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Urteil im AfD-Wahlparty-Prozess: 80 Tagessätze

Im Prozess gegen einen Antifaschisten, dem vorgeworfen wurde, 2016 vermummt an einer nicht angemeldeten Demonstration gegen eine Wahlparty der AfD teilgenommen zu haben (siehe auch Aufruf zur Prozessbegleitung, Prozesstag 1), fiel heute (26.07.2019) das Urteil: Richterin Firoozi verurteilte den Antifaschisten zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen. Staatsanwältin Ott hatte eine Strafe von 90 Tagessätzen gefordert.

Der Angeklagte verzichtete darauf, für irgendetwas zu plädieren und verlaß stattdessen eine kurze Kritik am hießigen Justizsystem, in der er Richterin Firoozi aufforderte, nach Hause zu gehen, ihren Job zu kündigen, alle Akten, die sich auf ihrem Schreibtisch stapeln zu verbrennen und sich somit der ihr vom Staat zugewiesenen Position zu verweigern.

Das vollständige Statement des Angeklagten:

In den letzten Stunden haben wir zahlreiche Theorien, Hirngespinste und Mutmaßungen der Cops gehört. Das war zum Teil belustigend, zum Teil sterbenslangweilig. Ich für meinen Teil halte das Gesagte ohnehin für irrelevant, denn ich interessiere mich wenig dafür, ob es in den Augen des Gerichtes gelungen ist, mir eine strafbare Handlung nachzuweisen oder nicht. Letztlich bleibt das Ergebnis nämlich das gleiche: Ich werde hier aller Wahrscheinlichkeit nach verurteilt werden. Dabei gibt es weder ein faires noch ein gerechtes Urteil. Jedes Urteil ist Teil eines repressiven Staatsapparates und dient dazu, diejenigen Menschen, die von einer bestimmten Norm abweichen mit Gewalt zurück in diese Normen zu pressen.

In diesem Fall ist das vielleicht relativ offensichtlich: Antifaschistisches Engagement und das völlig berechtigte Interesse dabei weder von den Scherg*innen des Staates, noch von erwiesenermaßen militanten Neonazis erkannt zu werden, werden durch das Gesetz und die Scherg*innen, die es durchsetzen, kriminalisiert. In anderen Fällen teilen sich die Meinungen vielleicht stärker. Ich jedoch sehe keinen Unterschied darin, ob ich nun für einen Banküberfall, ein Körperverletzungsdelikt oder eben weil ich mir ein Stück Stoff vors Gesicht gebunden haben soll, verurteilt werde. Letztlich dient das gesamte Strafgesetzbuch dazu, die Gesellschaft im Sinne der Mehrheitsgesellschaft, deren Interessen der Staat vertritt, zu reglementieren, subversive Elemente und all diejenigen, die aufgrund irgendwelcher Zuschreibungen oder tatsächlichen Eigenschaften bewusst marginalisiert werden sollen, zu unterdrücken. Diese Tatsache halte ich für so offensichtlich, dass ich eigentlich keine Lust verspüre, diese hier weiter auszuführen. Wer mir nicht glaubt wird jedoch bei den diversen abolitionistischen Schriften, im Dialog mit den Betroffenengruppen oder beim Blick in die Gefängnisse, auf die Arbeit von Cops und Justiz und überall sonst, wo Menschen durch Institutionen gegängelt werden, fündig.

Ich jedenfalls sehe keinen Sinn darin, mich dem Gericht hier durch irgendein arschkriecherisches Plädoyer, eine ohnehin erlogene Reuebekundung oder eine Distanzierung anzubiedern, nur um der Aussicht auf eine mildere Strafe willen. Wer auch immer sich zur*zum Richter*in über einen anderen Menschen erhebt, die*der macht sich in meinen Augen zu einem Instrument des Staates und der darin herrschenden Ideologie. Dafür habe ich nur größtmögliche Verachtung übrig. Auch wenn Richter*innen sich gerne hinter dem Gesetz verstecken, haben sie in meinen Augen doch die volle Verantwortung für ihre Taten zu tragen, denn egal welche Fehlentscheidungen ein Mensch im Verlaufe seines Lebens getroffen hat – etwa Jura zu studieren, für den Staat zu arbeiten, usw. – so hat doch jeder Mensch in einer solchen Position zu jedem Zeitpunkt auch die Möglichkeit nicht mehr mitzuspielen, sich dem Ganzen zu verweigern und auszubrechen aus den beengenden und autoritären Normen dieser Gesellschaft.

In diesem Sinne erwarte ich von Ihnen als Richterin nichts weiter, als dass Sie die nötige Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen. Welches Urteil sie auch sprechen, egal ob sie mich für schuldig befinden, egal ob sie mich in ein Gefängnis sperren oder mir eine Geldstrafe auferlegen wollen, ja selbst wenn sie mich freisprechen: Es wäre autoritär. Deshalb kann ich Ihnen nur empfehlen, sich Ihrer Rolle als Dienerin dieses repressiven Scheißstaats zu verweigern. Gehen Sie nach Hause, kündigen sie Ihren Job, verbrennen Sie all die Akten, die sich auf Ihrem Schreibtisch angesammelt haben, leisten Sie Widerstand gegen die autoritären Zumutungen dieses Staates und dieser Gesellschaft. Nur dann können Sie für sich in Anspruch nehmen, nicht Teil des Ganzen zu sein.

Schlussstatement des verurteilten Antifaschisten vor Gericht

[Berlin] Steinlieferung im Büro von Pandion abgegeben

In der Nacht auf Donnerstag, den 25. Juli lieferte ein namensloses Zerstörungsteam eine Fuhre Steine an die Investorfirma „Pandion 4 Living“ aus. Weil auf’s erste anklopfen gerade keine*r öffnete, beförderten die Lieferant*innen die Steine kurzerhand durch die Glasscheibe ins Ladeninnere und hinterließen einen Zustellungshinweis an der Fassade.

Die Zusteller*innen erklärten sich solidarisch mit der Liebig 34, sowie den 3 Gefährt*innen von der Parkbank, von denen derzeit zwei in Hamburg in Untersuchungshaft sind.

Weitere Infos bei Indymedia.

[Florenz] Haftstrafen für Angeklagte der „Operation Panico“

Die Anarchist*innen, die im Zuge der „Operation Panico“ angeklagt wurden, wurden letzte Woche in Florenz in erster Instanz verurteilt. Die „Operation Panico“ startete 2017, als vor einer faschistischen Buchhandlung ein Sprengsatz gefunden wurde. Beim Versuch diesen zu entschärfen, verletzte sich ein Bombenentschärfungsbulle schwer. Insgesamt 28 Anarchist*innen wurden im Zuge dieser Operation angeklagt. Die drei Anarchist*innen, denen der Sprengsatzanschlag zur Last gelegt wird, wurden zu 9 bis 10 Jahren Knast verurteilt. Die anderen, angeklagt wegen unterschiedlichster Vorwürfen erhielten ebenfalls Haftstrafen, von einem Monat bis zu sechs Jahren. Die Informationslage ist noch eher dünn (zumindest in den Sprachen, die der*die Autor*in dieses Artikels beherrscht, und dazu gehört leider kein Italienisch), weitere Informationen sollen in den kommenden Tagen folgen.

Quellen: Cracher dans la Soupe, ABC Wien

[Berlin] Razzia in der Liebig 34

Am vergangenen Samstag wurde in den frühen Morgenstunden das anarcha-queerfeministische und räumungsbedrohte Hausprojekt Liebig 34 in Berlin gerazzt. Weil die im Viertel patroullierenden Bull*innenschweine immer wieder aus der Liebig 34 heraus mit Steinen vertrieben wurden, stürmten sie mit einem Großaufgebot gegen 06:30 Uhr das Gebäude, durchsuchten drei Räume und den Dachboden und fertigten Skizzen vom Haus. Gegenangriffe ließen nicht lange auf sich warten und so wurden Cops mit Feuerwerk beschossen und ein Bull*innenwagen bekam einen neuen, gelben Anstrich. In der Rigaerstraße brannte eine Barrikade.

[Salzburg] Blockaden gegen den 1000-Kreuze-Marsch

In Salzburg fand am Donnerstag, den 25. Juli der alljährlich durch eine Münchner Fundi-Gruppe mit organisierte sogenannte „1000-Kreuze-Marsch“, ein Gebetsmarsch gegen Schwangerschaftsabbrüche, statt. Die Fundis kamen jedoch nur einige Meter weit, ehe die erste Blockade sie stoppte, woraufhin sie gezwungen waren eine andere Richtung als geplant einzuschlagen. Ritueller Höhepunkt dieser Märsche ist üblicherweise das Werfen von Rosen in den Fluss, doch musste dieses Ritual dieses Jahr aufgrund zahlreicher Störungen und Blockadeversuche sowie aufgrund der extrem hohen Temperaturen über 30° C ausfallen. Leider wurden einige Personen festgenommen, jedoch nach einigen Stunden wieder freigelassen.