Tag Archives: Rassismus

[Göttingen] Ausländerbehörde angezündet

In der Nacht vom 25. November wurde die Göttinger Ausländerbehörde angezündet. Der Bullerei zufolge wurde der Anschlag gegen drei Uhr morgens verübt. Die Feuerwehr sei bis kurz vor sechs Uhr mit dem Löschen beschäftigt gewesen, der Brand habe „erhebliche Schäden“ verursacht. Dazu bekundeten die Verantwortlichen: „Der ehemalige Innen- und Außenminister Thomas de Maziere kommt wieder nach Göttingen. […] Wir haben das zum Anlass genommen, [am 25. November] einen Teil des menschenverachtenden Systems, für welches auch er in seiner Person steht, anzugreifen. […] Wir wollen der rassistischen und mörderischen Abschiebepraxis der BRD nicht länger tatenlos zusehen und fordern alle auf, sich auch weiterhin gemeinsam diesem menschenverachtenden System entgegenzustellen, mit allen notwendigen Mitteln. Die Ausländerbehörde und ihre Mitarbeiter*innen sind Teil dieses Systems und tragen auch persönlich Verantwortung für ihr Handeln. Hört auf, Menschen rassistisch und respektlos zu behandeln. Sonst hat das Konsequenzen! Kündigt lieber eure Jobs! Im Angesicht von Leid und Tod Tausender, die unter dem deutschen Abschiebe- und Abschottungsregime leiden, stellen wir klar: Wir meinen es ernst! Wir werden tun was nötig ist, um wirkungsvoll gegen dieses alltägliche Verbrechen vorzugehen! Auch wenn es dafür all unseren Einsatz und Mut braucht. Es geht nicht anders! Feuer und Flamme allen Abschiebebehörden! Bewegungsfreiheit für alle!“

Quelle: Chronik

Landesamt für Asyl und Rückführungen mit Graffiti markiert

Seit August 2018 gibt es in Bayern Landesämter für Asyl und Rückführungen (LfAR), ein weiteres rassistisches Schikaneinstrument der CSU-Faschist*innen, eines in Ingolstadt und eines in München. Das Münchner LfAR in der Hofmannstr. 51 (Gebäude D) ist nun in der Nacht von Donnerstag, den 19. auf Freitag, den 20. September mit großflächigen Graffiti (laut Bullen über eine Strecke von 70 Metern) versehen worden. „Destroy Borders Smash The State“ und „Stop Deportation“ prangen nun auf der weißen Fassade. 

Quelle: Indymedia

Ein Leuchtfeuer der Solidarität

Das deutsche und bayerische Lagersystem zur Unterbringung und Kontrolle von geflüchteten Menschen ist bereits in seiner Konzeption menschenverachtend. Unter absichtlich prekär gehaltenen Lebensbedingungen und mit einem kleinstmöglichen Anspruch auf Autonomie werden Menschen auf engstem Raum untergebracht und einer permanenten Kontrolle durch den Staat und dessen Helfer*innen, beispielsweise in Form von Sicherheitsunternehmen, ausgesetzt. Zusätzliche Schikanen durch Bull*innen oder auch Securities, die sich als Lageraufseher*innen verstehen, gehören zur Tagesordnung und sind Teil eines politischen Kalküls. Brutale Abschiebungen mitten in der Nacht, bei denen alle Bewohner*innen des Lagers jäh durch schreiende und polternde Bull*innen aus dem Schlaf gerissen werden, Razzien der Lager durch das SEK, willkürliche Verlegungen der Bewohner*innen in andere, oft hunderte Kilometer entfernte Lager sind nur wenige Beispiele für gezielte Übergriffe auf die Bewohner*innen der Lager.

Wenn Bewohner*innen eines Lagers sich gegen diese Schikanen organisieren, indem sie die schweigende Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen versuchen, werden sie getrennt in andere Lager verlegt, kommen wochen- und monatelang in Vorbeugegewahrsam oder werden abgeschoben. Wenn sich Bewohner*innen solidarisch mit anderen Bewohner*innen zeigen, denen derartige Schikanen widerfahren, müssen sie damit rechnen, dass ihnen das gleiche widerfährt. Wenn es in lagern kollektiven, spontanen Protest oder Widerstand gegen die willkürlichen Schikanen der Repressionsbehörden gibt, stürmt ein Bull*innen-Großaufgebot das gesamte Lager und inhaftiert meist zahlreiche Bewohner*innen.

Und trotzdem gibt es diesen Widerstand. Immer wieder solidarisieren sich Bewohner*innen, um gemeinsam gegen die brutale, rassistische Unterdrückung durch den Staat zu kämpfen. Doch alleine haben sie kaum eine Chance. Gelingt es oft, den Angriff des Staates temporär abzuwehren, fällt die staatliche Antwort umso brutaler aus. Meist rückt dann am selben Tag oder in den Tagen darauf eine oder mehrere Hundertschaften behelmter Bull*innenschweine in das jeweilige Lager ein, prügelt auf Bewohner*innen ein und inhaftiert willkürlich Menschen. Immer wieder werden (vermeintlich) aufständische Individuen in Folge dessen gar abgeschoben. Umso bewundernswerter ist die Solidarität under den Bewohner*innen!

Doch sie brauchen letztlich die Solidarität von außen, unsere Solidarität. Nur wir können die Bewegungsfreiräume, die uns unsere Privilegien verleihen, dazu nutzen, dieses rassistische System der Repression anzugreifen, egal ob bei Tag oder in den Stunden der Nacht. Angriffspunkte gibt es dabei viele: Ob Catering-Firmen, die von diesem System der Unterdrückung profitieren, Security-Unternehmen, Bull*innen oder gleich die Regierung und ihre Behörden. Wo wir angreifen scheint dabei einerlei, nur lasst uns endlich ein loderndes Zeichen der Solidarität an alle Bewohner*innen bayerischer und deutscher Lager senden, das ihnen signalisiert:

Wir stehen zu euch und lassen euch nicht im Stich!