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Vier Schweine leicht verletzt

Am Freitag, den 18.09., wurden in der Klenzestraße mehreren Autos die Spiegel abgetreten. Eine Snitch – möge sie dafür so richtig auf die Fresse kriegen – verständigte daraufhin die Schweine, die daraufhin versuchten drei in der Nähe befindliche Personen zu schikanieren. Diese reagierten allerdings erfreulicherweise äußerst aggressiv, eine Person versuchte zu fliehen und wehrte sich erheblich, als die Cops sie trotzdem erwischten, wodurch vier Schweine (leider nur) „leicht verletzt wurden“. Die eine Begleitperson bedachte die Schweine daraufhin „mit abwertenden Äußerungen“ – die leider im Bullenbericht nicht genauer spezifiziert werden, aber man kann an dieser Stelle ja seiner Fantasie freien Lauf lassen, mir würde da spontan „Hackfressen“, „Dünnschissgurgler“, „Klosteinlutscher“, „Scheißhausfliegen“, „Abwasserschlürfer“ und „Drecksarschlöcher“ in den Sinn kommen – und versuchte die andere Person zu befreien. Natürlich wurden daraufhin alle drei festgenommen, auf die Wache gebracht und nach erledigter „Bearbeitung“ wieder entlassen. Hoffen wir, dass bei der nächsten Schikaneaktion die Cops nicht nur „leichte“ Verletzungen davontragen…

Heile Welt

Und es ist mal wieder so weit. Man darf nur noch vier Menschen treffen. Oder zwei Haushalte. Maskenpflicht nun auch auf der Straße. Nur in der Innenstadt bisher, aber mal schauen für wie lange. Vorher durfte man übrigens nur zehn Leute treffen. Das wusste ich gar nicht. Immerhin ein Trost, denn das bedeutet, dass mich keiner in den letzten Wochen darauf aufmerksam gemacht hat. Doch jetzt ist München „Risikogebiet“. Andere Gefahrenlage. Nicht ganz so wie im März, aber es geht in eine ähnliche Richtung. Meine Reaktion allerdings ist heute anders als damals. Kein Schock mehr, keine Wut, keine Fassungslosigkeit, eher ein müdes Achselzucken, ein leicht amüsiertes Lächeln, eventuell gerade noch ein Kopfschütteln. Maskenpflicht auf offener Straße, ja warum nicht? Ist was Neues, hatten wir noch nicht. Inzwischen bin ich stolze*r Besitzer*in von mehreren Stoffmasken und vielen Papiermasken – lassen sich leicht zocken, denn es gibt sie endlich überall. „Faceshields“, Stoffmasken mit eingebauten Filtern, so seltsame Plexiglasmasken, die nur Mund und Nase bedecken (keine Ahnung wie die heißen), für jeden Geschmack ist was dabei. Einbahnstraßensysteme in Geschäften, Bibliotheken und sonstigen öffentlichen Einrichtungen. Den*die Fahrer*in in Bus und Tram darf man heute endgültig nicht mehr ansprechen, nun wird es einer*m sogar physisch unmöglich gemacht. Und jedes Mal, wenn ich ein Gebäude betrete – ob öffentlich oder nicht –, überkommt mich der Reflex eine Maske aufziehen zu wollen – ehe ich mich besinne und einmal tief und befreit – maskenlos – ein- und ausatme, wenn mir wieder einfällt, dass es mir an jenem Ort (noch) nicht aufgezwungen wird. Inzwischen krieg ich schon Atemnot, wenn ich das Ding auch nur in die Nähe meines Gesichtes bewege und meine Ohren jucken. Auch wenn ich wo ich nur kann vermeide, das Ding zu tragen, trage ich es doch viel zu oft. Ein netter Nebeneffekt: Vermummter Ladendiebstahl, also das behalte ich bei, solange es geht, selbst wenn doch irgendwann einmal – Ende 2021 meinen einige, doch wird das wirklich je wieder geschehen? – die Maskenpflicht in Läden aufgehoben wird. Normalität hat sich eingeschlichen. Masken tragende Menschen fallen mir nicht einmal mehr auf. Vage erinnere ich mich noch an die Zeiten, als ich noch jedes Mal verwundert den Kopf geschüttelt habe, wenn ich eine Person mit Mund-Nasen-Schutz herumlaufen sehen habe (nicht dass ich damals – ja damals, vor gerade einmal einem halben Jahr – wusste, dass man das Ding „Mund-Nasen-Schutz“ nennt, und wie normal ist es heute). Abstand, AHA-Regel, Risikogruppe, Risikogebiet, Infektionsgemeinschaft, Zoom. Hygiene-Hysterie. Fand ich schon immer hart übertrieben, aber wer hätte gedacht, dass das so weit gehen kann und wird? Also ich nicht. Irgendwo ist das alles superwitzig. An manchen Orten sind so viele Pfeile auf dem Boden und an der Wand und so viele Schilder überall, dass man nur noch total verwirrt ist. Die Masken konkurrieren in gegenseitiger Hässlichkeit und die Verschmelzung von Mensch und Maschine ist in greifbare Nähe gerückt. Bestimmt haben wir bald „smarte“ Masken, die laufend Fieber messen und den Speichel auf Coronaviren testen und die Ergebnisse in Echtzeit an irgendwelche Institute übermitteln. Eine App gibt es ja immerhin schon. Man braucht niemandem etwas zu implantieren, damit er zum Cyborg mutiert.

Plexiglas-Käfige überall und Absperrband, an direkten Kontakt ist man ja gar nicht mehr gewöhnt, so ohne Plexiglas, wie war das eigentlich früher gewesen? Keine Ahnung. Da München jetzt Risikogebiet ist, darf man an viele Orte nicht mehr hinfahren, es sei denn, man legt zwei negative Corona-Tests vor. 14 Tage Quarantäne, Knast quasi, ist alternativ auch ok. „Quarantäne-Verweigerer“ wurden übrigens teilweise zwei Wochen lang von Bullen in Hotels eingesperrt. Totale Entmündigung? Mei, waren wir eigentlich auch schon immer gewöhnt, jetzt ist es nur noch ein bisschen offensichtlicher als sonst. Wenn halt auch die Leute so scheiße unvernünftig sind! Wollen Spaß am Leben haben, wollen leben, nicht nur vegetieren, wo hat man denn so was schon gehört? These unresponsible party people, what the fuck! Da muss man ja zu ihrem Schutz eingreifen, das geht einfach gar nicht. Besser jede*r stirbt vereinsamt in seinem Plexiglas-Käfig an Langeweile und an Zoom-Kaffekränzchen als an Corona. Dass jede Woche etwas anderes gilt, ist auch schon normal. Zum Glück sagen uns die Zeitungen und das Internet, was gerade gilt. Stell dir vor, das Internet wäre kaputt und die Medien niedergebrannt, wie würden wir dann wissen, welches Verhalten gerade von Nöten ist, um dem Virus Einhalt zu gebieten und welche Strafe droht bei Nichteinhaltung? Dann müssten wir selbst denken und handeln und uns mit unserer unmittelbaren Umgebung auseinandersetzen, hinausgehen in diese virusverseuchte Welt! Ein Skandal! Ein schöner Traum, wäre er umsetzbar? – Übrigens: Es gibt auch noch andere Viren, noch viel mehr Viren, wie haben wir es bisher nur geschafft uns in dieser Virenschleuder-Welt masken-, Plexiglas- und schutzlos zu bewegen? Wir waren so verantwortungslos, haben so viele Menschen getötet mit unserem Leichtsinn. Waren jedes Mal, wenn wir jemanden umarmt haben, unsolidarisch. Berührung außerhalb unserer Infektionsgemeinschaft, wie konnten wir das nur tun? Uns dicht gedrängt in einer Menschenmasse aufhalten, wie hat sich das eigentlich noch mal angefühlt? Dass wir nicht ausgerastet sind, weil wir gespürt haben, wie alle möglichen Viren sich sammeln und auf uns einstürmen, um uns zu zerstören. Wie konnten wir nur?

Doch nun leben wir ja glücklicherweise in einer heilen Hygiene-Welt, die so richtig heil wäre, wenn nicht diese verantwortungslosen party people wären! Wer sind eigentlich diese Leute, die positiv auf Corona getestet werden, wie viele von denen machen freiwillig diese fucking Tests, die dann diese Statitisken ermöglichen? Aber wie wir ja schon in der Schule gelernt haben: Glaube nur einer Statistik, die du auch selbst gefälscht hast, vielleicht ist das auch einfach scheißegal. Man sorgt sich ja nur um die Gesundheit aller. Dass auch jemand als krank gilt, der keine Symptome hat, das wundert uns inzwischen auch nicht mehr. Es reicht, dass jemand das Virus hat, dass es in einem drin (kurzzeitig) wohnt, um in die Zahlen aufgenommen zu werden. Wer macht so einen Test, obwohl er gar nichts merkt? Ja ja, die Reiselust, der Arbeitszwang, die Freizeitindustrie, wenn wir Zugang dazu wollen, dann müssen wir uns schon testen lassen. Wie konnten wir das früher übersehen, dass viel mehr Leute eine Krankheit haben als es von außen bemerkbar ist? Immerhin, für einige reicht es auch zu wissen, dass du keine Symptome hast. Wenn du in manche Läden willst, musst du dir nur vorher Fieber messen lassen, musst keine zwei Corona-Tests vorlegen. Das ist schon unverantwortlich, oder? Wir werden erst sicher sein, wenn wir wirklich überall zwei negative Corona-Tests (aktuelle natürlich!) vorlegen müssen. Oh, vielleicht auch erst dann, wenn wir zu niemandem sonst mehr Kontakt haben. Und nicht mehr rausgehen, sondern uns alleine in unserem klinisch desinfizierten Raum aufhalten. Und uns täglich von einer App auschecken lassen. Dauerkontrolle unserer körperlichen Vorgänge. Ist eh dringend nötig, denn wie gesagt, was alle vergessen, es gibt noch mehr Viren als Corona! Und Bakterien! Und Krebs! Und Unfälle! Und…! Und…!

Wie schnell sich alles verändern kann. Früher gab es keine Viren, zumindest nicht so wie heute. Heute spüre ich, wie sie überall auf mich lauern. Die schützende Hand des Staates spüre ich auch so deutlich wie nie zuvor. Wie sie versucht, die Viren von mir fernzuhalten. Aber ich spüre auch, dass dieser Schutz nie vollkommen sein wird. Dass es immer Verantwortungslose geben wird, die – und sollte das Netz der Kontrolle auch noch so dicht werden – immer wieder durch die Maschen schlüpfen werden und machen, was sie wollen. Ich spüre, dass jede Verordnung, und war sie anfangs auch noch so stark, mit der Zeit ihre Wirkung verliert, wie nach anfänglicher Starre alles wieder anfängt sich zu bewegen. Die Drohung von heute gerät morgen in Vergessenheit. Die Maßnahmen werden subtiler. Lokaler. Flexibler. So verwirrend, dass keiner mehr folgen kann und keiner den Überblick behalten. So wie unsere schöne neue Hygiene-Welt zur Normalität geworden ist, so jagen die Drohungen auch nicht mehr denselben Schrecken ein wie vor einem halben Jahr. Denn Leben ist Chaos und Bewegung, nicht Starre und Kontrolle. Maximal vier Leute treffen dürfen, da kann ich nur noch lachen. Vor einem halben Jahr habe ich mich nicht daran gehalten, heute werde ich es auch nicht tun. Und im Gegensatz zu damals beim ersten Lockdown, habe ich es nicht mehr mit etwas absolut Neuem zu tun. Ich habe meine ersten Schritte in dieser neuen Weltordnung bereits getan. Ich habe mich gesammelt. Noch einmal lasse ich mich nicht überrumpeln!

Randale anlässlich des Alkoholverbots in Münchner S-Bahnen 2011

Um das „subjektive Sicherheitsempfinden“ von Fahrgästen zu steigern, wurde Ende 2011 ein allgemeines Alkoholverbot in Münchner S-Bahnen verhängt. Dass das bei all denjenigen, die sich nicht gerade bedroht fühlen, wenn jemand in ihrer Nähe einen Schluck Bier oder Wein zu sich nimmt, nicht gerade auf Begeisterung stieß, war abzusehen.

Nachdem mehrere tausend Menschen einem Aufruf zu einem „MVV-Abschiedstrinken“ gefolgt waren, eskalierte die Situation im Laufe der Nacht an mehreren Bahnhöfen und in den S-Bahnen: Trennwände, Beleuchtungen, Deckenverkleidungen und Glasscheiben fielen der Wut der Menschen zum Opfer. Insgesamt rund 50 S-Bahnen seien nach dieser Nacht beschädigt gewesen, resümierte die Bahn in den Folgetagen und sah darin den Beweis dafür, dass das Alkoholverbot in S-Bahnen eine angemessene „Maßnahme“ sei.

Naja, offenbar kann sich hier jede*r ihre eigene Interpretation zurechtlegen …

Die Münchner Bierkrawalle im März 1844

Eine königlich verordnete Bierpreiserhöhung um einen Pfennig löste im März 1844 viertägige Krawalle in München aus, die mit einer Rücknahme der Bierpreiserhöhung und sogar einer späteren Senkung des ursprünglichen Bierpreises beendet wurden.

Nachdem zuvor bereits der Brotpreis erhöht worden war, eskalierte die Situation in München am 01. März 1844, dem Tag der Bierpreiserhöhung wohl spätestens damit, dass die ersten Zechen ausgestellt wurden. Je nach Quelle sammelten sich daraufhin, ebenso wie an den folgenden Tagen mehrere hundert bis mehrere tausend Arbeiter*innen auf den Straßen Münchens, warfen Scheiben öffentlicher Gebäude und Brauereien ein, zerstörten die Einrichtungen und errichteten Barrikaden. Die Meute zog sogar vor den Palast des Königs, wo sie vom Militär, das sich zuvor – wohl aus Sympathie mit dem Anliegen – geweigert hatte, die Aufstände niederzuschlagen, gestoppt wurde. Nachdem dem König in den folgenden Tagen ein prestigeträchtiger Theaterbesuch vermiest wurde und die Ausschreitungen weiter anhielten, nahm der König die Bierpreiserhöhung am 05. März 1844 zurück. Daraufhin endeten die Ausschreitungen.

„Um dem Militär und der arbeitenden Klasse einen gesunden und wohlfeilen Trunk zu bieten.“ wurde einige Monate später, im Oktober 1944 der Bierpreis sogar noch einmal um 1 1/2 Kreuzer herabgesetzt.

Der britische Revolutionärsschnösel Engels, der die Ereignisse aus der Ferne mit den Worten „Wenn das Volk einmal gelernt hat, dass es der Regierung […] Angst einjagen konnte, dann wird es schnell erkennen, dass es eben so einfach ist, ihr auch bei wichtigeren Angelegenheiten das Fürchten zu lehren“ kommentierte, verkannte dabei schon damals, dass es weder eine wichtigere, noch eine unwichtigere Angelegenheit als eine Bierpreiserhöhung gibt, um zu revoltieren. Als neuer Möchtegern-Anführer der Revolution braucht es für Engels freilich irgendeinen gewichtigen Anlass, der spätestens nüchtern betrachtet dann seine eigene Herrschaft legitimieren soll. Wer jedoch aufrichtig gegen jede Form der Herrschaft rebelliert, die*der braucht doch sicher keine „wichtigere Angelegenheit“ als die Erhöhung des Bierpreises oder vielleicht neurdings ein Alkoholverbot. Wenn die möchtegern-revolutionären Autoritäten von mir verlangen aus diesen oder jenen richtigen Gründen zu rebellieren, dann erfüllt mich die Revolte aus den aus ihrer Sicht „falschen Gründen“ doch mit der größten Genugtuung. Also her mit dem Bier und dann nichts wie weg mit der Flasche in Richtung der Bullen!

Übrigens kam es auch nach 1844 immer wieder zu kleineren Randalen aufgrund von unliebsamen Regelungen hinsichtlich des Bieres in München. Beispielsweise im Oktober 1848.

Brandlegung an Müllcontainern und ein beschädigter E-Scooter

Die Bullenpresse berichtet, dass in der Nacht auf Samstag, den 09. August 2020 zwei Müllcontainer in der Fasanerie von Jugendlichen in Brand gesteckt wurden. Zuvor hatten diese den Cops zufolge auch einen der ewig-nervenden E-Scooter beschädigt. Leider wurde die Gruppe in der Nähe des Brandherdes von Cops aufgegriffen.

Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, sich auch nach dem Anzünden von Müllcontainern zügig vom Ort des Geschehens zu entfernen, auch wenn der Anblick dieses städtischen Lagerfeuers zweifelslos anziehend wirkt.

Bullenkarre trifft Bullenhass

Am vergangenen Samstag, den 25. Juli,wurde eine Bullenkarre Opfer eines Tritts gegen die Heckstoßstange, welche daraufhin zerbrach. Aufgrund eines in der Nähe befindlichen Hobbycops wurde kurze Zeit später eine Person in Gewahrsam genommen. Bei Durchsicht ihres Handys wurde ein Foto festgestellt, auf dem sie vor derselben Karre mit ausgestrecktem Mittelfinger posierte.

Viele Bullenkarren stehen immer wieder spontan unbewacht irgendwo herum. Ein kleiner ebenso spontaner Tritt, für den es weder Vorbereitung noch Material braucht, kann bereits mehrere hundert Euro Schaden verursachen und für einen kleinen Moment den Hass etwas lindern. Und falls wieder ein Hobbycop in der Nähe steht… kann ein weiterer kleiner Tritt bestimmt auch nicht schaden!