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Weltstadt mit Herz für den technologischen Totalitarismus

„Wenn Sie … vom Hauptbahnhof in München … mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen … am … am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten.

Wem klingen diese berühmten Worte nicht im Ohr, wenn er in München die Schlagzeilen auf den Zeitungskästen liest, dass ein neues vielversprechendes Fortbewegungsmittel der Zukunft für den Transport tausender Menschen zum Münchner Flughafen diskutiert wird: Flugtaxis! Doch während man über die „Pläne, wie Flugautos in der Zukunft den Verkehr entlasten könnten“, noch herzlichst lachen kann, sind diese nur ein kleiner Baustein eines viel größeren diskutierten Komplexes, der bereits seit einigen Jahren in München vorangetrieben wird: der „Smart City“.

Seit circa zehn Jahren leben mehr als die Hälfte der Menschen auf diesem Planeten in Städten. Bis 2050, so prognostiziert die WHO, könnten es knapp 70 Prozent aller Menschen sein. „Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Städte sein“, schwadronieren diejenigen, denen aufgrund dieser so zumindest angedachten Tatsache eine grundlegende Neuorganisation dieses Molochs vorschwebt. Das Modell Stadt braucht nämlich aufgrund immer weiter ansteigender Bewohner*innenzahlen eine Rundumerneuerung. Smog, Stau, noch mehr Smog, „Kriminalität“, vollgestopfte U-Bahnen, vollgestopfte Straßen, Lärm, Berge von Müll und natürlich noch mehr Smog: all diese Probleme sollen nach Plan ihrer Verwalter*innen bald der Vergangenheit angehören. Die Stadt der Zukunft: Sie soll sauber, abgasfrei, staufrei, ruhig, sicher, mobil, grün sein, indem jeder beeinflussbare Parameter durch Messung, Visualisierung und „intelligente“ und maschinengestützte Berechnung im gewünschten Sinne effizient gesteuert wird. Eine perfekte Ordnung, in der Maschinen den Unsicherheitsfaktor Mensch ausschalten sollen, in der nichts Unverhergesehenes mehr passieren kann, in der man alles unter Kontrolle hat, keine Störungen, kein Chaos, kein Leben. „Smart City“, so nennt sich diese Utopie der Technokrat*innen, die, eingesperrt in ihren Glas- und Betonkäfigen überwacht von ihrer Smartwatch und diversen Healthapps mehr von ihrer wachen Zeit vor einem Bildschirm als mit einem anderen echten Menschen verbringen, und davon bereits so verwirrt sind, dass sie lieber einen Roboter haben, der sich um sie kümmert als einen Menschen.

Natürlich ist auch München ganz vorne mit dabei die Stadt und Mobilität von morgen zu entwickeln. Tech-Unternehmen schwärmen von München als dem „neuen Silicon Valley“, haben es liebevoll „Isar Valley“ getauft. Immer mehr Tech-Unternehmen siedeln sich in München an, viele werden dort geboren, bereits in München sitzende Tech-Unternehmen bauen ihre Infrastruktur aus. Die soeben in München stattgefundene, zur „Mobilitätsmesse“ umkonzeptionierte Automesse „IAA Mobility“ versteht sich als „Initialzündung“ zur Entwicklung einer „Smart City“. In ganz München schießen Sharing-Anbieter, eAuto-Ladesäulen, eScooter, eBikes und eRoller wie Pilze aus dem Boden. Gezielt fördert die Stadt dabei die Forschung an „digitalen Lösungen“.

Smart Data Plattform, Digitaler Zwilling, Internet of Things

Von 2017 bis Juli diesen Jahres setzten Münchens Verwalter*innen etwa das Smarter-Together-Pilotprojekt um, um erste Schritte in Richtung Smart City zu testen und in Gang zu bringen. Die Bilanz: natürlich enthusiastisch, die „Digitalisierungsstrategie“ bis 2025 beschreibt nun die nächsten Schritte. Ein großes Projekt der Stadt ist dabei die Erstellung einer zentralen Datenbank, der sogenannten „Smart Data Plattform“, denn die „Erzeugung, Bereitstellung, Analyse und der Austausch von Daten sind wichtige städtische Grundlagen zur Entwicklung einer lebenswerten Smart City.“ In der Smart Data Plattform sollen die Daten zur Auswertung zentral zusammenlaufen, auf die dann alle „Fachbereiche“ Zugriff haben sollen und zu deren Datenbank auch „Datenbestände aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft“ hinzugefügt werden sollen. Insgesamt sollen „Dinge“, wie es auf der Digitalisierungs-Propagandaseite der Stadt heißt, mit Sensoren ausgestattet und über ein Internet of Things miteinander verbunden werden. Die Messdaten der Sensoren sollen „innovative Lösungen in Bereichen wie Mobilität, Energie, Sicherheit oder Umwelt“ ermöglichen. Welche „Dinge“ mit was für Sensoren bestückt werden sollen bzw. auf welche Daten die Stadt zugreifen will, bleibt bisher relativ vage. Grundsätzlich werden Daten aus Smart Homes, „sonstige Gebäudedaten“, die Nutzungszahlen der smarten Mobilitätsangebote, die Messungen smarter Lichtmasten und „andere bestehende Daten“ als Datenpools genannt.

Konkret testete die Stadt als ein erstes Pilotprojekt in Neuaubing-Westkreuz den Einsatz „smarter“ Straßenlaternen. Dafür wurden 60 „smarte“ Laternen in drei Straßen installiert, die mit unterschiedlichsten Sensoren zur Erfassung von Daten zur Luftqualität, zum Wetter, zum Parkplatzmanagement und zum Verkehrsfluss, sowie WLan ausgestattet waren. Die Bilanz fällt nach dem Test eher nüchtern aus: Der Ausbau der erforderlichen Infrastruktur sei kompliziert und viel zu teuer. Deshalb seien smarte Laternen eigentlich nur für ausgewählte Standorte sinnvoll einsetzbar, nicht jedoch als flächendeckende Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet. Jedoch seien dank dieses Versuchs smarte Lichtmasten „bei Bedarf einsatzbereit“.

Neues Projekt der Stadt ist nun die „Smartisierung“ von Altkleidercontainern, sodass diese von selbst ihren Füllstand erkennen. Bereits seit 2020 sollen entsprechende Sensoren in die Container eingebaut werden, wie weit die Durchführung dieses Projekts ist, konnte ich leider nicht herausfinden, es heißt nur, es würden bisher „erste smarte Altkleidercontainer pilotiert“. Des Weiteren plant die Stadt städtische Fahrzeuge mit Sensorik auszustatten. Auch die von der Stadt geförderten eMobility- und Sharing-Modelle, die bereits jetzt die Stadt fluten, mvg-eBikes und -eScooter, Carsharing-Fahrzeuge und eLadestationen, verschaffen der Stadt enorme Datenmengen über die Nutzung dieser Angebote, die wiederum in eine Auswertung des Nutzungsverhaltens der Fahrzeuge und von Fahrtstrecken münden.

Als weitere mögliche Datenquelle ist außerdem seit Januar 2020 in ganz Deutschland der sukzessive Einbau sogenannter Smart Meter – Stromzähler für das Haus, die alle 15 Minuten den Stromverbrauch speichern und alle 24 Stunden die Daten übertragen – für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6000 kWh pro Jahr, für Betreiber von stromerzeugenden Anlagen und für Nutzer von Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen Pflicht, für alle anderen (was die meisten Privathaushalte sind) ist es fortan erlaubt, der Trend soll langfristig in Richtung einer kompletten Umstellung auf Smart Meter gehen. Über den Einbau darf dabei nur der Vermieter oder der Messstellenbetreiber entscheiden, nicht aber der faktische Bewohner eines Haushalts. Mit dem Smart Meter kann ein jederzeit zugängliches, sehr genaues und aktuelles Strom-Nutzungsprofil pro Haushalt erstellt werden. Sicherheitsbehörden sabbern natürlich bereits bei den Möglichkeiten, mithilfe der genauen Beobachtung des Stromverbrauchs gewisser Milieus (die beispielsweise der organisierten Kriminalität verdächtigt werden) Straftaten aufzuklären. Darüber hinaus sind Autohersteller verpflichtet ab 1. April 2022 Messwerte zum Kraftstoff- und Stromverbrauch der individuellen Fahrzeuge an die europäische Umweltagentur zu senden. Dabei werden die Fahrzeug-Identifikationsnummer, die Fahrgeschwindigkeit, die zurückgelegte Strecke und der Kraftstoffverbrauch erfasst. Bereits seit 2018 müssen in alle Neuwägen außerdem GPS-Sender verbaut werden.

Die Smart Data Plattform soll außerdem dazu dienen einen „Digitalen Zwilling“ zu erstellen, der bis 2024 fertig gestellt werden soll. Dabei ist die Bezeichnung „Digitaler Zwilling“ durchaus wörtlich gemeint: Mithilfe regelmäßiger Drohnenflüge über der Stadt sollen aktuelle Luftaufnahmen dabei helfen, ein hochaufgelöstes 3D-Modell für die gesamte Stadt zu erstellen. Kamerabestückte Spezialfahrzeuge sollen in sogenannten „Mobile-Mapping-Kampagnen“ Daten über den Straßenraum und seine Infrastruktur ergänzen. Damit dieser virtuelle „Zwilling“ den Anschein des tatsächlichen Abbilds der echten Stadt bekommt, sollen „dynamische Daten“ und „Echtzeitinformationen“, durch den Zugriff auf Internet-of-Things-Systeme, etwa Kaffeemaschinen oder Kühlschränke mit W-LAN, und auf Sensordaten, die mithilfe tausender überall in der Stadt installierter Sensoren erhoben werden, in den „Zwilling“ eingespeist werden. Städtische Fahrzeuge sollen mit Sensoren ausgestattet werden, die „Umweltdaten“ erheben sollen. Durch den Ausbau „stadtweiter Sensorik- und Messsysteme“ soll eine Echtzeit-Erfassung „relevanter Datenströme“ ermöglicht werden. Um diese Masse an Daten künftig generieren und insbesondere transportieren zu können, arbeitet die Stadt deshalb auch daran, das Internet of Things technisch überhaupt erst zu ermöglichen, indem sie beispielsweise das Long Range Wide Area Network (LoRa WAN) und das 5G-Funknetz ausbaut. Zentraler Ansprechpartner dieses Projekts ist der GeodatenService München (Denisstraße 2), wichtiger Partner das IT-Referat der Stadt München (Agnes-Pockels-Bogen 21).

Einen Faktor soll dieser Zwilling aber angeblich nicht wiedergeben: den Menschen. Eines der Propagandavideos illustriert das zumindest gewünschte Ausmaß des Digitalen Zwillings: In Echtzeit soll es möglich sein nachzuschauen, wo gerade ein Auto oder Fahrrad entlangfährt. Aber, wie an dieser Stelle noch einmal versichert wird, „selbstverständlich werden dabei keine personenbezogenen Daten erfasst“. Das Video zeigt dabei, wie eine Person mit Kinderwagen zuerst von einer Drohne und einem Kamerawagen fotografiert wird, dann aber ihr Gesicht verpixelt wird. „Maximale Transparenz“ und „eine genaue Datengrundlage“ sind das Ziel dieses Binge-Datensammelns. Alles zum Zwecke des Gemeinwohls, denn ohne Riesendatensätze seien „wichtige soziale Güter“ nicht zugänglich. „Mittels Digitalisierung der Verkehrswege“ erhoffe man sich etwa eine saubere Luft. Doch damit man keine Panik vor Big Brother bekommt, wird versprochen, dass die erhobenen Daten im Nachhinein anonymisiert werden. Erheben muss man sie aber natürlich trotzdem.

Dann braucht man sich ja keine Sorgen zu machen, wenn sich auf der Webseite der gerade in München stattgefundenen „IAA Mobility“ – dem „Treiber, der Impulse für eine Weiterentwicklung einer Millionenstadt zu einer Smart City mit intelligenten Verkehrskonzepten und innovativer Vernetzung der Verkehrsträger gibt – nachhaltig und an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet“ – zu der Frage „Kommt mit der Smart City die Überwachung?“ recht unverblümt nachlesen lässt:

„Im Endeffekt ist das Leben in Songdo [eine Smart-City-Planstadt in Südkorea] komplett überwacht. Und das 24 Stunden am Tag. Ganz gleich, ob bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs. Jeder, der hier wohnt oder arbeitet, muss sich bewusst sein, dass er Teil einer permanenten Datenerhebung ist.“

Anders als in den Polizeistaaten der Vergangenheit setzt die sich anbahnende eDemocracy nicht auf den mehr oder weniger geheim operierenden Überwachungsstaat, sondern auf „maximale Transparenz“ und „Offenheit“. „Wissen zu teilen ist ein grundlegendes Prinzip unserer Demokratie“, heißt es etwa in der „Smarter Together“-Propaganda-Broschüre. Wer Wissen habe, könne bessere Entscheidungen treffen. Wer über sein Smartphone alle Parameter zu seinem Leben vorgehalten bekomme, wieviele Meter man zurückgelegt, wie viel man getrunken, wie oft man den 1,5-m-Abstand zu anderen Menschen nicht eingehalten, wie viel Strom man wann verbraucht habe, der könne besser herausfinden, was das „richtige“ Verhalten sei. Anreize schaffen zur Selbstoptimierung, zur sanften Verhaltensanpassung mithilfe von Bonusprogrammen oder Gewährung von „Privilegien“, etwa das, aus dem Haus gehen zu dürfen, das ist der Totalitarismus von morgen.

Und sollte es doch noch ein paar Unbelehrbare geben, dann sehen natürlich auch die Sicherheitsbehörden ein riesiges Potenzial in der „Transparenz von morgen“. Bisher finden die Sicherheitsbehörden in den Propagandamaterialien für München kaum Erwähnung. In punkto „Sicherheit“ wird nur ein konkretes Projekt erwähnt: die Ausstattung der Feuerwehr mit Drohnen, um aus der Luft schneller „Fluchtwege“ zu erkennen. Logischerweise können Drohnen Fluchtwege nicht nur bei Bränden erkennen. Bereits heute setzt die Polizei Drohnen für Luftaufnahmen von Tatorten, zur Sicherung von Bahnstrecken oder zur Aufspürung von „Verkehrssündern“ ein. Das 2018 reformierte bayerische Polizeiaufgabengesetz erlaubt außerdem den Drohneneinsatz bei Demonstrationen (mit „Eskalations“potenzial, etwa wenn erwartbar ist, dass „Ordnungswidrigkeiten (!) von erheblicher Bedeutung“ begangen werden könnten) und Observationen. Künstliche Intelligenz wird teilweise bereits dazu eingesetzt vorherzusagen, in welchen Vierteln oder sogar Straßen in nächster Zukunft Einbrüche stattfinden könnten. Eine ganze Behörde gibt es für die bundesweite Forschung am Ausbau der technologischen Überwachung: Die „Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich“ (ZITis, Postanschrift: Zamdorfer Str. 88, Büros „NEO“: Hermann-Weinhauser-Str. 73, zukünftig soll die ZITis ein eigenes Gebäude auf dem Gelände der Bundeswehr-Uni in Neubiberg erhalten), „das Start-Up unter den Behörden“ und 2017 erst ins Leben gerufen, ist für „digitale Forensik, Telekommunikationsüberwachung, Krypto- und Big Data-Analyse“ zuständig. Aktuelle Forschungsprojekte von ZITis sind etwa FORMOBILE, in dem die Auswertung von Handydaten verbessert werden soll, oder KISTRA, das den Einsatz von KI zur Früherkennung von Straftaten der „Hasskriminalität“ erforscht. Am Projekt KISTRA ist übrigens auch das Unternehmen „Munich Innovations Lab“ (Pettenkoferstr. 24) beteiligt, ebenso wie Prof. Dr. Rieger für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU, die für KISTRA die „sozialwissenschaftliche Begleitforschung [übernimmt] und … durch die Untersuchung der Bedingungen von Wahrnehmung und Wirkung von Hass im Internet zum Gesamtvorhaben bei[trägt]“.

Isar Valley

Die Pläne der Stadt sind dabei aber nur die eine Seite der Medaille. Sie dienen überwiegend der verbesserten Stadtplanung und -verwaltung, die nebenbei natürlich auch den Sicherheitsbehörden riesige Möglichkeiten eröffnen. Doch was wäre die Regierung ohne die Unternehmen, die den technologischen Wandel mit aller Macht vorantreiben. Denn nicht nur die neuesten „smarten“ Angebote wie die städtischen Sharingdienste sind mit Spionagesoftware gespickt. Auch das eigene Auto und das eigene (e-)Bike ist mit GPS-Sendern ausgestattet, die neue Fernbedienung mit „Alexa“, die Türklingel mit Kameras, die ihre Bilder nicht „nur“ ans eigene Smartphone schicken, sondern auch an die Konzernzentrale des Herstellers, ebenso der neue Tesla, die neue Kaffeemaschine und der Kühlschrank haben W-LAN. Die Telekom bietet bereits heute an das eigene Zuhause in einen komplett überwachten Raum umzubauen, das sogenannte „Smart Home“. Laut irgendwelcher Statistiken besitzen inzwischen bereits 89 Prozent der Menschen in Deutschland ein Smartphone, das eins der zentralen Werkzeuge zur Nutzung all dieser „smarten“ Angebote ist und entsprechend immer mehr einen privaten „digitalen Zwilling“ seines Nutzers erstellt, der in der neuen „transparenten“ eDemocracy für viele Interessenten, etwa Unternehmen und Behörden, wichtige Informationen liefert. In diesem neuen System, in dem es „weniger Bedarf an Wahlen, Mehrheitsfindungen oder Abstimmungen gibt“, da alle „genau wissen, was Leute tun und möchten“, in dem „Verhaltens-bezogene Daten … Demokratie als das gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen“ (Smart City Charta der Bundesregierung), was übrigens auch die Erfüllung des Traumes einiger „pragmatischer Anarchist*innen“ wäre, die in einem solchen datenbasierten kybernetischen System die perfekte staatsfreie Selbstverwaltung sehen, braucht es keinen zentralen Akteur, keinen Schritt-für-Schritt-Plan, keine zentralisierte Planung, keinen direkten Zwang und keinen zentralen Überwachungsapparat. Was das Potenzial dieser Flut an Daten ist und wie sie genutzt werden können, das wird sich in Zukunft noch zeigen. Doch es kann nur nützen, so viele Daten wie möglich erst einmal zu sammeln.

Um nun all diese kostbaren Daten abzuschöpfen, bzw. sie zu generieren, braucht es aber noch viele schlaue Köpfe, die die entsprechende Technologie erfinden und entwickeln und viel Kapital. In München gibt es dafür einige Projekte, um diese beiden Faktoren zusammenzubringen. Die Stadt selbst eröffnete dafür im Juni gemeinsam mit der bereits seit 2002 existierenden „Start-Up-Schmiede“ UnternehmerTUM das Munich Urban Colab, ein „Innovations- und Gründungszentrum für Smart City Solutions“ (Freddie-Mercury-Straße 5 im Kreativquartier), in dem Start-Ups, Studenten, Wissenschaftler, Mitarbeiter von DAX-Konzernen, Investoren und Beamte des Wirtschaftsreferats Platz finden sollen um zu forschen, zu basteln und zu entwickeln, sich auszutauschen und zu vernetzen. Die Stadt hat außerdem ein „Mobility Hub“ gegründet, das ebenfalls seinen Sitz im Colab hat und das ebenfalls Start-Ups mit Investoren im Bereich Mobilität zusammenbringen soll. Dafür verantworlich, dass es in München eine recht bedeutende Start-Up-Szene gibt, ist das von der BMW- und Quandt-Erbin Susanne Klatten gegründete Gründerzentrum UnternehmerTUM (Lichtenbergstr. 6 in Garching), das insbesondere Studenten der TU dazu animiert ihre Forschungen in Geschäftsideen zu verwandeln und diese mit Investoren zusammenbringt. Die TU, aber auch die LMU sind wichtige Quellen zur Entwicklung technischer Lösungen und um Nachwuchs für die Tech-Unternehmen zu rekrutieren. Die TU beherbergt unter anderem die Munich School of Robotics and Machine Intelligence (Heßstr. 134), die insbesondere an Künstlicher Intelligenz und der Entwicklung von Robotern forscht. Die TU verfolgt auch schon länger den „Industry on Campus“-Ansatz und arbeitet eng mit Unternehmen zusammen, die hohe Geldsummen in die Universität pumpen. Der Lidl-Gründer schenkte der TU etwa Ende 2017 zwanzig neue BWL-Professuren, Google ist „Exzellenzpartner“ der TU, spendete eine Million in die Uni zur Erforschung von Künstlicher Intelligenz, Maschinellem Lernen und Robotik und schloss einen Rahmenvertrag für gemeinsame Forschung. Auch der Halbleiterhersteller Infineon, die Autohersteller BMW und VW sowie der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sind „Exzellenzpartner“ der TU, d. h. sie spendeten der Uni mindestens eine halbe Million Euro.

Im Gegensatz zu Berlin gilt München als Brutkasten für „Deep-Tech-Unternehmen“ und „Business-to-Business-Konzepte“. Große Tech-Unternehmen wie IBM, Huawei, Amazon, Microsoft, Fujitsu, SAP, Salesforce, Infineon, BMW, Siemens und Intel haben Standorte oder sogar ihren Sitz in München. Apple will neben der bereits existierenden Forschungseinrichtung in München nun in der Nähe der Spaten-Brauerei in der Karlstraße ein „Europäisches Zentrum für Chip-Design“ errichten. Google baut sich im Postpalast an der Hackerbrücke einen zweiten Standort auf. SAP hat Mitte Juli mit dem Bau eines neuen Forschungs- und Entwicklungsstandorts auf dem Garchinger Campus der TU begonnen. Dieser soll Platz für 600 SAP-Mitarbeiter und für 130 Professoren und Studenten der TU bieten. Das World Economic Forum will ein „Forschungszentrum für die vierte industrielle Revolution“ in München eröffnen. Intel will ab 2022 in München einen automatisierten Taxidienst mit selbstfahrenden Autos anbieten. BMW als Münchner Traditionsunternehmen, das als eines der wenigen Unternehmen auch in München seinen Produktionsstandort hat, ist in München ein zentraler Akteur, der die Digitalisierung vorantreibt. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Entwicklung autonom fahrender Autos. Um diesem Ziel näherzukommen, eröffnete BMW 2016 in Unterschleißheim das BMW-Entwicklungszentrum „Campus Autonomes Fahren“ (Landshuter Str. 26). Autonom fahrende Autos, deren Vision das Versprechen beinhalten, die Zahl der Autounfälle maßgeblich zu reduzieren, sind ein maßgeblicher Faktor um die Akzeptanz eines Internet of Things zu steigern und ein allumfassendes Überwachungsnetz aufzuspannen, das die Autos brauchen, um autonom fahren zu können.

München – Stadt mit Herz für den technologischen Totalitarismus

Wie man sieht, ist München in Europa ein wichtiger Standort für den technologischen Alptraum, in dem wir heute bereits leben und der in Zukunft gigantische Ausmaße annehmen soll. Die reale Umsetzung der ambitionierten städtischen Smart-City-Pläne wirken erst einmal eher mau, ja gar lächerlich, wenn man anschaut, dass sie darin bestehen sollen, Altkleidercontainer zu smartisieren und diesen Digitalen Zwilling zu erstellen. Immerhin hat Google bereits vor Jahren die ganze Stadt mit ihrem Google-StreetView-Projekt digitalisiert, Apple schickt derzeit bis Anfang Oktober noch für „Apple-Maps“ elf Kamera-Autos auf die Münchner Straßen. Für gewisse Projekte wie die E-Akte oder das „München Portal der Zukunft“ fehlt der Stadt außerdem laut eigener Aussage wegen Corona gerade das Geld. Auch die Erweiterung der Smart-City-Projekte über die bereits beschlossenen Maßnahmen hinaus wurde aus Geldmangel vorerst vehement ausgeschlossen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „Corona-Krise“ der ganzen Digitalisierung auch in München einen enormen Schub verliehen hat, insbesondere um ihre Akzeptanz zu steigern und mit Gewalt eine Umstellung auf die Nutzung digitaler Angebote zu erzwingen. Auch die Münchner Politiker und Unternehmer blasen in das Horn Corona als „Chance“ zu begreifen um die Digitalisierung massiv voranzutreiben und benutzen Corona als Rechtfertigung für einen schnellen Umbau. Die Bekämpfung auch zukünftiger Epi- oder Pandemien ist ein willkommener Vorwand zur Realisierung der Digitalisierungspläne. Auch die gezielte Förderung des „Tech-Standorts“ München durch die Politik und die ambitionierten Pläne der einzelnen Unternehmen, Forscher, Studenten und Kapitalgeber, die die Förderangebote der Stadt mit Kusshand entgegennehmen, die dezentrale schleichende Einführung (potenziell) smarter Gegenstände in allen Lebensbereichen sowie die digitale Umstellung vieler Prozesse treiben das Projekt „Smart City“ sehr real und aufgrund der vielen Akteure und Bereiche relativ unbemerkt voran. Hier in München ist eins der vielen Herzen des sich entwickelnden, neuen technologischen Totalitarismus. Hier wurde und wird die Technologie von heute wie die von morgen maßgeblich entwickelt und vermarktet.

Für uns gilt es angesichts dieser Vielzahl an Feinden der Freiheit die Achillesfersen dieses Monsters zu finden. Startups etwa sind sehr von der Motivation einzelner Personen abhängig und können schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Einzelne Bauteile sind außerdem momentan aufgrund der corona-bedingten Produktionsausfälle schwer lieferbar oder werden immer teurer. Beispielsweise die für smarte Geräte unabdingbaren Halbleiter haben gerade mit Lieferengpässen und Rohstoffmangel zu kämpfen. Auch Stahl ist momentan ein gefragtes Gut, weil China seinen Export eingestellt hat. Sonstige Metalle sind ebenfalls gerade sehr knapp. Die Just-in-Time-Produktion zeigt aktuell ihre Schwächen, die Automobilproduktion etwa hat durch Rohstoff- und Bauteil-Lieferengpässe Produktionsschwierigkeiten. Es ist bereits von einer „Rohstoffkrise“ die Rede. Auch die Logistik hat durch teilweise wochenlange Shutdowns von Containerhäfen u. ä. riesige Rückstaus abzuarbeiten und zu wenig Transportmittel zur Verfügung. Gezielte Sabotagen an der Logistik könnten aufgrund dieser Situation momentan große Wirkung entfalten. Ansonsten ist auch weiterhin die Sabotage an der Funk- wie auch an der Strominfrastruktur ein spannendes Interventionsfeld. Denn ohne Funk und natürlich besonders ohne Strom geht in der smarten schönen neuen Welt überhaupt nichts.

Gefängnisstadt…

Es handelt sich nur um eine kleine nichtige Sache, ein einfaches kleines elektronisches Kästchen. Es ist ein Infrarot- oder Ultraschalldetektor, der mithilfe von RFID oder GSM verbunden wird, wie er sich an allen Straßenecken (oder Geländen wie im Hochtal von Aude oder auf dem Berg Sainte Victoire) bereits seit einigen Jahren vervielfacht. Es ist gleichzeitig ein Messinstrument, das dazu dienen soll, die Luftverschmutzung zu messen, den Verkehr, den Lärm, das Gewicht des Mülls, das Wetter oder auch die Anwesenheit von Passanten, und ein Apparat, der gemäß der Algorithmen der Herrschaft programmiert ist, um mit letzteren interagieren zu können. Es kann gleichzeitig ein Bewegungsdetektor und ein Regulator der Lichtintensität sein. Es kann eine ausgefallene Wanze sein, die die Züge banaler Laternen annimmt.

In Paris tritt ein Unbekannter aus dem Zwielicht, den das Neon der Vitrinen nicht anzieht, wachsamen Auges. Er schaut stur geradeaus, bereit sich ins städtische Wirrwarr zu schlängeln, einige Meter noch zurückzulegen um erneut mit dem Hintergrund zu verschwimmen. Irgendetwas hakt jedoch, während er voranschreitet: Während das Licht der Laternen sichtlich hinter seinem Podex schwächer wird, umfängt es ihn auch ununterbrochen mit einem störrischen Lichtkegel bei jedem seiner eiligen Schritte. Es ist ein bisschen, als würde der mobile Projektor der Gefängnisstadt auf einmal ein Auge auf seine zerbrechliche Silhouette geworfen haben. Er kann sich im Süden, im Norden oder im Westen der Hauptstadt aufhalten (Square René-Le-Gall/13., Boulevard de Courcelles/17. oder Rue Antoine-Bourdelle/15. Arrondissement [Pariser Viertel, Anm. d. Übs.]), das ändert nichts daran. Das ist kein schlechter Traum: die öffentliche Beleuchtung dieser Straßen wurde neuerdings mit Präsenzdetektoren ausgestattet, mit LEDs und Stromkreisen, die mit ihrer Intensität jedem nächtlichen Spaziergänger folgen, wie Scheinwerfer, die den Überwachungskameras einen stillen Alarm senden. Dunkler davor, dunkler dahinter, aber mit einem Strom an Scheinwerfern, die auf dich gerichtet sind und die sich weigern, dich loszulassen. Eine Art umgekehrtes Schattenspiel, das man von weitem und von überall beobachten kann. Diese „intelligente“ Vorrichtung hat gleichgültig zum Vorwand genommen Strom zu sparen, Fledermäuse oder Radfahrer zu beschützen, indem die Leuchtkraft der Straßenlaternen an die Bewegung der Passanten angepasst wird, und damit aufs Neue die Metapher der Glühwürmchen realisiert, die man zu sehr sieht, weil der Rest so grau ist wie die Befriedung. Es handelt sich um eine kleine nichtige Sache, sicherlich, um lächerliche Infrarot-Präsenzdetektoren, die am Ende eines Mastes befestigt wurden, die dich allerdings in volles Licht tauchen, wenn du gerne angenehmen nächtlichen Touren nachgehen möchtest.

Um besser die Sterne sehen zu können oder einige winzige Energieeinsparungen vornehmen zu können, die die Industrie und der Krieg ansonsten gefräßig verschlingen, hat die Herrschaft natürlich nicht entschieden, seine Beleuchtung in den Metropolen komplett abzuschalten, sie hat sie lediglich angepasst, weil sie zuallererst einen Ordnungsimperativ verfolgt. Einst kam als erstes der Erlass von Heinrich II. 1558, der in der Hauptstadt des Königreichs [Frankreich, Anm. d. Übs.] einen Erlass gegen „die Schächer, Diebe, Türaufbrecher“ verkündete, in dem er befahl Laternen (damals Eisenkörbe, die mit Harz und Werg gefüllt waren und an Holzträger aufgehängt wurden) an jeder Straßenecke und in der Mitte der längeren unter ihnen zu entfachen, von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens, 6 Monate im Jahr. Dann war es Ludwig XIV. 1667 mit seinem berühmten Slogan „Sauberkeit, Klarheit, Sicherheit“, der um die 2800 Laternen innerhalb weniger Monate errichten ließ, die von den Bürgern aus der Gegend unterhalten wurden und jedes Jahr vom 20. Oktober bis zum 31. März angemacht wurden, auch in den Vollmondnächten. Die anschließenden Übergänge von Kienspänen und Talglichtern über Öllaternen zu Gas- und endlich zu elektrischen Laternen – mit Glühbirnen, die heutzutage mit mit Sensoren versehenen LEDs ersetzt werden – war weniger Ausdruck der Sorge der Herrschenden um Fledermäuse oder verlorene Nachteulen, sondern galt der Perfektionierung in der Überwachung, der Kontrolle und der Verfolgung der Unerwünschten, um den Schlaf und das Hab und Gut der Reichen zu beschützen.

Dieses strahlende Pariser Experiment spiegelt die neue Generation an Überwachungskameras wieder, die momentan in den weniger dicht besiedelten ländlichen Zonen ihren Einzug findet, wo die öffentlichen Kameras mit Bewegungsmeldern nur die Tagesverirrten, die ab und an vorbeikommen, aufzunehmen brauchen, allerdings an eine massifizierte und nächtliche Zone angepasst: Jeder Nachtschwärmer, Fußgänger oder Fahrradfahrer bildet ebenso viele kleine überall hervorgehobene Punkte, die anschließend von den Augen des Staates auf den Kontrollbildschirmen der Stadt unter die Lupe genommen werden. Wenn die Überwachung natürlich die Basis dieser Art Apparat ist, ist dieses Ziel allerdings nicht mehr das einzige, da diese neuen interaktiven Laternen außerdem Daten übertragen und produzieren, die detailliert jede Bewegung erfassen und Nacht für Nacht den Moloch einer werdenden Smart City nähren.

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Der absichtlich vage Begriff der Smart City, der gerade sehr in Mode ist, bezieht sich auf alles, was in der Verwaltung und Planung einer Stadt digitalisiert und verbunden werden kann. Es handelt sich gleichzeitig um eine Produktivitäts- und Profitquelle für das Kapital, und um eine gezielte Kontrolle innerhalb einer Masse für den Staat, da es so sehr klar zu sein scheint, dass, sobald alles (einschließlich ihrer Bewohner) in einer Stadt in Daten übersetzt und miteinander verbunden sein wird, alles und jeder nachverfolgbar und sichtbar für die Unternehmen und die Institutionen sein wird. Die Smart City-Projekte zielen daher hauptsächlich auf die Regierung ab (am häufigsten eine Digitalisierung der Bürokratie, um sie effizienter zu machen) oder auf den Transport- und  Energiebereich (es scheint eine Präferenz für Themen zu geben, die bereits in Begriffen von Strömen und Knoten gedacht werden). Was die Sicherheitsdomäne betrifft (die Integration verschiedener Überwachungsformen und -plattformen als auch die Einführung neuer Technologien wie der Gesichtserkennung und der programmgestützten Verhaltens- und Situationsanalyse), wenn diese weniger in den Vordergrund gestellt wird, ist es sicherlich um zu vermeiden, dass die Smart City auf Anhieb mit den dystopischen Bildern von Big Brother in Verbindung gebracht wird (auch wenn Staaten wie Singapur, China oder näher von hier die Niederlande und das Vereinigte Königreich ohne große Hemmungen ihre Möglichkeiten austesten).

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit den interaktiven Straßenlaternen, die der ganze Stolz des Unternehmens Evesca sind, diese „Ansammlung mehrerer Technologien um unterschiedliche Verkehrsteilnehmertypen zu erkennen, denn selbst der Anwohner, der seinen Müll hinunterbringt, soll erkannt werden.“ Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen. In einer ersten Zeit, sobald einmal diese Wanzen in größerem Maßstab verbreitet sind, wird sich die Möglichkeit entwickeln können, präzise Statistiken über die Nutzung jeder Straße und jedes Gehwegteils zu erheben, um die Müllabholung, die Parkplätze, die Ampeln, die Einzugsgebiete von Geschäften (jener Laden mit jener Sache an jener Stelle) oder auch die Touren von Taxis und die Streifen der Polizei – wie sie in ihrer Techsprache sagen – zu optimieren. Und da man nicht vergessen kann, dass viele der Daten zuerst in Form von Selbstpolizierung der Nutzer von Smartphones und verbundenen Objekten verschenkt werden, haben einige Start-Ups wie Quantmetry (auf Algorithmie spezialisiert) und Dataiku (auf die Analyse und Einrichtung/Verwaltung von Big-Data-Plattformen spezialisiert) seit 2017 eilig die Mobilfunkdaten des SFR-Netzes (Anzahl der anwesenden Personen pro Straße und Fortbewegungsgeschwindigkeit ) mit denen der Vermessung des Fußgänger- und Straßenverkehrs mithilfe von Induktionsschleifen im Straßenpflaster, die das Pariser Rathaus zur Verfügung stellt, und das für ein ganzes Arrondissement (das 13.), miteinander kombiniert, um diese famosen  Straßenlaternen mit Bewegungsmelder zu entwickeln. Diese wiederum, und das in der zweiten Zeit, werden bis 2019 das Detail jeder individuellen Route in ihrer ganzen Einzigartigkeit ausspucken, um so weiterhin zu ermöglichen, die globale Datenbank zu nähren, zu verfeinern, zu erweitern, zu kreuzen und komplexer zu machen, usw.

Die Smart City kann nicht Punkt für Punkt angegriffen werden, indem man den Aussagewert von diesem oder jenem anzweifelt, sondern muss als eine gewaltige Maschine begriffen werden, die Millionen an Daten in allen Bereichen produziert, verbindet, extrapoliert und generiert, und damit eine angestrebte totale Vernetzung eines jeden Lebensausdrucks auf einem Gebiet ermöglicht, um  den Fluss (von Waren im Alltag wie auch von Militär im Fall von Störungen) rationalisieren zu können, einen gezielten Alarm auslösen zu können, die Quelle eines Problems ausfindig machen zu können und dieses schnellstmöglich zu lösen. Das ist nicht mehr und nicht weniger als ein Projekt der Kontrolle und der Verwaltung, angepasst an eine Massengesellschaft, und mit dem Ziel Antworten auf alle Schwachstellen und andere auswählbare statistische Anomalien, ausgehend von Normen, die selbst auch nach Lust und Laune flexibel und  manipulierbar sind, zu entwickeln und diese zu regulieren (das ist das Schöne daran über Big Data zu verfügen, dass man die Frageparameter der Datenbank verändern kann). Geräusch-, Bewegungs-, Strahlen-, Zeiten-, Körperwärme-, Temperatur-, Tonsensoren oder Sensoren über die Nutzung öffentlicher wie privater Flächen (falls euch Linky oder GPS, das seit 2017 in jedes neue Auto verpflichtend eingebaut wird, etwas sagen): einmal in den großen Daten- und Appfleischwolf eingerührt, dessen Zutaten an allen Straßenecken gesammelt wurden, wird keine davon in einer nahen Zukunft nicht stramm stehen um die Netze der Ausbeutung, der Kontrolle und der verallgemeinerten Enteignung unseres Lebens noch enger zu ziehen.

Es ist entsprechend auch nicht überraschend, dass Unternehmen wie Bouygues [französischer Mobilfunkanbieter], Suez [französisches Wasserunternehmen], Mastercard oder EDF [französisches Stromunternehmen] auch Teilnehmer des jährlichen Datacity-Projektwettbewerbs sind, das von der Stadt Paris veranstaltet wird, und Inkubatoren des Start-Ups NUMA (der Streich mit den Snitch-Laternen ist eins der zehn ausgezeichneten Projekte von 2017). Oder dass trotz aller mit den „anti-terroristischen“ Maßnahmen verknüpften Einschränkungen ein kleines Flugzeug auf niedriger Höhe Paris und seine Umgebung vier Monate lang bis nächsten 30. September überfliegen darf. Dieses Flugzeug, das der Gesellschaft Aerodata (aus Lille) gehört, soll mithilfe von Kameras die 180 000 Gebäude der Hauptstadt digitalisieren, Daten, die durch Geometer von Geosat (ansässig in Bordeaux) vervollständigt werden, die damit beauftragt sind am Boden Straßenerhebungen mit einem Laser-Scanner durchzuführen, bevor das Ganze zur ersten 3D-Karte von Paris verarbeitet wird, realisiert durch Luxcarta (ansässig in Nizza). Dieses 3D-Modell für um die drei Millionen Euro  wird eine der grundlegenden Datensammlungen sein, die erlaubt fein alle anderen auszuwerten, indem sie allen Start-Up-Haien zur Verfügung gestellt wird um das Abheben einer invasiven Smart City wie nie zu stimulieren.

Es verhält sich nicht anders im Bereich der Sicherheit, sodass die verschiedenen Autoritäten regelmäßig ihre eigenen „Hackathons“starten um Informatikern, Mathematikern und anderen Ingenieuren zu ermöglichen ihre kostbaren Daten auszuwerten: nach dem im Januar 2016 nominierten Nec Mergitur haben die Polizeipräfektur von Paris und die Stadt beispielsweise unter 400 Teilnehmern das Start-Up Etaonis ausgewählt, das den Bullen helfen wird „die Informationen in den sozialen Netzwerken zuverlässig und geolokalisiert zu filtern“ oder Repaire, die einen Dienst erarbeiten werden, mithilfe dessen die Ordnungskräfte Zugang zu allen Gebäudegrundrissen in 2D und 3D haben. Auf seiner Seite hat das [französische] Justizministerium auch nicht geruht, etwa mit seinem „Hackathon“ von Januar 2018 hunderten von Teilnehmern vorzuschlagen sich die digitale Plattform der zukünftigen Agence nationale du travail d’intérêt général [Nationalagentur für Sozialstunden] vorzustellen mit dem Ziel „die Verfolgung der Ausführung der Strafe zu verbessern um darüber zu wachen, dass die Sanktion effektiv ist“… Dies wird natürlich durch die komplette Digitalisierung der Daten dieses Ministeriums, aller verhängten Urteile und der Daten über die Verurteilten bis hin zu einer strikten zukünftigen Vernetzung mit den Strukturen, in denen diese Zwangsarbeit geleistet werden soll, ermöglicht. Und wenn wir schon dabei sind, erinnern wir uns daran, dass von April bis Juni 2017 die Berufungsgerichte von Douai und von Rennes die Erlaubnis bekamen mit dem Start-Up Predicitive, Preisträger eines vorangehenden Wettbewerbs, zusammenzuarbeiten, was ihr ermöglicht hat die Rechtsprechung der Berufungs- und der Kassationsgerichte, sprich hunderttausende Dokumente zu digitalisieren, um sein Programm zum Laufen zu bringen, das die Erfolgschancen einer Gerichtsakte bewertet und die wahrscheinliche Schadensersatzhöhe berechnet.

Mit diesem letztens stattgefundenen, groß angelegten Experiment zu diesem „Hilfswerkzeug zur Entscheidungsfindung für die Richter, das auch als Mittel dienen kann die Gerichte zu entlasten“, erforscht der Staat die andere Facette von Big Data: Die Extrapolierung der Zukunft anhand der Summe der vergangenen Vorkommnisse mithilfe künstlicher Intelligenz um Ereignisse vorauszusehen und vorauszusagen, d. h. die sogenannte prädiktive Justiz, die einen dann doch so ein bisschen an Minority Report erinnert. Genauso wie übrigens die Ordnungskräfte, die vorhaben ihre Streifen an der Summe von ihren neuen NEO-Tablets generierten Elementen zu orientierten, um ihre Statistiken der auf frischer Tat ertappten Delikte aufzublasen (insbesondere Einbrüche und Autodiebstähle). Oder wie das Geschäftsviertel La Défense in Paris, das die Sitze zahlreicher Großkonzerne versammelt und im Januar 2018 seinen „Hyperviser“ eingeweiht hat, eine künstliche Intelligenz, die die Daten der 14 000  Sender und 321 auf der Straße eingesetzten Kameras sammelt und analysiert.

All das plädiert mehr denn je danach die angelegten Wege zu verlassen und das Unvorhergesehe und die Einzigartigkeit, die Vorstellungskraft und die Entschlossenheit zu kultivieren, weit weg von der Statistik der großen Zahlen, wie es uns jene Unbekannten lehren, die die Schließerautos vor den Gefängnissen von Fresnes oder von Valence letztens am 31. Mai und am 5. Juni abgefackelt haben. Oder wie uns die Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen zeigt, die einen Kabelstrang bestehend aus acht 10 000-Volt-Kabeln, der unter der Mörschbrücke in Berlin verläuft, am 31. März dieses Jahres angezündet hat. Zusätzlich dazu, dass 400 Geschäfte für lange Stunden ohne Strom waren, hat dieser Angriff vor allem den benachbarten Biotechnologiepark gelähmt und das Internet über weite Strecken lahm gelegt, denn es verliefen auch wichtige Glasfasernetze (vor allem militärische) dort. In ihrem Kommuniqué hat die Gruppe betont:

Es braucht das Eingreifen derer, die nicht länger zuschauen wollen. Zum Beispiel durch Angriffe auf das Funktionieren der Metropolen. Zum Beispiel durch die Sabotage von Strukturen, welche diese Zerstörung aufrecht erhalten, durch Angriffe auf Infrastruktureinrichtungen, künstliche Intelligenz, Smart City, Industrie 4.0 – Überwachungsformen aller Art.

***

Aber zurück zu unseren interaktiven Straßenlaternen, angesichts dieser sehr zeitgemäßen Art von Problemen, hat der berühmte zu früh verschwundene Dr. A. Ufgehts, Hals-Nasen-Ohren-Arzt für städtische Prospektive, bestätigt, dass jede Halbmaßnahme in dieser Sache nutzlos sei (die verschiedenen Sensoren, einschließlich Bilder, einen nach dem anderen ausfindig machen und neutralisieren) und stattdessen vorgeschlagen sich direkt zu ihrer Quelle zu begeben. Hinsichtlich einer Heilbehandlung empfahl er, den Blick beispielsweise gen das Viertel von Planoise in Besançon zu richten, wo eine Brandstiftung an einem Transformator während eines Krawalls im März 2015 die Augen des Staates ins Dunkel getaucht hat, oder auch gen die Stadt Niort, in der zahlreiche Stromkästen, die die Straßenbeleuchtung mehrerer Straßen versorgen, im März 2018 regelmäßig sabotiert wurden. Hinsichtlich einer Vorsorgebehandlung jedoch, schließlich ist es ja wohlbekannt, dass es ebenso wichtig ist Vorsorge zu betreiben wie zu heilen, hat er hinzugefügt, dass der Blick sich gen diese kleinen diffusen und dezentralisierten Strukturen richten könnte, die man Start-Ups nennt, von denen es nur so wimmelt um all diese Daten für die Herrschaft verwertbar zu machen. Das ist zumindest, was der gute Doktor A. Ufgehts darüber sagte, dessen (Seh-)Schärfe sicherlich nicht künstlich war.

Quand, si ce n’est maintenant?

Traduction de Wann, wenn nicht jetzt?, paru dans la brochure Brûler les foyers du virus technologique.


Ces dernières années, tous les appareils qui nous entourent se sont mis à développer une vie qui leur est propre. Les téléviseurs modernes enregistrent les conversations de leur entourage, les réfrigérateurs modernes s’occupent dans le même temps de la gestion des provisions et même les fours modernes ne se limitent plus à être un foyer de chaleur électrique : ils disposent d’interfaces internet avec lesquelles on est censé pouvoir les allumer « [en étant] en chemin » et grâce auxquelles ils échangent / sont capables d’échanger à leur guise des données avec leurs fabricants et autres indiscrets. Avec les smartphones, la plupart des gens trimballent de toute manière volontairement leur micro depuis longtemps sur tous leurs trajets. Il n’est donc pas surprenant que de nombreuses personnes fassent rentrer chez elles, y compris de leur plein gré, le programme d’espionnage de l’entreprise Amazon nommé Alexa. Et tandis que les « féru.e.s de technologies » construisent avec enthousiasme des cages qu’ils appellent « Smart Home », l’État et une flopée d’entreprises de technologie ont des plans et des visions encore plus vastes et importants : la (l’auto-)surveillance volontaire entre ses quatre murs, c’était hier : la « smart city » d’aujourd’hui et de demain comprend un répertoire impressionnant de capteurs sensoriels afin non seulement d’enregistrer et de surveiller avec minutie qui est où et avec qui, mais également de contrôler les mouvements et les actions des habitant.e.s de la ville, ainsi que de les orienter et de les manipuler, en utilisant des méthodes plus ou moins sophistiquées. A y regarder de plus près, cela relève semble-t-il pour eux d’une cruelle nécessité, car dans les environnements de plus en plus hostiles des villes d’aujourd’hui, où la priorité absolue est accordée au transport de bétail humain dans les bureaux, les magasins et les usines, ainsi qu’au transport de marchandises censées satisfaire de faux besoins, tout potentiel subversif doit être réduit au silence – ou mieux encore – être intégré au sein de cette illusion de vie avant qu’il ne se propage telle une épidémie et ne cause des dégâts irréparables à ce monde idéal merveilleux.

Mais comment être en capacité de contrôler une ville entière ? Là où les méthodes classiques d’architecture, de travail policier, de psychiatrie, de société carcérale, d’école et d’éducation en général atteignent leurs limites, la technologie d’information ouvre de nouvelles possibilités jusqu’alors inconnues. Et les personnes contrôlées ? Elles se laissent vendre cela (littéralement) comme un progrès (ce que c’est peut-être, mais le progrès n’a rien de positif en soi), comme une solution à leurs problèmes. N’est-il pas pratique que Google Maps nous montre le trajet le plus rapide pour se rendre au travail ? N’est-il pas agréable d’utiliser cette trottinette électrique si bien située sur son chemin pour rentrer plus rapidement à son domicile ? Et qu’en est-il du paiement ? Échelonner les paiements par sans contact avec le smartphone, partager la facture via Paypal et il ne vient même plus à l’idée d’embarquer simplement les marchandises en foutant le camp. Avec toutes ces caméras, qui aurait une telle idée ?

La plupart de ces « offres » ne sont possibles que si les données peuvent être échangées partout et à tout moment. Sinon, comment Google saurait-il exactement où se trouvent les embouteillages ? Comment les trop nombreuses trottinettes électriques (mais pas tant que ça en fin de compte) arriveraient-elles là où leurs client.e.s les attendent ? Comment s’assurer qu’on a l’argent ou la marge de crédit nécessaire sur son compte pour opérer un paiement ? Très juste : tout cela fonctionne si internet est accessible partout. D’ailleurs, si j’ai déjà accès à internet, je peux bien utiliser aussi toutes les autres offres que peut m’offrir le cyberespace. Je ne dois plus jamais perdre mon temps. Quand je prends le métro pour aller au taf, je ne gaspille plus de temps : je peux lire les nouvelles du jour, regarder en streaming le dernier épisode de ma série préférée, rester en contact avec mes potes grâce à Whatsapp, me prendre en photo pour Instagram, etc. C’est si simple que je n’ai plus jamais à ressentir l’ennui. A chaque minute de libre, je peux regarder mon smartphone plutôt que de me perdre dans mes pensées. Parfois, regarder mon appareil me semble même plus excitant que d’être en contact – rapproché – dans la réalité. Ne laisser simplement aucune place à l’ennui. Mais quand, à la fin de la journée, je repense à ce qui reste de tout cela, il n’y a que le vide laissé par cette occupation comme fin en soi. Je n’ai peut-être pas eu le sentiment de m’ennuyer mais j’ai mené une vie assez ennuyeuse. Ma vie est devenue l’incarnation d’une existence contrôlée. Mes actions sont non seulement devenues prévisibles, mais elles ne sont même plus miennes. Est-ce vraiment la vie dont j’ai rêvé ? Travailler toute la journée et regarder Netflix ou des pornos pour se détendre ? Une normalité tout au plus brisée par la montée de dopamine à chaque nouvelle notification push entrante ? Sauf que c’est le cas en permanence, parfois même chaque minute…

Même les plus fervent.e.s défenseur.e.s de la nouvelle idéologie de la « connexion permanente » ont compris entre-temps que cette forme de vie ne peut pas être « ce qui est vrai ». « Digital Detox » est l’une des dernières tendances de la Silicon Valley et désigne une sorte de « prise de congé » de l’utilisation de tous les appareils par conséquent toxiques. Pendant quelques jours, une semaine ou parfois même un mois, les utilisateur.e.s surmené.e.s sont censé.e.s faire une pause en matière d’utilisation de smartphone et d’ordinateur et ainsi désintoxiquer leurs cerveaux et leurs esprits de toute la merde technologique. Mais alors pourquoi absorber ce poison ? Alors que les gouvernements, les entreprises de technologie et leurs disciples continuent de faire des expériences avec ce venin numérique, une question se pose en premier lieu à tou.te.s les autres : pourquoi devrais-je m’administrer / me faire administrer ce poison ?

En fin de compte, rien de cela n’est ma vision. Et pourtant : en regardant autour de moi, je peux clairement voir de quelles manières (et sous quelles variantes) cette vision détermine(ra) et change(ra) ma vie, actuellement et dans un avenir proche. Même si je n’ai pas mon mouchard à écran tactile sur moi, je ne peux quasiment plus, dans cette ville sous caméras et autres capteurs, faire un pas sans que mes moindres mouvements ne soient détectés et enregistrés. Même si je n’ai pas accueilli chez moi le probablement plus grand programme privé d’espionnage du moment accessible sans smartphone ‘Alexa’, même si je n’ai pas de four, de téléviseur, de frigo « smart » ou autres, il suffit que mon/ma voisin.e et mes ami.e.s possède(nt) ce type d’appareils. Quiconque permet à un tel dispositif d’espionner son environnement rend possible non seulement le fait de se surveiller soi-même, mais aussi les autres. Le calcul des technocrates s’avère juste : une fois qu’ils/elles sont parvenu.e.s à mettre en circulation une certaine quantité d’appareils-espion, ils/elles sont capables de contrôler tous les gens, peu importe qu’ils partagent (volontairement) ou non leur vision. Selon moi, nous en sommes déjà plus loin. Des lignes internet de plus en plus rapides, des réseaux de télécommunication sans cesse plus performants ont fait exploser le nombre d’appareils (et d’objets) qui nous espionnent : des lampadaires jusqu’aux fours. De nos jours, tout semble avoir des yeux et des oreilles. Et tout cela ne fait que commencer. Si aujourd’hui on le souhaite ou on ne fait pas attention, des montres et des bracelets peuvent surveiller notre rythme cardiaque et autres paramètres vitaux. A l’avenir, nos vêtements s’en chargeront tout seuls, du moins c’est ce qu’annonce l’industrie textile. Et ce n’est qu’un exemple de la façon dont le nombre de choses qui nous espionnent va exploser. Les réseaux classiques qui aujourd’hui connectent les smartphones des gens ne suffisent plus. Ils sont trop lents et ne sont absolument pas suffisants pour connecter plusieurs appareils en même temps.

C’est la raison avancée pour le déploiement de la 5G, mais aussi pour que les gros pontifes de la technologie comme Elon Musk (le cinglé qui veut coloniser Mars pour faire de l’humanité une « espèce multi-planétaire » – c’est pas une blague, c’est sa raison !) ou le patron d’Amazon Bezos et d’autres travaillent au lancement de milliers de satellites dans l’espace censés pouvoir couvrir le monde entier en connexion internet rapide – et probablement aussi nous espionner encore de différentes manières. Plusieurs centaines de ces voyeurs de l’espace nous surveillent déjà actuellement.

Ce que certain.e.s veulent réaliser avec des satellites dans l’espace, d’autres le prévoient avec un réseau mobile terrestre partout sur le globe. La 5G, en tant que nouvelle norme de réseau mobile, est censée fournir un internet plus rapide à une large gamme d’appareils. Ainsi, la 5G devrait pouvoir s’adresser à près de 100 milliards d’appareils mobiles en même temps. Cela représente une moyenne de 12,5 appareils par personne déambulant sur la Terre. Ainsi, ils devraient tous être en mesure d’échanger de 50 Mbit jusqu’à 2 Gbit de données par seconde. Pourquoi ? Le prétexte selon lequel il s’agirait, pour les architectes de la prison technologique, de nous apporter la liberté, des possibilités d’internet rapide et la bénédiction de la technologie, ne peut pas nous tromper. Si les dirigeant.e.s de l’industrie technologique étaient si soucieux de notre bien-être, comment se fait-il que, pendant le processus de normalisation de la 5G ainsi que depuis le début de l’arrivée du réseau mobile couvrant tout le territoire, l’ensemble des préoccupations en matière de santé aient été mises de côté ? Au lieu de cela, celles et ceux qui ont abordé et abordent les aspects sanitaires ont été et sont qualifié.e.s d’adeptes de théories complotistes, même si en même temps aucun.e des partisan.e.s des réseaux mobiles n’a jusqu’à présent pu apporter la preuve (comment le pourrait-il ?!) que ces mêmes réseaux ne sont pas nocifs pour tout être vivant. Alors que de nombreux pays ont constamment augmenté les seuils d’exposition aux ondes radio afin d’ouvrir la voie aux nouvelles technologies qui, grâce à ces réajustements ont pu s’y conformer, nous devons en même temps nous demander pourquoi de tels seuils existent alors que tout le monde semble être si convaincu que la technologie des ondes ne présente aucun risque pour la santé. Ce qui n’est à vrai dire pour moi qu’une question secondaire (car je pense que ce qui est pire que tout risque d’exposition aux ondes pour la santé – à mes yeux facteur insignifiant dans le cadre des nuisances de la civilisation–, ce sont les répercussions sociales de leur technologie), me semble être cependant une excellente preuve d’à quel point les acteur.e.s qui promeuvent tant l’extension de la 5G, du réseau mobile ou d’un réseau de communication par satellite, se moquent du salut de l’humain qu’ils/elles mettent pourtant tellement en avant.

L’ironie de tout cela – que je n’aurais probablement jamais pu présenter de manière aussi claire et concise sans les évolutions de ces dernières semaines – saute tout particulièrement aux yeux au moment où le déploiement de la 5G est justement promu sous prétexte d’une « guerre » contre la pandémie. Pendant que les gens sont enfermés chez eux au nom de leur « santé publique » ou d’une politique sanitaire aux allures quasi-fascistes, sont érigés dans leur quartier de nouveaux pylônes émetteurs, dont les effets sur la santé ne sont au minimum pas connus et contre lesquels certains médecins mettent en garde parce qu’ils affaibliraient les défenses immunitaires. Dans le but plus ou moins dissimulé de rendre l’enfermement d’une certaine manière « plus supportable » et donc plus durable, car quiconque est pacifié.e par des offres (gratuites) de porno et de Netflix, est sans cesse aliéné.e de la sorte de ses propres désirs et besoins, et se voit poussé.e de force dans les normes violentes d’une société de production et de reproduction, finit par avoir de moins en moins l’idée de se révolter contre le fait d’être confiné.e, d’être interdit.e de contact et d’être mis.e en quarantaine. « The Revolution will not be televised » demeure malheureusement une affirmation trop juste dans une période qui, à mon avis, est bien trop surestimée et qui voit même la télévision classique s’élargir à quelques fonctions ridicules d’interaction afin de pouvoir commenter et évaluer ; cela ne fait que parfaire la fonction pacificatrice de tout cela : si le trollage sur les réseaux sociaux, les posts énervés et même les films « subversifs » et les émissions télévisées servent à exprimer son propre mécontentement, pourquoi les gens auraient-ils alors à porter dans les rues la colère liée à cette ridicule illusion de liberté dont on nous berce ? Ne faisons-nous pas déjà partie de cette illusion ?

Maintenant, la bonne nouvelle est que justement beaucoup de personnes semblent prendre conscience de cette situation, peut-être en ont-elles toujours été conscientes, mais nombre d’entre elles semblent à présent ne plus vouloir se taire, ne plus être prêtes à se laisser malmener et opter pour l’attaque, plutôt que de crier leur désaccord dans les sphères sans fin du numérique où il finit par se perdre (sans être entendu).

Presque tous les jours des infos me parviennent que quelque part dans le monde une antenne-relais 5G ou tout autre pylône émetteur est incendié, explosé, abattu ou détruit d’une quelconque manière. Même si la presse (démocratique) tente soit de taire ces attaques, soit de les discréditer comme étant l’œuvre de n’importe quel.le cinglé.e – qu’est-ce que ça veut dire ? Pour être clair, je préfère passer pour « cinglé.e ou fou/folle » dans ce monde plutôt que pour une personne « normale » –, il n’est plus possible de cacher plus longtemps que s’exprime là l’opposition intransigeante des personnes qui ne veulent plus que leurs vies soient déterminées par les États, les entreprises ou autres. De celles et ceux qui en ont assez de produire et de reproduire, qui en ont assez d’être domestiqué.e.s ; de celles et ceux qui veulent vivre plutôt que de végéter.

Ring: die smarten Polizeitürklingeln von Amazon

Wie Amazon der amerikanischen Polizei dabei hilft ein immenses Videoüberwachungsnetz aufzubauen
BFM, 3. März 2021 (Auszüge)

Die smarten Türklingeln der zu Amazon gehörenden Marke Ring sind äußerst erfolgreich. Aber sie helfen auch, ein Videoüberwachungssystem im ganzen Land zu errichten, finanziert von den Bürgern selbst.

Werden die Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Videoüberwachung bald mit China konkurrieren? Während die Regierung aus Peking 600 Millionen Kameras im ganzen Land installiert hat, können sich die amerikanischen Behörden stattdessen auf die Bürger selbst stützen. In drei Jahren hat das Unternehmen Ring, Filiale von Amazon, die sich auf den Verkauf von mit Kameras ausgestatteten, smarten Türklingeln spezialisiert hat, die Menge an Videodaten, die der Polizei zur Verfügung stehen, bedeutend anwachsen lassen, informiert die Washington Post.

Laut dieser amerikanischen Tageszeitung (die Jeff Bezos, dem Gründer von Amazon gehört) haben mehr als 2000 lokale Polizei- und Feuerwehrbehörden in den USA eine Partnerschaft mit Ring abgeschlossen. Eine Zahl, die von einer anderen, letztens in der Financial Times erschienenen Analyse bestätigt wird. Die Zahl der Partnerschaften belief sich 2019 noch auf 703 und 2018 lediglich auf 60. Die Washington Post schätzt, dass Amazon inzwischen zwei neue Partnerschaften am Tag knüpft.

Screenshot der von Ring geschaffenen Plattform für die Ordnungskräfte

Anfang 2019 veröffentlichte die Webseite The Intercept Bilder des Programms, das den Behörden von Ring zur Verfügung gestellt wird. Ohne richterlichen Beschluss können die Ermittler von jedem Benutzer, der sich im Radius von 400 Metern um ein vermutetes Delikt befindet,  – manchmal mit finanziellen Anreizen – fordern, dass dieser ihnen Zugang zu den Bildern der Videoüberwachung seiner verbundenen Klingel gewährt. Bis zu 12 Stunden Aufnahmen können von der Polizei gesammelt und ohne Zeitlimit aufbewahrt werden, wie Le Monde Ende 2019 informierte. Im Fall einer offiziellen Hausdurchsuchung kann Amazon dazu gezwungen werden, den Ordnungskräften die verlangten Bilder oder Identifikationsdaten ohne das Einverständnis der Besitzer der Amazon Ring-Kameras zu liefern.

Während zu dieser Stunde das Kameranetz, das der amerikanischen Polizei zur Verfügung gestellt wird, deutlich eingeschränkter ist als das chinesische Überwachungssystem, integriert dieses bereits zahlreiche Geräte, die faktisch von den Amerikanern selbst finanziert werden – die smarten Ring-Türklingeln werden in Frankreich ab 99 Euro verkauft. Das amerikanische Medium zitiert besonders eine Studie des MIT, die die Ziffer von drei Millionen aktiven Ring-Kameras in den Vereinigten Staaten nennt.

Laut der La Gazette des communes, haben die 47 französischen Städte mit mehr als 90.000 Einwohnern Anfang 2020 eine Summe von 11.400 Überwachungskameras angesammelt. In den Vereinigten Staaten unterscheidet sich Amazon von Google, das Konkurrenzprodukte – via seiner Produktreihe Nest – anbietet, ohne aber mit der Polizei zusammenzuarbeiten [sollte man ihrem Wort glauben?, Anm. v. Sans Nom]. In Frankreich wurde keine Partnerschaft dieser Art zwischen Ring und den Behörden angekündigt. Eine Kollaboration, die komplex in der Umsetzung sein könnte, da das europäische Gesetz das Privatleben mehr schützt.

Quelle: Sans Nom

Telekom-Auto abgefackelt

Bereits am 07. Februar brannte in Gern ein PKW der Telekom. Obwohl eine Snitch auf dem Weg zur Arbeit noch „kleine Flamme im Motorraum“ entdeckte und sofort Cops und Feuerwehr rief, stand bereits der ganze Motorraum in Flammen, bis diese eintrafen und der Wagen brannte fast vollständig aus. Die Telekom ist massiv am Ausbau von 5G beteiligt und arbeitet allgemein an der weiteren Digitalisierung und Smartifizierung unserer Umgebung und trägt damit zu einer weiteren Verfeinerung des technologischen Netzes bei, das uns und alle unsere Schritte immer weiter überwachen, kontrollieren und beeinflussen wird.

Dunkle Ecken schaffen …

Egal ob du dich trotz Kontaktverbot auch weiterhin mit Freunden treffen willst, ob du ohne einen triftigen Grund oder während einer möglichen, nächtlichen Ausgangssperre draußen unterwegs sein willst. Immer sind umherstreifende Bullen deine natürlichen Feinde. Sie haben nun wieder die Erlaubnis, dich jederzeit zu kontrollieren und zu schikanieren. Während bei Tageslicht meist zu viele Menschen unterwegs sind, als dass die Bullen hier jede*n kontrollieren könnten, ändert sich die Situation am späteren Abend schlagartig. Schnell sind du und andere zwielichtige Gestalten die einzigen, die auf den Straßen sind. Und das bedeutet, dass ihr leichte Beute für unterbeschäftigte und übermotivierte Cops seid. Aber selbst wenn die Schweine sicherlich wieder vermehrt Streife fahren werden, ist es einfach unmöglich, dass sie die ganze Stadt unter Kontrolle halten. Jede dunkle, unausgeleuchtete Ecke lässt sich nicht ohne weiteres beim Streifefahren kontrollieren.

Das Problem ist nur: In der Stadt gibt es immer zu wenige dunkle Ecken. Überall stehen Straßenlaternen und werfen ihr Licht auf diejenigen, die sich auch trotz Verbot weiterhin draußen herumtreiben. Könnte man die doch nur abschalten …

Aber das kann man ja: Dafür brauchst du nur einen Dreikantschlüssel (manchmal auch Schaltschrank- oder Universalschlüssel genannt) und einen für bis zu 1000 Volt geprüften Seitenschneider (beides kannst du recht einfach im Baumarkt klauen).

So gut wie alle Straßenlaternen haben auf Höhe von ca. 50cm bis 1m eine Zugangsklappe, über die die Lampe mit dem Stromnetz verbunden ist. Die Abdeckung dieses Zugangs kann in der Regel am oberen Ende mit einem Dreikantschlüssel geöffnet werden. Daraufhin lässt sich die Abdeckung entfernen und du hast Zugang zum Innenteil.

Hier befinden sich vor allem einmal verschiedene Kabel. Dickere, in der Regel schwarz ummantelte Kabel führen nach unten und oben zu Stromverteiler bzw. Lampe. Dünnere, braun und blau ummantelte Kabel, sowie gelb-grün gestreifte Kabel sind die einzelnen Fasern dieser schwarzen Kabel und sind mithilfe einer fest installierten Platine oder irgendwelchen Klemmen mit den Fasern des jeweils anderen Kabels verbunden. Die gelb-grün gestreifen Kabel sind die Erdung, sie sind für die Funktion der Lampe nicht unbedingt erforderlich, durch die braunen und blauen Kabel fließt der Strom. Im Grunde brauchst du nur eines dieser Kabel (blau oder braun) durchtrennen, um den Stromkreis zu unterbrechen. (Du kannst natürlich auch eines der dickeren, schwarzen Kabel durchtrennen, allerdings kann es dabei zu einem Kurzschluss kommen, wenn sich die Enden der unisolierten Fasern dabei berühren oder durch die Schneide deines Seitenschneiders verbunden werden, was meist zu Funkenbildung und einem kleinen Knall führt.) Dafür benutzt du am besten einen Seitenschneider. Aber nimm dir selbst zuliebe besser einen, der entsprechend isoliert ist. Er sollte möglichst für bis zu 1000 Volt geprüft sein. Meist steht das dann auf der Gummiummantelung der Griffe. Ansonsten riskierst du einen Stromschlag, der hier bei möglicherweise schlecht gesichertem Stromnetz auch tödlich verlaufen kann! Entsprechend solltest du auch möglichst keine unisolierten Kabel, irgendwelche Schrauben mit denen diese befestigt sind, usw. berühren. Am besten du fasst die Kabel gar nicht erst an.

Wenn du alles richtig gemacht hat, sollte die Lampe direkt ausgehen und du hast dir eine neue dunkle Ecke geschaffen.

Um bei all dieser Sabotage möglichst keine Spuren zu hinterlassen empfiehlt es sich, zumindest Handschuhe zu tragen, damit deine Fingerabdrücke nirgendwo zurückbleiben und ggf. sauberes Werkzeug (von DNA befreit) zu benutzen. Achte außerdem auch auf Kameras, die dich bei deinem Treiben filmen könnten.

Außerdem empfiehlt es sich gerade wenn du dich später länger im neu entstandenen Dunkel aufhalten willst, zwischendurch das Werkzeug wegzubringen, sodass du im Falle einer Kontrolle durch die Cops keine Beweismittel für diesen kleinen Eingriff bei dir trägst.

[Besançon, Doubs (Frankreich)] Zwei Texte zur Verhaftung eines Gefährten

Besançon: über die Einsperrung eines anarchistischen Gefährten

Indymedia Nantes, 5. Oktober 2020

Am 27. März 2020 wurde ein Mobilfunkmast am Fort de Brégille in Besançon, im Doubs, angezündet. Am 10. April sind zwei andere Masten, die mehrere Dutzend Meter voneinander entfernt standen und auf dem Mont Poupet über Salins-les-Bains, im Jura, standen, in Flammen aufgegangen. Sie sind nicht die Ersten, die ein wärmendes Ende erfahren haben, da seit zwei Jahren mehr als hundert dieser Herrschaftsstrukturen sabotiert worden sind, davon bereits mehr als zwanzig nur in der Zeit des Lockdowns im Frühling – anders gesagt quasi alle zwei Tage einen – und insgesamt um die sechzig seit Beginn des Jahres. Und es sind auch nicht die letzten, da der Kampf gegen die technologischen Käfige sich aufs Schönste fortsetzt, ohne auf die Ankunft von 5G zu warten, um sich die Mobilfunkmasten und Glasfaserkabel vorzunehmen, so sehr sind sie bereits von vielen als Ärgernis identifiziert worden, wenn es um Kontrolle geht, um Überwachung, Entfremdung, Enteignung oder Restrukturierung der Wirtschaft.

Am Dienstag, den 22. September im Morgengrauen, wurden drei Personen in Besançon wegen der Angriffe am Fort de Brégille und in Salins-les-Bains im Auftrag eines Untersuchungsrichters aus Nancy von den Bullen der Section de recherches (SR) des Polizeireviers dieser Stadt und durch die Kettenhunde der Direction interrégionale de police judiciaire (DIPJ) von Dijon verhaftet und ihre Wohnungen durchsucht. Während zwei der beiden nach 24 Stunden entlassen wurden, nachdem sie ihre DNA abgegeben haben, wurde gegen die dritte Person hingegen wegen „Zerstörung durch gefährliche Mittel“ Anklage erhoben und diese schließlich ins Gefängnis von Nancy-Maxéville gebracht.

Diese dritte Person, der die Zerstörung von Mobilfunkmasten während des Lockdowns vorgeworfen wird, ist ein anarchistischer Gefährte aus Besançon, B., der seit langem die Liebe zur Freiheit und den Hass gegen jede Autorität fest in sich trägt. Er ist derzeit in Untersuchungshaft, vorerst für vier Monate mit Möglichkeit der Verlängerung. Darüber hinaus ist im Rahmen dieser Ermittlung zumindest sicher bekannt, dass die Bullerei versucht, DNA-Treffer zu finden, sich für die Körpergröße möglicher Verdächtiger interessiert und sich nicht gescheut hat, mehrere Namen anderer lokaler Gefährt*innen zu nennen, um sie in Gewahrsam zu nehmen. Sie hat sich auch für die IGN-Karten [topographische Karten des frenzösischen Vermessungsamts] interessiert oder für eine anarchistische Broschüre, die aus dem Deutschen übersetzt wurde, „Brûler les foyers du virus technologique“ [1], die sie bei ihren Durchsuchungen gefunden haben. Nach unseren Kenntnissen ist der Gefährte immer noch im Gefängnis von Nancy am Einleben, im Rahmen der automatischen Covid-19-Isolationshaft hat er eine erste Erlaubnis zum Einkaufen erhalten und zeigt gute Miene.

Möge jede*r auf die Art und Weise, die er*sie für die angemessenste hält, sich dem Staatsterrorismus und dem demokratischen Totalitarismus widersetzen, von dem die schöne neue technologische Welt sicher einen seiner Pfeiler bildet. Und da es allgemein bekannt ist, dass Angriff die beste Solidarität ist… jede*m seinen*ihren Mast!

Einige anarchistische und solidarische Kompliz*innen

4. Oktober 2020

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[Text ohne Titel der Kumpelinen und Kumpels von B., der nach seiner Verhaftung in den Straßen und Lokalen von Besançon verteilt wurde.]

Per E-Mail erhalten.

Am Abend des Mittwochs, den 23. September, haben wir von der Einkerkerung in U-Haft unseres Gefährten und Freundes B. in die Strafanstalt Nancy-Maxeville in der Lorraine erfahren. Nachdem bei ihm zuhause ebenso wie bei seinem Bruder und einem anderen Gefährten eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden war, wurde B. im Rahmen einer Ermittlung bezüglich der Brandstiftung an mehreren Funkmasten im Doubs (27. März) und im Jura (10. April) in Gewahrsam genommen und zum Kommisariat von Besançon gebracht.

Wir haben und pflegen engen Kontakt zu seiner Familie, um sie in dieser schwierigen Phase, die die Einkerkerung einer nahestehenden Person ist, zu unterstützen, aber auch mit dem Ziel, unserem Freund und Gefährten möglichst viel Unterstützung zu bieten. Diese Unterstützung ist bedingungslos und wir befürworten die Handlungen, die ihm vorgeworfen werden und die darauf zielen eine Welt zu zerstören, die uns zerstört, die darauf zielen mörderische Technologien zu bekämpfen, aus einem gesundheitlichen und sozialen Standpunkt wie auch im Hinblick auf die Umwelt und die ebenfalls darauf abzielen, den Wunsch zu bejahen, im Hier und Jetzt und überall außerhalb des Zugriffs und der Kontrolle des Staates und seiner kapitalistischen Verbündeten zu leben.

Wir erheben unsere Stimmen mit seiner, die heute durch das Gefängnissystem einen Maulkorb verpasst bekommen hat, um die autoritären und demütigenden Auswüchse anzuprangern, die uns jeden Tag in unseren Gesellschaften mehr aufgelegt werden. Wir profitieren von dem, was uns an Freiheit bleibt, um unseren Ekel über die Kerker, die heute unseren Gefährten und Freund neben zehntausenden anderen gefangenen Personen einsperren, hinauszuschreien. Unsere Kritik an den Orten der Einsperrung kann sich tatsächlich nur steigern, wenn wir die aktuellen Haftbedingungen kennen, die sich durch die COVID-Maßnahmen verschlimmert haben: Isolation, Besuchsverbot, Verbot von Freizeitaktivitäten, Videokonferenzen…

Um ihn zu unterstützen, findet ihr Spendenboxen in mehreren Städten, die wir euch schnellstmöglich kommunizieren werden. Eine Spendenkasse ist ab jetzt in der Bibliothek Autodidacte an der Place Marulaz in Besançon zu finden. Das Geld wird für die Gerichtskosten und die Reisekosten für seine Familie von Besançon nach Nancy verwendet. Die Kosten für die Haft und das benötigte Geld für den Knasteinkauf werden von der Kaliméro-Kasse übernommen. Momentan verfügen wir noch nicht über die Ermittlungsakten, aber angesichts der Vorwürfe, die B. gemacht werden. riskiert er mehrere Jahren Knast.

Unser Schreiben geht heute um die Einkerkerung unseres Gefährten und Freundes, aber natürlich vergessen wir all die anderen Gefangenen und Verfolgten im Rahmen dieses erbitterten Kampfes gegen die Einführung der neuen Pseudo-Informations- und -Kommunikationstechnologien, die nur den Interessen der Herrschenden dienen, nicht. Ihnen unsere Unterstützung.

Mittwoch, den 30. September,
Einige Kumpels und Kumpelinen von B. aus Besançon

 

Quelle: Sans Nom

Anmerkungen der Übersetzung

[1] Auf deutsch „Die Herde des technologischen Virus anzünden“; diese Broschüre enthält eine Übersetzung des Textes Wann, wenn nicht jetzt? aus dem Zündlumpen Nr. 064, plus anhängig zwei weitere Texte aus derselben Ausgabe Brenn, Funkmast, brenn – eine kleine (unvollständige) Chronik und Flammende Spaziergänge entlang der Bahngleise und einen Text mit dem Titel „Sabotages contre la normalité numérique [Sabotagen gegen die digitale Normalität], erschienen bei Sans Attendre Demain.

[Bradford (GB)] Der 90. Mobilfunkmast geht in Flammen auf

Am Donnerstag, den 10. September gegen 4 Uhr 30 auf der Otley Road in Bradford (West Yorkshire) ist ein mit einer 5G-Antenne versehener Mast absichtlich in Brand gesetzt worden. Das am Fuß entzündete Feuer ist bis nach oben geklettert und hat alles auf seinem Weg zerstört.

Am nächsten Tag, mit den dem Mast selbst zugefügten strukturellen Schäden konfrontiert, musste derselbe in drei Teile geschnitten und abmontiert werden. Mindestens 90 Mobilfunkantennen wurden, häufig durch Feuer, seit letztem April und der Zeit des Shutdowns, laut den offiziellen Zahlen, sabotiert.

Wie es inzwischen in einigen Ländern Brauch geworden ist, haben sich die Geier und Papageien des Staates sofort auf die Hypothese gestürzt, dass es sich um 5G-Verschwörungstheoretiker*innen handele, auch wenn dieser Angriff anonym stattgefunden hat und es viele andere Gründe dafür gibt sich an solchen Strukturen der Telekommunikation zu vergreifen. Diese Erfindung trägt zur Entfremdung und der Fütterung dieser techno-wissenschaftlichen Welt bei, die unsere Existenzen entleert und die Ausübung der Macht durch Kontrolle perfektioniert.

Gegen jeden Virus, einschließlich desjenigen der technologischen Pandemie, das Feuer ist auf jeden Fall ein gutes Heilmittel. Auf zum nächsten!

Quelle: Sans nom

Und wieder brennt ein Mobilfunkmast

Diesmal in Neuperlach am Theodor-Heuss-Platz. In der Nacht auf Mittwoch, den 08. Juli 2020 war dort ein Knall zu hören und ein im Vollbrand stehender Mobilfunkmast zu bewundern. Der Schaden liegt laut Cops bei rund einer Million Euro!

In den letzten Monaten brannten in München vermehrt Funkmasten, zuletzt Ende Mai auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks. Auch hier war Brandstiftung die Ursache für den Brand.

Die durch zahlreiche Funkmasten im Stadtgebiet aufgespannten Funknetze für mobiles Internet, Telefonie, aber auch polizeilichen, militärischen und geheimdienstlichen Rundfunk, bilden in gewisser Hinsicht zusammen mit dem Glasfasernetzes das Nervensystem einer zunehmend überwachteren und kontrollierteren »Smart City«. Wenn alle Gegenstände in der Stadt Augen und Ohren haben und intelligent auf ihre Umgebung, d.h. vor allem passierende Menschen, reagieren, ist es möglich, die urbane Umgebung vollständig zu kontrollieren. Das liegt längst nicht mehr nur im Interesse von Staat und Polizei, sondern ist vor allem Teil einer weltweiten Technologisierung, in der das (menschliche) Individuum zunehmend mehr bloß als Teil einer gigantischen vernetzten Maschine gesehen wird. Tech-Konzerne wie Google, Tesla, Amazon, usw. treiben diese Vorstellung massiv mit voran. Die ersten Resultate sind dabei längst auf unseren Straßen sichtbar: smarte Paketboxen, E-Scooter, smarte Straßenlaternen, Überwachungskameras und Menschen, die die Welt bloß noch durch den Bildschirm ihrer Smartphones wahrnehmen …

Dass wir all das nicht einfach hinnehmen müssen, das zeigt dieser Angriff ebenso wie frühere Angriffe auf Glasfaserkabel oder Funkmasten. Einen Funkmasten abzufackeln ist dabei oft einfacher als gedacht. Ein paar Benzingetränkte Stofffetzen und etwas Gummi wie ein Reifen als weiteres Brennmaterial, ein Funke und dann auf und davon in die durch den Feuerschein erhellte Nacht.