Tag Archives: Nr. 037

[Berlin] Zwei Geldautomaten abgebrannt

Im Rahmen der Antiknasttage in Berlin brannten in der Nacht vom 24. Oktober zwei Bankautomaten:

[…] Die Verwertung durchströmt jede Nische, jede menschliche Regung, unsere Wege und tägliches Verhalten. Wir sind darin gefangen. Wir drücken unsere Zuneigung mit Waren aus oder konsumieren, wenn uns Langeweile oder Traurigkeit ereilt. Um uns dröhnt das Rauschen der kapitalistischen Stadt, deren Verwalter*innen und Ordnungshüter*innen die Aufgabe haben, das Elend am reibungslosen Laufen zu halten. Und irgendwo in diesen Städten und an ihren Grenzen, hinter Mauern, Wachtürmen und Zäunen sind die, die in diesem System als Gefangene, als Andere deklariert werden, um uns weiß zu machen, dass wir hier frei wären. Es ist die Angst, die Drohung, die Gewalt, mit der die Herrschenden versuchen, uns zu normieren und befrieden und viele tragen diese Verhältnisse mit, transformieren die Normierung in Normalität.

Gegen das System der Überwachung und Kontrolle, des Sanktionierens und Strafens.

Die Knastgesellschaft angreifen.

Grüße an die drei von der Parkbank, Loic und alle Aufständischen, die dieser Tage nicht nur die Straßen und Symbole der Macht anzünden, sondern auch die Herzen all jener, die die Idee der Freiheit in sich tragen, weiter befeuern.

Freiheit für alle!

Quelle: Indymedia

[Berlin] Drei CDU-Büros und eine Bank mit Hämmern und Steinen angegriffen

Am 22. Oktober wurden in Berlin drei CDU-Büros und eine Sparkassenfiliale mit Steinen und Hämmern angegriffen. Die Angreifer*innen erklären in einem Bekenner*innenschreiben bei Indymedia, dass sie mit ihrem Angriff diejenigen, die staatliche Gewalt mit der Erklärung von Gebieten zu „Gefahrengebieten“ und „kriminellen Orten“ legitimieren mit deren eigener Gewalt konfrontieren wollen und selbst „temporäre Gefahrengebiete“ schaffen wollen. Sie stellen ihren Angriff in Zusammenhang mit einer ähnlichen Angriffsserie Mitte September in Athen und wenden sich mit ihrer Erklärung gegen zahlreiche Beispiele staatlicher Kontrollversuche in Städten weltweit und gegen den „Krieg gegen die flüchtenden Menschen“ an den EU-Außengrenzen.

[Berlin] Amazon-Transporter angezündet

Nicht lange ist es her, dass es gelungen war, Google mit seinem geplanten Start-Up-Campus aus dem Kreuzberger Kiez zu jagen. Da kommt schon die nächste Hiobsbotschaft aus der Tech-Industrie. In der Betonwüste zwischen Ostbahnhof, Warschauer Straße und Spree, soll jetzt neben Zalando, Mercedes Benz, East-Side-Mall und Arena auch noch ein Amazon Standort entstehen.

Und weil es Amazon ist, nicht in irgend einem Gebäude, sondern in dem bald höchsten Haus Berlins mit dem Namen EDGE-Tower. Unsere erste spontane Reaktion auf diese Nachricht: ein Brechreiz und das Bedürfnis, richtig viel kotzen zu wollen. Aber weil das schade ums Essen wäre und immer eine Sauerei hinterlässt, sind wir nochmal in uns gekehrt. Und zum Entschluss gekommen, dass es viel passender wäre, ein Ausliefer-Fahrzeug von diesem Dreckskonzern bzw. seiner Partnerfirma PASU-Logistic anzuzünden. Also haben wir uns auf den Weg gemacht und unsere Grillanzünder auf dem Reifen eines solchen Fahrzeugs im Baumschulenweg platziert. […]

Quelle: Indymedia

Scheiß auf Pädagogik!

Wie auch immer die Wissensvermittlung in der Schule aussah, irgendwie war sie immer scheiße. Gerade die neuere Pädagogik setzt viel auf Referate, Gruppenarbeiten, Unterrichtsstunden, die Schüler*innen halten müssen oder ein Stationensystem, über das Schüler*innen sich selbst Inhalte erarbeiten sollen. Mir war ja Frontalunterricht am liebsten. Denn dann erwartete mensch keine aktiven Handlungen von mir und ich musste mich auch nicht dem stellen, dass ich in der Klasse komplett ausgeschlossen war, was jede Gruppen- oder Partner*innenarbeit zur Hölle machte. Der Sinn hinter diesen neuen Ansätzen: Selbstständiges proaktives Lernen und Vorbereiten auf den Berufsalltag, in dem mensch auch in der Lage sein müsse Dinge zu präsentieren und sich zu erarbeiten. Frontalunterricht gilt inzwischen zu sehr als Indoktrination, zu sehr als die Schüler*innen einfach mit irgendwelchen Informationen vollpumpen, dabei sollen sie doch Skills erlernen, um auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben. Super, während mensch früher wenigstens den Zwangsapparat Schule mehr oder weniger passiv ertragen musste, muss er jetzt proaktiv daran teilnehmen. Denn Schüler*innen sollen immer noch nicht aussuchen können, was sie lernen wollen, sondern haben einen gewissen Unterrichtsstoff zu inhalieren. Also immer noch das gleiche Konzept von fremdbestimmtem Abrichten, aber jetzt soll mensch auch noch was dafür tun und den Job der Lehrer*innen übernehmen. Damit die Schüler*innen den Eindruck bekommen ernstgenommen zu werden und mit dem vorgeblichen Ziel ihnen Selbstständigkeit beizubringen. Am Arsch, denn das einzige, was mensch hier beigebracht bekommt, ist, seine Unterdrückung mitzugestalten und für diese Performance auch noch bewertet zu werden, so wie es in der Lebensphase der Lohnsklaverei – nach der Lebensphase der Lernsklaverei – ebenfalls der Fall sein wird. Kein Wunder, dass diese neue Pädagogik selten auf Gegenliebe bei Schüler*innen stößt. Denn diese zwingt sie auch noch zu ihrem Elend aktiv beizutragen, indem sie selber zu Lehrer*innen gemacht werden, durch das Halten von Referaten bis zu ganzen Unterrichtsstunden etc. Es erfordert deutlich mehr Arbeit und wer sich dem verweigert, muss damit rechnen durchzufallen und dann noch länger der Lernsklaverei ausgesetzt zu sein.

Umso erschreckender finde ich es, dass einige Veranstaltungen zum Thema Anarchismus (und natürlich ganz besonders verbreitet bei Veranstaltungen zu Themen der Radikalen Linken) sich anfühlen wie eine Unterrichtsstunde. Besonders Vorträge sind äußerst beliebt. Ein Mensch (oder auch mehrere) steht vorne, meist auf einem Podest, hat eine Präsentation vorbereitet, hat eine Einstiegsfrage vorbereitet, ruft Leute auf, damit sie beispielsweise Zitate von einer Folie vorlesen. Auch Workshops verursachen in mir häufig den heftigen Wunsch zu fliehen, weil ich mich an Gruppenarbeit erinnert fühle. Letztens, bei einer Veranstaltung zum Thema „Anarchismus im Alltag“ ging es sogar so weit, dass die referierende Person Arbeitsaufgaben verteilte, um sich dann zurückzuziehen und zwanzig Minuten später die Ergebnisse auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

In allen genannten Fällen bauten die Menschen also eine Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung auf. Sie waren da, um zu lehren. Doch ist das denn schlimm? Schließlich haben Menschen entschlossen, irgendein Wissen, das sie haben, mit anderen teilen zu wollen und die, die die angebotene Veranstaltung besuchen, tun dies ja (hoffentlich) freiwillig, um etwas von dieser Person eventuell zu lernen. Jedoch beobachte ich immer wieder, wie nicht nur ich äußerst unwillig und ungehalten reagiere, wenn Menschen auf pädagogische Art und Weise versuchen Dinge zu vermitteln – etwa wenn eine Person eine andere darum bittet, doch bitte zusammenzufassen, was sie gerade gesagt hat oder etwas vorzulesen etc. – und dass die meisten erleichtert sind, wenn es sich bei der angebotenen Veranstaltung um einen Vortrag – also Frontalunterricht – handelt und mensch nichts von ihnen erwartet. Viele Veranstaltungen fühlen sich wie Schule an. Und wenn mensch bedenkt, was für eine Zwangsanstalt eine Schule ist, sollte mensch das zu denken geben.

Ein Prinzip des Anarchismus, wie ich ihn verstehe, richtet sich gegen Expert*innentum, dagegen, dass Menschen in einem Gebiet zur Koryphäe werden, während anderen gesagt wird, dass sie entweder zu dumm dafür sind, oder dass mensch dafür erst einmal ein fünfjähriges (staatlich zertifiziertes) Studium braucht, ehe mensch auch daran zu denken wagen sollte, irgendetwas in die Richtung zu tun. DIY, do it yourself, so lautet die Devise. Scheiß auf Expert*innen, durch die Konzentration des Wissens bei ihnen wirst du in eine Abhängigkeit gedrängt, wird einer Person Autorität zugesprochen, bekommt diese Person eine Machtposition. Deshalb können natürlich trotzdem Menschen Sachen besser als andere – je nach Erfahrung und Interesse – und wenn wir keine Expert*innen wollen, ist es ja auf jeden Fall eine tolle und wichtige Sache, sein Wissen und seine Erfahrung auch zu teilen. Wie stelle ich das jedoch an, ohne mich zum*r Expert*in aufzuschwingen, zum*r Lehrer*in, die den dummen Kinderchen aus ihrem weisen Wissensschatz etwas erzählt? Zum einen kann natürlich jede*r anbieten eigenes Wissen oder Erfahrung zu teilen. Dafür braucht mensch kein Diplom. Jedoch müssen wir auch reflektieren, auf welche Art und Weise wir Wissen teilen wollen. Dabei scheint es mir bereits wichtig, dass mensch den Anspruch hat Wissen zu teilen und nicht Wissen zu vermitteln. Denn bereits in der Haltung einer*s Wissenvermittlers*in erhebe ich mich innerlich über die anderen, denn ich möchte sie bilden. Wenn ich stattdessen jedoch davon ausgehe, dass ich Wissen teilen möchte – wenn es denn jemanden interessiert –, dann betrachte ich die anderen als gleiche Individuen, als Gefährt*innen, die auf derselben Ebene sind wie ich. Jeder Versuch der Pädagogik, von der Bitte doch die eigenen Ergebnisse mit Edding auf ein großes Blatt Papier zu schreiben über der Verteilung von Arbeitsaufträgen, macht mich zum*zur Lehrer*in, mit dem Ziel den Lerneffekt zu vergrößern. Wenn ich jedoch einfach nur mein Wissen teilen möchte, dann ist mir der Lerneffekt der anderen egal, die, die teilnehmen, können selbst entscheiden, wieviel sie davon mitnehmen wollen und auf welche Art und Weise. Das ist nicht mein Bier. Ich bin nicht dazu da die anderen zu erziehen, sondern lediglich dazu da meine Geschichte denen zu erzählen, die sie gerne hören möchten. Grundsätzlich würde ich solche Veranstaltungen auch so betrachten, dass mensch sich über Wissen austauscht, dass mensch also die anderen nicht als „Unwissende“ betrachtet, sondern als welche mit einem anderen Wissen, das dann mit mir als der veranstaltenden Person in Interaktion tritt. Wenn ich mich als refererierende/veranstaltende Person als getrennt oder losgelöst von den anderen betrachte, dann gehe ich an die Veranstaltung auf andere Weise heran als wie wenn ich die anderen als (potenzielle) Gefährt*innen betrachte. Deshalb suche ich auch den Austausch mit den Leuten und versuche nicht sie zu bilden. Wenn wir mit einer solchen Perpektive im Kopf und mit einem Hass auf alles Schulische eine wissensteilende Veranstaltung machen, dann ist das meiner Meinung und Erfahrung nach für alle ein Gewinn.

Sabotage gegen E-Scooter

Im Laufe der vergangenen Woche wurden in zahlreichen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vermehrt E-Scooter der verschiedenen Anbieter*innen sabotiert (siehe hier). Mit Kabelbindern aneinander gekettet, mit überklebten, übermalten oder übersprühten QR-Codes, mit zertrümmerten Displays und abgetretenen Beleuchtungseinrichtungen haben alle E-Scooter eines gemeinsam: Sie können bis zur nächsten Wartung nicht mehr genutzt werden.

Auch in München konnte mensch in der vergangenen Woche vermehrt E-Scooter beobachten, die auf diese und andere Arten sabotiert worden waren. Hunderte E-Scooter standen mit übermalten oder übersprühten QR-Codes, Beleuchtungseinrichtungen und Nummernschilden nutzlos auf den Gehwegen der Stadt, immer wieder sah mensch Scooter, auf denen Aufkleber mit der Aufschrift „Out of Service“ oder „Defekt“ klebten, vereinzelt konnte mensch beobachten wie willige Nutzer*innen dieser neuen Unart von E-Mobilität verzweifelt versuchten durch Kabelbinder oder Schlösser miteinander verbundene E-Scooter zu befreien und quer übereinander ins Gebüsch geworfene E-Scooter zeugten von der sich spontan entladenden Wut vieler Feind*innen dieses „smarten“ Mobilitätsangebots.

Die Gründe für die Sabotage an E-Scootern können dabei vielschichtig sein: Völlig entnervt davon, dass mensch diesem Elektroschrott als Fußgänger*in und Fahrradfahrer*in ständig ausweichen muss, ist es sicher naheliegend, sich dieser Dinger durch einen gezielten Tritt oder einen gekonnten Stoß zu entledigen. Doch auch wer sich um die ökologischen Folgen der alles andere als klimafreundlichen E-Scooter sorgt, dürfte in der alltäglichen Sabotage dieser Roller einen Weg sehen, gegen dieses Mobilitätskonzept zu rebellieren. Das völlig überteuerte Angebot der E-Scooter, das sich alleine an diejenigen richtet, die es sich leisten können für einen wenige hundert Meter weiten Weg mehrere Euro zu bezahlen dürfte die Wut der Gegner*innen dabei noch vergrößern und die Zukunftspläne der Anbieter*innen, die in ersten Städten bereits autonom fahrende E-Scooter testen, die mit ihren Kameras ihre gesamte Umgebung überwachen, dürften dem Ganzen dann die Krone aufsetzen.

E-Scooter sind keine Bereicherung für unser Leben, sie sind nichts als Müll und der billige Versuch das Netz der Überwachung in unseren Städten zu verfeinern. Dass sich gegen diesen Versuch zahlreiche Menschen mit dem einfachen Mittel der direkten Sabotage auflehnen ist ebenso erfreulich wie folgerichtig. In diesem Sinne bin ich gespannt, welche kreativen Formen der Sabotage ich in Zukunft beobachten werde, denn eines haben schon die Erfahrungen mit den O-Bikes in München gezeigt: Einmal in Gang gesetzt lässt sich die massenhafte Sabotage kaum mehr unter Kontrolle bringen und sie entfaltet stattdessen ungeahnte Kreativität.

Auf dass die E-Scooter ein ebenso baldiges Ende finden, wie die O-Bikes!

Wehrhaft gegen Abschiebung

Am vergangenen Mittwoch, den 23.10.2019 wollten sechs Bull*innenschweine eine Abschiebung durchführen. In zivil erschlichen sie sich dabei Zugang zu der Wohnung, in der sie die Person, die abgeschoben werden sollte, vermuteten. Als sie sich dort jedoch zu erkennen gaben und wohl darauf hofften, dass sich die Person, deren Leben sie sich angeschickt hatten zu zerstören, freiwillig und ohne Widerstand von ihnen würde abführen lassen, erlebten sie eine böse Überraschung:

Statt sich so einfach festnehmen zu lassen, entschied sich die Person, die die Bull*innenschweine abschieben wollten, dazu sich zur Wehr zu setzen. Sie griff zu einem Messer und bahnte sich damit den Weg nach draußen. Dabei zog sich eines der Bull*innenschweine eine wohlverdiente Verletzung an der Nasenwurzel zu. Auf dem Weg gelang es einem anderen der Schweine zwar die fliehende Person zu entwaffnen, aufhalten konnte es sie jedoch nicht.

Leider gelang es den Bull*innenschweinen im Rahmen einer Großfahndung die gesuchte Person rund eine Stunde später aufzuspüren und festnehmen. Sie sitzt nun wegen des Verdachts des „versuchten Totschlags“ in Untersuchungshaft.