Tag Archives: Liebig 34

Unter welcher Flagge ziehst du in den Krieg?

34 Millionen Euro Sachschaden sollen erzielt werden, wenn die Liebig 34 in den nächsten Tagen von einem martialischen Aufgebot an Cops geräumt werden wird. 34 Millionen, das ist selbst für die aktivsten Brandstifter*innen eine Summe, die sie alleine bestenfalls in 10 Jahren, vielleicht sogar erst am Ende ihrer Karriere als Militante erreichen dürften. Mit eingeworfenen Schaufensterscheiben und umlackierten Firmenfahrzeugen braucht mensch sich da gar nicht aufhalten. Die paar tausend Euro Sachschaden – die ja rmeist von den Cops noch weit übertrieben sind –, sie sind bedeutungslos. Nein, was eine solche Summe erfordert sind Totalschäden an Autos – etwa weil sie ausgebrannt sind –, aber nur an den hochpreisigen, es sind brennende Baufahrzeuge, die immerhin meist eher im Bereich um die 100.000 Euro zu Buche schlagen und es sind brennende Mobilfunkmasten, Bahnanlagen und andere Hightech-Infrastruktur, zumindest wenn ich mir einmal die Sachschaden-Resultate solcher Angriffe in den letzten Jahren vor Augen führe. Du glaubst, wenn du das Auto von irgendeinem Immobilien-Arschloch besprühst, hättest du etwas zu der ausgegebenen Schadenssumme beigetragen? Pustekuchen, das macht vielleicht 0,03 Promille (!!!) der Schadenssumme aus, 0,0003 Promille, wenn die*der Eigentümer*in sich selbst mit Nagellackentferner zu helfen vermag. Und doch könnte der Beitrag eines besprühten Autos größer sein, als der einer brennenden Bahnanlage, etwa weil er der richtigen Person genug Drohung ist, um ihren Beitrag zur Räumung nicht zu leisten. Manchmal soll ja sogar gar kein Sachschaden für so etwas ausreichen, man denke beispielsweise an die Immobilienmaklerin, die einst einen Gruß aus Connewitz ausgerichtet bekam, vielleicht hat es ihre Haltung ja geändert, wer weiß.

Die Logik des Sachschadens, ja sie hat ihren Reiz, tröstet sie eine*n doch immer wieder über die eigentliche Wirkungslosigkeit der eigenen Angriffe hinweg. Und ich will ja gar nicht sagen, dass hoher Sachschaden gerade in einer profitorientierten Welt nicht durchaus seinen Reiz hat, aber doch sollte man sich nicht allzu große Illusionen ob des Ganzen machen: Im Endeffekt werden Sachschäden in der Regel von Versicherungen gezahlt und wer glaubt, damit wenigstens den Versicherungen Schaden zuzufügen, die*der hat noch nicht verstanden, wie dieses Business funktioniert: Die haben doch längst darauf gewettet, dass eine*r wie du ausrastet und mal den ein oder anderen Bagger abfackelt. Für sie ist das nicht mehr als ein bisschen hin- und hergeschubse von Zahlen. Einerseits zahlen sie der Baufirma einen neuen Bagger, andererseits kassieren sie ihren Wettgewinn anderswo ab. Das ist freilich kein Grund, den Bagger nicht abzufackeln, schon alleine weil dann ja erstmal ein neuer Bagger hergeschafft werden muss, bevor es weitergehen kann, aber gerade wer sich alleine auf dem verursachten Sachschaden eines Angriffs ausruht, ja wer diesen Sachschaden zum alleinigen Wert eines Angriffs erhebt, die*der sollte vielleicht auch mal darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht auch recht unangenehme Akteur*innen gibt, die von dem ganzen Sachschaden profitieren – zum Beispiel die Autoindustrie. Jaja, wo soll man in einer zunehmend kybernetischen Welt, in der die destruktive Zerstörung auch nur eine weitere Feedback-Schleife zu sein scheint, überhaupt noch angreifen?

Aber vielleicht ist das auch gar nicht die relevante Frage. Vielleicht geht es vielmehr darum, welche Ziele ein Angriff verfolgt. Möglichst viel Sachschaden, um den Preis einer Räumung in die Höhe zu treiben? Was heißt das im Umkehrschluss? Und vor allem, wie muss das von außen interpretiert werden? Und da geht es mir nicht um irgendeine bescheuerte „Vermittelbarkeit“ des Angriffs. Aber wenn ich vernehme, „Wenn die Liebig 34, die Rigaer 94, das Syndikat oder irgendein anderes Szeneobjekt geräumt wird, dann treiben wir den Preis für die Räumung durch 1 Million – oder eben 34 Millionen – Euro Sachschaden in die Höhe“, dann frage ich mich schon: Was ist denn, wenn diese Räume nicht geräumt werden? Gibt es dann keinen „Sachschaden“ – also keine Angriffe? Beschränkt sich der „Sachschaden“ dann nur auf die paar Tags in der Umgebung dieser Räume, auf die paar Anti-Gentrifizierungs-Spaziergänge im direkten Umfeld dieser Objekte? Natürlich nicht, das ist mir schon klar, aber dennoch scheint die Intensität des Angriffs zu Zeiten der Räumung irgendeines Szeneobjektes in Berlin schon immer deutschlandweit zuzunehmen. Die Wahrnehmung außerhalb einer (militanten) Szene muss aber sowieso sein: Wenn diese Leute ihre Räume verlieren, dann stiften sie Chaos, wenn sie aber ihre Räume behalten (dürfen), dann sind sie eigentlich ganz friedlich oder beschränken sich zumindest auf ein „Gefahrengebiet“. Und ist diese Deutung nicht irgendwo doch nicht so weit hergeholt?

Letztlich ist die Drohung mit soundsoviel Sachschaden im Falle einer Räumung ja schon ein zutiefst politisches Manöver. Sicher, man weigert sich, direkt mit der Politik zu verhandeln, aber die außerparlamentarische Erpressung „Verzicht auf Räumung oder Sachschaden“ verbleibt doch in der Logik der Politik. Befriedung muss ja nicht notwendigerweise dadurch stattfinden, dass die Menschen in die Parlamente eingebunden werden. Es reicht ja bereits, ihnen die Illusion zu geben, sie könnten sich dem ganzen politischen Unsinn widersetzen, der Staat würde es nicht wagen, sie anzufassen. Und während man dann vielleicht seine eigene Gefährlichkeit mehr zelebriert als praktiziert, wartet der Staat auf eine opportune Gelegenheit, um diesem ganzen Rebell*innentum irgendwann dann doch mit seinem übermächtigen Arsenal ein Ende zu bereiten. Ob 1000 Cops, 2500, 5000 oder gar 20.000? Was spielt es für eine Rolle? Wenn man ehrlich ist, reichen sogar 20 Bullen mit Sturmgewehren und es ist aus mit der Rebellion, denn in seiner ganzen Gefährlichkeit hat man dann doch eine wesentliche Sache versäumt: sich zu bewaffnen. Und bei all den (Gegen)machtspielchen um ein „Gefahrengebiet“ mit dem Staat, geht da nicht etwas wesentliches verloren? Dass es nämlich nicht darum geht, ein Haus, eine Straßenecke, ein Viertel oder auch einen Wald gegen den Staat zu verteidigen, sondern vielmehr darum, den Staat zu beseitigen und mit ihm alle Institutionen, die ihn gleich wieder aufs neue hervorbringen könnten/würden. Oder geht es darum überhaupt? Sicher nicht allen, die sich für einen Erhalt der Liebig 34, der Rigaer 94, des Syndikats, des Hambacher Forsts, usw. eingesetzt haben und einsetzen. Gewissermaßen ist der – letztlich nicht nur auf militanter Ebene geführte – Verteidigungskampf dieser Räume eine Art kleinster gemeinsamer Nenner. Ein Bündnis mit nur allzu liberalen Kräften, die schließlich versuchen auch die systemfeindlichen Kräfte zu rekuperieren und die – das haben sie oft genug unter Beweis gestellt – einem radikalen Kampf gegen das System ohnehin bei der erstbesten Gelegenheit in den Rücken fallen.

Ich habe keine klare Antwort auf diese Fragen und es geht mir nicht darum, die Entscheidungen derjenigen, die sich dem Kampf um Räume wie die Liebig 34 angeschlossen haben, zu kritisieren. Aber in einer Zeit, in der es wenigstens so scheint, als hätte sich die gesamte militante Szene – der das Politik machen immerhin auch sonst nicht unbedingt fremd zu sein scheint – unter dem Banner des Erhalts der Liebig 34 vereint, einem Banner, das letztlich eine (lokal)politische Forderung vertritt, scheint es mir angemessen, diese Fragen einmal mehr aufzuwerfen. Möge jede*r darauf seine*ihre eigene Antwort finden.

[Karlsruhe] Fahrzeuge von Big Security abgefackelt

In der Nacht auf den 01. August 2020 wurden in Karlsruhe drei Fahrzeuge des Sicherheitsunternehmens Big Security abgefackelt. In einem Communique stellen die Angreifer*innen diesen Angriff in einen Zusammenhang mit der räumungsbedrohten Liebig 34 in Berlin und skizzieren die Gründe für ihren Angriff.

„[…] Für die Sicherung des Konzeptes Stadt und damit auch für die Sicherung von Interessen wie Aufwertung von Stadtvierteln, das Anlocken von Investor*innen usw. und die damit einhergehende Verdrängung, sowie wer an verschieden Orten erwünscht ist und wer eben nicht, sind verschiedene Akteur*innen verantwortlich. Neben vielen anderen sind das Polizei, Ordnungsamt, Justiz und auch private Sicherheitsfirmen. Letztere sind diejenigen, die Ausschluss und Eigentum durchsetzen. […]“

[Berlin] Auto von Padovicz-Anwalt vor Liebig34-Prozess zerstört

Ferdinand Wrobel, seit einigen Jahren macht er die Drecksarbeit für eines der größten Immoarschlöcher der Stadt: Gijora Padovicz. Egal ob Padovicz bei seinen kriminellen Machenschaften verteidigen, MieterInnen rausklagen, gegen BesetzerInnen klagen oder Strohmannfunktionen in seinem Immobiliengeflecht übernehmen: Wrobel ist immer mit dabei.

Padivicz‘ Strategie der maximalen Rendite und Aggressivität gegenüber seinen MieterInnen geht dabei mit Wrobels Hilfe viel zu oft auf. Denn viele MieterInnen sind immernoch vereinzelt und verängstigt. Anders verhält es sich mit der Liebig34 und uns. Es ist keine allzu kühne Vorhersage dass die Räumung für euch ein Minusgeschäft wird und noch für einige schlaflose Nächte sorgen wird. Letzte Nacht haben wir unseren Teil dazu beigetragen.

Nachdem am Montag bereits eine Firma der Wrobel vorsteht angegriffen wurde(https://de.indymedia.org/node/61972), traf es heute Nacht sein Privatauto in seinem Friedenauer Heimatkiez. Der Seat mit dem Kennzeichen B-WR 2016 dürfte nach der Bearbeitung mit Hämmern, Bauschaum, Farbe und Buttersäure nurnoch Schrottwert haben.

Uns ist es dabei wichtig zu betonen dass die Person Ferdinand Wrobel an sich uns völlig egal ist. Uns geht es nur um seine Rolle innerhalb der kapitalistischen Verdrängungsmaschinerie. Auf der Internetseite seiner Kanzlei Lascar Legal heißt es:

“Herr Wrobel berät überwiegend in zivilrechtlichen Fragestellungen aus dem Immobilienrecht. Zu seiner Expertise gehören die juristische Strukturierung und Entwicklung von Gewerbe- und Wohnraumimmobilienportfolios. Herr Wrobel vertritt hierbei insbesondere Vermieter, Grundstückseigentümer und Hausverwaltungen.“

Wer sein Geld auf dem Rücken der MieterInnen dieser Stadt verdient, wer meint selbstverwaltete Projekte sollen verschwinden, dem Empfehlen wir ganz klar: Wechsle deinen Job oder stelle deine juristische Expertise in Zukunft in den Dienst der MieterInnen. Darüber kannst du ja mal nachdenken wenn du und deine Bodyguards heute mit dem Taxi zum Liebig34 Prozess fahren.

Quelle: Indymedia

[Berlin] Beim Räumungsprozess der Liebig34 geht’s tumultig zu

„Landgericht Tegeler Weg heute morgen [15. November]: Farbanschläge gegen das Gericht, eine Bombendrohung, die Mandant*innen kurz vor Beginn unter Vorwand von den Bullen eingesackt, eine kurzfristige Saalverkleinerung, massive Sicherheitskontrollen, Cops die uns brutal aus dem Saal zerren und eine teilweise und distanzlose und respektlose Presse […]. Am Ende der Verhandlung wurde die Öffentlichkeit mit Ausnahmen einiger Pressevertreter*innen ganz ausgeschlossen. […] Alle nicht cis-männlichen Personen vor dem Gericht haben eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Widerstand bekommen. Auch wenn sie gar nicht im Gerichtssaal waren. Darüber hinaus hat die Präsidentin des Landgerichts uns kollektiv und auf uns unbekannte Zeit Hausverbot ausgesprochen. […] Wir haben dem Gericht bereits heute morgen gezeigt, was wir von der Justiz im kapitalistischen Nationalstaat halten: Nichts. Was interessiert uns was der Richter Herr Borgmann drüber denkt, ob wir in unserem Zuhause bleiben dürfen oder nicht. […] Was wir dazu sagen? Wir antworten mit drastischen Maßnahmen! […] Wrobel, Padovicz und Siganadia haben heute kein Versäumnisurteil gegen uns erlangt! Der Prozess wurde auf den 13.12. verschoben, da die Menschen, die heute die Liebig34 vor Gericht vertreten sollten, bereits vor der Verhandlung festgenommen wurden. […]

Wir haben nichts mehr zu verlieren!

Wir werden weiterhin in unserem Haus bleiben!

Wir werden keinen Cent Miete mehr bezahlen!

Wir werden in unserem Zuhause bleiben und es bis zuletzt verteidigen!“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Flammen für Liebig34

„Am Abend des 10. Novembers haben wir, wenn auch nur vorübergehend, zwei Geldautomaten der Firma Euronet zerstört, die sich auf dem Eigentum der Firma Real Estate Padovicz befinden. Diese Wahl ist natürlich kein Zufall, sondern versteht sich als Solidaritätsaktion in Hinblick auf den Räumungsprozess der Liebigstraße 34 und als Antwort auf die Pläne von Padovicz.“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Gentrifizierungsvorantreiber*innen angegriffen

„Eine Villa im besseren Teil des Berliner Stadtteils Karlshorst. Hier residiert die Familie Tragsdorf, Andrea – zuständig für die Hausverwaltung der Liebig34, Tilo – ehemaliger Wirtschaftsstadtrat von Friedrichshain, Sohn Tom – ganz frisch im Immobiliengeschäft. Hier trug sich letzte Nacht [vom 12. auf den 13. November] zu, was längst überfällig war: in der Gundelfingerstr.49 klirrten die Scheiben im Erdgeschoss, ein Auto wurde geplättet und noch mehr am Ego kratzen sollte der SUV, der von innen mit Buttersäure besudelt wurde. Unser bescheidener Beitrag zum Räumungsprozess der Liebig34 am Freitag (9h Landgericht Berlin, Tegeler Weg). […] Ob die Liebig34 erhalten bleibt entscheidet sich nicht im Prozessaal, sondern auf der Straße! Für einen militanten Queer-Feminismus: Eskalation statt Räumung!“

Quelle: Indymedia

[Berlin] Steinlieferung im Büro von Pandion abgegeben

In der Nacht auf Donnerstag, den 25. Juli lieferte ein namensloses Zerstörungsteam eine Fuhre Steine an die Investorfirma „Pandion 4 Living“ aus. Weil auf’s erste anklopfen gerade keine*r öffnete, beförderten die Lieferant*innen die Steine kurzerhand durch die Glasscheibe ins Ladeninnere und hinterließen einen Zustellungshinweis an der Fassade.

Die Zusteller*innen erklärten sich solidarisch mit der Liebig 34, sowie den 3 Gefährt*innen von der Parkbank, von denen derzeit zwei in Hamburg in Untersuchungshaft sind.

Weitere Infos bei Indymedia.