Tag Archives: Nr. 061

[Thiva] Rebellion im Frauenknast von Eleona in Thiva nach dem Tod einer Gefangenen

09. April 2020, der Aufstand im Frauenknast von Eleona, Thiva geht weiter. Er brach am Morgen aus, nachdem eine 38-Jährige Gefangene, die unter Fieber und Atemnot litt, in der Abteilung des Flügels E vor 20 Mitgefangenen verstorben war. Sie starb an den Folgen einer Coronainfektion. Die anderen Gefangenen steckten ihre Matratzen und Kleider in Brand und zerstörten die Kühlanlage des Gefängnisses. Mittlerweile sind ein*e Staatsanwält*in und ein*e Gerichtsmediziner*in im Gefängnis eingetroffen, um eine Autopsie vorzunehmen. Schwer bewaffnete Polizeikräfte – MAT [Eine Spezialeinheit zur Bekämpfung von Aufständen; Anm. d. Übers.] – stürmten das Gefängnis, um eine Ausbreitung der Aufstände auf andere Flügel des Gefängnisses zu verhindern. Sie schlugen heftig auf die Gefangenen ein und trotz dieser Repression breitete sich die Revolte im gesamten Gefängnis aus.

Erklärung der Gefangenen vom 09. April 2020

Heute, am 09. April verstarb die Gefangene Azizel Deniroglou hilflos in ihrer Zelle, nachdem sie sich über Herzbeschwerden und hohes Fieber beklagt hatte. Sie hatte die ganze Nacht um Hilfe gebeten, da sie Schmerzen in der Brust hatte und nicht atmen konnte. Zeug*innenaussagen zufolge wurde bei ihr nicht einmal Fieber gemessen und uns sind die genauen Umstände ihres Todes nicht bekannt. Die Schichtleiterin drohte ihr mit einem Vermerk, weil sie sich belästigt fühlte. Der leblose Körper unserer Mitgefangenen wurde in einem Laken vor den schockierten Augen des gesamten Flügels aus der Zelle geschleift. Dieser tragische Vorfall ereignete sich im Flügel E, wo ungefähr 120 Menschen inhaftiert sind. Die Gefangenen revoltierten und die Revolte verbreitete sich im gesamten Gefängnis. Eine andere Gefangene starb vor einem Monat. Die kriminelle Gleichgültigkeit gegenüber den Gefangenen und ihrer Gesundheit verursachte den Tod vieler Inhaftierter, die Regierung und das Ministerium sind dafür verantwortlich, sie zum Tode verurteilt zu haben. Die Regierung und das Ministerium sind für den Tod dieser Gefangenen verantwortlich. Wir fordern die sofortige Entlassung aller Patient*innen, aller Mütter mit ihren Kindern und der Älteren, die als Risikogruppe gelten und insgesamt ein Drittel der Gefangenen ausmachen. Wir werden nicht in unsere Zellen zurückkehren, bis diese Forderungen erfüllt sind!

Pola Roupa, eine politische Gefangene, die Teil des revolutionären Kampfes ist, berichtete ebenfalls, dass vor etwa einem Monat eine andere Gefangene im Gefängnis verstorben sei. Sie betonte: „Ungeachtet der Versprechen der Gefängnisleitung angesichts der Corona-Pandemie wurde bislang nichts getan. Krankenhäuser nehmen keine Gefängnisinsass*innen auf, es gibt keine*n Ärzt*in Thiva. Die Risikogruppen sollten entlassen werden. Wir sind Gefangene. Wir wurden nicht zum Tode verurteilt.“

Übersetzung des englischen Textes bei The Plague and the Fire.

 

FUCK RKI

Am Dienstag, den 07. April 2020 wurden in der Isarvorstadt zwei Personen, die mithilfe eines Stencils den Schriftzug „FUCK RKI“ an mehrere Hausfassaden gesprüht haben sollen, von den Bullen erwischt, nachdem sie von einer*einem bescheuerten Anwohner*in denunziert wurden.

[Irkutsk] Gefängnisrevolte wird blutig niedergeschlagen

Vergangenen Donnerstag, den 09. April 2020, soll es in einer Strafkolonie in Irkutsk zu einer heftigen Knastrevolte gekommen sein. Medienberichten zufolge spielten die Gefangenen den Wärter*innen einen Suizidversuch vor, um diese dann beim Betreten der Zelle anzugreifen und aus ihrer Zelle zu entkommen. Im Laufe der Revolte brach ein schwerer Brand aus, der einen Teil der Strafkolonie zerstörte.

Mit Maschinengewehren und Giftgas schlugen die Cops den Aufstand schließlich nieder. Berichten aus dem Knast zufolge seien dabei rund 200 von 300 Betroffenen Insass*innen verletzt worden. Medienberichte sprechen von mindestens einem Toten.

Grund für den Ausbruch der Revolte sei unter anderem auch die schlechte bzw. mangelnde medizinische Versorgung in der Strafkolonie gewesen.

Von brennenden Parkbänken, Müllcontainern und Zeitungskästen

Es liegt eine Spannung über der Stadt. Kannst du sie spüren? Hörst du das Knistern, wenn sich hier und dort die angestaute Wut der Menschen entlädt? Kannst du die Gereiztheit spüren, wenn zum hundertsten Mal eine Bullenstreife durch den Park fährt? Kannst du spüren, wie in dir der Drang zu leben, nicht bloß zu überleben, erwacht?

Es ist ein offenes Geheimnis; Keine*r sagt es, alle wissen es: In München hält sich kaum eine*r an die Ausgangssperre, kaum eine*r an das Kontaktverbot. Scheinbar zufällig treffen sich die Menschen im Park, an der Isar und freilich auch bei sich Zuhause. Sie setzen sich auf benachbarte Parkbänke, um den Anschein zu wahren, mensch sei sich nur zufällig begegnet. Die Grünflächen in den Parks und an der Isar sind voll. Nur einige machen Sport, werfen sich mehr oder weniger lustlos ein Frisbee zu oder spielen Federball. Viele sitzen oder liegen aber auch einfach da. Und die Bullen? Die haben, wie es scheint, längst aufgegeben. Nur selten sieht mensch sie noch kontrollieren. Die meiste Zeit beschränken sie sich darauf, Präsenz zu zeigen, Streife durch die vollen Parks zu fahren, in der Hoffnung, dass das genügt, um die Menschen unter Kontrolle zu halten. Auch sie werden die Spannung, die sich über München ausbreitet, wahrgenommen haben. Und sie wissen: Wenn sich diese Spannung entlädt, dann hilft auch das ganze Militär, das zur Verstärkung bereitsteht nichts. Also versuchen sie keinen Anlass zu geben. Das Fass durch unnötige Schikanen nicht zum Überlaufen zu bringen und dennoch einzuschüchtern. Durch Patrouillen zu zeigen: Wir sind noch immer da, übertreibt es nicht.

Unterdessen setzen sich immer mehr Menschen aktiv zur Wehr gegen die Unterdrückung des Staates. Längst dürfte den Bullen klar geworden sein, dass ihre Scheiß-Kontrollen auch für sie selbst gefährlich werden können. Nachdem bereits am Donnerstag, den 02. April, ein Bulle im Krankenhaus landete, weil sich jemand eine Kontrolle nicht gefallen lassen wollte, waren es am Mittwoch, den 08. April gleich zwei Bullen, die nach einer Kontrolle dienstunfähig waren. Auch so lässt sich die Polizeipräsenz eindämmen.

Aber es sind nicht nur die direkten Angriffe auf die Bullen, die von der Spannung, die über dieser Stadt liegt, zeugen: Zahlreiche Brände in der vergangenen Woche, bei denen Parkbänke (Grünwald), Abfallbehälter (Aubing, Lochhausen, Neuaubing, Pasing, …) und Zeitungsständer (Aubing, Hasenbergl, …) (meist des Nachts) in Brand gesteckt wurden oder einige der scheiß E-Scooter abgefackelt wurden, zeugen davon, dass es zumindest einigen reicht.

Mögen diese Flammen all denen, die die Schnauze voll haben von all der Herrschaft und Kontrolle, ein Leuchtfeuer sein. Mögen sie der Funke sein, der die Revolte gegen den Staat und seine Schergen entzündet.

Brenn, E-Scooter, Brenn!

Am Samstag, den 04. April 2020 fackelten gegen 21:40 Uhr Unbekannte zwei E-Scooter im Stadtteil Freimann ab. Kurz darauf, am Montag, den 06. April 2020 wurde außerdem am frühen Nachmittag ein E-Scooter am Rand des Englischen Gartens abgefackelt.

Das sind in München nicht die ersten Angriffe auf die E-Scooter-Plage. Bereits im letzten Jahr konnte mensch zahllose der unnützen und völlig überteuerten Gefährte sabotiert am Wegesrand stehen sehen. Die Sabotageakte reichten dabei von mit Kabelbindern und Fahrradschlössern blockierten Reifen über Unkenntlichmachungen des QR-Codes, Verschmutzung der Lenker mit Zahnpasta, Schuhcreme, Rasierschaum, usw. bis hin zu in der Isar und anderen Gewässern versenkten E-Scootern.