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[Nancy, Frankreich] Zwei Texte über die Verurteilung von B. für die Sabotage von Funkmasten

Nancy: Funkmast-Brandstiftungen, 4 Jahre, davon zwei auf Bewährung für B.

Indymedia Nantes, 19. Mai 2021

Seit der Anklageerhebung gegen ihn am 24. September 2020 für die Brandstiftung an zwei Funkmasten während des ersten Lockdowns im Jura inhaftiert, ist B. heute zu vier Jahren Knast verurteilt worden, davon 2 auf Bewährung.

Er ist quasi unter Verschluss verurteilt worden, ohne Anwalt, mit einem Journalisten und zwei Familienmitgliedern als einziges Publikum, während etwa zwanzig Personen außerhalb des Gerichts in Nancy anwesend waren, um ihre Solidarität zu zeigen.

Etwa ein dutzend Cops waren extra gekommen um uns davon abzuhalten das Gericht zu betreten und wir durften uns eine langatmige Rede vom Staatsanwalt über die neue sanitäre Justiz anhören. Die Anhörungen seien öffentlich, aber nicht zu sehr. Lediglich die Familienmitglieder dürften manchmal, „ausnahmsweise“, hinein. Er hat es sich gespart uns zu sagen, dass das nicht für Journalisten gilt.

Der Gefährte hatte eine Verschiebung verlangt, da er sich wünschte seine Verteidigung besser vorzubereiten, dass die Anhörung wirklich öffentlich sei und in Anwesenheit seiner Anwältin, die, dadurch dass ihr zu spät Bescheid gesagt wurde, nicht mehr rechtzeitig zum Prozess kommen konnte.

Er hat seine Handlung und seine Gründe noch einmal bestätigt. Wir haben leider bisher keine Abschrift dessen bekommen, was er gesagt hat. Der Staatsanwalt hat dreieinhalb Jahre gefordert, davon eineinhalb auf Bewährung, die Richter verurteilten ihn zu vier, davon zwei auf Bewährung. Zur Erinnerung, die Staatsanwalt hatte ihm ein „CRPC“ [alles zugeben und bereuen, um weniger Strafe zu bekommen] vorgeschlagen. Der Deal: drei Jahre, davon die Hälfte auf Bewährung, im Austausch für eine Entschuldigung, was er abgelehnt hat.

Er hat zehn Tage um Berufung einzulegen, Informationen folgen.

Als das Urteil gerade verkündet worden war, konnten wir einen Blick auf B. erhaschen, umringt von Schließern, wie sie ihn hastig in ein Auto bugsierten. Wir sind ihm einige Meter gefolgt und haben ihn unsere Wut und unsere Freiheitsschreie hören lassen.

Es wundert uns nicht, dass die Richter einer Verschiebung nicht zugestimmt haben und ihn ohne die Anwesenheit eines Publikums noch die eines Anwalt verurteilt haben, dass sie über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinausgegangen sind und unseren Gefährten für noch zahlreiche weitere Monate ins Gefängnis von Nancy-Maxéville zurückgeschickt haben.

Sie wollen uns katzbuckeln und uns entschuldigen sehen, aber wir sind nicht damit fertig zu revoltieren!

Bis wir den letzten Käfig zerstört haben!

Einige Gefährt-innen von B.


Rückblick auf den Prozess von B. am Gericht von Nancy für die Brandstiftung an Funkmasten auf dem Mont Poupet (Jura)

Manif-Est, 26. Mai 2021

Ohne Anwält.in noch Publikum wurden unserem Freund und Gefährten B. diesen Mittwoch, den 19. Mai, vier Jahre Knast aufgebrummt, davon zwei auf Bewährung, für die Brandstiftung an Funkmasten auf den Höhen von Salins les Bains (Jura) im April 2020. Um die zwanzig befreundete Personen und Verwandte waren zur Unterstützung anwesend. Nur sein Vater und sein Bruder wurden zu der Anhörung zugelassen, da der Staatsanwalt die Gesundheitskrise vorschob, während am Rand des Justizgebäudes etwa ein Dutzend Polizisten B.s Unterstützern den Zugang versperrten. Eine geschlossene Anhörung genau an dem Tag, an dem die Massen die Terrassen und Geschäfte überschwemmten, an diesem Tag, an dem Darmanin [französischer Innenminister], Polizisten und Politiker in den Straßen von Paris volksnah herumproklamierten.

Der Prozess von B. konnte also in einem Raum stattfinden, der auf die Argumente der Anklage zugeschnitten war und wo die Journacops als VIPs willkommen geheißen werden. So kam es, dass ein Fotograf von vergifteten Katzen [1] und Redakteur für den Est Républicain der Anhörung beiwohnte. Indem er das Recht auf Information dem Recht auf Vergessen gegnüberstellt, tritt er in seinem Artikel die Identität unseres Gefährten breit und bewertet seine „Basketballer-Statur“. Zwei sicherlich entscheidende Fakten um das Urteil nachzuvollziehen! Ganz zu schweigen davon, dass seine Romanze, die teilweise von der AFP [Presseagentur] und weiteren unterschiedlichen Medien übernommen wurde, ausspart, die Kulisse und die Absurdität eines Prozesses ohne Widerspruch zu beschreiben.

Tatsächlich schickte B.s Anwältin zwei Wochen vor dem Prozesstermin einen schriftlichen Antrag auf Prozessverschiebung, die sie am entsprechenden Tag keine Zeit habe. Wobei sie betonte, dass sie sich verfügbar halten würde, sollte es Schwierigkeiten bezüglich der Verschiebung geben. Dieser Antrag wurde letzendlich in der Anhörung verworfen, sodass B. gezwungen war, alleine den Richtern entgegenzutreten. Das Ende dieser Maskerade ist, dass B. zwei Jahre Haft und zwei Jahre auf Bewährung aufgebrummt bekam, einschließlich Arbeitszwang um eine Geldbuße von 91 000 Euro abzubezahlen. Eine Strafe, die offenbar abschrecken soll und die sogar die Forderungen des Staatsanwalts übersteigt.

Dass die Anwältin, die sich B. ausgesucht hat, fehlte, scheint also die Richter nicht zu stören, die sich offenbar für Komiker.innen in dieser Parodie eines gerechten Prozesses halten. Waren sie vielmehr besorgt die Vertreter der Telekommunikationsunternehmen und des Staates nicht zu verärgern, die zu dieser Gelegenheit gekommen waren? Ohne die Anwesenheit der Verteidigung und des Publikums setzt die Justizmaschinerie ihr strafendes Werk gegen Gegner·innen der Herrschaft und der auferlegten technologischen Verschnellerung fort. B. hat nun bereits seinen Wunsch geltend gemacht in Berufung gegen das Urteil zu gehen.

Einige Kumpels und Kumpelinen von B. aus Besançon

Endnoten

[1] https://www.estrepublicain.fr/edition-de-nancy-agglomeration/2019/09/20/y-a-t-il-un-empoisonneur-de-chats-allee-de-la-gueule-du-loup
Zwischen dem Bericht über den Prozess unseres Freundes und dem Nachplappern behördlicher Bericht rund um eine antinukleare Demo in Nancy versucht sich unser kühner Journalist an der Rublik „Vermischtes“. Vielleicht sollte er sicher besser auf die Züge konzentrieren, die den Bahnhof von Marbache verfehlen (17/09/2019) oder auf die Hundeattacke von Chavigny (13/09/2019)?

Quelle: Sans Nom

Wenn ein Taifun im Knast wütet

Ein Rebell erzählt von seinem Kampf gegen das Knastsystem

„Der Taifun“ – Das ist der Spitzname, den Andreas Krebs im Kampfsport erhielt und wie ihn auch viele Mitgefangene nannten, „da er schlagartig wie ein Sturm auf seine Gegner zugeht, … bis zum bitteren Ende, egal wie letztendlich alles ausgeht“. 17 Jahre hat Andreas Krebs in Deutschland in Strafhaft verbracht, bald vier Jahre sitzt er nun in Italien. Letzten August sind seine Erinnerungen erschienen. Sie erzählen überwiegend von seinen Erlebnissen in Haft und seinem beständigen Kampf gegen das Knastsystem.

Mehrmals versuchte er aus diversen Haftanstalten zu flüchten, leider erfolglos. Er erzählt von den Misshandlungen, die er im Knast erfahren hat, von bestechlichen Beamten und treuen Freundschaften, die er mit Mitgefangenen schloss, von Verrat, von Suizid im Gefängnis, von Nazi-Gefängnissen und natürlich von seinen Kämpfen, den Hungerstreiks, die er machte, den Berichten aus der Haft, die er unter anderem in der Gefangeneninfo veröffentlichte, und natürlich von seiner Art Konflikte zu lösen, die ihm gegenüber Pflegern (so nennt Andreas die Gefängniswärter) und Mitgefangenen Respekt verschaffte und die er einsetzte, um sich zu wehren, Verbesserungen durchzusetzen oder Mitgefangenen zu helfen.

„Doch diesmal schwor ich mir, haue ich dem nächstbesten eine in die Fresse, und so ist es dann auch gekommen, dass ich die ersten beiden Beamten so übel hergenommen habe, dass sie das ihr Leben nicht vergessen werden… Mir war es den Preis wert, denn dafür habe ich den beiden zuerst richtig Schaden zugefügt… Es war leider notwendig so manchen Spitzel oder Großmaul, der versuchte den Kleineren zu unterdrücken und um seinen Einkauf abzuziehen, in seine Schranken zu weisen. Ich konnte nicht mitansehen, wie Unrecht untereinander geschah, wie sich die Gefangenen gegenseitig fertigmachten, anstatt sich mit der überschüssigen Energie auf das System zu konzentrieren und dagegen anzukämpfen.“

Andreas politisiert sich in der Strafhaft. Er unterhält engen Briefkontakt mit Gefangenen der RAF aus der zweiten und dritten Generation. Dieser Briefwechsel sowie seine konstante Rebellion gegen das Knastsystem wird die Behandlung, die er durch das Knastsystem erhält, mit prägen, denn er gilt als Unruhestifter und gefährlicher Linksterrorist, wird von einer Anstalt in die nächste verlegt, wird verprügelt und in Isolationshaft gesteckt, ans Bett gefesselt und gedemütigt. Einmal versuchen die LKAs mehrerer Bundesländer ihn zu bestechen, um Informationen über gesuchte Mitglieder der RAF zu erhalten.

Nach 17 Jahren Haft wird er endlich entlassen. Er hält Vorträge über den Knast auf den Anti-Knast-Tagen in Wien und in Hamburg, kämpft auch draußen weiter gegen den Knast. Es fällt ihm allerdings schwer zurechtzukommen, denn die Zeit im Knast hat ihm zugesetzt. Er lernt seine Frau Jutta kennen und, müde von den dauernden Belästigungen durch die Cops, die Andreas auch nach der Entlassung nicht in Ruhe lassen, lassen sich die beiden in Süditalien nieder. 2016 dann wehrt sich Andreas gegen den Angriff seines äußerst aggressiven Arbeitgebers, dieser stirbt in der Auseinandersetzung. Andreas wird festgenommen und in U-Haft gesteckt. Doch Angehörige des Toten arbeiten in diesem Knast und er wird daraufhin massiv misshandelt. Schnell wird klar, dass es keinen „fairen Prozess“ geben wird, denn das gesamte lokale Justizsystem sympathisiert mit dem Toten oder ist mit dessen Familie verbandelt. Er wird in Hausarrest entlassen, was er dazu nutzt, um nach Deutschland unterzutauchen. Dort wird er jedoch eines Tages vom MEK festgenommen und 2018 nach Italien ausgeliefert. In erster und zweiter Instanz wird er wegen Mordes verurteilt, momentan versucht er dieses Urteil anzufechten, die Verhandlung findet voraussichtlich im April statt.

Zeitgleich hat Andreas mit einer unbehandelten Krebserkrankung zu kämpfen. Seit Beginn seiner gesundheitlichen Probleme weigert sich die italienische Strafjustiz eine ärztliche Behandlung durchführen zu lassen. Inzwischen haben sich die Metastasen im ganzen Körper ausgebreitet. Er hat voraussichtlich nur noch wenige Monate zu leben, trotzdem werden ihm Medikamente, Behandlung oder auch Haftentlassung aufgrund von schwerer Krankheit verweigert.

Das letzte Kapitel seiner Erinnerungen besteht aus Tagebucheinträgen von Februar und März 2020, die von seinem Alltag im italienischen Knast berichten, von seiner Krankheit und von den Auswirkungen der „Corona-Krise“ auf die Häftlinge. Besuche werden gestrichen, der versprochene Ersatz via Videotelefonie funktioniert aufgrund schlechter Internetverbindung nur mäßig und aufgrund weniger Computer hat sich die „Besuchszeit“ auch noch verkürzt. Gefangene sind panisch, Beamte überfordert, Berichte von Revolten, getöteten Gefangenen, aber auch der erfolgreichen Flucht von 60 Gefangenen erreichen Andreas Haftanstalt.

„Und wieder ein neuer Tag, diesmal kracht es gerade unter den Gefangenen gewaltig und alle sind total angespannt. Kann kaum schreiben, so sehr nimmt mich dieser Zustand gerade mit. Irre und noch nie habe ich so was erlebt. Es ist wie in einem Horrorfilm und draußen soll angeblich niemand auf der Straße zu sehen sein, außer die Bullen.“

„Und nun ist es also richtig passiert, es herrscht Ausnahmezustand. Seit sieben Uhr befinde ich mich wieder beim Arbeiten und habe nur noch ein Grinsen auf meinem Gesicht, weil hier alles drunter und drüber geht. Wir haben einen Infekt und weitere werden folgen. Dazu eine hysterische Ärztin, die einfach nur noch rumschreit und sogar die Beamten zum Explodieren bringt. Hat einfach ihre Arbeitsstelle verlassen…Es herrscht absolutes Chaos und die Beamten versuchen nun selbst medizinisch tätig zu werden… Als die Ärztin so laut um sich schrie…, kam ein aufgeschrecktes Rudel von mehreren Beamten ans Gitter gerannt, das elektronisch aus der Zentrale geöffnet werden muss. Die war allerdings nicht besetzt, denn auch dieser Beamte ging einfach weg und ließ alles stehen und liegen.“

„Heute gab es eine Massenschlägerei zwischen Beamten und Gefangenen. Für einen kurzen Augenblick gingen wir als Sieger hervor und die Pfleger waren gezwungen sich zurückzuziehen… Diese Schlägerei blieb ohne Konsequenzen, denn sie sind immer noch bemüht uns alle zu beruhigen…“

Der letzte Eintrag vom 26. März letztes Jahr, ist verzweifelt, doch auch durchdrungen von Andreas unermüdlichem Kampfgeist.

„Wie es weiter geht, weiß ich nicht, keinen Plan wie alles enden soll und meine Hoffnung, Wünsche und Träume sind erst mal auf Eis gelegt. Solange wie ich kann, werde ich weiter kämpfen, kämpfen bis zum Letzten! Ich hoffe, dass irgendetwas eines Tages auch Früchte trägt. Ich hoffe so sehr!“

Im Buch sind außerdem noch Auszüge aus den Briefen, Artikeln und Interviews angehängt, die er im Laufe der Jahre in seinem Kampf gegen das Knastsystem veröffentlicht hat. Eine „schwarze Liste der Gefängnisindustrie“ rundet das Buch ab.

Andreas‘ Erinnerungen geben einen tiefen Einblick in das Knastsystem. Es sind düstere Geschichten, auch wenn er immer wieder lustige Anekdoten einzustreuen vermag. Die Hässlichkeit des Justizsystems tritt in diesen Berichten deutlich zutage. Mut gibt nur der unermüdliche Kampfgeist von Andreas, sein Einsatz gegen den Knast und für seine Mitgefangenen, sein Erfindungsreichtum und seine Wärme, die auch 21 Jahre Knast ihm nicht austreiben konnten.

„Ich habe gelernt, dass im Knast wirklich alles möglich ist, wenn man nur will! Wenn man nur den Willen dafür aufbringt und sich gut untereinander organisiert, schafft man wirklich alles.“

Wenn ihr das Buch bestellen wollt, könnt ihr an andreaskrebs@riseup.net schreiben. In anarchistischen Bibliotheken solltet ihr das Buch auch finden. Ansonsten freut sich Andreas über Post. Ihr könnt ihm an folgende Adresse schreiben:

Andreas Krebs
Sez. 4 / Stz. 5
Mediterraneo
Via Roma Verso Scampia 250
CAP 80144 Napoli (NA)
Italien

Wenn ihr irgendwie Geld erübrigen könnt, freut er sich auch über Spenden. Er muss im italienischen Knast alles, auch seine Vitaminpräparate und Spezialnahrung, selbst bezahlen und braucht auch Geld für die nächste Gerichtsinstanz, die ziemlich teuer ist:

Empfänger: Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs

Andreas Krebs Salih: Der Taifun. Erinnerungen eines Rebellen. Oktober 2020.

Knastausbruch aus Stadelheim

Am Dienstag, den 09. Februar, entkam ein Gefangener aus der Untersuchungshaft im Münchner Knast in Stadelheim. Laut Medien versteckte er sich trotz Überwachung durch Justizschweine dabei in einem Anliefer-LKW, der Waren angeliefert hatte und in der Früh die JVA verließ. Leider wurde er einige Stunden später in der Nähe des Wohnorts seiner Familie wieder gefasst.

1986 waren übrigens sechs Gefangene mit nachgemachten Schlüsseln durch Schwachstellen in den Türen und durch einen unterirdischen Versorgungsschacht, der in die Kanalisation führte, aus Stadelheim entkommen. Anfang der 90er waren zwei Gefangene über die sechs Meter hohe Knastmauer geflohen. Durch eine Baubaracke war die Situation unübersichtlich gewesen und das nutzten die Gefangenen. Leider verletzte sich einer der beiden beim Sprung in die Tiefe am Fuß und sie wurden wieder gefasst. Die verbreitetste Methode des Knastausbruchs in Stadelheim ist laut Stadelheims Oberschwein, bei sogenannten „Ausführungen“, wenn man also aus dem Gefängnis herausgebracht wird, etwa zum Gericht, zum Arzt, ins Krankenhaus etc., zu fliehen.

In Zeiten des immer dichter werdenden technologischen Netzes der Überwachung ist es ermutigend, dass Fluchtversuche – wenn auch in diesem Fall nur von kurzer Dauer – immer wieder erfolgreich sind. Doch lassen wir die Gefangenen nicht alleine dabei, denn befreiender als ein gelungener Ausbruch ist ein brennender Knast, ja eine brennende Knastgesellschaft.

[Hamburg] Kaputte Scheiben bei Telio

„In der Nacht auf den 17.8.20 hat es bei Telio in der Holstenstraße 205 gescheppert.

Telio ist der Monopolanbieter in der Gefängnistelefonie und präsentiert sich auch selbst gerne als den europaweiten Marktführer. Dank dieser Stellung kann Telio Preise festlegen, die man durchaus als Wucher verbuchen kann. Vor 2014 berechnete Telio in der JVA Burg für Ortsgespräche 0,10€, für Ferngespräche 0,20€, für Gespräche ins Mobilfunknetz 0,70€ und für Auslandsgespräche bis zu 2,60€/Minute. Von dem wenigen Geld, was den Gefangenen zur Verfügung steht, streicht Telio einen beträchtlichen Anteil ein, bereichert sich also auf Kosten der Gefangenen, die offensichtlich keine andere Wahl haben, als telio zu nutzen. Das betrifft auch die Angehörigen, Freund*innen und Unterstützer*innen von Gefangenen, die oft deren Telio-Konten aufladen und dafür auch noch eine Gebühr zahlen müssen.

Komplizenhafte Grüße an die 3 von der Parkbank und alle rebellischen Gefangenen.“

Ein knapper Gedanke über Gefängnisse

Die Gefängnisse, heute und schon immer, stellen die Waffe der Bestrafung dar, die die Macht gegen jeden und jede benutzt, die das Privateigentum angreifen. Die Ausbeuter bedienen sich dieser repressiven Apparate.

Um ihre Privilegien zu verewigen, halten sie die Ordnung und die Gesetze aufrecht, die ihren widerlichen Status Quo beschützen.
Diejenigen, die sich wehren, werden diese Mittel zu spüren bekommen und dienen somit als Exempel, um Angst zu schüren und diejenigen zum Schweigen zu bringen, die danach streben diese Ordnung umzuwälzen. So ensteht ein Gefängnis ausserhalb der Mauern, ein Gefängnis im eigenen Kopf, in dem die Ängste, mit denen sie uns tagtäglich füttern, die Zäune und Schlösser davon darstellen.

Wir können die Mauern nicht leugnen, die heute unsere Brüder und Schwestern einsperren, aber es sind eben gerade unsere mentalen Gefängnisse, die eine wirkliche Solidarität, alltäglich und aktiv, verwehren. Es sind unsere Ängste, die unsere Wünsche danach, die Macht zu zerstören, verwässern, die uns davon abhalten unsere Wildheit wachsen zu lassen und unsere Feinde anzugreifen.

Es ist an der Zeit zu handeln, in der Alltäglichkeit mit denjenigen, mit denen wir Affinität verspüren, um diese Gefängnisgesellschaft und jeglichen Versuch, dieses widerliche Todessystem zu reformieren, zu zerstören.

Die Solidarität darf niemals eine leere Parole sein, sondern muss ein alltäglicher Akt der Konfrontation mit der Macht und eine konstante Bestärkung unserer, im Kampf auf Leben und Tod, entführten Schwestern und Brüder sein.

(entnommen aus “MAURI…LA OFENSIVA NO TE OLVIDA. Escritos del compañero anarquista Mauricio Morales*” Orginaltitel “Una breve idea sobre las prisiones…”)

*Mauricio Morales oder auch Punky Mauri genannt, starb im Morgengrauen des 22.05.09 in Santiago de Chile, durch seinen eigenen Sprengsatz (ein Feuerlöscher mit Schwarzpulver gefüllt), der leider frühzeitig explodierte, als er gerade dabei war ihn vor einer Schule für Gefängniswärter zu platzieren. Noch am selben Tag kam es zu Konfrontationen mit der Polizei, als diese versuchte, die Besetzung zu durchsuchen, in welcher er zu diesem Zeitpunkt wohnte. Der Tod Punky Mauris zog nicht nur einen riesigen Prozess namens “Caso Bombas” (in den Jahren 2008 und 2009 kam es zu einer Vielzahl von Angriffen mittels selbstgebauter Sprengsätze gegen unter anderem Banken, Kasernen und Kirchen) gegen 14 weitere Gefährten nach sich, sondern mittlerweile auch Jahre der aktiven Erinnerung an einen Gefährten in Form des Angriffs. Der 22. Mai ist seitdem für viele, die sich mit dieser Tat verbunden fühlen, ein weiterer “Tag des Chaos”.

[Gradisca d’Isonzo] Revolte im Abschiebeknast von Gradisca d’Isonzo

Letzte Nacht, am 29.03.2020, machten Gefangene im Abschiebeknast von Gradisca, die seit einigen Tagen in Hungerstreik getreten waren, ihren Ärger und ihre Verzweiflung hörbar, indem sie wieder Feuer in den Zellen anzündeten.

Die Polizei griff mit militärischer Unterstützung ein, um den Protest zu unterdrücken und die Feuerwehr eilte herbei, um um 21 Uhr, 22 Uhr, Mitternacht und 2 Uhr morgens die Flammen zu löschen. Möbel, Matratzen und Plastikoberlichter brannten und einige Zellen wurden beschädigt. Vorgestern hatte eine Person, die positiv auf den Coronavirus getestet und laut den Behörden zum Knast in Cremona gebracht und dort isoliert worden war, eine Verschlechterung ihres Zustands mit hohem Fieber erlitten und war in ein Krankenhaus in Cattinara gebracht worden.

Nach dem, was wir wissen, wurden einige Wachen auch unter Quarantäne gesetzt, ansonsten ist allerdings nichts für die anderen Gefangenen im Abschiebeknast unternommen worden.

Übersetzung des englischen Textes bei Act for Freedom Now!

[Thiva] Rebellion im Frauenknast von Eleona in Thiva nach dem Tod einer Gefangenen

09. April 2020, der Aufstand im Frauenknast von Eleona, Thiva geht weiter. Er brach am Morgen aus, nachdem eine 38-Jährige Gefangene, die unter Fieber und Atemnot litt, in der Abteilung des Flügels E vor 20 Mitgefangenen verstorben war. Sie starb an den Folgen einer Coronainfektion. Die anderen Gefangenen steckten ihre Matratzen und Kleider in Brand und zerstörten die Kühlanlage des Gefängnisses. Mittlerweile sind ein*e Staatsanwält*in und ein*e Gerichtsmediziner*in im Gefängnis eingetroffen, um eine Autopsie vorzunehmen. Schwer bewaffnete Polizeikräfte – MAT [Eine Spezialeinheit zur Bekämpfung von Aufständen; Anm. d. Übers.] – stürmten das Gefängnis, um eine Ausbreitung der Aufstände auf andere Flügel des Gefängnisses zu verhindern. Sie schlugen heftig auf die Gefangenen ein und trotz dieser Repression breitete sich die Revolte im gesamten Gefängnis aus.

Erklärung der Gefangenen vom 09. April 2020

Heute, am 09. April verstarb die Gefangene Azizel Deniroglou hilflos in ihrer Zelle, nachdem sie sich über Herzbeschwerden und hohes Fieber beklagt hatte. Sie hatte die ganze Nacht um Hilfe gebeten, da sie Schmerzen in der Brust hatte und nicht atmen konnte. Zeug*innenaussagen zufolge wurde bei ihr nicht einmal Fieber gemessen und uns sind die genauen Umstände ihres Todes nicht bekannt. Die Schichtleiterin drohte ihr mit einem Vermerk, weil sie sich belästigt fühlte. Der leblose Körper unserer Mitgefangenen wurde in einem Laken vor den schockierten Augen des gesamten Flügels aus der Zelle geschleift. Dieser tragische Vorfall ereignete sich im Flügel E, wo ungefähr 120 Menschen inhaftiert sind. Die Gefangenen revoltierten und die Revolte verbreitete sich im gesamten Gefängnis. Eine andere Gefangene starb vor einem Monat. Die kriminelle Gleichgültigkeit gegenüber den Gefangenen und ihrer Gesundheit verursachte den Tod vieler Inhaftierter, die Regierung und das Ministerium sind dafür verantwortlich, sie zum Tode verurteilt zu haben. Die Regierung und das Ministerium sind für den Tod dieser Gefangenen verantwortlich. Wir fordern die sofortige Entlassung aller Patient*innen, aller Mütter mit ihren Kindern und der Älteren, die als Risikogruppe gelten und insgesamt ein Drittel der Gefangenen ausmachen. Wir werden nicht in unsere Zellen zurückkehren, bis diese Forderungen erfüllt sind!

Pola Roupa, eine politische Gefangene, die Teil des revolutionären Kampfes ist, berichtete ebenfalls, dass vor etwa einem Monat eine andere Gefangene im Gefängnis verstorben sei. Sie betonte: „Ungeachtet der Versprechen der Gefängnisleitung angesichts der Corona-Pandemie wurde bislang nichts getan. Krankenhäuser nehmen keine Gefängnisinsass*innen auf, es gibt keine*n Ärzt*in Thiva. Die Risikogruppen sollten entlassen werden. Wir sind Gefangene. Wir wurden nicht zum Tode verurteilt.“

Übersetzung des englischen Textes bei The Plague and the Fire.

 

[Irkutsk] Gefängnisrevolte wird blutig niedergeschlagen

Vergangenen Donnerstag, den 09. April 2020, soll es in einer Strafkolonie in Irkutsk zu einer heftigen Knastrevolte gekommen sein. Medienberichten zufolge spielten die Gefangenen den Wärter*innen einen Suizidversuch vor, um diese dann beim Betreten der Zelle anzugreifen und aus ihrer Zelle zu entkommen. Im Laufe der Revolte brach ein schwerer Brand aus, der einen Teil der Strafkolonie zerstörte.

Mit Maschinengewehren und Giftgas schlugen die Cops den Aufstand schließlich nieder. Berichten aus dem Knast zufolge seien dabei rund 200 von 300 Betroffenen Insass*innen verletzt worden. Medienberichte sprechen von mindestens einem Toten.

Grund für den Ausbruch der Revolte sei unter anderem auch die schlechte bzw. mangelnde medizinische Versorgung in der Strafkolonie gewesen.

[Cayenne, Guyana] Flammende Revolte im Gefängnis von Rémire-Montjoly

Am Mittwoch, den 01. April, ist gegen 8 Uhr morgens eine Revolte im Gefängnis von Rémire-Montjoly, in der Nähe von Cayenne in Guyana, ausgebrochen. Zwischen 80 und 130 Personen sollen an der Meuterei teilgenommen haben, im Verlaufe welcher ein Flügel des Gefängnisses in Teilen angezündet wurde und Material des Sicherheitspersonals zerstört wurde. Angefangen hatte es nach Aussage des Generalstaatsanwalts durch eine Falle, die Gefangene einem Wärter gestellt hatten, um ihm die Schlüssel zu stehlen. Die Meuterei konzentrierte sich auf zwei Viertel des Knastes. Meuterer zündeten ihre Matratzen an, sodass mehrere Zellen zerstört wurden. Einige Gefangene schafften es aufs Dach des Gefängnisses. Die Wärter*innen erhielten Verstärkung von der Gendarmerie, sodass am späten Vormittag die Revolte niedergeschlagen wurde. Auch hier war Grund für die Revolte die Untersagung von Besuchen aufgrund der Coronakrise sowie sonstige Haftbedingungen in diesem Zusammenhang.

Quelle: Sans Attendre Demain