnell gehe, bis sich die Erkenntnis Bahn bricht, dass es sich bei Corona um eine nicht allzu spezielle Grippemutation handelt. Trotzdem hat man den Zündlumpen toleriert. Wieso? Haben wir nicht genügend gegen Bill Gates, WHO, Antonio-Amadeus Stiftung, Robert Koch, Drosten, die Prolockdown-Linken, die Maskenträger und andere Covidioten angeschrieben, um eine Zensur verdient zu haben? Haben wir zu lange gewartet, um deutlich zu werden? Wieso tragt ihr noch immer zu eurer eigenen Zersetzung bei?
Solche Fragen stelle ich mir manchmal. Und dann denke ich mir: naja, immerhin verbreiten sich so die Ideen. Und man hat die Gelegenheit noch etwas Skandal zu machen.
Bevor also Indymedia endlich down ist, hoffen wir noch, dass sie uns Plattform bieten um die radikale Linke etwas zu zersetzen. Danke.

Natürlich betrachte ich es auch skeptisch, dass ihr meinen Mix verbreitet, denn schliesslich tragen wir damit auch dummerweise zur Aufwertung eurer Sendung bei, welche sich so mit seiner Toleranz und Extravaganz schmücken kann, und behaupten kann, voll an der Zeit zu sein. Aber so what! Die Hörer werden schon verstehen, woher der Wind weht, und dass Indymedia teil des miefigen Kadavers ist. Und deshalb, Täterätätä:

Das Elend der Linken feat. Antifa

(stayathome-klaustrophobia-mix)

Die Rolle der Linken war jene einer mobili- und moralisierenden Kraft, welche nur schon durch die Andeutung einer Kritik der Aktion der herrschenden, geschweige denn einer möglichen Virusleugnung auf die Palme brachte. Sämtliches Repertoir, welches an anderen Gegenständen eingeübt wurde, wurde eingesetzt, um schlicht und ergreifend Konformismus zu vertreten.

Die Absurdität dieser Sache zu dokumentieren ist eine komische Aufgabe die ich mir setze. Sie fängt damit an, dass die Linken subtil die “Verleugnung” (dass nicht nur die Verleugnung ihnen “Verleugngung” heisst, ist offensichtlich) des Virus als eine Art No-Go-Zone eingerichtet haben. Was das Problem mit der “Coronaleugnung” sei nur schon zu fragen ist eine Art Blasphemie, und zwar eine ähnliche Blasphemie wie die Gottesleugnung. Da allerdings die antifaschistische Linke natürlich die Leugnung Gottes nicht als dieses Tabu meinen kann, ist es ganz klar, dass die Herkunft dieses Kampfes gegen das Leugnen sich um den Holocaust dreht. Nun sind es gerade die Linken, welche den “Hygienedemonstranten” immer wieder, teilweise berechtigterweise, teilweise unberechtigterweise, Faschismusrelativierungen vorgeworfen haben. Jeder Vergleich mit 1933 wird ihnen zur Relativierung der Shoah, so als hätte diese schon 1933 stattgefunden, während aber die eigene, wirklich komplett absurde und geschmacklose Holocaustverharmlosung gerade von den angeblichen Antifaschisten hunderte Male wiederholt wurde. Nämlich der Vergleich von Corona mit dem Holocaust, bzw. der Vergleich der Coronaleugnung als quasi ähnlich (ich wage nur zu sagen “ähnlich” schlimm, auch wenn “gleich” eigentlich die Vorstellung dieser Leute zu sein scheint, und der Vergleich allzu direkt ist) schlimm wie die Holocaustleugnung. Dieser perfide Trick ist scheinbar bisher niemandem aufgefallen. Er bleibt den fanatisierten Konformisten unbewusst, ebenso wie ihnen der strukturells Antisemitismus der ganzen Corona-Hysterie entgangen zu sein scheint (Angst vor einem unsichtbaren, unheilvollen Feind, den man z.B. für „die Krise“ verantwortlich macht; Massenmobilisierung dagegen, als Ablenkung vor wirklichen Problemen etc.).

Aber dieses Denken in “strukturell”, dieses “strukturell” jenes zeigt eben vielmehr gerade seine komplette Beschränktheit auf. Natürlich ist es wahr, dass einige der “Hygienedemonstranten” faschistisch sind, und dass diese Faschisten mit ihrer “Coronaleugnung” durchaus nur ihre eigentliche Bereitschaft zur sozialdarwinistischen “Vernichtung lebensunwerten Lebens” verhüllen. Aber aufgrund dessen dann die Fragestellung überhaupt zu Tabuisieren, ist absurd, zeigt nur den eigenen Willen zur Zensur, und das man den Faschisten scheinbar nichts Substanzielles entgegenzusetzen hat.

Und wie auch? Der Kampf gegen den Faschismus ohne den – glaubwürdigen – Kampf gegen die Faschisisierung der Gesellschaft ist eben Spiegelfechterei. Und wer verlangt, man solle die gegenwärtige Faschisierung einfach ignorieren, weil diese a) unter demokratischem Regime stattfinde, b) unter den Vorzeichen “Schutz der Risikogruppen” (also unter umgekehrten Vorzeichen als der historische Faschismus) stattfinde und c) die als faschistisch geltenden Kräfte (Populismus etc.) nicht die treibenden Akteure sind, der beweist eben nur seinen Demokratismus, Protektionismus und Progressivismus. Und natürlich ist es uninteressant, den gegenwärtigen lockdown einfach als faschistisch abzustempeln. Nicht weil das historische Realitäten relativieren, sondern vielmehr, weil die Gegenwart damit relativiert würde! Und weil diese wenig historische Vergleichbarkeiten kennt, ausser die Kontinuität des Notstandsregierens in all seinen Formen, welche heute ihre totale Eskalation erfährt.

“Der Kampf gegen den Faschismus beginnt mit dem Kampf gegen den Bolschewismus”, sagte in den 1920er-Jahren Otto Rühle, und man fragt sich, wo heute dieser Kampf beginnen müsste. Gegen die Totalität der Herrschaft und des Kapitals zu kämpfen, ist zumindest unsere Absicht. Aber diese will und wollte die Linke ja niemals sehen, sondern vielmehr interessierte sie immer nur eine andere Verwaltung dieser Realität. Für den Staat ist die Verwaltung der Gesellschaft durch die Kanalisierung in links und rechts allerdings eine genehme Sache, und dass die Linke, und zwar bis in die radikaleren Gefilde, heute ihr widerliches, spiessig-moralistisches Gesicht derart offen gezeigt hat, gezeigt hat, dass es ihre Ideologie ist, welche mit dieser Aktion umgesetzt wurde, sei nur festgestellt.

„Ich hoffe aber, dass uns diese Krise näher zusammenbringt.“ (Bill Gates, Tagesschau)

Dass es der linke, kosmopolitische und liberale Arm des Kapitals ist, auf dessen Mist ideologisch und praktisch die gegenwärtige Bewegung (des lockdowns, stayathome, etc) gewachsen ist, sieht jeder, dazu muss man noch nicht einmal allzu genau hinschauen. Dass dabei sämtliche Grenzen geschlossen, sämtliche Menschen isoliert, sämtliche „Freiheiten“ aufgehoben wurden, und was weiss ich noch alles… dass das alles von einer Bewegung die „No Borders“, „Solidarität“ und „Freiheit“ auf ihre Fahnen schreibt eigentlich unterstützt wurde, ist halt so (und zwar auch dadurch, dass nicht davon gesprochen wurde, dadurch, dass man sich beeilte, sofort in der „neuen Normalität“ zu denken, etc.). Auch die radikale Linke hat sich als linker Flügel des Bestehenden entpuppt, wie schon etliche Male zuvor. Aber als linker, ultraautoritärer Flügel. Dass dabei gerade viele theoretische Versatzstücke von der Macht eingesetzt wurden, um ihre Aktion auszuführen und zu decken, sei nur so behauptet. Nur schon die AHA-Regeln könnten auch eine Erfindung eines Awarenessteams sein, welche ja die Normierung des Kontakts zwischen Menschen immer wieder zu absurden Formen treiben wollen.

Ergo die verständliche Präsenz von Faschisten, extremen Rechten, Völkischen und Reichsbürgern an diesen Demos. Diese sind ja ohnehin gegen die Herrschaft des Politisch Korrekten, gegen die Herrschaft der Linken, und soweit haben sie ja auch recht. Es ist dabei durchaus anzunehmen, dass bei diesem Kampf gegen lockdown nicht nur Demagogie dabei ist, sondern ebenso eine ehrliche Opposition gegen linken Totalitarismus, oder wie auch immer man das nennen will. Dass sich die Faschisten dabei den Platz, teils sogar Respekt bei diesen demokratischen Demonstrationen errungen haben, ist keine Wunder. Schliesslich wirken die Faschisten auch halb so gefährlich, angesichts dessen, dass nicht sie die Grenzen geschlossen, die Gesellschaft lagerisiert, jedes Fest verboten, etc. haben. Und dass das schon so ist. Und wenn dann Leute gegen einen demonstrieren, welche einem vorwerfen, mit Faschisten zu demonstrieren und gleichzeitig vorschreiben wollen, man solle doch Maske tragen, zuhause bleiben, sich an die Vorschriften handeln, wieso sollte man dann das irgendwie ernst nehmen?

Soviel Verständnis also für diese Demonstrationen, welche ich aber persönlich nicht besuche. Wieso nicht? Weil mich Demonstrationen ohnehin anwiedern, und weil ich das Grundgesetz noch nichteinmal als Klopapier verwenden würde. Vielmehr denke ich, dass die Subversion anderswo stattfindet als auf legalen Demonstrationen, eingehegt und kontrolliert und politisiert. Momente wie in Stuttgart brodeln überall, dort suche man den Aufstand, oder noch besser: bei sich selbst, und nicht bei jenen, welche sich die alte Normalität, das geringere Übel, sei es Demokratie oder Kaiserreich, zurückwünschen…

Dass diese demokratischen Demonstrationen nun das einzige sind, über was alle Reden, ist allerdings eben ein gutes Ablenkungsmanöver davon, dass man auch selbst etwas tun könnte – gegen die eigene Unterdrückung zu rebellieren, und zwar auf undemokratische Art. Und das Augenmerk, welches die Antifas darauf legen, ist nur ihre Art, die Option der Revolte zu verdecken – vergessen zu machen, dass es noch anderes gibt als die falsche Opposition und die Verteidigung des Bestehenden. Dass der lockdown mehr fragen aufwirft, als ob nun die neue oder alte oder ganz alte Normalität die bessere sei…

„Aber laßt uns dies klarstellen: wenn wir gezwungen sind, zwischen „dem Viralen“ und der Zivilisation der Sicherheit zu wählen, werden wir das Virale wählen. Wenn wir grob werden müssen, werden wir uns für „Grenzverletzungen“ aussprechen müssen.“ (Hakim Bey, 1996)

Bezeichnenderweise waren es vor allem jene Städte und Orte, in denen ein Teil der anarchistischen Bewegung bereits vor Jahren einen Bruch mit der Linken durchgeführt hat und sich auf eigene Beine gestellt hat, wo auch die Aktionsfähigkeit bewahrt wurde, und durch den lockdown nicht eine totale Paralyse stattgefunden hat. Während die Linken stayathome teils in den eigenen WG‘s durchsetzten, gab es eben andere, welche nicht auf den politisch korrekten Grund warteten, um rauszugehen. Die verantwortungslos genug waren, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, die sich nicht Mobilmachen liessen, vom Apell zur Abwesenheit.

Die Linksradikalen, Autonomen und auch Anarchisten, welche zu Hause blieben, oder das zumindest von anderen forderten (denn natürlich predigt man das Wasser oft nur…), beweisen die Impotenz ihrer Analysen, dieser Gesellschaft irgendetwas substanzielles entgegenzusetzen. Und wenn sie die Analysen sogar hätten, so fehlt ihnen vielleicht selbst einfach die Substanz, nach jahrelanger (Re-)Sozialisierung in einem Milieu, welches die Revolte letztlich neutralisieren muss.

Und doch waren es gerade die „eigenen Räume“, die sie aufgegeben haben. Kulturzentren, Squats, subkulturelle Treffpunkte – alles im lockdown. Die immer unhygienischen, versifften Orte, welche wohl für Risikogruppen nie sehr heimelig waren – auf staatliche Anordnung geschlossen, wenn nicht sogar schon davor.

„Die Hygiene, die sich als Ordnung der bürgerlichen Familie entwickelte, diente der Normalisierung der (sub-)proletarischen Schichten, da sie in ihren Formen zu leben und zu wohnen am weitesten von Normen der bürgerlichen Gesellschaft entfernt waren. Die Hygiene dringt in die Ordnung der Familie ein. Die verschiedenen Formen der familiären Organisation der unteren Schichten sollten normiert werden. Die Kolonialisierung der Familie findet über die Ausbreitung von Normen öffentlicher und privater Hygiene statt…“ bemerkte der allzu postmoderne Jürgen Mümken.

Ebenso kann, wie es dieser auch ausführt, immer wieder festgemacht werden, wie geschichtliche Hygienewellen zu einer massiven Verfestigung der Macht beigetragen haben, wie gerade die Herrschaft ihre Entwicklungsschübe aus solchen „lockdown“-Situationen, Situationen der Durchsetzung neuer „Hygienestandards“, entwickelt hat. Aber das wollte man nicht wissen. Und auch wenn gewisse postmoderne Philosophen sich ausführlichst mit diesen Themen beschäftigt haben: scheinbar hat es nicht dazu geführt, die Mentalität zu entwickeln, welche nötig ist, solche Situationen zu vereiteln. Allerdings nicht – das war ja auch gar nicht die Absicht.
Die Geschichte solcher lockdowns zu schreiben, und auch deren Benutzung zu Zwecken der Aufstandsbekämpfung, wäre bestimmt nicht ganz zwecklos. Ein Fragment des frühen Kommunisten Wilhelm Weitling (bevor es Marxismus überhaupt gab, jaja), geschrieben im Jahre 1838, weist zumindest darauf hin, dass auch diese spezifische Taktik bereits Geschichte hat. Oder war er nur ein phöser Choleraleugner?

„Wenn ein kleines Kind einen Gegenstand verlangt, den man ihm nicht geben will, so macht man es auf irgend einen anderen Gegenstand aufmerksam, um es von seiner Forderung abzulenken. Ebenso machen es unsere Bedrücker mit dem Volke in den Tagen der Krisis. Nach den dreissiger Jahren bediente man sich dazu der Kriegsgerüchte und der Furcht vor der Cholera. Diese letztere wurde besonders unter der Leitung der Regierungen ein kräftiges Mittel, alle revolutionären Tendenzen einzuschüchtern.
Erinnert ihr euch noch alle der Quarantäne-Anstalten vor beinahe jeder grossen Stadt, der Absperrungen von Dörfern, Städten, Provinzen und Ländern, des Verbots des Reisens, der Räucherungen des Geldes und der Briefe usw. Was mich anbetrifft, so kann ich diese Krankheit nicht leugnen, muss aber gestehen, dass ich damals nie an ihre wirkliche, fürchterliche Existenz geglaubt habe. Ich dachte mir eben, das ist eine Epidemie wie jede andere, die man aber absichtlich so grell herausmalt, um sie dadurch zum Schreckbild gegen die revolutionären Bewegungen zu gebrauchen.

O, sie sind klug wie die Schlangen und wir sind einfältig wie die Tauben; man hätte damals mit unsern Schädeln Mauern einrennen können, so hätten wir doch nichts gemerkt.“

„In unserer Furcht vor allen Grenzverletzungen entdecken wir, daß wir selbst neu klassifiziert und als Virus eingestuft worden sind. Diesmal sieht der Mißbraucher/Terrorist nicht nur aus wie Du und ich – er ist Du und ich. Die „Obdachlosen sind kriminell“; jene, die nicht „entrückt“ werden, haben klarerweise „gesündigt“.“ (Hakim Bey, 1996)

Wie auch immer. Die Einfältigkeit allzu vieler Anarchisten und anderer ehrlicher Revolutionäre ist eklatant. In der Naivität wird jede bewusste Kalkulation der Herrschenden abgeleugnet, da man sich nicht eingestehen kann, dass man ihnen sowas eben doch nicht zugetraut hätte. Die klassischen „Verschwörungstheoretiker“, die man glaubte und glaubt, durch Ignoranz bekämpfen zu können, haben es zwar schon lange gesagt, aber richtig glauben können sie es trotzdem nicht: „die“ wollen uns alle einsperren… „jaja, bestimmt“ *augenzwinker*… aber natürlich waren „die“ letztlich andere, und die Paranoia des Verschwörungstheoretikers ist immer noch ein Klammern daran, verstehen zu wollen, wie er das ganze demokratisch kontrollieren könnte, ohne Eigentum und Staat anzutasten, also ohne die Grundlagen, welche Machteliten produzieren, anzugreifen. Denn dies würde auch seine mittelständische Position in Frage stellen, „gute Macht und böse“, christlicher Dualismus in massenverblödeter Form. Aber die Reaktion vieler, allzu vieler, auch Anarchisten, ist jene, einfach so zu tun, als wäre so ein Lockdown halt Business as usual. Als hätte sich nichts geändert. Halt einfach eine Entwicklung des Systems – als hätte man das ohnehin erwartet. Dass man anfang 2020 ohne vorhergehenden Aufstand, ohne massive gesellschaftliche Konflikte, Militärputsch, u.Ä., plötzlich nicht mehr auf die Strasse darf – „ohne triftigen Grund“, keine Versammlungen mehr stattfinden, keine Feste, kein gar nichts. Das will man vergessen. Und allzuoft ebenso, was für ein Teil konformistischer Dynamik man selber war, wie man selber eben konformistisch reagiert hat. Aber das zu vergessen, spielt nur der Herrschaft in die Hände. Vielmehr sollten wir uns doch selber fragen: „wieso habe ich so reagiert?“ Paralysiert, mediengläubisch… wieso mich daran gehalten… wenn es denn so war.

Während ich mir z.B. persönlich immer gedacht habe, man hätte noch ein paar Jahre Zeit, bis man im totalitären Dystopia aufwacht, und man befinde sich dann im Untergrund – bestimmt bewaffnet… was weiss ich… wenn ich mir also ein solches Szenario ausgemalt habe, in irgendwelchen Tagträumen, so immer auch, dass sich dadurch etwas massiv ändern würde. „Bis hierher und nicht weiter!“ Irgendwann ist das Fass voll… Und wie wenig habe ich so reagiert? Und wie wenige um mich rum haben so reagiert? Und natürlich haben wir reagiert. Nicht nur reagiert, wir waren sogar ziemlich agil. Und wer sonst konnte das von sich sagen? Aber trotzdem…

Die Antwort auf die Situation war unangemessen – weil sie uns auf kaltem Fuss erwischt hat. Weil die Szenarien, welche wir erwarten andere waren. Weil wir eigenen Analysen zu wenig getraut haben. Und weil der Angriff schlicht und einfach unerwartet kam.

Und nun versuchen alle diesen unangenehmen Moment zu vergessen – damit es das nächste Mal wieder so ist? Oder sind wir am Brodeln. Am Nachdenken, um das nächste Mal solch einen kritischen Moment der Macht ausnutzen zu können. Und: was heisst das nächste Mal? Ist es denn überhaupt fertig?

Haben wir uns schon „an die neue Normalität“ gewöhnt? Unsre neuen Nischen gefunden, oder alte wieder eröffnet? Sind wir wirklich fähig, so zu leben?

Es wäre beschämend…


Puh, das war mal ein Bombentrack! Auch wenn der Schluss etwas seicht war, meiner Meinung nach. Aber zumindest hatte er zwischendrin einen richtig hämmernden Effekt, gings euch nicht auch so?….

….uuuuund in den nächsten Sendungen erwarten euch noch mehr Remixe, einige davon bombastisch, einige wieder featuring Antifa, und bei einem Remix haben wir sogar ein featuring mit einen Promi auftreiben können: Billy Gates!!! Wer weiss ob uns Indymedia dann noch mag? Wer weiss ob die Linke das überleben wird? Billy Gates wird mit uns einen exklusiven, martialischen, Pandemdiestufe 666 mix machen, soviel sei schon einmal angedeutet! Aber genug für heute, Kinder. Es war eine nice Show und wir hören uns in bald wieder, haltet die Ohren steif!

Chrrrrz… pfffff… tssssssssssss.. chhchchch

Lang lebe die Revolte!

1. Juni 2020

Nach einer weiteren Nacht der Revolte in den Straßen der Vereinigten Staaten aufgrund der Ermordung von George Floyd kündigt Präsident Trump aus seinem Bunker im Weißen Haus heraus an, dass er „die Antifa“ als terroristische Organisation deklarieren werde. Diese Schuldzuweisung versucht, eine spontane und vielschichtige Bewegung (ohne Großbuchstaben (A.d.Ü., sprich keine politische Bewegung)) in einer Organisation zu verorten und ihr nicht nur eine Ideologie, sondern auch eine hierarchische Funktionsweise, die in die staatliche Logik hineinpasst, zuzuordnen.

Wieder einmal wird Terrorismus als Alibi für die Kriminalisierung breiter Sektionen im Kampf benutzt, der wiederum über „Antifaschismus“ völlig hinausgeht. Aber über das Anprangern dieses Vorgehens und den Kampf gegen den repressiven Vormarsch, den dieses bedeutet, hinaus, ist es notwendig, die Polarisierung zurückzuweisen, von der versucht wird sie im Herzen des Kampfes zu etablieren.

Die von Covid-19 auferlegte falsche Wahl zwischen Wirtschaft und Leben führte zum Wiederaufleben der klassischen bürgerlichen Polarisierung zwischen Wirtschaftsliberalismus und Staatsinterventionismus. Letztere wiederum ist je nach Region unterschiedlich kodifiziert worden. Im Allgemeinen als Fortschrittlichkeit versus die Rechte, und es geht sogar so weit, von Faschismus zu sprechen, wie in Brasilien und den Vereinigten Staaten. Wir sehen keinen Zufall darin, an den Antifaschismus zu appellieren, um eine Revolte zu kanalisieren, die sie nicht kontrollieren können.

Der in den Vereinigten Staaten und Europa verbreitete Straßenantifaschismus (die Antifa) vom Schlägertyp, der den Neonazi-Banden gegenübersteht, ist zwar nicht der staatsfixierte und militärische Antifaschismus (der „Guten“) der 1930er Jahre, aber er ist ihr Erbe. Die siegreichen Verteidiger des offiziellen Antifaschismus ermordeten im Zweiten Weltkrieg massenhaft Arbeiter*innen und vergewaltigten massenhaft Frauen. Und sie gehörten direkt zu den siegreichen Regierungen, die im Namen des Kampfes gegen den Faschismus so viele Länder einem demokratischen kapitalistischen Regime unterworfen haben, in dem man nicht mehr protestieren muss, weil wir angeblich frei sind und schlechter dran wären, wenn die anderen gewonnen hätten.

Faschismus und Demokratie waren schon immer komplementäre politische Systeme, die den Interessen der Reichen dienten. Wenn die Demokratie nicht in der Lage ist, die Kämpfe der Ausgebeuteten und Unterdrückten einzudämmen oder diese einfach nur in Schach zu halten, greift das Kapital auf brutalere Formen zurück [1]. Heute sind diese Methoden, die angeblich den Faschisten vorbehalten sein sollen, Teil jeder Regierung, die sich für frei und antifaschistisch erklärt, die wiederum offen totalitär sind: Morde wie der an George Floyd oder die Millionen von Toten durch die Polizei in jedem Land, Sklavenarbeit als notwendige Ergänzung des Arbeitsmarktes und Disziplin in Schulen, Gefängnissen und Irrenhäusern. Doch kein Präsident bezeichnet sich selbst als Faschist, ganz im Gegenteil!

Jetzt, da die Demokratie zu einer totalitären Kontrolle des Soziallebens geworden ist, hat der Faschismus als Herrschaftssystem seine Bedeutung verloren. Offensichtlich gibt es immer noch Nazis und Faschisten, aber sie sind nicht diejenigen, die die Fäden in der Hand halten, sie sind ein Problem der Straße und müssen jeden Tag auf der Straße bekämpft werden. Doch Antifaschismus als politische Option ist eine Farce. Heute wie gestern dient sie nur dazu, die Unterdrückten und die Unterdrücker, die Ausbeuter und die Ausgebeuteten, die Herrscher und die Beherrschten zu vereinen. Im Namen des Antifaschismus sind wir aufgerufen, uns den Völkermördern von heute anzuschließen: den fortschrittlichen oder linken Machthabern eines jeden Landes, die ebenfalls Blut an ihren Händen haben. Oder den Erben des Stalinismus und des völkermörderischen Maoismus.

Das Problem ist nicht die Rechte oder die Linke. Es ist Kapitalismus, es ist Demokratie. Man muss sich nicht der antifaschistischen Front anschließen, um die Faschisten zu bekämpfen. Was uns eint, ist das gemeinsame Handeln überall gegen das, was uns ausbeutet und unterdrückt, gegen die Wurzel des Problems: Privateigentum, Geld und den Staat.

In den Straßen der USA mischen sich schwarze Proletarier mit Weißen und Latinos. In weniger als einer Woche haben sie den bedrückenden alltägliche Normalität in Frage gestellt. Dies einer einzigen Bewegung zuschreiben zu wollen, wie Trump und sein Gefolge es tun, oder wie seine Opposition durch diese Erklärungen einen Punkt machen zu wollen, drückt aus, wie gleich diese beiden gegnerischen Fraktionen in ihrer politischen Mentalität sind, die sich nur darin uneinig sind, wie sie diese kaufmännische Welt verwalten wollen.

Weder Trump noch die Henker von irgendwo anders auf der Welt sollten die Ziele und die Entwicklungen unserer Kämpfe bestimmen!

Der Staat ist der wahre Terrorist!

Gefunden auf Panfletos Subversivos, von panopticon übersetzt, hier in einer überarbeiteten Fassung

Anmerkung der (zweiten) Übersetzung

[1] Ich stimme dieser Analyse nicht zu. Der deutsche Faschismus (über die Ausprägungen des Faschismus in anderen Ländern weiß ich zu wenig, deshalb spreche ich hier nur vom Nationalsozialismus) basierte auf einer Ideologie, die sich unter anderem auf sehr selektive Art und Weise den „Kampf gegen das Kapital“ – nur einer bestimmten Form des Kapitals natürlich, nämlich des „jüdischen Kapitals“ – auf die Fahnen geschrieben hatte. So wurden jüdische Unternehmen und Unternehmer*innen enteignet und angeblich „arischen“ Strukturen und Personen zugeführt. Faschismus als eine radikale Ausprägung des Kapitalismus zu betrachten anstatt zuerst seine herrschaftliche Ideologie zu untersuchen und dann den Einfluss des Kapitalismus darin zu untersuchen, scheint mir als würde man versuchen das Pferd von hinten aufzuzäumen und scheint mir der marxistischen Ideologie zu entspringen, die weder eine radikale Staats- noch Herrschaftskritik zu üben vermag, sondern ausschließlich im Kapitalismus den Grund allen Übels zu entdecken meint.

Gegen Recht(s) und Gesetz!!!

In Sauerlach bei München gibt es seit nun beinahe zwei Jahren eine Nazi-WG. In der Schützenstraße 34a wohnen und leben mehrere engagierte Faschist*innen unter einem Dach zusammen. Kürzlich konnte mensch bei Indymedia lesen, dass das einigen Menschen, offenbar ein Dorn im Auge war und sie deshalb in der Nachbarschaft dieser autoritären Geister mit Plakaten und Flyern auf diesen rechten Rückzugsort aufmerksam machten und darauf zu „Konsequenzen“ aufforderten.

In dem bei Indymedia dokumentierten Text des Flyers werden vor allem zwei Personen dieser Nazi-WG namentlich genannt und eine Kritik an dieser folglich auch anhand dieser beiden Personalien entwickelt: Christoph Zloch alias „Chris Ares“ und Richard Günther „Rick“ Wegner. Über beide Personen gibt es viel zu sagen: Beide sind Teil rassistischer, nationalistischer und zum Teil auch offen faschistischer Gruppierungen gewesen oder sind es bis heute, die vor allem durch bürger*innenwehrartiges Auftreten aufgefallen sind. Beide waren in der Vergangenheit auch an körperlichen Auseinandersetzungen mit Antifaschist*innen beteiligt – wobei es auch da immer zwei Seiten gibt und ich befürworte es durchaus, Nazis zu verkloppen, dann muss ich ihnen zumindest zugestehen, dass sie das umgekehrt auch für richtig halten – und beide vertraten in der Öffentlichkeit ihre faschistischen Ideologien.

Der verteilte Flyer erzählt von den meisten dieser Begebenheiten. Daneben sind jedoch auch ganz andere Passagen zu lesen. Chris Ares, so liest mensch in dem Flyer, sei „wegen Fahrerflucht, Diebstahl , Verleumdung, übler Nachrede sowie wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz rechtskräftig verurteilt“ und werde „sogar vom sonst auf dem rechten Auge blinden Bayrischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet und seit 2018 im bayrischen Verfassungsschutzbericht namentlich erwähnt.“ In ähnlicher Manier wird auch von Rick Wegner berichtet, dass er „verurteilter Mörder“ sei und „15 Jahre im Gefängnis wegen zwei bewaffneten Raubüberfällen und eines vorsätzlichen Mordes“ verbracht habe. What the Fuck?!

Ich frage mich wirklich, was die Menschen, die diesen Flyer verfasst haben, sich dabei gedacht haben! Die Verfasser*innen haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, die konkreten Hintergründe für die den Verurteilungen dieser Nazis zugrundeliegenden Taten darzulegen, geschweige denn warum sie diese Verurteilungen für irgendwie relevant hinsichtlich ihres Anliegens halten. Dem Repressionsapparat des Staates wird auf diese Art und Weise uneingeschränkte Autorität – nicht dass ich eine eingeschränkte Autorität irgendwie besser fände – eingeräumt. Die Tatsache, dass ein Mensch von einem Gericht des Staates verurteilt wurde, scheint für die Verfasser*innen in diesem Fall also völlig undifferenziert dazu geeignet zu sein, zu beweisen, dass dieser Mensch ein „schlechter Mensch“ ist, den es anzugreifen gilt. Es wird sich hier also nicht nur einverstanden mit staatlicher Repression erklärt – weil sie offenbar im Sinne der Verfasser*innen dieses Flyers wirkt –, sondern diese wird sogar zu einem Hauptargument gegen eine Person. Wozu sich die Mühe machen, detailliert darzulegen, warum mensch die Positionen von Chris Ares scheiße findet, ist doch viel einfacher die Autorität des Verfassungsschutzes zu nutzen – und sich damit auch dessen Perspektive, der solche „Outings“ übrigens als „Linksextremismus“ ebenfalls verurteilt, einzuverleiben.

Vielleicht ist genau das die Perspektive dieser Menschen, nämlich mit und durch den Staat die autoritären Ideologien von Faschist*innen anzugreifen, vielleicht ist es für sie auch nur gerade oportun, sich diese Perspektive einzuverleiben, weil sie sich damit größere Erfolgschancen dabei einräumen, die Nazis in der Öffentlichkeit zu delegitimieren. Für mich ist das einerlei! Für mich gilt: Diese Handlung, diese (uneingeschränkt) positive Bezugnahme auf den Staat ist für mich das Gegenteil einer antifaschistischen Perspektive! Nicht dass ich hier in den „ANTIFA = Faschist*innen“ Chor der politischen Rechten einstimmen möchte. Für mich ist ein solches Vorgehen schlicht autoritär. Statt sich eigene Wege einer Kritik und Konfrontation faschistischer Ideologien und Akteur*innen zu überlegen, wird hier argumentativ auf den Staat zurückgegriffen. Auf jene Machtinstrumente (Justiz, Verfassungsschutz), die von den Herrschenden eingesetzt werden, um ihre Herrschaft zu erhalten. Das sind übrigens weitestgehend die selben Instrumente, die auch faschistische Staaten einsetz(t)en, um ihre Ziele zu erreichen.

Für mich kann kein Staat dieser Welt ein Verbündeter im Kampf gegen Faschist*innen sein. Ein autoritäres Prinzip gegen ein anderes austauschen? Das klingt für mich nach einer Rechtfertigung für eigene autoritäre Sehnsüchte!

Auf dass wir alle Staaten einreißen!

 

Dreizehn Minuten

Am 30. Januar 1933 kommt Adolf Hitler in Deutschland an die Macht. Er macht dies nicht mittels eines brutalen Staatsstreiches, bei dem er seine bewaffneten Milizen den vermeintlichen Rechtsstaat wegfegen lässt: Er wird direkt vom Präsident Hindenburg zum Kanzler ernannt. Drei Monate zuvor war der Führer des Nationalsozialismus abgeschrieben worden, nachdem seine Partei bei den Wahlen am 6.November zwei Millionen Stimmen verloren, während die Kommunistische Partei (KPD) 700.000 gewonnen hatte.

Am auf das Wahlergebnis folgenden Morgen annoncierte die Rote Fahne [das zentrale Organ der KPD] euphorisch, dass „ überall Mitglieder der Sturmabteilung (SA) aus den Reihen des Hitlerismus desertieren und sich der kommunistischen Fahne anschließen.“ Die selbe Fahne, die noch am 25 Januar 1933 während der großen Antifaschistischen Demonstration in Berlin stolz im Wind wehte, bei der 125.000 Arbeiter aufmarschierten- „eine wundervolle Jugend“,“eine Beteiligung, ein Enthusiasmus, eine Entschlossenheit, die wir noch nie gesehen hatten.““Versuchen wir die Anzahl an Kämpfern zu bewerten, die der Kolonne nützlich sein können. Fünfundneunzig Prozent, in Anbetracht ihres Alters, ihres Verhaltens beeindrucken uns als Aktivisten, die bereit sind für den bewaffneten Kampf“ wird ein Zeuge sagen, der fünf Tage später sehen wird, „wie sich die großartige Kommunistische Partei Deutschlands wie ein Stück Zucker im Wasser auflösen wird. Die erste Partei Berlins, die stärkste Sektion der kommunistischen Internationalen.“

Hitler war an der Macht und das Rote der Fahne der Arbeiter nahm die Farbe der Schmach, der Schande, der Demütigung an. Es gab keine Massenproteste, es gab keine Generalstreiks, es gab keine Zusammenstöße auf der Straße. Es gab keinen Bürgerkrieg, es gab keine Revolution. Es ist nichts Nennenswertes passiert, außer einer Reihe von Subversiven, die unter den Schlägen der braunen Pest gefallen sind. Entmutigung, Verzweiflung, Enttäuschung, Machtlosigkeit, Kappitulation, Niederlage, das ist es ,was in diesem Februar 1933 die revolutionäre Beweging durchdrang, die vom stupidesten Gehorsam und dem blinden Vertrauen in die Partei dominiert wurde. Wohin waren die abertausenden „Kameraden“ verschwunden, die Teil der verschiedenen Selbstverteidigungsmilizen waren, die allen Parteien, die sozialdemokratische mit eingeschlossen, zur Verfügung standen. Wo waren diese fünfundneunzig Prozent Aktivisten, die für den bewaffneten Kampf bereit waren?

Verschwunden, aufgelöst während einer kalten Nacht Ende Januars. An diesen furchtbaren Tagen ist es nicht das Kommunistische Manifest, ist es nicht das anarchistische Ideal, ist es nicht die Metaphysische Wahrheit die von einem dreiundzwanzigjährigen, holländischen, halbblinden Räteanhänger, Marinus Van der Lubbe, allein gegen alle verteidigt werden, sondern menschliche Gefühle wie die Würde und der Stolz. In der Nacht vom 27. zum 28. Februar schleuste er sich in den Reichstag ein und steckte ihn in einem letzten Versuch, das deutsche Proletariat zur Revolte aufzurufen, an. Ein großzügiger und vergeblicher Versuch, der nicht nur durch die Folter und Enthauptung durch seine Feinde bestraft wurde, sondern auch mit dem Unverständnis, der Verleumdung und dem Vegessen seiner eigenen Freunde belohnt wurde.

Nein! Im Land des Spartakusaufstandes von 1919, im Land, das die Wiege der Arbeiterbewegung war, protestieren und warten die Massen im Angesicht des Nazi-Schreckens, sie wählen und warten, sie demonstrieren und warten, sie schimpfen und warten, sie ertragen und warten, warten, warten… warten darauf die Meinung ihrer Anführer zu hören, dieser Funktionäre der dialektischen Wissenschaft, die am Abend des 30.Januar – als der österreichische Schmierfink gerade frisch ernannt worden war – davon überzeugt waren, dass dieser Hitler sich bald aufbrauchen würde, dass Hitler mit dem Krieg den Weg zur Revolution öffnen würde, dass Hitler es niemals wagen würde, sie zu Gesetzlosen zu erklären, dass Hitler niemals von den internatioalen Regierungen anerkannt werden würde, dass Hitler ein dunkler, brutaler Übergang sei, den die Massen durchlaufen müssten, bevor sie dann zur so sehr angestrebten roten Regierung gelangen würden.
Die Massen warteten und hofften während die Parteichefs hinhielten und verrieten. Aber nicht das Individuum. Letzteres hat nichts zu erwarten oder zu erhoffen, es hat nur sein Gewissen, vor dem es sich zu verantworten hat und seinen Willen, den es in die Tat umzusetzen gilt. Und manchmal reicht dies, um Geschichte zu machen. Oder sie um nur dreizehn Minuten, um nur 780 Sekunden zu verfehlen.

Der Handwerker

Er hieß Georg Elser und wurde am 4. Januar 1903 in Hermaringen, einer kleinen Ortschaft im Südwesten Deutschlands geboren, bevor seine Familie dann nach Königsbronn (ebenfalls in Baden-Würtemberg) zog. Als Ältestes von vier Kindern arbeitete er schon sehr jung auf dem Bauernhof der Familie. Mit sechzehn begann er eine Ausbildug in einer Schreinerei, eine Arbeit, die er liebte und in der er ein wahrhafter Meister wurde. Dabei begriff er den qualitativen Unterschied zwischen der Arbeit eines Arbeiters, die mechanisch und sich wiederholend war und bei dem sich der Arbeiter am Fließband auslaugte und dem Beruf des Schreiners, der Gegenstände mit seinen eigenen Händen erschafft. Er arbeitete nicht nur für Geld, sondern auch um wahrhaften Kunstwerken Form zu geben. Im Lauf der Jahre voller Armut und Arbeitslosigkeit war Elser gezwungen, in der Gegend umherzuwandern und oftmals die Arbeit zu wechseln. Die Wirtschaftskrise verschonte niemanden, nicht einmal die Möbelfabrikanten, es wurde immer schwieriger. Er arbeitete auch in irgendeinder Uhrenfabrik, wobei er sich für die Mechanik der Uhren begeisterte. Schließlich kehrte er auf das dringliche Bitten seiner Familie nach Hause zurück, die kurz davor stand ihren Bauernhof zu verlieren.

Als Hitler Anfang 1933 die Macht ergriff befand Elser sich eben in Königsbronn, wo er sein Leben in mitten von tausenden von Schwierigkeiten fortsetzte. Die Arbeit wurde immer automatisierter, die menschliche Fertigkeit war nicht mehr wichtig, die Löhne brachen zusammen. Im Laufe der Jahre näherte sich Elser linken Gruppen, in denen er nie aktiv gewesen zu sein scheint. Er war kein Aktivist, er öffnete keine Bücher, er las sehr wenig die Zeitungen, er interessierte sich nicht für Politik. Es gefiel ihm ganz einfach unter Leuten wie er selbst zu sein, unter Proletariern. Er hat natürlich schon seine Mitgliedskarte der Kommunistischen Partei genommen und sich zur selben Zeit sogar dem Rotfrontkämpferbund angeschlossen, aber nur weil dies ihm ermöglichte, in der Blaskapelle dieser Organisation zu spielen. Leidenschaftlich für Musik, konnte er mehrere Instrumente spielen, unter diesen die Zither.

Georg Elser war sehr geschickt mit seinen Händen, aber besaß eine geringe „politische“ Kultur und Vorbildung. Dies war ein wahrhaftes Glück, denn sein Kopf wurde so von den marxistischen Tiraden über den historischen Materialismus und die Dialektik verschont. Man musste nicht diplomiert sein, um zu merken, was die Nazis am Treiben waren, die alltägliche Vergewaltigung jeglicher Freiheit, der auferzwungene Terror mit dem Verbannen der Parteien und Gewerkschaften, die Verschärfung der Lebensbedingungen und – ab 1938 – dem Schreckgespenst des Krieges, das immer konkreter wurde. Nicht nötig, einen durchdringenden Blick zu haben, um die Privilegien zu sehen, in denen sich die Nazifunktionäre suhlen. Und daraus alle Konsequenzen zu ziehen.

Seine Freunde erinnerten sich viel später daran, dass sich Elser nie Hitlers Reden im Radio anhörte, dass er sich weigerte den Hitlergruß zu machen und dass er einmal während einer Demonstration für Hitler sich umdrehte und sie auspfiff. Aber Georg Elser war nicht wie seine Freunde, er war nicht wie die Millionen Deutschen, die sich damit zu frieden gaben über das Naziregime zu meckern. Als einfacher und praktischer Mensch, traf er Anfang 1938 seine Entscheidung. Wie er später erklärte, kam er zum Schluss, „dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten.“ Das Individuum, Begehren und Willen, hatte seine Entscheidung getroffen: Hitler musste sterben. Der große Diktator und sein ganzer Kreis wurden damit zum Tode verurteilt; nicht durch ein Gericht des Staates, nicht durch das Urteil der Geschichte und noch weniger durch das göttliche, sondern durch einen kleinen Handwerker aus dem Schwabenland. Ein Weckruf an die Massen und ihre Organisationen.

Einsam und alleinstehend vertraute Elser niemandem seine Projekte an und suchte laut den Historikern keine Hilfe von außerhalb. Es scheint dennoch, dass ihm bei seiner Unternehmung von ein paar Individuen geholfen wurde: der Anarchist und deutsch-englische Ex-Spartakist John Olday und revolutionäre Sozialistin jüdischer Herkunft Hilda Monte, beide in Verbindung mit der Schwarzrotgruppe. Aus was diese Hilfe bestand weiß niemand wirklich. Jedenfalls musste Elser ein praktisches Problem lösen. Es musste ihm gelingen, sich dem Führer nah genug zu nähern, um ihn zu töten. Es hatten schon andere diese Idee liebgewonnen, aber alle sind auf die selbe Schwierigkeit gestoßen. Im Bewusstsein, dass er mehr gefürchtet als geliebt wurde, war Hitler von Attentaten besessen und hatte die Gewohnheit seine Programmpläne unvorhersehbar zu ändern.

Wenn seine Anwesenheit bei irgendeiner öffentlichen Versammlung angekündigt wurde, wussten nicht einmal seine nahestehendsten Kolaborateure ob er zu dem vorgesehenen Termin kommen würde. Auf diese Weise konnte kein eventuelles Durchsickern seinen Feinden helfen, die nie im Voraus wissen konnten, wo er hingehen würde.

Diese unentwegte Vorsicht hatte jedoch einen Fehler. Es gab tatsächlich einen einzigen öffentlichen, jährlichen Termin, den er um Nichts in der Welt aufgegeben, vor dem er sich nicht gedrückt hätte. Eine besondere Gedenkfeier, ein Jahrestag an den es sich zu erinnern galt, eine Rede voller Emotionen, die Feier seines ersten, fehlgeschlagenen Versuches die Macht zu ergreifen – der Putsch in München vom 8. November 1923. An jenem Tag hatte der vierunddreißigjährige Hitler an der Spitze seiner Waffenbrüder ein beeindruckendes Eintreten in den Bürgerbräukeller hingelegt, wo eine Versammlung stattfand, an der die bayerischen Autoritäten teilnahmen, wobei er einen Schuss in die Luft abgab. Er hatte ihnen angekündigt, dass ein Staatsstreich im Gange war, wobei er sie dazu einlud, sich den Nazis anzuschließen. Der Putschversuch, der allzu improvisiert war, endete am nächsten Morgen während einer Schießerei zwischen den Demonstranten, die auf dem Weg zum Kriegsministerium waren und den Ordungskräften, an deren Ende vierzehn Nazis getötet worden waren.

Ab 1933 fand sich Adolf Hitler jeden 8. November mit seinem gesamten inneren Kreis ein um an der Gedenkfeier des Putschs teilzunehmen. Umgeben von tausend frühen Nazikämpfern, mit denen er Witze und Anekdoten austauschte, versuchte der Führer dieses Jahr 1938 in seinem üblichen Redefluß die kriegerische Wut seiner Anhänger anzuheizen. Im November 1938 – 10 Monate vor dem Überfall auf Polen durch die deutschen Truppen – nahm Elser den Zug nach München und beteiligte sich unauffällig an den Festlichkeiten der Nazis. Als Hitler an jenem Abend auf die Bühne stieg, konnte er nicht wissen, dass sich vor den Türen der Brauerei sein Todfeind einfand, der bis dorthin gekommen war um sich ein Bild zu machen. Die Brauerei, die ihren Namen von Bürgerbräukeller zu Löwenbräu geändert hatte, enthielt einen enormen unterirdischen Saal, der mehr als 3000 Personen fassen konnte. Elser mischte sich unter die Menge derer, die eine Erlaubnis hatten am Ende des Abends, nach der Rede und der Abfahrt Hitlers, einzutreten, und merkte sich die Einteilung des Ortes, indem er die Sicherheitsmaßnahmen studierte, die für das Ereignis getroffen wurden. Er konstatierte unglaubliche Mängel. Ihr Verantwortlicher war Christian Weben, ein ehemaliger Türsteher vor Nachtlokalen, dem es, als glühender Nazi, nicht in den Sinn gekommen war, dass jemand Hitler bis auf den Tod hassen konnte. Die Aufmerksamkeit Elsers konzentrierte sich vorallem auf den einzigen Ort wo sich Hitler seit zu langer Zeit in Sicherheit wähnte: die Bühne. Er bemerkte eine Säule aus Stein genau dahinter, die einen großen Balkon stütze, der der Mauer entlang verlief. Unschwer zu verstehen, dass eine, im Innern der Säule platzierte, mächtige Bombe, den gesamten Balkon zusammenbrechen lassen würde, und Hitler und seine Nahestehenden unter dem Schutt begraben würde. Eine unmögliche Unternehmung für viele, aber für einen erfahrenen Handwerker nicht.

Es ist der Tag nach dem 9. und 10. November 1938, an dem sich die Nazis durch das ganze Land, aber auch teils durch Österreich und Tschechoslowakei austobten, in dem, was Kristallnacht heißen sollte. Das anti-jüdische Pogrom verstärkte Elsers Entschlossenheit noch. Er hatte ein Jahr um sein Projekt zu Ende zu bringen, und dem er sich mit Zähigkeit und Akribie widmete. Er musste sich Sprengstoff besorgen, eine Bombe mit Zeitverzögerung konstruieren, dann das Gerät im Inneren der Säule verstecken. Um das zu tun, versuchte er temporäre Arbeit in einer Waffenfabrik zu finden, dann in einer Mine und dort hatte er Erfolg. Dort, nutzte er jede Gelegenheit um sich starken Sprengstoff und Dynamit anzueignen, und auch Detonatoren habhaft zu werden. Abends, eingeschlossen in seiner Wohnung, erarbeitete er Pläne um eine raffinierte zeitverzögerte Bombe zu konstruieren.

Im April kehrte er nach München zurück um unter ruhigeren Umständen eine neue, detailliertere Zeichnung anzufertigen. Er bemerkte, dass sich auf der Etage über dem Saal Lagerräume befanden, wo er sich verstecken und aus der Nähe die Säule begutachten konnte. Sie war bedeckt mit Holz! Perfekt. Er erkundete dann die schweizerische Grenze, um einen Fluchtweg zu finden, und fand schließlich einen Abschnitt ohne Patrouillen. Sicherlich, Georg Elser wollte Hitler töten, aber er hatte auch die Absicht die an sich gerissene Freiheit zu leben und zu geniessen. Es gab keinen Opfergeist in ihm.

Am 5. August 1939 nahm Georg Elser den Zug und ließ sich ein letztes Mal in München nieder um den letzten Teil seines Projekts zu realisieren, den schwierigsten und auch den riskantesten: einen Hohlraum in den Pfeiler hinter dem Rednerpult zu graben, der groß genug ist, und dort eine tödliche Vorrichtung zu verstecken, ohne entdeckt zu werden. Er wurde zu einem Stammkunden des Löwenbräu, der bei den Nazis beliebtesten Brauerei in München. Er verbrachte dort den ganzen Tag, so dass die Kellner und Kellnerinnen aufhörten ihrem gemächlichen, teuren Kunden allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Jeden Abend, blieb Elser bis zur Schließung, um dann heimlich auf die obere Etage zu schleichen, wo er sich in einem Lagerraum versteckte. Während die Räumlichkeiten leer waren, kam er heraus um am Pfeiler zu arbeiten. Beim Licht einer Taschenlampe demontierte er mit Vorsicht die Holzpanele der Säule, stellte sie zur Seite damit sie einfach wieder anzubringen waren, und begann geduldig den Stein auszuhöhlen. Inmitten der Stille, hallte der Lärm des Bildhauerbeitels, der den Stein schlug, derartig in diesem Kuppeldach, dass er gezwungen war, mit einer anstrengenden Langsamkeit zu arbeiten. Die einzelnen Schläge folgten den Intervallen mehrerer Minuten, die er versuchte mit dem Lärmen der Straße, wie dem Vorbeifahren eines Autos, in Einklang zu bringen. Jede Spur von Pulver oder Stein musste anschließend verschwinden, und das Holzpanel musste vor dem Morgengrauen perfekt an Ort und Stelle angebracht werden.

Abend für Abend widmete er sich seinem Meisterwerk.
Er verbrachte 35 schlaflose Nächte, gebeugt von der anstrengenden Arbeit. Eines Morgens, wurde er von einem Kellner überrascht, der vor Arbeitsbeginn ankam und sofort den Wirt der Brauerei rief. Elser, der gerade dabei gewesen war zu gehen, nachdem er alles aufgeräumt hatte, entschuldigte sich, indem er sagte ein Stammkunde zu sein und dass er die Örtlichkei offen vorgefunden habe. Er bestellte einen Kaffee, trank ihn schweigend und mit kleinen Schlücken, bis er ging. Er war nicht verbrannt.
Um seine Bombe zu preparieren, stellte er einen Zeitzünder her, indem er eine Uhr modifizierte. Der Zeitzünder konnte im Rahmen von 144 Stunden laufen, bevor er auf einen kleinen Hebel drückte, der die Vorrichtung aktivierte. Aus Skrupel fügte er zur Sicherheit einen zweiten Zeitzünder hinzu. Die Bombe war in einem eleganten Holzgehäuse untergebracht, das mit Präzision in das gegrabene Loch im Innern der Säule eingefügte war. Damit man das Tick-Tack der Uhr nicht hörte, nahm er Kork und bereitete ein Blech vor um das Innere des Holzpanels auszukleiden. Er wollte nicht, dass ein Mitglied des Personal versehentlich einen Nagel in sein Kunstwerk trieb!

Im vorangegangenen Jahr, notierte sich Elser, dass die Rede Hitler um 20.30Uhr begann, man versicherte ihm das sei eine Gewohnheit. Der Führer sprach für eineinhalb Stunden, blieb dann im Lokal um sich unter seine alten Kameraden zu mischen. Elser stellte seine Uhr, damit sie in der Hälfte der Rede auslöste, das heißt um 21.20Uhr. Der erste Versuch die Bombe zu platzieren scheiterte, und zwang ihn die Abmessungen seines Gehäuses zu reduzieren. Am Abend des 5. Novembers 1939 beendete Georg Elser sein Meisterstück. Er fügte das Gehäuse in die Säule ein, übergab das Holzpanel seinem Platz, indem er es versiegelte, und beseitigte dann jede Spur. Er verließ München bevor er zwei Tage später zurückkehrte. Am Tag vor der Ankunft des großen Diktators, näherte sich das kleine Individuum dieser Säule und legte sein Ohr an in der Hoffnung, aus der Ferne etwas zu hören. Wir können uns sein Lächeln vorstellen, während er noch ein Mal dieses wunderbare Ticken vernahm.

8. November 1939

Georg Elser las keine Zeitungen, und noch weniger in diesen fieberhaften Tagen. Andernfalls hätte er herausgefunden, dass Hitler sein üblicherweise jährliches Treffen annuliert hatte. Oder besser gesagt, er hatte seine Idee wieder geändert: er würde dorthin zurückkommen, aber viel eher als gewöhnlich. Seine Anwesenheit in Berlin war unerlässlich, deswegen würde er nur kurz nach München kommen. Seine Rede würde um 20Uhr beginnen, und nur eine kurze Stunde dauern. Aufgrund des schlechten Wetters, wurde ihm abgeraten mit dem Flugzeug zu reisen, und sich für den Zug zu entscheiden; langsamer, aber sicherer. Am Abend des 8. Novembers 1939 hörte Adolf Hitler um 21.07Uhr auf zu reden. Fünf Minuten später, die Einladungen älterer Kämpfer noch zu bleiben ablehnend, verließ er die Halle mit seiner Gefolgschaft an würdetragenden Nazis, unter ihnen der Chef der Polizei und Reichsführer SS Heinrich Himmler, der Propagandaminister Joseph Goebbels und der Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich. Sie waren zweifelos dabei in den Zug zu steigen, als die Explosion losging, und hörten sie selbst noch nicht einmal. Sie erfuhren von dem was passiert war erst während des kurzen Halts ihres Expresszugs nach Berlin in Nürnberg.

Um 21.20Uhr, wie vorher gesehen, hörte das Tick-Tack der Uhr Georg Elsers auf zu schlagen. Mit einem schrecklichen Rumoren brach die hinter der Bühne stehende Säule zusammen, ließ den Balkon, den sie stützte sowie das Dach einstürzen, und zerstörte das Lokal. Ein Regen holziger Trümmer, Ziegelsteine und Stahl fiel herab auf die Szene und vernebelte sie vollständig. Aber die Bühne war schon leer, und die Halle beinahe verlassen. Acht Personen starben und dreiundsechzig wurden verletzt, alles alte Nazi-Kämpfer oder Brauereiangestellte. „Das Glück des Teufels“ ein weiteres Mal an seiner Seite, mit dem Hitler prahlte, es zu besitzen. Das war dagegen nicht der Fall bei dem Individuum, welches ihn herausgefordert hatte.
Am Morgen des 8. Novembers 1939 nahm Georg Elser den Zug nach Konstanz, an die deutsch-schweizer Grenze. In der kommenden Nacht, ging er zu Fuß in Richtung Grenze, in dem ruhigen Bereich, den er im vorherigen April entdeckt hatte. Aber mit der Invasion von Polen durch Deutschland am 1. September hatte sich die Situation grundlegend verändert. Er wurde von einer Patrouille bemerkt und festgenommen, die ihn durchsuchte. Er trug eine Mitgliedskarte der kommunistischen Partei, die Zeichnungen eines seltsamen Gerätes, das an ein Schema einer Bombe erinnerte, einen Zünder und eine Besuchskarte einer bekannten münchner Brauerei, dem Löwenbräu, mit sich.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Elser all diese Dinge, die ihn entschiedenerweise verdächtig machten, mit sich führte, um die helvetischen Autoritäten zu überreden ihm Asyl zu gewähren. Er ging im Gegenzug das Risiko ein, dass, sollte er in die Hände des Feindes fallen, es genau diese Objekte sein würden, die sein Ende bedeuteten.

Einer

Nach München gebracht, wurde Georg Elser von Männern der Gestapo verhört. Trotz der Schläge und der Folter, hat er nie die Version der Ereignisse geändert. Er war es, und er allein, der das Attentat vorbereitet und durchgeführt hatte. In Berlin war Hitler persönlich an der Affäre interessiert, und geriet in Zorn, als man ihm die Wort Elsers berichtete. „Wer ist der Narr, der diese Befragung führt?“, schrie er ihn an. Es war unmöglich, dass ein erbärmliches Individuum das große Reich hätte herausfordern können: die Komplexität der Aktion bewies, dass es dahinter ein breite Verschwörung geben musste, die aus… Geheimdiensten bestand, offensichtlich, und in diesem Fall den britischen. Um seine Entscheidung aufzuerlegen, schickte Hitler einen Vertrauensmann nach München, damit beauftragt die Verhöre neuzubeginnen: Heinrich Himmler.

Weder er noch all die Foltern, die er umsetzte, schafften es den Führer zu befriedigen. Elser wiederholt bis zu seinem Ende allein gehandelt zu haben, um seinen Henkern zu beweisen, dass er ganz allein es gewagt hatte Hitler anzugreifen, reproduzierte er von neuem ein Schema seiner Bombe. Himmler selbst musste schließlich offiziell die Verschwörungsthese aufgeben, und Elser, um später hingerichtet zu werden, wurde ins KZ Sachsenhausen verbracht. In Isolation, erlaubte man ihm ganz für sich an einer Werkbank zu arbeiten. Der Grund für diese anscheinend gefällige Behandlung war, dass Hitler in der Folgezeit Elser dazu bestimmte in einem Prozess der Kriegsverbrechen gegen England benutzt zu werden. Am 9. April 1945, während die amerikanischen, englischen und russischen Truppen sich immer mehr Berlin näherten, erinnerte sich Himmler an die Kühnheit des unglücklichen Schreiner-Uhrmachers, der in der Zwischenzeit nach Dachau verlegt worden war. Er gab den Befehl ihn aus der Zelle zu holen und hinzurichten. Die Neuigkeiten seines Todes gingen eine Woche später durch die deutsche Presse, und wurde einem alliierten Luftangriff zu gewiesen.

Trotz des Einsatzes der nazistischen Effizienz im Vorhinein, um die Wahrhaftigkeit der individuellen Initiative Elsers anzuzweifeln, und trotz des Geschwätzes seiner Unglückskameraden in Sachsenhausen, gemäß denen Elser, sowie Van der Lubbe, auf Befehl der Nazis selbst gehandelt haben soll, wagt es heute niemand die Aufrichtigkeit seiner Unternehmung zu leugnen. Sein Gedenken, wie das von vielen verpassten Attentaten gegen Hitler, wurde lange Zeit von Historikern verwischt, die einzig der Staatsraison gehörig waren, aber auch von bestimmten revolutionären Liebhabern der kollektiven Aktionen, welche wenig begierig darauf sind ihrer ideologischen Bewegung einen „schlechten Ruf“ zu geben.

Weil keiner unter ihnen die Beaobachtung tolerieren kann, dass die Entschlossenheit eines einzelnen Individuums, im Gegenteil zur trostosen Ohnmacht der Massen, die Geschichte hätte ändern können, indem es sie vor dem bewahrt, das als das absolut Böse definiert wurde. Um nur 13 unglückliche Minuten wurde der zweite Weltkrieg nicht abgewendet, was vielleicht Millionen Menschenleben und unaussprechliche Leiden erspart hätte. Und das, was diese Möglichkeit ergriff, das war keine erleuchtete Regierung, das war keine effektive Organisation. Das war ein kleiner Mensch, allein, oder vielleicht mit ein oder zwei Gefährten. Hier haben wir es, warum der Name Georg Elsers seit so langem vergessen ist, und hier ist auch der Grund, wieso wir ihm hier eine Huldigung geben. Nichts ist unmöglich für einen Willen, der vom Begehren getrieben wird. Und trotz der Rückschläge des Unvorhergesehenen, ist es das Tick-Tack dieses Uhrmachers, das wir noch heute vernehmen.

13 minuti, in Insolito sguardo, ed. Gratis, mars 2015. Französische Übersetzung erschienen in: Avis de tempêtes. Bulletin anarchiste pour la guerre sociale; Nr. 9, September 2018.

Übersetzt aus dem Französischen Oktober 2019 von RumpelstilzchenEditionen.

[Meißen] Afd-Fahrzeuge abgefackelt

In der Nacht zu Samstag, den 14. September haben Menschen einen Lkw der AfD auf einem abgelegenen Grundstück in Meißen-Winkwitz in Brand gesetzt. Da sich dort das Fahrzeuglager des AfD-Landesverbandes Sachsen befand und die Flammen auf weitere Fahrzeuge übergriffen, wurden insgesamt vier Fahrzeuge der AfD (unter anderem auch ein Linienbus) und zwei Anhänger zerstört. Stolze Leistung!