Schlagwort-Archive: Solidarität

[Barcelona] Vier Schaltschränke von 5G Relay-Antennen angezündet

Eines frühen Morgens im März haben wir uns dazu entschieden, die Herrschaft und den technologischen Fortschritt anzugreifen, indem wir vier elektrische Schaltschränke von 5G Relay-Antennen in Barcelona in Brand gesteckt haben; diese Aktion ist ein Zeichen der Solidarität mit all den anarchistischen und subversiven Gefangenen, die sich in den Territorien, die vom chilenischen und griechischen Staat beherrscht werden, im Hungerstreik befinden.

[Nancy, Frankreich] Rauchzeichen des Frühlings

Indymedia Nantes, 16. April 2021

Am 19. Mai, werden die Staatsbüttel dem Anarchisten B., nach einer achtmonatigen Untersuchungshaft im Gefängnis von Nancy, den Prozess für die Brandstiftung an zwei Funkmasten während des Lockdowns machen. Auch wenn es wohl bekannt ist, dass Solidarität Angriff bedeutet, ist hier auf jeden Fall eine gute Gelegenheit diesen Gefährten nicht mit diesen Arschgesichtern im Talar alleine zu lassen, während man das Werk fortführt, dringend die alte Welt zu demolieren…

Salins-les-Bains (Jura), 10. April 2020. Während die Selbsteinsperrung so ziemlich überall auf der Welt in vollem Gange ist, erklimmt ein Anarchist die Hänge des Mont Poupet. Stark in seinen Ideen und in seiner Entschlossenheit lässt er zwei große Funkmasten, die die Wellen der Polizei, der Gendarmerie [Armeeeinheit, die polizeiliche Aufgaben übernimmt, Anm. d. Übs.] und der Mobilfunkanbieter aussenden, in Rauch aufgehen, ehe er in der Nacht verschwindet, so wie er gekommen war. Er ist übrigens nicht der einzige, denn mindestens 174 Antennen sind offiziell auf dem ganzen Territorium im letzten Jahr sabotiert worden, davon die Hälfte durch Brandstiftung. Und das, selbstredend, ohne die Sabotagen an Glasfaserkabeln oder Telefonzentralen mitzuzählen, noch die gegen die Kabel- und Elektronikzubehörzulieferer.

Dass ein von der Freiheit beseeltes Individuum unter den Sternen spazieren gegangen ist, um die digitalen Ketten zu sprengen, die die Home-Officer an ihre Ausbeuter binden oder die schlechten Schüler an die Schule fesseln, aber auch um den Fluss der technologischen Kontrolle zu unterbrechen, war für die Herrschaft bereits an sich inakzeptabel. Aber dass sich dieser Akt außerdem in einen diffusen und vielgestaltigen Kampf einschreibt… das war etwas, das die Krallen der Justiz und die der von der Herrschaft gebildete Ermittlungsgruppe namens Orakel zum Zittern brachte. Es war jene letztere, die also schnell die Ermittlungen übernahm, unterstützt von der Kriminalpolizei von Dijon und der Section de Recherche [Kriminalpolizei bei der Gendarmerie] von Besançon, besonders da außerdem eine frühere Brandstiftung am 27. März bereits den Container eines SFR-Mastes auf dem Mont Brégille in letztgenannter Stadt zerstört hatte.

Was man zumindest darüber sagen kann, ist, dass sie monatelang keinen Aufwand gescheut haben, nachdem sie am Fuß des abgebrannten Mastes eine DNA-Spur gefunden hatten, die sie B., einem Gefährten, der für seine subversiven Ideen wohlbekannt ist, zuordnen: Beschattungen und Observationen, durchgeführt von Mitgliedern des GIGN [Spezialeinheit der Gendarmerie zur Terrorismusbekämpfung, ähnlich der GSG9 in der BRD, Anm. d. Übs.], die extra aus der Hauptstadt anreisten, eine Kamera vor einer Wohnung, unter verschiedenen Fahrzeugen von Menschen, die ihm nahe stehen, angebrachte Peilsender, Anträge auf die Platzierung von Abhöreinrichtungen in einer Wohnung sowie auf einem Mäuerchen in einer öffentlichen Grünanlage, ein IMSI-Catcher [eine Art Fake-Mobilfunkzelle], um die Telefongespräche live mitabzuhören und gleichzeitig der Versuch herauszufinden, ob er andere Handys verwendete, gleichzeitige Hausdurchsuchungen in drei Wohnungen… und das alles für quasi nichts. Sie haben tatsächlich nicht nur mehrmals die Spur des tapferen anarchistischen Radfahrers im Zuge ihrer Ermittlungen verloren, sie waren nicht nur gezwungen das Verfahren bezüglich des Angriffs in Besançon gegen ihn einzustellen (das also wahrscheinlich gegen Unbekannt weiter geführt wird), sondern sie mussten den Tatsachen ins Auge sehen: B. hat die beiden Masten von Salins-les-Bains alleine zerstört, so wie er sich übrigens nach seiner Verhaftung am 22. September 2020 klar dazu bekannt hatte.

Nachdem sie ihn im Gefängnis von Nancy-Maxéville eingesperrt und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet hatten, haben die Richterin und ihre Kollegen selbstredend ihre dreckige Arbeit fortgesetzt: Ablehnung des von B. gestellten Antrags auf Entlassung mit Fußfessel im Februar, Ablehnung jeglichen nicht-familiären Besuchs bis zur Beendigung des Ermittlungsverfahrens im März, Angebot der Staatsanwaltschaft seine Reue und Buße gegen eine Pseudo-Verringerung der Strafe in Form einer CRPC (comparution sur reconnaissance préalable de culpabilité) [alles einräumen, was den Prozess verkürzt und sich strafmildernd auswirkt, Anm. d. Übs.] zu kaufen – die der Gefährte ohne zu zögern ablehnte, um ihn letztendlich im April für den 19. Mai vor Gericht zu zitieren.

In dieser von elektronischen Leinen gefüllten Welt, wo die permanente Konnektivität die kapitalistische und staatliche Restrukturierung begleitet, kann der Blick der Feinde der Herrschaft nicht verfehlen sich auf die Infrastrukturen wie die Funkmasten und die Glasfaser-Schächte zu richten, von denen es so gut wie überall nur so wimmelt.  So wie er sich auch von nah für die Zulieferer und Installateure von Kabeln, Masten und Netzen interessieren kann, wie die unterschiedlichen Axione (Bouygues), Axians (Vinci), Circet, Constructel, Dorsalys (Eiffage), Nexans, SNEF, Sogetrel oder Scopelec, von denen einige in den letzten Monaten feurige Besuche erhalten haben. Denn in Zeiten, in denen die Verwüstungen des technoindustriellen Systems auf diesem Planeten und in den Köpfen jeden Tag offensichtlicher werden, ist es das Mindeste, sich kompromisslos dagegen zu wehren. Zweifelsohne ist es das, was jene, die sich nicht mit der schönen neuen technologischen Welt abfinden, zu jeder Jahreszeit fortsetzen werden… allerdings sind manche Frühlingshimmel so klar, dass sie die Rauchzeichen bis hinter die engsten Gitter transportieren können.

Solidarität ist Angriff
Freiheit für alle!

Einige Anarchisten in Solidarität und Komplizenschaft

Flyer als PDF

[Neapel] Dieses Mal ist es Andreas Krebs

„Heute [am 07. Dezember] hat uns erreicht, dass Andreas einen Selbstmordversuch unternommen hat, dies wundert uns leider nicht. Der Zustand, in dem er sich befindet, ist erschreckend und es ist ein langer, leidsamer Weg, den er geht. Auf der einen Seite aufgrund der Mauern, die ihn umgeben, und auf der anderen Seite ist es sein medizinischer Zustand, der das Leben für ihn unmöglich macht. Er hat den Selbstmordversuch nur knapp überlebt. Deshalb möchten wir hier solange es noch möglich ist einen weiteren Solidaritätsaufruf starten! Andreas Krebs, der in Neapel im Knast ist, muss dringend ins Krankenhaus, was ihm aber weiter verweigert wird. […] Wenn ihr Geld spenden könnt:
Empfänger: Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs

Seine Adresse, um ihm zu schreiben (gebt einen Absender an!):
Andreas Krebs
Sez.4 /Stz.5
Mediterraneo
Via Roma Verso Scampia 250
CAP 80144 Napoli (NA)
Italy

Macht ihm und anderen Gefangenen Mut und sorgt dafür das wir bald in einer Welt ohne Knäste leben.

Mehr Informationen findet ihr auf dem Soliblog für Andreas Krebs.

[Leipzig] Bundesverwaltungsgericht angekokelt

Am Sonntag, den 01. Dezember wurde am Bundesverwaltungsgericht Feuer gelegt. Laut Bull*innen wurde ein Gegenstand zwischen der Hauswand und einer Säule des Gerichtsgebäudes in Brand gesetzt. Zudem schmorte austretende brennende Flüssigkeit ein Kabel an. Leider waren Bull*innen in der Nähe, die den Brand relativ schnell löschten. Die Fassade nahm glücklicherweise trotzdem Schaden. „Wir haben […] das Bundesverwaltungsgericht […] linksunten angekokelt. Damit wollen wir kundtun, was wir vom bevorstehenden Prozess am 29.1.2020  gegen linksunten.indymedia.org halten: Nichts! […] Die Repression wird unser Verlangen nach eigener unabhängiger Berichterstattung nicht zähmen, egal in welcher Form sie daherkommen mag.“

Quelle: Indymedia

[Basel] Brandanschlag in Solidarität mit den Aufständen auf dem ganzen Planeten

„Wie können wir uns solidarisch zeigen mit den verschiedenen Revolten, Kämpfen und Aufständen, die momentan in allen Ecken der Welt ausbrechen? Wie können wir auch hier in der Schweiz unserem Verlangen nach Rebellion Ausdruck verleihen?

Ob in Chile, im Iran oder sonstwo, ob heutzutage oder in vergangenen Kämpfen: Banken gehören wohl immer zu den ersten Einrichtungen, die von den Flammen der Aufständischen ergriffen werden. Der Angriff auf Geldinstitute erscheint uns somit als ein jederzeit angebrachtets Mittel, um dieses globalisierte Machtsystem der Erniedrigung, Kontrolle und Ausbeutung anzugreifen.

In der Nacht auf den 27. November haben wir einen Postomat [Geldautomat der Schweizer Postbank] in Basel angezündet. Dafür brauchten wir nur einen Block Anzündwürfel auf den Bildschirm zu legen und ab die Post.

Auf dass das Feuer der Freiheit weiter um sich greift!
Gegen jede Autorität!“

Quelle: Indymedia

Solidarität mit der sozialen Revolte in Chile!

In Chile revoltieren seit Wochen zigtausende Menschen gegen die herrschende Normalität. Polizeistationen, Kirchen, Banken, Shoppingmalls, Busse, U-Bahnstationen und Universitäten brennen. Der normale Alltag ist zum Erliegen gekommen und die staatliche und kapitalistische Macht wird angegriffen.
Wie können wir von hier aus unsere Solidarität und Verbundenheit mit den dortigen Revolten ausdrücken?
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten… in München wurden z.B. in den vergangenen Nächten mehrere Ticketautomaten an verschiedenen Stationen angezündet und niedergebrannt. Außerdem wurde das chilenische Konsulat mit Farbe verunstaltet und „Feuer allen Staaten! (A)“ neben dieses gesprüht. Auch eine nahegelegene Kirche wurde vollgeschmiert und „Kein Gott Kein Staat Kein Patriarchat“ auf diese gesprüht.
Es wäre schön, wenn auch hier solche Vorschläge wilde Verbreitung finden und andere Möglichkeiten der Solidarität in die Praxis umgesetzt würden.

Gefunden auf Indymedia.

[Berlin] Hausbesetzung endet mit U-Haft – Solidarität mit Primbo

Im Rahmen der „Tu mal wat“-Tage in Berlin haben Menschen das Haus in der Landsberger Allee 54 besetzt, ein Villa-artiges Gebäude auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei, das seit sieben Jahren leersteht. Am selben Abend noch wurde die Besetzung von der Polizei mithilfe von Schmerzgriffen und Schlägen brutal geräumt. Bei der Räumung gab es mehrere Verletzte, unter anderem eine gebrochene Rippe durch die Misshandlungen der Polizei. Ein*e Besetzer*in, Primbo, die*der Personalien verweigert, befindet sich jetzt in der JVA Berlin-Lichtenberg in U-Haft. „Deswegen haben wir als FLINT* Gruppe das angrenzende Amtsgericht in der letzten Nacht mit einem Farbfeuerlöscher und Dosen verschönert. Denn Knäste und Gerichte arbeiten Hand in Hand und sind Angriffs- und Kritikgegenstand unserer Praxis. „Free Primbo“ hinterließen wir an der Wand und schicken damit Grüße in den Knast!“

Quelle: Indymedia und noch mal Indymedia

Offensive Handlungsmöglichkeiten bei Repression

Der folgende Text erschien zuerst in der Broschüre Outlaw (S. 14 bis 16, zu finden online bei freethemall.noblogs.org oder in gedruckter Form in der anarchistischen Bibliothek Frevel). Er verschriftlicht eine in Berlin im Zuge einer Diskussionsveranstaltung zu offensivem Umgang mit Repression geführte Debatte.

Angesichts von lokalen Ergeignissen, der Verhaftungen und Inhaftierungen von Gefährt/Innen in verschiedenen Städten, aber auch genereller repressiver Zuspitzung und Restrukturierung, finde ich die Vorschläge und Thesen aus dem Text äußerst wichtig und diskutierenswert.

Thesen der öffentlichen Diskussionsveranstaltung:

1) Isolierung und Individualisierung durchbrechen mit Kollektivierung (Bekanntmachung).

Der erste Schritt bei einem staatlichen Angriff gegen unsere Strukturen und Gefährt*innen kann die Bekanntmachung sein. Dies bricht die Isolieurng des einzelnen Individuums und der Struktur auf. Dabei ist zu bedenken inwiefern Medien der Herrschaft benutzt werden sollen, die unsere Inhalte meist nicht unverfälscht darstellen und für ihre eigene Profit- und Sensationsgier ausbeuten. Dementsprechend können eigene Medien und Kommunikationswege gefunden werden, die eine Nachricht eventuell auch in einen Kontext des gegenwärtigen Kampfes bringt. Indem der staatliche Angriff z.b. eine Hausdurchsuchung veröffentlicht wird, teilt man zum einen Gefährt*innen mit, in welcher Sache der Staat ermittelt, d.h. es könnte eine hilfreiche Warnung sein und zum anderen könnte mit der Veröffentlichung ein offener Raum zum Treffen vereinbart werden, an dem sich verschiedene Individuen über den Ist-Zustand informieren können und zusammenschliessen können, um auf ihre Art und Weise Solidarität in der Situation auszuüben, z.B. Sponti, Soligruppe zum Thema, direkte Aktionen.

2) Solidarität bedeutet nicht nur Kosten decken, sondern bestehende Kämpfe weiterführen.

Kämpfe weiterführen kann heißen, ausgehend von der Analyse eines Repressionsvorfalls, Fazite aus dem Erlebten zu ziehen und perspektisch den Kampf auf intelligente Art zu verändern ohne jedoch die Qualität der permanenten Konfliktualität zu mindern und aus den Augen zu verlieren. Dadurch wird grundlegend das Prinzip der Repression, dass Kämpfe ins Stocken kommen oder in geringerer Qualität stattfinden, bekämpft. Kostendeckung ist zwar nötig, aber nur insofern nicht alle Energie und Zeit für das Geld organisieren drauf geht. Es gibt auch weitere Möglichkeiten an Kohle zu kommen, die verbunden sein könnten mit einer politisch-visierten Praxis (siehe Enteignung jeglicher Art, Abendessen unter Gefährt*innen, etc.). Ausserdem überwiegt bei Solidaritäts-Veranstaltungen oft der subkulturelle Aspekt, wo politische Inhalte nicht beachtet werden oder schlicht untergehen. Die Frage könnte unter anderem sein, wie Treffpunkte der „linken“ Szene mehr mit Inhalten gefüllt werden können?

3) Das bedeutet auch „anscheinend“ kleine Strafanzeigen öffentlich zu machen.

Die Repressionsmethode der Bußgeldstrafen ist mittlerweile gang und gebe. Dies bewirkt einerseits, besonders in Städten mit einer großen „linken“ Infrastruktur, dass Bußgelder einfach hingenommen werden, da ja eh eine Solidaritäts-Struktur die Kosten stemmt. Andererseits wird genau bei diesem, spitz gesagt, Dienstleistungsystem der politisch relevante Aspekt der Repression völlig ausgeblendet. Langfristig sind Bußgelder natürlich nervig aber hinnehmbar, das kleinere Übel, vor dem Knast. Dieses Damokles-Schwert hängt dauernd über unseren Köpfen und ist in unseren Köpfen. Da sind kleinere kontinuierliche Strafanzeigen viel effektiver, uns davon abzuhalten Straftaten wieder zu begehen, weil sie uns mit dem Gedanken vor der Endstation Knast erpressen. Deswegen sind „kleine“ Strafanzeigen nicht zu unterschätzen, besonders auf einer psychischen Ebene.

4) Konsequenzen der allgemeinen Strafverfolgung von solchen Lappalien.

Die psychische Ebene der Repression spielt eine viel größere Rolle, als die der blanken und auf der Haut spürbaren Gewalt. Das haben viele Machtstrukturen schon längst gelernt und dementsprechend ihre Methoden verfeinert. Unsere Aufgabe, als diejenigen die diese Machstrukturen zerstören wollen, besteht darin diese Methoden zu erforschen und aufzuzeigen um sie unwirksam zu machen. Wie schon gesagt kann eine langandauernde in kleinen Dosen iniziierte Repression mehr Schaden bei den Gefährt*innen bewirken, als ein einzelner Faustschlag in einer physischen Auseinandersetzung mit den Bullen. Dies zeigt sich unter anderem wenn wegen kleinen „Delikten“ schon mehr oder weniger martialische Hausdurchsuchungen gestartet werden. Diese Vorgehensweise ist genaustens kalkuliert, aber nicht um tatsächlich Beweise zu ermittlen, sondern um zu schikanieren. Die Bloßstellung der persönlichen Intimsphäre kann destruktive Wirkungen auf den/die Betroffene haben.

5) Soli-Arbeit deshalb auch bei kleinen „Delikten“ wichtig.

Soli-Arbeit heisst in diesem Sinne: Die Betroffenen zu unterstützen, auf jeden fall. Wobei es wichtig ist, auch für Gefährt*innen von wo anders her, aus diesen Erfahrungen lernen und erst recht zu erfahren. Dieser kollektive Austausch von Wissen und Erfahrungen kann der individuellen Stärkung nützen und Ideen ins Spiel bringen offenisiv die Repression zu bekämpfen. Soli-Arbeit kann deswegen auch heißen die Repression zu invertieren und zu einem Gegenangriff aufzurufen. Sei dieser inhaltlich oder mit Taten verbunden, am Besten beides.

6) Fragwürdig zu glauben den Staat mit seinen eigenen Mitteln (Unschuld, Reue, Deals eingehen) zu bekämpfen. Wegkommen von juristischer Ebene.

Ausgehend von der Tendenz eines notwendigen Gegenangriffs bei Repression, der auf einer grundlegend abneigenden Haltung gegenüber jeglicher Herrschaft beruht, stellt sich die Frage wie und wo diesen vollbringen. Die Mittel die der Staat einem/einer Beschuldigten zur Verfügung stellt, um sich zu verteidigen, sind gewollt begrenzt und vom Staat selbsterschaffen, sowie die Gesetze die gebrochen worden sind. So kann und soll ein Gericht Schauplatz einer politischen Auseinandersetzung mit dem Staat sein? Inwieweit wollen die Revolutionär*innen die Mittel des Staates benutzen um ihn zu verletzten und bestenfalls zu zerstören? Können und sollen diese Mittel dazu genutzt werden um Schuld, Unschuld, Reue und Deals zu vermittlen?

7) Ethische Grundsätze bestimmen unser Handeln, sind somit strikt verbunden mit der Eigenverantwortung unserer Taten, dies schliesst eine defenisve Positionierung vor dem Staat aus.

Wenn ein Gericht mit seinen Kumpanen nicht der einzige Schauplatz unseres Gegen-Angriff ist, wo ist er dann? Wenn von Eigenverantwortung die Rede ist, dann ist damit die Bedeutung unserer eigenen Worte und Taten gemeint. Sie zu verstehen heisst mit den Konsquenzen unserer Ethik leben zu müssen. Denn wo die Rede von Revolution, Aufstand, sozialer Konfliktualität ist kann nicht erwartet werden, dass die Gegenseite nichts unternimmt. Offensichtlich reicht es schon davon zu sprechen und diese Ideen zu verbeiten um Angriffsziel zu werden. Das genau ist mit Konsequenzen gemeint, aber ein solidarisches Umfeld kann sie auf eine kollektive Ebene bringen, wo die Eigenverantworlichkeit zu einer Komplizenschaft wird mit jedem/r Beschuldigten.

Revolutionäre Solidarität

von Pierleone Porcu

Es gibt viele Wege, um Solidarität mit GefährtInnen zu demonstrieren, welche vom Staat kriminalisiert werden, wobei jeder davon ein direkter Ausdruck der Form ist, in der man im allgemeinen sozialen Zusammenprall interveniert.

Da sind diejenigen, die Solidarität darin sehen, diesem oder jenem inhaftierten Gefährten, mit einem sozialen Dienst unter die Arme zu greifen, und das ist die Form in der sie ihre Aktivität ausüben: nach AnwältInnen suchen, Kleider und Geld in den Knast schicken, Besuche und so weiter. Diese rein humanitäre Solidarität, überträgt sich auch in die Errichtung von Verteidigungs Kommitees und dementsprechenden Kampagnen, die darauf ausgerichtet sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Dann gibt es jene, die Solidarität als eine strikt politische Sache betrachten und sich damit beschäftigen, einen Haufen “Unterscheidungen” zu machen, die darauf abzielen, das Bild ihrer eigenen Aktivität, nicht zu kompromitieren. Aus opportunistischen Gründen, verteidigen und zeigen sie Solidarität mit denjenigen, die sich selbst als unschuldig erklären und nicht mit denen, die Verantwortung für ihre eigenen Aktionen übernehmen.

Andere bringen sofort Flugblätter und Broschüren heraus, in formeller Solidarität mit dieser oder jener verhafteten Gefährtin, wenn diese sehen, daß es aus der Sicht der politischen Propoganda, etwas zu gewinnen gibt, d.h. sie verkünden Solidarität in Worten, während in deren Praxis keine Spur davon zu finden ist.

Dann gibt es Solidarität in einem ideologischen Zusammenhang. Das ist der Fall der Marxisten-Leninisten, in der Version der revolutionären Kampfpartei. Diese zeigen Solidarität mit denen, dessen Haltungen den eigenen ähnlich sind, und halten Abstand zu denen, die ihre eigene politische Linie oder Strategie nicht teilen oder erkennen. Oftmals unter Verwendung von Zensur und Ächtung gegenüber jenen, die sie als unbequem betrachten.

Welchen Sinn denken wir also, sollte revolutionäre Solidarität haben?

Der erste Aspekt ist der, Solidarität als eine Erweiterung der aufständischen sozialen Praxis zu sehen, die man bereits innerhalb des Klassenzusammenpralls ausführt. D.h. als eine direkte Demonstration von Aktionen gegen alle Strukturen der Macht, die im eigenen Umfeld präsent sind, egal ob groß oder klein. Denn diese Strukturen müssen in jeder Hinsicht für alles als verantwortlich bezeichnet werden, für was in der sozialen Realität passiert, einschließlich der Kriminalisierung und Verhaftung von GefährtInnen, wo auch immer diese sein mögen. Es wäre kurzsichtig, die Frage der Repression gegen GefährtInnen zu etwas zu reduzieren, das strengstens mit dem legalen und polizeilichen Apparat verknüpft ist. Die Kriminalisierung und Verhaftung von GefährtInnen, sollte im Kontext des sozialen Kampfes als Ganzes gesehen werden, gerade weil diese immer die eiligen Mittel sind, die der Staat verwendet, um die Radikalisierung überall abzuschrecken. Ganz gleich wie groß oder unbedeutend er sein mag, so macht doch jeder Akt der Repression,Teil der Beziehungen des sozialen Kampfes aus, welcher gegen die Herrschaftsstrukturen im Gange ist.

Der zweite Aspekt ist, daß jeder revolutionärer Gefährte, jede Gefährtin, schon aus Prinzip verteidigt werden sollte, ungeachtet der Anschuldigungen, die vom staatlichen Justiz und Polizeiapparat, gegen ihn oder sie vorgebracht werden. Zu allererst weil es darum geht, ihn oder sie aus seinen Klauen zu entreißen, d.h. aus der Position des/der „Gegeiselten“, zu der er oder sie reduziert wurden. Darüber hinaus dreht es sich auch darum, die Gelegenheit nicht zu verpassen, den Angriff gegen das “Gesetz” zu intensivieren, welches dazu dient, die Äusserungen aller Machtsbeziehungen, innerhalb der bestehenden Ordnung, zu regulieren.

Beim dritten Aspekt handelt es sich um die Weigerung, die Logik der Verteidigung zu akzeptieren, die inhärent im verfassungsgebenden Gesetz liegt, so wie etwa das Problem der “Unschuld” oder “Schuld” der involvierten GefährtInnen. Wir haben mehr als genug Gründe dafür, um sie zu verteidigen und niemand kann den politischen Opportunismus rechtfertigen, dies nicht zu tun. Wir können und dürfen uns selbst nicht als AnwältInnen betrachten, sondern als revolutionäre AnarchistInnen, die an allen Fronten im Krieg sind, gegen die verfestigte soziale Ordnung. Wir wollen diese Gesellschaft von unten nach oben radikal zerstören und wir sind nicht daran interessiert über diese Ordnung zu urteilen, wie sie ein Urteil über uns fällt. Aus diesem Grund, bezeichnen wir jegliche Verurteilung, die von den staatlichen Geiern gegen ProletarierInnen in der Revolte gefällt werden, und mehr noch, wenn diese GefährtInnen sind, als eine Verurteilung gegen uns selbst und als solche rächen wir sie mit all den Mitteln, die wir als passend erachten, gemäß unserer Veranlagung und unserer persönlichen Neigung.

Der vierte und letzte Aspekt, bezieht sich auf unser Verhalten gegenüber den inhaftierten GefährtInnen. Wir fahren fort, uns ihnen gegenüber auf die selbe Weise zu verhalten, wie zu der Zeit, als sie nicht im Knast waren. Das bedeutet, daß wir mit der revolutionären Solidarität immer und in jedem Fall eine radikale Kritik vereinen. Wir können und werden Solidarität mit inhaftierten GefährtInnen zeigen, ohne uns dafür ihren Ideen zu verschreiben. Diejenigen, die Solidarität zu inhaftierten GefährtInnen zeigen, teilen nicht unbedingt deren Meinungen und Sichtweisen, und umgekehrt. Wir unterstützen alle inhaftierten GefährtInnen aber nur bis zu dem Punkt hin, wo das, was wir für sie tun, nicht in Kontrast oder in Widerspruch kommt, mit unserem revolutionären aufständischen Dasein. Unseres Beziehung ist einzig jene zwischen rebellierenden sozialen Revolutionären, nicht die von eintauschbaren Positionen. Wir opfern nicht den geringsten Teil von uns selbst, genau so, wie wir von anderen nicht erwarten dies zu tun.

Wir sehen Solidarität als eine Art Komplizenschaft, dem wir wechselseitiges Vergnügen entnehmen können. Es soll in keiner Weise eine Pflicht oder ein Opfer für die “gute und heilige Sache” sein. Es geht immer um unsere Sache, um uns selbst.

Deswegen ist revolutionäre Solidarität von primärer Bedeutung, in der Entwicklung der eigenen anarchistischen aufständischen Aktion; womit sie den Sinn bekommt, der ihr zusteht. Denn simple materielle Unterstützung, würden wir jedem Freund der im Knast endet, zukommen lassen.

Revolutionäre Solidarität macht einen wesentlichen Teil unseres Daseins als aufständische AnarchistInnen aus. Dies in einer Dimension, in der sie ein ununterbrochener Schwerpunkt darstellt und zwar einfach weil sie keine Unterbrechung bedeutet, sondern eine Fortsetzung und Ausbreitung von dem, was wir bereits tun.

Original: Solidarietà rivoluzionaria, Anarchismo n.72, Mai 1993, pp.8-9. Übersetzt aus dem Englischen im Juli 2008 von Amplexus Publikationen.