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Archipel – Affinität, informelle Organisation und aufständische Projekte (Auszüge)

Originaltitel: „Archipel – Affinité, organisation informelle et projets insurrectionnels“, anonym publiziert in “Salto – Subversion & Anarchie”, Nr. 2. November 2012, Brüssel. Übersetzt aus dem Französischen von Edition Irreversibel, Frühjahr 2014. Im folgenden auszugsweise wiedergegeben.

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[…]

Keine menschliche Aktivität ist möglich ohne Organisation, zumindest wenn wir unter „Organisation“ die Koordination von mentalen und physischen Anstrengungen verstehen, die für notwendig erachtet werden, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Aus dieser Definition können wir einen wichtigen Aspekt ableiten, der oft vergessen wird: Organisation ist funktional, sie zielt auf die Realisierung von etwas ab, auf Aktion im weitesten Sinne des Wortes. Diejenigen, die heute jeden einfach nur dazu aufrufen, sich zu organisieren, weil ihnen klare Ziele fehlen, jedoch gleichzeitig erwarten, dass sich aus diesem ersten Moment der Organisation der ganze Rest automatisch entwickelt, diejenigen erheben das sich Organisieren zum Ziel in sich. […] [Jedoch ist] eine Organisation fruchtbar, wenn sie nicht von einer banalen quantitativen Präsenz genährt wird, sondern von Individuen, die sie nutzen um ein gemeinsames Ziel zu realisieren. Mit anderen Worten: Es ist es zwecklos zu glauben, dass wir nur indem wir uns organisieren, die Frage des wie, was, wo und warum wir kämpfen durch die Magie des Kollektivs lösen können. Im besten Fall – oder im schlechtesten, abhängig vom Standpunkt – findet man viel, kann man vielleicht auf einen Zug aufspringen, der schon von jemandem gezogen wird und sich einfach mit der eher unangenehmen Rolle des Anhängers abfinden. So ist es nur eine Frage der Zeit bis man der Organisation überdrüssig wird und unbefriedigt mit dieser bricht.

Organisation ist also dem untergeordnet, was man machen will. Für Anarchisten muss es außerdem den direkten Zusammenhang geben, der zwischen dem, was man machen will, dem Ideal für das man kämpft und dem Weg es zu erreichen, existieren muss. Trotz der gegenwärtigen Verschleierung und Wortklauberei, auf mehr oder weniger marxistischen Irrwegen, werden Parteien für ein angebrachtes Mittel gehalten, um politische Parteien zu bekämpfen. Man hört heute immer noch die fortgeschrittene politische Behauptung, dass Produktionskräfte ein Weg sind, um kapitalistische Beziehungen zu beenden, und das in Zeiten, in denen jeder das Ausmaß des industriellen Desasters vor Augen hat. Einige wollen Maßnahmen ergreifen, um alle anderen Maßnahmen überflüssig zu machen. Anarchisten haben nichts mit dieser Art von Zaubertricks zu tun, für sie müssen die Ziele mit den Mitteln übereinstimmen. Autorität kann nicht mit autoritären Organisationsformen bekämpft werden. [Das ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass keine Gewalt angewendet werden kann.] […] Jede menschliche Beziehung ist konfliktreich, was nicht bedeutet, dass sie deshalb zwingend autoritär ist. […]

Wenn wir heute denken, dass Affinität und Affinitätsgruppen die angemessenste Form für den Kampf und anarchistische Intervention in die soziale Konfliktualität sind, liegt das daran, dass eine solche Überlegung sehr stark damit zusammenhängt, wie wir diesen Kampf und diese Intervention verstehen.

Es existieren in der Tat zwei Wege, um dieser Frage zu begegnen, zwei Wege, die zwar nicht diametral entgegengesetzt sind, die aber auch nicht vollkommen übereinstimmen.

Zum einen ist da der nicht zu vernachlässigende Bedarf nach Kohärenz. Es stellt sich demnach die Frage, in welchem Maßstab bestimmte anarchistische Organisationsformen (zum Beispiel Syntheseorganisationen mit Programmen, Deklarationen von Prinzipien und Kongressen, wie anarchistische Föderationen oder anarcho-syndikalistische Strukturen) unserer Idee des Anarchismus entsprechen.

Zum anderen die Frage der Tauglichkeit bestimmter organisatorischer Strukturen. Diese Tauglichkeit setzt die Frage mehr in den Kontext historischer Bedingungen, Ziele die erreicht werden wollen (also der organisatorischen Formen, die man am geeignetsten dafür hält) der Analyse der sozialen und ökonomischen Situation… […]

Wir denken, dass der Beitrag zu aufständischen Brüchen oder deren Entwicklung heute die angemessensten anarchistischen Interventionen sind, um gegen Herrschaft zu kämpfen. Unter aufständischen Brüchen verstehen wir bewusst herbeigeführte Brüche, wenn auch temporärer Natur, in Zeit und Raum der Herrschaft, deshalb notwendigerweise einen gewaltvollen Bruch. Obwohl solche Brüche auch einen quantitativen Aspekt haben (weil soziale Phänomene nicht auf eine beliebige Aktion einer Hand voll Revolutionärer reduziert werden können), zielen sie auf die Qualität der Konfrontation ab. Sie zielen auf Machtstrukturen und -beziehungen, brechen mit deren Zeit und Raum und erlauben durch die Erfahrungen und angewendeten Methoden zur Selbst-Organisation und direkten Aktion immer mehr Aspekte der Herrschaft zu hinterfragen und anzugreifen. Kurz gesagt, erscheinen uns die aufständischen Brüche notwendig auf dem Weg in eine revolutionäre Transformation des Bestehenden.

Aus all dem leitet sich logischerweise die Frage ab, wie Anarchisten sich organisieren können, um zu einem solchen Bruch beizutragen. Ohne die stets wichtige Verbreitung anarchistischer Ideen aufzugeben, geht es unserer Meinung nach heutzutage nicht darum, um jeden Preis möglichst viele Leute um den Anarchismus zu versammeln. Mit anderen Worten denken wir nicht, dass starke anarchistische Organisationen nötig sind, deren Einfluss Ausgebeutete und Ausgeschlossene anzieht, ein quantitatives Vorspiel für diese Organisationen, die wiederum (wenn die Zeit reif ist) das Signal für den Aufstand geben werden. Darüber hinaus denken wir, dass es undenkbar ist, dass heutzutage aufständische Brüche von Organisationen ausgehen können, die die Interessen einer bestimmten sozialen Gruppe vertreten, ausgehend von zum Beispiel mehr oder weniger anarcho-syndikalistischen Formen. Die Integration solcher Organisationen ins demokratische Management entspricht tatsächlich perfekt der heutigen kapitalistischen Ökonomie. Eben diese Integration hat jeden erhofften Übergang von einer defensiven Position zur Offensive unmöglich gemacht. […]

Affinität und Affinitätsgruppen

Viele schrecken vor Affinität zurück. Es ist in der Tat sehr viel einfacher und weniger anstrengend, irgendwo beizutreten – sei es einer Organisation, einer permanenten Versammlung oder einer Szene – und deren formale Charakteristiken aufzunehmen und zu reproduzieren, anstatt eine lange und nie ausgereizte Suche nach Kameraden durchzuführen um Ideen, Analysen und eventuelle Projekte zu teilen. Denn Affinität ist genau dies: Ein wechselseitiges Wissen zwischen Kameraden, geteilte Analysen, die zu Perspektiven der Aktionen führen. Affinität zielt deshalb einerseits auf theoretische Vertiefung und andererseits auf Intervention innerhalb der sozialen Konfliktualität ab.

Affinität ist radikal qualitativ. Ihr Ziel ist das Teilen von Ideen und Methoden und nicht das endlose Wachstum. Dennoch scheint die größte Sorge vieler Kameraden, wenn auch gut versteckt, die Zahl der Mitstreiter zu sein. Wie viele sind wir? Wie können wir handeln um zahlreicher zu werden? Aus der Konzentration auf diese Frage und der Feststellung, dass wir heute nicht sehr viele sind, was auch damit zusammenhängt, dass viele unsere Ideen nicht teilen (nein, auch nicht unbewusst), können wir folgern, dass wir, um zahlreicher zu werden, vermeiden sollten, einen zu starken Akzent auf bestimmte Ideen zu legen. Dieser Tage […] denken [sehr viele], der beste Weg, andere kennenzulernen bestehe in „Konsens“-Aktivitäten, wie zum Beispiel Workshops, Konzerte, selbst verwaltete Bars etc. Sicherlich können solche Aktivitäten ihren Platz haben, aber wenn wir die Vertiefung der Affinität betrachten, geht es um etwas anderes. Affinität ist nicht das gleiche wie Freundschaft. Natürlich schließen sich die beiden nicht aus, aber nur weil man bestimmte Analysen miteinander teilt heißt das nicht, dass man auch miteinander schläft, und umgekehrt. Genau wie es auch nicht bedeutet, auf dem gleichen Weg gegen Herrschaft kämpfen zu wollen, nur weil man die gleiche Musik hört.

Die Suche nach Affinität spielt sich auf zwischenmenschlicher Ebene ab. Es handelt sich also nicht um eine kollektive Angelegenheit, eine Sache der Gruppe, wo es immer einfacher wäre, zu folgen, als selbst zu denken. Die Vertiefung der Affinität ist offensichtlich eine Sache des Gedankens und der Aktion, aber im Grunde ist Affinität nicht das Resultat einer gemeinsam ausgeführten Aktion sondern eher der Ausganspunkt, um zur Aktion zu schreiten. Okay, das haben wir verstanden, werden einige erwidern, aber das heißt dann, dass ich viele Leute nicht kennenlernen werde, die gute Kameraden sein könnten, denn auf gewisse Art und Weise würde ich mich selbst mit meiner Affinitätsgruppe von allen anderen isolieren. Es ist richtig, dass die Suche nach und die Vertiefung der Affinität viel Zeit und Energie erfordern und dass es deshalb nicht möglich ist, sie mit allen Kameraden zu generalisieren. Die anarchistische Bewegung eines Landes, einer Stadt oder sogar eines Viertels kann nicht zu einer großen Affinitätsgruppe werden. Es geht nicht darum verschiedene Affinitätsgruppen mit immer mehr Kameraden zu vergrößern, sondern darum eine Vervielfachung von autonomen Affinitätsgruppen möglich zu machen. Die Suche, die Ausarbeitung und die Vertiefung der Affinität führen zu kleinen Gruppen von Kameraden die einander kennen, Analysen teilen und gemeinsam zur Aktion übergehen.

Der Aspekt „Gruppe“ einer Affinitätsgruppe wurde regelmäßig kritisiert, sowohl zu Unrecht, als auch zu Recht. Oft gibt es Kameraden, die den Gedanken der Affinität teilen. Aber sehr viel komplizierter wird es, wenn wir über „Gruppen“ sprechen, die einerseits über einen zwischenmenschlichen Aspekt hinausgehen, andererseits jedoch das „Wachstum“ begrenzen. Die Einwände bestehen meistens daraus, die schädlichen Mechanismen des „intern / extern“, des „innen / außen“, das solche Affinitätsgruppen generieren können, zu unterstreichen […]. Aber dies sind Probleme, die in jeder Organisation vorkommen und nicht exklusiv mit Affinität einher gehen. Es geht also eher darum, zu reflektieren, wie die Suche nach Affinität eine Expansion, eine Verbreitung und Multiplikation zur Folge haben kann statt eine Stagnation und Paralyse zu verursachen.

Eine Affinitätsgruppe ist nicht das gleiche wie eine „Zelle“ einer Partei oder eine urbanen Guerillaformation. Da die Suche nach ihr permanent ist, entfaltet sich Affinität in Permanenz. Sie kann „wachsen“ bis zu dem Punkt, dass ein gemeinsames Projekt möglich wird, andererseits kann sie sich auch „verkleinern“ bis es unmöglich wird, irgendetwas zusammen zu machen. Das Archipel der Affinitätsgruppen verändert sich deshalb konstant. Auf diese konstante Veränderung wird von Kritikern oft hingewiesen: Man kann nicht darauf aufbauen da es keine stabile Konstellation ist. Wir sind vom Gegenteil überzeugt: man kann nichts rund um organisatorische Formen aufbauen, die sich um sich selbst drehen, weg von den Individuen die Teil davon sind. Denn früher oder später, bei ersten Rückschlägen, werden ohnehin Entschuldigungen und Ausflüchte auftauchen. Der einzig fruchtbare Boden auf dem wir bauen können ist die gemeinsame Suche nach Affinität.

Schlussendlich wollen wir noch aufzeigen, dass ein weiterer Vorteil dieser Form der Organisation ihre starke Widerstandsfähigkeit gegen repressive Maßnahmen des Staates ist, da sie keine repräsentative Basteien, Strukturen oder Namen zu verteidigen hat. […] Affinität ist eine sehr schwer zu korrumpierende Basis, eben weil sie von Ideen ausgeht und sich entlang dieser entfaltet.

Informelle Organisation und Projektualität

Wir glauben, dass Anarchisten die größte Freiheit in Autonomie und Bewegung haben, um in soziale Konflikutalität zu intervenieren, indem sie sich selbst in kleinen auf Affinität basierenden Gruppen organisieren, statt in großen Formationen oder in quantitativen Organisationsformen. Natürlich ist es wünschenswert und oft auch notwendig, dass diese kleinen Gruppen fähig sind zu einem gegenseitigen Verständnis zu gelangen. Und nicht um sich in ein Moloch oder eine Phalanx zu verwandeln, sondern um spezifische und gemeinsame Ziele zu realisieren. Deshalb bestimmen diese Ziele die Intensität der Kooperation, der Organisation. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass eine Afffinitätsgruppe eine Demonstration organisiert, aber in vielen Fällen ist die Koordination zwischen den verschiedenen Gruppen wünschenswert und notwendig um ein spezifisches, zeitlich begrenztes Ziel zu realisieren. Die Kooperation kann auch intensiver sein, im Falle eines mittelfristigen Kampfes, wie zum Beispiel ein spezifischer Kampf gegen eine Machtstruktur (der Bau eines Abschiebezentrums, [etc.]). In diesem Fall könnte man von informeller Organisation sprechen. Organisation, weil es um Koordination von Wille, Mitteln und Kapazitäten der verschiedenen Affinitätsgruppen und Individuen geht, die ein zeitlich begrenztes spezifisches Projekt teilen. Informell, weil es nicht darum geht, irgendeinen Namen zu vermarkten, die Organisation in ihrer Quantität zu stärken, ihr formell beizutreten oder sich einem Programm oder einer Deklaration von Grundsätzen zu verschreiben, sondern um eine agile und lockere Koordination, um den Bedürfnissen eines Projekts des Kampfes gerecht zu werden.

In gewisser Weise findet informelle Organisation auch auf der Basis von Affinität statt, aber sie geht über den interindividuellen Charakter hinaus. Sie existiert nur in der Präsenz einer gemeinsamen Projektualität. Eine informelle Organisation ist deshalb direkt in Richtung Kampf orientiert, und kann nicht unabhängig von ihm existieren. Wie wir vorher erwähnten, hilft sie gewissen Anforderungen eines Projekts des Kampfes gerecht zu werden, die von einer einzelnen Affinitätsgruppe nicht oder nur schwer allein gestemmt werden können. Sie kann beispielsweise die Mittel die wir als notwendig erachten, zugänglich machen. Deshalb hat die informelle Organisation nicht das Ziel, alle Gefährten unter einer Flagge zu vereinen, oder die Autonomie der Affinitätsgruppe und Individualitäten zu reduzieren, sondern dieser Autonomie einen Dialog zu ermöglichen. Es geht bei informeller Organisation nicht darum, alles gemeinsam zu machen, sie ist vielmehr ein Werkzeug, um einem gemeinsamen Projekt durch die spezifischen Interventionen von Affinitätsgruppen und Individualitäten Gestalt zu geben.

Was bedeutet es ein Projekt zu haben? Anarchisten wollen die Zerstörung jeder Autorität, wir können also davon ausgehen, dass sie permanent Wege suchen, um dieses Ziel zu erreichen. Mit anderen Worten, ist es sicherlich möglich Anarchist und aktiv zu sein, ohne ein spezifisches Projekt des Kampfes zu haben. Tatsächlich ist es das, was im Allgemeinen passiert. Entweder Anarchisten folgen den Anweisungen der Organisation, der sie angehören (das scheint der Vergangenheit anzugehören), oder sie warten auf Kämpfe, an denen sie teilnehmen können, oder sie versuchen so viele anarchistische Aspekte wie möglich in ihr tägliches Leben einzubringen. Keine dieser Haltungen lässt die Anwesenheit einer realen Projektualität vermuten – was, um es klarzustellen, diese Gefährten nicht weniger anarchistisch macht. Ein Projekt basiert jedoch auf der Analyse des sozialen, politischen und ökonomischen Kontextes, in dem man sich selbst befindet, und von dem ausgehend man eine Perspektive entwirft, die einem erlaubt, kurz- oder mittelfristig zu intervenieren. Deshalb umfasst also ein Projekt Analysen, Ideen und Methoden, koordiniert um ein Ziel zu erreichen. […] Man kann sich [beispielsweise] dazu entscheiden, gegen Abschiebungen zu kämpfen, gegen die Verschlechterung der Überlebensbedingungen, gegen Knäste… weil all diese Dinge einfach unvereinbar mit seinen Ideen sind. Ein Projekt zu entwickeln würde eine Analyse erfordern um zu verstehen, wo eine anarchistische Intervention am interessantesten wäre, welche Methoden zu nutzen wären, wie man sich vorstellen könnte, einen Impuls oder eine Intensivierung der konfliktuellen Spannung in einer bestimmten Zeitspanne auszulösen. Es ist selbstverständlich, dass solche Projekte oft der Anlass sind, sich informell, in einer Koordination der verschiedenen Gruppen und anarchistischen Individualitäten, zu organisieren.

Deshalb kann eine informelle Organisation nicht gegründet, gebildet oder abgeschafft werden. Sie wird auf einem komplett natürlichen Weg geboren, erfüllt die Bedürfnisse eines Projekts des Kampfes und verschwindet wenn das Projekt realisiert ist oder es als nicht mehr möglich oder nicht mehr angemessen zu realisieren bewertet wird. Sie stimmt nicht mit der Gesamtheit des gerade stattfindenden Kampfes überein: die vielen organisatorischen Formen, die verschiedenen Treffpunkte, die Versammlungen etc. die vom Kampf produziert wurden, werden unabhängig von der informellen Organisation weiterexistieren, was nicht heißt, dass Anarchisten nicht auch dort präsent sein können.

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Kurz

Wenn es nicht mehr darum geht, wie man Menschen für den Kampf organisieren kann, ist die neue Frage, wie man den Kampf organisieren kann. Wir denken, dass Archipele aus voneinander unabhängigen Affinitätsgruppen, die gleiche Perspektiven und konkrete Projekte des Kampfes haben, der beste Weg sind, um direkt in die Offensive zu gehen. Diese Konzeption bietet die größte Autonomie und das breiteste Spektrum möglicher Aktionen. Im Rahmen aufständischer Projekte ist es nötig und möglich, Wege der informellen Organisation zu finden, die die Auseinandersetzung zwischen Anarchisten und anderen Rebellen erlauben, Formen der Organisation, die nicht dazu gedacht sind fortzudauern, sondern auf ein spezifisches und aufständisches Ziel ausgerichtet sind.

Revolutionäre Solidarität

von Pierleone Porcu

Es gibt viele Wege, um Solidarität mit GefährtInnen zu demonstrieren, welche vom Staat kriminalisiert werden, wobei jeder davon ein direkter Ausdruck der Form ist, in der man im allgemeinen sozialen Zusammenprall interveniert.

Da sind diejenigen, die Solidarität darin sehen, diesem oder jenem inhaftierten Gefährten, mit einem sozialen Dienst unter die Arme zu greifen, und das ist die Form in der sie ihre Aktivität ausüben: nach AnwältInnen suchen, Kleider und Geld in den Knast schicken, Besuche und so weiter. Diese rein humanitäre Solidarität, überträgt sich auch in die Errichtung von Verteidigungs Kommitees und dementsprechenden Kampagnen, die darauf ausgerichtet sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Dann gibt es jene, die Solidarität als eine strikt politische Sache betrachten und sich damit beschäftigen, einen Haufen “Unterscheidungen” zu machen, die darauf abzielen, das Bild ihrer eigenen Aktivität, nicht zu kompromitieren. Aus opportunistischen Gründen, verteidigen und zeigen sie Solidarität mit denjenigen, die sich selbst als unschuldig erklären und nicht mit denen, die Verantwortung für ihre eigenen Aktionen übernehmen.

Andere bringen sofort Flugblätter und Broschüren heraus, in formeller Solidarität mit dieser oder jener verhafteten Gefährtin, wenn diese sehen, daß es aus der Sicht der politischen Propoganda, etwas zu gewinnen gibt, d.h. sie verkünden Solidarität in Worten, während in deren Praxis keine Spur davon zu finden ist.

Dann gibt es Solidarität in einem ideologischen Zusammenhang. Das ist der Fall der Marxisten-Leninisten, in der Version der revolutionären Kampfpartei. Diese zeigen Solidarität mit denen, dessen Haltungen den eigenen ähnlich sind, und halten Abstand zu denen, die ihre eigene politische Linie oder Strategie nicht teilen oder erkennen. Oftmals unter Verwendung von Zensur und Ächtung gegenüber jenen, die sie als unbequem betrachten.

Welchen Sinn denken wir also, sollte revolutionäre Solidarität haben?

Der erste Aspekt ist der, Solidarität als eine Erweiterung der aufständischen sozialen Praxis zu sehen, die man bereits innerhalb des Klassenzusammenpralls ausführt. D.h. als eine direkte Demonstration von Aktionen gegen alle Strukturen der Macht, die im eigenen Umfeld präsent sind, egal ob groß oder klein. Denn diese Strukturen müssen in jeder Hinsicht für alles als verantwortlich bezeichnet werden, für was in der sozialen Realität passiert, einschließlich der Kriminalisierung und Verhaftung von GefährtInnen, wo auch immer diese sein mögen. Es wäre kurzsichtig, die Frage der Repression gegen GefährtInnen zu etwas zu reduzieren, das strengstens mit dem legalen und polizeilichen Apparat verknüpft ist. Die Kriminalisierung und Verhaftung von GefährtInnen, sollte im Kontext des sozialen Kampfes als Ganzes gesehen werden, gerade weil diese immer die eiligen Mittel sind, die der Staat verwendet, um die Radikalisierung überall abzuschrecken. Ganz gleich wie groß oder unbedeutend er sein mag, so macht doch jeder Akt der Repression,Teil der Beziehungen des sozialen Kampfes aus, welcher gegen die Herrschaftsstrukturen im Gange ist.

Der zweite Aspekt ist, daß jeder revolutionärer Gefährte, jede Gefährtin, schon aus Prinzip verteidigt werden sollte, ungeachtet der Anschuldigungen, die vom staatlichen Justiz und Polizeiapparat, gegen ihn oder sie vorgebracht werden. Zu allererst weil es darum geht, ihn oder sie aus seinen Klauen zu entreißen, d.h. aus der Position des/der „Gegeiselten“, zu der er oder sie reduziert wurden. Darüber hinaus dreht es sich auch darum, die Gelegenheit nicht zu verpassen, den Angriff gegen das “Gesetz” zu intensivieren, welches dazu dient, die Äusserungen aller Machtsbeziehungen, innerhalb der bestehenden Ordnung, zu regulieren.

Beim dritten Aspekt handelt es sich um die Weigerung, die Logik der Verteidigung zu akzeptieren, die inhärent im verfassungsgebenden Gesetz liegt, so wie etwa das Problem der “Unschuld” oder “Schuld” der involvierten GefährtInnen. Wir haben mehr als genug Gründe dafür, um sie zu verteidigen und niemand kann den politischen Opportunismus rechtfertigen, dies nicht zu tun. Wir können und dürfen uns selbst nicht als AnwältInnen betrachten, sondern als revolutionäre AnarchistInnen, die an allen Fronten im Krieg sind, gegen die verfestigte soziale Ordnung. Wir wollen diese Gesellschaft von unten nach oben radikal zerstören und wir sind nicht daran interessiert über diese Ordnung zu urteilen, wie sie ein Urteil über uns fällt. Aus diesem Grund, bezeichnen wir jegliche Verurteilung, die von den staatlichen Geiern gegen ProletarierInnen in der Revolte gefällt werden, und mehr noch, wenn diese GefährtInnen sind, als eine Verurteilung gegen uns selbst und als solche rächen wir sie mit all den Mitteln, die wir als passend erachten, gemäß unserer Veranlagung und unserer persönlichen Neigung.

Der vierte und letzte Aspekt, bezieht sich auf unser Verhalten gegenüber den inhaftierten GefährtInnen. Wir fahren fort, uns ihnen gegenüber auf die selbe Weise zu verhalten, wie zu der Zeit, als sie nicht im Knast waren. Das bedeutet, daß wir mit der revolutionären Solidarität immer und in jedem Fall eine radikale Kritik vereinen. Wir können und werden Solidarität mit inhaftierten GefährtInnen zeigen, ohne uns dafür ihren Ideen zu verschreiben. Diejenigen, die Solidarität zu inhaftierten GefährtInnen zeigen, teilen nicht unbedingt deren Meinungen und Sichtweisen, und umgekehrt. Wir unterstützen alle inhaftierten GefährtInnen aber nur bis zu dem Punkt hin, wo das, was wir für sie tun, nicht in Kontrast oder in Widerspruch kommt, mit unserem revolutionären aufständischen Dasein. Unseres Beziehung ist einzig jene zwischen rebellierenden sozialen Revolutionären, nicht die von eintauschbaren Positionen. Wir opfern nicht den geringsten Teil von uns selbst, genau so, wie wir von anderen nicht erwarten dies zu tun.

Wir sehen Solidarität als eine Art Komplizenschaft, dem wir wechselseitiges Vergnügen entnehmen können. Es soll in keiner Weise eine Pflicht oder ein Opfer für die “gute und heilige Sache” sein. Es geht immer um unsere Sache, um uns selbst.

Deswegen ist revolutionäre Solidarität von primärer Bedeutung, in der Entwicklung der eigenen anarchistischen aufständischen Aktion; womit sie den Sinn bekommt, der ihr zusteht. Denn simple materielle Unterstützung, würden wir jedem Freund der im Knast endet, zukommen lassen.

Revolutionäre Solidarität macht einen wesentlichen Teil unseres Daseins als aufständische AnarchistInnen aus. Dies in einer Dimension, in der sie ein ununterbrochener Schwerpunkt darstellt und zwar einfach weil sie keine Unterbrechung bedeutet, sondern eine Fortsetzung und Ausbreitung von dem, was wir bereits tun.

Original: Solidarietà rivoluzionaria, Anarchismo n.72, Mai 1993, pp.8-9. Übersetzt aus dem Englischen im Juli 2008 von Amplexus Publikationen.

Louis Lingg: An das Gericht, 1886

Diese Woche jähren sich die Haymarket Riots von 1886 in Chicago. Anlässlich dessen haben wir das Letzte Wort des Anarchisten Louis Lingg, der infolgedessen zum Tode verurteilt wurde, ins Deutsche übersetzt. Uns erschien das jedenfalls passender, als von den 1. Mai Protesten in München zu berichten, die mit ihrem historischen Vorbild so gar nichts mehr zu tun haben. Aber vielleicht inspiriert Lingg ja die*den eine*n oder andere*n.

Gerichtshof! Mit der gleichen Ironie, mit der ihr meine Versuche, in diesem „freien Land von Amerika“ eine menschenwürdige Lebensgrundlage aufzubauen, betrachtet habt, gesteht ihr mir nun, da ihr mich zum Tode verurteilt habt, die Freiheit des letzten Wortes zu.

Ich nehme euer Zugeständnis an; aber nur, um die Ungertechtigkeiten, die Verleumdungen und die Gewalttätigkeiten, die mir angetan wurden zu enthüllen.

Ihr habt mich des Mordes angeklagt und mich verurteilt: Welche Beweise habt ihr vorgelegt, die meine Schuld bezeugen?

Zunächst habt ihr den Burschen Seliger dazu gebracht, gegen mich auszusagen. Ihm habe ich geholfen, Bomben herzustellen. Weiter habt ihr bewiesen, dass ich mit der Hilfe eines*r anderen, diese Bomben in die Nr. 58 der Clybourn Avenue gebracht habe. Was ihr aber nicht bewiesen habt – nicht einmal mit der Hilfe des von euch gekauften „Verräters“ Seliger, der so eine prominente Rolle in der Angelegenheit gespielt zu haben scheint – ist, dass irgendeine dieser Bomben zum Haymarket gebracht wurden.

Einige Chemiker*innen, die hier als Spezialist*innen vorgeladen wurden, konnten nur aussagen, dass das Metall, aus dem die Haymarket-Bombe gemacht war, eine gewisse Ähnlichkeit zu meinen Bomben aufwies, und euer Mr. Ingham hat sich völlig vergeblich bemüht, zu leugnen, dass die Bomben völlig verschieden waren. Er musste zugeben, dass es einen Unterschied von einem ganzen Zoll hinsichtlich des Durchmessers gab, auch wenn er die Tatsache verschwieg, dass es außerdem einen Unterschied von einem Viertelzoll hinsichtlich der Dicke der Hülle gab. Das ist die Art von Beweis, auf dessen Basis ihr mich verurteilt habt.

Allerdings habt ihr mich nicht wegen Mordes verurteilt. Der Richter hat das heute morgen kurz in seinem Resümee des Falls betont und Grinnell hat wiederholt behauptet, dass wir nicht wegen Mordes vor Gericht stünden, sondern wegen Anarchismus, also ist mein Verbrechen, dass ich ein Anarchist bin!

Was ist Anarchismus? Das ist ein Thema, das meine Genossen bereits mit hinreichender Deutlichkeit erläutert haben und es erscheint mir unnötig, dass ich darauf noch einmal eingehe. Sie haben euch deutlich genug erklärt, was unsere Ziele sind. Der Staatsanwalt hat euch das jedenfalls nicht erklärt. Er hat nicht unsere Ideale des Anarchismus, sondern lediglich unsere Methoden, mit denen wir diese praktisch umsetzen wollen, kritisiert und verurteilt, und selbst hier konnte er nur verlegen schweigen, angesichts der Tatsache, dass uns diese Methoden durch die Brutalität der Polizei aufgezwungen wurden. Grinnells eigener Lösungsvorschlag für unsere Missstände ist die Wahl in Kombination mit Gewerkschaften und Ingham hat sogar seinen Wunsch nach einer Sechs-Stunden-Bewegung geäußert! Aber Tatsache ist, dass jeder Versuch, von unserem Wahlrecht Gebrauch zu machen, in dem Bestreben, die Bestrebungen der Arbeiter*innen zu vereinen, mit der brutalen Gewalt der Polizeiknüppel beantwortet wurde, und das ist der Grund, warum ich rohe Gewalt zur Verteidigung gegen die noch rohere Gewalt der Polizei empfahl.

Ich habt mich beschuldigt, „Recht und Ordnung“ zu verachten. Worauf läuft euer „Recht und Ordnung“ hinaus? Seine Repräsentant*innen sind die Polizist*innen und die haben Diebe in ihren Reihen. Hier sitzt Captain Schaack. Er selbst hat mir gegenüber zugegeben, dass mein Hut und meine Bücher aus seinem Büro gestohlen wurden, gestohlen von Polizist*innen. Das sind die Verteidiger*innen eurer Eigentumsrechte! Die Kommissare, die mich verhaftet haben, haben sich den Zugang zu meinem Zimmer wie Einbrecher*innen erschlichen, indem sie vorgaben ein Schreiner namens Lorenz aus der Burlington Street zu sein. Sie haben geschworen, dass ich alleine in meinem Zimmer war und begingen damit Meineid. Ich habt diese Frau, die anwesend war, Mrs. Klein, nicht vorgeladen. Sie hätte das gerade gesagte bezeugen können, dass die Kommissare unter falschen Angaben in mein Zimmer eingebrochen sind und ihre Zeugenaussagen erlogen sind.

Aber lasst uns noch einen Schritt weiter gehen. Mit Schaack haben wir einen Polizeihauptmann, der selbst ebenfalls Meineid begangen hat. Er hat geschworen, dass ich ihm gegenüber eingeräumt hätte, dass ich bei der Versammlung in der Montagnacht anwesend war, obwohl ich ihn zweifelsfall davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass ich bei einem Zimmerertreffen in der Zepf’s Hall war. Er hat geschworen, dass ich ihm erzählt hatte, dass ich aus Herrn Mosts Buch gelernt habe, wie man Bomben baut. Das ist ebenfalls ein Meineid.

Lasst uns noch einen Schritt weiter nach oben in der Hierarchie dieser Repräsentanten von „Recht und Ordnung“ gehen. Grinnell und seine Angestellten haben Meineid begangen, und ich behaupte, dass sie es wissentlich getan haben. Der Beweis wurde von meinem Anwalt herangezogen und ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, dass Grinnell Gilmer acht Tage, bevor er in den Zeugenstand gerufen wurde, die Personen zeigte, gegen die er aussagen sollte.

Während ich, wie ich bereits sagte, an Gewalt glaube, zum Zwecke der Erreichung von Lebensumständen, die menschenwürdig sind für mich und meine Gefährt*innen unter den Arberiter*innen glaube, hat Grinnell auf der anderen Seite seine Polizisten und andere Schurken dazu angestiftet, Meineid zu begehen, um sieben Männer, darunter auch ich, zu ermorden. Grinnell besaß den erbärmlichen Mut, mich hier im Gerichtssaal, wo ich mich nicht selbst wehren konnte, einen Feigling zu nennen! Dieser Wicht! Ein Bursche, der sich mit einem Haufen niederträchtiger Tagelöhner verbündet hat, um mich an den Galgen zu bringen. Warum? Für nichts als verachtenswerte Selbstsüchtigkeit – dem Wunsch „reich und berühmt“ zu werden, fürwahr.

Dieser Schuft, der mittels des Meineides anderer Schuften sieben Männer ermorden wird – ist der Kerl, der mich einen „Feigling“ nennt! Und ihr legt mir zulast, dass ich solche „Verteidiger des Gesetzes“, solche unsäglichen Heuchler verachte!

Anarchismus bedeutet, dass kein Mensch über einen anderen Menschen herrscht oder bestimmt, und ihr nennt das eine „Störung“. Ein System, das keine solche „Ordnung“ befürwortet, zu deren Durchsetzung es der Dienste von Schurken und Dieben bedarf, bezeichnet ihr als „Störung“.

Der Richter selbst musste zugeben, dass der Staatsanwalt nicht in der Lage gewesen war, mich in Verbindung mit dem Bombenanschlag zu bringen. Natürlich weiß letzterer, wie er das umgehen kann. Er beschuldigt mich, ein „Mitverschwörer“ zu sein. Wie beweist er das? Ganz einfach: Er erklärt die International Working People’s Association [(eine damalige anarchistische Organisation ähnlich der Internationale)] zu einer „Verschwörung“. Ich war Mitglied dieser Organisation, also kann er mir diesen Vorwurf sicher anhängen. Wunderbar! Keine Aufgabe ist zu schwer für das Genie eines Staatsanwalts!

Es fällt mir schwer, die Beziehung, die ich zu meinen Gefährten in diesem Unglück habe, in Worte zu fassen. Ich kann offen und ehrlich behaupten, dass ich mit meinen Mitgefangenen nicht so vertraut bin, wie mit Captain Schaack.

Das allgemeine Elend, die Verwüstungen der kapitalistischen Hyäne haben uns in unserer Agitation zusammengebracht, nicht als Menschen, sondern als Köämpfer für die gleiche Sache. Von dieser Art ist die „Verschwörung“, derer ihr mich verurteilt habt.

Ich protestiere gegen diese Verurteilung, gegen die Entscheidung des Gerichts. Ich erkenne euer Gesetz nicht an, durcheinandergewürfelt, als wäre es von den Niemanden vergangener Jahrhunderte, und ich erkenne die Entscheidung des Gerichts nicht an. Mein eigener Anwalt hat durch die Urteile gleichrangiger Gerichte schließlich bewiesen, dass uns ein neues Verfahren gewährt werden muss. Die Staatswanwaltschaft zitierte dreimal so viele Entscheidungen von möglicherweise höheren Gerichten, um das Gegenteil zu beweisen, und ich bin überzeugt davon, dass wenn diese Urteile von 21 Instanzen bestätigt werden würden, sie 100 zum Beweis des Gegenteils heranziehen würden, wenn es darum geht, Anarchist*innen vor Gericht zu bringen. Und nicht einmal unter einer solchen Gesetzgebung, einer Gesetzgebung die jeder Schuljunge verachten muss, nicht einmal mit solchen Methoden war es ihnen möglich, uns „legal“ zu verurteilen.

Sie haben zum Meineid angestiftet, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Ich sage euch offen und Ehrlich: Ich bin für Gewalt. Ich habe es bereits zu Captain Schaack gesagt, „wenn sie Schusswaffen gegen uns einsetzen, werden wir Dynamit gegen sie einsetzen.“ Ich wiederhole, dass ich ein Feind der heutigen „Ordnung“ bin, und ich wiederhole, dass ich mich mit all meiner Macht, solange ich atme, verteidigen werde. Ich erkläre erneut, ehrlich und offen, dass ich für den Einsatz von Gewalt bin. Ich habe Captain Schaack gesagt, und dabei bleibe ich, „Wenn ihr auf uns schießt, sprengen wir euch in die Luft“. Ihr lacht! Vielleicht denkt ihr „du wirst keine weitern Bomben werfen“, aber lasst mich euch versichern, dass ich unbeschwert am Galgen hängen werde, so sicher bin ich mir, dass sich die hunderten und tausenden, zu denen ich gesprochen habe, an meine Worte erinnern werden. Und wenn ihr uns hängen solltet, dann werden sie – erinnert euch an meine Worte – Bomben werfen! In dieser Hoffnung sage ich euch: Ich verachte euch. Ich verachte eure Ordnung, eure Gesetze, eure gewaltgestützte Herrschaft. Hängt mich dafür!

Übersetzung des englischen Originals „Address to the Court“ von Louis Lingg.