Tag Archives: Coronavirus

[Tabriz] Knastaufstand im Tabriz Central Prison

Am 26. März 2020 [Donnerstag] kam es in einigen Abteilungen des Tabriz Central Prisons, einer Stadt im nordwesten des Irans, zu Aufständen einiger Gefangener, nachdem es bereits zuvor in zahlreichen iranischen Gefängnissen Hungerstreiks der Gefangenen, aufgrund der miserablen Lage in den Gefängnissen, der Ausbreitung des Coronavirus und einigen Todesfällen von Gefangenen gegeben hatte.

Der offiziellen Berichterstattung der staatlichen Nachrichtenagenturen zufolge belagerten die Bullenkräfte die Regionen um das Gefängnis herum und es seien Schüsse zu hören gewesen.

Das heuchlerische und unterdrückerische totalitäre Regime des Irans hatte die Gefangenen mit Tränengas und Schussalven angegriffen und außerdem mehrere der Gefangenen verletzt.

Freie Übersetzung der englischen Übersetzung bei athens.indymedia.org.

[Madrid] Aufstand im Abschiebeknast von Aluche von den Inhaftierten mit Coronavirus-Symptomen

Vor zwei Tagen, am Dienstag, 17. März, kam es bei dem Abschiebeknast in Aluche (Madrid) zu einem Aufstand. Mehrere der Migrant*innen kletterten auf ein Dach im Hof und kündigten an, dass sie einen Hungerstreik beginnen würden, um die Situation vieler von ihnen zu lösen, die vom Coronavirus betroffen waren, aber von demselben Staat in ein Abschiebeknast eingepfercht wurden, der die angebliche Infektionsprävention als Vorwand benutzt, um die Armee auf die Straßen zu bringen, die nun nicht nur von Bullen und Kameras, sondern auch von Militärpersonal mit Sturmgewehren bewacht wird. […] Sie geben an, dass sie trotz der Symptome, die einige von ihnen aufweisen, nicht „medizinisch untersucht“ wurden, um zu wissen, ob sie infiziert sind, sondern im Gegenteil „mit Schmerzmitteln“ behandelt werden.

Quelle: Panoptikon

Rebellion in Zeiten der Ausgangssperre

Wir befinden uns in einer Situation, die jedem gänzlich neu ist: Ähnlich wie in Kriegszeiten oder in Strafhaft sind unsere Freiheitsrechte auf ein Minimum gekürzt, nur dass dieses mal der „Feind“ unsichtbar ist und unser Gefängnis unser Zuhause. Katastrophenfall, Ausnahmezustand, Ausgangssperre, Pandemie, Medienbombardement, Panik, Verunsicherung und Vereinzelung… An dieser Stelle geht es nicht darum, die tödlichen Folgen des Coronavirus zu relativieren oder einzuschätzen – auf medizinischer Ebene kann ich das nicht beurteilen. Worum es mir aber geht ist eine Kritik an der stattfindenden autoritären Formierung, sprich an dem durch den Staat deklarierten Kriegszustand und den Folgen, den dies für uns und die Gesellschaft hat. Denn während mit Verweis auf die entsprechenden Experten dieser Tage jeder Gesetzesentwurf und jeder Erlass durchgewunken wird und keiner vorherzusagen vermag, wie die Situation in einer Woche aussehen könnte, brauchen wir keine Experten um zu wissen, dass der Ausnahmezustand in Zeiten der Krise und des Krieges allzu schnell zur Normalität wird (erinnert sich noch jemand an den„Krieg gegen den Terror“ oder die „Flüchtlingskrise“ ?).

Die soziale Misere: Einsam, digital und gehorsam

In der Always-On-Gesellschaft hat die Geschwindigkeit und allgemeine Präsenz der Nachrichten ein neues Niveau erreicht: Im Live-Ticker können wir die Infiziertenzahlen beobachten und umso schneller wächst unsere Verunsicherung… die Angst vor dem Infizieren, vor dem Kranken, vor dem Mitmenschen, vor dem Nachbarn. Währenddessen positionieren sich die Politiker an vorderster Front im Krieg gegen den Feind und versichern uns, dass sie wüssten, was das beste sei. „Zuhause bleiben! Zufrieden bleiben“ sei alles, was wir zu tun hätten. Einigkeit beweisen und den Aufforderungen Folge leisten, denn schließlich sei jetzt „der falsche Moment für Kritik“. Und schwuppsdiwupps finden wir uns in einem totalitären Szenario der Kontrollgesellschaft wieder: Man sollte das Haus nicht mehr verlassen und ferner jene melden, die diesem Erlass nicht gehorchen. Der brave Bürger wird sich seiner Verantwortung bewusst und ruft ferner die 110, wenn er vermutet, die Nachbarn feiern eine Party. Währenddessen steigt die Internetnutzung auf ein neues Höchstniveau, denn uns wird weis gemacht, dass es ja eine andere Welt gäbe, in die wir flüchten könnten, wenn wir uns in die uns umgebende nicht mehr hinaus trauen dürften: Die digitale Welt. Denn anstatt sich zu bewegen und Kontakte zu pflegen, wird das Leben ins Digitale verlagert. Anstatt hinauszugehen und Freunde zu treffen, kann man ja auch miteinander chatten, Serien schauen, zu Hause arbeiten, alles vor die Wohnungstür liefern lassen, Pornos schauen, im Internet Kritik äußern und sich austauschen oder einfach nur Games spielen. Im digitalen Rausch wird das Leben künstlich und entfremdet und letztendlich entschwindet uns jegliche Möglichkeit etwas an der uns umgebenden Wirklichkeit zu verändern. Gestresst, unausgelastet, überfordert und mit viereckigen Augen innerhalb der eigenen vier Wände herumgammeln – soll das die Zukunft sein? Permanent eingesperrt und von neuen Schreckensnachrichten verschreckt steigen in solchen Szenarien allgemeinhin die Zahlen derjenigen, die sich entschließen solch einem Leben selbst ein Ende zu bereiten; als auch die zwischenmenschliche und häusliche Gewalt, die meist von Männern gegenüber Frauen ausgeübt wird.

Auf unbeschränkte Zeit im Freiluftgefängnis

Während ich diesen Text schreibe, fährt ein paar Parallelstraßen weiter ein Polizeiwagen umher, dessen Lautsprecher laut verkünden, dass man zu Hause bleiben solle. Gleichzeitig sitzen einige hohe Politiker zusammen und regeln inwiefern die Ausgangsbeschränkungen bundesweit angeglichen werden. Der Funkmast, welcher auf dem Dach eines Nachbarhauses steht, sammelt die Bewegungs- und Kontaktdaten aller Handys, die sich in seinem Umkreis befinden, und die Betreiberfirmen Telekom und Vodafone wird diese dann weiterreichen, so dass analysiert werden kann, mit wem Infizierte wohl Kontakt hatten und inwiefern die Ausgangsbeschränkung eingehalten wird. In ein paar Tagen wird der Staat wahrscheinlich die Ausgangsbeschränkung zu einer Sperre machen und Rechte wie das Briefgeheimnis und die Unverletzlichkeit der Wohnung aufheben. Somit wird weitgehend durchleuchtet, wer mit wem und wo Kontakt hat, wer wo wohnt und sich wo aufhält und die staatlichen Subjekte somit kategorisiert, eingeteilt und geordnet bzw. getrennt. Zudem wird unter dem Ruf nach totalem Gehorsam eine globale Militarisierung der Gesellschaft herbeigeführt, die so noch nie existiert hat. Geschlossene Grenzen, sich für den Einsatz auf der Straße vorbereitende Soldaten, Verbot jeglicher Ansammlung von Menschen und Helikopter, die mittels Wärmebildkameras nach eben diesen suchen. Dass China als Musterstaat im Kampf gegen die Seuche gilt, zeigt wohin die Reise geht: Über unseren Köpfen schwebende Drohnen, die uns Befehle geben, Barcodes auf unseren Smartphones, die uns nach nicht nachvollziehbaren Algorithmen den Gang in den Supermarkt erlauben oder uns zwangsmäßig quarantänisieren, die Abriegelungen ganzer Städte und Checkpoints an jeder Ecke. Dass ein „Experte“ in Italien bereits vorgeschlagen hat, den Quarantänisierten auch noch elektronische Fußfesseln zu geben, damit man sicher gehen könne, dass diese nicht das Haus verlassen, verdeutlicht, dass die Stadt nunmehr in ein Freiluftgefängnis verwandelt wurde und die Methoden der Disziplinierung, Kontrolle, Verwaltung, Bestrafung und Überwachung auf alle Bürger angewandt werden. Wer sich nunmehr damit begnügt, diese kurze Zeit der Einschränkung abzuwarten und sich online zu amüsieren, dem ist nicht nur nichts an Freiheit gelegen, sondern der versteht auch nicht, dass dieser Zustand mehr als ein paar Tage andauern wird.

Die Normalität ist die wirkliche Krise

Aus der bevölkerungs-politischen Sicht der Herrschenden hat es keinerlei Sinn, diesen Ausnahmezustand nur für zwei Wochen zu halten. Wer die Gesellschaft einfrieren will um einen Virus zu stoppen, der muss aus virologischer Sicht mindestens ein Jahr tun. Und auch wenn die Beschränkungen danach gelockert oder aufgehoben werden, werden die Folgen enorm sein: Wer einsam, digital und gehorsam lebt, der trainiert sich dieses Verhalten auch an. Während wir vor einigen Monaten noch global explodierende Proteste und Aufstände gesehen haben, werden die Mittel der Aufstandsbekämpfung und sozialen Verblödung tiefe Narben hinterlassen: Denn wer einsam und digital lebt, lässt sich auch seiner Möglichkeiten und Mittel zu diskutieren, revoltieren und sich mit seinen Freunden selbstzuorganisierenberauben. Während sich der Staat zum Schützer von Leib und Leben inszeniert, verbietet er uns jegliches soziales Leben. Doch wir wissen, dass der Staat und seine Industrie es sind, die permanent töten, diese Welt mit Kriegen übersähen, Geflüchtete an den Grenzen sterben lassen und seit hunderten von Jahren die Erde zerstören und aussaugen. Der Staat spielt sich zum Hüter des Allgemeinwohls auf, doch tatsächlich will er uns als Arbeitssklaven und gehorsame Soldaten sehen, die für seine verpestende Industrie Profite produzieren und bereit sind in seinen Kriegen zu sterben. Der Staat schützt in erster Linie die Reichen und wenn jemand in dieser wirtschaftlichen Krise auf die Idee kommen wird sich bei eben diesen zu nehmen, woran es ihm oder ihr mangelt, werden die Staatsdiener nicht zögern auf die Plünderer und Diebe zu schießen. Kapitalismus und Staat benötigen Krisen und Ausnahmezustände um ihre Macht über uns zu vergrößern und zu verhärten – der Virus ist nicht der Grund dafür, sondern der Auslöser. Der Staat ruft uns auf Verantwortung zu übernehmen, doch verbietet es uns uns selbst zu organisieren, uns zu treffen und gegenseitig zu helfen. Wir sollen vor dem Bildschirm sitzen und „ja“ und „Amen“ sagen, doch wenn wir die Rolle des Untertanen verlassen, erklärt er uns den Krieg.

Wenn der Staat jegliche unser Bewegungen und Beziehungen kontrollieren und verhindern will, müssen wir Wege suchen uns trotz alledem zu bewegen und zu treffen. Wenn uns das Notwendige zum Leben knapp wird, müssen wir es uns da nehmen, wo es davon im Überfluss gibt. Wenn wir voneinander getrennt und eingesperrt werden, dürfen wir uns nicht als Konkurrenten oder Feinde sehen, sondern als Menschen mit denen wir uns zusammen tun können – als mögliche Helfer und Komplizen. Wenn die Augen des Staates immer omnipräsenter und die Schlinge des Kapitalismus an unserem Hals immer enger werden, müssen wir nach Möglichkeiten suchen diese auszustechen und zu durchtrennen.

Regiert sein heißt unter polizeilicher Überwachung stehen, inspiziert, spioniert, dirigiert, mit Gesetzen überschüttet, reglementiert, eingepfercht, belehrt, bepredigt, kontrolliert, eingeschätzt, abgeschätzt, zensiert, kommandiert zu werden durch Leute, die weder das Recht, noch das Wissen, noch die Tugend dazu haben…

Regiert sein heisst, bei jeder Handlung, bei jedem Geschäft, bei jeder Bewegung versteuert, patentiert, notiert, registriert, erfasst, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, lizenziert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert, reformiert, ausgerichtet, bestraft zu werden.

Es heisst, unter dem Vorwand der öffentlichen Nützlichkeit und im Namen des Allgemeininteresses ausgenutzt, verwaltet, geprellt, ausgebeutet, monopolisiert, hintergangen, ausgepresst, getäuscht, bestohlen zu werden; schliesslich bei dem geringsten Widerstand, beim ersten Wort der Klage unterdrückt, bestraft, heruntergemacht, beleidigt, verfolgt, misshandelt, zu Boden geschlagen, entwaffnet, geknebelt, eingesperrt, füsiliert, beschossen, verurteilt, verdammt, deportiert, geopfert, verkauft, verraten und obendrein verhöhnt, gehänselt, beschimpft und entehrt zu werden.

Das ist die Regierung, das ist ihre Gerechtigkeit, das ist ihre Moral. Die Regierung des Menschen über den Menschen ist die Sklaverei. Wer immer die Hand auf mich legt, um über mich zu herrschen, ist ein Usurpator und ein Tyrann. Ich erkläre ihn zu meinem Feinde.«

Eine Übersetzung dieses Textes ins Englische findest du auf der Seite The Plaque and the Fire.

Eine Übersetzung dieses Textes ins Italienische findest du auf der Seite The Plaque and the Fire.

Eine Übersetzung dieses Textes ins Französische findest du bei Sans Attendre Demain.

 

Widerstand gegen Corona im Münchner Stadtbild

Corona scheint zur ultimativen Legitimationsstrategie für alle denkbaren und undenkbaren Formen von Herrschaft und sozialer Kontrolle geworden zu sein. Eine Viruserkrankung, die dazu dient, die Menschen einzusperren, ihnen den Kontakt zu anderen zu verbieten und sie bei jeder Gelegenheit zu schikanieren. Dabei wird jeder Kritik an diesen autoritären Maßnahmen mit dem Argument begegnet, dass mensch dann wohl den Tod hunderter, tausender oder Millionen von Menschen befürworte. Corona ist für mich daher mehr als eine Viruserkrankung, Corona ist ein Narrativ der Herrschenden, das meiner Unterdrückung dient. Deshalb gilt mein Widerstand nicht nur der Ausgangssperre, dem Kontaktverbot, der Quarantäne und allen anderen autoritären Kontrollmechanismen, sondern in erster Linie diesem Narrativ selbst.

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Bei Verdacht auf Corona: Einfach mal eine*n Bull*in anhusten!

Wär hätte es gedacht: Die zunehmenden autoritären Maßnahmen des Staates unter dem Vorwand der Verbreitung des Coronavirus führten in den vergangenen Tagen zu vermehrten Schikanen durch die Bull*innen. Die patroullieren in den Straßen, in Parks, an der Isar und machen sogar Hausbesuche, wenn eine*r ihren*seinen Nachbar*in bei ihnen denunziert, um Gruppen aus mehreren Personen zu zerstreuen.

Dabei wurden in den vergangenen Tagen Angaben der Bull*innen zufolge mehrfach Menschen kontrolliert, die dafür nur wenig Verständnis übrig hatten. Von den Bull*innen eingekreist, festgehalten oder aufgeschrieben, taten sie das einzig sinnvolle, das einer*einem in dieser Situation noch bleibt: Sie husteten die Bull*innen an, in der Hoffnung, so zumindest einige der Staatsbüttel dienstunfähig zu machen. Richtig so!

Noch besser ist das Ganze allerdings, wenn mensch sich dabei nicht erwischen lässt, denn im Erfolgsfall, also wenn eine*r der Bull*innen wirklich erkrankt, kann das hohe Strafen nach sich ziehen.

Allen infizierten Bull*innen wünschen wir an dieser Stelle einen besonders schweren Verlauf der Krankheit.

Telekom gibt massenhaft Bewegungsdaten von Mobilfunknutzer*innen weiter

Aktuellen Presseberichten zufolge soll die Telekom am Dienstagabend (17.03.2020) insgesamt 5 Gigabyte Bewegungsdaten von Handynutzer*innen an das staatliche Robert-Koch-Institut weitergegeben haben. Momentan seien diese Daten anonymisiert; die Identitäten einzelner Nutzer*innen seien angeblich nicht bestimmbar, wohl aber seien Bewegungsprofile auf einzelne Landkreise und Gemeinden herunterbrechbar. Die Daten sollen dazu dienen, anhand der Bewegungsprofile der Menschen „Erkenntnisse über die Verbreitung“ des Coronavirus zu gewinnen. Auf diese Art und Weise soll wohl die soziale Kontrolle der Bevölkerung intensiviert und effizienter gestaltet werden.

Auch wenn es nicht so krass klingt, sind 5 Gigabyte eine enorme Datenmenge: Angenommen, ein Datensatz, der ja im Grunde bloß aus einer (anonymisierten) Nutzer*innen-ID, einem Zeitstempel und einer Mobilfunkzellen-ID besteht, benötige 256 Byte Speicherplatz, so ergeben sich bei einer Größe von 5GB rund 21 Millionen Datensätze. Die herausgegebenen Daten entsprechen den Berichten zufolge dabei allerdings nur einer „Stichprobe“. Seitens des Robert-Koch-Instituts verspricht mensch sich von diesen Daten besser simulieren zu können, wie sich die Menschen bewegen, um die sozialen Kontakte noch besser unterbrechen zu können.

Was derzeit anonymisiert erfolgt, könnte dabei schon bald auch auf individueller Ebene stattfinden: In China und Israel, sowie in weiteren Ländern wurden ähnliche Daten bereits dazu genutzt, Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen, sowie um zu überprüfen, ob Menschen den ihnen auferlegten Quarantänebestimmungen nachkommen. Ähnliches könnte auch hier in kürzester Zeit Realität werden, denn die Auswertung anonymisierter Daten wird nur ein erster Schritt sein. [1] Spätestens wenn sich die daraufhin perfektionierten Kontrollmechanismen ebenfalls als unzureichend erweisen werden, um soziale Beziehungen vollständig zu unterbrechen, wird mensch auch personalisierte Daten von den Mobilfunkanbietern einfordern. Und die werden ebenso bereitwillig kooperieren: „Die Herausforderungen von Corona sind gigantisch. Wenn anonymisierte Massendaten zum langsameren Verlauf der Infektionskurve beitragen und Leben retten können, kommen wir der Bitte zur Unterstützung der staatlichen Stellen gerne nach“ sagte ein*e Sprecher*in der Telekom Presseberichten zufolge. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Maxime auch auf personalisierte Daten erstrecken wird.

Daher kann ich nur jeder*jedem empfehlen, auf Mobilfunkgeräte jeglicher Art (nicht nur Smartphones, sondern auch alle „klassischen“ Handys) unterwegs zu verzichten. Wer weiß, wann die bei einer Nutzung hinterlassenen Spuren gegen eine*n verwendet werden!

 

[1] Update vom 23. März 2020: Tatsächlich hat das Gesundheitsministerium um das Politiker*innenarschloch Jens Spahn bereits einen Gesetzesvorschlag erarbeitet, der die Auswertung personalisierter Bewegungsdaten erlauben soll.

Corona-Diagnose per DNA-Analyse

Nein, wir stimmen nicht mit ein in den Chor der Panik-Pandemisten. Wir glauben auch nicht, dass das Corona-Virus einem geheimen Labor entstammt und freigesetzt wurde, um zugunsten eines weltwirtschaftlichen Schocks die ökonomischen Koordinaten neu setzen und die globalen Beziehungen neu ordnen zu könnnen.

Aber: Wir sehen deutliche Anzeichen für eine Nutzung der Panikstimmung zugunsten neuer Programme der Verhaltenslenkung in krisenhaften Ausnahmezuständen. Wann sonst lassen sich nahezu widerspruchsfrei ganze Regionen abriegeln? Es ist definitiv noch zu früh, die Akzeptanzbedingungen globaler Bevölkerungskontrolle zu analysieren. Wir wollen jedoch warnen vor der Möglichkeit von Massen-DNA-Screenings und Positionsdatenauswertungen im großen Stil.

In China entscheidet derzeit in mehr als 200 Städten die Bezahl-App des Finanzdienstleisters „Ant Financial“ (eine Tochter von Alibaba – früher AliPay) bei Polizeikontrollen und im Supermarkt, wer im öffentlichen Raum unterwegs sein darf und wer nicht. Ein persönlicher QR-Code in grün auf dem eigenen Smartphone bedeutet freies Passieren und Bezahlen. Färbt sich der eigene QR-Code dieser App gelb oder rot, muss sich die betreffende Person umgehend bei den Behörden melden und 7 bzw. 14 Tage in häusliche Quarantäne. Die App des Zahlungsdienstleisters ermittelt die „soziale Corona-Virus-Last“ (in nicht nachvollziehbarer Weise) per künstlicher Intelligenz aus den individuellen Positionsdaten der Vergangenheit, aus den persönlichen Kontakten sowie aus weiteren Aspekten des Sozialverhaltens.

In Deutschland wurde ein ähnlich anmutender Vorstoß des Robert-Koch-Institus vom 5. März 2020, eine permanente Funkzellenauswertung heranzuziehen, um zu ermitteln, wer mit wem Corona-relevanten Kontakt gehabt haben könnte, zunächst zurück gewiesen. Das Bundesinnenministerium ließ verlauten, dass aus Funkzellendaten keine echten Kontakte abzulesen seien – „GPS-Daten erscheinen dazu geeigneter“. Die Kassenärztliche Vereinigung KBV teilte mit: „Der massive Eingriff in Persönlichkeitsrechte erscheint im Falle von Corona nicht gerechtfertigt. (…) Über solche Maßnahmen könnte man allenfalls nachdenken, falls es sich um eine in der Regel schwer oder tödlich verlaufende Erkrankung wie zum Beispiel Ebola handeln würde.“ Beide Reaktionen (6.3.2020) klingen nicht nach einer finalen Absage an einen derartigen Datenwunsch.

Entscheidender für viele Aktivist*innen könnte ein anderer Aspekt des Corona-basierten Bevölkerungsmanagements sein. Derzeit gibt es (noch) keinen Corona-Virustest auf Antikörper. Daher kann nicht einfach eine Antikörper-Konzentration im Blut ermittelt werden, die Aufschluss darüber gibt, ob ein Mensch infiziert ist. Stattdessen werden zwei Abstriche im Rachen- / Nasenraum genommen und zur DNA-Analyse mittels Polymerase Chain Reaction (PCR) gegeben. Die Proben sollen gemäß Vorgabe des Robert-Koch-Instituts bei entsprechendem Verdacht auch auf andere in Frage kommende Erreger von Atemwegserkrankungen untersucht werden. Die vom Patienten gewonnenen DNA-Proben sollen zentral asserviert werden(!), um im Zweifelsfall weitere Untersuchungen zu ermöglichen. Nach den Leitlinien des Robert-Koch-Instituts werden auch negative Testergebnisse asserviert (da ein negativer Test eine Infektion nicht ausschließen kann). Derzeit wird die Untersuchung in Deuschland von der Berliner Charité koordiniert (Labor Berlin – Charité Vivantes GmbH). In Zukunft sollen viele Landes-Labore diese Diagnostik etablieren. Folgende Institute bieten den PCR-Test zur Diagnose von Corona-Viren mittlerweile an (aktualisierte Liste unter: https://www.g-f-v.org/node/1233)

Kurzum: Wer (derzeit) auf Corona-Viren getestet wird, dessen DNA-Probe wird asserviert, auch wenn das Labor sich zunächst nur für die Viren-DNA darin interessiert.

Das sollten Aktivist*innen berücksichtigen, die sich bemühen ihre DNA nirgendwo zu hinterlassen.

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Vorl_Testung_nCoV.html

Eine Pandemie endet mit ihrer Zivilisation

Innerhalb weniger Monate hat sich das sogenannte Coronavirus auf der ganzen Welt verbreitet. Nachdem zahlreiche Länder darauf bereits mit drastischen Quarantäne-Maßnahmen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit reagiert haben, zeichnet sich nun auch hier eine Eskalation der Situation durch den Staat ab. Veranstaltungsverboten und Schulschließungen – wobei letzteres ja unter libertären Gesichtspunkten eigentlich eine erstrebenswerte Sache ist –, werden Stück für Stück drastischere Maßnahmen folgen, die unser Leben immer weiter beschränken und die Kontrolle des Staates zunehmend intensivieren werden. Das zeigt nicht nur der Blick auf Staaten wie China, Hongkong oder Italien, sondern das entspringt auch der inneren Logik des Staates und der Interessen, die er freilich auch dann vertritt, wenn er vorgibt, einen Virus zu bekämpfen. Aber so bitter die Situation derzeit auch aussehen mag, so offenbaren sich durch sie jedoch auch neue Möglichkeiten mit allem Bestehenden zu brechen.

Ein Blick auf die Ursachen

Wie kommt es überhaupt, dass sich ein Virus innerhalb weniger Monate auf der ganzen Welt ausbreiten kann und zu einer Bedrohung für die Leben so vieler Menschen wird. Ohne dass ich hier die Panikmache von Medien und Regierungen reproduzieren will, so scheint mir doch klar zu sein, dass – auch wenn die Bedrohung durch das Coronavirus nicht unbedingt größer als die durch andere Viren (hier bspw. die Grippe) oder andere zivilisatorische Gefahrenquellen, bspw. durch den Straßenverkehr, ist – wir getrost auf diese Krankheit verzichten könnten. Wie kommt es also, dass sich Viren so schnell und so weit verbreiten?

Nach dem Ausbruch einer Viruserkrankung vermehrt sich diese exponentiell: Wenn eine infizierte Person im Laufe ihrer Erkrankung beispielsweise durchschnittlich zwei Menschen ansteckt, wie das derzeit bei Corona angenommen wird, so bedeutet das, dass ausgehend von einer Anfangspopulation an Erkrankten A in jedem Zyklus n A*2n weitere Menschen infiziert werden. Geht mensch beispielsweise davon aus, dass zu Beginn der Krankheit nur zwei Personen infiziert waren (A = 2), so waren nach dem ersten Zyklus (n = 1) bereits A*2n = 2*2¹ = 4 Menschen zusätzlich infiziert, nach dem zweiten Zyklus (n=2) waren es demnach A*2n = 2*2² = 8, nach dem dritten Zyklus (n=3) A*2n = 2*2³ = 16, nach dem vierten 32, nach dem 10. 2048, nach dem 15. bereits 65.536 und nach dem 20. bereits mehr als zwei Millionen Menschen. Nach dem 32. Zyklus [1] wären dieser Berechnung nach bereits mehr als 8 Milliarden Menschen zusätzlich infiziert, also mehr als die gesamte Bevölkerung der Erde.

Natürlich ist das eine sehr modellhafte Berechnung, die vor allem eine unbeschränkte Ausbreitung der Infektion voraussetzt. Das ist selbstverständlich so nicht der Fall. Tatsächlich stößt die Ausbreitung einer Infektion an verschiedene natürliche Grenzen: So ist es beispielsweise nicht so, dass jeder Mensch potenziell mit jedem anderen Menschen auf dieser Welt in Kontakt steht. Auch bildet das gedachte Netzwerk, in dem Menschen miteinander in Kontakt kommen, keine gleichmäßige Struktur aus, bei der eine Community fließend in eine andere übergeht. Oft sind einzelne Regionen nur lose über einzelne Mitglieder miteinander verbunden. Wird das Virus nicht über diese interregionalen Kontakte weitergegeben, so kommt die Verbreitung schließlich nach der vollständigen Infizierung einer Region (auch Durchseuchung genannt) zum Erliegen. Das Virus wird also ausgerottet.

Ganz so ideal verhält sich das in der heutigen Realität jedoch nicht: Die Verflechtung auch weit voneinander entfernter Regionen durch ein internationales Mobilitäts- und Produktionsnetz trägt dazu bei, dass die Verbindungen zwischen den Menschen einer Region mit den Menschen vieler anderer Regionen häufiger und intensiver werden. So trugen zur Ausbreitung des Coronavirus, ebenso wie zur Ausbreitung ähnlicher Epidemien und Pandemien beispielsweise ganz besonders multinationale Unternehmen bei, deren (Führungs-)Personal häufig von einem Standort zum nächsten reist. Die ersten Corona-Infizierten hier in München waren beispielsweise allesamt Mitarbeiter*innen einer solchen Firma, die Kontakte in die ursprünglich betroffene Region gahabt hatten. Auch Urlauber*innen, die Urlaub in einer betroffenen Region machen und dann in ihre Heimat zurückkehren tragen oft zur Verbreitung einer Pandemie bei. So etwa bei Corona-Infizierten in NRW. Dass diese Form der Übertragung einerseits so strukturell ausgeprägt ist und andererseits so schnell stattfindet, dass ein Virus innerhalb eines Tages zehtausende Kilometer zurücklegen kann, liegt vor allem an modernen Transportmitteln. Besonders der Flugverkehr spielt bei der Verbreitung moderner Pandemien eine bedeutende Rolle, aber grundsätzlich ist auch der weltweite Warenverkehr geeignet, um die Verbreitung einer Pandemie zu befördern. Schon die Pest (der Schwarze Tod), die 1346 und 1353 alleine in Europa schätzungsweise 25 Millionen Menschen tötete, breitete sich heutigen Erkenntnissen zufolge über Handelswege aus und wütete in Deutschland – und anderswo – ganz besonders in Handelsmetropolen wie Hamburg, Köln und Bremen.

In der heutigen globalisierten, kapitalistischen Welt hat sich die Situation deutlich verschärft: Bricht in einer der kapitalistischen Metropolen eine Epidemie aus, so könnten die Vorraussetzungen für eine schnelle weltweite Verbreitung kaum besser sein: Nicht nur die schnellen Transportmittel und die enge globale Vernetzung, sondern auch die Tatsache, dass die Lebensbedingungen der Menschen weltweit einander zunehmend mehr ähneln, tragen dazu bei, dass sich Viren so effizient und schnell verbreiten können. Und dennoch sind es keineswegs alleine kapitalistische Strukturen, die die Verbreitung von Epidemien befördern.

Eine effiziente Transportinfrastruktur, das Zusammenleben der Menschen auf engem Raum in Städten, mangelnde Autarkie einzelner Communities aufgrund von sehr diversifizierter Arbeitsteilung, und viele weitere zivilisatorische Eigenschaften begünstigen allesamt die Ausbreitung von Epidemien. Wie sonst wäre es zu erklären, dass etwa die Antoninische (165 bis 180/190) oder die Cyprianische Pest (250 bis 271) an den Grenzen des Römischen Reiches ihr Ende fanden, nachdem sie sich zuvor innerhalb dieser mehr oder weniger flächendeckend ausgebreitet hatten [2]. Dafür bedurfte es keines Kapitalismus, ja nicht einmal moderner Fortbewegungsmittel: Straßen, Wägen, Schiffahrt und eine zentralistische Verwaltung zusammen mit einer regen Warenzirkulation genügten völlig, um Millionen von Menschen das Leben zu kosten.

Keine Lösung: Der Staat, die Wissenschaft und soziale Kontrolle

Geht mensch davon aus, dass Zivilisationen die Ausbreitung von Epidemien begünstigen, so erscheint es etwas paradox, eine Lösung für eine Pandemie seitens des Staates oder der (medizinischen) Wissenschaft zu suchen. Es sind zwei der wichtigsten Institutionen, die die Zivilisation in der wir leben aufrechterhalten, verteidigen und auszuweiten versuchen. Dennoch sind Staat und (medizinische) Wissenschaft derzeit diejenigen Institutionen, von denen sich viele Menschen zu versprechen scheinen, dass sie ihnen einen Ausweg liefern.

Während das Vertrauen in die (medizinische) Wissenschaft noch einigermaßen nachvollziehbar ist – immerhin ist mensch es ja gewohnt, dass die Wissenschaft negative zivilisatorische Folgen abdämpft –, erscheint das Vertrauen in den Staat dagegen vollkommen absurd: Auch wenn mensch von Seiten des Staates einräumt, dass es unmöglich ist, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, auch wenn mensch einräumen muss, dass jeder (gewaltsame) Versuch, soziale Beziehungen zu unterbrechen lediglich eine aufschiebende Wirkung hat, gibt mensch vor, das zu kontrollieren, was sich innerhalb der Logik dieses Staates und seiner Zivilisation nicht kontrollieren lässt. Vom Staat können wir nur erwarten, belogen und getäuscht und schließlich auch des letzten Quäntchens Freiheit, das wir noch zu besitzen glauben, beraubt zu werden, denn der einzige Zweck, den er verfolgt ist sich selbst und seine kapitalistische Ordnung aufrechtzuerhalten. Einige Politiker*innen, darunter auch der bayerische Innenminister Söder und sein Kultusminister sind sogar so dumm, dies offen zuzugeben: Anlässlich ihres Beschlusses, die Schulen in Bayern zu schließen, verkündeten sie, dass eine Betreuung von Kindern mit Eltern, die „systemkritische Berufe“ ausüben, dennoch stattfinden werde. Darunter verstehen sie Berufe des Gesundheitswesens, aber auch Bull*innen und andere Büttel des Staates, die die „Sicherheit“ gewährleisten sollen. Ihnen geht es also darum, auch während sich die Corona-Epidemie ausbreiten wird, die Macht des Staates zu erhalten [3]. Dabei werden die Tätigkeiten der Bull*innen vor allem darin bestehen, diejenigen, die gegen die Bevormundung durch den Staat aufbegehren werden, niederzuknüppeln. Personen, die sich nicht unter Quarantäne setzen lassen werden, Personen, die den Verfügungen des Staates nicht nachkommen, einfach jede*n, der*die sich widersetzt. Ein kleiner Trost dabei bleibt, dass sich die Bull*innen bei dieser Tätigkeit, die sie einer Infektion stärker aussetzen wird, als viele andere, hoffentlich reihenweise Coronainfektionen einfangen werden; Mit etwas Glück mit schwerem Verlauf.

Doch der Einsatz repressiver Gewalt durch die Polizei ist nicht das Einzige, was der Staat auf Lager hat. Während der Wirtschaft bereits Gelder versprochen werden, um die durch repressive Maßnahmen des Staates verlorengehenden Gewinne zu kompensieren, ist völlig unklar, inwiefern die aus den gleichen Maßnahmen resultierenden Verdienstausfälle der Menschen vom Staat abgefangen werden. Während die Büttel des Staates eine staatlich verordnete „Kinderbetreuung“ geniesen und so weiter zur Arbeit gehen können, gilt das für alle anderen nicht. Sie müssen diese selbst übernehmen. Dabei bin ich nicht der Meinung, dass Kinder und Jugendliche „betreut“ werden müssten, sofern sie selbst in der Lage sind oder anderweitig in diese Lage versetzt werden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, aber der gesellschaftliche Konsens und sogar die Gesetze des Staates sagen da etwas anderes. Wer also anstatt der Schule und des Kindergartens meint, seine*ihre Kinder „betreuen“ zu müssen, ist darauf angewiesen Urlaub zu nehmen oder seinen*ihren Job zu kündigen. Wenn – wie das aufgrund der Erfahrungen in Italien und anderen Ländern zu erwarten ist – Geschäfte, Restaurants, usw. zwangsweise durch den Staat geschlossen werden, bedeutet das für viele prekär beschäftigte Menschen die Entlassung oder massive Einkommensausfälle. Und wer gerade einen neuen Job sucht, die*der hat sowieso Pech gehabt [4]. Wer dabei glaubt, dass hier der Staat in die Presche springen wird und den Menschen hilft, ihren Lebensunterhalt weiter zu bestreiten, die*der ist naiv. Dem Staat geht es darum, die Reichen und Besitzenden davor zu schützen, ihren Reichtum zu verlieren. Wer nichts besitzt, die*der ist dem Staat egal. Wenn er*sie Glück hat, kann sie*er Sozialhilfe beziehen, aber bei einer länger andauernden Epidemie dürfte selbst das fraglich sein.

Auch wenn es mir grundsätzlich nachvollziehbarer scheint, in die (medizinischen) Wissenschaften zu vertrauen, als auf den Staat, so finde ich das jedoch ebenso absurd: Der Weg, den die hießige Medizin eingschlagen hat, ist zentralistisch und herrschaftsvoll. Medizinisches Wissen ist heute beinahe ausschließlich bei Expert*innen (Ärzt*innen) vorhanden, denen und derer Industrie es folgerichtig nicht vorrangig darum geht, eine Krankheit zu heilen, sondern darum, Profit aus der Heilung einer Krankheit zu ziehen. Medikamente und viele moderne (teure) Behandlungsmethoden sind nur denen zugänglich, die dafür bezahlen können (oder für die eine Krankenversicherung bezahlt) und werden nur dann erforscht, wenn sie entsprechende Gewinne versprechen. Zugleich werden Präperate mit erheblichen Nebenwirkungen bewusst auf den Markt gebracht, um rücksichtlos Gewinne einzustreichen. Bei all dem versucht die Medizin beständig Menschen zu normieren und strebt danach den menschlichen Organismus ebenso wie die Menschen selbst bis ins letzte Detail zu kontrollieren. Virolog*innen entwickeln seit Jahrzehnten Masterpläne, die darin bestehen soziale Kontrolle über die Menschen auszuüben, in der Hoffnung dadurch Epidemien eindämmen und kontrollieren zu können. Das Individuum scheint dabei kaum noch eine Rolle zu spielen. Immer geht es nur darum, eine Ausbreitung eines Virus/einer Krankheit zu verhindern, indem Individuuen von anderen isoliert und ihre Handlungen genaustens kontrolliert werden. Das sind sicher nur einige und auch nur wenig vertiefte Kritikpunkte an der Medizin, die mir in diesem Kontext relevant erscheinen, aber eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Wissenschaft im Allgemeinen und der Medizin im Speziellen würde sicher jeglichen Rahmen sprengen.

Revolte gegen Staat und Zivilisation statt freiwilliger Quarantäne

Derzeit lässt sich beobachten, dass überall Veranstaltungen abgesagt werden und sich alle möglichen Menschen darin gefallen, das Mantra der Regierenden nach sozialer Vereinzelung zu wiederholen. Ja, manch eine*r geht sogar soweit, andere Menschen, die sich diesem Unsinn nicht freiwillig unterwerfen wollen, zu maßregeln und anzufeinden. Dabei halte ich die vorgeschlagene soziale Isolation aller angeblich zugunsten von Angehörigen von „Risikogruppen“ für eine mit anarchistischen Ideen unvereinbare Haltung und zwar unabhängig davon, ob dieser Vorschlag nun von einem Staat kommt oder von irgendjemand anderem!

Schenkt mensch den sogenannten „Expert*innen“ Glauben – und das tue ich explizit nicht, aber ich will einmal kurz annehmen mensch täte es, um zu zeigen, dass selbst dann eine soziale Isolation aller unnötig autoritär ist –, so werden sich mehr oder weniger alle Menschen – oder zumindest ein großer Teil der Menschen – mit dem Coronavirus infizieren, egal ob wir uns nun sozial isolieren oder nicht. Der erklärte und erwünschte Effekt einer solchen sozialen Isolation aller von allen wäre vielmehr, die Ansteckungsrate so gering zu halten, dass alle Infizierten mit einem schweren Verlauf der Krankheit Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung haben. Zugleich sagen die Expert*innen, dass sich eine sogenannte Herdenimmunität einstellt, wenn eine gewisse Durchseuchung in der Gesellschaft erreicht ist, also ein großer Anteil die Krankheit bereits hatte und entweder besiegt hat, oder gestorben ist. Schwere Verläufe der Krankheit sind vor allem bei bestimmten Risikogruppen zu erwarten, und zwar bei älteren Menschen (die sind übrigens Risikogruppe für fast alle Krankheiten) und bei Menschen mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen. Hier stellt sich mir die Frage, warum hier irgendwer glaubt, es wäre eine gute Idee, irgendjemandem vorzuschreiben, was sie*er zu tun hat – und zwar nicht, weil ich das allgemein ablehne, was ich natürlich tue, sondern auch, weil ich in einer solchen Lösung nicht mehr, ja sogar weniger „Erfolgschancen“ sehe, als in der intuitiven antiautoritären „Jede*r-kann-für-sich-selbst-entscheiden“-Lösung: Wer Angst hat, sich mit Corona zu infizieren, die*der kann sich ganz individuell dazu entscheiden, sich sozial (bis zu einem bestimmten Grad) zu isolieren oder auch andere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Wer glaubt, keine Angst vor einer Infektion haben zu müssen oder der Meinung ist, dass sich das Risiko lohnt (was bestimmt auch Angehörige von „Risikogruppen“ zum Teil so sehen), die*der isoliert sich eben nicht. Wer meint, sich zusammen mit einem*einer nahestehenden Personen aus Solidarität isolieren zu wollen, die*der kann das ja tun. Sollte das medizinische System dabei überlastet werden, Pech gehabt. Das ist es ja in tausenden anderen Fällen sowieso. Und ja, dann werden Menschen sterben, so wie ja auch jetzt bereits bei anderen Krankheiten, so wie im Straßenverkehr, so wie bei Haushaltsunfällen, usw. Aber ist das ein Grund, das eigene (vielleicht nur imaginierte) Schutzinteresse autoritär auf dem Rücken anderer auszutragen? Und immerhin ist auf diesem Weg die Zeit bis zu einer „Herdenimmunität“ relativ gering, wenn sich aber nacheinander immer nur so viele Menschen anstecken „sollen“, wie das Gesundheitssystem auch verkraftet, dann wird das Jahre dauern. Monate und Jahre der sozialen Isolation? Na diese psychischen „Folgeerkrankungen“ sind bestimmt nicht besser als Corona.

Aber wenn es aus meiner Perspektive keinen Sinn macht, sich „für andere“ freiwillig in Quarantäne zu begeben, was soll ich dann tun? Soll ich warten bis aus „freiwillig“ „zwangsweise“ wird, soll ich warten bis das sich den autoritären Maßnahmen widersetzen mit schweren Strafen belegt wird? Darauf habe ich keine Lust. Für mich heißt das Problem noch immer Herrschaft und es findet seinen Ausdruck noch immer vor allem durch den Staat, die Zivilisation und kapitalistische Institutionen. Und gerade momentan befindet sich die Herrschaft offensichtlich in einer Offensive: Wenn ich abwarte, dann werde ich morgen in einer Welt erwachen, in der für mich und für all die anderen subversiven Elemente, für Arme, für Marginalisierte, für keine*n mehr Platz sein wird, also noch weniger Platz als bereits heute. Und ob das nun in einem Monat wieder enden wird, oder in zwei oder in einem halben Jahr, das steht in den Sternen. Deshalb ist für mich klar, dass ich mich jetzt widersetzen muss, dass es an mir und allen anderen, die eine solche Perspektive für unvereinbar mit ihren Vorstellungen halten, liegt, gegen Staat, Zivilisation und Herrschaft zu revoltieren.

Dabei sind die Voraussetzungen vielleicht gar nicht so ungünstig: Der Staat hat die Normalität unterbrochen, jetzt liegt es an uns allen, ob wir die neue Normalität des Ausnahmezustands akzeptieren, oder ob wir diese momentane Schwäche des Staates ausnutzen, um ihn erbarmungsloser denn je anzugreifen.

Anmerkungen

[1] Nimmt mensch an, dass ein Zyklus in diesem Modell 7 bis 14 Tage umfasst, also dem Zeitraum entspricht, der von den Virolog*innen derzeit bei Corona angenommen wird, so wäre der 32. Zyklus nach 224 bis 448 Tagen, also nach rund einem Jahr erreicht.

[2] Dabei sollte jeder*jedem klar sein, dass hier nicht die Grenze als eine willkürlich gezogene Linie zwischen zwei Staaten verhinderte, dass diese Epidemien sich ausbreiteten. Tatsächlich gab es natürlich auch Infektionen dieser Epidemien jenseits der römischen Staatsgrenzen. Allerdings konnten sich diese Epidemien in weniger zivilisierten Gebieten nicht so ohne weiteres ausbreiten, da vielfach die strukturellen Voraussetzungen für eine effiziente Verbreitung fehlten. So ist vielmehr davon auszugehen, dass diese Epidemien nach einer Durchseuchung der direkt an das Römische Reich angrenzenden Regionen ausstarben. Wären diese Regionen Teil einer ähnlichen Zivilisation gewesen, hätten sie sich vermutlich fortsetzen können.

[3] Das zeigt auch die Mobilmachung des Militärs, die derzeit – selbstverständlich – noch als „humanitärer“ Einsatz deklariert wird. Reservist*innen werden derzeit einberufen, um im Fall von Versorgungsengpässen und im medizinischen Bereich zu helfen. Neben der Militarisierung dieser Bereiche durch den Einsatz der gedrillten und gehorsamen Soldat*innen erscheint mir jedoch noch ganz anderes zu drohen. Zum derzeitigen Zeitpunkt scheint mir eine Mobilmachung des Militärs vielmehr dazu zu dienen, sich auf einen Einsatz zur Aufstandsbekämpfung an den Grenzen oder im Innland vorzubereiten.

[4] Ich möchte hier nicht missverstanden werden: Ich fordere hier keineswegs Arbeitsplätze für jede*n. Im Gegenteil: Ich lehne die Ausbeutung der Arbeitskraft der Menschen entschieden ab und versuche Arbeit selbst aus dem Weg zu gehen wo ich nur kann. Hier jedoch geht es nicht darum, eine Arbeit für jede*n zu fordern, sondern darum, dass durch einen plötzlichen Wegfall von Arbeitsplätzen als Resultat einer staatlichen Verfügung, zahlreiche Menschen um ihre Existenzgrundlage gebracht werden. Die Folge ist dabei nicht etwa eine Befreiung von Arbeit, sondern höchstens eine weitere Prekarisierung der Lebensverhältnisse derjenigen, die ohnehin gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

Der schlimmste aller Viren… die Autorität

Bezüglich COVID-19, autoritären Delirien und der Scheißwelt, in der wir leben…

Die makabre Zählung der Todesfälle steigt von Tag zu Tag, und in der Fantasie von jedem macht sich das Gefühl breit, erst vage und dann immer ein bisschen stärker, immer mehr vom Sensenmann bedroht zu sein. Für hunderte Millionen Menschen ist diese Fantasie sicher nichts Neues, die Fantasie des Todes, der jeden treffen kann, zu jeder Zeit. Es reicht an die Verdammten der Gebiete zu denken, die täglich auf dem Altar der Macht und des Profits geopfert werden: diejenigen, die unter den Bomben des Staates überleben, inmitten unendlicher Kriege für Erdöl oder für Bodenschätze, diejenigen, die mit unsichtbarer Radioaktivität leben, die durch Unfälle oder Atommüll verursacht wird, diejenigen, die die Sahelzone und das Mittelmeer durch- bzw. überqueren und die in Konzentrationslager für Migranten eingesperrt werden, diejenigen, die durch das Elend und die Verwüstung, die von der Agrarindustrie und durch den Abbau von Rohstoffen hinterlassen werden, nur Haut und Knochen sind… Und selbst in den Gebieten, in denen wir leben, vor gar nicht so langer Zeit, hat man den Terror des Gemetzels auf industrieller Ebene gekannt, die Bombardierungen, die Vernichtungslager… immer durch den Hunger nach Macht und Reichtum der Staaten und der Bosse geschaffen, immer treu von Armeen und Polizeien eingerichtet…

Aber nein, heute spricht man nicht von von diesen verzweifelten Gesichtern, die man stets versucht weit weg aus unseren Augen und aus unserem Sinn zu halten, auch nicht von einer inzwischen vergangenen Geschichte. Die Angst beginnt sich in der Wiege des Königreichs der Ware und des sozialen Friedens auszubreiten und sie wird von einem Virus verursacht, der jeden angreifen kann – auch wenn natürlich nicht alle dieselben Möglichkeiten der Behandlung haben werden. Und in einer Welt, in der wir an die Lüge gewöhnt sind, wo der Gebrauch von Zahlen und Statistiken eins der zentralen Mittel der Manipulation über die Medien ist, in einer Welt, in der die Wahrheit konstant von den Medien versteckt, verstümmelt und verwandelt wird, kann man nur versuchen, die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen, Hypothesen aufzustellen, zu versuchen sich gegen diese Mobilisierung der Gemüter zur Wehr zu setzen und sich die Frage zu stellen: In welche Richtung gehen wir gerade?

In China, dann in Italien wurden jeden Tag neue repressive Maßnahmen auferlegt, bis hin zur Grenze, die kein Staat bisher zu überschreiten versucht hatte: das Verbot sein Zuhause zu verlassen und sich auf seinem Territorium ausschließlich für die Arbeit und für strikte Notwendigkeiten zu bewegen. Selbst der Krieg hat es nicht vermocht, dass die Bevölkerung Maßnahmen eines solchen Ausmaßes akzeptierte. Aber dieser neue Totalitarismus trägt das Gesicht der Wissenschaft und der Medizin, der Neutralität und des Gemeinwohls. Die Pharmakonzerne, die Telekommunikationsunternehmen und die Unternehmen für neue Technologien werden die Lösung finden. In China, der Zwang zur GPS-Ortung, um jeden Ortswechsel im Fall einer Infektion zu melden, die Gesichtserkennung und der Onlinehandel, die dem Staat helfen, die Einsperrung jedes Bürgers bei sich zuhause zu gewährleisten. Heute legen dieselben Staaten, die ihre Existenz auf der Einsperrung, den Krieg und das Massaker, einschließlich ihrer eigenen Bevölkerung, begründet haben, ihren „Schutz“ auf, mithilfe von Verboten, Grenzen und bewaffneten Menschen. Wie lange wird diese Situation andauern? Zwei Wochen, ein Monat, ein Jahr? Man weiß, dass der Notstand, der nach den Attentaten [in Frankreich 2015 bis 2017; Anm. d. Übers.] mehrmals verlängert wurde, bis die Notfallmaßnahmen definitiv in die französische Gesetzgebung integriert waren. Wohin wird uns dieser neue Notfall führen?

Ein Virus ist ein biologisches Phänomen, aber der Kontext, in dem er seinen Anfang nimmt, seine Verbreitung und seine Verwaltung sind soziale Fragen. In Amazonien, Afrika und in Ozeanien wurden ganze Bevölkerungen durch die Viren, die von den Kolonisatoren eingeschleppt worden waren, dahingerafft, während letztere ihre Herrschaft und ihre Lebensweisen auferlegten. In den Tropenwäldern haben Armeen, Händler und Missionare die Menschen – die davor die Gegend verstreut bewohnt hatten – dazu genötigt, sich um Schulen herum zu konzentrieren, in Dörfern und Städten. Das vereinfachte massiv die Verbreitung von verheerenden Epidemien. Heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, um die Tempel des Kapitals herum, und ernährt sich von Produkten der Agrarindustrie und der Massentierhaltung. Jede Möglichkeit zur Autonomie wurde von den Staaten und der Marktwirtschaft ausgerottet. Und solange die Megamaschine der Herrschaft weiter funktioniert, wird die menschliche Existenz immer mehr Desastern unterworfen sein, die nicht wirklich was „Natürliches“ an sich haben, und einer Verwaltung solcher, die uns jede Möglichkeit verwehren wird, unser Leben selbst zu bestimmen.

Außer wenn… in einem Szenario, das immer dunkler und beunruhigender wird, die Menschen entscheiden wie freie Wesen zu leben… auch wenn es nur für ein paar Stunden, für ein paar Tage oder für ein paar Jahre vor dem Ende ist – lieber als sich in einem Loch aus Angst und Unterwerfung einzuschließen. Wie es die Gefangenen von dreißig italienischen Gefängnissen gemacht haben, die, mit einem Besuchsverbot aufgrund von Covid-19 konfrontiert, sich gegen ihre Kerkermeister aufgelehnt haben, ihre Käfige verwüsteten und anzündeten und, in einigen Fällen, erfolgreich flohen.

JETZT UND IMMER IM KAMPF FÜR DIE FREIHEIT!

Übersetzt aus dem Französischen, unter dem Titel „Le pire des virus… l’autorité“ zuerst am 13.03.20 bei Indymédia Nantes veröffentlicht, gefunden bei Sans Attendre Demain.