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Kirchen mit Parolen besprüht

In der Nacht auf Freitag, den 06. Dezember wurden Angaben der Polizei zufolge mehrere Kirchen in Milbertshofen, Neuhausen und Untergiesing großflächig mit „politischen Parolen“ besprüht. Dabei sei ein Schaden von mehreren tausend Euro entstanden.

UPDATE: Unter anderem waren folgende Parolen an den Kirchen zu lesen: „Nieder mit der Kirche“, „Es reicht nicht Gott zu widerlegen, wir müssen ihn töten. Gegen jede Herrschaft, auch die göttliche“, „Ob in Chile oder sonstwo: Nieder mit Gott, Nieder mit dem Staat. Für soziale Revolte.“, „Die Kirche zerstören, den Staat niederbrennen“, „Religion ist Herrschaft, ich aber will frei sein“, „Weder Gott noch Herr, das Patriarchat abfackeln“.

Bereits vor wenigen Wochen wurde neben mehreren abgefackelten Ticketautomaten und dem Chilenischen Konsulat auch eine Kirche angegriffen, auf die „Kein Gott, Kein Staat, Kein Patriarchat“ gesprüht worden war (siehe Zündlumpen Nr. 41). Der Angriff wurde damals in den Zusammenhang mit der Revolte in Chile gestellt.

Erklärung von Thunfisch

Hier findet ihr eine Erklärung, die am 2, Hafttag geschrieben wurde, und leider nicht geschickt werden konnte, durch die komplette Ausschaltung, die mensch im Knasttransport erfährt (ein weiterer Text dazu kommt demnächst). Wir haben uns doch entschieden, es zu veröffentlichen, auch weil andere Gefangene gegrüßt werden und sie diese Zeile vielleicht noch erreichen können.

12/11/19, Brandenburg-an-der-Havel

Hi ihr lieben,

Erstmal danke und probs, dass ihr diesen Brief lest! Sich Zeit zu nehmen, um den Wörter der Gefangenen acht zu geben, ist echt wichtig und cool. Es tut mir gut, mir vorzustellen, dass ihr auf der anderen Seite der Gitter diesen Brief in euren normalen Leben lesen werdet.

Naja, jetzt bin ich wieder im Knast, und wieder auf dem Transport – zynischer Weise auf genau demselben Weg, wie fast genau vor 3 Jahren, nur in die andere Richtung […].

Eigentlich geht es mir den Umständen entsprechend eher gut, auch weil es halt nicht mehr das erste Mal ist, und weil ich mich seitdem intensiv und offensiv mit Knast auseinandergesetzt habe. Es hilft wirklich sehr, ich kann es euch nur weiterempfehlen! Gut auch, dass ich dieses Mal nicht auf der Straße beinah im Schlafanzug festgenommen wurde, sondern aus dem Flieger kurz vor dem Abflug von den Bullen abgeholt wurde, also mit meinem gesamten Koffer.

Ein Paar Gedanken dazu. Ein paar Tage her, hatte ich einen Artikel in der „In der Tat“ (anarchistische Zeitschrift) gelesen, es hieß so was wie “Im Freiluftgefängnis” [In der Tat Nummer 5, Herbst 2019, “Im Freiluftgefängnis”]. Es sagte ungefähr, es gäbe doch keinen konkreten Unterschied zwischen beiden Seiten der Gitter, da mensch draußen auch nicht frei ist und in der Bewegung eingeschränkt wird (zb. durch Grenzen) und überwacht wird (durch Technologie). Freund*Innen und ich haben drüber gequatscht, und ich brachte die Kritik, dass Knast doch nicht nur um “Freiheit” geht, sondern eher um Auslieferung. Im Knast bist du ständig unter der Hand des Staates, komplett ausgeliefert, fast wehrlos. Im Knast bist du erstmal in einer Zelle eingesperrt und es können irgendwelche Leute reinkommen und mit dir zu tun, was sie wollen. Draußen hast du fast immer mindestens die Möglichkeit, wegzurennen, ob du es versuchst oder nicht, ob du es schaffst oder nicht.

Gestern im Flieger hatte ich aber diese Möglichkeit doch nicht. Im Schönefelder Flughafen auch nicht: überall Schleusen, geschlossene Türen, Kontrolle. Ich war auch da tatsächlich vollkommen den Behörden ausgeliefert, wie in einer Gefängniszelle. Und das schlimmste, was mich gerade richtig ankotzt, viel mehr als die Festnahme an sich, ist, dass ich mich vollkommen freiwillig und nichts ahnend geliefert habe, ich habe mich sogar gefreut. Ich hatte diese Auslieferung nicht mal kommen sehen. Außerhalb der Egoverletzung, dass ich gehofft hatte, ich wäre nicht so naiv und auch nicht so schnell bereit, mich von kleinen Freuden (in diesem Fall, in Urlaub fliegen) verblinden zu lassen, tobt sich in mir eine Frage aus: wie oft liefere ich mich eigentlich selbst aus, im Alltag? Wie oft laufe ich durch Schleusen und Eisentüren, ohne es bloß zu bemerken? Mit dieser Frage bin ich noch nicht so weit, ich weiß nur, dass ich wahrscheinlich nie wieder einen Flughafen betrete – nicht zuerst wegen des Traumas, sondern eher wegen des Ekels, den ich jetzt fühle, wenn ich an diese kostenpflichtige Ausweglosigkeit denke.

Schreibt mir gerne eure Gedanken dazu! Ich schreibe noch mal die Tage – vielleicht über Umgang mit Schließern und Stockholmsyndrom: da bräuchte ich auf jeden Fall ein paar Tipps und Analysen dazu! In diesem Sinne, passt gut auf euch auf und auf eure, unsere Gefangenen: liebste Grüße auch an die 3 von der Parkbank, an Lisa, an Loic, und an die hunderte Gefangene der Gilets Jaunes Proteste: kein Knast steht ewig, und bald tanzen wir gemeinsam auf dem Grab des Bestehenden! Haltet ihr auch die Ohren steif <3

Und als Trailer für die zweite kommende Erklärung (über Transport), die besten Schließer Zitate der Woche!

Halle:

Thunfisch: Ich sehe, dass mein Recht, meine Verteidigerin zu erreichen, gerade verletzt wird.

Schliesserin: Doch gar nicht, sie dürfen ihr jederzeit schreiben.

Thunfisch: Ok, dann bräuchte ich Briefmarken.

Schliesserin: Geht nicht.

Thunfisch: Ja also ich kann ihr doch gar nicht schreiben!!!

Schliesserin: Nein, aber sie dürfen es.

 

Luckau-Dubben, über den “obligatorischen” Urintest:

Thunfisch: Diese Maßnahme finde ich unwürdig.

Schliesserin: Muss doch jede machen.

Thunfisch: Ja, dann ist es halt unwürdig für alle.

Schliesserin: ….

Thunfisch: Finden Sie nicht?

Schliesserin: Nein, ich finde es dann normal.

Thunfisch war am 09.11. am Flughafen verhaftet worden, war dann quer durch Deutschland gekarrt worden und wurde nach 10 Tagen Odyssee durch die deutsche Gefängnislandschaft nach der Haftprüfung entlassen. Mehr Infos findet ihr auf Free Thunfisch.

Wie du DNA-Spuren verhindern oder zerstören kannst

Um das Legen beiläufiger Spuren zu verhindern oder zumindest deutlich einzuschränken, ist es nötig, neue Handschuhe, Mundschutz, Haarnetz oder noch besser geschlossene Kopfbedeckung (z.B. Bade-kappe) und gewaschene Klamotten mit langen Ärmeln und Hosenbeinen zu tragen.

Allerdings hinterlassen normalerweise auch alle anderen Menschen Spuren, so dass an halbwegs öffentlichen Orten die Polizei ein einfaches Zusammenfegen von Mischdreck nicht weiterbringen wird – und auch häufig angefasste Dinge führen manchmal zu Mischspuren, die nicht ausgewertet werden können. Sich darauf zu verlassen, ist allerdings gefährlich: In manchen Ermittlungsverfahren werden aufwendige Analysen betrieben, und wenn Eure DNA auch unter vielen anderen gefunden wird, ist sie nun einmal da.

Eine zentrale Herausforderung für die DNA-Forensik ist, Spuren zu finden, die mit der verfolgten Übertretung in Zusammenhang stehen. Der Polizei in die Hände spielt, dass Kleiderfasern, auf die die Spurensicherungen dieses Planeten seit Jahrzehnten programmiert sind, fast regelmäßig verwertbare DNA der Träger*in der Kleider zeigen. Auch Orte, an denen gepinkelt wurde, können für die Ermittler*innen von Interesse sein. Von legendärer Popularität sind Zigarettenkippen oder Speichelreste an Briefmarken und Briefumschlägen. Die ähnlich legendären Haare sind allerdings weniger geeignet, wenn sie keine Wurzel mehr enthalten. Nicht hilfreich zur Verwirrung der Polizei, sind übrigens nichtmenschliche Zellen – die zur Analyse verwandten Primer, um einzelne DNA-Sequenzen zu isolieren, sind sehr artspezifisch. Es ist aber umgekehrt so, dass Haare eines bestimmten Hundes identifiziert werden können und der Polizei Hinweise geben können.

In vielen Filmen gesehen, ist das Wegwischen von (»normalen«) Fingerabdrücken. Für die DNA ist das aber ungleich schwieriger. DNA-Spuren lassen sich durch Wischen und Desinfizieren allerhöchstens auf sehr glatten Oberflächen entfernen, und auch nur dann, wenn es keine Ritzen o.ä. gibt. Werkzeug hingegen, Papier, Textilien oder sonstige Gegenstände mit rauen Oberflächen sind auf diese Weise praktisch nicht zu reinigen, weder von menschlicher, noch tierischer, noch pflanzlicher DNA (auch diese DNA kann relevant sein, weil sie Rückschlüsse auf den Herkunftsort zulassen kann).

DNA ist ein erstaunlich stabiles Molekül. Daher ist auch eine chemische Entfernung von DNA-Spuren schwierig, zumal nicht ausreicht, was zur Sterilisation taugen mag (etwa einfaches Erhitzen oder Alkohol). Ihr müsst die STRs zertrümmern, und die sind klein. Was erfahrungsgemäß ganz gut wirkt, ist Natriumhypochlorit, das aber nicht so leicht zu beschaffen ist. Eine Alternative sind Bleiche oder aggressive Putzmittel, in denen Natriumhypochlorit enthalten ist (siehe Inhaltsstoffe und Gebrauchsanweisung beachten). Handelsnamen sind etwa Dan Klorix oder Schimmelentferner mit Aktivchlor oder Clorox (amerikanisches Produkt). Hypochlorit ist nicht sehr stabil, daher empfiehlt es sich, immer eine neue Flasche zu benutzen. Es stinkt ziemlich, eben nach Chlor, und ist aggressiv gegenüber vielen Materialien, deswegen glatte und dafür unempfindliche Arbeitsflächen benutzen wie eine Badewanne, intakte Gummihandschuhe und eventuell auch eine einfache Schutzbrille tragen. Vorsicht beim Umgang! Nicht mit anderen Reinigern zusammen nutzen. Und darauf achten, dass Ihr in alle Rillen und Ritzen damit vordringt.

Es gibt im Laborfachhandel auch sonstige Produkte zum Zerstören von DNA wie DNA-Exitusplus oder DNA-ZAP (life technologies). Nach veröffentlichten Studien ist letzteres aber nicht effektiver als zehnprozentige Bleiche.

Salzsäurebasierte Reiniger wirken dagegen schlechter. Erhitzen über einige Zeit bei 250 Grad Celsius etwa von Metallgegenständen im Backofen zerstört die DNA ebenfalls. Was nicht mehr gebraucht wird, ist am sichersten durch Verbrennen zu vernichten.

Text übernommen aus „Der polizeiliche Zugriff auf DNA-Daten: Strategien der Gegenwehr“, Gen-ethisches Netzwerk, Februar 2019, S. 24 f.

Ob Lehrer*in oder Gefängniswärter*in …?

Ich kenne eine Person, die versteht sich als Anarchist*in, als Feind*in von Herrschaft und doch will diese Person Lehrer*in werden. Lehrer*in an einer Schule, vielleicht sogar an einer staatlichen Schule. Diese Person ist dabei nicht der*die einzige Vertreter*in eines anarchistischen Lehrer*innenkollegiums. Tatsächlich gibt es eine ganze Tradition anarchistischer Lehrmeister*innen, die eigene Schulen gründe(te)n (wollen) oder an staatlichen Schulen lehrten und lehren. Das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

In dem folgenden Artikel werde ich versuchen darzulegen, warum Lehrer*in zu sein oder zu werden nicht mit meinen Ansichten in Einklang zu bringen ist. Ich gebe dabei bewusst nicht die Position derjenigen Personen wieder, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe und die eine andere Ansicht vertreten haben. Das tue ich nicht, um ihre Argumente unter den Tisch fallen zu lassen, sondern weil ich mich nicht in der Lage sehe, diese Positionen so wiederzugeben, dass ich dabei nicht bereits polemisiere (ich habe es in einer ersten Version dieses Textes versucht und bin gescheitert). Ich würde mich aber dennoch freuen, wenn diejenigen, die konträre Positionen vertreten, diese ebenfalls (schriftlich) darlegen wollen und so eine Debatte entstünde. So oder so: Ich möchte mit diesem Text keine*n belehren, ich möchte keiner*m seine*ihre Feindschaft zu Herrschaft absprechen und ich möchte auch nicht die Motive derjenigen in Frage stellen, die sich nicht nur trotz der Tatsache, dass sie sich als Anarchist*innen verstehen, sondern vielleicht auch gerade deswegen dazu entschieden haben, Lehrer*in zu werden. Stattdessen will ich in diesem Text darlegen, warum ich es für unvereinbar mit meinen eigenen Überzeugungen halte, den Beruf des*der Lehrer*in auszuüben.

„Ob Lehrer*in oder Gefängniswärter*in …“ Ich gebe zu, der Vergleich ist provokant und wirkt vielleicht übertrieben, doch bei genauerem Hinsehen ergeben sich durchaus Parallelen. Das Gefängnis ist eine staatliche Erziehungs- und Strafanstalt. Die Insass*innen eines Gefängnisses sollen dort lernen, sich in Zukunft an die Gesetze zu halten. Und weil das Gefängnis eines der „letzten Mittel“ ist, derer sich der Staat bedient, soll dieses „Lernziel“ vor allem mithilfe von Zwang und Bestrafung erreicht werden. Bevor die meisten Menschen ins Gefängnis geschickt werden, wird ihnen meist ausgiebig mit einem Knastaufenthalt gedroht. Das beginnt in den Familien, wenn jungen Menschen erzählt wird, die Bull*innen würden die „guten Menschen“ vor den „bösen Menschen“ beschützen, indem sie die „bösen Menschen“ einsperren, das setzt sich fort in der Schule, wenn den Schüler*innen beigebracht wird, was dem Gesetz nach verboten ist und was die (angeblich gerechten und notwendigen) Konsequenzen sind und wenn eine*r eines minderschweren Verbrechens angeklagt wird, ist es diese Drohung, die von der*dem Richter*in noch einmal erneuert wird, bevor er*sie eine*n mit einer Geld- oder Bewährungsstrafe „davonkommen“ lässt. Die tatsächliche Einsperrung von Menschen dient meist dazu, besonders subversive Gemüter zu brechen und besonders dazu, andere abzuschrecken; oft ist sie auch mit Rassismus oder Klassismus verbunden, das soll hier aber zugunsten der Textlänge außen vor bleiben.

Menschen, die im Gefängnis eingesperrt werden, sollen permanent kontrolliert werden. Sie haben sich an den für sie vorgesehenen Tagesablauf mit Schlaf-, Arbeits- und Essensrythmus zu halten. Sie müssen den Anweisungen der Wärter*innen gehorchen, ihr Verhalten wird ständig beurteilt und diese Beurteilung durch die Wärter*innen ist ausschlaggebend dafür, ob sie vorzeitig entlassen werden, ob sie eine bestimmte Arbeit ausüben dürfen, ob sie Freigang bekommen, usw. Da die sozialen Beziehungen im Knast nicht auf einer freiwilligen Ebene entstehen sondern von außen bestimmt werden (wer kommt in welche Abteilung, wer arbeitet mit wem, Kontaktverbote, usw.), kommt es oft zu unschönen Eigendynamiken, beispielsweise zu Mobbing, rassistischer, homofeindlicher, transfeindlicher Ausgrenzung.

Auch in Schulen werden die Schüler*innen gewissermaßen eingesperrt, auch wenn hier (meist) die ausbruchsvorbeugenden Zäune, der Stacheldraht, Wachtürme, Kameras, usw. fehlen. Für die tägliche Unterrichtszeit dürfen alle schulpflichtigen Schüler*innen das Schulgelände nicht oder nur mit Erlaubnis der Eltern und Lehrer*innen in der Mittagspause verlassen. Wer trotzdem geht oder einfach nicht kommt, muss damit rechnen, von Bull*innen eingefangen und gebracht zu werden. Ein weiteres zentrales Element von Schulen ist die Strukturierung des Tagesablaufs der Schüler*innen. Mensch kann sich nicht aussuchen, wann mensch aufsteht, zur Schule geht, wann mensch isst und wann mensch nach Hause geht. Ja nichteinmal, wenn einer*einem gerade gar nicht der Kopf danach steht, zu lernen, ist mensch frei zu entscheiden zu gehen oder nicht mitzumachen. Zu Beginn jedes Schuljahres bekommt mensch einen Stundenplan ausgehändigt und an den hat mensch sich zu halten, basta. Auch in der Schule müssen Schüler*innen den Anweisungen der Lehrer*innen folge leisten und werden von diesen beurteilt und sogar bestraft. Deren Beurteilung entscheidet zunächst darüber, ob mensch in die nächste Klasse versetzt wird oder nicht, ob mensch einen Abschluss bekommt und schließlich indirekt, welche weiteren Bildungs- und Karrieremöglichkeiten einer*einem später im Leben offen stehen. Nicht, dass ich für bessere Karrieremöglichkeiten wäre, aber in unserer Gesellschaft ist das etwas, das von Belang für die meisten Menschen ist, etwas das über den (vermeintlichen) Erfolg aus eigener und fremder Perspektive entscheiden kann. Die Bestrafung durch Lehrer*innen reicht von Strafarbeiten, Nachsitzen, Bloßstellungen bis hin zu Schulverweisen. Und auch in der Schule kommen die sozialen Beziehungen der Schüler*innen untereinander nicht freiwillig zustande. Sie werden nach Herkunftsort, nach Leistung, kurz nach Willkür der Lehrer*innen in Klassen gesteckt, manchmal, bzw. sogar sehr häufig wird sogar von Lehrer*innen bestimmt, wer neben wem zu sitzen hat. Unter anderem dadurch kommt es auch in Schulen systematisch zu unschönen Eigendynamiken wie Mobbing.

Siehst du die Parallelen? Ich will nicht sagen, dass Menschen, die sich entscheiden Lehrer*in zu werden, all das gutheißen. Aber auch Gefängniswärter*innen werden das, was in den Gefängnissen passiert in der Regel nicht vorbehaltlos gutheißen. Dennoch entscheiden sie sich, diese Zustände mit zu tragen, indem sie eine Tätigkeit ausüben, in der sie das alles erst möglich machen. Ähnlich ist es auch bei Lehrer*innen: Eine Schule ohne Lehrer*innen wäre ebenso undenkbar wie ein Gefängnis ohne Wärter*innen.

Aber ist es nicht richtig, den Schüler*innen die Schulzeit, die sie ja ohnehin absitzen müssen, dann so angenehm wie möglich zu machen? Ist es richtig, Knastaufenthalte durch Fußfesseln und Hausarrest zu ersetzen? Ebenso wie eine Fußfessel der*dem Gefangene*n sicherlich mehr Annehmlichkeiten bringt, ist ein*e anarchistische*r Lehrer*in sicherlich auch ein*e angenehmere*r Lehrer*in für die Schüler*innen. Aber ebenso wie die Fußfessel und andere Reformen den Knast und seine Erziehungsmethoden nur verfeinern und die zugrundeliegenden widerlichen Gedankengänge von Erziehung und Bestrafung verschleiern bleibt ein*e anarchistische*r Lehrer*in eben trotzdem ein*e Lehrer*in. Eine Person, die die Schüler*innen im Klassenzimmer gefangen hält, eine Person, die sie bewertet, eine Person, die Autorität besitzt und die ihrer Rolle selbst nicht entfliehen kann. Wenn sich ein*e Gefängniswärter*in dazu entscheiden würde, eine*n Gefangene*n freizulassen, käme sie*er dafür selbst in den Knast. Entscheidet sich ein*e Lehrer*in eine*n Schüler*in freizulassen, wird das zumindest zur Entlassung führen. Ob Lehrer*in oder Knastwärter*in: Beide können ihrer Rolle nur dann entfliehen, wenn sie sich ihrer Ausübung verweigern, sprich wenn sie ihren Beruf aufgeben, aber dann wären sie ja gerade nicht mehr Lehrer*in oder Knastwärter*in.

Aber ist die Tätigkeit der*des Lehrer*in auch jenseits einer staatlichen Zwangsinstitution denkbar? Ist nicht der Gedanke daran, dass es vorrangiges Ziel einer Person ist, andere zu – sagen wir – bilden, absurd? Warum sollte ich das Interesse haben, einer anderen Person etwas beizubringen? Damit will ich nicht sagen, dass ich nicht bereit bin, mein (subjektives) Wissen an andere Personen weiterzugeben. Aber ist es nicht ein absurder Gedanke, das zu meinem vorrangigen Ziel zu machen? Zur*zum Lehrer*in zu werden, statt einer anderen Person auf Augenhöhe zu begegnen und sie ihren eigenen Wünschen gemäß dabei zu unterstützen, sich Wissen und Fertigkeiten, die ich besitze, anzueignen. Ich glaube jeder Versuch, einer Person entgegen ihrer eigenen Motivation ein bestimmtes Wissen zu vermitteln ist der Versuch, Herrschaft über sie auszuüben. Aber das ist für mich genau das, was Lehrer*innen tun: Sie überlegen sich, wie sie ein bestimmtes Wissen bestmöglich vermitteln können, anstatt dass sie auf Bitten einer anderen Person so viel von ihrem Wissen weitergeben, wie die andere Person interessiert.

Für mich ist es daher unvorstellbar, Lehrer*in zu werden: Sowohl innerhalb des staatlichen Zwangssystems der schulischen Erziehung, als auch des allgemeinen Konzepts wegen.

Rätsel um Buchstaben- und Ziffernkombinationen

Die Bull*innen vom Münchner Staatsschutz sind verwirrt. Da hat doch vergangenes Wochenende (29.11. bis 02.12.2019) einfach irgendeine*r eine Schule in Neuperlach besucht und „mehrere Gebäudeteile […] großflächig mit diversen Buchstaben und Zifferkombinationen“ besprüht.

Das scheint den Bull*innen Rätsel aufzugeben, denn statt dem schulüblichen „ABC“ standen dort ganz andere Buchstaben und Ziffernkombinationen. Welche, das geben die Bull*innen nicht preis, aber wir raten einfach ins blaue und tippen darauf, dass die Buchstaben A, B und C ebenfalls vorkamen, nur in etwas anderer Reihenfolge. Aber was die Ziffernkombinationen angeht sind wir ebenfalls ratlos. Einen Tipp für die Bull*innen haben wir dennoch: 13 + 12 ergibt 25.