Tag Archives: Nr. 025

[Hannover] Bull*innenwache entglast

In Solidarität mit den Dreien von der Parkbank wurden in Hannover in der Nacht auf den 1. August die Scheiben der Bull*innenwache am Kugelfangtrift zerstört.

Ergänzung: In der folgenden Nacht, vom 1. auf den 2. August bekam die Bull*innenwache in Empelde ebenfalls Besuch. Ihre gesamte Fassade wurde schwarz eingefärbt, ebenfalls in Solidarität mit den Dreien von der Parkbank.

Weitere Informationen: https://de.indymedia.org/node/35275 und https://de.indymedia.org/node/36007

[Bremen] Flammende Grüße an die 3 von der Parkbank

In der Nacht zu Sonntag griffen wir das Bullenrevier Schwachhausen im Bürgerpark an, um uns solidarisch mit den Gefährt_innen aus Hamburg zu zeigen.

Wir hinterließen zwei Schrottreife Karren und setzten den Haupteingang mit 10 Litern Benzin in Brand.

Unsere Gedanken und Herzen glühen für euch. Wir senden Liebe und Kraft.

Feuer und Flamme der Repression

(A)

Quelle: Indymedia

[Wuppertal] Sodexo-LKW abgefackelt

In der Nacht auf den 29. Juli haben in Wuppertal einige Feind*innen des Knastsystems einen LKW des Knastprofiteurs Sodexo abgefackelt. Sie solidarisieren sich damit mit das Aktivisti aus dem Hambacher Forst, das bei einem Prozess in Essen zahlreiche Transfeindlichkeiten und Übergriffe von Bull*innenschweinen und Justiz abbekam, sowie mit den dreien von der Parkbank.

Wahrnehmungsstörungen

In gewaltvollen Situationen ausgehend von Männern ist so schmerzhaft wie selten spürbar wie unterschiedlich mensch aufgrund der Zuweisung eines bestimmtes Geschlechts behandelt wird. In Konfrontation mit Bullen wird das immer wieder deutlich. Wird mensch ein männliches Geschlecht zugewiesen, so wird brutal gegen eine*n vorgegangen, mensch als gefährlich und zu allem fähig eingeschätzt. Wird mensch das weibliche Geschlecht zugewiesen, kommt es deutlich häufiger vor übersehen, ausgelacht, nicht ernst genommen, als „hysterisch“ bezeichnet oder sexistisch beleidigt zu werden, auch wenn mensch exakt dasselbe Verhalten an den Tag legt wie die Person neben einer*m, der das männliche Geschlecht zugewiesen wird. Egal ob Nazis, Bullen oder irgendwelche anderen Macker, nüchtern oder besoffen, die Gewalt, die mensch mit zugewiesenem weiblichen Geschlecht erfährt, ist eine andere als die, die Menschen erfahren, denen ein männliches Geschlecht zugewiesen wird. So ist es als Person, die weiblich gelesen wird – zumindest in meinen eigenen Erfahrungen – deutlich seltener, dass mensch auf die Fresse kriegt: keine Faustschläge, keine Fußtritte. Dafür sexistische Beleidigungen, sexualisierte Übergriffe und eine vollkommene Nichtbeachtung. Diese Verhaltensweisen haben alle eins gemeinsam: mensch wird als Objekt wahrgenommen, nicht als Subjekt. Wie eine wertvolle Vase, um die sich die Tüpen um einen herum streiten, die die einen verbotenerweise anfassen, während die „eigentlichern Eigentümer“ zum Schutz ihres wertvollen Guts einspringen. Mensch wird als etwas angesehen, von dem keine Gefahr ausgeht (außer von den vermeintlich „männlichen“ Begleitern) und das sich nicht selbst wehren kann, sondern beschützt werden muss (aus Sicht derjenigen, die Sympathie für die vermeintlich weibliche Person verspüren).

Beispiel gefällig? Ein Tüp fasst mir im Vorübergehen in die Haare und streichelt mir über den Kopf. Als ich dazu ansetze ihn dafür anzupöbeln, springt mein Begleiter neben mir auf, überbrüllt mich und schreit: „Fass die Frau nicht an! Lass die Frau in Ruhe!“ Daraufhin kriegt mein Begleiter auf die Fresse. Die beiden stehen sich wütend gegenüber. Ich spiele überhaupt keine Rolle. Beim Versuch nach vorne zu kommen, um den Tüpen selbst anzupöbeln, werde ich nach hinten geschoben, nicht nach vorne gelassen. Erst durch den Einsatz von Gewalt schaffe ich es mich nach vorne zu kämpfen, um den Tüpen selbst anzuschreien. In diesem Moment nimmt er mich zum ersten Mal wahr. Und kann es nicht fassen, dass ein „Weib“ (Zitat) sich hier gerade so aufführt. Auf die Fresse kriege ich im Gegensatz zu meinem Begleiter nicht. Dafür sexistische Kommentare. Bei meinem Begleiter hat den anderen die Reaktion nicht überrascht, dafür war er aber auch zackig in der Reaktion. Hahnenkampf, was sonst. Dabei will ich meinem Begleiter gegenüber nicht unfair sein. Im Gegensatz zu dem anderen super klassisch sexistischen Mackerarsch war er der Meinung, dass er genauso reagiert hätte, wenn ich ein Tüp gewesen wäre. Und das ist ihm auch wichtig. Bei genauerem Hinsehen mussten wir hinterher aber feststellen, dass dem nicht so gewesen wäre. Hat schon mal irgendwer gesagt: „Lass den Mann in Ruhe! Fass den Mann nicht an!“? Hätte er mich überbrüllt, sich schützend vor mich geschoben, mich nicht vorbeigelassen? Jedes Mal, wenn das passiert, und ich komme oft genug in diese Situationen, fühlt es sich richtig scheiße an. Denn ein solches Verhalten scheint die allgemeine Meinung zu bestätigen, dass Frauen nicht gefährlich sind und sich nicht selbst verteidigen können. Mensch sie also wie ein Objekt behandeln kann. Jedes Mal, wenn die Bullen jemanden neben mir niedertackeln und mich einfach als „hysterisch“ auslachen und ich dann nichts mache, weil sie mich dann doch in den Knast stecken würden, habe ich den Eindruck sie in ihrem Bild zu bestätigen. Dass der Tüp, wäre er an meiner Stelle, auch nichts gemacht hätte, ist dabei vollkommen nebensächlich. Jedes Mal, wenn ich nichts tue, bestätige ich den Bullen, dass ich keine Gefahr für sie bin. Und jedes Mal, wenn ich etwas tue, glauben sie, dass es Tüpen waren. „Jetzt mal ganz ruhig, Jungs“, wie oft habe ich diesen Satz schon gehört und das, obwohl die Hälfte der Personen in der Gruppe FLINT-Personen waren. „Lasst uns das von Mann zu Mann klären“, verkündete mal ein Nazi einer Gruppe Antifas, die ähnlich durchmischt war.

90 % der für Gewalttaten verurteilten Täter in Deutschland sind Männer. Schon eine unverhältnismäßig hohe Zahl, oder? Auch wenn Personen, die von der Statistik als „weiblich“ geführt werden, vermutlich aus Gründen der Sozialisation tatsächlich seltener Gewalttaten verüben als Personen, die als „männlich“ erfasst sind, scheint mir das doch absolut überproportional. Self fulfilling prophecy: Ich ziehe meiner Meinung nach weibliche Personen als Täterinnen nicht in Betracht, also verurteile ich nur Männer. Noch dazu erzähle ich allen weiblichen Personen, dass sie nie Gewalt ausüben. Deshalb glauben sie auch, dass sie dazu nicht in der Lage sind. Dass sie nicht gefährlich sind, dass sie keine Gewalt ausüben können. Also verhalten sich cis weiblich sozialisierte Personen auch passiv und verängstigt in Gewaltsituationen und üben weniger Gewalt aus. Umgekehrtes gilt dann natürlich für cis männlich sozialisierte Personen. Und diejenigen weiblichen Personen, die trotzdem Gewalt ausüben, werden nicht als solche erkannt, werden nicht wahrgenommen.

Wenn ich übrigens hier davon spreche Gewalt auszuüben, meine ich das auf eine neutrale Art und Weise, es kann sich also ebenso um übergriffige, Herrschaft ausübende Gewalt handeln, wie um Gewalt, um gegen Herrschaft anzukämpfen, Gewalt, um sich zu verteidigen, Gewalt, um die Gewalt durch andere abzuwehren.

Geil, könnte mensch meinen, als vermeintlich weibliche Person ist es vermutlich weniger wahrscheinlich im Knast zu landen oder sonst für das Ausüben von Gewalt bestraft zu werden, denn mensch gerät deutlich seltener in Verdacht. Würde mensch meinen, und ich bin auch absolut dafür, diesen „blind spot“ gegenüber Bullen, Justiz und Co. mehr auszunutzen! Jedoch ist es ein absolut beschissenes Gefühl nicht (als Subjekt) wahrgenommen zu werden, nicht ernst genommen zu werden. Es tut weh und es macht mich richtig wütend. Es ist eine andere Form der Gewalt, eine fatalere. Wenn ich einen Faustschlag ins Gesicht bekomme oder einen Tritt, dann werde ich (meistens) in konfrontativen Gewaltsituationen als ernstzunehmender Gegner wahrgenommen und behandelt. Ich bekomme auf eine seltsame Art und Weise Anerkennung. Wenn ich stattdessen ausgelacht werde, dann wird mir diese Anerkennung verweigert. Ich werde nicht ernst genommen. Ich werde als etwas betrachtet, mit dem mensch seine Spielchen spielen kann. Anfassen, wann mensch will (mensch muss nur aufpassen, dass der männliche Eigentümer gerade nicht hinschaut oder bestenfalls nicht da ist), darüber lachen, wie mensch will. In jedem Moment wird dir klar gemacht, dass mit keiner Gegenwehr gerechnet wird oder wenn welche kommt, dass sie lächerlich ist und nicht ernst genommen zu werden braucht. Es ist ein Gebahren in einem Herrschafts- und Machtgefälle, in dem ich nicht als handelnde Person betrachtet werde, sondern als lustiges, süßes Dekostück. Und sollte ich mich nicht an meine Rolle halten, dann habe ich mit sexualisierter Gewalt zu rechnen, verbal und physisch. Irgendwann kriege auch ich vielleicht auf die Fresse, aber erst wenn ich durch mein Verhalten bewiesen habe, dass ich keine „richtige Frau“ bin, sondern eine „Emanze“, eine „Lesbe“ oder ein „Mannsweib“.

Aber zurück zu diesem Ohnmachtsgefühl, das eine*n überkommt, jedes Mal, wenn mensch so übergangen und ignoriert wird. In diesem Moment vollzieht sich die Erfüllung des gesellschaftlichen Diskurses, dass Frauen gefährdet und nicht wehrhaft sind, dass sie permanente Opfer sind. Ein solcher Opferdiskurs nimmt mensch die Handlungsfähigkeit und die Subjektivität, denn mensch ist nur hilflos dem ausgeliefert, was über eine*n hereinbricht. Ein solcher Opferdiskurs führt zu einem permanenten Gefühl der Bedrohung und Machtlosigkeit, das jedes Mal bestärkt wird, wenn einer*m kein Raum gegeben wird, sich als Subjekt gegen eine Bedrohung oder eine Gewaltsituation zur Wehr zu setzen. Wenn mensch klar gemacht wird, dass die Aggressoren von einer*m keine Gefahr erwarten. Deshalb ist es mir auch so wichtig, zu meinem eigenen Empowerment ebenso wie um einen gesellschaftlichen Diskurs zu durchbrechen, mich selbst zur Wehr zu setzen, selbst aggressiv zu werden, selbst zu handeln und den oder die Aggressoren zu zwingen mich wahrzunehmen und mich ernst zu nehmen. Ich bin eine Gefahr! Ich kann mich wehren und ich werde mich wehren! Ich bin kein hilfloses Objekt patriarchaler Gewalt! Ich bin Widerstandskämpferin im Krieg gegen das Patriarchat! Selbst wenn mir Gewalt zugefügt wird, bestärkt mich das nur in meinem Kampf gegen das Bestehende. Und alle diejenigen, die mit mir diesen Kampf kämpfen wollen, egal ob ihnen eine weibliche oder eine männliche Geschlechterrolle zugewiesen wird, möchte ich an meiner Seite sehen. Ich möchte, dass wir gemeinsam kämpfen und nicht, dass sich irgendwer vor mich stellt. Ich möchte Kompliz*innen, keine Beschützer*innen. Ich bin kein Opfer, ich bin Täterin! FLINT-Personen sind gefährlich!

Fridays for Future, „Die Wissenschaft“ und die apokalyptische Vorstellung einer nahenden Klimakatastrophe – Eine Abrechnung

Es ist einige Wochen her, dass die seit Monaten demonstrierenden Aktivist*innen der Bewegung Fridays for Future in München mit einem Forderungskatalog an die Stadt München herangetreten sind. „Diese Forderungen richten sich an den Stadtrat der Landeshauptstadt München, den derzeitigen Bürgermeister sowie alle auf ihn folgenden Bürgermeister*innen“, schreiben die Verfasser*innen und fallen damit gleich zu Beginn symbolisch auf die Knie, um die Pose der*des ewigen Bittsteller*in gegenüber Staat und Politik zu mimen.

Verwunderlich? Kaum. Auch wenn mensch von denjenigen, die seit mehr als einem halben Jahr wöchentlich auf die Straßen gehen, um ihre Anliegen einem „Vater Staat“ vorzutragen und dabei von selbigem und seinen Vertreter*innen von Anfang an belächelt, verspottet und sogar beleidigt wurden, eigentlich erwarten würde, dass sie ein wenig mehr Einsicht in die Realitäten des Demokratiebetriebs hätten. Doch die Lügen von Teilhabe und Mitbestimmung haben sich tief in die Köpfe der Beherrschten eingebrannt, das beweist nicht nur dieser Fall, und so bedarf es wohl schon etwas mehr als der wöchentlichen Enttäuschungen eines unwirksamen Schulstreiks, um das eigene Denken von diesem Irrglauben zu befreien.

Doch im Fall von Fridays for Future steht dieser Befreiung noch etwas ganz anderes im Wege: Die uneingeschränkte Gläubigkeit an die Autorität „der Wissenschaft“ und die daraus resultierenden Implikationen, die jeglichen Ausweg aus einer (angeblich zukünftigen) Klimakatastrophe innerhalb der autoritären Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Herrschaftssystems verorten. Indem das apokalyptische Ende der Welt nicht nur für die Zukunft prophezeit wird, sondern die Dimensionen der Ursächlichkeit zugleich auf ein für das Individuum unüberschaubares Level gehoben und potenzielle Lösungsmöglichkeiten daher naturgemäß nur in zentralistischen Ansätzen – geplant und gesteuert von Expert*innen und anderen machtvollen Akteur*innen – gesehen werden können, wird das Individuum schon konzeptuell jeglicher subversiver Handlungsmöglichkeiten beraubt. Stattdessen scheint mensch angesichts dieses Szenarios geradezu gezwungen zu sein, staatlichen Autoritäten zu vertrauen, damit diese in internationaler Zusammenarbeit eine Lösung zur Verhinderung dieser Apokalypse entwickeln.

Dabei geht es den staatlichen Autoritäten, an die mensch sich dabei zu wenden gedenkt, mitnichten um eine Verhinderung dieser Apokalypse. Vermutlich sind sie dafür auch im Gegensatz zu denjenigen, die glauben es wäre – angenommen die wissenschaftlichen Prognosen erweisen sich als zutreffend – überhaupt möglich, einen systemimmanenten Stopp der globalen Erwärmung und allgemeiner der Zerstörung der Umwelt herbeizuführen, zu große Realist*innen. Seit Jahrzehnten geht es Staaten des globalen Nordens ausschließlich darum, ihre eigene Hegemonie auch im Falle der prophezeiten Folgen einer voranschreitenden Klimakatastrophe zu bewahren. Seit dem Ende des Kalten Krieges erregten Fragen nach verheerenden klimatischen Veränderungen und anderen Umweltkatastrophen die Aufmerksamkeit der Militärstrateg*innen. Wenn ganze Landstriche im Meer versinken, Regionen von der Größe eines Kontinents zu Wüsten werden, das Wasser knapp wird und in der Folge all dieser Entwicklungen hunderte Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden, in die noch bewohnbaren Regionen der Welt fliehen müssen, machen sich die Chauvinist*innen dieser Hemisphäre – wen wundert’s? – vor allem Gedanken um die eigene Nahrungsmittelversorgung, den eigenen Wohlstand und in der Folge die Sicherheit der Grenzen, denn der Platz im „Paradies“ gilt bekanntlich als beschränkt. Kanadas Marine etwa bereitet sich darauf vor in Zukunft auch den Schifsverkehr in den arktischen Gebieten besser kontrollieren zu können, das Pentagon veröffentlichte mehrere Papiere zum Einfluss der „Klimaerwärmung“ – die es dem US-Präsidenten zufolge ironischerweise ja gar nicht gibt – auf die Nationale Sicherheit und in der EU ist mensch länsgt zwei Schritte weiter: Mensch schottet sich flüchtenden Menschen gegenüber ab, lässt diese im Mittelmeer ertrinken, von angrenzenden Ländern versklaven, foltern oder ermorden oder deportiert diese, wenn es ihnen trotz allem gelingt, eine der Grenzen zu passieren. Viele der schon heute flüchtenden Menschen sind bereits auf der Flucht vor extremen klimatischen Bedingungen oder direkt oder indirekt daraus entstandenen militärischen Konflikten. Apokalypse in 10 Jahren? Wir sind doch bereits mitten drin!

Und was sagt „die Wissenschaft“ dazu? Die verbleibt wie es zu erwarten stand innerhalb der autoritären Ideologie des momentanen Herrschaftssystems. Aller Differenzen zum Trotz ist man sich vor allem in einem Punkt einig: Es ist an den Staaten zu handeln und ganz im Stile einer alten Idee der Apokalypse-Lobbyisten des Club of Rome, die schon in den frühen 1970ern im Auftrag der Volkswagen Stiftung Werbung für einen gepflegten Weltuntergang im Jahre 2072 machten, beschränkt sich der globale wissenschaftliche Ideenreichtum im Wesentlichen auf einen Abverkauf des Rechts auf Umweltzerstörung, mal mit, mal ohne Mengenrabatt. Aber was hätten wir auch anderes von denjenigen erwartet, die vor allem von Staaten und Firmen ihren Lebensunterhalt finanziert bekommen? Natürlich bringen sie die Interessen der Nationalstaaten mit denen der Konzerne in Einklang und suchen nach Wegen wie die einen weiter profitieren und die anderen dabei nicht um Aufstände bangen müssen. Vielleicht sehen auch sie sich nun im Angesicht der von ihnen prophezeiten Apokalypse von ihren Auftraggeber*innen geprellt, doch zumindest vorerst ändert das wenig an ihren – so scheint es – allgemein geschätzten Empfehlungen: Etwas Konsumkritik hier, die Ablöse eines Kraftwerks durch ein anderes dort, ein paar Energiespar-Tipps gibt es gratis oben drauf. Ach ja: Und die Autos – die sollen zumindest raus aus der Innenstadt. Ob da die Volkswagenstiftung nächstes Jahr nochmal Geld locker macht?

Bei Fridays for Future jedenfalls scheint mensch als Wissenschaftler*in dafür einen guten Ruf zu geniesen. Die Forderungen der Möchtegern-Rebell*innen an ihre persönlichen Autoritäten tragen allesamt das Prädikat „wissenschaftlich geprüft“. Wobei mensch sich da schon fragt, wer denn auf die wissenschaftlich brilliante Idee gekommen ist, das Oktoberfest zu einem zertifizierten Bio-Volksfest, einem dritten Tolwood mit beinahe ebenso urigem Modebewusstsein zu machen, anstatt das ganze Spektakel gleich abzusagen.

So wird die Unterwürfigkeit der Fridays for Future Aktivist*innen auch kaum besser symbolisiert als auf ihren wöchentlichen Happenings, wenn sie zu rund einem Dutzend das als Lautsprecherwagen dienende, ausrangierte Feuerwehrfahrzeug wie antike Sklav*innen an einem Seil hinter sich herziehen. Klimabilanz 1 : 0 Aktivist*innen.

Dabei müsste es doch gar nicht so enden. Wen kümmert im Angesicht der Apokalypse schon der eigene ökologische Fußabdruck? Und ist ein brennendes Auto nun ein Sakrileg oder doch eher ein Schritt auf dem Weg zu einer besseren Welt? In Köln hat mensch das offenbar im Mathe-Unterricht ausgerechnet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass vier brennende Porsche sich dann doch eher positiv auf die Klimabilanz auswirken.

[Starnberg] Feiernde Jugendliche setzen sich gegen Bull*innenschweine zur Wehr

Am vergangenen Donnerstag (25.07.) störten eine Hand voll Bull*innenschweine eine Party vor einem Gymnasium in Starnberg, indem sie eine Person möglicherweise aus rassistischen Gründen zu Boden warfen, fesselten und in Gewahrsam nahmen. Dabei hatten sie wohl nicht damit gerechnet, dass sie für diesen Angriff zur Rechenschaft gezogen werden würden. Schon bei der Festnahme griffen einige Personen die Schweine an, denen mitsamt der festgenommenen Person leider eine Flucht in die gegenüberliegende Polizeiinspektion gelang.

Daraufhin sammelten sich zwischen 50 und 100 der feiernden Personen und zogen mit Flaschen und Steinen bewaffnet vor die Polizeiinspektion und griffen die Schweine erneut an. Dabei zerstörten sie eine Scheibe der Bull*innenwache und machten sich daran, die Eingangstür aufzubrechen, um ihren gefangen genommenen Freund zu befreien.

Als die Bull*innenschweine das bemerkten, bekamen sie es wohl mit der Angst zu tun: Sie rufen alle in der Nähe befindlichen Schweine zusammen. Trotzdem trauen sie sich nur hinter Schilden versteckt aus ihren Fahrzeugen. Die Angreifer können größtenteils fliehen, lediglich zwei Personen greifen die Bull*innenschweine später anderswo in der Stadt auf. Sie sind mittlerweile wieder frei, ebenso wie die ursprünglich festgenommene Person.

Bei den Schweinen bleibt neben einer eingeworfenen Scheibe hoffentlich auch die kalte Angst zurück, die ihnen bei diesem Angriff in die Glieder kroch.