Tag Archives: Nr. 047

Nur ein toter Gott ist ein guter Gott

Es ist zwar eine absurde Vorstellung, aber doch eine, die sich schon seit schier ewigen Zeiten zu halten scheint: Die Vorstellung eines Gottes oder manchmal auch mehrerer Gottheiten, der/die da irgendwo jenseits dieser Welt existieren soll(en). Eine Vorstellung, die sich als alles andere als ein harmloses Schauermärchen oder eine hoffnungsgebende Illusion entpuppt, eine Vorstellung die geschaffen wurde, um Menschen zu beherrschen und die bis heute aus eben jenen Gründen aufrechterhalten wird.

Die Vorstellung des christlichen Gottes – und ähnliches gilt auch für beinahe alle anderen Gottheiten – hat den verschiedenen Kirchen, Prister*innen, sowie nicht institutionellen Prediger*innen, die sich dennoch Gehör verschaffen können, unvorstellbaren Reichtum gebracht. Alleine die römisch-katholische Kirche in Deutschland soll einen Besitz von rund 200 Milliarden Euro haben und größte private Immobilieneigentümerin sein. Dabei ist das Vermögen, das die Vorstellung von Gott den Kirchen und ihren Bediensteten einbringt, bei weitem nicht die gesamte Tragweite dieser Illusion. Neben finanziellem Vermögen verleiht der Glaube an Gott seinen Prediger*innen auch große Macht. Macht, die seit Jahrhunderten die Wertvorstellungen unserer Gesellschaft formte, Macht die zusammen mit der Macht des Staates die Normen dieser Gesellschaft bestimmt, Macht die nicht nur die Gottesgläubigen und -fürchtigen unterwirft, sondern auch diejenigen, die sich weigern, einer solch absurden Idee Glauben zu schenken, für die es auch nach mehreren Jahrtausenden keinerlei nachhaltige Anhaltspunkte gibt.

Die Macht derjeniger, die von Gott predigen und vorgeben in seinem Sinne zu sprechen gegenüber jenen, die ihnen Glauben schenken bedarf denke ich keinerlei weiterer Erläuterung. Sie geben Ratschläge und Empfehlungen, manchmal sogar Ermahnungen, mit denen sie sich in das Leben anderer Menschen einmischen und versuchen, dieses nach ihren Vorstellungen zu formen. Gehorcht irgendwer ihren Vorstellungen nicht, so wird diese Person je nach Glaubensgemeinschaft stigmatisiert: Wer den christlichen Idealen zuwider lebt, beispielsweise indem sie*er seine*ihre Sexualität jenseits der beengenden Grenzen einer heterosexuellen, monogamen und zum Teil auch ehelichen Beziehung auslebt, wird von der Glaubensgemeinschaft stigmatisiert. Gerade dieses Beispiel eignet sich aber auch gut, um zu zeigen, dass es nicht nur die gläubige Gemeinschaft ist, die diese religiösen Vorstellungen reproduziert, sondern auch eine vermeintlich säkulare Gesellschaft: Wenngleich vielleicht der Aspekt der Ehe jenseits religiöser Gemeinschaften von geringerer Bedeutung sein mag, bleiben die gleichen Vorstellungen von Monogamie und Heteronormativität bestimmend für das Denken der Menschen. Ein Leben außerhalb dieser Vorstellungen gilt vielen als lasterhaft. Bestimmte christliche Ansichten hinsichtlich Reproduktion sind gar bis heute gesetzlich verankert, beispielsweise Regelungen zur Abtreibung, die es schwangeren Personen ab einem bestimmten Zeitpunkt verbieten, einen Abbruch vorzunehmen und ihnen zuvor ebenfalls Steine in den Weg legen.

Dabei ist es selbstverständlich nicht der Einfluss der Religion auf den Staat, sondern der Staat selbst, dem meine Feindschaft gilt, doch bemerkenswert bleibt dabei für mich dennoch die Rolle, die zum Erhalt des Staates der Religion zukommt. Religiöse Vorstellungen sind prägend für die Erziehung von Kindern innerhalb von Schule und Familie, sie tragen maßgeblich dazu bei, jene Moralvorstellungen zu etablieren, die der Staat in Form von Gesetzen durchsetzt. Ob mensch es nun Dekalog, kategorischer Imperativ oder Gesetze nennt, das Prinzip hinter all dem ist der Anspruch zu herrschen, indem mensch darüber bestimmt, in welchen Bahnen sich das Leben anderer Menschen bewegt.

Dabei sind die inhaltlichen Überschneidungen zwischen Dekalog und deutschem Strafgesetzbuch enorm: „Du sollst nicht stehlen“, sprach Gott einst zu Moses und so verfolgt der Staat heute alle diejenigen, die sich seinem Wort widersetzen. „Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht“, sprach Gott. Heute verbietet der Staat die Arbeit an Sonntagen. „Du sollst nicht morden,“ sprach Gott und heute ist es der Staat, der diejenigen straft, die einen anderen Menschen getötet haben. In diesem Sinne hat sich die Vorstellung von Gott, so absurd sie auch sein mag, als selbsterfüllende Verheißung entpuppt: Eine Verheißung, die durch eben jene erfüllt wird, die zugleich glauben, dass Gott dahintersteckt.

„Wenn Gott wirklich existieren würde, müssten wir ihn beseitigen“, schrieb Bakunin einst. Und während Anarchist*innen und andere Revolutionär*innen seither mit einigem Erfolg Könige, Zaren, Kaiser, Polizeipräsidenten, Fabrikbesitzer und viele weitere weltlichen Herrscher*innen beseitigten, so ist es ihnen doch bis heute nicht gelungen, diesen Gott, der alleine durch seine Existenz in den Köpfen der Menschen zu herrschen vermag, zu stürzen.

Da bleibt die Frage: Warum nicht? Während Messer, Revolver und etwas Sprengstoff sich als verlässliche und unabdingbare Mittel im Kampf gegen die weltlichen Herrscher*innen dieser Welt entpuppt haben, mussten diese Mittel bei einem göttlichen Feind scheitern. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Herrscher*in und Beherrschten. Sind nicht diejenigen, die die Existenz und die Lehren Gottes so vehement verteidigen nicht oft auch die größten Opfer dieser Ideologie? So haben viele versucht, Gott zu widerlegen, hielten das für das brauchbarste Mittel, um ihn zu stürzen. Sie alle sind gescheitert, mussten scheitern. Wie soll mensch auch etwas widerlegen, das seit jeher nur in den Köpfen der Menschen existierte? Etwas, das von geschickten Demagog*innen stets als unbegreiflich für den menschlichen Verstand inszeniert wurde, etwas, das sich dieser Welt ohnehin zu entziehen scheint?

Gott zu widerlegen erscheint mir der falsche Ansatz. Schließlich lasse ich mich dabei überhaupt erst auf die Ebene derjenigen herab, die die Vorstellung von Gott zur Herrschaft über andere Menschen nutzen. Und während ich mit ihnen darüber diskutiere ob es Gott nun tatsächlich gibt oder eben nicht, bleibt das Prinzip Gottes intakt: Er spaltet in Gläubige und Zweifler*innen, wobei er letzteren großzügig zu vergeben pflegt und ihnen jederzeit eine neue Chance eröffnet. Ein kluger Schachzug, denn wäre Gott nicht so gütig gegenüber all den Sünder*innen, er hätte längst alle Menschen gegen sich aufgebracht.

Statt zu versuchen, Gott zu widerlegen, will ich einen anderen Weg einschlagen. Ich will ihn zerstören, vernichten, töten. Es ist mir egal ob Gott existiert oder nicht, denn selbst wenn ich das für mehr als unwahrscheinlich halte, würde seine Existenz doch nichts für mich ändern. Wenn ich an Gott glaube, mache ich mich selbst zum*zur Sklav*in, wenn Gott dagegen existiert, dann hat er mich zur*zum Sklav*in gemacht. Das Resultat bleibt das gleiche. Ich will jedoch kein Dasein als Sklav*in fristen. Ich will ein Leben in Freiheit führen. Und genau deshalb ist es mir einerlei ob Gott existiert oder nicht, für mich steht fest: Er ist einer meiner schlimmsten Feind*innen und jede*r seiner Prediger*innen versucht mich unter seine Herrschaft zu unterwerfen.

 

 

[Köln] E-Scooter lassen sich zurückdrängen

„Greta und Kenny“ haben sich im Dezember testweise auf ein Viertel in Köln konzentriert und dort mehr als 200 E-Scooter „(z)erlegt“. Der in Köln größte Anbieter von Ausleih-Elektrorollern „Lime“ hatte sich entschieden, in den wärmeren Städten sein Angebot nicht witterungsbedingt zu reduzieren. Gezielte Sabotage hat die Anzahl der Roller im ausgewählten Viertel nun spürbar dezimiert. Mit einem kräftigen Schlag (Hammer oder Dorn) durch das Display in die darunter liegende Steuerelektronik verabschiedet sich der Roller komplett und kann nicht mehr entriegelt werden. Die Reparatur kostet mehrere hundert Euro; das Hipster-Mobil ist in der Regel für einige Tage aus dem Verkehr gezogen. Der Anbieter hat selbstverständlich reichlich Ersatz auf Lager, aber: Er weicht der Renitenz bei regelmäßiger Sabotage lieber aus. […] Weitere Schnell-Sabotage-Möglichkeiten gegen E-Scooter:
– QR-Code und 4-6stellige Rollerkennung mit kleiner Sprühdose oder dickem Stift unlesbar machen
– Kabelbinder durch Vorderrad und um die Rollerlenkstange verhindert ein Losfahren ohne Seitenschneider.“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Jobcenter Wedding entglast

Wir haben in der Nacht vom 31.12. zum 01.01.2020 dem Jobcenter Berlin Wedding in der Müllerstraße 16 einen Besuch abgestattet.

Dabei wurde die zum Max-Josef-Metzger-Platz gelegene Fensterfront mit Pflastersteinen eingedeckt.

Solidarische und kämpferische Grüße gehen raus an die drei schlummernden Vulkane (Interim Nr.809 S.37) und an die drei von der Parkbank!

Quelle: Indymedia

[Hamburg] Hurra, Hurra, das Arbeitsamt brennt!

In der Nacht zum 1.1. sind wir ohne Termin zur Agentur für Arbeit in Altona-Nord in der Kieler Straße gekommen. Statt uns artig eine Nummer zu ziehen und uns von Mitarbeiter*innen und Struktur des Hauses schikanieren zu lassen, haben wir mit Hämmern einige Scheiben des Jobcenters zerstört und – um sicher zu gehen, dass der Betrieb möglichst lange gestört wird – Brandsätze reingeworfen.

Das Jobcenter und die Agentur für Arbeit sind Teil des selben Apparates, der Menschen nach ökonomischer Verwertbarkeit einteilt. Im Jobcenter werden jene sanktioniert, die nicht in ein System von Arbeitszwang und Ausbeutung passen können oder wollen. Durch das Vorenthalten von Leistungen und permanenten Druck auf die Bezieher*innen, sollen Menschen nicht nur dazu gebracht werden, jede noch so unappetitliche Arbeit anzunehmen. Es soll gleichzeitig eine Linie gezogen werden. Eine Linie, die aufzeigt, wer normal ist und wer nicht. Wer dazu gehört und wer nicht.

Dabei richten sich Agentur für Arbeit und Jobcenter nicht nur an die Bezieher*innen. Sie richten sich eben auch an die Arbeitenden, in dem sie als Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit aufzeigen, mit welcher Behandlung sie zu rechnen haben, wenn sie den „Spielregeln“ der Arbeitswelt nicht gehorchen.

Wir blicken auf ein bewegtes Jahr 2019 zurück. Mit dem Angriff auf die Agentur für Arbeit starten wir das Jahr 2020 wie das letzte beendet wurde: Wütend und kämpferisch.

In der Hoffnung dass das Feuer im Arbeitsamt bis über die Mauern des Knast am Holstenglacis zu sehen war, schicken wir solidarische Grüße an die 3 von der Parkbank. Ihr Prozess beginnt am 8.1.2020 um 13Uhr im Gericht am Holstenglacis. Kommt vorbei und zeigt euch solidarisch.

Freiheit für alle Gefangenen!
Für die soziale Revolte!
Für ein kämpferisches 2020!

Quelle: Indymedia

[Santiago de Chile] Schön wie eine Kirche der Militärpolizei, die in Flammen aufgeht

Eine Kirche, die den „Carabineros“, der chilenischen Militärpolizei, gewidmet ist, wurde während der ersten Krawalle im Jahr 2020 in Chile am 03. Januar angezündet. In der Nähe des Plaza Italia in Santiago, seit Oktober das Epizentrum der Revolte in der chilenischen Hauptstadt, wurde die Kirche San Francisco de Borja von vermummten Revoltierenden angezündet. Die Mauern des Gebäudes wurden mit Parolen beschmiert, das heilige Mobiliar nicht nur zerstört, sondern auch in gigantische ketzerische Feuer vor der Kirche geworfen. Auf mehreren Bildern sieht mensch Brandherde an mehreren Orten in der Kirche.

Außerdem, nicht weit von der entbrannten Kirche, wurde das Krieger*innendenkmal, das ebenfalls den Carabineros gewidmet ist, während dieses Tages der Revolte angegriffen.

Quelle: Sans Attendre Demain

Türschloss von Immobilienbüro verklebt

Im Zeitraum zwischen dem 20. und 30. Dezember 2019 verklebten Unbekannte das Türschloss eines Büros in der Nordendstraße mit Flüssigkleber. Da das für „Linksextremismus“ zuständige K43 die Ermittlungen übernommen zu haben scheint, gehen wir davon aus, dass es sich bei dem Büro um ein Immobilienbüro gehandelt hat.

Diese Profiteur*innen von Aufwertung und Verdrängung waren wohl zumindest für kurze Zeit einmal selbst diejenigen, die aus den eigenen Räumlichkeiten ausgesperrt waren. Sie mussten einen Schlüsseldienst rufen, um die Tür zu öffnen und blieben laut Cops auf einem Schaden von mehreren hundert Euro sitzen.

Für das Verkleben von Türschlössern eignet sich kursierenden Anleitungen zufolge Sekundenkleber besonders gut. Einfach in die Schlossöffnung drücken, fertig. Einige Anleitungen empfehlen zusätzlich zum Kleber auch Stecknadeln in das Schloss zu stecken und diese abzubrechen.

[Leipzig] Bulle nach Auseinandersetzung bewusstlos – Na und?

In Leipzig-Connewitz kündigten die Bull*innen an, den „Linksextremen“ an Sylvester eine Falle zu stellen. In der Nacht auf den 1. Januar kommt es also zur Eskalation: Bull*innen patroillieren im Viertel und bekommen folgerichtig was sie verdienen: Mensch greift sie an. Und statt sich zu verpissen bleiben die Bull*innen, sie wollen nicht einsehen, dass die Menschen dort keinen Bock auf ihre Anwesenheit haben. Also kommt es zur Auseinandersetzung und dabei wird einer der Bull*innen wohl sehr schwer verletzt.

Nicht dass ihm hier irgendwer den Tod wünschen würde, aber Mitleid gibt es von uns dafür sicher nicht. Schwere Verletzungen und manchmal auch der Tod war schon immer das Berufsrisiko der Scherg*innen des Staates, die logische Konsequenz aus dem, wie sie handelten. Was will mensch auch sonst erwarten, wenn mensch andere Menschen einsperrt, tötet, verletzt, erniedrigt, abschiebt, schikaniert oder ihnen anderweitig ihr Leben zerstört. Vielleicht haben der verletzte Bulle und seine Kolleg*innen ja etwas gelernt. Allen anderen Bull*innen können wir nur zurufen: Verpisst euch, haltet euch von uns fern, quittiert euren Dienst oder bleibt einfach zu Hause. Denn das was eurem Kollegen in Leipzig passiert ist ist kein Einzelfall, es ist das, was Bull*innen aufgrund ihres Berufs und ihrer Handlungen eben so zu erwarten haben.