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Brenn, Funkmast, brenn! – Eine kleine (unvollständige) Chronik

Viel Hoffnung setzen Technofaschist*innen und sonstige Verfechter*innen des sogenannten „Fortschritts“ auf die Digitalisierung, damit Menschen die Maßnahmen akzeptieren, die ihnen im Zuge der „Coronakrise“ auferlegt wurden, denn digital sei doch genauso gut wie das echte Leben. Zum massiven Ausbau des digitalen Angebots gehört auch die Errichtung tausender neuer Mobilfunkmasten, die mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G die digitale Welt revolutionieren sollen und die feuchten Träume einer vernetzten, smarten und vollständig kontrollierbaren Welt wahr werden lassen sollen. Doch wo Funkmasten errichtet werden, finden sich auch immer Leute, die nur darauf warten sie wieder abzufackeln. Und so breitet sich gerade wie ein Lauffeuer in vielen Ländern der Widerstand gegen die neuen 5G-Masten ebenso wie gegen andere Phallussymbole der Techherrschaft aus. Als „Verschwörungstheoretiker*innen“ werden diese Widerständler*innen verschrieen, und auch wenn einige wohl wilde Theorien bezüglich 5G haben, so ist ein wärmendes Feuerchen gegen die kalte Techwelt doch nie verkehrt. Hier eine kleine unvollständige Chronik:

Belgien

  • In Pelt brannte spät am Abend des 18. April eine Antenne des Anbieters Telenet in Pelt, kleine Gemeinde in Limburg einige Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. Dass es sich um einen mutwilligen Akt handle scheint unbezweifelbar, denn der Zaun, der den Mast beschützte, wurde aufgeschnitten und Reste eines Brandbeschleunigers seien aufgefunden worden. In Reaktion auf diesen Anschlag wurde die Webseite, auf der öffentlich zugänglich der genaue Standort jedes Funkmastes verzeichnet war, mit einem passwortgesicherten Login versehen.

Chile

  • In den frühen Morgenstunden des 27. März erschütterten starke Explosionen die Gemeinde Contulmo, welche sich in der Provinz von Arauco in Wallmapu [1] befindet. Anonyme Hände platzierten Sprengstoff am Fuß einer Telekommunikationsantenne, welche daraufhin in die Luft flog und lautstark in einen zweiten Funkturm krachte, der teilweise beschädigt wurde. Der Angriff ereignete sich entlang der Strecke p-80r, die die Gemeinde Contulmo mit Purén verbindet. Vor allem im Sektor Pata de Gallinas sind fast alle Telekommunikationsnetze betroffen. Auf derselben Strecke, ein Stück weiter entfernt, waren drei Bäume gefällt worden, um den schnellen Zugang der Polizei zu verhindern, inmitten der nationalen Ausgangssperre, die auf die Corona-Situation und das Fortschreiten der sozialen Kontrolle folgte. Zum Ort des Geschehens eilten schliesslich die GOPE, Labocar und OS-9 herbei. [2][1] Gebiet im Süden Chiles, bekannt für den anhaltenden Konflikt der Mapuche (Indigene) mit dem chilenischen Staat
    [2] GOPE ist eine Spezialeinheit der Polizei, Labocar ist die
    Spurensicherung und OS-9 ist zuständig für die Ermittlungen.

Frankreich

  • In der Nacht vom 09. auf den 10. April wurden auf dem Mont-Poupet, in der Umgebung von Salins-les-Bains (Jura), zwei Mobilfunkmasten, die im Abstand von nur wenigen dutzend Metern aufgestellt waren, angezündet. Sie wurden unter anderen von Orange und SFR genutzt. Die Telefon- und Internetverbindungen waren mehrere Tage lang in mehreren Gemeiden unterbrochen. Außerdem mussten über 50 Meter Kabel an acht Antennen ersetzt werden. „Diese Zerstörung erinnert an die drei Antennen in Au Belu in Aiglepierre. Diese Brandstiftung hatte vom 07. auf den 08. April 2019 stattgefunden, gegen 2 Uhr 30, fast genau vor einem Jahr. Kurz davor, im Februar 2019, wurden innerhalb weniger Wochen mehrere Mobilfunkmasten um Besançon herum angezündet“, erzählt der Staatsanwalt vom Jura.
  • Am Wochenende vom 11. und 12. April wurden die Aufbauten des Telefonanbieters Orange, die auf der Höhe des Kreisverkehrs auf der Straße von Rochelongue aufgebaut sind, Opfer von Vandalismus: Brandstiftungsversuch, abgerissene Türen, abgerissene ADSL-Regler und in einem Radius von 500 m um diese Vermittlungsstelle massig durchgeschnittene Kabel führten dazu, dass die 257 Kund*innen dieser Vermittlungsstelle keinen Zugang zu Internet und Telefon hatten, egal, welchen Anbieter sie nutzten. Die Dauer der Reparatur der Schäden wurde auf circa zwei Wochen geschätzt.
  • „In Zeiten der Ausgangsbeschränkungen haben einige nicht mehr genug zu essen. Dieses insbesondere durch die Schließung zahlreicher Gastronomiebetriebe. Aber um ihren quälenden Hunger zu befriedigen haben unsere Nagetierfreunde, die mit den entwickelsten Geruchssinn unter den Spezies besitzen, die diesen Planeten bevölkern, ein ebenso köstliches wie im Überfluss vorhandenes Mahl gefunden. […] In Poitiers, in der Vienne, haben unsere Feinschmecker [die schwarze Ratte], in der Nacht vom 11. auf den 12. April, sich ein Festmahl gegönnt, das sich unter dem Beton zwischen dem Rathaus und der Mediathek befand. Aber was befindet sich nur wenige Meter unter unseren Füßen, das die Nager für ihren wahren Wert schätzen? Glasfaserkabel, deren Umhüllungen reich an Stärke sind. Diese könnten nebenbei eine ihrer Lieblingsmahlzeiten in den kommenden Jahren werden, so wie diese sich überall ausbreiten. Ihre Mahlzeit entsprach nicht dem Geschmack der Herrschaft, denn sie unterbrach mehrere Server, die in der Nähe eingerichtet waren.“
  • In der Nacht vom 14. auf den 15. April wurde erneut im Jura ein Funkmast des Anbieters Orange, der oberhalb des kleinen Dorfes Ruines, in Foncine-le-Haut, angebracht war, angezündet. Nicht weniger als 1500 Telefonlinien wurden dadurch für rund ein Dutzend Tage unterbrochen. Es sind insbesondere die Energiezufuhr und die Koxialkabel durch das Feuer zerstört worden. Es kam außerdem zu Batteriediebstahl und Diebstahl von Material des Mastes, das zur Verbreitung des Mobilfunknetzes (2G, 3G, 4G) dient, in Foncine-le-Haut, aber auch in Foncine-le-Bas, les Planches-en-Montagne, als auch in Chaux des Crotenay. Laut dem Anbieter Orange kommt es „seit mehreren Wochen, und zwar überall, zu zahlreichen Akten des Vandalismus gegen Infrastrukturen von Orange.“
  • In der Nacht vom 23. auf den 24. April wurde in Belfort ein Lieferwagen einer Firma, die Glasfaserkabel verlegt, den Flammen übergeben. Die Gesamtheit des Materials und der Werkzeuge, die sich im Inneren des Wagens befanden, wurden karbonisiert.
  • Am 26. April wird ein Funkmast von Orange in Plaintel an den Côtes d’Armor angezündet und wird dabei erheblich beschädigt. 1000 bis 2000 Bewohner*innen von Plaintel und Quintin sind von Einschränkungen des Netzes betroffen.
  • In der Nacht vom 29. auf den 30. April wurde eine Antenne des Anbieters Free in Provins, auf Höhe von Anney-le-Vieux in der Haute-Savoie angezündet. Brennende Reifen seien an den Fuß des Mastes geworfen worden.
  • In Douai (Norden) wurde in der Nacht vom 02. auf den 03. Mai eine Antenne von Orange angezündet. Die Schäden sind groß.
  • „Um es einfach zu halten: dieses neue Level an Kontrolle hat in uns noch mehr die Wut geweckt und uns Lust gegeben zu handeln. Nichts zu tun bedeutete in unseren Augen, es zu akzeptieren. Wie immer, dass die Kontrolle so gut funktioniert, liegt auch daran, dass die Leute, gut in ihrer virtuellen Blase eingerichtet, sie unterwürfig akzeptieren, um sich weiter unterhalten zu lassen und telezuarbeiten. Aber das ist mehr als je die Nabelschnur, die sie mit diesem bemitleidenswerten Leben verbindet. Das ist der Grund dafür, dass wir einen Mobilfunkmast in der Nacht vom 05. auf den 06. Mai in Toulouse, auf der Ostseite des Pont de l’Embouchure angezündet haben. Es war einfacher, als wir es uns vorgestellt hatten. Offensichtlich sind wir nicht die einzigen, die vor Wut kochen und wir freuen uns darüber. Totale Feindschaft gegenüber der Zivilisation und den Scheißhaufen, die sie errichten.“
  • Auch in Oriol-en-Royans (Drôme), Saint-Marcellin (Isère), Chatte (Isère) und Estrablin wurden Mobilfunkmasten angezündet.

Großbritannien

  • Großbritannien gilt als der Startpunkt für die Angriffe auf (5G-)Mobilfunk-Masten. Anfang April gab es die ersten Vorfälle, mittlerweile wurden wohl insgesamt 77 Masten angezündet – die Mehrheit davon unterstützte übrigens dabei kein 5G, was aber die Medien, Regierungsbeauftrage und „Expert*innen“ nicht davon abhält zu verbreiten, dass ausschließlich die Theorie, 5G verursache Corona, Grundlage dafür sei, dass Menschen Mobilfunkmasten abfackeln würden. Allein am Osterwochenende wurden im ganzen Land zwanzig Masten Opfer der Flammen. Inzwischen hätte sich das Tempo der Angriffe verlangsamt, sagte eine Sprecherin von Mobile UK, sie würden nicht mehr täglich stattfinden. Des Weiteren soll es 40 Vorfälle gegeben haben, in denen Menschen Mitarbeiter*innen von Mobile UK entweder physisch oder verbal angegriffen hätten.

Italien

  • Am 10. oder am 22. April (die Pressesprecher*innen der Präfektur konnten sich da nicht einigen!) gingen mehrere 3G- und 4G-Antennen von WindTre und Iliad bei Maddaloni in Flammen auf. Ein Teil der Bewohner*innen haben mitten in der Ausgangssperre weder Internet noch Telefon. Aber was interessiert eine*n das richtige Datum, wenn das Ergebnis doch da ist, klar und deutlich wie verglühte Kabel und Apparate. Wer weiß, ob nicht einige Einwohner*innen nicht wieder angefangen haben – durch die Umstände dazu gezwungen – wieder miteinander zu sprechen und sich in die Augen zu sehen? Wie es inzwischen in gewissen Ländern Usus geworden ist, haben sich die Aasgeier und die Papageien des Staates auf die These von verschwörungstheoretischen 5G-Opponent*innen gestürzt, auch wenn dieser Angriff anonym verübt wurde und es viele andere Gründe dafür gibt, um sich solcher technologischer Strukturen anzunehmen. Dieser Apparat trägt zur Entfremdung und zur Versorgung dieser techno-wissenschaftlichen Welt bei, die unser Leben entleert und die Ausübung von Herrschaft mithilfe der Kontrolle perfektioniert. Gegen jeden Virus, inklusive dem der technologischen Pandemie, das Feuer ist auf jeden Fall ein gutes Heilmittel. Auf zum Nächsten!
  • In der Nacht vom 29. April wird eine Antenne von Wind in Rom in der Nähe des Tiburtina-Bahnhofs angezündet. „Solidarität mit den Gefangenen, die kämpfen. Wir fühlen uns dem anarchistischen Gefangenen Davide Delogu nahe, der im Hungerstreik ist. Gegen den Staat und seine Maßnahmen. Gegen die Technologien der Kontrolle. Handeln ist immer möglich.“

Kanada

  • In der Nacht vom 30. April auf den 01. Mai wurde ein Telekommunikationsturm, der mit 3G und 4G ausgestattet war, in Laval, im Norden von Montréal angezündet. Dabei wurden nicht nur die Verbindungen unterbrochen, das Feuer hat auch die Struktur schwer beschädigt, die insbesondere von Rogers und Telus genutzt wird. Das Feuer wurde gegen 2 Uhr morgens gelegt, an diesem Telefonmast, der sich im Gewerbegebiet im Westsektor von Chomedy befindet. Die Ermittler*innen vermuten, dass die Brandstifter*innen Brandbeschleuniger am Fuß des Turm verwendet haben, damit die Flammen anschließend entlang der Kabel nach oben wandern. Der Schaden wird auf mindestens eine Million Dollar geschätzt. Der Zustand des Turm ist so miserabel, dass er droht einzustürzen, was die Ermittlungen verkompliziert. Laut einer anderen Quelle soll das Feuer an der Spitze des Mastes, der um die zwanzig Meter hoch sein soll, gelegt worden sein. Übrigens hat das Unternehmen TELUS diesen Akt des Vandalismus verurteilt: „Wenn Leute an Telekommunikationsstrukturen Feuer legen, gefährden sie das Leben der Kanadier, die diese nutzen, um mit ihrer Arbeit, der Schule, in der medizinischen Hilfe, mit den Regierungsbehörden und ihren Nächsten in Verbindung zu bleiben„, schrieb das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Niederlande

  • In der Nacht vom 03. auf den 04. Mai wurden zwei Telekommunikationsmasten in La Haye angezündet. Die erste Sabotage wurde an einem Mast in der Nähe von De Huihof gegen 1 Uhr 30 verübt, der ausschließlich für den Notruf und die Staatssicherheit genutzt wurde (insbesondere für Polizei und Armee), denn er war Teil des Netzes C2000. Die Verbindungen wurden unterbrochen und sie mussten auf andere Antennen umgeleitet werden. Eine halbe Stunde später wurde ein weiterer Mast in Brand gesetzt, nicht weit von Laan van Pont, der noch viel gravierendere Schäden verursachte. Es handelte sich um eine Antenne eines privaten Anbieters und war mit der 5G-Technologie ausgestattet. Außerdem erwähnen die Bull*innen noch einen weiteren Brand an einer Antenne am Vorabend, ohne aber mehr Details zu nennen. In einer Stellungnahme distanzierte sich die Organisation „Stop5GNL“ von diesen Sabotagen und bekräftigte ausschließlich legale Wege beschreiten zu wollen. In der Nacht vom 29. auf den 30. April war bereits ein Mast in Standdaarbuiten (Noord-Brabant) angezündet worden. Am vorigen Wochenende (25. auf 26. April) wurde eine Antenne im Waldgebiet in der Nähe von Swifterband in Flevoland Ziel eines Feuerangriffs, ebenso wie eine andere in Waddinxveen. Insgesamt sind mehr als zwanzig Mobilfunkmasten seit Anfang April in den Niederlanden das Ziel von Angriffen geworden, wovon eine in Dronten vollständig zerstört wurde. Bisher sind drei Personen in den Niederlanden mit dem Verdacht auf Brandstiftung an diversen Masten verhaftet worden. Der Koordinator für die Sicherheit und den antiterroristischen Kampf zog die Alarmglocke bezüglich der radikalen Opposition, die gerade dabei ist das Land zu erfassen. Er fürchtet sich insbesondere vor der Vervielfältigung von „extremistischen Protesten gegen die Ankunft von 5G“ und erinnerte an die Gefahr für den Staat und seine Behörden, wenn das Mobilfunk- und das Internetnetz gekappt würden.

USA

  • „Ein neuer Maitag, ein neuer Funkturm in Flammen. Ein kleiner Akt in den frühen Morgenstunden, jedoch eine Eskalation jenseits der Norm. Und wir wollen nie zur „Normalität“ zurückkehren. Wir kennen den Unterschied zwischen 4G und 5G nicht. Alles, was wir wissen, ist, dass wir nichts davon wollen. Die Nähe des Turms zu einem Bahnhof, dem Büro eines Pharmaunternehmens und anderen Militär-/Söldnerunternehmen im Philadelphia Navy Yard hatte zum Ziel, ihre Operationen zu stören, egal wie klein die Auswirkungen auch sein mögen. Es soll auch eine Erinnerung sein, dass niemand unerreichbar ist, wenn du die entsprechende Entschlossenheit hast. Und dieser Akt speziell war relativ einfach. Die erste Flamme war eine warme Umarmung für den Gefährten Badger, vermeintlich auf der Flucht nach einer Serie von ähnlichen Vorfällen in Bristol. Bleib frei! Der anschließende Rauch ein Signal an die Gefährt*innen, die in Italien der Scripta Manent Verfolgung ausgesetzt sind… wir stehen an eurer Seite! Für Freiheit, für Anarchie!“ Bristling Badger Brigade

Auch in Zypern und Irland kam es zu Angriffen auf Mobilfunkmasten (aus Zeitgründen hier leider nur am Rand erwähnt).

Quellen: Sans Attendre Demain, Attaque, 325, Noticias de la Guerra Social, diverse bürgerliche Medien.

[Libanon] Chronik der Revolte gegen die durch Corona noch weiter verschärfte Wirtschaftskrise

Bericht vom 28.04. – Die Revolte ist stärker als ihre Ausgangssperre

Im Libanon, auch wenn die Quarantänebestimmungen [confinement], die am 14. März eingerichtet worden waren, diesen Montag ihr Ende nahmen, sind die Maßnahmen der „Entquarantänisierung“ [dé-confinement] nicht weniger drastisch, insbesondere mit der Einrichtung einer Ausgangssperre. Dies konnte dennoch nicht verhindern, dass sich die Straßen entflammten (insbesondere die Banken). Am Abend des Montags, den 27. April in Tripolis, im Norden des Landes, haben tausende Personen den Quarantänebestimmungen und der Ausgangssperre getrotzt, indem sie auf die Straße gingen, um zahlreiche Banken anzuzünden und sich den bewaffneten Milizen des Staates zu stellen. Mindestens ein Militärfahrzeug brannte durch den Wurf eines Molotowcocktails ab. Die Repression durch die Armee ist  heftig: 40 Personen mussten ins Krankenhaus und ein junger 26-jähriger Mann starb, nachdem er während Auseinandersetzungen mit den Militärs durch eine Kugel verletzt worden war.

Männer, Frauen und Kinder marschierten in den Straßen und schrien „Revolution! Revolution!“. Die Protestierenden wurden in dem Moment von der Armee zurückgedrängt, als sie zum Haus eines Parlamentariers wollten, demgegenüber sie feindlich sind. Einige haben Steine geworfen, die Armee antwortete mit Schüssen in die Luft, um die Menge in der Zone rund um den Al-Nour-Platz zu zerstreuen. Unter anderen wurden ein Jeep der Armee und mehrere Bankfilialen durch den Wurf von Molotow-Cocktails in Brand gesetzt.

Am selben Abend wurden die Räume der Zentralbank in Sidon (im Süden) Ziel von Stein- und Böllerwürfen, wie die nationale Informationsagentur berichtete. In derselben Stadt war bereits am Samstag abend ein Sprengsatz gegen eine Bank geworfen worden.

Die letzten Tage hatte es tagsüber mehrere Demonstrationen gegeben, insbesondere durch Autokolonnen in der Hauptstadt, trotz der Quarantänebestimmungen, die am 14. März durch die Autoritäten ins Lebens gerufen worden waren, die auch eine nächtliche Ausgangssperre etablierten.

Am Abend des 26. April wurden mehrere libanesische Banken in Tripolis und Mina (im Norden) durch Unbekannte angegriffen. Diese Angriffe bildeten die Fortsetzung von ähnlichen Ereignissen in Tyr und Saïda im südlichen Libanon, im Laufe des Wochenendes, während der Libanon mit seiner schlimmsten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 30 Jahren konfrontiert ist. Des Nachts hat ein Gruppe Personen die Fassade der Bank Byblos in Mina angegriffen, ehe sie die Flucht ergriff. Im Zentrum von Tripolis, sind es die Filialen der BLOM Bank und der BBAC, die Ziel von Molotow-Cocktails wurden, die Männer, die Schutzmasken trugen, warfen. […]

„Die Politiker lenken unsere Aufmerksamkeit mit dem Coronavirus ab, um weiter stehlen zu können“, skandierten am 16. April Demonstrierende, ehe sie von den Streitkräften der Armee niedergeprügelt wurden.

Der Libanon hatte am 17. Oktober 2019 eine große Bewegung der Revolte erlebt, bei der der Al-Nour-Platz in Tripolis während langer Monate das Nervenzentrum der Revolution vom 17. Oktober gewesen war: an bestimmten Tagen waren Hunderttausende im ganzen Land auf die Straße gegangen, um ihre Wut herauszuschreien und danach zu handeln. Die Banken wurden regelmäßig Ziel, von der Straße der Komplizenschaft mit der politischen Macht beschuldigt und beschuldigt zur ungebremsten öffentlichen Verschuldung und dem Staatsbankrott beigetragen zu haben. Seit Monaten grassiert eine sehr schwere Wirtschaftskrise im Libanon, die durch die Coronapandemie und die Präventionsmaßnahmen, die darauf folgten, noch verschlimmert wurde.

Circa 45 % der Bevölkerung lebt laut offiziellen Schätzungen inzwischen unter der Armutsgrenze. 2020 sollte die Wirtschaft laut internationalem Währungsfond eine massive Schrumpfung von 12 % erleben. Der Libanon erfährt auch eine Abwertung seiner nationalen Währung im Vergleich zum Dollar, was eine heftige Inflation zur Folge hatte.

Der Coronavirus ist die geringste aller Sorgen der Libanes*innen, die verhungern. Die Gesamtanzahl an Personen, die sich seit dem 21. Februar am Virus angesteckt haben, beläuft sich auf 672. Und bisher gab es 21 Tote.

[Überwiegend vom „L’Orient-Le Jour“ vom 28.04.2020 übernommen, mit einigen Ergänzungen von Démesure.]

Aus dem Französischen übersetzt von Sans Attendre Demain.

Bericht vom 29.04. – Hin zu einer Ansteckung der Revolte? (28. April 2020, aktualisiert)

Diesen Dienstag, den 29. April, haben sich die Meutereien am zweiten Tag in Folge in Tripolis fortgesetzt. Am Vorabend hat die Nachricht vom Tod eines Demonstranten, Fawaz Fouad Samman, der am Vorabend von Kugeln während Auseinandersetzungen mit der Armee getötet wurde, die Feuer der Revolte in mehreren Städten geschürt, insbesondere im Süden des Landes, wie in Beyruth und in Saïda. Diese neue Nacht der Zusammenstöße soll 81 Verwundete unter den Sicherheitskräften (51 Militärs allein schon in Tripolis verwundet, darunter 6 Offiziere) verursacht haben. Um die zwanzig Personen wurden in Tripolis verhaftet.

In Tripolis, der zweitgrößten Stadt des Landes, hatten sich mehrere Tausend Menschen auf den Al-Nour-Platz eingefunden, unter dem Slogan „Das wird verheerend sein“, Anspielung auf die Natur der Demonstration: hunderte junge Leute haben die Straßen verbarrikadiert, zahlreiche Banken geplündert und angezündet (insbesondere die der libano-französischen Bank), Pflastersteine aus den Gehsteige gerissen, um sie auf die Militärs zu werfen und zwei Militärfahrzeuge abgefackelt. Sie sind mithilfe von Tränengas und Gummikugeln auseinandergetrieben worden. Die Soldat*innen haben ebenfalls die Verfolgung einiger Individuen aufgenommen, die mehrere Fahrzeuge der Armee beschädigt haben. Diese Unruhen haben direkt nach der Beerdigung des jungen Familienvaters stattgefunden, die am frühen Nachmittag organisiert worden war, inmitten einer angespannten Menge, die gekommen war, um ihm die letzte Ehre zu erweisen trotz der Bedrohung durch den Coronavirus. Auf dem Bahsas-Platz wurden zwei Soldaten durch Steinwürfe verletzt und ein Militärfahrzeug ist beschädigt worden.

Bevor die Spannung auf dem Al-Nour-Platz stieg, hatten Demonstrant*innen Steine auf die Residenz des ehemaligen Premierministers Nagib Mikati à Mina geworfen. Die Armee und die Sicherheitskräfte, groß eingesetzt, setzten massiv Gas ein, um die Demonstrierenden zu vertreiben. Daraufhin zerschlugen Protestierende die Fassaden von Bankfilialen in der Nähe.

„Ich will meine Stimme gegen den Hunger, die Armut, die Inflation und die Ungerechtigkeit erheben“, rief ein 41-jähriger Demonstrant aus, Khaled. Dieser Ersatzteilverkäufer für Motorräder sagt, dass er nicht mehr in der Lage sei, die Bedürfnisse seiner drei Kinder zu befriedigen, seit er seine Arbeit verloren hat, innerhalb einer Situation, die mit der Pandemie immer schlimmer geworden ist.

Am anderen Ende des Landes, in Saïda (Süden) fand eine Versammlung vor dem Sitz der Bank des Libanons (BDL) statt, wo ein bisschen später Demonstrant*innen erst Böller, dann circa ein Dutzend Molotow-Cocktails in Richtung des Gebäudes warfen, was mehrere kleine Brände verursachte und die Armee auf den Plan rief. Nach der Intervention der Armee zum Schutz der BDL verteilten sich die Meuternden im Stadtzentrum und zerstörten die Fassaden von mindestens einem Dutzend Banken. Um die fünfzehn Fahrkartenautomaten wurden ebenfalls zerstört. Auch in Beyruth kam es zu Demonstrationen, die in Steinwürfen gegen die BDL endeten.

Seit Beginn der Quarantänemaßnahmen trifft die Misere mit voller Wucht die libanesische Bevölkerung. Das Land erlebt eine noch nie dagewesene Steigerung der Inflation in wenigen Wochen (+ 150 %). Der Wirtschaftsminister Raoul Nehmé meldete eine allgemeine Preiserhöhung um 55 %, ohne zu präzisieren, in Bezug auf welche Periode diese stattfinde.

[Zusammengesetzt aus Meldungen der libanesischen und französischen Presseagenturen, 28. und 29.04.20]

Quelle: Sans Attendre Demain, stellenweise gekürzt

Bericht vom 30.04. – Die Bewegung der Revolte setzt sich fort

Am dritten Tag in Folge sind tausende Menschen in mehreren Städten im Libanon gegen die Verantwortlichen der immer weiter wachsenden Misere (Banken, Politiker,…) auf die Straße gegangen, obwohl die Lockerung der Quarantänemaßnahmen ab Montag eingeleitet worden war. Im Gegensatz zum Vortag kam es ein bisschen überall mit Einbruch der Nacht zu Demonstrationen und Meutereien, so wie in Tripolis.

In Tripolis, Epizentrum der Bewegung, stellten sich hunderte Demonstrant*innen dem Militär am Mina-Kreisverkehr. Des Weiteren blockierten sie die Straße, die zum Al-Nour-Platz führt, mit brennenden Reifen und forderten die Freilassung von Menschen, die am Vortag verhaftet worden waren (ungefähr zwanzig Personen).

Die Armee von ihrer Seite aus berichtet, dass 23 Soldaten während der Zusammenstöße in Tripolis (Norden) und Saïda (Süden) verletzt worden sind, darunter einer, dem mehrere Finger amputiert werden mussten.

In vielen Städten protestierten Menschen, zündeten Bankfilialen an, warfen Böller und Molotow-Cocktails auf die Armee. „Wir haben die Monopole und die Diebstähle durch die Geschäftsleute satt“, skandierten Demonstrant*innen in Beyruth.

Die Bewegung der Revolte, die seit mehreren Monaten in mehreren Regionen am Köcheln ist, ist aufs schönste in diesen letzten Tagen vor dem Lockern der Quarantänemaßnahmen seit letztem Montag wieder aufgeflammt.

[Via L’Orient-Le Jour aus Meldungen der iranischen Presseagenturen, 29. und 30.04.2020]

Quelle: Sans Attendre Demain, stark gekürzt

 

Angriff auf die technologische Herrschaft – Wie man Mobilfunkmasten zerstört

Die Auswertung von Mobilfunkdaten oder eine Spionage-App auf dem Handy, die alle andere Handys (sowie sonstige Buetooth-fähige Geräte) registrieren soll, werden als eine der zentralen Lösungen im Kampf gegen Corona gehandelt. So deutlich wie nie zuvor zeigt sich, wie das technologische Netz sich um uns schließt und uns auf eine nie dagewesene Art und Weise überwachbar macht. 5G als neuer Mobilfunkstandard ermöglicht dabei eine neue Stufe der smarten Einbettung und Überwachung. Doch gegen 5G regt sich bereits Widerstand. Insbesondere in Großbritannien, aber auch in anderen Teilen der Welt gehen 5G- sowie andere Moilfunkmasten in Flammen auf.

Wir müssen dem technologischen Umbau der Herrschaft nicht tatenlos zusehen. Denn Technologie benötigt eine fragile Infrastruktur, die mithilfe von Benzin und Kreativität leicht sabotiert werden kann. Hier ein kleines Rezept:

Dieses Rezept gibt es auch auf Englisch und Französisch.

Wilde Fahrradhorden gegen die Ausgangsbeschränkungen

Seit den geltenden Ausgangsbeschränkungen Ende März wurden in verschiedenen Stadtteilen Münchens mehrmals wilde Züge Radfahrer*innen gesichtet, die sich nicht an die Vorgaben zur Isolation und Kontrolle des Staates hielten.

Die bunten Horden durchbrachen die kollektive Schweigsamkeit mit Musik und lautem Rumgegröle und provozierten allerhand Reaktionen: Zumeist positive von Lächeln bis Zugejubel, aber auch schockierte Blicke und Fassungslosigkeit.

Spuren wurden in Form von Flugzetteln hinterlassen mit Sprüchen gegen die Ausgangsbeschränkungen, den Staat und die Autoritäten, wie „Der Staat probiert gerade wie weit er gehen kann. Tun wir dasselbe“, „Unser Zuhause ist die Rebellion“ oder „Jeder Kuss ein Verbrechen, jede Umarmung eine Verschwörung“.

Da sie unerwartet auftauchten, ständig in Bewegung blieben und sich je nach Bedarf auflösen konnten, kam es nie zu Problemen mit den Cops. Es gibt also genug Lücken der Unkontrollierbarkeit, die auch tagsüber mit mehreren Menschen ausgenutzt werden können.

Quelle: de.indymedia.org

[Gradisca d’Isonzo] Revolte im Abschiebeknast von Gradisca d’Isonzo

Letzte Nacht, am 29.03.2020, machten Gefangene im Abschiebeknast von Gradisca, die seit einigen Tagen in Hungerstreik getreten waren, ihren Ärger und ihre Verzweiflung hörbar, indem sie wieder Feuer in den Zellen anzündeten.

Die Polizei griff mit militärischer Unterstützung ein, um den Protest zu unterdrücken und die Feuerwehr eilte herbei, um um 21 Uhr, 22 Uhr, Mitternacht und 2 Uhr morgens die Flammen zu löschen. Möbel, Matratzen und Plastikoberlichter brannten und einige Zellen wurden beschädigt. Vorgestern hatte eine Person, die positiv auf den Coronavirus getestet und laut den Behörden zum Knast in Cremona gebracht und dort isoliert worden war, eine Verschlechterung ihres Zustands mit hohem Fieber erlitten und war in ein Krankenhaus in Cattinara gebracht worden.

Nach dem, was wir wissen, wurden einige Wachen auch unter Quarantäne gesetzt, ansonsten ist allerdings nichts für die anderen Gefangenen im Abschiebeknast unternommen worden.

Übersetzung des englischen Textes bei Act for Freedom Now!

Tod den Statistikern!

„So viel haben sie schon gelernt, daß sie nur den Statistiken glauben, die sie selbst gefälscht haben.“ (1946)

Wo soll man anfangen bei diesem Wahn?

Die Tatsache dass wir alle sterben können und dass daraus von irgendwelchen Leuten, welche an unserer Verwaltung teilhaben, Statistiken gemacht werden können die wir – im Normalfall – nicht kennen, ist keine Neuigkeit. Die Neuigkeit ist, dass wenn solche Statistiker mit den Zahlen etwas wilder und schockierender herumfuchteln, scheinbar die Herde bereit ist, alles mit sich machen zu lassen…

Es wurde von anarchistischer Seite immer wieder darauf hingewiesen, dass die Welt mehr und mehr zu einem Freiluftgefängnis wird. Wem das heute nicht offenbar wird, der muss wohl taub und blind sein, wobei sogar dass noch keine ausreichende Ausrede wäre.

„Die Alten und Schwachen“ werden zu einer Ausrede für jegliche noch so faschistische Massnahme – wohlgemerkt: dass die Alten und Schwachen dabei nicht gefragt werden, dass es sich um abstrakte „Alte und Schwache“ handelt, sollte bemerkt werden. Wenn es bestimmt einer „Risikogruppe“ zugeordnete Leute gibt, welche ihr – real oder mögliches – gering statistisch erhöhtes Sterberisiko derart über sämtliche Bedürfnisse aller anderen stellen, dass sie denken, um dieses zu mindern, gehöre die halbe Menschheit, wenn nicht sogar die ganze, eingesperrt… nun, solche Leute mag es geben. Aber sie haben zumindest eins auf die Fresse verdient, auch wenn man davon absehen mag – angesichts ihres schwächelnden Zustands. Sie könnten doch auch einfach einfordern, von anderen bei ihrer Selbstquarantäne unterstützt zu werden. Aber ja, es gibt eben nicht nur solche, welche die leichte Verlängerung ihres wahrscheinlich ohnehin schon leidvollen Lebens über die Freiheit – und sei es nur die gestrige, lächerliche Freiheit in der Demokratie – aller anderen stellen. Es gibt zumindest auch kranke, schwache, lungengeschädigte, alte, etc. Menschen, welche nicht komplett spinnen und verstehen, dass ihr Sterben – wobei dieser Prozess ja bei den meisten „Risikogruppen“-Zugehörigen ohnehin schon begonnen hat – nicht dazu herhalten sollte, alle zuhause einzusperren und die menschliche Zivilisation in ein riesiges Lager zu verwandeln. Gerade diese viel als „Grund“ herhaltenden Alten können sich vielleicht ja auch noch an die 40er, 30er und teils auch 20er Jahre erinnern. Und wenn sie etwas Bewusstsein haben, und nicht schon damals Nazis oder ähnliches waren, so finden sie das wohl beängstigend, was jetzt gerade läuft. Bullen, die einem vorschreiben zuhause zu bleiben. Die in alle Wohnungen eindringen dürfen. Die sich alles herausnehmen dürfen. Die einem sämtliche Rechte absprechen. Dafür muss man ja noch nichtmal die Nazi- und Kriegszeit erlebt haben. Es reicht ja auch, wie eine nicht ganz unbedeutende Politikerin erklärte, an die DDR zu denken. Aber es geht nicht lange, und sie schwenkte ein. Es geht nicht lange, und alle schwenken ein.

Das Einschwenken in die Rolle passiert dabei schnell. Als „Risikogruppe“. Als normaler. Als Herdentier. Alle machen „Mäh“ und „Muh“ und finden sich ab mit ihrer Rolle als Zuschauer. Als Zuschauer und auf jeden Fall den Statistikern unterworfene.

Aber ja, wo bleiben denn die Demokraten? Das frag ich mich. Nichteinmal das demokratische Grundrecht ist ja mehr gewährt. Aber natürlich: das mit der Quarantäne steht ja im Grundgesetz. Seuchenschutz und sowieso. Aber, der gute Demokrat könnte ja immerhin noch seine „freie Meinung“ vertreten, und die Verhältnismässigkeit anzweifeln. Was ja auch getan wird. Von einer liberalen Ärzteopposition die allerdings dafür nicht schlecht diskriminiert und diffamiert wird. Zum Beispiel als verschwörungstheoretisch. Obwohl sie nicht im geringsten von einer Verschwörung reden. Aber, die Beleidigung „Verschwörungstheoretiker“ hält ja seit ihrem Aufkommen in der Post 911 Ära ohnehin schon für vieles her, was einfach dem gutgläubigen Schaf nicht ins Konzept passt… und weil Argumentieren und logisches Denken ohnehin nichts ist, was der allgemeine Medienkonsument und geschulbildete irgendwo gelernt hätte – wo auch? – ist eben sämtliches kritische Infragestellen an Identitäten gebunden, wobei „Verschwörungstheoretiker“ wohl die moderne Ketzerei wär, während der offizielle spektakuläre Diskurs die offizielle Religion darstellt. Es bleibt nur abzuwarten, wann die Inquisition kommt…

Aber eben, hier soll es mir nicht um solche Glaubensfragen gehen. Es macht natürlich vielleicht Sinn, sich die ärztliche Opposition, etwa einen Prof. Dr. Hockertz oder das berliner Praxiskollektiv u.Ä. mal anzuschauen, welche nüchtern und ganz im Verhältnis zu normalen demokratischen Werten argumentieren, und ziemlich offensichtlich besser argumentieren über das sogenannte Covid-19… Aber jenseits des Glaubens an die Spezialisten und Statistiker aller Sorte und ihre Diskussionen, bzw. Dogmatik und Abwendung jeglicher Diskussion, bleibt wohl die grundlegendere Frage, ob wir denn ein Virus, und sei es die Fiktion einer Zombieapokalypse, wie sie wohl im mehr oder weniger vom Fernseher weichgespülten Unbewussten der grossen Mehrheit herumspukt, als Argument für das Aufgeben sämtlicher noch zugestandener Freiheiten oder irgend einer Freiheit genügen würde…?

„Das Spektakel will es zu nichts anderem bringen als zu sich selbst“, behauptete Guy Debord…

Entmenschlichung ist nicht erst von gestern

Für den Statistiker bin ich nur eine Nummer, wie ich für den Staat nur eine Nummer bin, wie ich es für die Netzanbieter, Parteien, Kapitalisten und Politiker bin. Wie ich es für Bill Gates, Söder, WHO, Robert-Koch-Institut und ihre Handlanger bin. Nur eine Nummer. Eine Grösse die es zu verwalten gilt, aus der so und so viel Kapital gemacht werden kann, die ein Störfaktor ist oder nicht. Zumindest nur eine Nummer. Ein Mensch? Aber was ist ein Mensch? Ein Individuum? Aber was versteht denn ein Statistiker von Individualität? Eine Nummer, die Träger eines Virus sein könnte… wie alle. Die ein Risiko darstellen könnte für das normale Funktionieren der Gesellschaft oder jetzt halt der Quarantäne…

Eine Quarantäne, welche den Zusammenbruch des gesellschaftlichen Konsenses aufhalten soll. Welche benutzt wird, um Milliardenpakete in die Wirtschaft zu stecken… die Unternehmen zu retten, die Industrie zu retten… die Digitalisierung durchzusetzen…

Es ist naheliegend und vielleicht auch nötig, darauf hinzuweisen, dass dieses Geld nicht in den Aufbau eines Gesundheitssystems gesteckt werden soll, welches wirklich jede Pandemie aushalten könnte. Dass ein solches herzustellen für den Staat möglich wäre, ist ausser Frage. Zumindest gegenwärtig wäre es für alle, die jetzt wegen Corona paranoid werden, die einzige relevante Frage. Wenn Italien in den letzten 10 Jahren 150 Krankenhäuser geschlossen hat, ist es dann überraschend, wenn Corona dort ein grosser Sterbefaktor wird? In Deutschland wurde auch massivst privatisiert und „neoliberalisiert“, und auch das macht sich jetzt bemerkbar – im worst case Szenario zumindest. Aber ja, wir sind ja gar nicht deswegen im Gefängnis, denn dieses ist noch nicht ansatzweise eingetreten! Aber ja, zumindest mal präventiv alle einsperren.

Diese Argumentationslinien liessen sich alle weiter verfolgen, aber es bleibt das Gefühl, dass man damit dem grundlegenden Faktor dieses absurden Schauspiels nichteinmal nahekommt. Die Linken mögen nun fordern, dass der Staat künftig hunderte Krankenhäuser baut und die Reichen dafür bezahlen. Aber das würde nicht passieren ohne Revolution. Und eine Revolution in der die Linken (bzw. irgendwer) an die Macht kommt, wäre nicht besser als diese Ausgangssperre und an der Misere, eine verwaltete Nummer zu sein, würde sich nichts ändern…

Dieser Text wurde vor 1-2 Wochen geschrieben.

[Brüssel/Anderlecht] Riots nach der Ermordung eines 19-Jährigen durch Cops

Am 11.04.2020 kam es zu Krawallen durch wütende Jugendliche aus der Anderlecht-Gegend der belgischen Hauptstadt Brüssel, sie attackierten Bullenkarren und schleuderten Wurfgeschosse auf die Cops, wobei ein Cop verletzt wurde und ein anderer zusammengeschlagen wurde. Die Unruhen wurden dadurch ausgelöst, dass eine Bullenpatrouille einen 19-Jährigen auf einem Roller verfolgte, der sich geweigert hatte für eine Ausgangssperrenkontrolle stehen zu bleiben. Er stieß mit einer entgegenkommenden Bullenkarre zusammen und starb noch vor Ort. Hunderte wütender Jügendliche aus der Gegend nahmen sich nach einem Aufruf in den sozialen Medien sofort die Straße und griffen die Cops an, die ankamen, um die Cops zu verstärken, die an der Tötung beteiligt gewesen waren. Mehrere Bullenkarren wurden in Brand gesetzt, ein Jugendlicher befreite eine Pistole aus einem Fahrzeug und schoss damit in die Luft, während er davon rannte.

Der lokale Jugendliche wurde Adil getauft und bereits jetzt führen die Medien den schmutzigen Job des Staates aus, imdem sie zu Ruhe aufrufen und seine Familie als Waffe benutzen, um den Ärger über den Mord an einem lokalen Jugendlichen und gegen die Ausgangssperre zu unterdrücken. Weiterhin haben die Cops ihre Präsenz in der Gegend heute (am Sonntag) verstärkt, sogar mit einem Wasserwerfer, weil sie befürchten, dass es zu weiteren Ausschreitungen kommen könnte. Belgien steht seit vier Wochen unter Ausgangssperre und versucht so, die Verbreitung der Corona-Epidemie einzudämmen.

Das ist ein klares Zeichen für kommende Ausschreitungen und Aufstände, das jetzt in der Festung Europa angekommen ist, nach anderen Ausbrüchen der Rebellion in anderen Teilen der Welt, wir sind uns bewusst, dass der Abschaum von Medien klar versucht, im Einklang mit den Autoritäten, jeden Ausbruch der Rebellion gegen die Coronavirus-Ausgangssperren zu unterdrücken*. Es ist nur ein kurzer Augenblick, ehe der globale Backlash ausbricht.

Erst Wuhan, jetzt Brüssel, Aufstand überall!

*Ausschreitungen brachen in Bristol, China und Palästina aus, sogar Telefonmasten brannten auf der Gefängnisinsel UK, parallel mit dem Bericht von Überfällen auf Supermärkte im Süden Italiens in Reaktion auf die „Lockdown-Maßnahmen“ (Ausgangssperre!)

Übersetzung des englischen Textes von Act for Freedom Now!

Die liebe Polizei, die Bombe und das Feuer

Komisch. Da fällt mir mal wieder eine alte anarchistische Zeitschrift in die Hände, welche ich vor einiger Zeit mal in einem Archiv kopiert habe. Sie ist vom 30. September 1932. Klandestin in Deutschland herausgegeben, trägt sie den vielversprechenden Titel Die Bombe. Und der erste Artikel der Nummer 1 beschäftigt sich dann auch mit dem kürzlich verhängten Ausnahmezustand der prä-hitler’schen (ob sie noch prä-faschistisch genannt werden kann, ist eher fragwürdig) Papen-Regierung. Und beim Lesen der Zeitung, die ganz humorvoll geschrieben ist, während die Druckqualität eher schlecht ist – erzwang die Zensur durch den neuverhängten Ausnahmezustand doch, dass die Zeitung nur in Schreibmaschinenschrift auf pappigem Papier gedruckt werden konnte… nun, beim Lesen dieser anonymen Anarchistischen Propagandaschrift von 1932 fühle ich mich, zwischen belustigt und schockiert, ziemlich stark an den heutigen Ausnahmezustand erinnert.

Der erste Artikel etwa, mit dem Titel „Ich verbiete…….!“, beginnt folgendermassen:

„“Mit dem Belagerungszustand kann jeder Esel regieren.“ Wenn dieses Bismarcksche Wort wahr sein sollte, dann regieren z. Zt. in Deutschland lauter Esel.“

Jaja. Der Artikel behandelt dann eben die Situation der prä-Hitler-Ära, die ja bald enden, bzw. allzu geschmeidig in den Nationalsozialismus übergehen sollte.. Auf der zweiten Seite dann ist das wunderschön-ironische Volkslied Die liebe Polizei, welches in den besseren Arbeiter-Turnvereinen spätestens ab den Sozialistengesetzen immer gern gesungen wurde, abgedruckt. Auch dieses wirkt heute sehr befremdlich aktuell. Und zutreffender als es sich der anonyme Dichter wohl jemals ausgemalt hätte. Es geht wie folgt:

1.) Wo zweie stehn und flüstern
Da sieht die Polizei
Den Himmel sich umdüstern
Und riecht Rebellerei
Fängt an zu arretieren,
Denn´s könnt zu Aufruhr führen
Und darauf hat sie ja zu sehn:
Die Welt soll sich auch morgen drehn:
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

2.) Fängt einer an zu niesen,
Spitzt sie die Ohren schnell
Und wittert hinter diesem
Den schändlichsten Rebell;
Niest er zum zweiten Male,
So sind es Kampfsignale; –
Die Polizei packt ihren Mann,
Bevor er weiter niesen kann.
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

3.) Vor jeder roten Nase
Da bleibt sie sinnend stehn,
Es könnte in der Strasse
Ein Attentat geschehn;
Und weiter dient dergleichen
Oft als Erkennunsgzeichen; –
Drum mit der Nase in Arrest,
Dann steh›n des Staates Pfeiler fest.
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

4. Drum lasst, ihr guten Christen
Euch nie von dem Geschrei
Der Wühler überlisten,
Und ehrt die Polizei;
Und tritt sie euch von hinten,
So lasst gefasst euch finden
Und denkt: „Ei nun, auch das ist gut
´s ist doch ein schönes Institut!“
Es lebe hoch die Polizei:
Die liebe Polizei.

So das schöne, leider allzu unbekannte Lied, welches heute – wortwörtlich – aktueller denn je ist, wenn man etwa die Sache mit dem Niesen beachtet. Es wurde traditionellerweise übrigens, als eine Art Parodie, zur Melodie des vaterländischen Liedes «Ich kenn einen hellen Edelstein» gesungen. Aber auch andere Vertonungen lassen sich finden.

Auch der nächste Text hat leider wieder einiges an Aktualität gewonnen. Dabei geht es um das liebe Denunzieren, welches das deutsche Volk ja nach 1932 bis zum geht nicht mehr betrieben hat, auch wenn diese Neigung ja schon vorher enorm ausgeprägt war – man denke z.B. an die sogenannte Hexenverfolgung.

Im Artikel handelt es sich vor allem um die Denunziation von illegalen Druckschriften. Auch wenn heute auch die Pressezensur ein Wiederaufleben erlebt, und bestimmt die im Internet (man denke daran, was Google, Facebook und Co. gerade abziehen, im Kampf gegen angebliche und reale Verschwörungstheorien). Aber eine akutere Gefahr wird der Denunziant gerade mehr durch das Verpfeifen von so kriminellen Dingen wie sich zuhause mit Freunden zu treffen, draussen im Kreis zu sitzen, rumzugammeln, verweilen und Bücher lesen etc. Auch hier ein paar Lesefrüchte:

«…besonders jene edle Institution, die unter dem Namen Polizei unrühmlich bekannt ist, kam ohne Denunzianten und Spitzel niemals aus. Das hatte seinen triftigen Grund; denn die Polizei bestand fast durchweg aus Elementen, die geistig auf sehr niedriger Stufe standen; auch brachte es der Beruf mit sich, dass nicht gerade die moralisch wertvollsten Individuen ihn ergriffen. Geistiger Tiefstand und moralische Minderwertigkeit also waren der Nährboden für das schmutzige Denunziantengeschäft.»

Auch wird behauptet, dass niemand ohne Belohnung Denunziant werden wollen würde. «Dieser Anreiz ist notwendig, denn ohne ihn würden sich keine Denunzianten melden und ohne diese würde die Polizei nie ihren Zweck erreichen.» Von 500 Mark ist die Rede. Leider hat sich das in der Geschichte und auch heute wieder als allzu optimistisch herausgestellt. Vielmehr führte und führt das Ressentiment, alle gleich unterdrückt sehen zu wollen wie man selbst es ist, dazu, aus purer Lust zu denunzieren… ist es nicht so?

Trotzdem ist es so und bleibt es immer so, vielleicht noch vielmehr wenn das ganze unentgeltlich geschieht:

«Der grösste Lump im ganzen Land,
Das ist und bleibt der Denunziant.»

Wie auch Die Bombe bekräftigt. Weiters schreibt die Bombe über das Leben unter der Papenregierung, welche etliche faschistische, wenn auch noch demokratische, Massnahmen durchsetzte. So wurden Bettler verhaftet, alle Subversiven eingesperrt und Nazis freigesprochen. Auch die wirtschaftliche Krise wird behandelt, die Armut, Hunger, etc. Dabei könnte wohl bald solches auf uns zukommen. Und es muss angemerkt werden: die Rezession, welche für 2020 von den Ökonomen prophezeit wurde, sie kommt jetzt. Und: sie kommt nicht «wegen corona». Vielmehr kommt sie ohnehin, und wenn in Zukunft das Geschwätz der Politik so gehen wird, als würden wir jetzt «alle den Gürtel enger schnallen müssen» und «wir sitzen alle im selben Boot», weil die Krise ja eine Art Naturereignis war, «wegen corona» eben, so ist das Quatsch. Es kommt ihnen aber gelegen. Auch, dass sie jetzt die Wirtschaft mit Geld vollpumpen können, ohne dass irgendwer das hinterfragt.

Aber zurück ins Jahr 1932. Natürlich ist 2020 nicht 1932. Aber auch heute stehen wir vor einem Abgrund. Einer Herrschaft durch den Ausnahmezustand, wie sie sich seit 2001 schon aufbaut, jetzt aber langsam endgültig normalisiert wird. Die Frage ist, ob wir im Pessimismus versinken sollen, angesichts der Tatsachen…? Und da muss man sagen, ob 2020 nicht 1932 ist, also die Einleitung zu Weltfaschismus und Weltkrieg, das liegt auch an uns allen… Das liegt daran, ob wir das mit uns machen lassen. Ob wir, die Ausgebeuteten und Ausgeschlossenen und Rebellen schon so am Ende sind, dass man alles mit uns machen kann.

Wir wissen es nicht.

Wenn Die Bombe schrieb: «Ein Regierungsgewaltiger unterdrückt eine zeitlang und glaubt damit die Stimme der Kritik, der Empörung, die Stimme des freien Geistes vernichten zu können. Ein jämmerlicher, bemitleidenswerter Narr, der sich das einbildet. Die Stimme der Empörung ist nicht zu unterdrücken, und sie wird lauter und lauter erschallen, trotz Verbot und Gewalt, bis sie eines Tages der Orkan entfacht, der alle Verbote und Unterdrückungsmassregeln wie Spreu hinwegfegt und mit ihnen diejenigen, die sie erliessen. Der freie Geist lebt, und er spottet der Reaktionäre von heute, wie er der Reaktionäre aller Zeiten gespottet hat: «Ich war, ich bin, ich werde sein!»»

Nun, wenn Die Bombe so schrieb, und sich die darauf folgende Zeit anschaut, dann wird einem mulmig zumute. Der Vorschlag der Bombe, der in der zweiten Ausgabe formuliert wurde, wurde leider nicht allzu häufig umgesetzt. Sie Bewirbt dort «Wanzol», ein «Vollkommen sicheres Mittel zur Vertilgung von Wanzen.» Dabei sind ganz besondere Wanzen gemeint. Jene, welche „wohlgenährt und gut gekleidet“ sind, „und in Villen und Palästen [wohnen]. Es sind die Leute, die im Besitz des Grund und Bodens, der Fabriken und sonstigen Reichtümer sind, es sind diejenigen, die uns ausbeuten und beherrschen.“ Zur Vernichtung dieser «Blutsauger» und «Parasiten» empfahl Die Bombe «Wanzol». Es wurde dabei kaum verhüllt, dass damit wohl eben das gemeint ist, was der Titel der Zeitung war. «Und wenn die Geplagten auch nicht an die Unfehlbarkeit des Mittels glauben – warum versuchen sie es nicht wenigstens? Versuch macht klug. Aber der Versuch muss gemacht werden. Und wenn Wanzol nicht helfen sollte, dann nehmt Feuer, das heilige Feuer, das Prometheus, wie die Sage berichtet, einst den Göttern raubte, um der leidenden und frierenden Menschheit die grösste Wohltat zu erweisen. Im Feuer stirbt jegliches Ungeziefer.»

Dabei empfiehlt Die Bombe vor allem, diese Kur beim damaligen Aussenminister Konstantin von Neurath anzuwenden. Aber eben: leider wurde «Wanzol» und auch das liebe Feuer viel zu wenig angewandt, und so konnte die Geschichte ihren Lauf nehmen. Und Neurath seine Rolle auch in der SS weiterführen.

Nur ein Subversiver, der dazu Extra aus Holland einreiste, fand noch die Kraft, welche in Deutschland niemand fand, und zündete den Reichstag an. Marinus van der Lubbe. Aber: anstatt dass diese Kur noch weitere Verbreitung fand, wurde er verleumdnet und diffamiert, während die Massen in den Nationalsozialismus marschierten, oder zumindest passiv und paralysiert dastanden.

Aber ja, diese kleine Geschichte, was hat sie mit 2020 zu tun?

Das mag jeder selber entscheiden.

Und jeder mag sich fragen, bei welcher Wanze heute wohl am ehesten eine Behandlung mit «Wanzol» nötig wäre. Sind es vielleicht gewisse Ministerpräsidenten und ähnliches Gesindel? Oder was wäre mit Herr Wieler, dem Präsidenten des RKI? Oder was mit Bill Gates, dem wichtigsten Privatfinancier hinter der WHO? Es gehen wohl so manchem noch viele Leute durch den Kopf.

Ich will hier bestimmt niemandem zu einem Verbrechen aufrufen, schliesslich handelt es sich hier ja nicht um eine klandestine Zeitung. Aber nachdenklich sollten diese Zeiten stimmen. Auch darüber, welche Mittel denn angebracht sind. Die Ära, die sich jetzt eröffnet, wird sie jene des absoluten Gehorsams werden, oder lebt die Flamme noch, welche sie in eine der Revolten und Aufstände verwandeln könnte? The future is unwritten.

Jenseits von Hoffnung und ihrem Kehrstück: Pessimismus; lohnt es sich zumindest, über die Sache mit «Wanzol» mal nachdenken. «Und wenn dies nicht hilft: Feuer!», schlussfolgert auch Die Bombe

Eine wühlende Leseratte