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Kabelbrand an Baustelle führt zu Stromausfall im Münchner Osten

Gegen 03:50 Uhr brannte in der Nacht auf Freitag, den 21. Mai 2021 in einer Baugrube in der Grafingerstraße ein Kabel, das offenbar weite Teile der Stadtteile Ramersdorf, Haidhausen und Berg am Laim mit Energie versorgte.

Bei 20.000 Haushalten, sowie auf den Straßen im betroffenen Gebiet gingen in der Folge die Lichter aus. Stark beeinträchtigt war auch der Tramverkehr, da vom Tram-Betriebshof in Steinhausen, der ebenfalls vom Stromausfall betroffen war, ein Teil der Trams jeden Morgen in das Tramnetz ausrückt.

Zudem fiel laut Presseinformationen eine in der Nähe des Ostbahnhofs befindliche Betriebsstelle des Internetanbieters Vodafone aus. Zahlreiche Vodafone-Kund*innen, die zwar noch Strom hatten, hatten dadurch keinen Zugang zum Internet.

Angriff auf Rohde & Schwarz / Stadtwerke München

Kriegsproduzenten den Saft abdrehen!
Energieversorgern in den Arsch treten!

Wir haben am 21.5.21 das Strom- und Glasfasernetz der Stadtrwerke im Münchner Osten angegriffen.

Das primäre Ziel dieser Aktion war der Rüstungskonzern Rhode & Schwarz am Münchner Ostbahnhof, dem wir erfreulicherweise für mindestens 24 Stunden den Saft abdrehen konnten. R & S ist eins von vielen Unternehmen, die mit Waffenproduktion, Krieg und Tod ihre Profite machen und ihren Beitrag leisten, dass Deutschland seit vielen Jahren unter den Top 5 der globalen Rüstungsexporteuren rangiert.

Außerdem war die Aktion ein Angriff auf die politisch Veantwortlichen in München und Bayern, die den Gongschlag nicht hören wollen.

Es ist unsere Antwort auf den jämmerlichen Stadtratsbeschluss, den Forst Kasten abzuholzen um dort Kies zu fördern. Die Stadtwerke München betreiben weiterhin ein Kohlekraftwerk in Bogenhausen und den Atommeiler Isar 2. Deshalb werden wir auch in Zukunft ihre Infrastruktur angreifen.

Es gibt keine Lösung innerhalb des kapitalistischen Sytems.

Kein Friede mit der Rüstungsindustrie
Keine Ruhe für die Klimakiller
IAA angreifen

Quelle: Indymedia

Warum der Königsmord kein Thema von gestern ist …

Es ist ja schon eine ganze Weile her, dass das Haupt der Statue von König Ludwig II an der Corneliusbrücke abgetrennt wurde und sein Leib für den Krieg eingeschmolzen wurde. Seitdem thronte das Haupt des Monarchen dort auf einer Säule. Am Wochenende des 09. bis 11. April jedoch waren die Fans des Königs in Aufruhr. Es war verschwunden, das kostbare Haupt des Königs. Waren es Kunstdiebe? Oder Edelmetallsammler? Als man den Kopf nebenan inmitten der Isar findet, verschiebt sich der Verdacht: Vandalen? „War es gezielte Königs-Schändung?“ fragt die Presse.

Vielleicht. Es wäre zumindest erfreulich. Unterdessen hat die Feuerwehr das Haupt des Königs vom Grund der Isar wieder an die Oberfläche getaucht und der Polizei übergeben, die diese Frage nun ermitteln will. Mit Unterstützung eines eher seltsamen Hobbydetektivs, der sogar eine Belohnung von 2000 Euro ausgelobt hat, für Hinweise die zur Ergreifung der Königsschänder*innen führen. Dabei ist es ja eine Sache, eine persönliche Obsession für den berühmten bayerischen „Märchenkönig“ zu haben und die Corneliusbrücke zukünftig zusätzlich zum königlichen Haupt noch mit einem königlichen Leib verunstalten zu wollen, aber eine ganz andere, eine Belohnung auszusetzen, für die Ergreifung von Tätern! Zumindest braucht man sich bei letzterem nicht wundern, wenn man dann den wohlverdienten Hass derer abbekommt, die weder für die Statuen irgendwelcher Herrscher*innen etwas übrig haben, noch es schätzen, wenn deren Bonzen-Mäzene ihnen die Bullen auf den Hals hetzen.

Ach ja, eines noch: Ob schwul oder nicht, für einen König – egal ob lebendig oder als Statue – gibt es nur einen einzigen angemessenen Ort: Ertränkt in der Isar.

E-Ladesäule mit Hackfleisch beschädigt

Hatte jemand Hackfleisch containert und es nicht mehr für gut befunden und dann den erstbesten Spot verwendet, der dieser Person unter die Augen kam, um es loszuwerden? Oder wusste sie tatsächlich, dass Hackfleisch eine Ladesäule für E-Autos nachhaltig beschädigen würde?

Wie auch immer diese Sabotage zustandekam, erwies sie sich auf jeden Fall als äußerst erfolgreich. Das Hackfleisch wurde in den Bereich zwischen Stecker und Steckerleiste einer E-Ladesäule in der Marklandstraße im Stadtteil Fasangarten geschmiert und legte diese lahm. Dadurch, dass das Hackfleisch bis in die Kontakte vorgedrungen war, mussten beide Stecker der Ladestation ausgetauscht werden.

Sabotage mit Lebensmitteln hat ja seit jeher eine gewisse Konjunktur. Ein Klassiker ist da natürlich das Bewerfen von Gebäuden mit Eiern oder Tomaten und sonstigem (faulem) Gemüse (als eins von vielen Anwendungsgebieten). Doch auch davon, dass Menschen (vergorene) Milch oder sonstige stinkende Flüssigkeiten in Lüftungsschlitze von Autos schütten, hört man immer mal wieder. Das Verschütten stinkender Flüssigkeiten im Allgemeinen ist natürlich auch ganz groß im Kurs. Hackfleisch scheint mir bisher noch nicht so weit verbreitet – vielleicht muss sich das ändern…

Schrauben in Reifen von Münchner Polizeifahrzeugen

Im neuesten Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes konnte man von einer neuen Methode des Bullenkarrenplättens lesen. Insgesamt rund 20 Einsatzfahrzeuge hätten sich im Jahr 2020 einen Platten zugezogen, dank Schrauben, die in das Reifenprofil geschraubt worden seien. Klingt zwar witzig, aber irgendwie doch aufwendiger als die althergebrachten Methoden mit Messer oder Ahle seitlich in den Reifen zu stechen. Und unauffälliger scheint es auch nicht zu sein. Aber wer weiß, vielleicht genügt es ja auch, die Schrauben einfach unter die geparkten Autos zu legen?

Brand im Impfzentrum Oberhaching

Am frühen Morgen (06:20 Uhr) bemerkte ein im Impfzentrum Oberhaching befindlicher Sicherheitsdienstmitarbeiter einen Brand im Dachstuhl des Gebäudes. Leider zu früh, denn so konnten die dort gelagerten Impfdosen noch gerettet und das Feuer gelöscht werden.

Die ermittelnde Polizei geht von einem technischen Defekt als Brandursache aus, ist sich allerdings wohl nicht zu 100 Prozent sicher und will lieber noch einmal Sachverständige hinzuziehen. Man weiß ja nie …

Telekom-Auto abgefackelt

Bereits am 07. Februar brannte in Gern ein PKW der Telekom. Obwohl eine Snitch auf dem Weg zur Arbeit noch „kleine Flamme im Motorraum“ entdeckte und sofort Cops und Feuerwehr rief, stand bereits der ganze Motorraum in Flammen, bis diese eintrafen und der Wagen brannte fast vollständig aus. Die Telekom ist massiv am Ausbau von 5G beteiligt und arbeitet allgemein an der weiteren Digitalisierung und Smartifizierung unserer Umgebung und trägt damit zu einer weiteren Verfeinerung des technologischen Netzes bei, das uns und alle unsere Schritte immer weiter überwachen, kontrollieren und beeinflussen wird.

Wenn das Draußenchillen zur Ordnungswidrigkeit wird

Rückblick auf ein Jahr Ausgangsbeschränkungen

Seit nunmehr einem Jahr sind wir mit Ausgangssperren unterschiedlichen Ausmaßes konfrontiert. Zum einen die sogenannten „Ausgangsbeschränkungen“, die das Verlassen der eigenen Wohnung – so weit eine solche vorhanden – nur aus „triftigen Gründen“ erlaubt. Von Dezember bis Februar gab es in Bayern zusätzlich eine „nächtliche Ausgangsperre“ zwischen 21 und 5 Uhr. Inzwischen wird diese auf die Regionen beschränkt, die irgendeinen Inzidenzwert überschreiten. Nach nunmehr gut einem Jahr „Ausgangsbeschränkungen“ und zwei Monaten Ausgangssperre wollen wir unsere Erfahrungen mit dieser neuen Situation, wie wir sie in München erlebt haben, rekapitulieren.

„Ausgangssperre“ bzw. dessen Euphemisierung „Ausgangsbeschränkung“; als diese Worte letzten März begannen durch die Presse zu geistern, blickte man entsetzt in andere Länder, die Straßensperren errichteten und das Militär in die Straßen beorderten. Mit Beginn der Ausgangssperre in München fuhren Lautsprecherwagen der Bullen durch die Straßen und verkündeten die neuen Bestimmungen, auch viele Streifen waren zu sehen. An den ersten Tagen waren die Straßen wie leergefegt und die Menschen, die man sah – besonders in Parks tummelten sich an schönen Tagen durchaus die Massen –, waren krampfhaft darum bemüht irgendeinen Sport zu machen, und sei es nur sich einen Frisbee gegenseitig zuzuwerfen. Man war unsicher, wie stark würde die Kontrolle sein, wie sehr würden autoritäre Maßnahmen aufgezogen, würden auch so Scheine eingeführt werden, in denen man aufschreiben muss, wohin man gedenkt zu gehen? Würden Straßensperren errichtet werden, ja würde sogar das bundesdeutsche Tabu gebrochen werden und das Militär auf die Straßen geschickt? Erinnern wir uns an die Diskussionen darum, ob es ernsthaft verboten sei sich draußen alleine auf eine Bank zu setzen, was selbst den so obrigkeitshörigen Deutschen ein bisschen übertrieben schien und durchaus Widerstandsreaktionen – auch am Anfang – hervorrief. Ich erinnere mich an Szenen, wie Bullen versuchten Leute, die zu zweit an einem öffentlichen Tisch saßen, dazu aufzufordern sich zu entfernen, was trotzig verweigert wurde. Oder wie die Bullen zwei Personen, die nebeneinander auf einer Bank saßen, dazu aufforderten den Abstand zwischen ihnen zu vergrößern, ganz als seien sie Anstandsdamen aus einem früheren Jahrzehnt. Ich erinnere mich, wie ich auf der Polizeiwache saß und sich die Cops gegenseitig darin brieften, „Ausgangsbeschränkung“ zu sagen und nicht „Ausgangssperre“ und wie alle paar Minuten der Funkspruch kam, dass irgendwer irgendwen bezüglich Corona-Maßnahmen verpfiffen hätte.

Heute wissen wir: Zumindest bisher hat sich die deutsche und bayerische Politik dagegen entschieden die Mittel einzusetzen, die nötig wären, um derartige Ausgangsbeschränkungen tatsächlich durchzusetzen. Kein Militär, keine (oder ganz selten sehr punktuelle) Abriegelungen, keine Dauerkontrollen, keine albernen Zettel, die man ausfüllen muss. Stattdessen lieber eine Konzentration darauf Parties jeglicher Ausprägung zu unterbinden und auf die Jagd nach sonstigen größeren und kleineren Menschenansammlungen. Da kommt mir besonders der Sommer in den Sinn, als es jeden Abend, insbesondere am Wochenende, am Isarufer und im Englischen Garten zu massiven Schikanen der Cops gegenüber den Leuten kam.

Auch die nächtliche Ausgangssperre, die die letzten beiden Monate galt, war keine absolute. Menschen, die in der Nacht lohnarbeiteten, durften sich draußen aufhalten, auch medizinische Notfälle und die Versorgung eines Haustieres waren Gründe, die gewichtig genug waren, um vor die eigene Haustüre treten zu dürfen. Das führte dazu, dass die Straßen zwar schon im Vergleich zu früheren Zeiten ab 21 Uhr wie leergefegt waren, man jedoch, solange man (scheinbar) alleine und eher nicht mit dem Auto unterwegs war, von den Cops eigentlich ignoriert wurde. Und so lange man eine gute Ausrede parat hatte, war auch eine Kontrolle kein größeres (wenn auch nerviges) Problem.

Tatsächlich darf man gerade, so weit ich weiß, immer noch nur aus triftigem Grund sein Zuhause verlassen. Heute fühlt sich das allerdings anders an als letzten März. Denn inzwischen ist klar, dass, solange man größere Gruppenbildungen in der Öffentlichkeit vermeidet, man normalerweise unbehelligt bleibt. Dass die Ausgangsbeschränkungen ein Vorwand mehr sein können für mehr oder weniger willkürliche Polizeikontrollen, bleibt natürlich bestehen, was allerdings die vorherige Situation zwar durchaus verschärft, es aber trotzdem nicht zu einem absoluten Novum macht – denn davor durften die Schweine im Umkreis von fünfhundert Metern rund um Bahnhöfe (also quasi überall) anlasslos Menschen kontrollieren; allerdings brauchte man damals natürlich keinen „triftigen Grund“ dafür, sich überhaupt draußen aufzuhalten.

Was sich allerdings verändert hat: die Kontrolle darüber, dass sich keine (zusammengehörigen) Menschenansammlungen bilden und ihren relativen Erfolg. Dass man gerade die letzten Monate den Eindruck bekam, dass die Strategie Erfolg hätte, liegt meiner Ansicht nach allerdings eher am Wetter als an den Maßnahmen. Denn dadurch,dass jede Möglichkeit, sich öffentlich in Räumen zu treffen, durch Schließung der Bars, Cafés, Restaurants, Clubs usw. sehr effektiv verhindert wird, ist bei kalten Temperaturen ein Ausweichen nach draußen, wie es im Sommer der Fall war, nicht sehr verlockend. Die letzten frühlingshaften Tage haben jedoch gezeigt, dass es sich die Leute nicht nehmen lassen, das Wetter draußen zu genießen, Ausgangsbeschränkung hin oder her.

Ansonsten haben die Ausgangsbeschränkungen bei mir dazu geführt, den Raum und meine Position darin anders wahrzunehmen als davor. Denn so deutlich wurde mir und wahrscheinlich auch vielen anderen noch nie vor Augen geführt, dass jede vermeintliche (Bewegungs-)Freiheit nichts Selbstverständliches ist, sondern etwas Geduldetes, das einem jederzeit entzogen werden kann, wenn es die Herrschenden so wünschen. Für viele war das auch „vor Corona“ schon Realität, alle, die sich „illegal“ in ein Land begeben oder sich in diesem aufhalten, können ein Lied davon singen. Würdest du all deine Papiere verbrennen und dich für staatenlos erklären, würdest du dich dem Eigentumsanspruch eines Staates an dich entziehen, so würdest du spätestens an der Grenze, aber auch bereits bei der ersten Kontrolle feststellen, dass es keinen Ort gibt, an dem du dich überhaupt bewegen darfst. Alle, die versuchen, sich einfach irgendwo niederzulassen, wo es ihnen gefällt, wissen, dass eine solche Freiheit nur dann gegeben ist, wenn man den Eigentumsregeln gehorcht – sich diesen Ort kauft oder mietet und „öffentliche“ sowie „private“ Räume anderer als tabu für die eigene Niederlassung respektiert. Obdachlose etwa werden regelmäßig von den Schlafplätzen, die sie sich eingerichtet haben, vertrieben, ihre Unterkünfte, die sie sich gebaut haben, zerstört. Unsere Umgebung ist eine massiv kontrollierte, Bewegungsfreiheit eine Illusion. Eine so umfassende Einschränkung der Bewegungsfreiheit auch gegenüber der Subjekte eines Staates macht den Duldungscharakter dieser „Freiheit“ lediglich besonders deutlich.

Was allerdings auch deutlich wird: Wie immer ist die Unterwerfung der Menschen und ihre Gefangennahme auch von der Kooperation der Unterworfenen abhängig. Um eine Ausgangssperre durch den Einsatz physischer Gewalt durchzusetzen, müsste ein massiver Polizei- und Militärapparat aufgefahren, müsste jede Straße besetzt, überall Kontrollpunkte eingerichtet oder auch die Überwachungstechnologie massiv ausgebaut werden [1]. Doch das war und ist bis heute in Bayern und Deutschland nicht nötig. Während der nächtlichen Ausgangssperre waren meiner Beobachtung nach nicht mehr Bullen auf den Straßen unterwegs als sonst. Trotzdem waren die Straßen menschenleer. Das hatte bestimmt auch mit dem Wetter zu tun. Ich denke, dass eine nächtliche Ausgangssperre im Sommer anders aussehen würde. Trotzdem war es gespenstisch. Was war für die Durchsetzung einer solchen Ausgangssperre nötig? Wie bekommt man 13 Millionen Menschen dazu nach 21 Uhr nicht mehr hinauszugehen, nicht einmal, um nach dem sogar erlaubten Besuch bei der Freundin einfach heimzufahren? Massives Bombardement durch die Medien und Angst. Angst vor dem Virus und Angst vor der Strafe. Psychische Kontrolle statt physische. Die psychische Kontrolle und die mediale Erreichbarkeit der Menschen geht sogar so weit, dass sich die Herrschenden darauf verlassen können, dass sich die Leute wöchentlich, ja teilweise sogar fast täglich darüber informieren, was gerade erlaubt ist und was nicht und das auch noch für welche Region.

Aber zurück zu meiner Wahrnehmung des Raums und meiner Position darin. Insbesondere städtische Umgebungen zeigen ihren kontrollierten und Kontrolle erleichternden Charakter. Jede Straßenlaterne wird zum Feind, jede Straße macht einem nur bewusst, dass diese den Bullen helfen, sich schneller durch die Stadt zu bewegen und dass einem dort jederzeit Bullen begegnen können. Man begrüßt den Schatten und die Dunkelheit und das bisschen Natur, das es auch in der Stadt noch gibt. Einige Vorteile hatte diese Ausgangssperre immerhin. Denn da sie nicht durch massive physische Kontrolle durchgesetzt wurde, sondern durch psychische, konnte man sich – solange man Streifen aus dem Weg ging – vollkommen unbeobachtet durch die Stadt bewegen und das bereits ab 22 oder 23 Uhr. Auch jetzt noch – da jedes nächtliche Indoor-Angebot immer noch verboten ist – ist man zu vergleichsweise früher Abendstunde häufig ungestört. Die Ausgangsbeschränkungen haben mich gelehrt, mich anders im so deutlich wie nie zuvor als feindlich organisiert sichtbaren Raum zu bewegen. Während ich anfangs das Gefühl hatte, von jedem Fenster aus beobachtet zu werden und es nicht fassen konnte, dass ich jetzt nicht einfach unbefangen nach draußen gehen könnte und mich mit Leuten treffen, hat sich inzwischen eine gewisse Gewöhnung eingestellt, eine gewisse Routine, wenn ich hinausgehe und wenn ich mich mit Leuten treffe. Man hat seine Strategien und seinen Umgang gefunden, hat neue Fähigkeiten erworben.

Ich bin gespannt, was der Frühling und der Sommer uns bringen mag. Momentan schwafeln sie ja schon von einer „dritten Welle“, stellen die Leute bereits darauf ein, dass es über Ostern hinaus so weitergehen wird. Denn der Wille nach draußen zu gehen und Sonne und Wärme zu genießen und auch die Sehnsucht nach menschlichem Kontakt sind stark, trotz unserer tiefen Domestizierung. Die enorme Verkleinerung unseres Käfigs wurde von vielen nur mithilfe des Versprechens, es sei lediglich vorübergehend und nur für ein paar Wochen, akzeptiert. In Düsseldorf haben sie inzwischen ein sogenanntes „Verweilverbot“ erlassen. Man darf draußen nicht mehr stehen bleiben, sich nicht hinsetzen oder hinlegen. Alles, was das Leben noch vom bloßen Funktionieren in dieser Gesellschaft unterscheidet, wird uns genommen. Wie lange lassen es sich die Leute eingehen, dass das Einzige, das zählt, das ÜBERleben ist? Wobei das Motiv des „Überlebens“ und „Leben rettens“ die Rechtfertigung dafür ist, die Herrschaft so auszuweiten wie man will und es als psychologischer Trick dient, um die Leute dazu zu bekommen alles zu akzeptieren und sich zu unterwerfen und zu gehorchen und diese Gesellschaft um jeden Preis aufrechtzuerhalten; eine Gesellschaft, deren Strukturen überhaupt erst für so viele Todesgefahren verantwortlich sind.

Erkämpfen wir uns unseren Raum. Bleiben wir nicht dabei stehen, ihn so zurückzuerlangen, wie er vorher war, sondern befreien wir uns von dieser Kontrolle des Raums, von der Durchdringung jedes Quadratzentimeters durch Herrschaftsbeziehungen, zerschlagen wir unsere Käfige und befreien wir uns von unserer Domestizierung. Denn die Wildnis kennt weder Grenzen noch kontrollierte Umgebungen noch Ausgangsbeschränkungen.

Anmerkungen

[1] Auch wenn natürlich dieser Punkt durchaus seine Verschärfungen in diesem Jahr erfahren hat und der Ausbau technologischer Überwachungsmöglichkeiten unter dem Stichwort „Digitalisierung“ massiv gefördert wird. Stichwort Corona-App, Auswertung von Handydaten zur Nachverfolgung von Infektionsherden, elektronische Meldung ans Gesundheitsamt bei Grenzübergängen, Einsatz von Drohnen zur Überwachung von Menschenansammlungen etc.

Bullenkarre beschmiert

Am Sonntag, den 31. Januar, stellten Cops in Nymphenburg an einer geparkten Copkarre „eine Schmierschrift mit Sprühlack“ fest. Wie immer in solchen Fällen, verschweigt uns der Bullenpressebericht, was der Inhalt dieser „Schmierschrift“ war. Vielleicht rätselhafte Buchstabenkombinationen wie „ACAB“? Vielleicht Liebesgrüße an die Cops, vielleicht auch eine Beleidigung? Wir wissen es nicht. Aufgrund von Videoaufzeichnungen (Wo kamen die her? Auch das verschweigen sie. Evtl. aus dem Auto selbst?) und einer sofort eingeleiteten Fahndung konnten sie leider tatsächlich jemanden festnehmen.