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Der Aufstand in Minneapolis und die Zerstörung des 3. Polizeireviers

Einige Auszüge aus einem Interview zu den Ereignissen in Minneapolis:

„(…) Die Community der Twin Cities hat in den letzten paar Jahre schon mehrere Beachtung findende Polizeimorde an Individuen gesehen. 2015 wurde Jamar Clard von der Polizei ermordet während er am Boden lag, Hinrichtungsstil, mit Pistole, auf kurze Distanz, nur ein Block vom 4. Polizeirevier von Minneapolis entfernt. Während den Protesten welche folgten gab es eine mehrwöchige Belagerung des 4. Reviers welche in Molliangriffen auf die Polizeistation kulminierte, ebenso gab es andere Scharmützel zwischen Protestierenden und Polizei. Während jener Zeit tauchten weisse Rassisten [white supremancists] auf und schossen auf mehrere Black Lives Matter Aktivisten.

Dann erschossen die Bullen 2016 in den Twin Cities [Minneapolis & St. Paul] Philando Castile während einer Verkehrskontrolle, bei der er auf dem Mitfahrersitz eines Autos mit seiner Partnerin und Kind sass, welche seine letzten Momente live auf Facebook streamte während er ausblutete. Während den Protesten welche auf den Mord an Philando Castile folgten wurden Autobahnen von Protestierenden blockiert und eskalierte Taktiken, einschliesslich des Feuerns von Mörserfeuerwerken in Polizeilinien, angewandt.

Dieses öffentliche Lynchen durch die Polizei, zusammen mit tausenden mehr in den letzten Jahren in den Vereinigten Staaten, sind nur ein kleiner Teil eines viel grösseren historischen Kontexts, von dem, was zum Aufstand über das polizeiliche Lynchen von George Floyd führte. Wenn der gegenwärtige Aufstand in den Vereinigten Staaten darin scheitert eine reale und unmittelbare substantielle Veränderung zu schaffen, dann wird der Konflikt, den man in diesem Land in den letzten Wochen gesehen hat rasch zu eskalieren fortfahren und möglicherweise in einen ausgewachsenen Bürgerkrieg auslaufen.

Farbige Menschen stehen auf und konfrontieren ihre Unterdrücker, teilweise aufgrund der Tatsache, dass es eine hohe statistische Wahrscheinlichkeit gibt, dass sie von der Polizei ermordet werden, egal ob sie zurückschlagen oder nicht. Einfach ausgedrückt: es gibt für die Leute keine Angst zurückzuschlagen weil es keine Hoffnung und keine Zukunft gibt es anders zu tun.

(…)

Am Tag nachdem George Floyd von der Polizei ermordet wurde, begaben sich die Protestierenden der Community zum Polizeirevier im 3. Bezirk, all die Wut und Hoffnungslosigkeit vom Kampf gegen vergangene Polizeimorde im Gepäck. Die Protestierenden zertrümmerten Polizeiautos während die Bullen sich, blast ball Granaten [Eine Art Blendschockgranaten mit Tränengas kombiniert] werfend und mit weniger-tödlicher Munition schiessend vor der schnell vorstossenden Menge zurückzogen.

Am nächsten Tag versammelten sich Protestierende einmal mehr ausserhalb des 3. Reviers, errichteten Barrikaden in den Strassen und schmissen Steine auf die Fenster der Polizeistation. Schwerbewaffnete Bullen mit Riot-Helmen, Schlagstöcken, Pistolen und grossen Gewehren standen vor dem Hauteingang zur Station. Taktische Einheiten standen auf einer hohen Ebene entlang des Daches der Wache und schossen auf die Protestierenden mit „weniger-tödlicher“ 40mm Markierungsgeschossen [marker rounds], Granaten und Tränengas.

Die Situation spielte sich ab wie eine revolutionäre Kriegswiedereinsetzung, in welcher die Polizei Salven von Projektilen in die Gesichter und Genitalien der Protestierenden feuerte, aber ohne dass die Protestierenden Salven zurückfeuerten. Es begannen Protestierende zu Boden zu gehen, schreiend, da ihre Augen zerstört wurden, und Luftröhren kollabierten durch den Hochgeschwindigkeitseinschlag von den 40mm Markierungsgeschossen.

Ärzte und andere Freiwillige trugen die Verwundeten zu nahestehenden Fahrzeugen, welche schnell ins Spital fuhren, während andere damit begannen, naheliegende Läden zu plündern und Gebäude anzuzünden. Dies verringerte die Stärke der Polizeikräfte die das 3. Revier verteidigten, insofern als diese schnell verschiedene Rioteinheiten abziehen mussten um die Feuerwehr zu den Feuern in der Stadt zu eskortieren.

Bei Einbruch der Dunkelheit hatte die Polizei komplett die Kontrolle über die Stadt verloren und die Protestierenden besetzten verschiedene Blocks rund um das 3. Revier. Mit dem folgenden Tag hatte sich die Nachricht in den Twin Cities verbreitet, dass die Polizei nicht fähig war das Chaos und das Plündern zu stoppen, welches um den Mittag rum in St. Paul bei hellem Tageslicht begonnen hatte. Bullen von verschiedenen Zuständigkeitsbereichen befanden sich einer viel grösseren Menge von Protestierenden und umherziehenden Gruppen von mit Brecheisen und anderem Brechwerkzeugen bewaffneten Plünderern gegenüber. Während Blocks von Geschäften in St. Paul in Flammen aufgingen, begaben sich Protestierende an diesem Abend wieder zum 3. Revier hin. Verschiedene grosse Strukturen im Gebiet rund um das 3. Revier, welche der vorangegangenen Nacht zu Asche reduziert wurden, qualmten noch immer.

Derweil suchten Protestierende welche Gasmasken und Helme trugen Steine und Sperrholz zusammen um den eskalierten Kampf gegen die Polizei vorzubereiten. Polizisten auf dem Hausdach setzten ihre Strategie, auf die Protestierenden hinunterzufeuern, fort. Inzwischen wussten die Protestierenden welche Taktiken und Munition von der Polizei zu erwarten war und spürten auch eine extreme Hoffnungslosigkeit, hatten sie doch den Tag zuvor ihre Freunde schreckliche Verletzungen erleiden sehen. Einige Protestierende brachten kugelsichere Kevlar-Anzüge, Molotov Cocktails, Steinschleudern, Motorsägen, Paintballausrüstung, Pistolen, und sogar Sturmgewehre. Es war klar, dass diese Nacht anders als jede andere Nacht sein würde und dass, auf die eine oder andere Art, die Community die Polizeistation runterbrennen würde.

Als die Strassenschlacht in Grösse und Intensität wuchs, erkannten die Bullen bald, dass ihre Leben in höchster Gefahr waren.

Tausende von Protestierenden stiessen mit Schildwällen durch die Wolken von Tränengas vor, zerdepperten Fenster auf Bodenhöhe, während Protestierende von hinten den Vorstoss mit dem feuern von Mörserfeuerwerk gegen die Polizei, welche mit „weniger-tödlichen“ Gewehren vom Dach schoss, deckten. Ein Polizist auf dem Fach schien direkt vom Mörserfeuerwerk getroffen zu sein, was ihn eine Granate fallen liess, welche adrupt in seinem Gesicht explodierte. Die Bullen auf dem Dach zogen sich schnell ins Gebäude zurück, während eine andere Gruppe versuchte den Vorstoss der Protestierenden ausserhalb des Gebäudes zu flankieren.

Als die Sonne unterging waren die Feuer in der Stadt Berichten zufolge von 30 Meilen entfernt zu sehen, im nahegelegenen Staat von Wisconsin. Als die Dunkelheit einsetzte begann die Polizei das 3. Revier zu evakuieren. Die Menge stiess zur Polizeibarrikade vor, warf Steine nach den Bullen und riss Zäune nieder während dutzende Polizisten um ihr Leben rannten, raus auf der Hinterseite des 3. Reviers. Ein Konvoi von panischen Polizisten fuhr ihre Einheitswagen durch deren eigenes geschlossenes Einganstor, während hinten ein gepanzertes BearCat-Gefährt 40mm Markierungsgeschosse in die rapide vorrückende Protestmenge schoss, so fuhren sie hinaus in die Nacht. Mündungsfeuer konnten in die Nacht blitzend gesehen werden, da Tausende Protestierende jubelten und durch das Abfeuern von Magazinen und Feuerwerk feierten.

Protestierende begannen schnell durch verschiedene Eingänge zugleich in die Wache einzubrechen, einige vorne und einige hinten. Man sah Protestierende Überwachungskameras zertrümmern, während andere Molotov Cocktails in die Fenster des zweiten Stocks schmissen. Die Leute arbeiteten zusammen um die Türen zur Wache aufzubrechen, behelfsmässige Rammböcke benutzend, während andere Äxte, Vorschlaghämmer, Schrotflinten und Handkreissägen benutzten. Nach einem ziemlichen Aufwand schwangen die Türen auf und die Protestierenden stürmten in das 3. Revier. Bewaffnete Protestierende welche Pistolen und Sturmgewehre trugen bewegten sich mit der Menge vor. Feuer und Schatten konnten in den Fenstern gesehen werden als einige Protestierende draussen mit neuerworbenen Polizeiuniformen, Riothelemn, Kevlarwesten und Polizeiknüppeln paradierten. Die komplette Wache wurde umgehend zertrümmert und geplündert während eine andere Gruppe von Individuen IED’s [improvised explosive devices; dt.: Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung; USBV] reintrug, aus Propangasbehältern gemacht, um das Gebäude zu sprengen. Am Ende der Belagerung war die komplette Front des 3. Reviers in Flammen gehüllt, mit Protestierenden die in den Strassen von Süd-Minneapolis feierten. Diese Nacht rief der Gouverneur von Minnesota die Armee der National Garde um die Kontrolle über sowohl St. Paul als auch Minneapolis zurückzuerlangen.

Die folgenden Tagen waren voll mit schnellst eskalierenden Konflikten zwischen der Community, Polizei und Armee, welche auch damit begann Sturmgewehre mit scharfer Munition zu tragen. Mehr Gebäude gingen in Minneapolis in Flammen auf.

Die meisten der abgefackelten Geschäfte waren jene, welche die Armen und Farbigen für Jahrzehnte ausgesaugt hatten, wie etwa Zahltagskreditvergeber [pay-day loans; etwas wie „Minikredit“] und Banken.

Gruppen von Plünderern konnte man dabei beobachten, wie sie elektrische Sägen an Geldautomaten benutzten während andere mit Pistolen dabeistanden und ihre Räubereien beschützten. Während jedem nächtlichen Scharmützel beamten Laser zwischen Protestierenden und Heckenschützen der Polizei hin und her, während militärische UH-60 Black Hawk Helikopter und Raubtierdrohnen [so wird das Drohnenmodell „General Atomics MQ-1″ genannt] über der Stadt kreisten.

Nach Tagen der Unruhe begann die Community sich neu zu versammeln und am Ort an dem George Floyd ermordert wurde eine friedliche Besetzung zu formen. Dort kann man Mitglieder der Community sehen wie sie Dosenfrass verteilen, ein Barbeque grillen und Pläne diskutieren die Polizeibehörde abzuschaffen.

(…)

In Minneapolis kommen jetzt die Arbeiterklasse-Leute aller Farben in den Strassen zusammen und benutzen verschieden Formen der direkten Aktion um Druck auf jene an der Macht auszuüben, die Polizeibehörde abzuschaffen. Nach den ersten paar Tagen des intensiven urbanen Konflikts in den Twin Cities kommt die Community jetzt zusammen um die Grundbedürfnisse ihrer Nachbarn zu unterstützen. Die Gegend im Süden von Minneapolis, wo George Floyd ermordet wurde, ist jetzt von der Community blockiert und besetzt, dort werden verschiedene Dienstleistungen für umsonst für die Bedürftigten angeboten, so wie Essen und medizinische Versorgung. Polizeipatrouillen haben in vielen Teilen der Twin Cities drastisch abgenommen seit der Aufstand begann. Während die Belagerung des 3. Reviers darin erfolgreich war, die Polizei dazu zu bringen, die Community zu verlassen, ist die befriedigendste Errungenschaft wie die Community zusammenkommt um alternativen zu den unterdrückerischen Polizierungsmethoden zu finden, welche sie so lange geplagt haben.“

Aus: ‘Something has changed in the power dynamic’; https://anarchistnews.org/content/%E2%80%98something-has-changed-power-dynamic%E2%80%99

[Minneapolis, USA] Riots und Plünderungen nach Ermordung von George Floyd

Nachdem in Minneapolis George Floyd von Cops auf der Straße liegend und vor laufenden Kameras ermordet wurde, brachen in der Nacht auf Donnerstag heftige Riots in der Stadt aus. Es kam zu Straßenschlachten mit den Cops, Plünderungen und brennenden Barrikaden. Zahlreiche Autos gingen in Flammen auf und Geschäfte und Behördengebäude wurden zum Teil in Schutt und Asche gelegt.

Auch das Polizeigebäude von Minneapolis sei von wütenden Menschen gestürmt worden, die darin mehrere Brände entfacht haben.

Im Verlauf der Proteste wurde eine Person mit einer Schussverletzung aufgefunden und verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus.

US-Präsident Donald Trump drohte den Plündernden Menschen unterdessen damit, dass er auf sie schießen lassen werde und die Regierung entsandte die Nationalgarde nach Minneapolis. Unterdessen brachen auch in Denver, New York, LA und anderen Städten der USA Riots aus.