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Update zu den Kabelbränden an Leinthalerbrücke und Herzog-Heinrich-Brücke

Wie bereits berichtet, kam es in der Nacht zum 19.12.2019 zu einem Kabelbrand an der Leinthalerbrücke. Das war jedoch nicht alles: Auch an der nahegelegenen Herzog-Heinrich-Brücke wurden Datenkabel in Brand gesetzt. Betroffen waren neben Vodafone auch Kabel der Stadtwerke München. Bei Indymedia ist indess ein Bekenner*innenschreiben erschienen:

In der Nacht zum 19.12.2019 haben wir zwei Hauptkabel von Vodafone und den Stadtwerken München an zwei Isarbrücken in München mit Feuer lahmgelegt. Die Kabel versorgen neben Großbetrieben wie BMW das Heizkraftwerk Nord der Münchner Stadtwerke. Ziel war, einen möglichst hohen Sachschaden anzurichten, um die herrschende Klimapolitik praktisch anzugreifen.

Im Heizkraftwerk Nord wird noch viele Jahre Kohle verfeuert um Strom und Fernwärme zu gewinnen. Die Stadt München ignoriert konsequent den Bürgerentscheid gegen einen Weiterbetrieb, weil es angeblich als Hauptlastreserve am Netz bleiben muss – es bleibt nur die Möglichkeit, die Kosten für die Stadtwerke in die Höhe zu treiben um eine vorzeitige Stilllegung durchzusetzen.

Wir können nicht genau abschätzen, wie umfangreich die Störungen durch unsere kleinen Brände gewesen sind. In den spärlichen Zeitungsmeldungen wurde von tagelangen Reparaturarbeiten und einen Sachschaden von wenigstens 100.000 Euro gesprochen.

Kohleausstieg ist Handarbeit.
Kaptialismus abschaffen.
Den Klimakillern den Saft abdrehen.

Feurige Grüße an die 3 von der Parkbank

Eine Kritik an „Fridays for Future“

In letzter Zeit haben mir Leute oft stolz erzählt, sie würden auf den Klimastreik gehen. Oft war dann meine polemische Antwort: Ach ihr seid diejenigen, die für die langsamere Zerstörung der Erde demonstrieren? Um ehrlich zu sein bin ich mir sicher, dass dies nicht die Absicht der meisten Schüler*innen ist, die auf die Fridays for Future Demos gehen. Ich möchte jedoch anhand der Argumente und Parolen der Sprecher*innen von Fridays for Future, also derjenigen, die sich in den Mittelpunkt der Bewegung stellen, indem sie Interviews mit den Medien geben und auf dem Lautsprecherwagen die Masse zum Mitrufen und Mitlaufen bewegen, als sinnlos entlarven. Zumindest für diejenigen, die tatsächlich gegen die Ausbeutung und Zerstörung der Erde sind.

Die Sprecher*innen der Bewegung sind für die Einhaltung der Pariser Klimaziele und für erneuerbare Energien. Eine grüne Politikerin in der Berliner Demoplanung möchte diese bei den nächsten Wahlen zum Wahlkampfthema machen. Das ist ihre Kampfansage im Namen von Fridays for Future. Diese Inhalte sind alle im staatlichen und kapitalistischen System gedacht und könnten im besten Falle etwas an der Geschwindigkeit des Klimawandels ändern. Eine wirkliche Lösung für die vorhandenen Probleme kann es aber weder unter der Herrschaft des Kapitalismus, noch des Staates geben. Dies werde ich nun mit folgendem Argument beweisen: Damit ein Staat funktioniert braucht er Militär und Polizei, um sich nach innen und außen zu schützen. Polizei und Militär sind nicht nur freiheitsfeindlich, sondern stark abhängig von Ressourcen und verbrauchen z.B. durch ihre Fahr- und Flugzeuge Unmengen an Energie. Genauso ist es mit der Wirtschaft, ohne die ein Staat nicht funktioniert. Hierzu zählt die Industrie, die auch Unmengen an Energie verbraucht und Müll produziert, die Tourismusbranche mit ihren Billigfliegern, Skiegebieten, usw. … Die smarte Technologie mit ihren unzähligen Bildschirmen und Rechnern … hier kann noch ganz schön viel aufgezählt werden. Diese aufgezählten Dinge sind auch für den Kapitalismus immanent. Die Herrschaft von Staat und Kapitalismus sind also abhängig von sehr vielen Infrastrukturen, die von extrem viel Energie abhängig sind. Dafür braucht er extrem viele Kraftwerke, egal ob erneuerbar oder nicht, alle zerstören die Natur. Für Windparks werden Wälder abgeholzt, für Wasserkraft Flüsse aufgestaut, und auch für Solarplatten ist die Herstellung und Entsorgung extrem umweltschädlich. Ein radikaler Kampf gegen die Zerstörung der Erde muss also antistaatlich und antikapitalistisch sein, Fridays for Future dient allerdings nur der Propaganda eines grün angestrichenen Kapitalismus und als Wahlwerbung für grüne Parteien.

Nachdem ich mir selbst ein Bild von der Hamburger Demo gemacht habe, bin ich auch davon überzeugt, dass die meisten Teilnehmer*innen, wenn auch unabsichtlich für die langsamere Zerstörung der Erde demonstrieren. Auch wenn dies nicht deren Absicht ist, laufen sie einfach dem Lautsprecherwagen hinterher und schreien die Parolen nach, wie sie es in der Schule gelernt haben. Am Ende der Demo wird sich dann noch bei der Polizei bedankt. Genau die gleiche Polizei, die den Staat und seine „Kohlekonzerne“ beschützt, wie man es am deutlichsten bei angriffslustigeren Kämpfen z.B. im Hambacher Forst sieht.

Eine friedliche Massenbewegung, die irgendwelchen Führer*innen hinterherläuft und Forderungen an die Politik stellt, wird nichts ändern, außer dass vielleicht wieder Versprechungen gemacht werden, wie die Pariser Klimaziele, die dann aber nicht eingehalten werden. Genausowenig wird ein Kampf ändern, der die Reformierung eines im Kern schädlichen Systems anstrebt.

Da ich frei sein möchte, saubere Luft atmen möchte und mir der Anblick von zerstörter Natur sowie der Gedanke an deren Folgen weh tut, ruhe ich mich weder auf bewusstem Konsum aus, noch auf einem Selfie mit der Klimademo. Mit denjenigen, die keine Kompromisse mit den Feind*innen der Natur und der Freiheit eingehen wollen, möchte ich diese bekämpfen. Lasst uns die Verantwortlichen und Profiteur*innen der Ausbeutung der Erde auf unsere individuelle Art und Weise angreifen, anstatt darauf zu warten, dass uns die nächste „Energiewende“ betrügt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im April 2019 in „Gegen das Warten“ Nr. 3, einem anarchistischen Monatsblatt aus Hamburg veröffentlicht.

Sabotage gegen E-Scooter

Im Laufe der vergangenen Woche wurden in zahlreichen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vermehrt E-Scooter der verschiedenen Anbieter*innen sabotiert (siehe hier). Mit Kabelbindern aneinander gekettet, mit überklebten, übermalten oder übersprühten QR-Codes, mit zertrümmerten Displays und abgetretenen Beleuchtungseinrichtungen haben alle E-Scooter eines gemeinsam: Sie können bis zur nächsten Wartung nicht mehr genutzt werden.

Auch in München konnte mensch in der vergangenen Woche vermehrt E-Scooter beobachten, die auf diese und andere Arten sabotiert worden waren. Hunderte E-Scooter standen mit übermalten oder übersprühten QR-Codes, Beleuchtungseinrichtungen und Nummernschilden nutzlos auf den Gehwegen der Stadt, immer wieder sah mensch Scooter, auf denen Aufkleber mit der Aufschrift „Out of Service“ oder „Defekt“ klebten, vereinzelt konnte mensch beobachten wie willige Nutzer*innen dieser neuen Unart von E-Mobilität verzweifelt versuchten durch Kabelbinder oder Schlösser miteinander verbundene E-Scooter zu befreien und quer übereinander ins Gebüsch geworfene E-Scooter zeugten von der sich spontan entladenden Wut vieler Feind*innen dieses „smarten“ Mobilitätsangebots.

Die Gründe für die Sabotage an E-Scootern können dabei vielschichtig sein: Völlig entnervt davon, dass mensch diesem Elektroschrott als Fußgänger*in und Fahrradfahrer*in ständig ausweichen muss, ist es sicher naheliegend, sich dieser Dinger durch einen gezielten Tritt oder einen gekonnten Stoß zu entledigen. Doch auch wer sich um die ökologischen Folgen der alles andere als klimafreundlichen E-Scooter sorgt, dürfte in der alltäglichen Sabotage dieser Roller einen Weg sehen, gegen dieses Mobilitätskonzept zu rebellieren. Das völlig überteuerte Angebot der E-Scooter, das sich alleine an diejenigen richtet, die es sich leisten können für einen wenige hundert Meter weiten Weg mehrere Euro zu bezahlen dürfte die Wut der Gegner*innen dabei noch vergrößern und die Zukunftspläne der Anbieter*innen, die in ersten Städten bereits autonom fahrende E-Scooter testen, die mit ihren Kameras ihre gesamte Umgebung überwachen, dürften dem Ganzen dann die Krone aufsetzen.

E-Scooter sind keine Bereicherung für unser Leben, sie sind nichts als Müll und der billige Versuch das Netz der Überwachung in unseren Städten zu verfeinern. Dass sich gegen diesen Versuch zahlreiche Menschen mit dem einfachen Mittel der direkten Sabotage auflehnen ist ebenso erfreulich wie folgerichtig. In diesem Sinne bin ich gespannt, welche kreativen Formen der Sabotage ich in Zukunft beobachten werde, denn eines haben schon die Erfahrungen mit den O-Bikes in München gezeigt: Einmal in Gang gesetzt lässt sich die massenhafte Sabotage kaum mehr unter Kontrolle bringen und sie entfaltet stattdessen ungeahnte Kreativität.

Auf dass die E-Scooter ein ebenso baldiges Ende finden, wie die O-Bikes!

[Paris] Riots während des „Marschs für das Klima“

Am Samstag, den 21. September, fand in Paris die „Marche pour le Climat“ statt. „Einige Minuten nach Beginn der „Marche“, die von den Spezialist*innen der Tatenlosigkeit und des sozialen Friedens organisiert worden war, hat das normalerweise befriedete folklorische Flanieren eine ganz andere Wende genommen: Banken, Institute und Läden des fünften Arrondissement wurden angegriffen und mehrere Schaufensterscheiben sind zerschellt. Eine gute Anzahl Wütender haben die E-Scooter [!] sehr gut eingesetzt, die schwer genug sind, um die Fassaden von Banken, Versicherungsagenturen [und zweier] Kulturzentren zu zerschmettern… Andere haben auf der Fahrbahn die wilden Feuer gefüttert…“ Es wurde getaggt und Farbe auf Hauswände gespritzt, Bushaltestellen wurden zerlegt und Werbeplakate mit antikapitalistischen Plakaten überklebt, Mülleimer angezündet sowie unzählige Läden kaputt gehauen. Es kam zu einer wilden Demo, Barrikaden wurden errichtet und Menschen haben sich Schlachten mit den Bull*innen geliefert. 160 Menschen wurden in Gewahrsam genommen, neun von ihnen sind immer noch eingeknastet.

Quelle: Sans attendre demain

Ihr könnt euch nicht freikaufen!

Er ist riesig und raumeinnehmend, er ist für nichts richtig geeignet, er verbraucht viel und er zieht die Feindschaft vieler Menschen auf sich: der SUV. Gerade die neue Klimabewegung, Fridays for Future, Extinction Rebellion, Ende Gelände(-wagen) und Co. haben ein Riesenproblem mit ihm. Erst in den letzten Tagen haben Menschen in München dutzende SUVs mit Aufklebern mit Sprüchen wie „Du stinkst!“ und „Ihr Auto ist zu groß“ verziert. Vor einigen Wochen prangte der Satz „Burn SUVs not Coal“ an der Fassade der Münchner Augustinerbrauerei. Mitte Juni hatten Menschen in Offenbach und Frankfurt dutzende SUVs beschmiert, zerkratzt oder mit Bauschaum beschädigt, in Köln fackelten Menschen vier Porsche SUV bei einem Autohändler ab. Grundsätzlich freue ich mich sehr, dass zumindest einige Menschen aus der Klimabewegung anfangen selbst und direkt zu handeln, anstatt weiter zu erwarten und zu fordern, dass andere das für sie tun. Jedoch habe ich einige Kritik daran sich so sehr auf SUVs zu konzentrieren, insbesondere wenn die damit einhergehende Message „Ihr Auto ist zu groß“ lautet.

Die Menschen von „Fridays for Future“ und viele andere Klimaaktivist*innen haben dabei das eine Versprechen: wir brauchen nichts an unserem Lebensstandard und den aktuellen Gesellschaftsstrukturen verändern, solange wir unseren Konsum verändern. Grüner Konsum, das ist das Stichwort. Erneuerbare Energien, Kleinwägen, e-Autos oder besser noch öffentlicher Nahverkehr, bio Essen (ja, sogar auf dem Oktoberfest, wie die Münchner Sektion der Fridays-for-Future-Bürokratie in ihrem Positionspapier forderte!), durch die Konsumumstellung auf diese Güter lasse sich ganz individuell die Klimakatastrophe aufhalten. Kostenlos, nur für den Preis von ein bisschen Aufmerksamkeit, machen Aktivist*innen von Fridays for Future Werbung für Die Grünen, Hersteller*innen von bio-veganen Lebensmitteln und für die Energie- und Automobilkonzerne, die bereits jetzt in grünen Kapitalismus setzen. Die Forderung nach einer Konsumumstellung kommt vielen Unternehmen gerade recht. Denn wer sich entscheidet ab sofort klimaneutral zu konsumieren, muss sich einen Haufen neuer Sachen anschaffen: den SUV verschrotten und durch ein e-Auto ersetzen, das Fairphone anschaffen und das alte Smartphone in die Tonne schmeißen, Plastiktüten wegwerfen und dafür Jutebeutel anschaffen, die alten Glühbirnen gegen Energiesparlampen austauschen, die alten Eisdosen, die mensch als Tupperboxen verwendet hat, gegen umweltfreundlichere Ton- oder Glasbehälter tauschen, den Stromanbieter wechseln und in Zukunft das Doppelte bezahlen. Klimaneutral konsumieren ist eine teure Angelegenheit! Und schafft neue Märkte. Kapitalismus in fair und klimaschonend, ist das nicht schön? Ist halt etwas teurer, aber wer zahlt denn nicht gerne etwas mehr, wenn mensch weiß, dass dadurch die Eisbären vor dem Ertrinken geretten werden?

Einen Haufen Alternativprodukte anbieten, die angeblich die Klimakatastrophe aufhalten, aber auf keinen Fall die Frage danach stellen, warum mensch überhaupt so viel Energie braucht. Das ist Fridays for Future, das ist grüner Kapitalismus. Hauptsache den Wachstumsgedanken des Kapitalismus nicht in Frage stellen. Ebenso den Eigentumsgedanken, die Vorstellung davon, dass alles verwaltet und zentralisiert werden muss, der Glaube an Fortschritt und Technologie und dass einfach nur die richtige Technologie entwickelt werden muss, um die (erwartbaren wie auch die unerwarteten) Schäden, die die Produktion der bisherigen Technologien verursacht hat, zu beseitigen, der Glaube daran, dass diejenigen, die ganz vorne mit dabei waren diesen Planeten zu zerstören (die Politik, die Wirtschaft) diejenigen sein müssen und sein werden, die den angerichteten Schaden wieder gerade biegen und zwar ganz ohne dass sich etwas an der Privilegienverteilung auf dieser Welt ändert, an den Hierarchien, den Herrschaftsverhältnissen, an der Ausbeutung und am Elend, am Lebensstandard, den die meisten Menschen in Deutschland genießen, am Glauben daran, dass Menschen sich gegenseitig zerfleischen würden, wenn niemand sie beherrscht, ohne zu sehen, dass gerade Herrschaftsverhältnisse dazu führen, dass Menschen sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Begründet wird dies auf utilitaristische Art und Weise. „Wenn die Klimakatastrophe erst kommt, dann werden noch viel mehr Menschen als jetzt sterben, also lasst uns nur verhindern, dass es später noch mehr werden.“

Wer auf einen SUV „Ihr Auto ist zu groß“ schreibt, die*der kritisiert das Konsumverhalten der*des Besitzers*in, individualisiert damit die gesellschaftlich verursachten Probleme und macht den Kampf gegen die Vernichtung der Erde zu einer Konsumentscheidung. Doch solange wir glauben, dass unser Handeln auschließlich in Lohnarbeit und in Konsum bestehen kann, wird sich, selbst wenn die vorhergesagte Apokalypse nicht eintreten sollte – egal, ob Politiker*innen und Unternehmer*innen doch irgendwas gemacht haben oder die Folgen doch nicht so schlimm sind wie befürchtet –, am eigentlichen Problem nichts ändern. Dann werden in ein paar Jahrzehnten dieselben Probleme wieder auftauchen. Ausbeutung ist der Grundpfeiler des Kapitalismus und des Herrschaftsgedankens (der auch in jeder Demokratie das entscheidende Element ist!). Ob die Erde, Ressourcen, Menschen, andere Lebewesen oder irgendwann andere Planeten. Die Ausbeutung wird nicht enden, solange wir Herrschaft und Kapitalismus akzeptieren. Und wer damit argumentiert realistisch sein zu wollen und real etwas verändern zu wollen anstatt Luftschlösser zu bauen, der*die beruhigt mit Konsumtipps und Appellen an Politik und Wirtschaft vielleicht sein*ihr schlechtes Gewissen, denn mensch hat ja zumindest die Illusion etwas zu tun. Stattdessen möchte ich aber vorschlagen tatsächlich etwas zu tun, zu handeln, zu leben. SUVs abfackeln ist ein netter erster Schritt. Wenn dies allerdings nur geschieht, um Menschen moralisierend für ihre Konsumentscheidung zu kritisieren und einen anderen Konsum zu vertreten oder die Politik zu etwas zu bewegen, dann ist diese Handlung weiter den herrschenden Ideologien von Kapitalismus und Herrschaft verhaftet. Stattdessen kann mensch all diejenigen Strukturen angreifen, die die eigene Freiheit einschränken, die ausbeuten und Herrschaft ausüben. Und keine Sorge: Ich bin mir sicher, dass bei der Suche nach Angriffszielen auch der eine oder andere SUV dabei sein wird!

Irgendein CSU-Arschloch empört sich über Zettel an SUVs

In letzter Zeit sind in mehreren Stadtvierteln Zettel auf die Front- und Seitenscheiben von geparkten SUVs plakatiert worden, auf denen Botschaften wie „Du Stinkst!“ oder „Ihr Auto ist zu groß“ standen. Weil sich irgendein angeblich wichtiges CSU-Arschloch darüber empörte, als es die Zettel in seiner Nachbarschaft in Schwabing bemerkte, hat es diese Serie sogar in die Lokalpresse geschafft.

Der selbsternannte Plakatier-Profi der CSU (jaja, durch den „Wahlkampf“, klar!) stellte fest, dass die Plakate auch richtig professionell plakatiert wurden, so dass sie nicht so einfach wieder abgelöst werden könnten: Kleister verliert seine Wasserlöslichkeit beispielsweise durch die Zugabe von etwas handelsüblichem Holzleim, generell gilt jedoch: Wer dauerhafte Botschaften hinterlassen möchte greift besser zur Can.

[Frankfurt/Offenbach] Greta is not enough!

In den letzten Wochen haben Menschen dutzende SUVs in Frankfurt und Offenbach beschmiert, zerkratzt oder mit Bauschaum beschädigt. Die Verantwortlichen drückten so ihre Wut aus: „Zu lange wurde versucht, die Politiker*innen zum Handeln zu bewegen. Jetzt reicht es uns, wir sind verdammt wütend, dass unsere Zukunft nicht ernst genommen wird! […] Lasst euch nicht erwischen: zieht Handschuhe an, vermummt euch, macht Sachen nicht im eigenen Viertel, benutzt den Tor-Browser und macht euch mit tails vertraut, quatscht nicht über eure Aktionen. Schnappt euch Sprühdosen und irgendwas aus Metall und denkt euch eure eigenen Wege aus um den trügerischen Glanz von SUVs zu zerstören!“

Weitere Informationen unter https://de.indymedia.org/node/36126

Fridays for Future, „Die Wissenschaft“ und die apokalyptische Vorstellung einer nahenden Klimakatastrophe – Eine Abrechnung

Es ist einige Wochen her, dass die seit Monaten demonstrierenden Aktivist*innen der Bewegung Fridays for Future in München mit einem Forderungskatalog an die Stadt München herangetreten sind. „Diese Forderungen richten sich an den Stadtrat der Landeshauptstadt München, den derzeitigen Bürgermeister sowie alle auf ihn folgenden Bürgermeister*innen“, schreiben die Verfasser*innen und fallen damit gleich zu Beginn symbolisch auf die Knie, um die Pose der*des ewigen Bittsteller*in gegenüber Staat und Politik zu mimen.

Verwunderlich? Kaum. Auch wenn mensch von denjenigen, die seit mehr als einem halben Jahr wöchentlich auf die Straßen gehen, um ihre Anliegen einem „Vater Staat“ vorzutragen und dabei von selbigem und seinen Vertreter*innen von Anfang an belächelt, verspottet und sogar beleidigt wurden, eigentlich erwarten würde, dass sie ein wenig mehr Einsicht in die Realitäten des Demokratiebetriebs hätten. Doch die Lügen von Teilhabe und Mitbestimmung haben sich tief in die Köpfe der Beherrschten eingebrannt, das beweist nicht nur dieser Fall, und so bedarf es wohl schon etwas mehr als der wöchentlichen Enttäuschungen eines unwirksamen Schulstreiks, um das eigene Denken von diesem Irrglauben zu befreien.

Doch im Fall von Fridays for Future steht dieser Befreiung noch etwas ganz anderes im Wege: Die uneingeschränkte Gläubigkeit an die Autorität „der Wissenschaft“ und die daraus resultierenden Implikationen, die jeglichen Ausweg aus einer (angeblich zukünftigen) Klimakatastrophe innerhalb der autoritären Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Herrschaftssystems verorten. Indem das apokalyptische Ende der Welt nicht nur für die Zukunft prophezeit wird, sondern die Dimensionen der Ursächlichkeit zugleich auf ein für das Individuum unüberschaubares Level gehoben und potenzielle Lösungsmöglichkeiten daher naturgemäß nur in zentralistischen Ansätzen – geplant und gesteuert von Expert*innen und anderen machtvollen Akteur*innen – gesehen werden können, wird das Individuum schon konzeptuell jeglicher subversiver Handlungsmöglichkeiten beraubt. Stattdessen scheint mensch angesichts dieses Szenarios geradezu gezwungen zu sein, staatlichen Autoritäten zu vertrauen, damit diese in internationaler Zusammenarbeit eine Lösung zur Verhinderung dieser Apokalypse entwickeln.

Dabei geht es den staatlichen Autoritäten, an die mensch sich dabei zu wenden gedenkt, mitnichten um eine Verhinderung dieser Apokalypse. Vermutlich sind sie dafür auch im Gegensatz zu denjenigen, die glauben es wäre – angenommen die wissenschaftlichen Prognosen erweisen sich als zutreffend – überhaupt möglich, einen systemimmanenten Stopp der globalen Erwärmung und allgemeiner der Zerstörung der Umwelt herbeizuführen, zu große Realist*innen. Seit Jahrzehnten geht es Staaten des globalen Nordens ausschließlich darum, ihre eigene Hegemonie auch im Falle der prophezeiten Folgen einer voranschreitenden Klimakatastrophe zu bewahren. Seit dem Ende des Kalten Krieges erregten Fragen nach verheerenden klimatischen Veränderungen und anderen Umweltkatastrophen die Aufmerksamkeit der Militärstrateg*innen. Wenn ganze Landstriche im Meer versinken, Regionen von der Größe eines Kontinents zu Wüsten werden, das Wasser knapp wird und in der Folge all dieser Entwicklungen hunderte Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden, in die noch bewohnbaren Regionen der Welt fliehen müssen, machen sich die Chauvinist*innen dieser Hemisphäre – wen wundert’s? – vor allem Gedanken um die eigene Nahrungsmittelversorgung, den eigenen Wohlstand und in der Folge die Sicherheit der Grenzen, denn der Platz im „Paradies“ gilt bekanntlich als beschränkt. Kanadas Marine etwa bereitet sich darauf vor in Zukunft auch den Schifsverkehr in den arktischen Gebieten besser kontrollieren zu können, das Pentagon veröffentlichte mehrere Papiere zum Einfluss der „Klimaerwärmung“ – die es dem US-Präsidenten zufolge ironischerweise ja gar nicht gibt – auf die Nationale Sicherheit und in der EU ist mensch länsgt zwei Schritte weiter: Mensch schottet sich flüchtenden Menschen gegenüber ab, lässt diese im Mittelmeer ertrinken, von angrenzenden Ländern versklaven, foltern oder ermorden oder deportiert diese, wenn es ihnen trotz allem gelingt, eine der Grenzen zu passieren. Viele der schon heute flüchtenden Menschen sind bereits auf der Flucht vor extremen klimatischen Bedingungen oder direkt oder indirekt daraus entstandenen militärischen Konflikten. Apokalypse in 10 Jahren? Wir sind doch bereits mitten drin!

Und was sagt „die Wissenschaft“ dazu? Die verbleibt wie es zu erwarten stand innerhalb der autoritären Ideologie des momentanen Herrschaftssystems. Aller Differenzen zum Trotz ist man sich vor allem in einem Punkt einig: Es ist an den Staaten zu handeln und ganz im Stile einer alten Idee der Apokalypse-Lobbyisten des Club of Rome, die schon in den frühen 1970ern im Auftrag der Volkswagen Stiftung Werbung für einen gepflegten Weltuntergang im Jahre 2072 machten, beschränkt sich der globale wissenschaftliche Ideenreichtum im Wesentlichen auf einen Abverkauf des Rechts auf Umweltzerstörung, mal mit, mal ohne Mengenrabatt. Aber was hätten wir auch anderes von denjenigen erwartet, die vor allem von Staaten und Firmen ihren Lebensunterhalt finanziert bekommen? Natürlich bringen sie die Interessen der Nationalstaaten mit denen der Konzerne in Einklang und suchen nach Wegen wie die einen weiter profitieren und die anderen dabei nicht um Aufstände bangen müssen. Vielleicht sehen auch sie sich nun im Angesicht der von ihnen prophezeiten Apokalypse von ihren Auftraggeber*innen geprellt, doch zumindest vorerst ändert das wenig an ihren – so scheint es – allgemein geschätzten Empfehlungen: Etwas Konsumkritik hier, die Ablöse eines Kraftwerks durch ein anderes dort, ein paar Energiespar-Tipps gibt es gratis oben drauf. Ach ja: Und die Autos – die sollen zumindest raus aus der Innenstadt. Ob da die Volkswagenstiftung nächstes Jahr nochmal Geld locker macht?

Bei Fridays for Future jedenfalls scheint mensch als Wissenschaftler*in dafür einen guten Ruf zu geniesen. Die Forderungen der Möchtegern-Rebell*innen an ihre persönlichen Autoritäten tragen allesamt das Prädikat „wissenschaftlich geprüft“. Wobei mensch sich da schon fragt, wer denn auf die wissenschaftlich brilliante Idee gekommen ist, das Oktoberfest zu einem zertifizierten Bio-Volksfest, einem dritten Tolwood mit beinahe ebenso urigem Modebewusstsein zu machen, anstatt das ganze Spektakel gleich abzusagen.

So wird die Unterwürfigkeit der Fridays for Future Aktivist*innen auch kaum besser symbolisiert als auf ihren wöchentlichen Happenings, wenn sie zu rund einem Dutzend das als Lautsprecherwagen dienende, ausrangierte Feuerwehrfahrzeug wie antike Sklav*innen an einem Seil hinter sich herziehen. Klimabilanz 1 : 0 Aktivist*innen.

Dabei müsste es doch gar nicht so enden. Wen kümmert im Angesicht der Apokalypse schon der eigene ökologische Fußabdruck? Und ist ein brennendes Auto nun ein Sakrileg oder doch eher ein Schritt auf dem Weg zu einer besseren Welt? In Köln hat mensch das offenbar im Mathe-Unterricht ausgerechnet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass vier brennende Porsche sich dann doch eher positiv auf die Klimabilanz auswirken.

War starts here – Kampagne gegen die kriegerische Normalität Markieren, blockieren und sabotieren

Im Jahr 2011, vor acht Jahren, wurde von verschiedenen autonomen Gruppen die Kampagne „War starts here – let‘s stop it here“ initiiert. Im Aufruf hieß es damals:

„Wir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt. Wir wollen die verschiedenen Facetten dieser Herrschaftssicherung sichtbar machen, stören und angreifen. Das Vorbereiten, Üben und Koordinieren von Krieg, das Produzieren, Transportieren, Forschen, Werben und Rekrutieren für den Krieg findet direkt vor unseren Augen statt.

Doch es geht uns um mehr als direkt militärisch erkennbare Rüstungsindustrien, Bundeswehreinrichtungen und -geräte, Truppenübungs- und Umschlagplätze. Patriarchale und neokoloniale Ideologien und Denkmuster müssen in den eigenen Köpfen als Teil von Militarisierung und Kriegsführung erkennbar gemacht werden. Wir wollen auch zivile Orte und Institutionen – Schulen, Arbeitsagenturen, Universitäten, Berufsmessen – als Orte markieren, in die militärische Formierung und Rekrutierung tagtäglich eindringt. […]

Das militärische Führen und Kontrollieren von Konflikten wird in immer mehr Situationen offensiv als alternativlos propagiert. Krieg wird weiter normalisiert, ob humanitär etikettiert, mit Doktrin der „responsibility to protect“ (Verantwortung zu schützen) oder offen ökonomisch begründet zur Durchsetzung von freien Rohstoff- und Handelsströmen. […]

Die Sicherung von staatlicher Herrschaft und die Durchsetzung ökonomischer Interessen machen den Kriegszustand allgegenwärtig. Ob völkerrechtlicher Angriff oder innerstaatliches Verbrechen, ob Kombattant oder Krimineller, ob Krieg oder Frieden: die überkommenen Begriffe verlieren ihre Trennschärfe und damit ihre Relevanz‘ (Schäuble, Jan 2007). Unterschiede zwischen Innen und Außen, militärische und zivil, Polizei und Militär, Krieg und Frieden verlieren ihre Konturen.“

An dieser Beschreibung hat sich bis heute wenig geändert. Deutsche Soldat*innen sind an gleichen Kriegsschauplätzen präsent wie noch vor zehn Jahren, einige neue sind dazu gekommen. Der sogenannte „Antiterror“-Einsatz in Mali z.B. dient dabei vor allem der militärischen Migrationskontrolle.

Die EU-Militärmission „Sophia“ zur angeblichen Bekämpfung von „Schleppern“ ist dagegen eingestellt worden, was neben der Stilllegung von NGO-Rettungsschiffen und der Ausrüstung sogenannter libyischer Küstenwachen dazu führt, dass immer mehr Flüchtende im Mittelmeer ertrinken oder ihrem Schicksal in einem libyschen Sklavenlager überlassen werden. Der Exportstopp für Waffenlieferungen nach Saudi Arabien dauerte gerade einmal ein paar Monate und ist inzwischen schon wieder Geschichte. Deutschland ist seit Jahren immer unter den Top Five der globalen Rüstungsexportnationen. Inzwischen steht auch eine neue Runde globaler atomarer Aufrüstung bevor.

Die antimilitaristischen Mobilisierungen der letzten Jahre gegen Rüstungsexporte, Kriegseinsätze, Rekrutierungen und Militarisierung der Gesellschaft sind leider kaum mehr wahrnehmbar. Um hier wieder „in die Offensive“ zu kommen, schlagen wir vor, die Kampagne neu zu beleben und dabei den Zusammenhang von Ausbeutung der globalen Ressourcen für die kapitalistische Produktion, Krieg und Flucht in den Mittelpunkt zu stellen. Die kapitalistischen Produktionsverhältnisse und die Verfestigung staatlicher Macht produzieren diesen Kreislauf und eine politische Lösung der globalen Probleme sind unter diesen Verhältnissen unmöglich. Viele, vor allem junge Menschen wissen das und scheinen nicht mehr bereit zu sein, in Ruhe abzuwarten und sich von den Regierenden weiter belügen zu lassen. Die globale Ausbeutung von Menschen und Natur ist nichts anderes als ein Krieg, und der beginnt hier, im globalen Norden, in Europa, in Deutschland. Der Krieg um den Zugang zu Rohstoffen und Absatzmärkten beginnt hier, der Krieg gegen Migration und Flucht beginnt hier. Hier können wir diesen Krieg auch bekämpfen.

Ein Slogan der ersten „War starts here“-Kampagne war: „Markieren, Blockieren, Sabotieren!“ Der ist im Rahmen der antimilitaristischen Mobilisierungen aufgegriffen und vielfältig umgesetzt worden. Inzwischen kann dieser Slogan auch ein wesentlicher Handlungsrahmen der Klimabewegung werden. Daran wollen wir anknüpfen.
Zum Thema Krieg existiert bereits ein Plakat, dass unter dem Motto – Krieg beginnt hier – einige Rüstungsstandorte in München markiert und darauf wartet, durch entsprechende Verantwortliche des globalen Klimawandels, erweitert zu werden. Dazu zählen, neben dem von den SWM betriebenen Kohlekraftwerk im Münchner Norden*, diverse Luftfahrt-Konzerne wie Airbus Defence and Space (früher EADS) und MTU, die im zivilen wie auch im militärischen an der weltweiten Zerstörung der Erde beteiligt sind. Die Energiekonzerne EO.N und RWE haben hier ihre Fillialen. Auch der Technologiekonzern Siemens, der erst durch die Machtergreifung der NSDAP zum weltgrößten Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik wurde, hat seinen Hauptsitz in München.

Als ein Profiteur der Automobilindustrie hat die BMW Group ebenfalls ihren Hauptsitz in München. Die Autos werden hier in Massen produziert und weltweit verfrachtet, um den Reichtum weniger Profiteure zu vermehren. Die direkten Folgen, die durch CO2-Emissionen verursacht werden sind Dürren und Umweltkatastrophen im globalen Süden und somit der Tod Hundertausender.

Krieg und Klimazerstörung beginnen hier – und sind hier aufzuhalten.

* Das trotz eines erfolgreichen Bürgerentscheids bis Ende 2030 am Netz bleiben wird