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Die E-Scooter sind wieder da …

Ist es dir aufgefallen? Bis vor kurzem waren die Straßen Münchens von den Scheißdingern weitestgehend befreit, jetzt stehen sie wieder an allen Ecken und Enden im Weg.

Die Anbieter*innen glauben offenbar, dass nun ein guter Zeitpunkt sei, die Dinger wieder aus den Lagern zu holen und damit die Stadt zuzumüllen. Für uns bedeutet das, dass das amüsante Spiel weitergeht:

Entferne, Überklebe oder übermale doch auch du die zum Entsperren benötigten QR-Codes, Kette mehrere E-Scooter zusammen, blockiere die Reifen mit Kabelbinder oder ähnlichem, zerlege die Roller in ihre Einzelteile, wirf sie in die Isar oder zünde sie einfach an. Es macht einen heiden Spaß!

Versprochen.

Brenn, E-Scooter, Brenn!

Am Samstag, den 04. April 2020 fackelten gegen 21:40 Uhr Unbekannte zwei E-Scooter im Stadtteil Freimann ab. Kurz darauf, am Montag, den 06. April 2020 wurde außerdem am frühen Nachmittag ein E-Scooter am Rand des Englischen Gartens abgefackelt.

Das sind in München nicht die ersten Angriffe auf die E-Scooter-Plage. Bereits im letzten Jahr konnte mensch zahllose der unnützen und völlig überteuerten Gefährte sabotiert am Wegesrand stehen sehen. Die Sabotageakte reichten dabei von mit Kabelbindern und Fahrradschlössern blockierten Reifen über Unkenntlichmachungen des QR-Codes, Verschmutzung der Lenker mit Zahnpasta, Schuhcreme, Rasierschaum, usw. bis hin zu in der Isar und anderen Gewässern versenkten E-Scootern.

Sabotage gegen E-Scooter

Im Laufe der vergangenen Woche wurden in zahlreichen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vermehrt E-Scooter der verschiedenen Anbieter*innen sabotiert (siehe hier). Mit Kabelbindern aneinander gekettet, mit überklebten, übermalten oder übersprühten QR-Codes, mit zertrümmerten Displays und abgetretenen Beleuchtungseinrichtungen haben alle E-Scooter eines gemeinsam: Sie können bis zur nächsten Wartung nicht mehr genutzt werden.

Auch in München konnte mensch in der vergangenen Woche vermehrt E-Scooter beobachten, die auf diese und andere Arten sabotiert worden waren. Hunderte E-Scooter standen mit übermalten oder übersprühten QR-Codes, Beleuchtungseinrichtungen und Nummernschilden nutzlos auf den Gehwegen der Stadt, immer wieder sah mensch Scooter, auf denen Aufkleber mit der Aufschrift „Out of Service“ oder „Defekt“ klebten, vereinzelt konnte mensch beobachten wie willige Nutzer*innen dieser neuen Unart von E-Mobilität verzweifelt versuchten durch Kabelbinder oder Schlösser miteinander verbundene E-Scooter zu befreien und quer übereinander ins Gebüsch geworfene E-Scooter zeugten von der sich spontan entladenden Wut vieler Feind*innen dieses „smarten“ Mobilitätsangebots.

Die Gründe für die Sabotage an E-Scootern können dabei vielschichtig sein: Völlig entnervt davon, dass mensch diesem Elektroschrott als Fußgänger*in und Fahrradfahrer*in ständig ausweichen muss, ist es sicher naheliegend, sich dieser Dinger durch einen gezielten Tritt oder einen gekonnten Stoß zu entledigen. Doch auch wer sich um die ökologischen Folgen der alles andere als klimafreundlichen E-Scooter sorgt, dürfte in der alltäglichen Sabotage dieser Roller einen Weg sehen, gegen dieses Mobilitätskonzept zu rebellieren. Das völlig überteuerte Angebot der E-Scooter, das sich alleine an diejenigen richtet, die es sich leisten können für einen wenige hundert Meter weiten Weg mehrere Euro zu bezahlen dürfte die Wut der Gegner*innen dabei noch vergrößern und die Zukunftspläne der Anbieter*innen, die in ersten Städten bereits autonom fahrende E-Scooter testen, die mit ihren Kameras ihre gesamte Umgebung überwachen, dürften dem Ganzen dann die Krone aufsetzen.

E-Scooter sind keine Bereicherung für unser Leben, sie sind nichts als Müll und der billige Versuch das Netz der Überwachung in unseren Städten zu verfeinern. Dass sich gegen diesen Versuch zahlreiche Menschen mit dem einfachen Mittel der direkten Sabotage auflehnen ist ebenso erfreulich wie folgerichtig. In diesem Sinne bin ich gespannt, welche kreativen Formen der Sabotage ich in Zukunft beobachten werde, denn eines haben schon die Erfahrungen mit den O-Bikes in München gezeigt: Einmal in Gang gesetzt lässt sich die massenhafte Sabotage kaum mehr unter Kontrolle bringen und sie entfaltet stattdessen ungeahnte Kreativität.

Auf dass die E-Scooter ein ebenso baldiges Ende finden, wie die O-Bikes!

Greta und Kenny hassen E-Scooter

Seit Monaten wird aufgeregt darüber diskutiert, was E-Roller für eine dringend notwendige „Mobilitätswende“ bedeuten könnten. Doch welche Strecken ersetzen die Miet-Roller? Nur solche, die bisher absolut umweltfreundlich zurückgelegt wurden, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Lifestyle-Objekt ist ein bescheuertes Elektro-Spielzeug, es bringt uns verkehrspolitisch keinen Kilometer weiter. Statt den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und die Infrastruktur für Fahrräder zu verbessern, folgen derzeit viele Städte dümmlich dem plattform-technologischen Trend der SiliconValley-„Mikro-Mobilität“ – und zwar in der unökologischsten Variante.

Etwa 15 Tausend E-Scooter sind seit Ende Juni dieses Jahres in Deutschlands Großstädten auf den Straßen. Circ, Lime, Tier und Voi heißen die Plattformen, über die sich hippe Hype-follower einen Elektro-Tretroller ausleihen können. Eine halbe Stunde mit dem Roller kostet doppelt so viel wie ein Einzelfahrschein des öffentlichen Nahverkehrs.

Teurer Hipster-Scheiß

Die E-Roller taugen schon preislich nicht als massenhaftes Fortbewegungsmittel für die Stadt.
Die Freischaltung eines E-Tretrollers per Smartphone kostet 1 Euro, danach werden 15-20 Cent pro Minute fällig. Nach 12 Minuten kostet die Miete in Berlin 2,80 Euro. Dafür gäbe es eine BVG-Fahrkarte, mit der man 2 Stunden Bus oder Bahn fahren kann oder fast 90 Minuten Mietfahrrad. Zusätzlich geben die Hipster vollständig personalisiert Auskunft über ihre Wege und Aufenthaltsorte (GPS-Tacking). Die Daten werden aufgezeichnet, ausgewertet und weiterverkauft. Die Roller lassen sich nur per QR-Code und Smartphone-App freischalten und über Kredit-Karte oder Paypal bezahlen. E-Roller werden durchschnittlich fünf mal am Tag ausgeliehen und stehen die restliche Zeit im öffentlichen Raum im Weg.

Maximal unökologisch

Anders als uns die Verkehrs-“Wende“-Apologeten glauben machen wollen, ersetzen E-Scooter kein einziges Auto. Mit E-Scootern fahren Touris und Hipster Kurzstrecken unter 2 Kilometern, die sie zuvor zu Fuß oder per Rad zurückgelegt haben. Anders als auf dem Fahrrad kann man mit E-Rollern nichts transportieren. Sie sind überflüssige Stromfresser – mit einer überaus schlechten Ökobilanz: Der E-Scooter schneidet hinsichtlich der CO_2-Emission pro Person und Kilometer deutlich schlechter ab als ein Dieselbus. Er erzeugt fast die Hälfte der klimaschädlichen Emissionen eines Auto(mit-)fahrers. So die Ergebnisse einer Anfang August in den Environmental Research Letters veröffentlichten Studie von Hollingsworth, Copeland und Johnson. Grund dafür ist vor allem der schnelle Verschleiß der Scooter, die schon nach geringer Fahrleistung ausgemustert werden müssen. Dazu kommt der Energieaufwand beim Einsammeln und Aufladen der Roller: „Juicer“ sammeln die Roller, deren Akku weniger als halb voll ist, nachts (mit privaten Autos) ein, um sie (in ihre Wohnung zu schleppen und dort) gegen Honorar aufzuladen. Die Roller halten kein halbes Jahr. Nach durchschnittlich 3-4 Monaten werden sie verschrottet. Zehntausende Hochleistungs-Akkus mit 30 Kilometern Reichweite sind damit jährlich als Sondermüll zu entsorgen. Für die Batterien gibt es (derzeit) keine Recycling-Möglichkeit. Unmengen an seltenen Erden (z. B. Lithium), die unter den bekannten unmenschlichen Arbeitsbedingungen geschürft wurden, werden so verschwendet.

Im sogenannten Lithiumdreieck (Argentinien, Bolivien, Chile) lagern 70 Prozent des weltweiten Lithiumvorkommens in Salzseen inmitten hochandiner Steppenregionen, die durch extrem hohe Sonneneinstrahlung und Trockenheit gekennzeichnet sind. Diese Landschaft ist die Heimat zahlreicher indigener Gemeinden, die dort seit Jahrhunderten leben und Viehzucht und Landwirtschaft betreiben. Aufgrund ihres sehr hohen Wasserverbrauchs stellt die Lithiumproduktion im südlichen Lateinamerika eine Bedrohung für Menschen, Tiere und Pflanzen dar: Für eine Tonne Lithium werden 20 Millionen Liter Wasser benötigt. Damit wird auch ein wertvolles Ökosystem unwiederbringlich zerstört.

How to solve the problem?

Einige der empfindlichen Scooter-Batterien geraten beim Aufladen selbständig in Brand, sobald sie durch mechanische Beanspruchung feinste Risse aufweisen. Das passiert allerdings zu selten, um den irrsinnigen Hype abzuschwächen. Southpark-Kenny löst das Scooter Problem in „The Scoots“ (Staffel 22, Episode 5) per Funkmast-Sabotage. Wie also mit der Masse an Scootern umgehen?

In vielen Städten finden wir Aufkleber mit der Aufschrift „defekt“, „out of service“ oder „battery breakdown“ über die 3×3 Zentimeter großen QR-Codes geklebt (siehe pdfs im Anhang). Die Roller bleiben dann in der Regel bis zur nächsten Inspektion ungenutzt stehen – ohne lesbaren QR-Code ist keine Nutzung möglich. Die QR-Codes lassen sich auch ganz entfernen oder mithilfe eines Markers oder Sprühdose überdecken. Manche schließen gleich mehrere der Roller mit Drahtschlaufe und Vorhängeschloss zusammen – ob als Haufen oder kunstvoll zu Formen geschichtet. In vielen Städten Europas werden die Scooter in Gebüschen oder Flüssen versenkt.

Ausgiebige Alltags-Sabotage hatte bereits dem Leihfahrrad-Anbieter Obike ein frühes Aus beschert. Der chinesische Anbieter hatte Anfang 2018 mehrere Großstädte versuchsweise mit tausenden Leihfahrrädern geflutet und war überrascht, auf wie viel Widerstand die zugeparkten Bürgersteige und die Datensammelei insbesondere in München stießen: Aufgehängt in Bäumen, an Laternen, Ampel- und Strommasten, in der Isar versenkt, oder auch zertrampelt am Wegesrand fanden sich unzählige der 7000 Fahrräder in München. „Eine PR-Katastrophe“, so der damalige Obike-Deutschland-Chef, Marco Piu.

Dieser Artikel wurde zuerst im Autonomen Blättchen Nr. 38 veröffentlicht (S. 52).