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Buttersäure für Immobilienbüros

Anfang September muss es in zwei Münchner Immobilienbüros gehörig nach Profit gestunken haben. Einige Feind*innen der Verdrängung spendierten diesen eine Runde Buttersäure:

In der ersten Septemberwoche wurde Buttersäure im inneren den Münchner Immobilien Büros in der Ruffinistraße und der Hirschgartenallee verteilt.

Bei Aigner Immobilien (Ruffinistraße) befindet sich ein Belüftungsschacht an der Türe, der sich mittels Schraubenzieher einfach öffnen läßt. In dem Immobilienbüro in der Hirschgartenalle gibt es einen Briefkastenschlitz.

Gegen jede Aufwertung.
Gegen jede Verdrängung.
Gegen die Stadt der Reichen

Quelle: Indymedia

Volksfestatmosphäre

Seit Wochen bleiben sie der*dem aufmerksamen Beobachter*in beim flanieren durch die Stadt kaum verborgen, die unheilvollen Vorboten des grausamen alljährlichen Mega-Spektakels. Nicht nur die Ansammlung von Festzelten, Lastwägen, Kameras und Bauzäunen auf der Theresienwiese warnt uns vor dem in den kommenden Wochen anstehenden, identitären Exzess, auch die um diese Zeit zunehmenden, sexistischen Werbeplakate mit feschen Frauen im Dirndl und Männern in Lederhosen, Lebkuchenherzen „für meinen Schatzi“ oder völlig unverblümt einfach nur (scheinbar) weibliche Dekolletés im Hintergrund einer beliebigen Werbebotschaft überall in der Stadt schreien es einem auf Schritt und Tritt ins Gesicht: „ES IST WIEDER OKTOBERFESTZEIT!“

Oktoberfest also. Nun, auch wenn es sicherlich nicht besonders erfreulich ist, beim unbedarften Streifzug durch die Stadt in Kotzelachen zu treten ist dieser Aspekt sicher einer der angenehmsten Nebeneffekte dieses Volksfestes. Aber was ist schon ein bisschen Kotze gegen die alles durchdringende Atmosphäre, die uns extrem rechte Politiker*innen so gerne als „bayerische Leitkultur“ verkaufen wollen: Vergewaltigungen, übergriffiges Verhalten, rassistische, sexistische und antisemitische Parolen, ja sogar eine Renaissance des deutschen Grußes. Vom übermäßigen Alkoholgenuss enthemmt und möglicherweise durch den hohen Bierpreis irgendwie in ungute Stimmung versetzt offenbart sich all das, was das Denken so vieler Volksfestbesucher*innen heimlich schon immer bestimmte und sie sonst nur mühsam hinter ihren Masken verbergen können. Hier auf dem Oktoberfest sind sie zu Hause, hier können sie sich gehen lassen.

Der internationale Anstrich, den die Stadt München dem Oktoberfest in offiziellen Werbebotschaften so gerne gibt, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass Tourist*innen aus anderen Ländern hier nur solange gerne gesehen sind, wie sie dieses traditionelle Gelage im Hintergrund mit zelebrieren und dafür auch gut bezahlen. Fragt mensch die Münchner*innen, was sie am Oktoberfest als störend empfinden, so antworten nicht wenige, dass es die „Ausländer“ seien, die sich hier nur hemmungslos betrinken würden und dieses – in ihren Augen – doch eigentlich so besinnliche Festchen in das Spektakel, das so vielen einfach nur auf die Nerven geht verwandeln. Da ist er wieder, der deutsche Rassismus, der es selbst dann schafft, die Verantwortung für die eigenen Probleme von sich zu weisen, wenn es um ein Spektakel geht, das neben SPD und CSU auch die Nationalsozialist*innen erfolgreich nutzten, um ihre völkische Propaganda zu verbreiten und das sich seither dennoch im wesentlichen nicht verändert hat. So erklärt sich auch, dass von den wirklich zahlreichen Hitlergrüßen in den Festzelten des Oktoberfests in den Medien vor allem die rezipiert werden, die nicht von deutschen Staatsangehörigen gezeigt wurden. Die dort kolportierte Verwunderung darüber, dass „Nicht-Deutsche“ diesen deutschesten aller Grüße wählen ist dagegen schwer nachzuvollziehen, immerhin ist es doch unter anderem jenes Klientel, das das Oktoberfest bayernweit, deutschlandweit und weltweit anziehen dürfte und wer sich dann doch unbewusst dorthin verirrt hat, wollte vielleicht auch nur dazugehören.

Aber was bedeutet das Oktoberfest neben massiv ansteigenden sexuellen und rassistischen Übergriffen auf und im Umfeld dieses Gelages, in den S- und U-Bahnen und auch beinahe sonst überall für die Stadt? In den angrenzenden Vierteln, ganz besonders im Westend macht sich derzeit die Verdrängung von Wohnraum, die mit dem Oktoberfest einhergeht, bemerkbar. Wer in unmittelbarer Nähe des Oktoberfestes Immobilien besitzt, strebt in der Regel danach, den Wohnraum darin in Gewerbeflächen für Hotels umzuwandeln. Wem das nicht erlaubt ist, der*die lässt seine Immobilien dann auch gerne verfallen in der Hoffnung, dass die Stadt den eigenen Bauplänen irgendwann dann doch zustimmt. So beispielsweise auch der Rechtsanwalt Klaus Peter Willner, Eigentümer des berüchtigten Gebäudes in der Schwanthalerstraße 119, auch bekannt als „Döner-Haus“ entsprechend der letzten Nutzung der darin befindlichen Ladenfläche vor rund 14 Jahren. Mittlerweile ist das Gebäude zu einer unbewohnbaren Bauruine verfallen, doch die Spekulation mit dem Grundstück scheint auch über einen solchen Zeitraum noch immer lohnenswert zu sein.

Das ist nur eines der Beispiele, für Verknappung von Wohraum und Gentrifizierung durch das Oktoberfest. Kein Wunder, wenn selbst ein billiges Hotelzimmer in München zu „Wiesn-Zeiten“ kaum unter 150 Euro zu haben ist. Da können die zahlreichen Hotels den Rest des Jahres gern größtenteils leer stehen.

Generell wertet der Tourismus anlässlich des Oktoberfestes zahlreiche Viertel auf. Zahlreiche privat vermietete Zimmer während der Wiesen-Zeit lassen die Mieten im Viertel ebenso steigen, wie hippe „Wiesn-After-Party“-Locations und alle anderen Formen neuer, hipper und doch traditioneller Läden, Gaststätten, Bars und Kioske. Unter dem Namen „modern bavarian Kitchen“ sprießen die Hipster-Gaststätten mancherorts nur so aus dem Boden. Dort gibt es dann etwa „Obazda mit Brezencracern“ als Vorspeise für rund 7 Euro, wer dann doch eine nahrhaftere Breze dazu möchte, die*der muss noch einmal 1,50 Euro extra berappen. Kein Wunder, dass sich da viele ihr Viertel nicht mehr leisten können.

Unterdessen feiert die Stadt das Oktoberfest als Motor für die Münchner Tourismusbranche und als wichtige Einnahmequelle für die Region. Doch das hilft nur einigen wenigen Reichen, die die Gewinne des Oktoberfests abschöpfen können, während wie üblich all diejenigen mit weniger finanziellem Erfolg nur die Nachteile dieses dekadenten Gelages zu tragen haben, während sie selbst aufgrund der hohen Preise von einer Teilnahme weitestgehend ausgeschlossen bleiben.

Doch wir müssen uns weder die sexistischen, rassistischen, noch die sozialchauvinistischen Zumutungen des Oktoberfests gefallen lassen. Die Profiteur*innen des Spektakels befinden sich größtenteils in München und sind allesamt angreifbar. Auf dass in Zukunft keine*r mehr Profit mit dieser identitären Scheiße macht.

[Mexico City] Riots nach Vergewaltigung durch Bullenschweine

Am 12. August 2019 kam es in Mexico City zu Ausschreitungen als sich mehrere hundert Frauen die Straßen nahmen, um sich für eine Vergewaltigung durch 4 Bullenschweine wenige Tage zuvor zu rächen. Die Protestierenden griffen die Direktionsstelle für öffentliche Sicherheit an und hinterließen Botschaften wie „cops, pigs, rapists“ an der Fassade. Im Anschluss zogen sie weiter zum Büro des Generalstaatsanwalts, schlugen die Scheiben mit Steinen und Hämmern ein und hinterließen an der Fassade ebenfalls Botschaften wie „we do not need to be brave, we need to be free„. Schließlich färbten sie noch den Polizeichef von Mexico City mit pinker Farbe ein, während dieser eine Pressekonferenz gab.

[Santa Cruz] Aufstand in Gefangenenlager für Flüchtende

Am 2. August brach in dem Gefangenenlager für Flüchtlinge in Santa Cruz (Teneriffa) während des Hofgangs ein Aufstand aus. Insgesamt rund 20 der Insass*innen konnten infolgedessen über die Zäune klettern und entkommen.

Bei einer groß angelegten Menschenjagd gelang es den Schweinen im Anschluss, mindestens sieben von ihnen wieder einzufangen.

Utopie heißt Herrschaft

Wie oft habe ich schon von utopischen Gesellschaftsvorstellungen gehört, die angeblich alles verbessern, die Menschen befreien oder gleich eine Totalität des Guten und Schönen seien, die als ultimatives Ziel aller angeblich progressiven Entwicklungen am Ende der Geschichte steht und diese schließlich aufhebt? Neben der althergebrachten utopischen Gesellschaftsvorstellung des Kommunismus, die selbst in ihrem prozessualen Charakter doch auch nur eine Variation der christlichen Vorstellung vom jüngsten Gericht und des Paradieses auf Erden bleibt, meine ich vor allem solche Vorstellungen, die aus antiautoritärem Anspruch entstehen: Da gibt es etwa die Vorstellung des „libertären Kommunalismus“ von Murray Bookchin und Janet Biehl, die sich nicht zu blöd ist, ihr Vorbild in der antiken griechischen Polis zu suchen oder eine Variante davon, den „Demokratische Konförderalismus“, der derzeit in den autonomen Gebieten Kurdistans Anwendung findet. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe utopischer Vorstellungen einer besseren, angeblich herrschaftsfreie(re)n Welt, die sich allesamt darin ähneln, dass irgendwelche Wichtigtuer*innen glauben, die letzte Lösung für alle Probleme gefunden zu haben.

Etwas polemisch ausgedrückt: Unter Bezeichnungen wie „Transformationstheorie“, „Transformationsprozess“ oder irgendwelchen anderen Worthülsen mit „Transformation“ entwickeln und befürworten jeweils distinkte Gruppen in sektenähnlichen Konstellationen unterschiedliche Masterpläne, wie denn die eigene utopische Vorstellung ausgehend von der heutigen Gesellschaft erreicht und all den übrigen Menschen aufgezwungen werden könne. Freilich entspricht das nicht dem Selbstverständnis dieser Menschen. Sie verstehen sich eher als eine Art intellektuelle oder revolutionäre Elite, deren Aufgabe es ist, die Massen in ihrem Sinne zu bilden, damit diese dann diese eine, „objektive Wahrheit“ von selbst erkennen und danach handeln. Selbstverständlich sind auch nur die wenigsten dieser Menschen der Meinung, die „objektive Wahrheit“, von deren Existenz sie ausgehen, selbst so vollumfänglich erkannt zu haben. Also organisiert mensch Modellprojekte wie utopische Camps, Workshops oder Art-Performances, bei denen mensch sich – gemäß bestimmter Regeln, das versteht sich doch von selbst – im utopischen Zusammenleben ausprobieren können soll, um die eigene Utopie so (weiter) zu entwickeln. Das klingt dann zum Beispiel so:

Inspiriert von P.M. dem Solzialutopiker Hans Widmer – planen wir den Umbau der Stadt, den Abbau der überflüssigen Industrien, die Absage an Besitz und die Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Freitod.

Ihr könnt euch kostenfrei Anmelden und in den zwei Tagen mit uns Essen, Denken, Regeln unterlaufen und die verspiegelten Toiletten der Pina als euer persönliches Badezimmer verwenden. Es wird uns an nichts fehlen, denn wir brauchen nicht mehr viel außer uns Alle – ist die Grundthese. 

Aus der Ankündigung der Veranstaltung „bolo’bolo Anarchietheorie Workshop in der Neuen Sammlung“

Eine Veranstaltung, die mir erlaubt, Regeln zu unterlaufen? Was soll ich dazu noch sagen? Und doch will mensch bei dieser Veranstaltung den „Umbau der Stadt“ planen. Will in kleiner Runde mit vielleicht 20 Teilnehmer*innen eine neue Gesellschaftsordnung auf dem Reißbrett entwerfen – wenngleich auch nur als Kunstprojekt. Na vielen Dank auch, das klingt nach diesem einen „wahren Anarchismus“! Ob die Teilnehmer*innen Streitigkeiten, wie sie durch das unterlaufen von Regeln entstehen könnten, dann auch nach den von Widmer aufgestellten Duellregeln austragen, die eher an das deutsche Verbindungswesen erinnern, als an den erklärten Versuch, Streit nicht zu unterdrücken oder umzuformen?

Die genannte Veranstaltung ist symptomatisch für das herrschaftsaffirmative Denken der meisten Utopist*innen: Immer bedarf es dieser einen, „objektiven Wahrheit“, nach der alles und jede*r sich auszurichten hat. Doch die Vorstellung einer „objektiven Wahrheit“ ist immer auch der Machtanspruch, selbst richtig zu liegen. Was daraus folgt, sieht mensch an den zahlreichen Utopien, die in den Köpfen vieler Menschen herumspuken. Immer gibt es ein Ideal, nach dem sich die gesamte Gesellschaft zu organisieren hat. Dabei ist es kein Zufall, dass der Verfasser der ersten modernen Utopie, Thomas Morus, der diesen Begriff überhaupt erst erschaffen hat, später von mehreren christlichen Kirchen heilig gesprochen wurde. Was Thomas Morus möglicherweise als Paradies auf Erden verkaufen wollte, wollen uns heute irgendwelche angeblich anarchistischen Utopisten als „befreite Gesellschaft“ verkaufen. Wovon damals die Kirchen profitierten, profitieren heute diejenigen, die all die neunmalklugen Bücher verfassen, in denen sie ihren Masterplan in mehreren Bänden – seien es drei oder 43 – vermarkten.

In meinen Augen ist jede Utopie untrennbar mit dem Anspruch zu herrschen verbunden, sei es als Individuum mit dem Masterplan, von dem mensch natürlich will, dass er umgesetzt wird, oder als gesellschaftliche Mehrheit, die ihre Ideen anderen aufzwingt. Für mich ist deshalb jede Utopie eine Dystopie, jede*r Utopist*in, die*der glaubt, eine allgemeine Vorstellung davon zu haben, wie andere ihr Leben gestallten sollten, ein*e Feind*in der Freiheit.

Warum sollten wir die Verwirklichung unserer Ideen auf unbestimmte Zeit in die Zukunft verschieben, statt sie im Hier und Jetzt zu leben?

[Jayapura] Gebäude der Kolonialen Regierung abgefackelt und Gefangene befreit

Tausende Menschen demonstrierten am 29. August in Jayapura (West Papua) für ein Ende des Rassismus und die Unabhängigkeit der besetzten Region von Indonesien. In Folge der Proteste gingen mehrere Regierungsgebäude in Flammen auf, darunter auch das Abepura-Gefängnis, aus dem zahlreiche Gefangene fliehen konnten.

In Teilen von Jayapura wurde außerdem die Stromversorgung unterbrochen und Telefonleitungen durchtrennt. Der Indonesische Staat kündigte unterdessen an, 600 zusätzliche „Sicherheitskräfte“ in die Region West Papua zu entsenden, um die Aufstände unter Kontrolle zu bringen.

Weitere Informationen: Anarchists Worldwide

Verfassungsschutz zeichnet Zündlumpen aus

»Die veröffentlichten Texte sind eindeutig anti-staatlich und befürworten den Einsatz von Gewalt« stellt der Verfassungsschutz in seiner neuen Halbjahresinformation 2019 hinsichtlich des Zündlumpens fest und schlussfolgert weiter in gewohnt aufgeweckter Art und Weise: »Auch der gewählte Name „Zündlumpen“ verweist auf die gewaltorientierte Motivation der Autoren, da er offenkundig auf die Funktionsweise von Molotow-Cocktails anspielt.«
Nun, das ist zwar etwas verkürzt, aber wir lassen das mal so stehen …

[Gloucester] Rund 5000 Rebhühner befreit

In der Nacht des 19. Augusts befreiten einige Aktivist*innen unter dem Label „Animal Liberation Front“ rund 5000 Rebhühner von einer Farm in der Nähe von Gloucester (UK). Die Rebhühner sollten zwei Wochen später auf dem Schießstand der Farm erschossen werden. Den Zeitpunkt wählten die Tierbefreier*innen dabei nicht zufällig. Sie wollten sicherstellen, dass die Rebhühner in Freiheit überlebensfähig seien und maximalen wirtschaftlichen Schaden anrichten, als sie die Käfigtüren öffneten und die Rebhühner in die Freiheit entließen.

Weitere Informationen: 325