Category Archives: Satire

Diskussionsstrategien, um dich bei einem Plenum durchzusetzen (Achtung: autoritär!)

Krise heraufbeschwören

Willst du, dass andere irgendetwas Bestimmtes machen, dann betone die Wichtigkeit deines Anliegens, im besten Fall beschwörst du eine große Krise/Katastrophe herauf, die dringend Vorrang vor allem anderen haben muss. Daraufhin präsentierst du deinen Plan, wie mit dieser Katastrophe umgegangen werden muss. Da diese Krise so dringend ist, ist zum Glück keine Zeit über (zum Beispiel herrschaftsfreiere) Alternativen nachzudenken oder Kritik anzubringen. Du kannst dann jeder*m, die*der sich trotzdem weigert, an deinem Plan teilzuhaben, zusätzlich auch noch vorwerfen ein unverantwortlicher Arsch zu sein, der*die die Augen vor der Dringlichkeit des Problems verschließt und die Bedürfnisse anderer – zum Beispiel dein Bedürfnis, dass sofort dein Plan umgesetzt wird – nicht ernst nimmt.

Mit Erfahrung punkten

Wird über einen Lösungs-/Handlungsvorschlag diskutiert, der eine Alternative zu einem autoritären Modell darstellen soll, das du meistens befürwortest oder sogar vorgeschlagen hast, dann wimmle diesen Vorschlag damit ab, dass du sagst, dass du ihn bereits ausprobiert hast und dass du daran gescheitert bist. Bestehe darauf, dass es nicht funktionieren kann. Würge jede kritische Nachfrage danach, was konkret schief gegangen ist, ab, unterbinde mit trauriger Miene und heftigem Kopfschütteln, dass irgendwer noch länger über diesen Handlungsvorschlag nachdenkt oder redet. Drücke dabei dein Bedauern darüber aus, wie schade du das ebenfalls findest, aber dass Menschen halt einfach nicht bereit dafür sind.

Effizienz fordern

Für dich ist es unerträglich, wenn mensch mehr als drei Sekunden über ein Thema redet, anstatt einfach das zu machen was du vorgeschlagen hast oder sonstwie gut findest. Wie jedoch dabei nicht autoritär wirken? Ganz einfach: Du forderst mehr Effizienz beim Plenieren. Dies tust du jedes Mal, wenn über andere Alternativen als die, die dir gefallen, geredet wird. Damit lenkst du vom Thema ab und ziehst durch die daraufhin entstehende Diskussion alles unerträglich in die Länge. Damit beweist du dann gleich, wie furchtbar lang und ineffektiv Plena sein können und bringst somit die anderen dazu, die von dir vorgeschlagenen autoritären Strukturen zum Durchführen eines Plenums zu akzeptieren.

Fridays for Future, „Die Wissenschaft“ und die apokalyptische Vorstellung einer nahenden Klimakatastrophe – Eine Abrechnung

Es ist einige Wochen her, dass die seit Monaten demonstrierenden Aktivist*innen der Bewegung Fridays for Future in München mit einem Forderungskatalog an die Stadt München herangetreten sind. „Diese Forderungen richten sich an den Stadtrat der Landeshauptstadt München, den derzeitigen Bürgermeister sowie alle auf ihn folgenden Bürgermeister*innen“, schreiben die Verfasser*innen und fallen damit gleich zu Beginn symbolisch auf die Knie, um die Pose der*des ewigen Bittsteller*in gegenüber Staat und Politik zu mimen.

Verwunderlich? Kaum. Auch wenn mensch von denjenigen, die seit mehr als einem halben Jahr wöchentlich auf die Straßen gehen, um ihre Anliegen einem „Vater Staat“ vorzutragen und dabei von selbigem und seinen Vertreter*innen von Anfang an belächelt, verspottet und sogar beleidigt wurden, eigentlich erwarten würde, dass sie ein wenig mehr Einsicht in die Realitäten des Demokratiebetriebs hätten. Doch die Lügen von Teilhabe und Mitbestimmung haben sich tief in die Köpfe der Beherrschten eingebrannt, das beweist nicht nur dieser Fall, und so bedarf es wohl schon etwas mehr als der wöchentlichen Enttäuschungen eines unwirksamen Schulstreiks, um das eigene Denken von diesem Irrglauben zu befreien.

Doch im Fall von Fridays for Future steht dieser Befreiung noch etwas ganz anderes im Wege: Die uneingeschränkte Gläubigkeit an die Autorität „der Wissenschaft“ und die daraus resultierenden Implikationen, die jeglichen Ausweg aus einer (angeblich zukünftigen) Klimakatastrophe innerhalb der autoritären Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Herrschaftssystems verorten. Indem das apokalyptische Ende der Welt nicht nur für die Zukunft prophezeit wird, sondern die Dimensionen der Ursächlichkeit zugleich auf ein für das Individuum unüberschaubares Level gehoben und potenzielle Lösungsmöglichkeiten daher naturgemäß nur in zentralistischen Ansätzen – geplant und gesteuert von Expert*innen und anderen machtvollen Akteur*innen – gesehen werden können, wird das Individuum schon konzeptuell jeglicher subversiver Handlungsmöglichkeiten beraubt. Stattdessen scheint mensch angesichts dieses Szenarios geradezu gezwungen zu sein, staatlichen Autoritäten zu vertrauen, damit diese in internationaler Zusammenarbeit eine Lösung zur Verhinderung dieser Apokalypse entwickeln.

Dabei geht es den staatlichen Autoritäten, an die mensch sich dabei zu wenden gedenkt, mitnichten um eine Verhinderung dieser Apokalypse. Vermutlich sind sie dafür auch im Gegensatz zu denjenigen, die glauben es wäre – angenommen die wissenschaftlichen Prognosen erweisen sich als zutreffend – überhaupt möglich, einen systemimmanenten Stopp der globalen Erwärmung und allgemeiner der Zerstörung der Umwelt herbeizuführen, zu große Realist*innen. Seit Jahrzehnten geht es Staaten des globalen Nordens ausschließlich darum, ihre eigene Hegemonie auch im Falle der prophezeiten Folgen einer voranschreitenden Klimakatastrophe zu bewahren. Seit dem Ende des Kalten Krieges erregten Fragen nach verheerenden klimatischen Veränderungen und anderen Umweltkatastrophen die Aufmerksamkeit der Militärstrateg*innen. Wenn ganze Landstriche im Meer versinken, Regionen von der Größe eines Kontinents zu Wüsten werden, das Wasser knapp wird und in der Folge all dieser Entwicklungen hunderte Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden, in die noch bewohnbaren Regionen der Welt fliehen müssen, machen sich die Chauvinist*innen dieser Hemisphäre – wen wundert’s? – vor allem Gedanken um die eigene Nahrungsmittelversorgung, den eigenen Wohlstand und in der Folge die Sicherheit der Grenzen, denn der Platz im „Paradies“ gilt bekanntlich als beschränkt. Kanadas Marine etwa bereitet sich darauf vor in Zukunft auch den Schifsverkehr in den arktischen Gebieten besser kontrollieren zu können, das Pentagon veröffentlichte mehrere Papiere zum Einfluss der „Klimaerwärmung“ – die es dem US-Präsidenten zufolge ironischerweise ja gar nicht gibt – auf die Nationale Sicherheit und in der EU ist mensch länsgt zwei Schritte weiter: Mensch schottet sich flüchtenden Menschen gegenüber ab, lässt diese im Mittelmeer ertrinken, von angrenzenden Ländern versklaven, foltern oder ermorden oder deportiert diese, wenn es ihnen trotz allem gelingt, eine der Grenzen zu passieren. Viele der schon heute flüchtenden Menschen sind bereits auf der Flucht vor extremen klimatischen Bedingungen oder direkt oder indirekt daraus entstandenen militärischen Konflikten. Apokalypse in 10 Jahren? Wir sind doch bereits mitten drin!

Und was sagt „die Wissenschaft“ dazu? Die verbleibt wie es zu erwarten stand innerhalb der autoritären Ideologie des momentanen Herrschaftssystems. Aller Differenzen zum Trotz ist man sich vor allem in einem Punkt einig: Es ist an den Staaten zu handeln und ganz im Stile einer alten Idee der Apokalypse-Lobbyisten des Club of Rome, die schon in den frühen 1970ern im Auftrag der Volkswagen Stiftung Werbung für einen gepflegten Weltuntergang im Jahre 2072 machten, beschränkt sich der globale wissenschaftliche Ideenreichtum im Wesentlichen auf einen Abverkauf des Rechts auf Umweltzerstörung, mal mit, mal ohne Mengenrabatt. Aber was hätten wir auch anderes von denjenigen erwartet, die vor allem von Staaten und Firmen ihren Lebensunterhalt finanziert bekommen? Natürlich bringen sie die Interessen der Nationalstaaten mit denen der Konzerne in Einklang und suchen nach Wegen wie die einen weiter profitieren und die anderen dabei nicht um Aufstände bangen müssen. Vielleicht sehen auch sie sich nun im Angesicht der von ihnen prophezeiten Apokalypse von ihren Auftraggeber*innen geprellt, doch zumindest vorerst ändert das wenig an ihren – so scheint es – allgemein geschätzten Empfehlungen: Etwas Konsumkritik hier, die Ablöse eines Kraftwerks durch ein anderes dort, ein paar Energiespar-Tipps gibt es gratis oben drauf. Ach ja: Und die Autos – die sollen zumindest raus aus der Innenstadt. Ob da die Volkswagenstiftung nächstes Jahr nochmal Geld locker macht?

Bei Fridays for Future jedenfalls scheint mensch als Wissenschaftler*in dafür einen guten Ruf zu geniesen. Die Forderungen der Möchtegern-Rebell*innen an ihre persönlichen Autoritäten tragen allesamt das Prädikat „wissenschaftlich geprüft“. Wobei mensch sich da schon fragt, wer denn auf die wissenschaftlich brilliante Idee gekommen ist, das Oktoberfest zu einem zertifizierten Bio-Volksfest, einem dritten Tolwood mit beinahe ebenso urigem Modebewusstsein zu machen, anstatt das ganze Spektakel gleich abzusagen.

So wird die Unterwürfigkeit der Fridays for Future Aktivist*innen auch kaum besser symbolisiert als auf ihren wöchentlichen Happenings, wenn sie zu rund einem Dutzend das als Lautsprecherwagen dienende, ausrangierte Feuerwehrfahrzeug wie antike Sklav*innen an einem Seil hinter sich herziehen. Klimabilanz 1 : 0 Aktivist*innen.

Dabei müsste es doch gar nicht so enden. Wen kümmert im Angesicht der Apokalypse schon der eigene ökologische Fußabdruck? Und ist ein brennendes Auto nun ein Sakrileg oder doch eher ein Schritt auf dem Weg zu einer besseren Welt? In Köln hat mensch das offenbar im Mathe-Unterricht ausgerechnet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass vier brennende Porsche sich dann doch eher positiv auf die Klimabilanz auswirken.