Tag Archives: Brandstiftung

Angriffe auf die technologische Herrschaft

20.11. Provinz von Verona (Italien) Vier Funkmasten (Mobilfunk-, Rundfunk-, Fernsehen) werden mit Farbe attackiert.
30.11. Montreal Island (Kanada) Mehrere autonome Gruppen unterbrechen den Schienenverkehr in der Gegend von Montreal Island. Es werden „Jumper“-Kabel verwendet, die das Signal geben, dass gerade ein Güterzug vorbeifährt, wodurch das Schienennetz an mehreren Schlüsselverbindungen gestört wird. „Arterien, die den Fluss des Kapitals durch den Kontinent ermöglichen, Wege zum Transport von Bitumen und anderen Produkten der Ressourcenausbeutung, Kolonisierung und des Todes. Schienen sind schon immer das Instrument kolonialer Expansion gewesen.“
04.12. British Columbia (Kanada) Sabotage eines Strommastes durch das Lockern einiger Bolzen und das Durchtrennen eines Abspannseils, die Stromlinie dient u. a. auch dazu eine im Bau befindlichen Anlage von LNG Canada (Verflüssigung von Erdgas) mit Strom zu versorgen.
15.12. Narasapura (Indien) Ein Aufstand erschüttert die Wistron IPhone-Fabrik in Narasapura. Fast 2000 Arbeiter*innen begehren dagegen auf nicht den vereinbarten Lohn ausgezahlt bekommen zu haben. Arbeiter*innen legen Feuer, beschädigen Maschinen, werfen Fenster ein und Autos auf dem Parkplatz um. Autos werden angezündet und tausende IPhones entwendet. Der Aufstand zwingt die Fabrik dazu zwei Wochen lang ihre Produktion einzustellen.
31.12. Berlin Während eines nächtlichen Spaziergangs wird ein E-Scooter angezündet und die Fassade des Berliner Firmengebäudes des Software-Konzerns SAP mithilfe von Hammerschlägen zertrümmert.
04.01. Saint-Pierre-la-Palud (Frankreich) Ein Funkmast wird angezündet. Ironischerweise wird durch diesen Brandanschlag das Alarmsystem der lokalen Feuerwehr in acht Kasernen gestört. Die Polizei erklärt, dass das Kabel zwischen dem Mast und der technischen Basisstation Feuer gefangen hätte.

[Massif de l’Étoile] Rundfunkantenne abgefackelt

In der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 2020 wurde die Rundfunkantenne des französischen Telekommunikationsunternehmens TDF im Massif de l’Étoile in der Nähe von Marseille angezündet. Eine Niederspannungs-Hauptverteiler-Anlage am Fuß der Antenne war in Brand gesetzt worden, nachdem Personen die Tür zur Stromanlage aufgebrochen hatten. Das Feuer hatte sich von dort aus über die „Feeder“ – sehr dicke, schwarze Kabel – an der Antenne hochgefressen. 3,5 Millionen Menschen im französischen Südosten konnten daraufhin 2-3 Tage lang weder Fernsehen noch Radio empfangen. Auch beim 3G- und 4G-Mobilfunk kam es zu Störungen. Bis heute gibt es Einschränkungen im Empfang von Fernsehen und Radio und es wird geschätzt, dass es noch bis zu ein Jahr dauern könne, bis alle Schäden behoben seien. Das Unternehmen TDF betont auf seiner Webseite, dass es so schnell arbeite wie nur irgendwie möglich, da „in der aktuellen gesundheitlichen Lage […] unser Angebot mehr denn je unentbehrlich für die Bevölkerung“ sei. Die 150 Meter hohe Antenne im Massif de l’Étoile ist die zweitwichtigste Antenne in Frankreich. Laut TDF sind seit 2017 über vierzig Masten des Unternehmens sabotiert worden. Momentan investiert TDF „in enger Zusammenarbeit mit dem Staat“ 18 Millionen Euro, um seine Standorte sicherer zu machen.

Fahrzeugbrände in Schwabing und Untergiesing

In der Nacht auf Samstag, den 26. Dezember brannte in der Teutoburger Straße ein Lastwagen vollständig aus. Die Brandursache ist laut Medien unklar, ebenso wem dieser LKW gehörte. Bereits am 16. Dezember brannten in der Giselherstraße in Schwabing ebenfalls zwei PKW jeweils „im vorderen Bereich“ aus. Auch hier verschweigen die Medien, wem die Fahrzeuge gehörten. Spontane Selbstentfachung bei Münchner Fahrzeugen? Oder eher ein Hinweis darauf, dass diese Fahrzeuge die Wut motivierter Menschen traf?

Welche Firmen könnte eine solche Wut im wahrsten Sinne des Wortes entfachen? Tatsächlich wahrscheinlich fast jede, doch gibt es sicherlich einige, die da einen besonderen Stellenwert einnehmen. Logistikunternehmen etwa, die Kriegsgeräte transportieren wie DB Schenker. Das Technische Hilfswerk, das immer zur Stelle ist, um den Cops logistisch zur Seite zu stehen. Oder aber Firmen, die Überwachungstechnik und sonstige Technik zur gezielten Kontrolle und Unterwerfung von Menschen entwickeln und herstellen wie etwa Bosch oder Rohde & Schwarz. Firmen, die am Ausbau des technologischen Panoptikons beteiligt sind wie die Telekom, Vodafone und natürlich an vorderster Front Google, denen übrigens mal ein 15 Meter langer Truck im Juni 2019 in Frankfurt ausbrannte. Firmen, die direkt an der Überwachung und Kontrolle von Menschen arbeiten wie private Sicherheitsfirmen, wo einem*r natürlich sofort Securitas und Ehrl einfallen. Oder wie wäre es mit Firmen, die sich am Knastsystem bereichern, indem sie Gefangene zu Hungerlöhnen Akkordarbeit verrichten lassen wie BMW oder Siemens. Firmen, die Knäste bauen, wie es Züblin und VINCI tun. Oder auch große Immobilienfirmen, die für horrende Mieten und den besonders repressiven Umgang gegenüber Mieter*innen bekannt sind wie zum Beispiel Vonovia.  Wenn man etwas länger darüber nachdenkt und evtl. noch etwas recherchiert, gibt es tausende Firmen, die an der Verfeinerung der Unterwerfung des Menschen ihren Anteil haben. Und wie es der Zufall so will, ist deren Fuhrpark häufig vollkommen schutzlos all jenen ausgeliefert, die den Schutz der Dunkelheit und die dank nächtlicher Ausgangssperre menschenleeren Straßen dafür zu nutzen wissen, ihrer Wut für einen Moment etwas Linderung zu verschaffen. Häufig werden übrigens einfache Grillanzünder aus dem Supermarkt auf die Vorderreifen gelegt, um ein Fahrzeug in Brand zu setzen. Das Gummi eines Reifens brennt nämlich wie Sau! Bei LKWs (auch bei PKWs natürlich) ist es allerdings ratsam, vorher zu überprüfen, ob auch niemand darin schläft.

Update vom 23.01.2021: Bei den beiden Autos in Schwabing handelte es sich um Fahrzeuge der Firmen Dussmann und Vonovia, der brennende LKW in der Teutoburgerstraße gehörte einst zur Firma BauWatch, einem Anbieter für Videoüberwachung auf Baustellen.

[Italien] Neue Konfrontationen gegen die Ausgangssperre

[Wie es häufig der Fall ist, sobald diese Art Straßensituation ausbricht, die uns überraschend begegnet, werden sich viele fragen, wer diese Meuterer sind, die gegen die Ausgangssperre in Italien (quasi eine Wiederkehr dieser guten alten Normalität) protestieren und was sie wollen, und dabei versuchen ihre Wut in kleine Kästchen zu quetschen, anstatt sich zu fragen, was wir wollen, wir, mit revolutionären anarchistischen Ideen, Praktiken und Perspektiven, die sich nicht auf diese neue Restriktion der Herrschaft beschränken. Nicht nur, um innerhalb dieser Proteste zu agieren (oder auch nicht), sondern auch daneben oder außerhalb davon.

Seitens der Sprecher*innen des Staates haben die großen italienischen Zeitungen zum Beispiel entschieden, an diesem Morgen des 27. Oktober den, je nach Städten, sehr heterogenen Charakter der anfänglichen Demonstrationen hervorzuheben, ein bisschen wie bei den französischen Gelbwesten, ebenso wie den Aspekt der „Stadtguerilla“, und dabei beispielsweise in Turin auf die beiden verfeindeten Ultra-Gruppen der beiden Fußballvereine (Juventur und le Torino) verwiesen, wie auch auf Gruppen von jungen „immigrierten Vandalen“, wie auch auf diverse „Verschwörungstheoretiker“ und Einzelhändler: man muss dazusagen, dass die Zerstörung und manchmal Plünderung der Luxusboutiquen in der Via Roma (Apple Store, Gucci, Geox, etc.) und in vielen anderen angrenzenden Straßen durch 600 Randalierer beispielsweise der Bereitschaftspolizei bis spät in die Nacht Arbeit verschafft hat. In Mailand ebenso, wo es insbesondere die Einkaufsstraße Corso Buenos Aires war, die „Freiheit, Freiheit“ rufend durchlaufen wurde, dann die Umgebung der Stazione Centrale, wo eine große Zeitung aus dem Norden großen Spaß daran hatte, auf „die Gruppe [von 300 Demonstranten hinzuweisen], die gleichzeitig aus Italienern und aus Ausländern bestand, aus einigen Militanten der Forza Nuova [rechtsradikale Gruppe], aber auch aus Anarchisten“. Übrigens soll es Prügeleien gegeben haben zwischen Faschos, die dagegen waren, Schaufenster zu zerstören, und sich damit als informelle Ordner versuchten („man rührt keine Läden an, wir sind für was anderes da“), und Gruppen Jüngerer unterschiedlichster Herkunft, die im Gegenteil gekommen waren, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen, und das nicht nur gegen die Polizei.

Das verspricht zukünftig einige schöne Polemiken*, die man hier [in Frankreich] bereits von den berühmten limitanten Milieus kennt, natürlich hinsichtlich der Stadt und der Kontexte, die variieren können (Neapel ist nicht Triest, Mailand ist nicht Rom, etc.), zwischen sich karikaturenhaft an diesen Demonstrationen beteiligen, um die Faschos von dort zu vertreiben (einschließlich mit Praktiken, die sie schwieriger teilen), letztere zu übertrumpfen und andere Möglichkeiten zu bieten, oder diesen lokal verrosteten Versammlungen entfliehen, um die Gelegenheit zu nutzen, dass die Cops dort gut beschäftigt sind, um woanders und anders zu agieren… einschließlich gegen andere weniger offensichtliche Ziele als die Cops und das städtische Mobiliar gerichtet und ohne irgendetwas von der Herrschaft zu fordern.

In Turin wie auch in Mailand gab es auch Angriffsversuche von den „Regionsbesetzungen“ [sièges de Région] (diese Versammlungen fangen häufig einige Stunden vor der Ausgangssperre auf großen Plätzen an, ehe sie zu wilden Demos werden), und in Neapel, den dritten Tag in Folge, haben hunderte junge Leute erneut die Cops auf bewegliche Art und Weise angegriffen und mit städtischem Material Barrikaden gebaut. Lasst uns schlussendlich auch präzisieren, dass es wilde, verwüstende Versammlungen ohne Umzug [cortège] in anderen Städten als Turin, Mailand und Neapel gegeben hat – manchmal auf Initiative rechtsradikaler Kreise und von Händlern, aber nicht nur – wie Pescara, Vicenza, Perugia, Genova, Foggia, Pesaro, Triest, Bologna, Florenz, Lecce (mit Slogans wie „Lieber das Risiko eingehen an Covid zu sterben als die Gewissheit zu verhungern“), Campobasso, etc. Die offiziellen Zahlen von diesem Morgen melden mindestens 5 Verhaftete in Turin (darunter zwei für die Plünderung von Gucci und einer für Vuitton) und 28 in Mailand (darunter 13 Minderjährige und eine Anarchistin).

* Man könnte beispielsweise diese Sammlung an anarchistischen Texten bezüglich der Gelbwestenbewegung (wieder) lesen [24 Seiten, August 2019, nur auf Französisch]

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AFP, 26. Oktober 2020 (Auszug)

Die Schließung der Restaurants und Bars ab 18 Uhr und von allen Theatern, Kinos und Sporthallen für einen Monat hat die Wut und Sorge in einem Land geweckt, das bereits sehr hart von zwei Monaten Lockdown im Frühjahr getroffen worden war und das dieses Jahr die schlimmste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg erwartet.

Nach bereits bewegten Versammlungen an diesem Wochenende in mehreren Städten der Halbinsel, haben sich die Demonstrationen an diesem Montag fortgesetzt, mit ihren Prozessionen der Gewalt im Norden und im Süden des Stiefels.

In Mailand, Hauptstadt der Lombardei (Norden), die Region, die die höchste Anzahl an Infektionen meldet, haben sich mehrere hundert Demonstranten Montag abend im Stadtzentrum der Bereitschaftspolizei entgegengestellt. Straßenbahnen wurden beschädigt, Mülltonnen angezündet, Zweiräder umgeworfen und einige Schaufenster eingeworfen, wie es die Bilder zeigen, die von den italienischen Medien live gesendet werden.

Die Ordnungskräfte antworteten auf die Flaschen-, Rauchbomben- und Molotowcocktailwürfe mit Tränengas. Ähnliche Ereignisse fanden auch in der Nachbarstadt Turin statt, wo laut der Polizei mehrere Demonstranten verhaftet wurden.

In Neapel, der großen Stadt im Süden, haben mehrere tausend Personen die Abdankung des Präsidenten der Region Kampanien gefordert, ehe sie sich zerstreuten. Sporadische Konfrontationen zwischen vermummten Demonstranten und den Cops folgten hingegen während des ganzen Abends.

Quelle: Sans Nom, Artikel vom 27.10.2020, übersetzt aus dem Französischen

[Besançon, Doubs (Frankreich)] Zwei Texte zur Verhaftung eines Gefährten

Besançon: über die Einsperrung eines anarchistischen Gefährten

Indymedia Nantes, 5. Oktober 2020

Am 27. März 2020 wurde ein Mobilfunkmast am Fort de Brégille in Besançon, im Doubs, angezündet. Am 10. April sind zwei andere Masten, die mehrere Dutzend Meter voneinander entfernt standen und auf dem Mont Poupet über Salins-les-Bains, im Jura, standen, in Flammen aufgegangen. Sie sind nicht die Ersten, die ein wärmendes Ende erfahren haben, da seit zwei Jahren mehr als hundert dieser Herrschaftsstrukturen sabotiert worden sind, davon bereits mehr als zwanzig nur in der Zeit des Lockdowns im Frühling – anders gesagt quasi alle zwei Tage einen – und insgesamt um die sechzig seit Beginn des Jahres. Und es sind auch nicht die letzten, da der Kampf gegen die technologischen Käfige sich aufs Schönste fortsetzt, ohne auf die Ankunft von 5G zu warten, um sich die Mobilfunkmasten und Glasfaserkabel vorzunehmen, so sehr sind sie bereits von vielen als Ärgernis identifiziert worden, wenn es um Kontrolle geht, um Überwachung, Entfremdung, Enteignung oder Restrukturierung der Wirtschaft.

Am Dienstag, den 22. September im Morgengrauen, wurden drei Personen in Besançon wegen der Angriffe am Fort de Brégille und in Salins-les-Bains im Auftrag eines Untersuchungsrichters aus Nancy von den Bullen der Section de recherches (SR) des Polizeireviers dieser Stadt und durch die Kettenhunde der Direction interrégionale de police judiciaire (DIPJ) von Dijon verhaftet und ihre Wohnungen durchsucht. Während zwei der beiden nach 24 Stunden entlassen wurden, nachdem sie ihre DNA abgegeben haben, wurde gegen die dritte Person hingegen wegen „Zerstörung durch gefährliche Mittel“ Anklage erhoben und diese schließlich ins Gefängnis von Nancy-Maxéville gebracht.

Diese dritte Person, der die Zerstörung von Mobilfunkmasten während des Lockdowns vorgeworfen wird, ist ein anarchistischer Gefährte aus Besançon, B., der seit langem die Liebe zur Freiheit und den Hass gegen jede Autorität fest in sich trägt. Er ist derzeit in Untersuchungshaft, vorerst für vier Monate mit Möglichkeit der Verlängerung. Darüber hinaus ist im Rahmen dieser Ermittlung zumindest sicher bekannt, dass die Bullerei versucht, DNA-Treffer zu finden, sich für die Körpergröße möglicher Verdächtiger interessiert und sich nicht gescheut hat, mehrere Namen anderer lokaler Gefährt*innen zu nennen, um sie in Gewahrsam zu nehmen. Sie hat sich auch für die IGN-Karten [topographische Karten des frenzösischen Vermessungsamts] interessiert oder für eine anarchistische Broschüre, die aus dem Deutschen übersetzt wurde, „Brûler les foyers du virus technologique“ [1], die sie bei ihren Durchsuchungen gefunden haben. Nach unseren Kenntnissen ist der Gefährte immer noch im Gefängnis von Nancy am Einleben, im Rahmen der automatischen Covid-19-Isolationshaft hat er eine erste Erlaubnis zum Einkaufen erhalten und zeigt gute Miene.

Möge jede*r auf die Art und Weise, die er*sie für die angemessenste hält, sich dem Staatsterrorismus und dem demokratischen Totalitarismus widersetzen, von dem die schöne neue technologische Welt sicher einen seiner Pfeiler bildet. Und da es allgemein bekannt ist, dass Angriff die beste Solidarität ist… jede*m seinen*ihren Mast!

Einige anarchistische und solidarische Kompliz*innen

4. Oktober 2020

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[Text ohne Titel der Kumpelinen und Kumpels von B., der nach seiner Verhaftung in den Straßen und Lokalen von Besançon verteilt wurde.]

Per E-Mail erhalten.

Am Abend des Mittwochs, den 23. September, haben wir von der Einkerkerung in U-Haft unseres Gefährten und Freundes B. in die Strafanstalt Nancy-Maxeville in der Lorraine erfahren. Nachdem bei ihm zuhause ebenso wie bei seinem Bruder und einem anderen Gefährten eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden war, wurde B. im Rahmen einer Ermittlung bezüglich der Brandstiftung an mehreren Funkmasten im Doubs (27. März) und im Jura (10. April) in Gewahrsam genommen und zum Kommisariat von Besançon gebracht.

Wir haben und pflegen engen Kontakt zu seiner Familie, um sie in dieser schwierigen Phase, die die Einkerkerung einer nahestehenden Person ist, zu unterstützen, aber auch mit dem Ziel, unserem Freund und Gefährten möglichst viel Unterstützung zu bieten. Diese Unterstützung ist bedingungslos und wir befürworten die Handlungen, die ihm vorgeworfen werden und die darauf zielen eine Welt zu zerstören, die uns zerstört, die darauf zielen mörderische Technologien zu bekämpfen, aus einem gesundheitlichen und sozialen Standpunkt wie auch im Hinblick auf die Umwelt und die ebenfalls darauf abzielen, den Wunsch zu bejahen, im Hier und Jetzt und überall außerhalb des Zugriffs und der Kontrolle des Staates und seiner kapitalistischen Verbündeten zu leben.

Wir erheben unsere Stimmen mit seiner, die heute durch das Gefängnissystem einen Maulkorb verpasst bekommen hat, um die autoritären und demütigenden Auswüchse anzuprangern, die uns jeden Tag in unseren Gesellschaften mehr aufgelegt werden. Wir profitieren von dem, was uns an Freiheit bleibt, um unseren Ekel über die Kerker, die heute unseren Gefährten und Freund neben zehntausenden anderen gefangenen Personen einsperren, hinauszuschreien. Unsere Kritik an den Orten der Einsperrung kann sich tatsächlich nur steigern, wenn wir die aktuellen Haftbedingungen kennen, die sich durch die COVID-Maßnahmen verschlimmert haben: Isolation, Besuchsverbot, Verbot von Freizeitaktivitäten, Videokonferenzen…

Um ihn zu unterstützen, findet ihr Spendenboxen in mehreren Städten, die wir euch schnellstmöglich kommunizieren werden. Eine Spendenkasse ist ab jetzt in der Bibliothek Autodidacte an der Place Marulaz in Besançon zu finden. Das Geld wird für die Gerichtskosten und die Reisekosten für seine Familie von Besançon nach Nancy verwendet. Die Kosten für die Haft und das benötigte Geld für den Knasteinkauf werden von der Kaliméro-Kasse übernommen. Momentan verfügen wir noch nicht über die Ermittlungsakten, aber angesichts der Vorwürfe, die B. gemacht werden. riskiert er mehrere Jahren Knast.

Unser Schreiben geht heute um die Einkerkerung unseres Gefährten und Freundes, aber natürlich vergessen wir all die anderen Gefangenen und Verfolgten im Rahmen dieses erbitterten Kampfes gegen die Einführung der neuen Pseudo-Informations- und -Kommunikationstechnologien, die nur den Interessen der Herrschenden dienen, nicht. Ihnen unsere Unterstützung.

Mittwoch, den 30. September,
Einige Kumpels und Kumpelinen von B. aus Besançon

 

Quelle: Sans Nom

Anmerkungen der Übersetzung

[1] Auf deutsch „Die Herde des technologischen Virus anzünden“; diese Broschüre enthält eine Übersetzung des Textes Wann, wenn nicht jetzt? aus dem Zündlumpen Nr. 064, plus anhängig zwei weitere Texte aus derselben Ausgabe Brenn, Funkmast, brenn – eine kleine (unvollständige) Chronik und Flammende Spaziergänge entlang der Bahngleise und einen Text mit dem Titel „Sabotages contre la normalité numérique [Sabotagen gegen die digitale Normalität], erschienen bei Sans Attendre Demain.

[Leipzig] Bullenkarre abgefackelt – Solidarität mit den Gefangenen vom Wochenende

Wir haben am 05.09. einen Streifenwagen der Bullen mit Feuer unbrauchbar gemacht. Während in Connewitz Menschen dabei waren, Bullen und Luxusbuden anzugreifen, schritten wir im Leipziger Westen auf dem Gelände der Landesbeschaffungsstelle zur Tat. Bullen standen schon immer zwischen leeren Wohnungen und denen, die sie brauchen und sind somit äußerst legitimes Ziel von Angriffen!

Noch ein Paar Gedanken zum Wochenende:

„Die Steinwürfe lenken von der Gentrifizierungsthematik ab!“
Ja, ja. Wie viel wurde denn in den letzten Jahren bundesweit über die Gentrifizierung in Leipzig gesprochen? Wenig, bis garnicht. Nach dem Wochenende waren alle Regionalblätter voll damit und auch die Tagesschau berichtete von rasant steigenden Mieten in Leipzig. Diese Öffentlichkeit wurde durch militante Aktionen erzeugt und nicht dadurch, dass sich ein Paar Lokalpolitiker*innen im „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ zusammen setzen. Die selben Journalist*innen die in ihren Artikeln schreiben, die Debatte würde durch Riots in den Hintergrund rücken, schreiben in selbigen Artikeln das erste Mal überhaupt zum Thema Gentrifizierung in Leipzig! Aber was sollen sie auch anderes machen, ihre Aufgabe ist es unter anderem die bürgerliche Gesellschaft zu stabilisieren und mit staatstrangender Propaganda die Menschen zu befrieden. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern wird von den meisten Mainstreamjournalist*innen, in ihrer Definition, als vierte Gewalt im Staat auch genau so gesehen!

„Wenn ihr keinen Stein geworfen hättet, gäbe es jetzt schon bezahlbaren Wohnraum!“
Die Politiker*innen, die gerade fleißig dabei sind, dieses (Schein)Argument rauf und runter zu beten, hofieren seit Jahren Imobilienspekulant*innen, wie die CG-Gruppe oder ähnliche Stadtplaner mit Großmachtsfantasien. Sie planen eine Stadt, in der nur noch Reiche wohnen können und die Ärmeren aus der umliegenden Provinz zum Schuften pendeln dürfen. In der kapitalistischen Logik ist keine andere Form der Stadt denkbar; arme Menschen arbeiten in Jobs, die wenig Steuern abwerfen, oder verdienen erst gar kein Geld mit Lohnarbeit, sie können sich auch die Wohnungen, die gerade gebaut werden, einfach nicht leisten und werden deswegen nur gebraucht, um ihre Arbeitskraft auszubeuten und nicht um tatsächlich ein würdiges Leben in der Stadt zu führen. Politiker*innen werden immer die Interessen der Reichen vertreten, weil die moderne Stadt abhängig von Profitmaximierung und Aufwertung ist. Wir werden nicht anfangen an die Jungs und Lazars zu apellieren, sie stehen uns feindlich gegenüber, genau wie die Bullen!

„Gewalt ist kein legitimes Mittel, seine politischen Ziele durchzusetzen!“
Die alte Mähr der Gewaltlosigkeit. Die bürgerliche Gesellschaft muss, um ihre Legitimität zu behalten, ständig behaupten, sie wäre gewaltfrei. Das Gegenteil ist der Fall: Menschen werden aus ihren Wohnungen geworfen, Frauen* haben täglich mit patriarchalen Verhältnissen zu kämpfen, Leute werden von Bullen schikaniert, verprügelt und ermordet, weil sie nicht dem „klassischen nordeuropäischen Phenotyp“ entsprechen. Alles Aufgezählte ist Gewalt, strukturelle, physische und psychische. Eine kapitalistische, patriarchale, rassistische Gesellschaft produziert diese Gewalt und braucht sie um antagonistische Bestrebungen zu unterdrücken. Natürlich ist es auch Gewalt, wenn Bullen von Steinwürfen verletzt werden; doch wenn sich Menschen, die täglich von den verschiedensten Unterdrückungmechanismen betroffen sind, gegen die (Bullen) wehren, die schon immer dafür da waren, die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse zu schützen, dann ist Gegengewalt verständlich und legitim. Keine revolutionäre Umwälzung der Menschheitsgeschichte ist mit Blumen und und nettem Reden erreicht worden, obwohl es beides natürlich auch trotzdem braucht. Um sich gegen die alltägliche Gesellschaft zu behaupten braucht es Organisierung und kreative Ausdrucksformen von Widerstand!

Wütende und kämpferische Grüße an die Gefangenen; wir sind nicht Alle!
Nieder mit den Bullen!
Für die Anarchie!

Quelle: Indymedia

[Bradford (GB)] Der 90. Mobilfunkmast geht in Flammen auf

Am Donnerstag, den 10. September gegen 4 Uhr 30 auf der Otley Road in Bradford (West Yorkshire) ist ein mit einer 5G-Antenne versehener Mast absichtlich in Brand gesetzt worden. Das am Fuß entzündete Feuer ist bis nach oben geklettert und hat alles auf seinem Weg zerstört.

Am nächsten Tag, mit den dem Mast selbst zugefügten strukturellen Schäden konfrontiert, musste derselbe in drei Teile geschnitten und abmontiert werden. Mindestens 90 Mobilfunkantennen wurden, häufig durch Feuer, seit letztem April und der Zeit des Shutdowns, laut den offiziellen Zahlen, sabotiert.

Wie es inzwischen in einigen Ländern Brauch geworden ist, haben sich die Geier und Papageien des Staates sofort auf die Hypothese gestürzt, dass es sich um 5G-Verschwörungstheoretiker*innen handele, auch wenn dieser Angriff anonym stattgefunden hat und es viele andere Gründe dafür gibt sich an solchen Strukturen der Telekommunikation zu vergreifen. Diese Erfindung trägt zur Entfremdung und der Fütterung dieser techno-wissenschaftlichen Welt bei, die unsere Existenzen entleert und die Ausübung der Macht durch Kontrolle perfektioniert.

Gegen jeden Virus, einschließlich desjenigen der technologischen Pandemie, das Feuer ist auf jeden Fall ein gutes Heilmittel. Auf zum nächsten!

Quelle: Sans nom

[Lecce, Italien] Ein wunderbarer Gedanke

Ein Ereignis der lokalen Neuigkeiten. Wir wissen nicht wann, wir wissen nicht wer, wir wissen nicht warum, wir wissen nur wo. Und das allein ist genug um dein Herz zu öffnen, selbst wenn das, was passierte nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein scheint. Aber, wie es wohlbekannt ist, bei einigen Dingen ist es der Gedanke der zählt.

Ein Gedanke wie jener, den jemand an der Umschliessungsmauer eines Unternehmens in der Peripherie von Lecce hinterlassen hat. Es war kein Manifest, keine Schrift, nein, es war ein mit Benzin gefüllter Topf mit zwei daran befestigten Gaskartuschen, ausgerüstet mit einem rudimentären, möglicherweise defekten Zünder. Es gab eine grosse Flamme, aber keine Explosion. Die lokalen Medien haben keine Ahnung wann es passierte. Hm… zwischen dem Freitagabend, 24. April und dem Montagmorgen, 27.? Sie sagen nicht einmal wer es gewesen sein könnte oder aus welchem Grund. Eine Drohgebärde oder Vergeltung seitens eines kriminellen oder verstörten Elements? Andererseits waren sie sehr präzise darüber, wo es sich abspielte: in der via del Platano 7, im Castromediano Distrikt, Sitz von Parsec 3.26.

Aber worin ist es involviert, Parsec 3.26? Es ist ein Computerunternehmen das sich in digitaler Technologie für die lokalen Autoritäten spezialisiert. Zum Beispiel hat es die Software, welche von der Polizei und den Banken für Gesichtserkennung jener, welche von Überwachungskameras gefilmt werden benutzt wird, gemacht. Ist das alles? Könnte es ins Visier genommen worden sein, weil es, wie man beim durch die Seite klicken erfahren kann, es mit hässlicher techno-anglo-schwachsinniger Sprache erklärt, dass seine „Leidenschaft E-Governement ist»?

Vielleicht weil es „begonnen hat eine Abteilung genannt Reco 3.26 gestartet hat, aktiv in der Produktion von Softwaresystem im Feld von smart recognition… in der Erforschung von biometrischen System und dem Gebrauch von interdisziplinären Teams mit Ingenieuren und Wissenschaftlern… Die Sektoren in denen es aktuell diese Techonolgie einführt sind Transport, Finanz, Sicherheit (öffentlich und privat). Sein Wachstum ist hauptsächlich von Sicherheitsinitiativen der Regierung gefördert. Unternehmen welche zu Sektoren wie Einzelhandel und Bankwesen gehören übernehmen Gesichtserkennungssysteme um Kunden zu identifizieren und ihr Verhalten zu überwachen. Heute stellen die Lösungen welche von Parsec 3.26 angeboten werden den Stand der Kunst der Erkennungstechnologien für öffentliche Sicherheit in Italien dar. Das Unternehmen zeichnet sich sogar dafür aus, dass es die Lösung der biometrischen Erkennung, welche heute vom Innenministerium benutzt wird, erschaffen hat – die zentrale kriminalpolizeiliche Direktion innerhalb des SARI-Systems“?

Ist es möglich, dass irgendwer dieser „ausgezeichneten“ Gesellschaft feindlich gesinnt ist, weil sie dem Staat hilft seine Gefängnisse zu füllen und den Banken ihre Safes zu bewachen? Wer könnte sowas denken!

Hier lässt uns die Tatsache, dass in Zeiten der Einsperrung, von Checkpoints, Selbstzertifizierungen, tracking, Überwachung mit Drohnen und so weiter… – Sachen, welche die Schwächlinge totalitärer Regimes der Vergangenheit beschämt dastehen lassen – jemand so einen Gedanken hatte, kurz bevor, während oder nach der Feier der Befreiung vom Nazifaschismus, sprachlos. Vielleicht war es nur eine Flamme, aber wie viel glänzendes Licht mitten in der Dunkelheit des heutigen freiwilligen Gehorsams.

Licht der Rache, Licht der Würde, Licht der Freiheit.

[28/4/20] Übersetzt von finimondo.org.

Brandlegung an Müllcontainern und ein beschädigter E-Scooter

Die Bullenpresse berichtet, dass in der Nacht auf Samstag, den 09. August 2020 zwei Müllcontainer in der Fasanerie von Jugendlichen in Brand gesteckt wurden. Zuvor hatten diese den Cops zufolge auch einen der ewig-nervenden E-Scooter beschädigt. Leider wurde die Gruppe in der Nähe des Brandherdes von Cops aufgegriffen.

Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, sich auch nach dem Anzünden von Müllcontainern zügig vom Ort des Geschehens zu entfernen, auch wenn der Anblick dieses städtischen Lagerfeuers zweifelslos anziehend wirkt.