Tag Archives: Platte Reifen

32 Nadelstiche gegen die Logistik von Amazon

„Vergangene Woche wurden im Stadtviertel Gern in München die Reifen von insgesamt 8 Transportern des Logistikunternehmens Mars aufgestochen. Mars ist ein Partnerunternehmen von Amazon und übernimmt als solches die Auslieferung der Pakete aus dem Amazon Logistik-Zentrum an die Haushalte.“

Quelle: de.indymedia

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon und seine Partnerunternehmen angegriffen werden. Im Sommer und Herbst letzten Jahres beispielsweise gab es in Freiburg und Berlin Brandangriffe auf Amazon Locker und ein Fahrzeug von Amazon Logistics. In Berlin regt sich derweil vielfältiger Widerstand gegen den geplanten Bau der „Edge-Tower“ genannten Firmenzentrale dort.

Hintergrund dieser und weiterer Proteste sind meist nicht nur die katastrophalen und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in Amazons Logistikzentren sondern auch die Rolle in der das Unternehmen uns alle sehen will: Vollständig befriedete und abhängig gemachte Konsument*innen, denen jeder Wunsch von den Lippen abgelesen werden bzw. ins Hirn gepflanzt werden soll.

Reifen von mindestens sieben Firmenfahrzeugen aufgeschlitzt

In Neuperlach und Giesing wurden in der Nacht auf Dienstag, den 25. Februar 2020 Reifen von insgesamt sieben Firmenfahrzeugen aufgeschlitzt. Dabei entstand ein Schaden in Höhe von insgesamt rund 2400 Euro. Bei den Fahrzeugen handelt es sich im Fahrzeuge eines Bauunternehmers, der Telekom, von Bosch und Sixt. Während Bauunternehmen die Gentrifizierung der Stadt durch die Aufwertung ganzer Viertel vorantreiben, tragen Technologieunternehmen wie die Telekom und Bosch zu einer technologischen Umstrukturierung der Stadt (Smart City) bei. Sie entwickeln neben Überwachungssystemen für Knäste eben auch Technologie zur Überwachung und Kontrolle der Menschen in Städten. Auch die Firma Sixt dürfte mit ihrem neuen Carsharing-Angebot zu solchen Umstrukturierungen der Stadt beitragen.

Autoreifen lassen sich übrigens mit diversen spitzen Gegenständen durchstechen. Je spitzer, desto leichter geht es: Einfach seitlich in den Reifen hineindrücken, bis ein leises Zischen das Entweichen der Luft verrät. Am besten sind dafür natürlich Gegenstände, die zuvor luftdicht verpackt waren, um beim Durchstechen der Reifen DNA-Spuren zu vermeiden. Das Ganze ist übrigens auch sehr leise und unauffällig. Je nach Größe des Lochs kann das Zischen der entweichenden Luft zum Teil kaum mehr als einige Meter weit gehört werden.

Auto von Bulle steht platt am Straßenrand

In den vergangenen Tagen konnte in der Nähe des Bonner Platzes (München-Schwabing) ein Auto mit vier platten Reifen beobachtet werden. Aufmerksamen Beobachern fiel außerdem ein Abzeichen der DPolG (Deutsche Polizeigewerkschaft) an der Windschutzscheibe auf. Es steht zu vermuten, dass hier jemand das Auto eines Bullen geplättet hat. Geschieht ihm recht!

Quelle: Indymedia

Demnächst lohnt es sich übrigens ganz besonders, die Augen offen zu halten. Am kommenden Wochenende findet in München die sogenannte Siko statt, zu deren Schutz jedes Jahr hunderte Bull*innen aus ganz Deutschland anreisen. Viele von ihnen kommen dabei in Hotels unter und müssen ihre Autos am Straßenrand in der Nähe parken. Im letzten Jahr haben unbekannte Angreifer*innen eine sich dadurch ergebende Gelegenheit genutzt und eines der Fahrzeuge fachgerecht abgefackelt.

Ein rebellischer Jahresrückblick

Das Jahr nähert sich dem Ende, die unsägliche Weihnachtsquälerei ist einmal wieder überstanden und in Kürze dürfen wir uns an Kriegsspielerei und massiver Luftverschmutzung erfreuen. Und sei das alles nicht genug, so werden wir überall auch noch von Jahresrückblicken überschüttet. Doch bei diesem Punkt sehen doch auch wir uns genötigt in diesen Reigen einzusteigen und euch einen etwas anderen Jahresrückblick zu präsentieren, der einen Blick auf die Momente der Rebellion und des Unmuts gegen Herrschaft in München wirft. Das, was wir hier zusammengetragen haben, ist natürlich unvollständig, denn vieles wird nicht berichtet, vieles haben wir nicht mitbekommen und wir haben die Nachrichten auch danach ausgesucht, was uns gefallen hat.

Gentrifizierung

Das leidigste Thema in München, die Wohnsituation. Unbezahlbare und weiterhin ansteigende Mieten, Luxussanierungen und der Bau von luxuriösen Eigentumswohnungen bei gleichzeitiger Wohnungsnot, die Immobilienbranche hat ihren Spaß, die meisten Menschen wissen aber nicht mehr, wo, wie oder wie lange sie in München noch wohnen können. Doch selbst wenn die Mieten „bezahlbar“ wären – was auch immer das heißen mag, denn es wird immer Menschen geben, die sich die Miete für eine Wohnung nicht leisten können werden –, so ist es doch absurd, dass einigen Menschen einfach aufgrund der Tatsache, dass ihnen ein Haus gehört, ein monatliches Einkommen durch andere Personen ermöglicht wird, die einfach nur dort wohnen wollen. Wir sind nur Gäste, dort, wo wir wohnen, wir haben keine Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich unseres Wohnraums. Wir können einfach nur zuschauen, wie andere entscheiden, wann wie saniert werden soll, wie die Fassade aussehen soll, wir kennen unsere Nachbar*innen nicht, es ist ungewiss, wie lange wir noch bleiben können, ehe wir uns unsere Wohnung oder unser Zimmer nicht mehr leisten können. Gleichzeitig müssen Leute auf der Straße schlafen und wer sich Raum einfach nimmt – in einem der zahlreichen Leerstände dieser Stadt –, die*der wird bei Entdeckung vertrieben oder sogar bestraft. All das macht wütend und diese Wut macht sich bemerkbar.

Cops, Hobbycops, die Knastgesellschaft und das Geschrei nach mehr „Sicherheit“

Sicherheit – das Lieblingsargument aller Liebhaber*innen autoritärer Maßnahmen. Denn mit dem Stichwort „Sicherheit“ lassen sich alle Einschränkungen der Freiheit von Menschen rechtfertigen – (Video-)Überwachung, ein riesiges Waffenarsenal und vom Staat bezahlte sowie freiberufliche Schläger*innentrupps (Securities, KVR-Hilfssheriffs, MVG-Wacht usw. und natürlich die Cops und die Bundeswehr). Sicherheit zu gewährleisten ist auch der angebliche Anspruch, der es notwendig mache, das Zusammenleben der Menschen über Gesetze, die Justiz und den Knast zu regeln. Denn ohne diese „Sicherheits“vorkehrungen wären alle Menschen angeblich die ganze Zeit nur damit beschäftigt sich gegenseitig aufs Maul zu hauen und würden ausschließlich danach streben Herrschaft über alle anderen auszuüben. Das berühmte Argument mit der „Macht des Stärkeren“, die herrschen würde, wenn der Staat dem keinen Einhalt gebieten würde. Um dies zu verhindern, liegt also die ganze Stärke beim Staat. Denn wenn der Starke der Staat ist und nicht jemand anders, dann ist es ja was ganz anderes. Der Staat kontrolliert uns auf Schritt und Tritt, das, was er über uns gespeichert hat (etwa die Daten aus dem Personalausweis, das Geburts- und das Melderegister, Eintragung über unsere Staatsangehörigkeit, Sterberegister), ist bedeutender für unsere Existenz, als das, was wir selbst zu uns zu sagen haben. Unsere Handlungsspielräume sind in dieser angeblich „freien“ Gesellschaft unfassbar klein, und wenn wir diese übertreten, so gibt es ein ansehnliches Arsenal an Mitteln, um uns zur Einhaltung der vom Staat auferlegten Spielregeln zu zwingen – bis hin dazu, dass wir für den Rest unseres Lebens eingesperrt werden und die Gestaltung unses Lebens vollständig von den Entscheidungen anderer Menschen abhängt. Ausgeliefert – durch und durch. Dass wir uns ja so benehmen, dass das System der Herrschaft von Menschen über Menschen nicht ins Wanken kommt. Das ist das Ziel. Wer stiehlt, wer ohne Ticket fährt, wer sich der Lohnarbeit verweigert, wer sich dagegen wehrt, Subjekt eines Staates zu sein, die*der weiß, dass einer*m nur ein kleiner Handlungsspielraum gelassen wird. Und jede Maßnahme, die zum Aufrechterhalten der „Sicherheit“ zusätzlich eingeführt wird, macht diesen Spielraum noch kleiner. Doch wo es Herrschaft gibt, gibt es auch immer Widerstand.

Mobs vs. Cops

Eine eigene Rubrik wollen wir den spontanen Revolten gegen autoritäre Anwandlungen widmen, meist wenn eine größere Menschenmenge eigentlich nur ihren Spaß haben wollte, und dann so uniformierte Schläger*innen meinen, sich einmischen und rummackern zu müssen.

Abschiebungen und Asylpolitik

„Leitkultur“, „verwirktes Gastrecht“, „Rückführung“, „kriminelle Asylbewerber“ und „Obergrenze“, die deutsche Volksgemeinschaft mobilisiert sich gegen die Zuwanderung flüchtender Menschen aus anderen Teilen der Welt und macht ihren Rassismus so deutlich wie eigentlich immer schon. Das Zusammenpferchen in Lagern, die ständigen Schikanen, die Misshandlungen rufen einigen Widerstand auf den Plan.

Antifaschismus

Da leben wir schon in autoritären Zeiten, doch gibt es Leute, die es gerne noch autoritärer hätten und die sich eine Volksgemeinschaft zusammenfantasieren, die es vor „fremden“ Einflüssen zu beschützen gilt.

Smart City, E-Mobilität und grüner Kapitalismus

Smarte Mobilität, E-Technik, smarte Kommunikation. Die Digitalisierung macht sich immer mehr bemerkbar. „Sharing“-Dienste mit jedem vorstellbaren Fortbewegungsmittel, alle mit Elektro-Antrieb, alle über App entsperrbar. Per Smartphone bezahlen, jederzeit, überall. Dank Smartphone wird alles immer bequemer – und auch immer besser überwachbar. Denn die smarte Technologie sammelt Unmengen an Daten. Kameras an smarten Autos, die auch noch selbst die Cops rufen, wenn sie angezündet werden, GPS auf jedem Handy, in jedem Fortbewegungsmittel, die Zuordnung jeden Zahlungsvorgangs zu deinem Profil, das natürlich vollständige Daten über dich preisgibt, eine immer bessere Gesichtserkennungssoftware. Die Überwachungsmechanismen werden allumfassender, unsichtbarer, selbstverständlicher – und genießen breite Akzeptanz. Denn die smarte Technologie ist dann doch so bequem. Bequem zahlen – schon kommt bequem klauen gar nicht mehr in Betracht. Mensch habe doch nichts zu verbergen. Das gängige Argument. Gleichzeitig kann mensch gleich das schlechte Gewissen beruhigen, angesichts von Klimawandel und kapitalistischer Ausbeutung. Denn dank grüner E-Technologie tue mensch durch seinen Konsum etwas für die Umwelt. Eine der absurdesten Lügen der neuen E-Mobilitätswelle, so offensichtlich, dass ich darüber nicht viel Worte verlieren will. Doch Digitalisierung, Technologie und Energiegewinnung haben einen wunden Punkt: sie brauchen eine krasse Infrastruktur, viele, viele Kabel… und bieten dadurch nette Angriffspunkte.

Reclaim the City

Wem gehört die Stadt? Wer darf sie wie gestalten, wer kann einfach machen, wer muss um Erlaubnis bitten? Warum darf ich am Stadtbild nichts einfach so verändern, bin jedoch selbst mit tausenden Änderungen konfrontiert, auf die ich keinen Einfluss habe. Weder im Haus, in dem ich wohne, noch in der Straße oder dem Viertel kann ich irgendetwas mitgestalten, dafür werde ich mit großflächigen Werbungen gequält, mit einem zubetonierten hässlichen Hof konfrontiert, der nur als Parkplatz dient, mit Überwachungskameras und einer langweiligen Fassade und einer grauen Stadt. Wenn ich jedoch etwas Farbe hineinbringen will oder etwas verändern, dann bekomme ich eine Anzeige wegen Sachbeschädigung oder wegen Verstoßes gegen die Bauordnung. Wenn ich gegen irgendetwas protestieren will, mich zum Feiern zusammenfinden will, leben will, muss ich es anmelden oder sogar um Erlaubnis bitten. Dass sich das nicht alle gefallen lassen, sieht mensch besonders an den zahlreichen Graffiti, die München schmücken.

Gott töten

Wieviel Einfluss Religion und hierzulande insbesondere das Christentum hat, wird mir immer wieder deutlich, wenn ich im Gerichtssaal dieses fucking Kreuz hängen sehe. Das Christentum, aber auch jede sonstige Gottesvorstellung, hat dabei autoritären Charakter, denn Gott oder das Göttliche oder die Götter – whatever! – verlangen immer eine Unterwerfung des Individuums vor Gott. Religion ist die Vorstellung, dass der Mensch keinen freien Willen hat, sondern einem göttlichen Plan folgen muss. Religion wurde schon immer als Vorwand verwendet, um damit Herrschaft über andere Menschen zu legitimieren, sei es um die Herrschaft eines Königs oder eines Papstes zu rechtfertigen, als auch um sich als individuelle*r Priester*in der jeweiligen Gottheit Autorität gegenüber anderen Menschen zu verschaffen. Was gibt es Geileres als Menschen, die vor dir auf den Knien rumrutschen und ihr Leben danach gestalten, was du ihnen aufträgst? Gerade im Dezembermonat werden wir mit der vollen Ladung Christentum zugeballert. Und das hat wohl einigen Menschen nicht gefallen…

Solidarität mit Kämpfen an anderen Orten

Im August erklärt der griechische Staat Exarchia, dem widerständigen Stadtviertel in Athen, den Krieg. Mehrere Hausbesetzungen, insbesondere diejenigen, die von Migrant*innen bewohnt sind, werden geräumt. Menschen in Exarchia setzen sich zur Wehr. Und auch hier greifen Menschen den griechischen Staat an. Im Oktober rufen Schüler*innen in Chile aus Protest gegen Fahrpreiserhöhungen beim öffentlichen Nahverkehr zum kollektiven Schwarzfahren auf. Ein paar Tage später ist das ganze Land in Aufruhr und bis heute dauert die Revolte an. Auch dazu gab es in München solidarische Angriffe.

 

WISAG Karre geplättet

Während am […] Dienstag, den 24.12.2019 die Straßen Münchens wie leergefegt waren, weil die Menschen eines ihrer absurden religiösen Feste begingen, nutzten wir die Gelegenheit, eine am Straßenrand abgestellte Karre von WISAG zu plätten.

WISAG erbringt unter anderem diverse Sicherheitsdienstleistungen und verdient in Berlin beispielsweise auch mit Fahrscheinkontrollen für die dortigen Verkehrsbetriebe Geld. Ebenfalls bekannt ist WISAG dafür, dass die Firma im Auftrag von Immobilieninvestor*innen Obdachlose vertreibt, etwa in der Rummelsburger Bucht in Berlin (Vgl. https://chronik.blackblogs.org/?p=9490). Durch Dienstleistungen an Flughäfen profitiert WISAG außerdem von Abschiebungen.

Wir dachten dabei an all diejenigen, die im Auftrag des Staates oder irgendwelcher Firmen und Investor*innen von Unternehmen wie WISAG unterdrückt werden. Ihnen gilt unsere Solidarität.

Quelle: Indymedia

[Berlin] Gentrifizierungsvorantreiber*innen angegriffen

„Eine Villa im besseren Teil des Berliner Stadtteils Karlshorst. Hier residiert die Familie Tragsdorf, Andrea – zuständig für die Hausverwaltung der Liebig34, Tilo – ehemaliger Wirtschaftsstadtrat von Friedrichshain, Sohn Tom – ganz frisch im Immobiliengeschäft. Hier trug sich letzte Nacht [vom 12. auf den 13. November] zu, was längst überfällig war: in der Gundelfingerstr.49 klirrten die Scheiben im Erdgeschoss, ein Auto wurde geplättet und noch mehr am Ego kratzen sollte der SUV, der von innen mit Buttersäure besudelt wurde. Unser bescheidener Beitrag zum Räumungsprozess der Liebig34 am Freitag (9h Landgericht Berlin, Tegeler Weg). […] Ob die Liebig34 erhalten bleibt entscheidet sich nicht im Prozessaal, sondern auf der Straße! Für einen militanten Queer-Feminismus: Eskalation statt Räumung!“

Quelle: Indymedia