Tag Archives: Nr. 026

[Athen] Wahlurne geklaut und angezündet

Bereits am 7. Juli haben Gefährt*innen in Athen kurz vor Schließung des Wahllokals eine Wahlurne entwendet und diese daraufhin angezündet. Bei ihrem Besuch hinterließen sie als kleinen Abschiedsgruß eine Tränengasbombe, die sie vorher den Cops entwendet hatten. Am 7. Juli fanden in Griechenland Parlamentswahlen statt, bei denen die rechte Partei Néa Dimocratìa an die Regierung gewählt wurde und deren Chef Kyriakos Mitsotakis zum Premierminister. „Wir haben am Wahldesaster teilgenommen […] Diese Aktion ist ein herzlicher Willkommensgruß unsererseits an Kyriakos Mitsotakis und an Néa Dimocratìa, die versprochen haben mit uns aufzuräumen. Wir warten auf euch…“

Quelle: Act for Freedom

[Berlin] Abgang einer WISAG-Karre

Wir schicken den Gefangenen und Verfolgten feurige Grüße. Auch wenn wir sie nicht kennen sitzen sie für uns im Knast.

Die Stadt ist voller Ziele. Eins davon, eine WISAG Karre, haben wir in der Nacht zum 7. August in Berlin-Wedding angezündet. Tagsüber wimmelte es in diesem Kiez noch von Uniformen, die dort eine Zwangsräumung vollzogen. Nachts gehörten die Straßen wieder den Brandstifter_Innen.

Wir zerstören alles, was der Herrschaft des Staates dient, wie es diese privaten Sicherheitsdienste in freudiger Ergebenheit machen. Das auch als Grußbotschaft an die Liebig 34, deren geplante Räumung noch manche Verwüstung verursachen wird.

Freiheit für Loic, die Drei von der Parkbank und Antonin Bernanos!

Freiheit für alle Gefangenen!

Feuer den Investoren und Sicherheitsdiensten!

Quelle: Indymedia

[Berlin] Funkmast angezündet

Die Herrschenden besitzen die Macht, uns voneinander zu trennen, unsere Kommunikation zu unterbrechen, uns zu isolieren und weg zu sperren. Eine Armee von Bullen, Staatsanwält*innen und Richter*innen steht stets bereit, uns unserer Freiheit zu berauben. So auch passiert, kürzlich in Hamburg, als drei Gefährt*innen nach einer Kontrolle nachts auf die Wache verschleppt wurden und zwei davon seither in U-Haft sitzen.

Doch was für eine Freiheit ist das eigentlich, die wir haben? In einer Welt, in der uns technische Geräte durch den Tag peitschen. In der Facebook, Instagram und Unmengen anderer Apps auf dem Smartphone uns den Takt vorgeben und das Dauersenden Voraussetzung für soziale Teilhabe ist. Wo jede Regung, jedes Gefühl, jede Mitteilung und Handlung zur Ware wird, die es auszubeuten gilt. Wo Algorithmen und künstliche Intelligenz unsere Bedürfnisse bestimmen und Klicks und likes unsere Persönlichkeit definieren.

Sind wir nicht alle irgendwie Gefangene, dazu verdammt in dem technologischen Netz, das sich um uns spannt, unseren Platz einzunehmen?

Mögen es auch die Mauern sein, die uns von den Menschen in den Knästen trennen, so sind es die Funkantennen, Glasfaserkabel, Chips und Sensoren, die uns außerhalb dessen daran hindern, uns wirklich zu begegnen. Deshalb sollten wir alles daran setzen, diese Gefängnisse zu zerstören.

Als kleinen Beitrag dazu haben wir am 2.August in der Buschkrugallee in Neukölln mittels Brandsätze einen Funkmast angezündet. Auf das auch wir uns befähigen, ihre Kommunikation zu unterbrechen und den Waren- und Datenfluss, der die kapitalistische Herrschaft am Laufen hält und den technologischen Wahnsinn erst ermöglicht, zu sabotieren.

Unsere brennenden Herzen sind bei den Drei von der Parkbank und Loïc in Hamburg sowie den Anarchisten aus der Schweiz, welche aufgrund eines abgefackelten Funkmast im Knast sitzen oder sich auf der Flucht befinden. Ihr seid nicht allein!

Feuer und Flamme der Knastgesellschaft!

Freiheit für alle Gefangenen!

Quelle: Indymedia

Ich arbeite nicht mehr, ich klaue mein Leben zurück

Ich stehe in der Warteschlange einer ALDI-Kasse. Semmeln für 1,20 € und eine Dose Tomaten für 39 ct habe ich auf das Kassenband gelegt. Der Rest meiner Einkäufe befindet sich in meinem Rucksack, gut versteckt vor den neugierigen Blicken der Mitarbeiter*innen und Kund*innen. „Das macht dann 1,59 €“ verkündet mir die*der Kassierer*in. Ich bezahle, verabschiede mich freundlich und steuere auf den Ausgang zu. Natürlich habe ich mich vorher vergewissert, dass dort kein bulliger Secu den Durchgang blockiert.

Zuhause packe ich meinen Rucksack aus: Frisches Bio-Gemüse, Süßigkeiten, Nudeln, CousCous, Olivenöl, … Warum sollte ich mich schlechter ernähren, nur weil ich weniger Geld als andere habe?

Heute kommt Judith zum Essen. Judith kann momentan nicht mehr klauen, weil sie auf Bewährung ist. Also teilen wir alle mit Judith, damit sie trotzdem nicht arbeiten muss. Als Judith damals verurteilt wurde, hat sie bei der Roten Hilfe um Unterstützung gebeten, aber den großen Antikapitalist*innen dort war Judiths Ladendiebstahl nicht politisch genug gewesen, um es wert zu sein unterstützt zu werden. Egoistisch sei dieser Diebstahl gewesen und eher schädlich für die Sache, als gut. Für welche Sache, fragten wir uns damals alle. Heute wissen wir: Sich zu nehmen, was mensch zum Leben braucht ist nur dann in Ordnung, wenn wir das als proletarische Massenbewegung tun, wenn wir uns jedoch selbst ermächtigen, uns zu nehmen, was wir brauchen, dann ist das für die moralisch integren Revolutionsführer*innen verwerflich. Seitdem nennen wir uns mit Stolz Egoist*innen, denn wir folgen weder einem Gott, noch einer*einem Herr*in!

Auch meine Mutter findet es nicht gut, dass ich mir nehme, was mir gefällt. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, sagte sie mir einmal. Wo hatte sie diesen Wahlspruch der Sozialdemokratie nur wieder her? Ich jedoch esse trotzdem, erstens weil ich es muss und zweitens weil ich es will! Ganz ähnlich hatte auch die Richterin Judith damals erklärt: „Wenn Sie arbeiten gehen, dann können Sie sich auch Bücher leisten und müssen diese nicht stehlen.“ Zu zehnt liefen wir damals im Gericht von Toilette zu Toilette und klauten dort das Toilettenpapier. Was wir damals aus Rache taten, das mache ich heute einmal alle zwei Wochen und so muss ich jedes Mal wenn ich mir den Hintern abwische mit leiser Freude daran denken, dass jetzt vielleicht ein*e Richter*in ohne Toilettenpapier auf dem Klo sitzt.

Es klingelt an der Tür. Judith hat Ina und Vroni mitgebracht. Auch den beiden fällt es schwerer zu stehlen. Ina wird von den Verkäufer*innen, Secus und Bull*innen ohnehin immer argwöhnisch angekuckt. Schon öfter wurde sie beim Verlassen des Ladens durchsucht, auch wenn sie brav bezahlt hat. Mensch nennt das racial profiling, denn Ina ist nicht weiß, wie die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland. Scheiß Rassist*innen! Vroni dagegen fällt es schwer zu stehlen, weil sie panische Angst hat erwischt zu werden. Oft übernimmt sie deshalb eine beobachtende Rolle und warnt uns anderen vor herumlungernden Secus, während wir zusammen unsere Wochen“einkäufe“ machen. Jede*r nach seinen*ihren Möglichkeiten, Jeder*m nach ihren*seinen Bedürfnissen. Ist es nicht seltsam, dass wir diese Marx’sche Utopie zumindest teilweise auch ohne die proletarischen Massen verwirklichen konnten?

Nach dem Essen geht es noch in den Baumarkt, denn für heute Nacht haben wir uns noch etwas vorgenommen. Ina packt ihren Rucksack voll mit Sprühdosen, während ich eine Packung Einmalhandschuhe in meinem Umhängebeutel verschwinden lasse. Zu dritt verlassen wir den Laden ohne zu bezahlen, während Judith noch immer von einem Verkäufer gemansplained bekommt, welche Farbe geeignet ist, um ihr Wohnzimmer zu streichen. Haha, welches Wohnzimmer überhaupt.

Und wenn du nun glaubst, ich und meine Freund*innen leben im Luxus, dann hast du nichts verstanden: Wir nehmen uns täglich was wir zum Leben brauchen, denn wir wurden ungefragt in eine Welt geboren, die uns diese Dinge verweigert. Wir haben keine Lust unsere Arbeitskraft zu verkaufen, wir wollen unbeschwert leben ohne die Sorgen des Geldes. Und wenn auch du keine Lust mehr hast, dieses Spiel mitzuspielen, jeden Morgen früh aufstehen und doch nichts vom Tag zu haben, dann solltest auch du anfangen dir einfach zu nehmen, was du zum Leben brauchst. Lass uns gemeinsam gegen diese Welt revoltieren, indem wir auf deren Regeln scheißen!

Und unterdessen dämmert der Morgen in München. Die ersten Arbeitssklav*innen sind bereits auf den Beinen. Und an den Fassaden der prunkvollsten Häuser in allen Straßen steht eine Botschaft an sie geschrieben:

Geht stehlen, statt wählen!

Diskussionsstrategien, um dich bei einem Plenum durchzusetzen (Achtung: autoritär!)

Krise heraufbeschwören

Willst du, dass andere irgendetwas Bestimmtes machen, dann betone die Wichtigkeit deines Anliegens, im besten Fall beschwörst du eine große Krise/Katastrophe herauf, die dringend Vorrang vor allem anderen haben muss. Daraufhin präsentierst du deinen Plan, wie mit dieser Katastrophe umgegangen werden muss. Da diese Krise so dringend ist, ist zum Glück keine Zeit über (zum Beispiel herrschaftsfreiere) Alternativen nachzudenken oder Kritik anzubringen. Du kannst dann jeder*m, die*der sich trotzdem weigert, an deinem Plan teilzuhaben, zusätzlich auch noch vorwerfen ein unverantwortlicher Arsch zu sein, der*die die Augen vor der Dringlichkeit des Problems verschließt und die Bedürfnisse anderer – zum Beispiel dein Bedürfnis, dass sofort dein Plan umgesetzt wird – nicht ernst nimmt.

Mit Erfahrung punkten

Wird über einen Lösungs-/Handlungsvorschlag diskutiert, der eine Alternative zu einem autoritären Modell darstellen soll, das du meistens befürwortest oder sogar vorgeschlagen hast, dann wimmle diesen Vorschlag damit ab, dass du sagst, dass du ihn bereits ausprobiert hast und dass du daran gescheitert bist. Bestehe darauf, dass es nicht funktionieren kann. Würge jede kritische Nachfrage danach, was konkret schief gegangen ist, ab, unterbinde mit trauriger Miene und heftigem Kopfschütteln, dass irgendwer noch länger über diesen Handlungsvorschlag nachdenkt oder redet. Drücke dabei dein Bedauern darüber aus, wie schade du das ebenfalls findest, aber dass Menschen halt einfach nicht bereit dafür sind.

Effizienz fordern

Für dich ist es unerträglich, wenn mensch mehr als drei Sekunden über ein Thema redet, anstatt einfach das zu machen was du vorgeschlagen hast oder sonstwie gut findest. Wie jedoch dabei nicht autoritär wirken? Ganz einfach: Du forderst mehr Effizienz beim Plenieren. Dies tust du jedes Mal, wenn über andere Alternativen als die, die dir gefallen, geredet wird. Damit lenkst du vom Thema ab und ziehst durch die daraufhin entstehende Diskussion alles unerträglich in die Länge. Damit beweist du dann gleich, wie furchtbar lang und ineffektiv Plena sein können und bringst somit die anderen dazu, die von dir vorgeschlagenen autoritären Strukturen zum Durchführen eines Plenums zu akzeptieren.

Was ist Anarchafeminismus?

Der folgende Text wurde zuerst auf der Webseite des offenen anarchistischen Treffens kAoS veröffentlicht.

Anarchafeminismus ist Anarchismus.

Anarchafeminismus steht jeder Form der Herrschaft feindlich gegenüber.

Anarchafeminismus richtet seinen Augenmerk auf die Formen der Herrschaft, die auf der Konstruktion einer Zweigeschlechtlichkeit und eine Normativierung von Sexualität basieren.

Anarchafeminismus beschäftigt sich mit Herrschaftsbeziehungen innerhalb unserer zwischenmenschlichen Beziehungen – seien es die Ehe, Heteronormativität, Toxische Männlichkeit oder die Herrschaft der Bezugspersonen über die sich unter ihrer Obhut befindenden Kinder.

Anarchafeminismus analysiert Geschlechterrollen und -bilder und wie diese sich herrschaftlich im zwischenmenschlichen Umgang auswirken.

Anarchafeminismus steht in Feindschaft gegenüber jeglichen Versuchen der Kontrolle und Herrschaft über den eigenen Körper.

Anarchafeminismus kämpft weder für das Verbot von irgendetwas noch für die Abschaffung dieses oder jenes Gesetzes.

Anarchafeminismus betrachtet die Justiz und den Staat an sich als patriarchal und damit als Feind – und nicht als Partner*innen im Kampf für mehr Gleichberechtigung.

Anarchafeminismus will keine Menschenrechte – Anarchafeminismus will den Begriff von „Recht“ zerstören.

Anarchafeminismus will weder die Herrschaft von Männern über Frauen noch die von Frauen über Männern noch von irgendwem anders über irgendwen – Anarchafeminismus will keine Herrschaft von Menschen über Menschen.

Anarchafeminismus braucht keine Allies – sondern Kompliz*innen im Kampf gegen jede Herrschaft.

Anarchafeminismus hält nichts von Politik, denn Politik ist das Entscheiden über die Köpfe anderer hinweg, ist symbolisches statt direktes Handeln.

Anarchafeminismus ist egoistisch – denn im Anarchafeminismus handeln nur Individuen.

Im Anarchafeminismus wird niemand geopfert und opfert sich niemand – weder für eine „Idee“ noch für jemand anderes.

Anarchafeminismus lehnt es ab „Diskriminierungen“ zu bekämpfen. Denn „Diskriminierungen“ lassen das Prinzip von Herrschaft intakt.

Anarchafeminismus kämpft nicht um die Befreiung einer bestimmten Gruppe – sondern für die Befreiung aller Menschen von jeglicher Form von Herrschaft.

Anarchafeminismus ist feindlich gegenüber jeder Form normativen Denkens – denn jede Norm ist Herrschaft.

Anarchafeminismus ist verdammt wütend und er rächt sich – auch in Form gewaltvollen Widerstands.

Anarchafeminismus will nichts reformieren. Er will zerstören. Und in den Trümmern der alten Welt ein herrschaftsfreies Miteinander finden.