Tag Archives: Knast

[Hamburg] Kaputte Scheiben bei Telio

„In der Nacht auf den 17.8.20 hat es bei Telio in der Holstenstraße 205 gescheppert.

Telio ist der Monopolanbieter in der Gefängnistelefonie und präsentiert sich auch selbst gerne als den europaweiten Marktführer. Dank dieser Stellung kann Telio Preise festlegen, die man durchaus als Wucher verbuchen kann. Vor 2014 berechnete Telio in der JVA Burg für Ortsgespräche 0,10€, für Ferngespräche 0,20€, für Gespräche ins Mobilfunknetz 0,70€ und für Auslandsgespräche bis zu 2,60€/Minute. Von dem wenigen Geld, was den Gefangenen zur Verfügung steht, streicht Telio einen beträchtlichen Anteil ein, bereichert sich also auf Kosten der Gefangenen, die offensichtlich keine andere Wahl haben, als telio zu nutzen. Das betrifft auch die Angehörigen, Freund*innen und Unterstützer*innen von Gefangenen, die oft deren Telio-Konten aufladen und dafür auch noch eine Gebühr zahlen müssen.

Komplizenhafte Grüße an die 3 von der Parkbank und alle rebellischen Gefangenen.“

Ein knapper Gedanke über Gefängnisse

Die Gefängnisse, heute und schon immer, stellen die Waffe der Bestrafung dar, die die Macht gegen jeden und jede benutzt, die das Privateigentum angreifen. Die Ausbeuter bedienen sich dieser repressiven Apparate.

Um ihre Privilegien zu verewigen, halten sie die Ordnung und die Gesetze aufrecht, die ihren widerlichen Status Quo beschützen.
Diejenigen, die sich wehren, werden diese Mittel zu spüren bekommen und dienen somit als Exempel, um Angst zu schüren und diejenigen zum Schweigen zu bringen, die danach streben diese Ordnung umzuwälzen. So ensteht ein Gefängnis ausserhalb der Mauern, ein Gefängnis im eigenen Kopf, in dem die Ängste, mit denen sie uns tagtäglich füttern, die Zäune und Schlösser davon darstellen.

Wir können die Mauern nicht leugnen, die heute unsere Brüder und Schwestern einsperren, aber es sind eben gerade unsere mentalen Gefängnisse, die eine wirkliche Solidarität, alltäglich und aktiv, verwehren. Es sind unsere Ängste, die unsere Wünsche danach, die Macht zu zerstören, verwässern, die uns davon abhalten unsere Wildheit wachsen zu lassen und unsere Feinde anzugreifen.

Es ist an der Zeit zu handeln, in der Alltäglichkeit mit denjenigen, mit denen wir Affinität verspüren, um diese Gefängnisgesellschaft und jeglichen Versuch, dieses widerliche Todessystem zu reformieren, zu zerstören.

Die Solidarität darf niemals eine leere Parole sein, sondern muss ein alltäglicher Akt der Konfrontation mit der Macht und eine konstante Bestärkung unserer, im Kampf auf Leben und Tod, entführten Schwestern und Brüder sein.

(entnommen aus “MAURI…LA OFENSIVA NO TE OLVIDA. Escritos del compañero anarquista Mauricio Morales*” Orginaltitel “Una breve idea sobre las prisiones…”)

*Mauricio Morales oder auch Punky Mauri genannt, starb im Morgengrauen des 22.05.09 in Santiago de Chile, durch seinen eigenen Sprengsatz (ein Feuerlöscher mit Schwarzpulver gefüllt), der leider frühzeitig explodierte, als er gerade dabei war ihn vor einer Schule für Gefängniswärter zu platzieren. Noch am selben Tag kam es zu Konfrontationen mit der Polizei, als diese versuchte, die Besetzung zu durchsuchen, in welcher er zu diesem Zeitpunkt wohnte. Der Tod Punky Mauris zog nicht nur einen riesigen Prozess namens “Caso Bombas” (in den Jahren 2008 und 2009 kam es zu einer Vielzahl von Angriffen mittels selbstgebauter Sprengsätze gegen unter anderem Banken, Kasernen und Kirchen) gegen 14 weitere Gefährten nach sich, sondern mittlerweile auch Jahre der aktiven Erinnerung an einen Gefährten in Form des Angriffs. Der 22. Mai ist seitdem für viele, die sich mit dieser Tat verbunden fühlen, ein weiterer “Tag des Chaos”.

[Gradisca d’Isonzo] Revolte im Abschiebeknast von Gradisca d’Isonzo

Letzte Nacht, am 29.03.2020, machten Gefangene im Abschiebeknast von Gradisca, die seit einigen Tagen in Hungerstreik getreten waren, ihren Ärger und ihre Verzweiflung hörbar, indem sie wieder Feuer in den Zellen anzündeten.

Die Polizei griff mit militärischer Unterstützung ein, um den Protest zu unterdrücken und die Feuerwehr eilte herbei, um um 21 Uhr, 22 Uhr, Mitternacht und 2 Uhr morgens die Flammen zu löschen. Möbel, Matratzen und Plastikoberlichter brannten und einige Zellen wurden beschädigt. Vorgestern hatte eine Person, die positiv auf den Coronavirus getestet und laut den Behörden zum Knast in Cremona gebracht und dort isoliert worden war, eine Verschlechterung ihres Zustands mit hohem Fieber erlitten und war in ein Krankenhaus in Cattinara gebracht worden.

Nach dem, was wir wissen, wurden einige Wachen auch unter Quarantäne gesetzt, ansonsten ist allerdings nichts für die anderen Gefangenen im Abschiebeknast unternommen worden.

Übersetzung des englischen Textes bei Act for Freedom Now!

[Thiva] Rebellion im Frauenknast von Eleona in Thiva nach dem Tod einer Gefangenen

09. April 2020, der Aufstand im Frauenknast von Eleona, Thiva geht weiter. Er brach am Morgen aus, nachdem eine 38-Jährige Gefangene, die unter Fieber und Atemnot litt, in der Abteilung des Flügels E vor 20 Mitgefangenen verstorben war. Sie starb an den Folgen einer Coronainfektion. Die anderen Gefangenen steckten ihre Matratzen und Kleider in Brand und zerstörten die Kühlanlage des Gefängnisses. Mittlerweile sind ein*e Staatsanwält*in und ein*e Gerichtsmediziner*in im Gefängnis eingetroffen, um eine Autopsie vorzunehmen. Schwer bewaffnete Polizeikräfte – MAT [Eine Spezialeinheit zur Bekämpfung von Aufständen; Anm. d. Übers.] – stürmten das Gefängnis, um eine Ausbreitung der Aufstände auf andere Flügel des Gefängnisses zu verhindern. Sie schlugen heftig auf die Gefangenen ein und trotz dieser Repression breitete sich die Revolte im gesamten Gefängnis aus.

Erklärung der Gefangenen vom 09. April 2020

Heute, am 09. April verstarb die Gefangene Azizel Deniroglou hilflos in ihrer Zelle, nachdem sie sich über Herzbeschwerden und hohes Fieber beklagt hatte. Sie hatte die ganze Nacht um Hilfe gebeten, da sie Schmerzen in der Brust hatte und nicht atmen konnte. Zeug*innenaussagen zufolge wurde bei ihr nicht einmal Fieber gemessen und uns sind die genauen Umstände ihres Todes nicht bekannt. Die Schichtleiterin drohte ihr mit einem Vermerk, weil sie sich belästigt fühlte. Der leblose Körper unserer Mitgefangenen wurde in einem Laken vor den schockierten Augen des gesamten Flügels aus der Zelle geschleift. Dieser tragische Vorfall ereignete sich im Flügel E, wo ungefähr 120 Menschen inhaftiert sind. Die Gefangenen revoltierten und die Revolte verbreitete sich im gesamten Gefängnis. Eine andere Gefangene starb vor einem Monat. Die kriminelle Gleichgültigkeit gegenüber den Gefangenen und ihrer Gesundheit verursachte den Tod vieler Inhaftierter, die Regierung und das Ministerium sind dafür verantwortlich, sie zum Tode verurteilt zu haben. Die Regierung und das Ministerium sind für den Tod dieser Gefangenen verantwortlich. Wir fordern die sofortige Entlassung aller Patient*innen, aller Mütter mit ihren Kindern und der Älteren, die als Risikogruppe gelten und insgesamt ein Drittel der Gefangenen ausmachen. Wir werden nicht in unsere Zellen zurückkehren, bis diese Forderungen erfüllt sind!

Pola Roupa, eine politische Gefangene, die Teil des revolutionären Kampfes ist, berichtete ebenfalls, dass vor etwa einem Monat eine andere Gefangene im Gefängnis verstorben sei. Sie betonte: „Ungeachtet der Versprechen der Gefängnisleitung angesichts der Corona-Pandemie wurde bislang nichts getan. Krankenhäuser nehmen keine Gefängnisinsass*innen auf, es gibt keine*n Ärzt*in Thiva. Die Risikogruppen sollten entlassen werden. Wir sind Gefangene. Wir wurden nicht zum Tode verurteilt.“

Übersetzung des englischen Textes bei The Plague and the Fire.

 

[Irkutsk] Gefängnisrevolte wird blutig niedergeschlagen

Vergangenen Donnerstag, den 09. April 2020, soll es in einer Strafkolonie in Irkutsk zu einer heftigen Knastrevolte gekommen sein. Medienberichten zufolge spielten die Gefangenen den Wärter*innen einen Suizidversuch vor, um diese dann beim Betreten der Zelle anzugreifen und aus ihrer Zelle zu entkommen. Im Laufe der Revolte brach ein schwerer Brand aus, der einen Teil der Strafkolonie zerstörte.

Mit Maschinengewehren und Giftgas schlugen die Cops den Aufstand schließlich nieder. Berichten aus dem Knast zufolge seien dabei rund 200 von 300 Betroffenen Insass*innen verletzt worden. Medienberichte sprechen von mindestens einem Toten.

Grund für den Ausbruch der Revolte sei unter anderem auch die schlechte bzw. mangelnde medizinische Versorgung in der Strafkolonie gewesen.

[Cayenne, Guyana] Flammende Revolte im Gefängnis von Rémire-Montjoly

Am Mittwoch, den 01. April, ist gegen 8 Uhr morgens eine Revolte im Gefängnis von Rémire-Montjoly, in der Nähe von Cayenne in Guyana, ausgebrochen. Zwischen 80 und 130 Personen sollen an der Meuterei teilgenommen haben, im Verlaufe welcher ein Flügel des Gefängnisses in Teilen angezündet wurde und Material des Sicherheitspersonals zerstört wurde. Angefangen hatte es nach Aussage des Generalstaatsanwalts durch eine Falle, die Gefangene einem Wärter gestellt hatten, um ihm die Schlüssel zu stehlen. Die Meuterei konzentrierte sich auf zwei Viertel des Knastes. Meuterer zündeten ihre Matratzen an, sodass mehrere Zellen zerstört wurden. Einige Gefangene schafften es aufs Dach des Gefängnisses. Die Wärter*innen erhielten Verstärkung von der Gendarmerie, sodass am späten Vormittag die Revolte niedergeschlagen wurde. Auch hier war Grund für die Revolte die Untersagung von Besuchen aufgrund der Coronakrise sowie sonstige Haftbedingungen in diesem Zusammenhang.

Quelle: Sans Attendre Demain

[Spanien, Porto, Sao Paulo, Italien] Liste von Knastaufständen in Folge der Corona-Pandemie

Die folgende Chronik von Knastaufständen, Ausbrüchen und Gefangenenprotesten in Spanien und einigen anderen Regionen aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen und Schikanen in den Knästen dieser Welt wurde zuerst bei panopticon.noblogs.org veröffentlicht. Sie bildet nur einen Teil der derzeit weltweit stattfindenden Knastrevolten ab.

Spanischer Staat

– Brians I [Barcelona]: Mehr als 100 Gefangene im Hungerstreik aufgrund von Isolationsmassnahmen, mangelnder Information und Inkonsequenz.

– Wad Ras [Barcelona]: Am Dienstag, 17. März rufen die Gefangenen zu einem Hungerstreik auf, gegen den Verbot von Familienbesuche.

– Fontcalent [Alicante]: Die Gefangenen protestierten am Sonntag, den 15. März, mit einem Lagerfeuer im Innenhof wegen mangelnder Information und mangelndem Schutz vor dem Coronavirus.

– Tahiche [Lanzarote]: Am Sonntag, dem 15. März, umzingelten mehrere Gefangene aus dem Trakt Nummer 3 die Gefängniswärter, tadelten sie und bedrohten sie. Fünf Häftlinge wurden schließlich in das Isolationstrakt verlegt. Die Spannung wurde durch die Aussetzung der Familienbesuche verursacht, während die Beamten keine Handschuhe oder Masken trugen.

– Sangonera [Murcia]: Am Sonntag, dem 15. März, hielten die Gefangenen ein Sit-in ab, um gegen die Einschränkungen und die medizinische Vernachlässigung zu protestieren.

– Picassent [Valencia]: Am Dienstag, dem 17. März, bewaffneten sich die Gefangenen der Einheit 2 mit Stöcken und begannen, auf die Möbel zu schlagen und die Gefängniswärter anzuschreien. Der Grund dafür sind wiederum die Isolationsmassnahmen.

– Alcalá de Henares [Madrid]: Am Samstag, dem 14. März, schlägt ein Häftling einen Gefangenen ins Gesicht und verursacht einen Bluterguss.

– CIE de Aluche [Madrid]: Am Dienstag, 17. März, stiegen mehrere Häftlinge auf das Dach und forderten Freiheit und Schutz vor dem Coronavirus.

Portugal

Im Gefängnis von Porto kam es zu einem Aufstand, bei dem mehrere Personen von den Wärtern am Kopf verletzt wurden. Anlass war die Absage von Familien- und Anwaltsbesuchen und die Weigerung, in den Gemeinschaftsräumen Essen zu geben.

Italien

In 27 Gefängnissen im ganzen Land kommt es zu Unruhen und Meutereien. In Modena, im Norden, sind sechs Häftlinge gestorben, von denen drei nach Angaben der Behörden an einer Überdosis starben. In Foggia gelang 370 Häftlingen die Flucht, von denen 70 verhaftet und ins Gefängnis zurückgebracht wurden (Daten des Verbands der Autonomen Gewerkschaften der Nationalen Strafvollzugspolizei). Andere Quellen sprechen von 50 entflohenen Häftlingen, von denen 34 noch auf freiem Fuß sind.

Brasilien

Mindestens 1.350 Gefangene entkamen am Montag, den 16. März, aus drei Gefängnissen im Bundesstaat Sao Paulo, inmitten von Unruhen, die durch Besuchsbeschränkungen und befristete Genehmigungen ausgelöst wurden.

[Santiago] Meuterei und Fluchtversuch im Gefängnis/Unternehmen Santiago 1

Die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie in den Gefängnissen hat eine kritische Situation hervorgerufen, die zu der Überfüllung und den brutalen Haftbedingungen in den Vernichtungszentren des chilenischen Staates beiträgt.

In den Gefängnissen des Staates würden die Maßnahmen darin bestehen, Besuche zunehmend einzuschränken, die Einreise bestimmter Personen zu verbieten und natürlich die Gefangenen ihrem Schicksal zu überlassen. Es gibt keine medizinischen Kontrollen, keine Hygiene- oder Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich in Santiago 1 wurde ein für den Gesundheitsbereich zuständiger Gefangener wegen der Symptome von Covid-19 in Quarantäne gesetzt, weil seine Polizistenfrau Kontakt zu einem Infizierten hatte.
Die Situation explodierte am Donnerstag, dem 19. März, mit einem gewaltigen Aufstand um die Flucht der Gefangenen aus dem Gefängnis Santiago 1, insbesondere aus Modul 31, wobei sie die Kontrolle über den Sektor übernahmen, die Wache in Brand setzten und die Tore öffneten, um den Korridor zu betreten, in dem sie der Gendarmerie gegenüberstanden.

Laut Presseberichten hatte die Sicherheitsabteilung der Gendarmerie einen Plan zur Flucht mit Unterstützung von außen entdeckt.
Der Aufstand wurde nach vielen Stunden niedergeschlagen, ohne dass die Gefangenen die Umfassungsmauer erreicht hatten. In verschiedenen Abteilungen erhob sich die Mobilisierung ebenfalls gegen die Gefangenen, die mit Schlägen und Pellets reagierten, so dass eine Bilanz von 25 Verletzten, darunter einer mit Augentrauma, zu den mehr als 450 durch den Aufstand verstümmelten hinzukam.

Nach den Ausschreitungen und Fluchtversuchen folgten Repression, Gefangenschaft, Strafen und Überstellungen.

Angesichts der Pandemie und des sicheren Todes in den Gefängnissen ist Flucht die einzige Option zum Überleben.

Solidarität mit den Meuterern in Santiago 1!

 

Deutsche Übersetzung von panopticon.blogsport.eu (leicht verändert), Original von Publicacion Refractario.

[Tabriz] Knastaufstand im Tabriz Central Prison

Am 26. März 2020 [Donnerstag] kam es in einigen Abteilungen des Tabriz Central Prisons, einer Stadt im nordwesten des Irans, zu Aufständen einiger Gefangener, nachdem es bereits zuvor in zahlreichen iranischen Gefängnissen Hungerstreiks der Gefangenen, aufgrund der miserablen Lage in den Gefängnissen, der Ausbreitung des Coronavirus und einigen Todesfällen von Gefangenen gegeben hatte.

Der offiziellen Berichterstattung der staatlichen Nachrichtenagenturen zufolge belagerten die Bullenkräfte die Regionen um das Gefängnis herum und es seien Schüsse zu hören gewesen.

Das heuchlerische und unterdrückerische totalitäre Regime des Irans hatte die Gefangenen mit Tränengas und Schussalven angegriffen und außerdem mehrere der Gefangenen verletzt.

Freie Übersetzung der englischen Übersetzung bei athens.indymedia.org.