Tag Archives: München

Bullenkarre trifft Bullenhass

Am vergangenen Samstag, den 25. Juli,wurde eine Bullenkarre Opfer eines Tritts gegen die Heckstoßstange, welche daraufhin zerbrach. Aufgrund eines in der Nähe befindlichen Hobbycops wurde kurze Zeit später eine Person in Gewahrsam genommen. Bei Durchsicht ihres Handys wurde ein Foto festgestellt, auf dem sie vor derselben Karre mit ausgestrecktem Mittelfinger posierte.

Viele Bullenkarren stehen immer wieder spontan unbewacht irgendwo herum. Ein kleiner ebenso spontaner Tritt, für den es weder Vorbereitung noch Material braucht, kann bereits mehrere hundert Euro Schaden verursachen und für einen kleinen Moment den Hass etwas lindern. Und falls wieder ein Hobbycop in der Nähe steht… kann ein weiterer kleiner Tritt bestimmt auch nicht schaden!

Brennende Mülltonnen und Angriff auf Immobilienbüro

Bereits am vergangenen Wochenende, in der Nacht auf Sonntag, den 26. Juli, zündeten Personen in Haidhausen zwei Mülltonnen an und smashten die Scheiben eines nahe gelegenen Immobilienbüros. Laut den Schweinen verursachten die Personen dabei mehrere tausend Euro Sachschaden. Tja, die Wut auf Immobilienbüros wird wohl jeder*m verständlich sein, die*der schon mal versucht hat in München eine Bleibe zu finden…

Streifenwagen mit Farbe bespritzt

Als Cops am Montagabend (20. Juli 2020) gegen 21 Uhr ihren Streifenwagen am Mariahilfplatz abstellten, und unbeobachtet zurückließen, machte(n) sich dies eine oder mehrere Personen zunutze und besudelte(n) den Streifenwagen auf der „gesamten linken Seite“ mit weißem Lack. So harmlos das Ganze auch aussieht, so folgenreich war das Ganze wohl: „Da auch die Seitenfenster davon betroffen sind, kann das Fahrzeug nicht mehr eingesetzt werden bis die Schmiererei von einem Fachbetrieb entfernt wird.“ schreiben die Cops in ihrem Pressebericht. Hoffentlich wird’s teuer!

»In München hasst mittlerweile fast jede*r die Polizei«

… so fasste kürzlich eine zufällig vorbeikommende Beobachterin einer der zahlreichen Bullenkontrollen in der Nähe der Isar die Situation in München, wie ich finde sehr treffend, zusammen. Und ergänzte dann im Verlaufe eines sich spontan ergebenden Gesprächs unter Leidensgefährt*innen noch »das haben sie [die Bullen] sich in den letzten Wochen aber auch redlich verdient«. Auch wenn ich finde, dass Bullen sich schon immer den Hass der Menschen »redlich verdient« haben, kann ich sehr gut verstehen, was die Person meinte: Die ständigen Schikanen und Kontrollen der Bullen in den letzten Wochen an der Isar, im Englischen Garten, am Gärtnerplatz und überall sonst, wo sich am Wochenende Menschen zusammenfinden, haben viele Menschen, die bisher von der Polizei weitestgehend verschont geblieben waren, mit der Realität bekannt gemacht, dass Draußen Gefahrengebiet ist, eine Zone des Konflikts zwischen einer straff organisierten, uniformierten und bewaffneten Gang, die nach totaler Kontrolle strebt und den einzelnen Individuen und Gruppen von Menschen, nicht uniformiert, nicht organisiert und höchstens mit Glasflaschen und Steinen bewaffnet, die eigentlich nur eines wollen: Von den Cops in Ruhe gelassen werden.

Und weil ihnen allen dies nicht vergönnt ist, weil es mittlerweile kaum mehr möglich ist, zu dritt an der Isar zu sitzen, ohne dass einer ein aufdringlicher Wichser mit einer Hochleistungstaschenlampe in die Fresse leuchtet, weil selbst der Spaziergang – mit oder ohne Hund – nicht selten in einer »verdachtsunabhängigen Intensivkontrolle« endet, weil an den »Brennpunkten« der Stadt uniformierte Aufsichten rumlungern, mit ihren Autoscheinwerfern und Blaulichtern ein dystopisches Ambiente verbreiten oder ab einer bestimmten Uhrzeit die Runde machen, um Musikboxen »einzusammeln«, weil es für all diejenigen, die sich dem nicht in vorauseilendem Gehorsam fügen, nicht nur eine Flut an lächerlichen Anzeigen hagelt, sondern ab und an auch Prügel mit dem Schlagstock, Nächte in Gewahrsamszellen und all das übrige, bislang vor allem den »üblichen Verdächtigen« bekannte Repertoire an Repression: Deshalb liegt überall dort, wo die Cops auftauchen, eine knisternde Spannung in der Luft, deshalb warnen sich einander völlig unbekannte Personen gegenseitig vor den Bullen, deshalb sind „Fick die Cops“ oder „Scheiß Bullen“ mancherorts so eine Art allgemeiner Gruß bzw. allgemein gebrauchte Floskeln, um die Stille zwischen zwei Gesprächen zu überbrücken, geworden, deshalb werden Barrikaden und gesmashte Bullenwägen mit allgemeinem Jubel begrüßt und deshalb passiert es mittlerweile fast täglich, dass auch die Bullen mal wieder eins auf die Fresse kassieren, dass festgenommene Personen von anderen befreit werden und dass sich einander völlig unbekannte Personen spontan gegen die Bullen verbünden. »Sobald die Polizei auftaucht, gibt es ein neues Feindbild: die Polizei«, titelte jüngst sogar die Süddeutsche und beschreibt damit ausnahmsweise einmal treffend die Situation an Wochenenden in der Münchner Innenstadt und an der Isar. Und selbst die Cops scheinen wenigstens ein bisschen Angst zu haben, wenngleich noch lange nicht genug: Das ständige Pendeln zwischen totaler Deeskalation – etwa wenn USK-Beamt*innen in voller Montur geradezu auf den Knien betteln, dass ihren Anweisungen doch bitte Folge geleistet werde – und totaler Eskalation – wenn die gleichen Cops dann nach einer halben Stunde behelmt und mit Schlagstock in der Hand wiederkommen, um ihre unerhörten Bitten dann doch mit physischer Gewalt durchzusetzen – offenbart in meinen Augen die Unsicherheit der Münchner Polizei, die sich sichtlich schwer damit tut, modernere Polizeitaktiken umzusetzen, bei denen sie eben nicht jeden Gesetzesverstoß ahnden, um eine potenziell gefährliche Menschenmasse im Großen und Ganzen im Griff zu behalten. In Bayern und München im Besonderen ist man es seitens der Polizei eben gewohnt, Stärke zu zeigen und um jeden Preis für Ordnung zu sorgen, das lässt sich nicht so ohne weiteres ablegen.

Dabei könnte eben diese nervige Angewohnheit der Bullen uns vielleicht doch einmal zum Vorteil gereichen: Denn wer überall für Ordnung sorgen will, verliert in den Momenten, in denen an mehreren Orten zugleich chaotische Situationen entstehen selbst dann die Kontrolle, wenn eigentlich eine Übermacht an Bullen im Einsatz ist – was zusätzlich auch mächtig an den polizeilichen »Personalressourcen« zehrt. Wenn die Cops gegen 12 damit beginnen, Feiernde an der Isar aufzuscheuchen, kreieren sie gewissermaßen selbst eine solche chaotische Situation, denn nur weil eine*n die Bullen von irgendwo vertreiben, ist der Abend selbstverständlich noch lange nicht vorbei. Und warum nicht auf dem Heimweg noch schnell ein paar Müllcontainer auf die Straße ziehen, um wenigstens die Mobilität der Bullen einzuschränken oder seinem Frust durch ein kleines Feuerchen Luft machen? Beides konnte mensch an den vergangenen Wochenenden beobachten und beides sorgte für sichtliche Irritationen bei den Cops, denen vielleicht langsam dämmert, dass ihnen die Kontrolle über die Situation zunehmend entgleitet.

Und an all die Krawalltouristen und wütenden Jugendlichen da draußen, die ihr überall in der Stadt auf die Eskalation lauert: Ihr seid nicht alleine, lasst uns gemeinsam überall in der Stadt unkontrollierbare Situationen schaffen.

 

Und wieder brennt ein Mobilfunkmast

Diesmal in Neuperlach am Theodor-Heuss-Platz. In der Nacht auf Mittwoch, den 08. Juli 2020 war dort ein Knall zu hören und ein im Vollbrand stehender Mobilfunkmast zu bewundern. Der Schaden liegt laut Cops bei rund einer Million Euro!

In den letzten Monaten brannten in München vermehrt Funkmasten, zuletzt Ende Mai auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks. Auch hier war Brandstiftung die Ursache für den Brand.

Die durch zahlreiche Funkmasten im Stadtgebiet aufgespannten Funknetze für mobiles Internet, Telefonie, aber auch polizeilichen, militärischen und geheimdienstlichen Rundfunk, bilden in gewisser Hinsicht zusammen mit dem Glasfasernetzes das Nervensystem einer zunehmend überwachteren und kontrollierteren »Smart City«. Wenn alle Gegenstände in der Stadt Augen und Ohren haben und intelligent auf ihre Umgebung, d.h. vor allem passierende Menschen, reagieren, ist es möglich, die urbane Umgebung vollständig zu kontrollieren. Das liegt längst nicht mehr nur im Interesse von Staat und Polizei, sondern ist vor allem Teil einer weltweiten Technologisierung, in der das (menschliche) Individuum zunehmend mehr bloß als Teil einer gigantischen vernetzten Maschine gesehen wird. Tech-Konzerne wie Google, Tesla, Amazon, usw. treiben diese Vorstellung massiv mit voran. Die ersten Resultate sind dabei längst auf unseren Straßen sichtbar: smarte Paketboxen, E-Scooter, smarte Straßenlaternen, Überwachungskameras und Menschen, die die Welt bloß noch durch den Bildschirm ihrer Smartphones wahrnehmen …

Dass wir all das nicht einfach hinnehmen müssen, das zeigt dieser Angriff ebenso wie frühere Angriffe auf Glasfaserkabel oder Funkmasten. Einen Funkmasten abzufackeln ist dabei oft einfacher als gedacht. Ein paar Benzingetränkte Stofffetzen und etwas Gummi wie ein Reifen als weiteres Brennmaterial, ein Funke und dann auf und davon in die durch den Feuerschein erhellte Nacht.

Die Bullen, die Isar und der Tropfen, der alles zum Überlaufen bringt

Dass es an der Isar so nicht weitergehen könne und dass das Konsequenzen haben werde, verkündete Bayerns Oberpatriarch vor einer Woche. Denn trotz Panikschürerei und massiver Repression lassen es sich die Leute nicht nehmen gemeinsam an der Isar zu chillen und Spaß zu haben. Nach den Krawallen in Stuttgart vor zwei Wochen und den oben erwähnten mahnenden Worten unseres so um unsere Gesundheit besorgten Obermackers haben an der Isar (und anderen Orten, an denen Menschen gemeinsam Spaß haben) die Gängeleien durch die Schweine eine neue Dimension angenommen. Massive Polizeipräsenz, (häufig nur mit einer oder zwei Personen besetzte) Wannen mit Flutscheinwerfern, die Patrouille fahren oder „Hotspots“ wie die Wiese am Monopteros vollständig umstellen, Taschenlampenterror, Personalienkontrollen von jeder kleinsten Personengruppe, Räumungen, Kessel, Festnahmen. Gleichzeitig üben sich die Bereitschafts- und USK [1]-Bullen in bisher ungekanntem Ausmaß im „Good Cop“-Spiel, was unter diesen Voraussetzungen immer wieder zu äußerst skurrilen Situationen führt(e).

Dass die Bullen Angst vor einem Krawall nach Stuttgarter Vorbild haben, ist klar. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es einige gibt, die das auch in München probieren wollen. In der gewaltbereiten Szene kann Stuttgart einen Vorbild-Charakter haben. Nach dem Motto: Wenn die das im Südwesten schaffen, dann vielleicht auch wir in München“, meinte auch Bayerns Fast-Oberbulle Wilhelm Schmidbauer. Das hat er gut erkannt. Gründe die Schweine und den Staat zu hassen gibt es genug und mit Beginn der „Corona-Krise“ hat der Staat so deutlich wie lange nicht gezeigt, wie es um unsere angebliche Freiheit steht und bei vielen den Hass und die Wut geschürt.

Auch am Baldeplatz kam es letzte Freitag- und Samstagnacht zu Gängeleien durch die Schweine. Dieses Mal blieb dies allerdings nicht unbeantwortet. Während am Freitag die Cops gegen 1 Uhr morgens die am Baldeplatz chillenden Personen kesselten und gegen teils erfolgreiche Ausbruchsversuche zu kämpfen hatten, nutzten eine oder mehrere findige Personen die Ablenkung, um die Scheiben einer der vielen Copkarren, die überwiegend unbewacht in der Nähe standen, zu zerschlagen. Als am Samstag dann nach stundenlangem „Good Cop“-Theater am Baldeplatz eine Person festgenommen wurde, was Auseinandersetzungen mit der Bullerei zur Folge hatte, wurden an der Wittelsbacherbrücke sowie an mehreren anderen Orten in unmittelbarer Nähe zur Isar und dem Englischen Garten mehrere Mülltonnen angezündet. Trotz stundenlanger Fahndung im Anschluss daran konnten die Schweine wohl niemanden für die Taten verantwortlich machen.

Zwei einfache Handlungen des Widerstands haben die Bullen bereits massiv in Stress versetzt. Sie scheuen sich sogar davor selbst davon zu berichten [2]. Aus gutem Grund, denn was würde wohl passieren, wenn sich diese einfachen Handlungen multiplizieren würden? Wenn man sich nichts mehr gefallen lassen würde, wenn man sich nicht als unschuldiges und unrechtmäßiges Opfer von Polizeigewalt betrachtet, der man einfach ausgeliefert ist und wo man nur an die Politik appellieren kann, das doch nicht so weit zu treiben, dass das „unverhältnismäßig“ sei? Was würde passieren, wenn man stattdessen die Polizei und den Staat als den Feind identifiziert, der einem das Leben immer wieder zur Hölle macht und den man gezielt angreifen kann? Bullen haben Autos, Bullen haben Namen und Adressen. Ein Schal oder eine Maske, ein paar Handschuhe (dank Corona jetzt meist eh bereits massenhaft vorhanden und zur Hand), ein Blick auf potenzielle Kameras oder Denunzianten, ein Stein oder ein Feuerzeug und den Willen sich zu wehren, mehr braucht es eigentlich nicht. Schluss mit der Schikane! Schluss mit zivilem (Un-)Gehorsam! Angriff ist die beste Verteidigung.

Endnoten

[1] USK ist die Prügeleinheit der bayerischen Polizei, die dazu ausgebildet ist Massen von Menschen zu kontrollieren und die viel bei Demonstrationen und Fußballspielen eingesetzt wird.

[2] Mittlerweile haben sie das mit einiger Verspätung dann doch noch getan. Sie berichten, dass sie „massiv beleidigt“ und angespuckt wurden. Hoffen wir, dass sie nächstes Mal massiv eins in die Fresse kriegen.