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Der Mensch ist dem Menschen ein Virus?! – Ein Wutanfall über den erneuten Lockdown und seine Verteidiger

Papa erteilt mal wieder Hausarrest

Papa ist alles mal wieder nicht streng genug, und zu unserem Besten muss er halt mal wieder hart durchgreifen: Deutschlands Vorzeige-Elter Markus Söder schickt seine Kinder mal wieder (natürlich als Erster) in Hausarrest. Ab Mittwoch dürfen Leute wieder einmal nur „mit triftigem Grund“ ihr Zuhause verlassen, teilweise – bei entsprechendem Inzidenzwert – sogar zwischen 21 Uhr und 5 Uhr gar nicht mehr. Außerdem gilt allgemein ein Alkoholverbot (damit übrigens auch ein Glühwein-Verbot) auf öffentlichen Plätzen. Nur an den Weihnachtsfeiertagen sollen die neuen Maßnahmen im „christlichen Familienland Bayern“ gelockert werden, insbesondere für „den Besuch der Christmette“. An Sylvester jedoch, dem „Fest der Freunde“, soll es keine Ausnahme geben. Eigentlich alles wie beim ersten Lockdown, außer dass dieses Mal die Geschäfte geöffnet bleiben. Klar, denn das Weihnachtsgeschäft will man nicht gefährden und was sicher eine Lektion aus dem ersten Lockdown ist, ist, dass man den Leuten die Möglichkeit lassen muss, sich zuhause durch den Konsum von unterschiedlichsten Gütern zu beschäftigen, damit sie nicht komplett durchdrehen. Lediglich strengere Kontrollen der Kundenanzahl in größeren Geschäften soll es geben, zum Leidwesen aller Ladendiebe. Zwar müssen diese Pläne am Dienstag noch vom Landtag abgesegnet werden, doch das sollte wohl nur eine Formsache sein. Denn selbst die Opposition – wie auch schon beim ersten Lockdown – steht hinter der Regierung, auch wenn sie, wäre sie selbst an der Macht, gerne noch strengere Maßnahmen durchsetzen würde: So schwebt beispielsweise irgendeiner SPD-Schnepfe eine „generelle Maskenpflicht“ auf der Straße vor, eine andere forderte Betriebsschließungen über die Weihnachtsferien und wies darauf hin, dass sie all das, was Söder jetzt verkündet hat, bereits früher durchgesetzt hätte.

Die Digitalisierung als Basis für den Umbau zum permanenten Lockdown

Wieder einmal werden wir „zu unserem Besten“ eingesperrt. Doch auch wenn wir damit nun zum zweiten Mal ganz offiziell das Haus  nicht mehr verlassen dürfen (außer in dringenden Fällen) und uns auch sonst alles verboten wurde, das Spaß macht, wurde nun bereits das ganze letzte Jahr, seit Beginn der „Krise“, damit begonnen, ein ganzes soziales Miteinander nachhaltig umzubauen. Angesichts einer Pandemie scheint es für die diejenigen, die über uns herrschen, nur eine Antwort zu geben: sich in autoritären Maßnahmen gegenseitig zu überbieten. Und jeden Menschen so weit wie möglich voneinander zu trennen, sodass eine Ansteckung minimiert werden kann.

In der Logik derjenigen, die die Art und Weise, auf die unsere Gesellschaft funktioniert, auf jeden Fall aufrechterhalten wollen, ist das durchaus nachvollziehbar. Denn in der heutigen Zivilisation kann eine Pandemie eine potenziell dramatische Wirkung entfalten. Wir leben in einer hochtechnologisierten, globalisierten Welt, in der Menschen in Megastädten, in Fabriken und Großraumbüros zusammengepfercht sind, in der wir in immer ähnlicheren, sterilen Lebensbedingungen leben, die für ein Virus ideal sind, und in der „wichtige Geschäftsleute“ durch die ganze Welt jetten, um ihre Geschäfte zu machen. Ein Virus kann sich da rasend schnell verbreiten. Die Lösung derjenigen, die maßgeblich dafür verantwortlich sind der Welt das Aussehen zu verpassen, das sie heute hat: die Flucht nach vorn. Beziehungsweise die Flucht in die virtuelle Realität. Digitalisierung gilt als Zauberformel zur Bekämpfung von Epidemien. Wer glaubt, dass Home Office und Zoom-Meetings nur vorübergehende Phänomene sind, die spätestens mit „Durchimpfung“ der Bevölkerung ein Ende nehmen werden, hat noch nicht verstanden, was sich hier gerade abspielt: „Daheim bleiben. Einfach daheim bleiben, Kontakte reduzieren, Kontakte vermeiden“ ist nicht nur die „Überschrift von allen“ Maßnahmen, die in Bayern vorerst bis zum 5. Januar gelten, sondern auch langfristig das Ziel, um künftige – eventuell auch tatsächlich fatale – Pandemien zu vermeiden. Wozu sich auch im Real Life treffen, wenn angeblich derselbe Spaß auch ohne Infektionsrisiko digital stattfinden kann?

Digitalisierung bedeutet auch eine Erleichterung sozialer Kontrolle. Corona-Warn-App, Drohnenüberwachung, Online-Meetings, etc. ermöglichen eine Überwachung der Menschen, ohne dass an jeder Straßenecke eine Straßensperre durch die Polizei oder das Militär aufgestellt werden muss. Dass diese Gesellschaft ein Knast ist, wurde einem in diesem Jahr eindrucksvoll vor Augen geführt, und es wurde noch nie so offen mit den Vorzügen einer generellen Einsperrung der Menschen geliebäugelt. „Das in sich geschlossene Knast-System hat in Zeiten der Krankheit durchaus Vorteile“, schämte sich beispielsweise die SZ nicht, im Mai in Hinblick auf Corona lobend zu bemerken. Und noch nie wurden autoritäre Regime wie beispielsweise China so positiv hervorgehoben.

Ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die sich an die Spielregeln halten

Aber warum so eine harte Verhaltenskontrolle? Wieso reicht ein „Appell an die Eigenverantwortung“ nicht, sondern braucht es auch „Leitplanken“, um Söders Worte zu gebrauchen? Weil es eben auch Uneinsichtige gibt, die nicht ohne Weiteres akzeptieren, zuhause eingesperrt zu werden (wenn sie denn überhaupt ein Zuhause haben), die verantwortungsloserweise lieber leben wollen und dabei eine Ansteckung riskieren, als sich zuhause lebendig zu begraben, die lieber im leidenschaftlichen Verkehr mit anderen Menschen, unkontrolliert und unhygienisch, den Tod riskieren als im goldenen Käfig der eigenen Wohnung Stück für Stück an Vereinsamung zu verenden. Die auch nicht das Problem darin sehen, dass Menschen einander nah sind, einander berühren und in körperlichen Austausch treten, sondern im Kapitalismus, im Staat, in der Zivilisation, in all diesen Institutionen, für die jedes Individuum nur eine zu verwaltende Fallzahl ist, die im Sinne der Mechanismen einer globalisierten und technologischen Welt kontrolliert werden muss, damit das ganze System funktioniert.  Die aktuellen Strukturen müssen sich in der Lage zeigen, mit einer Pandemie oder sonstigen Krisen umzugehen, damit die Leute nicht auf die Idee kommen, die Institutionen zu zerstören, die einen erst in eine solche Lage bringen.

Sollten die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle der Covid-19-Epidemie nicht greifen, könnte im Sinne einer „Kernschmelze“ das gesamte System in Frage gestellt werden. Es droht, dass dies die Gemeinschaft in einen völlig anderen Grundzustand bis hin zur Anarchie verändert.

Diese Sorge drückte ein Strategiepapier des Bundesinnenministeriums aus, das bereits Mitte März verfasst wurde und das das Bundesinnenministerium Ende April, nachdem es bereits vorher geleakt worden war, selbst veröffentlichte.

Der Mensch ist dem Mensch ein Virus?

„Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich an die Regeln halten“, sei das Verhalten derjenigen, die sich nicht zuhause einsperren lassen, rügte ein Kommentator in einer Münchner Lokalzeitung Leute, die eine Party gefeiert hatten. Wer sich nicht an die Regeln halte, töte mit jedem Atemzug ganz viele Menschen. Das versuchen mir die Institutionen zu verkaufen, die für den Tod so vieler Menschen verantwortlich sind, sei es durch Krieg, Umweltzerstörung und -verschmutzung, durch medizinische Experimente, durch Atomwaffen und Atomkraftwerke, durch Fabrikarbeit, durch Schließung von Grenzen (erinnert sich noch wer an das Massengrab Mittelmeer?), durch Bullen und Militär. Die Institutionen, die unterschiedlichste Lagersysteme zur Massenabfertigung und Verwaltung der Massen eingerichtet haben, die natürlich die Verbreitung eines jeden Virus, aber auch sonstiger potenziell tödlicher oder krank machender Übel befördern, seien es Schulen, Kasernen oder Knäste, seien es Alters- und Pflegeheime, Krankenhäuser, Großraumbüros und Fabriken, Abschiebelager und Asylunterkünfte, öffentliche Verkehrsmittel, Bahnhöfe und Flughäfen. Die bereit sind die Wirtschaft um jeden Preis am Laufen zu erhalten (logisch, denn sonst würde das aktuelle (Wirtschafts-)System auch zusammenbrechen), während sie gleichzeitig „zum Schutz der Menschheit“ bereit sind jegliche soziale Beziehung der Menschen zu zerstören. Denen zur Aufrechterhaltung von „Recht und Ordnung“ jedes Mittel recht ist.

Wenn selbst die Befürworter der Globalisierung, des Kapitalismus, der Technologie, der Zivilisation und des Staates der Meinung sind, dass all dies nur mithilfe von „Social Distancing“ aufrechterhalten werden kann, worauf warten wir dann noch, all diese Scheiße endlich zu zerstören? Und zwar nicht nur Home Office, die Corona-App und die „AHA-Regel“, sondern auch gleich die Institutionen, die uns auch schon „vor Corona“ das Leben zur Hölle gemacht haben?