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Wenn der Hund kläfft …

Eine Antwort auf Christoph Joppichs „Recherche“ „Gegen iPhones und die da oben. Anarchistische Verschwörungsmythen in München“, die sich sicher gut als Bericht an die STASI gemacht hätte …

… Aber es ist ja nur ein Bericht an eine Organisation, die von einer ehemaligen STASI-Informantin geleitet und vom Staat finanziert wird …

„Der schlimmste Virus ist blinder Gehorsam“, „Die Angst vor dem Tod raubt uns den Mut zu leben“, das sind Parolen, die als Graffiti Münchens Fassaden zieren und mit denen Christoph Joppich ein Problem hat. Seiner Meinung nach sind sie nämlich „verschwörungsmythisch“. Ebenso wie Parolen der Art „Smash your iPhone“, „FCK 5G“, „TV kills your brain“ und „Revolte und Randale statt Lockdown und Netflix“ für ihn von einem „stark vereinfachten Weltbild“ zeugen. Jaja, der gute alte Christoph Joppich eben, der in seiner Jugend immer den gesamten ersten Band von Karl Marxens Kapital – übrigens eine eher schlechte, bzw. stark vereinfachte Analyse der Herrschaft, unter anderem weil sie sämtliche nicht-wirtschaftlichen Aspekte ausklammert – an die Hausfassaden seines Wohnortes getaggt hat …

Und weil der Hobby-Bulle Christoph Joppich aus den „Ähnlichkeiten in Schrift und Farbe“ nicht so ganz schlau geworden ist, hat er wohl einmal nachgeforscht, was denn dieses eingekreiste A bedeutet. Und siehe da, obwohl er all diese Parolen für „aus anti-emanzipatorisch und rechtsoffenen Millieus kommen[d]“ hält, findet er dabei heraus, dass das eingekreiste A ein Symbol von Anarchisten ist. Allerdings ist der Anarchismus keine „herrschaftskritische Strömung in der politischen Linken“, wie der Möchtegern-Bulle Joppich schlussfolgert, aber es wäre vermutlich verschwendete Liebesmüh, ihn hier eines Besseren zu belehren.

Nun, durch eine Google-Suche findet der Hobbycop Joppich auch den Zündlumpen und nun sind für ihn „die meisten Zweifel an der Urherber:innenschaft besagter Schmierereien beseitigt“. Er entdeckt sogar noch ein paar weitere Parolen, die er offensichtlich geschmacklos findet, darunter „Die beste Corona Party ist alles anstecken“, „die tödlichsten Viren sind der Kapitalismus und der Staat“ und „der Planet brennt, wann brennen die Banken?“ Und was ihm so richtig bitter aufstößt: Neben den Bildern der Graffiti finden sich dort auch zahlreiche Texte, die einem Ordnungsfanatiker und Hobbycop wie ihm so gar nicht gefallen können. Es ist mir zu langweilig zu wiederholen oder zu widerlegen, was dieser seltsame Möchtegern-Bulle nun im Detail alles anstößig findet, teilweise verbreitet er auch schlicht Lügen, etwa dass in der Übersetzung „Bis in ihre [inneren] Gemächer“ Schwangerschaftsabbrüche in die Nähe der Eugenik gestellt werden würden – tatsächlich übt dieser Artikel auch eine Kritik an genetischer Selektion durch Schwangerschaftsabbrüche in Folge pränataler Diagnostik, die eine Trisomie 21 feststellt; seltsam, dass so selbsternannte „Faschismusexpert*innen“ wie Christoph Joppich da nicht die Parallele zur Eugenik sehen … Und dass dieser dann noch die Frechheit besitzt, dem Zündlumpen „Relativierungen des NS-Regimes“ vorzuwerfen – ohne das im Übrigen irgendwie zu belegen – kann man nur mit einem herablassenden Lächeln kommentieren.

„Diffuse Personifizierungen“ wie „Bill Gates“ oder „Söder“ oder die „WHO“ oder das „Robert-Koch-Institut und ihre Handlanger“ (was ist an all dem bitte diffus?) sind Joppich zufolge „wesentliches Merkmal von strukturellem Antisemitismus“, weil hier „komplexe Zusammenhänge auf einzelne Personen reduzier[t]“ würden. Aber was genau ist denn hier komplex? Wenn Bill Gates vorschlägt, die Menschen einzusperren, wenn Söder das real umsetzt, wenn die WHO dasselbe wie Bill Gates empfiehlt und das Robert-Koch-Institut auch, dann qualifizieren diese Leute sich doch ganz eindeutig dazu, von all jenen angegriffen zu werden, die nicht beherrscht werden wollen, oder? Und meinetwegen kann man dieser Liste auch gerne noch einen Christoph Joppich hinzufügen, wenn der auch findet, dass Menschen beherrscht werden sollten.

Aber jenseits dieser praktischen Fragen will ich vielleicht einmal die Gelegenheit nutzen, die nicht nur von einem Christoph Joppich so stumpfsinnig sinnentleerte Begrifflichkeit des strukturellen Antisemitismus zu kritisieren. Wenn man sich gegen jene richtet, die mit ihren Vorschlägen, Taten und ganz offen ausgesprochenen – es braucht ja in Zeiten von Corona gar keiner Verschwörung mehr, es wird ja alles offen diskutiert – Plänen die Menschen verwalten, kontrollieren, enteignen, entmündigen, bevormunden, usw., also kurz gesagt beherrschen (wollen), was hat das mit strukturellem Antisemitismus zu tun? Wenn man dem Begriff des strukturellen Antisemitismus irgendetwas abgewinnen will, was nicht einfach dazu dienen soll, jegliche Angriffe auf jene zu delegitimieren, die Menschen beherrschen (wollen), was ihn folglich zu einer Methode der Aufstandsbekämpfung machen würde, dann beinhaltet das notwendigerweise die Konstruktion eines Feindbildes, eines Sündenbocks, usw., das/der anstelle – nicht als Teil – eines Systems der Herrschaft angegriffen werden soll. Wenn beispielsweise – das klassische Beispiel – „das Kapital“ in ein „Finanzkapital“ und ein „Produktivkapital“ unterteilt wird und dabei ausschließlich das Finanzkapital als „böse“ betrachtet wird, das Produktivkapital aber als „gut“ oder „neutral“, obwohl selbstverständlich auch das „Produktivkapital“ die Menschen ihrer Leben enteignet, sie in der Folge versklavt und verdinglicht, dann macht die Anwendung des Begriffs des strukturellen Antisemitismus meiner Ansicht nach wenigstens halbwegs Sinn, denn dann wird aufgrund irgendeiner Ideologie ein Feindbild aufgebaut, das die realen Herrschaftsverhältnisse verschleiert oder zumindest „verkürzt“, das heißt unvollständig wiedergibt. Allerdings ist deshalb nicht jeder Angriff auf Vertreter*innen von etwas, was andere „Finanzkapital“ nennen mögen und im Zündlumpen vielleicht manchmal als „Spekulant*innen“ bezeichnet wird, strukturell antisemitisch. Denn Spekulant*innen auf dem Wohnungsmarkt beispielsweise tragen ziemlich real dazu bei, dass die Mietpreise steigen, ebenso wie das auch die München überströmenden Yuppies mit ihrem Verlangen jene Viertel, in denen das Leben pulsiert zu bevölkern, tun oder die Technologiefirmen und Elite-Universitäten, die Wohlsituierte aus der ganzen Welt nach München locken, oder die nur so aus dem Boden sprießenden Hipster-Läden und -Cafes, usw. usw. Selbst wenn man nun geflissentlich jene Kritiken ignoriert, die auch diese Akteur*innen benennen oder die Angriffe auf diese, wie sie in München durchaus immer wieder stattfinden und -fanden ignoriert, dann könnte man noch immer nicht von strukturellem Antisemitismus sprechen, denn selbst dann könnte nicht plausibel behauptet werden, dass solche Angriffe einer Ideologie entspringen, bei der die Spekulant*innen alleine verantwortlich gemacht werden für die Verdrängung in München, während allen anderen Akteur*innen ihre Rolle abgesprochen würde. Und ebenso weiß, wer den Zündlumpen wirklich liest und nicht wie Christoph Joppich meint, mal eben nach ein paar Schlagworten suchen zu können und im Resultat dann begriffen zu haben, was die Essenz der in den mittlerweile 84 Ausgaben elaborierten Kritik sei, dass neben „Bill Gates, Söder, WHO und Robert-Koch-Institut“ so ziemlich die meisten Akteur*innen dessen, was uns heute als „komplexe Zusammenhänge“ der Herrschaft, die zumindest für jene, die dieser feindlich gegenüberstehen, oft so komplex gar nicht sind, präsentiert wird, schon einmal ihr Fett weg bekommen haben. Und dass dem, was Christoph Joppich als „faschistoide Mordlust“ oder gar „Vernichtungsphantasien“ (wer relativiert hier nun?!) betitelt und was im Zündlumpen viel treffender mit „Tyrannenmord“ bezeichnet wird, das Sabotieren, zum Beispiel durch Abfackeln, der technologischen Infrastruktur, also zum Beispiel jener Funkmasten die vielleicht, aber vielleicht auch eher nicht Corona übertragen, was aber ohnehin nicht die Frage ist, auf die es ankommt, vorgezogen wird, das passt ihm ja auch nicht.

Nun, Christoph Joppich, vielleicht hältst du in Zukunft lieber deine Fresse, bevor du dich noch mehr blamierst, als du es ohnehin schon getan hast. Und was den STASI-Verein (jaja, ich weiß, so nennen euch die Rechten, aber wo sie recht haben …) angeht, für den du schreibst: Dass ihr versucht, Anarchist*innen anzuschwärzen ist ja weder angesichts der Tatsache, dass ihr vom deutschen Staat finanziert werdet, noch angesichts eurer ideologischen Grundpfeiler verwunderlich und auch dass ihr Hobby-Bullen erlaubt, ihren Dreck bei euch zu publizieren wäre ja nicht das erste Mal. Aber glaubt ihr wirklich, dass solch ein schwachsinniger Artikel ein Beitrag zu eurem Stiftungszweck wäre, Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen?

Fragmente für einen aufständischen Kampf gegen den Militarismus und die Welt, die ihn benötigt

Die Anarchisten sind schliesslich gegen den Antimilitarismus (oh weh, da habt ihr den Versprecher, seht, ein Versprecher passiert nie völlig zufällig, tatsächlich sind die Anarchisten auch gegen eine gewisse Art von “Antimilitarismus”). Wie auch immer, um unangenehme Missverständnisse zu vermeiden, lasst uns versuchen, deutlicher zu sein. Ich korrigiere mich: die Anarchisten sind gegen den Militarismus. Daran besteht kein Zweifel. Sie sind gegen den Militarismus, und dies nicht im Namen von einer einstimmigen pazifistischen Auffassung. Sie sind vor allem gegen den Militarismus, weil sie eine andere Auffassung des Kampfes haben. Das heisst, sie haben nichts gegen Waffen, sie haben nichts gegen das Konzept der Verteidigung vor der Unterdrückung. Aber sie haben hingegen viel gegen einen bestimmten, vom Staat gewollten und befehligten, und von den repressiven Strukturen organisierten Gebrauch der Waffen. Sie haben viel einzuwenden gegen einen militärischen Gebrauch der Waffen. Während sie aber einverstanden sind, oder zumindest in ihrer überwiegenden Mehrheit einverstanden sind, mit dem Gebrauch der Waffen gegen den Unterdrücker, mit dem Gebrauch der Waffen gegen jene, die unterdrücken und ausbeuten, mit dem Gebrauch der Waffen in einem Befreiungskrieg. Mit dem Gebrauch der Waffen gegen bestimmte Personen, gegen bestimmte Realisierungen der Ausbeutung.

Es ist also falsch, zu sagen: „Die Anarchisten sind Antimilitaristen, was das gleiche ist, wie zu sagen, dass sie Pazifisten sind”. Die Anarchisten sind nicht gegen den Militarismus, weil sie alle Pazifisten wären. Sie haben nichts gegen das Symbol der Waffe, und ebenso wenig können sie eine Verurteilung des bewaffneten Kampfes im Generellen akzeptieren, um hier diesen streng technischen Begriff zu gebrauchen, der eine ausgedehnte Betrachtung verdienen würde. Sie sind hingegen völlig einverstanden mit einem bestimmten Gebrauch der Waffen: Welchen? Jenen, bei dem diese Gegenstände gebraucht werden, um sich zu befreien, da keine Befreiung auf friedliche Weise möglich sein wird. Denn jene, die die Macht besitzen, werden nie so höflich sein, sich in aller Seelenruhe beiseite zu stellen, ohne Widerstand zu leisten und ohne zu versuchen, diese um jeden Preis zu erhalten.

Aus Alfredo Bonanno. »Wie ein Dieb in der Nacht.«

Was ist Krieg? Was ist Militarismus?

Über die unterschiedlichen Epochen haben sich Kriege auf verschiedene Arten und Weisen geäußert. Einige (frühe) Eroberungsfeldzüge, bei denen sich eine zivilisatorische Imperialmacht bisher nur von staatenlosen Gemeinschaften bewohnte Gebiete einverleibt, mögen dabei zumindest seitens der staatenlosen Gemeinschaften anders geführt worden sein, als jene Kriege in denen die Armeen von Monarchen, Aristokraten, Kauf- und Geschäftsleuten, Kirchen oder Nationalstaaten aufeinandertreffen. Möglicherweise haben sie sogar mehr mit bestimmten modernen Formen des Krieges gemein, auf die ich noch zurückkommen werde. Vorerst will ich die Frage danach, was Krieg und Militarismus ist jedoch ausgehend von jenen althergebrachten Konflikten unter den Herrschenden beantworten, in denen sie ihre Armeen aufeinander hetzen, um irgendwelche Herrschaftsansprüche zu klären oder gar persönliche Streits auszutragen.

Der Fürst, der eine eigene Armee befehligt etwa, er mag mannigfaltige Gründe haben, um gegen die Armee eines anderen in den Krieg zu ziehen. Vielleicht wurde er gedemütigt, vielleicht buhlt er damit um die Liebe einer Prinzessin, bzw. vielmehr die Anerkennung und Gunst ihres Vaters, vielleicht behagt ihm der Verlauf einer seiner Reichsgrenzen nicht und er möchte sie ein Stück nach außen verschieben, vielleicht will er einen Schatz erobern oder sich das Recht zur Ausbeutung weiterer Bauern sichern. Manchmal trachtet er einem anderen, höherstehenden Fürsten nach dessen Position, manchmal mag er auch eine Eingebung Gottes gehabt haben oder irgendeinen Mythos allzu ernst genommen haben. Egal was sein Grund ist: Für seine Untertanen und Söldner dürfte dies schwerlich Grund genug sein, ihr Leben und ihre Unversehrtheit für ihn und seine Sache zu geben. Es mag vielleicht sogar den einen oder anderen Untertan geben, der zwar ebenfalls nicht für des Fürsten Sache in den Krieg zieht, allerdings die eigene Sache (einen höheren Posten, einen Anteil der Beute, usw.) mit der des Fürsten verbunden betrachtet. Die Zahl solcher Untertanen wird aber immer gering sein und wie auch der Fürst sind sie selbst ebensowenig bereit, ihren eigenen Kopf hinzuhalten, wenn Schwerter auf Schilde prallen, Pfeile Rüstungen durchbohren und Lanzen an dem zerbersten, was vielleicht einmal der unversehrte Leib eines Menschen gewesen sein mag.

Um eine Armee aufzustellen muss sich der Fürst also etwas einfallen lassen, wie er das Interesse irgendwelcher Untertanen – es müssen ja auch nicht notwendigerweise die eigenen sein – wecken kann, den ihnen zugedachten Platz im Gemetzel einzunehmen und dort – wenn es sein muss – bis zum bitteren Ende zu bleiben. Eine einfache Möglichkeit, dieses Interesse zu wecken besteht darin, seine Krieger*innen zu bezahlen. Der Fürst nennt diese Söldner und er weiß um das Problem, dass diese wankelmütig sein werden. Schließlich hat er sie nur durch Bezahlung oder das Versprechen einer Bezahlung – manchmal auch durch das Versprechen eines Anteils einer reichen Beute, ein äußerst gewiefter Trick, weil er auch gleich das Interesse des Söldners siegreich zu sein weckt – dazu bewegen können, ihm zu dienen. Und der Fürst weiß, dass nicht nur er Geld besitzt, sondern auch sein Feind. Auch kommt es nicht selten vor, dass Söldner angesichts einer feindlichen Streitmacht oder während der Schlacht mit ihr mitsamt ihrem Sold und den an sie ausgegebenen Waffen desertieren, dass sie sich als kampfuntauglich erweisen oder dass sie sich überhaupt weigern, etwas zu tun, wofür sie ihrer Auffassung nach nicht genügend Sold erhalten haben. Söldnerheere sind deshalb nicht besonders beliebt bei unserem Fürst. Das sogenannte Lehnssystem ist ein Versuch, diese rein monetäre Bindung der Söldner um eine Abhängkeit der fortan Vasallen genannten Untertanen zu ersetzen. Im Austausch für das Recht, selbst einmal Despot zu sein und einen kleinen Teil der Ländereien des Fürsten zu verwalten, die darauf lebenden Bauern zu knechten und einen gewissen sozialen Status zu erlangen, leistet der Vasall seinem Fürsten, dem Lehnsherren alle möglichen Dienste, vor allem zieht er für ihn in den Krieg – und verpflichtet auch einige seiner Untertanen dazu. Was der Söldner für das bisschen Sold, das er bekam nicht zu tun bereit war, das tut der Vasall, dieser edle Ritter, nun mit Freuden im Austausch für etwas noch viel schmutzigeres: Eine schmucke Rüstung und eine Position in der Verwaltung des Reiches seines Fürsten. Der Militarismus ist geboren.

Der fortan gepanzerte Vasall wird im Gegensatz zum Söldner nie wieder in der Lage dazu sein, seine eigene Sache zu vertreten, denn wenn er von einem langen, ermüdenden und kräftezehrenden Feldzug an die heimische Feuerstelle zurückkehren wird, dann wird er sich dort um die Verwaltung des Reiches seines Lehnsherren kümmern, er wird den Bauern auf dem von ihm verwalteten Land Steuern abpressen, wird die nötige Bürokratie erledigen und sich auf die nächste Schlacht vorbereiten, denn nach dem Krieg ist für ihn vor dem Krieg. Er mag glauben, dass es seine Sache wäre, für die er hier eintritt, aber er wird zeitlebens höchstens ein betrogener Egoist bleiben.

Sein Lehnsherr dagegen, unser Fürst, er reibt sich in seiner Burg, seiner Pfalz oder seinem Schloss die Hände und stößt auf seinen cleveren Einfall an. Nicht nur, dass er sich fortan nicht mehr darum zu kümmern braucht, seine Ländereien zu verwalten, er kann nun wann immer er will, Kriege führen und seine Vasallen werden ihm beinahe bedingungslos folgen. Schnell werden diese Vasallen, der sogenannte Schwertadel, Untervasallen einsetzen und diese wiederum Untervasallen. Die dabei entstehenden Hierarchien ermöglichen nicht nur die Verwaltung schnell wachsender Reiche, sondern bestimmen auch die Heeresordnug und sichern funktionierende Befehlsketten. Denn nicht nur im Krieg werden Gehorsam und vor allem Disziplin fortan die wichtigste Tugend eines Untertanen sein, auch in Friedenszeiten wird diese militaristische Tugend beständig eingeübt, wenn die Vasallen ihren jeweiligen Herren im zivilen Staatsleben dienen.

Diese militaristische Ordnung bleibt trotz zahlreicher Machtstreitigkeiten, Intrigen und Putsch(versuche) solange bestehen, bis eine neue Klasse nach der Macht greift und dieses System von außen stürzen wird: Das Bürgertum. Spätestens nachdem in Frankreich die Köpfe des Adels rollen, bedarf es auch einer Umstrukturierung des Militärs. Ein sich zur neuen Oberklasse erhobener Mittelstand kann freilich nicht die militärischen Dienste des Adels für sich in Anspruch nehmen und ohnehin wäre dessen Treue nun nicht mehr gesichert, wo wir es nicht länger mit kleinen Despoten in der Gunst eines befehlshabenden Fürsten zu tun haben. Das Bürgertum bedient sich weiterhin der militaristischen Logik, benötigt nun aber neue Untertanen, die für ihre Sache streiten werden. In Frankreich und den USA und später auch in der gesamten westlichen Welt entstehen die ersten Nationen und es wird der Mythos einer nationalen Einheit, der Nationalismus sein, der fortan die Untertanen für die Sache der Herrschenden in den Krieg mobilisieren wird. Können die Vasallen noch als betrogene Egoisten gelten, weil sie geglaubt haben mögen, dass sie für ihre eigene Sache, d.h. für ihre Macht, ihren Einfluss und ihren Status in die Schlacht zogen, so gelingt es dem Bürgertum jeglichen Egoismus im Militärwesen auszurotten. Man zieht fortan für eine fiktive, aber einem eigen geglaubte Nation, fürs Vaterland, in den Krieg, ist bereit, sich fürs Vaterland das halbe Gesicht wegschießen zu lassen, Gliedmaßen weggesprengt zu bekommen oder später auch Giftgas zu inhalieren. Die verwalterische Teilhabe an der Herrschaft, die die Disziplin der Vasallen auch in Friedenszeiten sicherte, entfällt und wird durch etwas viel schrecklicheres ersetzt: Fabriken. Im Takt der Maschine zu funktionieren, das wird fortan die nötige Disziplin des Marschierens im Gleichschritt in Friedenszeiten pflegen. Und während die Vasallen in Friedenszeiten gewährleisten mussten, dass sie allzeit genügend Kriegspferde zur Verfügung hätten, produziert die neue Unterklasse, das sogenannte Proletariat, in den Fabriken schnell auch in Friedenszeiten das Kriegsgerät, mit dem es im Kriege verstümmelt werden wird.

Die organisatorischen zivilen Hierarchien, die in der bürgerlichen Demokratie formell aufgelöst wurden, die aber im Kriege funktionierende Befehlsketten garantierten, werden in den Fabriken eintrainiert, die nicht zufällig nach einer militaristischen Logik organisiert sind. Auch wenn die meisten heutigen Staaten ein stehendes Berufsheer besitzen, das unter diesem Gesichtspunkt betrachtet vielleicht mehr dem Söldnerwesen gleichen mag, das ohnehin nie völlig verschwunden war – Söldner-Hilfstruppen waren oft einfach notwendig, um genügend Soldaten aufbieten zu können –, so zeigen doch die Erfahrungen der Weltkriege, sowie der Kriege der jüngeren Vergangenheit, dass eine Mobilisierung der Arbeiter*innen nicht nur notwendig ist, sondern dank der allgemeinen militaristischen Disziplin und dem antrainierten Gehorsam auch allzu gut funktioniert.

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Aber das Zeitalter der Kriege der Nationen, es scheint sich dem Ende zuzuneigen, ja bis auf wenige Ausnahmen bereits vorbei zu sein. Spätestens mit dem Ende des kalten Krieges haben sich die zwei verbliebenen, militärisch-imperialen Fraktionen in eine internationale Staatengemeinschaft integriert, in der Konflikte weniger über herkömmliche territoriale Kontrolle, sondern zunehmend über Ansprüche auf Ressourcen und weltpolizeiliche Uneinstimmigkeiten entstehen. Das heißt freilich nicht, dass es keine Kriege mehr gäbe. Aber wir müssen unser Verständnis von Krieg aktualisieren, wenn wir heutige Militäroperationen ausreichend verstehen wollen.

Die Kadaver der nationalen Armeen, sie bestehen zwar aus einer Reihe nostalgischer Gründe weiter, werden jedoch in Militärbündnissen wie der NATO zu einem neuen Militär zusammengeschweißt und in internationalen Interventionseinheiten wie den UNO-Blauhelmen für vorrangig weltpolizeiliche Missionen eingesetzt, die der Sicherung von Rohstoffen dienen. Obwohl das internationale Kapital auf dieses staatlich organisierte Militär beinahe beliebig zugreifen kann, stellt es in verschiedenen Teilen der Welt zunehmend auch eigene Sicherheitstruppen auf (beispielsweise in Südamerika), die dort den Ausbau einer extraktivistischen Infrastruktur überwachen und Widerstand dagegen niederschlagen. Wo allerdings der Haupteinsatzzweck eines zunehmend internationaleren Militärs die Niederschlagung von Aufständen, die Intervention in Bürgerkriege und der Schutz wirtschaftlicher Interessen der Kapitalistenklasse ist, da bröckeln auch die nationalistischen Mobilisierungsstrategien. Auch wenn sich offenbar noch immer jede Menge Nazis in den Reihen des Militärs tummeln, die dort ihre Sehnsucht stillen, ihrem Vaterland zu dienen, lässt sich eine Mehrheit der Menschen nicht länger so plump täuschen. Anstatt feindlicher Nationen bedarf es in Zeiten globaler Völkerverständigung und internationaler Staatengemeinschaft nun eines neuen Feindes, gegen den wenigstens die Sympathien der Menschen für die Streikräfte ihres Landes erweckt werden können. Und in Zeiten, in denen das internationale Militär den Einsatz im städtischen Raum trainiert, in denen Bürgerkriegsszenarien und Aufstandsbekämpfung vom Militär eingeübt werden, da ist es auch erforderlich, dass sich dieser Feind unter der Bevölkerung versteckt.

Der Feind heißt spätestens seit 2001, aber nicht erst seitdem, internationaler Terrorismus. Und es ist vermutlich ein genialer Schachzug, dass er so ohne weiteres kaum auszumachen ist. Bereits zuvor erprobte rassistische Motive lassen sich gegen ihn ebenso mobilisieren, wie ordnungspolitische Ängste vor einer anarchistischen oder anderweitig subversiven, aufständischen Verschwörung, die Chaos in eine gleichgeschaltete und im Gleichschritt getaktete Welt bringt. Und natürlich lassen sich Revolten in der Dritten Welt, in denen die Versklavten gegen ihre Ausbeuter*innen aufbegehren, ebenso leicht zu Terrorismus erklären, wie das Regime eines Landes, das sich weigert den Ölinteressen eines Imperiums zu entsprechen.

Wie viele US-Amerikaner*innen können sich mit denen identifizieren, die unter den beiden Bürotürmen des Welthandels begraben worden sind, wie wenige waren es im Vergleich mit den Toten des Afghanistan- und Irakkriegs? Und doch genügt dieses Ereignis und dessen propagandistische Ausschlachtung nicht nur zahlreiche US-Amerikaner*innen, sondern auch unzählige Europäer*innen gegen etwas zu mobilisieren, das es so vermutlich gar nicht gibt, bzw. das rückwirkend betrachtet überhaupt erst durch diese Kriege entstanden ist. Aber der „Krieg gegen den Terror“ hat nicht nur in den entlegenen Regionen der Weltmächte Kriege gegen ein Gespenst ausgelöst, sondern auch eine Kriegsführung gegen die eigenen Bevölkerungen in den Metropolen der Macht begründet. Fortan ist jede*r Bürger*in potenzielle*r Terrorist*in. Und zwar in dem Grade, in dem er*sie „arabisch“ aussieht, muslimischen Glauben praktiziert oder anderweitig rassifiziert werden kann. Die seit 2001 frei drehende US-Flugsicherheitsbehörde TSA etwa ist der Überzeugung Terrorist*innen nicht nur an althergebrachten Rassemerkmalen wie Hautfarbe oder Kopfform zu erkennen, sondern auch an der spezifisch-terroristischen Barthaartrimmung.

Der Krieg gegen internationalen Terrorismus ist auch in Europa die ultimative rassistische Argumentationsstrategie gegen Migration geworden. Wer aus den Kriegsgebieten dieser Welt in Richtung der wohlhabenderen Metropolen flieht, könnte ja ein*e Terrorist*in sein. Wer dagegen in den Metropolen ausrastet und Amok läuft, der*die bleibt der verhältnismäßig harmlose, irregeleitete Amokläufer aus der Nachbarschaft. Ich muss hier sicherlich nicht alle Aspekte der Angst vor dem Terrorismus erläutern, sie dürfte den meisten Leser*innen nur allzu präsent, ihre gezielte Schürung und anschließende Instrumentalisierung durch die Politik in Form von technologischer Aufrüstung der Polizei – die mittlerweile Panzer fährt und Handgranaten zu ihrem Arsenal zählen darf – und des Militärs, sowie ein Ausbau der Grenzregime, ganz besonders in Europa, noch in Erinnerung sein.

Es lässt sich festhalten, dass das Gespenst des Terrorismus, wie es uns heute durch die gehirngewaschenen Köpfe spukt, das ideale und mit großem Aufwand produzierte Feindbild ist, um die Militärstrategien zu legitimieren, die von einem zunehmend global aufgestellten Militär zur Sicherung eines weltumspannenden Imperiums trainiert werden.

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Doch auch dieses modernisierte Verständnis von Krieg muss dieser Tage überdacht werden, erleben wir doch seit mittlerweile mehr als einem Jahr eine neue Form des Kriegs, genauer gesagt, des Bürgerkriegs. Der Terrorismus, er ist weithin obsolet geworden, füllt höchstens noch die Randspalten der Tageszeitungen. Stattdessen füllt ein anderer, noch fiktiverer Feind, die Schlagzeilen: Covid-19. Dieser unsichtbare Superterrorist, der die Menschen unsichtbar und hinterhältig heimsucht, der hinter jeder Brührung, was sage ich, hinter jeder Begegnung, lauert, er ist der ultimative Feind und seine Bekriegung, sie erfordert eine ganz besondere Form der Massenmobilisierung: Die Mobilisierung zur Abwesenheit. Der moderne Kriegsheld, er – oder sie, diese moderne Armee hat nun wirklich jegliche Geschlechterunterschiede überwunden – lümmelt sich zuhause auf dem Sofa, frisst Junkfood in sich hinein und verfolgt gespannt den minütlich über alle Bildschirme flimmernden Frontbericht. Und auch wenn dort mittlerweile längst keine Toten mehr gezählt werden, sondern nur mehr noch von einer wenig aussagekräftigen „Inzidenz“ die Rede ist, fiebern die kriegsbegeisterten Massen noch immer mit. Und alle anderen? „Die Beste Medizin heißt Disziplin“, so oder so ähnlich lautet der Slogan einer der jüngsten Werbekampagnen der Bundesregierung, mit der die Nation zum „Durchhalten“ aufgefordert wird. Und Disziplin ist wahrhaft vonnöten, um als Soldat*in in diesem Krieg zu kämpfen. Der klassische Krieg kannte von Zeit zu Zeit wenigstens einen „Fronturlaub“, ebenso wie wenigstens ein Teil der Bevölkerung gar nicht in den Krieg zu ziehen brauchte, der moderne Virenkrieg dagegen rekrutiert die gesamte Bevölkerung und kennt höchstens eine „Lockerung der Maßnahmen“ und selbst dabei fragt sich die*der aufmerksame Beobachter*in, wie es kommt, dass eine immer weiter verschärfte Maßnahmensituation (Lockdown und Kontaktbeschränkungen sind eigentlich die ganze Zeit geblieben und zuletzt noch um Ausgangssperren erweitert worden) doch immer wieder als „Lockerung“ verkauft werden kann.

Und wer nun aufrichtig behaupten wird, die Kriegsrhetorik bisher nicht bemerkt zu haben und folglich der Ansicht sein mag, dass es sich hier überhaupt nicht um einen Krieg handele, die*der möge mir vielleicht erklären, wie es kommt, dass außgerechnet Rheinmetall und andere Rüstungskonzerne Corona-Schutzmasken produzieren.

Aber es ist freilich nicht bloß die Kriegsrhetorik, sozusagen zum guten Zweck (was auch immer das wäre), mit der wir es hier zu tun haben. Wem auch immer das entgangen sein mag, den*die erinnere ich gerne noch einmal daran, dass wir uns in einem globalen Ausnahmezustand befinden. Ein Ausnahmezustand, der nicht nur die zuvor bestehenden, nationalen Grenzen schloss, sondern der auch ganz neue Grenzregime errichtet hat. Ob globales Freiluftgefängnis (wobei „Freiluft“ mittlerweile als allzu optimistisch entlarvt wurde) oder das von einem philosophierenden Demokraten aufgestellte „Lager als Nomos der Moderne“, das heute gar nicht mehr besonders philosophisch zu sein scheint, die momentane Realität hat etwas von beidem. Auch wenn das Quarantäne-Gefängnis (meist) keine Fenstergitter und Stacheldrahtzäune mehr kennt, sondern hier und da mit elektronischen Fußfesseln auf modernere Instrumente der Einsperrung zurückgreift und anderswo in einem gigantischen Selbstversuch die noch modernere Form der Selbsteinsperrung testet, das Risikogebiet-Lager (oft – es gibt durchaus Ausnahmen) keine allzu festen Grenzen kennt, keine Einzäunung und Flüchtende meines Wissens nach zumindest in Deutschland – Vorfälle in direkten Nachbarstaaten und anderswo auf der Welt stellen das natürlich auch für hier in Aussicht – bisher nicht von Wärtern erschossen wurden, so muss einem die Corona-Maske doch gehörig die Sinne vernebelt haben, wenn man diese Analysen noch immer zurückweist. Dazu kommen jede Menge neuer Papiere, vom Passierschein in Form eines negativen Coronatests und einer Bescheinigung des Arbeitgebers bis hin zum internationalen Ausweisdokument eines elektronischen Impfpasses. Greencard wird das zuweilen unkritisch von der Kriegspropaganda genannt.

Aber während an all den neuen Grenzen wenigstens vorerst noch nicht allzu oft geschossen wird, Grenzübertritte je nach Person und Situation auch einmal geduldet werden und die Bullenschweine immerhin metaphorisch auf 1,5 Meter Abstand bleiben, hat sich die Situation an den Nationalstaatsgrenzen, sowie ganz besonders an den europäischen Außengrenzen noch einmal dramatisch verschärft. Die Situation in den noch viel realeren Lagern vor dem Festland, die weder des Stacheldrahts, noch den scharf schießenden Wachen entbehren, sie verschärft sich immer mehr. Und die ohnehin immer nur humanistische Hilfe der Linken… Sie befindet sich im Lockdown. Meist aus Überzeugung. Als im letzten Jahr die Bilder des brennenden Morias einen Funken Hoffnung aufkeimen ließen, da forderten die Linken ein neues, hygienischeres Lager. Aber was hat das mit dem Krieg zu tun? Leider eine ganze Menge, beweist es doch, dass es in Deutschland erstmals in der Geschichte eine spezifisch Linke Armee gibt. Jene, die früher den „Dienst an der Waffe“ ablehnten und im Zweifel lieber „Zivilidienst“ verrichteten, man hat sie auf ihrem ursprünglichen Metier rekrutiert: In den Krankenhäusern und Pflegeheimen, eben dort, wo man schon früher lieber Patienten den Hintern abwischte, anstatt sich die Waffe aushändigen zu lassen und zu desertieren. Und folglich ist es heute auch nicht das Sturmgewehr, mit dem die Corona-Avantgarde in die Schlacht zieht, sondern die – nur für die größten Idioten harmloser wirkende – Spritze. Das bevorzugte Werkzeug des „Todesengels“, möchte man da fast einwerfen.

Was bedeutet das also für ein anarchistisches Verständnis von Krieg? Fest steht: weniger moderne Formen des Kriegs sind mit diesem modernen Krieg ebensowenig ausgestorben, wie der Krieg gegen den Terrorismus die althergebrachten Staaten- und Bürgerkriege nicht obsolet gemacht hat. Der Virenkrieg, auch wenn einem eigentlich unmissverständlich seine Kriegspropaganda ins Auge springen muss, er wird von vielen gar nicht als Krieg wahrgenommen. In Tradition des Anti-Terror-Kampfes, des „Friedenseinsatzes“ von Blauhelmen und dem „diplomatischen Wert“ der Atombombe verspricht der Virenkrieg ebenfalls Frieden oder schlimmer noch, Gesundheit. Und er scheint dieses Narrativ dadurch sogar zu perfektionieren. Die militaristische Logik der Disziplin, die derzeit jeglichem sozialen Leben auferlegt wird, die irrationale und willkürliche Reglementierung aller sozialen Beziehungen außerhalb der bereits seit Ewigkeiten institutionalisierten Beziehungen der Familie, sie dienen der Rekrutierung einer Armee von Moralist*innen und Denunziant*innen, die fortan effizienter als jede Polizei Delinquent*innen disziplinieren und verfolgen soll.

Der moderne Krieg, er wird also nur noch in den Peripherien mit Waffengewalt ausgetragen, er gibt nur noch die „Unbelehrbaren“, die „Terrorist*innen“, die „Verbrecher*innen“, usw. der vernichtenden Gewalt von Armeen preis und zieht es selbst bei diesen vor, sie zu verhaften, einem Gericht vorzuführen und ins Gefängnis – oder in ein Lager – sperren zu lassen. Unterdessen jedoch kennt er zunehmend weniger eine Unterscheidung zwischen Territorien des Friedens und jenen des Krieges. Ist es die Polizei, die sich zunehmend die Strategien des Militärs aneignet oder ist es vielmehr das Militär, das selbst in den Gebieten des Krieges eine polizeiliche Logik verfolgt? Ich denke schon diese Frage offenbart einen gewaltigen Irrtum: Polizei und Militär sind in Wahrheit ein und das selbe; sind es möglicherweise immer schon gewesen. Die Propaganda des modernen Rechtsstaats mag hier naheliegenderweise ein anderes Bild zeichnen, aber ebenso wie der Krieg von manchen immer schon als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln betrachtet wurde und wieder andere zu dem Schluss kamen, dass umgekehrt, die Politik die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sein müsse, unterscheidet sich die Polizei vom Militär ebenfalls höchstens in den angewandten Mitteln und selbst hier hat die Entwicklung moderner Kriegstechnologien und eine jüngere, militärische Aufrüstung der Polizei diese Unterschiede zunehmend verwischt.

Falsche Verbündete im Kampf gegen den Militarismus

Man muss nicht auf das Manifest der Sechzehn zurückgreifen – in welchem bekannte Anarchisten dazu aufriefen, sich dem Lager Frankreichs wegen seiner revolutionären Tradition anzuschließen und gegen den kaiserlichen Absolutismus Deutschlands zu kämpfen – um angesichts des Krieges Beispiele für den kompletten Verlust der Orientierung und des Gespürs für die involvierten Interessen seitens der Anarchisten zu finden. Der Großteil des heutigen „antifaschistischen“ Diskurses reproduziert im Miniaturformat die gleichen Fehler und spiegelt die Ideen des in den 70er Jahren weit verbreiteten „Antiimperialismus“ wieder: Demokraten vs. Faschisten hier, Staaten der Dritten Welt gegen Staaten des Westens dort. In jüngster Zeit akzeptieren die Unterstützer des Kampfes gegen „den Faschismus“ der Dschihadisten in Syrien sogar die Streitkräfte der US-Luftwaffe im eigenen Lager. Eine Position die bereits während jenes Krieges präsent war, welcher zum Zerfall des ehemaligen Jugoslawien in den 90er Jahren führte. In gleichem Maße verteidigen viele mit gerümpfter Nase die internationalen Interventionen, um die Grausamkeiten einzudämmen, die während der „Bürgerkriege“ in vielen afrikanischen Ländern begangen wurden (bevorzugt die Interventionen der Blauhelme, welche weniger Ablehnung provoziert als die der französischen Fremdenlegion oder die einer Koalition der NATO). Heutzutage hat es fast den Anschein, dass die westlichen Armeen eher freiwillige Rekruten einsetzen, anstatt einer Massenrekrutierung, um ihre Drecksarbeit durchzuführen. Sprich, der einzige Faktor der uns davor verschont zu sehen, wie Libertäre sich in die Armeen einreihen, um die „Bösen“ zu bekämpfen, die noch stärker konter-revolutionär sind, als die Anhänger der kommerziellen Demokratie.

Aus Die Reihen Durchbrechen. Gegen den Krieg, Gegen den Frieden, für die soziale Revolution.

Man sollte meinen, das erübrige sich zu bemerken, dass ein Staat niemals ein Verbündeter im Kampf gegen den Militarismus sein könne. Und doch scheinen vergangene und jüngere Parteinahmen von Antimilitarist*innen dringend einer solchen Klarstellung zu bedürfen. Und wenn ich in diesem Kontext Staat sage, so meine ich auch jede militaristische Bestrebung mit der Absicht, einen Staat zu gründen oder anderweitig staatliche Aufgaben zu übernehmen. Was aus einer antimilitaristischen Perspektive, so wie ich sie verstehe, mindestens unlogisch erscheint, lässt sich mit einer anarchistischen Perspektive dagegen überhaupt nicht vereinbaren. Was sich bereits früher in Solidaritätsbewegungen mit dem bolschewistischen Regime, der Fatah und Hamas oder in der Kuba-Solidaritätsbewegung beobachten ließ, findet seinen Ausdruck dieser Tage beispielsweise bei jenen, die buchstäblich die Fahnen von YPG und YPJ schwenken. Schöne Anarchist*innen und Antimilitarist*innen sind das, die da die Banner militärischer Verbände spazieren tragen, die Verhaftungen durchführen, Gefängnisse und Lager betreiben und von ihren Söldner*innen die militaristische Disziplin des Tötens auf Befehl einfordern.

Aber es ist weniger interessant, die Tatsache, dass dies so ist, festzuhalten, sondern weitaus spannender ist doch die Frage des Warum? Wie kommt es, dass unverhohlen militaristische und autoritäre Organisationen schließlich von ihren eigentlichen Gegner*innen verteidigt werden als „geringeres Übel“ – was noch die ehrlichste Betrachtungsweise ist – oder gar als „Notwendigkeit“ im Krieg gegen den imperialistischen Militarismus. Dass der Antimilitarismus hier als eine Mobilisierungsstrategie für den Militarismus dient, mag wie eine grausame Ironie erscheinen, ich unterstelle jedoch, dass hier vielmehr jene Rekuperationen des Antimilitarismus sichtbar werden, die die Abwesenheit von Krieg, die Ordnung des sozialen Friedens und die repressive Kontrolle über jegliche diese Ordnung störenden Tendenzen zum Ziel eines jeden Antimilitarimus umzudeuten versuchen. Dies mag vielleicht auch das Ziel eines humanistischen, kommunistischen oder demokratischen Antimilitarismus sein, als Ziel eines anarchistischen Antimilitarismus scheint es mir jedoch völlig unzureichend. Spannend finde ich am aktuellen Beispiel der Rojava-Solidarität, die auch unter Anarchist*innen, wenn sie nicht gar unkritisch übernommen wird, so doch weitestgehend unkommentiert bleibt, wie eine bestimmte Art und Weise der Argumentation reproduziert wird, die umgekehrt bei einer staatlichen, kapitalistischen oder nationalistischen Legitimation von und Propaganda für Militarismus zu Recht kritisiert wird. Es ist das Narrativ einer nationalen Verteidigung – auch wenn dieses nationale Motiv vielleicht verschleiert werden mag und sich teilweise hinter identitätspolitisch ansprechenderen Begriffen wie „Frauenrevolution“ (jaja, das Ziel 40% der Posten mit Frauen besetzen zu wollen und die gezielte Präsentation weiblicher Militärs durch die Propaganda scheint da heute bereits zu genügen) oder „ökologischer Revolution“ verbirgt – gegen einen im Anmarsch befindlichen Feind. Ein Narrativ, das sofortige „Lösungen“ verlangt, die oberste Priorität haben und denen folglich alles andere untergeordnet werden muss und wird. Dieses Narrativ dient nicht nur der Legitimation einer Miliz, sondern es soll auch all das Übrige rechtfertigen, was vielleicht durch die Propaganda der neuen Verwaltung anders versprochen wird, in der Praxis jedoch entsprechend autoritär daherkommt. „Noch keine Zeit gehabt, sich darum zu kümmern.“ Eben ganz die Propaganda, derer sich auch etablierte Staaten bedienen, wenn sie im Kriegszustand die Arbeiter*innenschaft zu persönlichem Verzicht zugunsten der Interessen der Nation aufrufen und zugleich die militärischen Operationen im In- und Ausland als dringlich, alternativlos, sowie als Grundvoraussetzung für eine Bearbeitung des entsprechenden Problems in der Zukunft darstellen.

Es mag vielleicht überraschen, dass gerade eine antimilitaristische Bewegung dieses Narrativ nicht als ein klassisches Stilmittel der Kriegspropaganda erkennt und man könnte sicher noch seitenlange Überlegungen niederschreiben, warum das so überraschend vielleicht gar nicht ist. Aber ich will stattdessen zum eigentlichen Thema dieses Textes zurückkommen: Wie könnte eine aufständische Perspektive aussehen, die nicht nur den Militarismus des türkischen Regimes, den der NATO und den des IS angreift, sondern die sich eben auch gegen den Militarismus von YPG und YPJ und ihrer sozialdemokratischen bis leninistischen Parteien, der PYD und der PKK, sowie überhaupt gegen jede Herrschaft, auch gegen die dessen, was Demokratischer Konförderalismus genannt wird und sowieso nur in den Augen eines Trotzkisten, der sich kurzerhand zum Anarchisten erklärt hat, als anarchistisch im Sinne des Begriffs gelten kann, richtet?

Fluchtpunkte einer antimilitaristischen Praxis des Angriffs

(i) Die Kriegsproduktion

Jüngere antimilitaristische Kampagnen, die im Burgfrieden dessen, was manchmal die „Festung Europa“ genannt wird, agierten, haben die Produktion von Waffen, Munition und sonstigem Kriegsgerät als ein Feld der Intervention für sich entdeckt. Wenn der aus dieser Produktion stammende Nachschub die Frontlinien des Krieges, die sich anderswo auf der Welt befinden, nicht mehr erreicht, so würde auch der Krieg zum Erliegen kommen. Und tatsächlich: Ohne eine ununterbrochene Kette an Nachschublieferungen wären die Kriege der Vergangenheit und Gegenwart unmöglich fortzusetzen (gewesen). Soweit jedenfalls die Theorie des Ganzen.

Gemessen an ihrer Praxis müssen diese Interventionen bislang jedoch als weitgehend gescheitert betrachtet werden. Blockaden vor Produktionsstandorten der Rüstungsidustrie, oft lange im Voraus angekündigt und somit in die Produktionspläne dieser Firmen einplanbar, hielten oft nur wenige Stunden an und lösten sich nicht selten nach einer gewissen Zeit von selbst wieder auf, als die Teilnehmer*innen der Blockade Hunger verspürten oder in die Annehmlichkeit ihrer Nachtlager zurückkehren wollten, oder an die Rückreise denken mussten, um am nächsten Tag wieder ihrer Arbeit nachzugehen. Ich will mit dieser Beurteilung überhaupt nicht klein reden, dass solche kollektiven Bemühungen des Protests nicht ihren eigenen Wert haben, aber wer glaubt, mit der Teilnahme an einer derart vorhersehbaren, einkalkulierbaren und im höchsten Maße symbolischen Blockade tatsächlich einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kriegsproduktion in dem Maße blockiert wird, dass das irgendeinen Effekt auf die Kriegsführung in den Kriegsgebieten hätte, die*der lügt sich schlicht selbst etwas vor. Aber es gab nicht nur diese Form massenhafter Blockaden: Sabotagen an Gleisen, Brandanschläge auf Firmenfahrzeuge von Rüstungskonzernen und ihren Zulieferern, sowie den Fahrzeugen von Logistikunternehmen, die deren Kriegsgerät verschickten, usw., sowie eine vielleicht noch größere Serie an Farbangriffen auf die Sitze dieser Unternehmen boten und bieten bis heute eine militante Perspektive der Intervention in die Kriegsproduktion.

Und doch: Mir wäre es neu, dass dabei jemals die Nachschublieferungen an die Fronten der Kriege zum Erliegen gekommen wären. Zu geringfügig war die Unterbrechung der Produktion, zu unbedeutend die Sabotage der Logistik. Nichts, was nicht durch eine zusätzliche Nachtschicht aufgeholt hätte werden können. Und der finanzielle Schaden? Nun ja, sagen wir die Geschäftsführungen der betroffenen Unternehmen rechnen in anderen Dimensionen.

Es ist keineswegs meine Absicht, diese Interventionsversuche klein zu reden, Leute zu entmutigen auch dann anzugreifen, wenn der Feind übermächtig zu sein scheint und der eigene Handlungsspielraum im Vergleich zu klein, der eigene Widerstand zu unbedeutend erscheint. All das ist für mich kein Grund, vom Angriff abzusehen. Vielmehr denke ich, dass es sich lohnt, etablierte Strategien von Zeit zu Zeit zu überdenken und gegebenfalls einer Überarbeitung zu unterziehen, wenn sich herausstellt, dass das eigene Handeln in ihnen weitestgehend wirkungslos verhallt oder kalkulierbar wird.

Die heutige Hightech-Produktion – und die Produktion von Kriegsgerät fällt definitiv in diese Kategorie – ist an sich eine äußerst labile Angelegenheit. Sie ist abhängig von zahlreichen teuren und schwer zu beschaffenden Ressourcen – ironischerweise jene Ressourcen um deren Sicherung sich der ein oder andere Krieg dreht – und besteht aus einer langen Produktionskette an Zwischenprodukten und deren Logistik an die Produktionsstandorte, an denen das Endprodukt, sei es nun ein Panzer, ein Militärjet, eine Drohne, ein Raketenwerfer oder irgendetwas anderes, aus tausenden oder Millionen von Einzelteilen zusammengesetzt wird. Die produzierenden Unternehmen durchschauen oft selbst nicht vollständig, wer die Zulieferer ihrer Zulieferer sind und noch weniger, wer deren Zulieferer wiederum beliefert. Das gilt, selbst wenn es in der Rüstungsindustrie – mehr noch, als irgendwo sonst – durchaus Bestrebungen gibt, diese Produktionsketten nachzuvollziehen und – sofern sie für den Produktionsprozess unverzichtbar sind – entsprechend abzusichern, zumindest teilweise auch für die Hersteller von Panzern, Flugzeugen, Drohnen und Co. Es soll in der Geschichte der Produktion von Hightech-Gütern – und auch in der der Rüstungsindustrie – jedenfalls schon das ein oder andere Mal vorgekommen sein, dass Produktionshallen tagelang still standen, weil eine bestimmte Mutter, die nicht ohne weiteres im Baumarkt nachgekauft werden konnte, nicht geliefert worden war oder weil ein Zulieferer Bankrott machte und erst einmal Ersatz für das von ihm gelieferte Bauteil aufgetrieben werden musste. Und als vor einigen Jahren einmal die Weltmarktpreise für seltene Erden explosionsartig in die Höhe schnellten, weil China seine Exporte senkte, da gab es bei den Zulieferern der Autoindustrie – und was man für Autos braucht, das braucht man in der einen oder anderen Form oft auch für gepanzerte Fahrzeuge – erhebliche Lieferengpässe.

Ich will hier aber gar nicht allzu konkret werden. Jedenfalls scheint mir die Möglichkeit interessant zu sein, dass jenseits der oft mit Militärtechnologie überwachten, direkten Produktionsstandorte der Rüstungsindustrie in meist ohnehin unsympathischen Gegenden die vernachlässigte industrielle Peripherie dieser Sparte manchmal entlegen in kleinen Käffern, manchmal am Rande irgendwelcher weitaus sympathischeren Industriegebiete der Großstädte schlummern mag und eine große Menge Potenzial für zündenden antimilitaristischen Ideenreichtum liefert.

Auf eine ähnliche Art und Weise ließe sich vielleicht auch im Bereich der Logistik strategisch nachbessern. Die oftmalige Güterschienennetzanbindung der Produktionsstandorte von Rüstungsunternehmen und die Namen der Logistikunternehmen der die Werkstore passierenden LKWs könnten hier Ansatzpunkte offenbaren, auch wenn ich denke, dass der qualitative Gewinn für eine antimilitaristische Praxis des Angriffs hier vor allem darin bestehen könnte, tatsächliche Frachten an die und von der Rüstungsindustrie auszumachen und zu blockieren/zerstören, wenn nicht gleich das gesamte logistische System, in dem diese verschifft, verladen, mit der Bahn oder dem LKW transportiert werden angegriffen und sabotiert wird, anstatt sich auf – in diesem Sinne eher symbolische – Angriffe auf diese Logistikunternehmen im Allgemeinen zu beschränken, die zwar sicherlich einen finanziellen Schaden anrichten, jedoch effektiv kaum Auswirkungen auf den reibungslosen Betrieb der Kriegsproduktion haben dürften.

Dabei bleibt zu bemerken, dass verschiedene aufständische Projekte der Vergangenheit vor allem dort Erfolge verzeichnen konnten, wo sie entsprechende Schwachstellen in Produktions- und Lieferketten identifizierten und ihre Angriffe auf diese konzentrierten.

(ii) Die Infrastruktur des Krieges

Armeen fürchten seit jeher Wälder, Berge und Wildnis, sprich jene Umgebungen, in die ihre Zivilisation bislang nur spärlich oder überhaupt nicht vorgedrungen ist und in der es ihnen an notwendiger Infrastruktur, sowie oft auch an geografischem Wissen und Erfahrung mangelt, um ihre Umgebung erfolgreich zu kontrollieren. Kein Wunder, dass eigentlich sämtliche Spezialabteilungen des Militärs ihre „Elitesoldaten“ auf – außerhalb einer militärischen Ausbildung Todesmärsche genannte – Expeditionen durch die raue Wildnis schicken, sie entgegen der üblichen militaristischen Logik darin üben, in gewisser Weise eigenverantwortlich zu agieren, eigene Entscheidungen zu treffen und unabhängig von den Bewegungen anderer Einheiten ihrer Armeen zu kämpfen. Diese Spezialabteilungen sind das militärische Instrument, um in Gebiete vorzudringen, die frei sind von einer für die übliche militärische Intervention notwendigen, minimalen Infrastruktur. Aber gewissermaßen handelt es sich bei diesen Einheiten um ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Moderne Kriegstechnologie baut vor allem auf Drohnen, Satteliten, Aufklärungsflüge, (Infrarot-)Überwachungstechnologie, usw., um jederzeit selbst in die entlegensten Gebiete dieser Welt vordringen zu können. Und in den wenigen Fällen, in denen sich in der Vergangenheit die Wildnis als allzu undurchdringbar erwies, wusste man sich mit Pflanzengiften, Napalm und anderen biochemischen Waffen zu helfen. Die römischen Legionen rodeten Wälder, um das geeignete Schlachtfeld für ihre Truppen zu schaffen, die US-Army versprühte das Umweltgift „Agent Orange“, um ihre Feind*innen aus der Deckung zu locken. Das sind natürlich nur zwei der populärsten Beispiele dafür, wie sehr die totale Kontrolle über ihre Umgebung damals wie heute eine bedeutende Rolle für Militärs spielte. Auch wenn die strategische Zerstörung der Umwelt auch heute noch eine wichtige Rolle in diesem oder jenem militärischen Konflikt spielt, so lässt sich doch behaupten, dass die Kriegstechnologie zumindest nach Wegen sucht, Umweltzerstörungen eines solchen Ausmaßes (im Zuge ihres lokalen Einsatzes, denn natürlich zerstört alleine die Rohstoffproduktion für Militärgerät die Umwelt in gigantischem Ausmaß) nach Möglichkeit zu vermeiden und stattdessen mithilfe von HighTech in jeden bislang „toten Winkel“ vorzudringen.

Dabei spielen längst nicht nur die militärischen Technologien eine Rolle, mit denen bislang unbekanntes „Feindesland“ ad hoc während oder im Voraus einer militärischen Intervention erschlossen werden soll, sondern gerade dort, wo sich Kriege vornehmlich gegen einzelne Bevölkerungsgruppen in einem ansonsten erschlossenen Gebiet richten, seien es indigene Bevölkerungen, Rebell*innen, Invasor*innen, das was heute mit dem Begriff Terrorist*innen gemeint ist, oder schlicht verarmte Bevölkerungsteile, die nicht bereit sind, dem Bau einer Mine, einer Fabrik, einer Straße, usw. zu weichen, sind es vielmehr die „zivilen“ Technologien, die den Armeen und/oder der Polizei oder auch privaten Sicherheitskräften den Weg bereiten. Alles was dazu beiträgt, den Raum kontrollierbar zu machen, lässt sich selbstverständlich auch militärisch zu eben jenem Zwecke nutzen. Auf Straßen und Schienen kann das Militär schnell in jeden erschlossenen Winkel vordringen, Brücken helfen dabei, natürliche Hindernisse wie Flüsse, Schluchten und Täler zu überwinden und landwirtschaftlich genutzte Flächen ermöglichen es nicht nur, große Areale von einem einzigen Aussichtspunkt aus zu überblicken, sondern sie erleichtern vor allem auch das Vorrücken abseits der Straßen; soweit dürfte man das schon einmal mitbekommen haben. Tatsächlich sind dies jedoch nur die offensichtlichsten Infrastrukturen derer sich die Armeen bedienen. Für die Schiffahrt mithilfe von Schleusen und Talsperren begradigte und vertiefte Flussläufe ermöglichen einen verlässlichen Transport von Kriegsgerät bis weit ins Inland hinein, Häfen ermöglichen das schnelle Landen von Kriegsgerät, ebenso wie nicht nur Flughäfen militärisch genutzt werden können, sondern auch diverse schnurgerade Autobahnabschnitte als Start- und Landebahnen für Kampfflugzeuge dienen und teilweise auch als solche angelegt sind.

Jenseits einer solchen logistischen Infastruktur benötigt ein modernes Heer natürlich auch eine stabile und verlässliche Kommunikationsinfrastruktur. Eigens militärisch genutzte Sattelitenkommunikation, deren Bodenstationen sich auf Militärbasen überall auf der Welt befinden und vom Militär mobil aufgespannte Ad-Hoc-Funknetzwerke, über die verschiedene Einheiten untereinander und mit ihrem Kommandostab kommunizieren können sind ebenso zu nennen, wie bereits etablierte und durch diverse Funkmasten aufgespannte Behördenfunk- und Mobilfunknetze, die sich selbstverständlich auch zu militärischen Zwecken anzapfen lassen (der Behördenfunk ermöglicht es der Polizei immerhin bereits von beinahe überall nach Verstärkung zu funken). Insbesondere Drohnen und jede andere Form von unbemanntem Vehikel benötigt derartige Funknetze, um Informationen zu übermitteln, sowie Kommandos zu empfangen. Auch das vorrangig für das Internet verlegte Glasfasernetz lässt sich zu militärischer Kommunikation nutzen und ein funktionierendes Stromnetz, das so gut wie überall eine beinahe unbeschränkte Menge an Energie zu liefern vermag erleichtert jede militärische Operation. Nicht zu vernachlässigen ist dabei vor allem auch die in Städten überhand nehmende Beleuchtung, die es selbst Nachts ermöglicht, hunderte Meter weit in Straßenschluchten, Parks, Hinterhöfe, usw. hineinzublicken und aus der Nähe beinahe in jede dunkle Ecke blicken zu können. Und die ebenfalls überhand nehmende Videoüberwachung ermöglich schon jetzt ein immer engmaschigeres Netz polizeilicher Kontrolle.

Wir leben in einer vermessenen und kartographierten Welt, die solange ihre Infrastruktur intakt ist, militärisch leichter zu kontrollieren ist, als dies den Anschein macht, wenn man sich die Berichte über militärisch schwer kontrollierbare Guerilla-Widerstandskämpfer in anderen Teilen der Welt verinnerlicht. Dazu ist es jedoch erforderlich, sich in dieser Welt jenseits der kontrollierten Pfade bewegen zu lernen, eine Fähigkeit die nicht einfach über Nacht erlernt werden kann, ebenso wie es erforderlich ist, die neuralgischen Punkte ausfindig zu machen, die die kritischen Infrastrukturen zum kollabieren bringen. Und diese – selbst wenn im Detail – nur zu kennen genügt vielleicht nicht, wie in dem Text „Fahrtenbuch“ (Die Reihen durchbrechen) argumentiert wird, es bedarf auch des spezifischen Wissens, wie diese erfolgreich sabotiert werden können, von der Herstellung der dafür erforderlichen „Betriebsmittel“, bis zu deren fachgemäßen bzw. unfachgemäßen Gebrauch.

Ich denke, dass gerade dieser Aspekt des Wissens in Ländern, in denen gerade kein offener Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt wird, oft unterschätzt wird. Umso bedeutender wird dieses Wissen in dem Szenario eines Aufstandes, auf den wir schließlich nicht nur alle gespannt warten, sondern auf den wir uns auch vorbereiten. In einer solchen Situation zu wissen, wie die Infrastruktur des Krieges unschädlich gemacht werden kann, das könnte sich womöglich als entscheidend erweisen.

(iii) Die Kriegspropaganda

Für das Funktionieren des Militarismus und insbesondere für die Mobilisierung nicht nur der Soldat*innen im Kriege, sondern auch jener Teile der Bevölkerung, die einen Krieg immer mittragen, ist in der heutigen Epoche die Propaganda von entscheidender Bedeutung. Vielleicht vergleichbar mit der Weltkriegspropaganda erweist sich heute die Virenkriegspropaganda, die wir seit über einem Jahr erleben. Längst sind alle Medien, von den Zeitungen, übers Radio und Fernsehen bis hin zu den sogenannten sozialen Medien auf eine Art und Weise gleichgeschaltet, die ich persönlich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Und alle machen sie mit, vom wirtschaftsliberalen Tagesblatt bis zur linken Monatszeitschrift, vom Staatsrundfunk bis hin zu Techgiganten wie Google und Facebook, die auf ihren Internetplattformen die staatliche Sicht der Pandemie prominent bewerben und kritische Stimmen entweder algorithmisch abwerten und somit verstecken oder unverhohlen zensieren. Wer hätte das gedacht, dass die Unternehmen, die einst (natürlich zu Unrecht) von sich behauptet hatten, den Arabischen Frühling möglich gemacht zu haben, nun, wo es die westlichen Staaten sind, die (Internet)zensur vorantreiben, sich so bereitwillig als Vollstrecker andienen. Achso, ja, eigentlich stand das zu erwarten.

Die gesamte Kommunikationstechnologie, von der Zeitung über den Rundfunk bis hin zum Cybernetz, sie war schon immer das Mittel der Wahl propagandistischer Indoktrination. Wie sonst könnte man auch die Massen erreichen. Die heute vielfach behauptete Medienvielfalt, sie existiert ebensowenig wie das Internet ein Instrument der Meinungsfreiheit ist. All diese Technologien erweisen sich im Kriegszustand mehr als jemals zuvor als Werkzeuge der Propaganda.

Auch wenn man sicherlich so einiges darüber sagen könnte, mit welchen Strategien die Herrschenden es erreichen, bei einem Großteil der Bevölkerung nicht nur die notwendige Angst vor dem Virus zu schüren, sondern sie auch gleich noch auf die Notwendigkeit des längst tobenden Virenkrieges einzustimmen, so wäre diese Analyse im Endeffekt doch unnötig, würde vielleicht sogar nur den Herrschenden etwas bringen, die ihre Mechanismen dadurch verfeinern könnten. Aus der notwendigen Distanz betrachtet, muss man meines Erachtens nach zu dem Resultat kommen, dass es die schiere Existenz von Massenmedien ist, die diese Kriegspropaganda ermöglicht und folglich eine effektive Bekämpfung dieser nur auf die Zerstörung dieser Massenmedien hinauslaufen kann.

Eine Randnotiz an zwei feuereifrige Influencer aus Dortmund

Mit dem öffentlichen Verbrennen einer Bibel konnte man früher wie heute ja noch ganz gut provozieren, aber ob das Verbrennen einer Zeitung, die sich „Zündlumpen“ nennt, geeignet ist, einen Skandal auszulösen? Ich glaube mit dieser Einstellung werdet ihr es nicht sehr weit bringen im Showgeschäft, ebenso wie ihr euch vielleicht noch einmal überlegen solltet, warum a) das Abbrennen eines Zündlumpens kein Selbstzweck ist und b) warum euer videografisch dokumentierter Versuch so kläglich verlaufen sein könnte … (ein kleiner Tipp fürs nächste Mal: Vorm Anzünden tränkt der*die geübte Brandstifter*in einen Zündlumpen – und zwar nicht in Wasser)

Momenten ist ja viel die Rede davon, ob Corona oder Influenza schlimmer ist, ich will mich da nicht festlegen. Sicher ist aber, dass Influencer überhaupt die allerschlimmsten sind.

Mehr habe ich euch auch gar nicht zu sagen.

Wer sich für Jesus hält, „sollte“ von Anarchie schweigen …

„Denn sie wissen, was sie tun“, das ist der Titel eines Aufrufs, den Zündlumpen, die „in einem Maße technik-feindliche“ Zeitung In der Tat, „dass sie es nicht über sich bringt, ihre Publikation im Internet einem möglichst breiten Publikum zur Verfügung zu stellen“, sowie, wenn ich es richtig verstehe, ein Graffito und ein Plakat zu boykottieren. Warum sich die Unterzeichner*innen mit einem seine Lehren der Barmherzigkeit verwerfenden Jesus vergleichen, weiß ich nicht. Aber anders als der ans Kreuz geschlagene Jesus, der seinem Vater, Gott zuruft, seinen Kreuzigern zu vergeben, „denn sie wissen nicht, was sie tun“, dürstet es die Unterzeichner*innen wohl eher nach Vergeltung. Vergeltung für etwas, von dem vermutlich nicht einmal sie selbst so genau wissen, was das sein soll. Aber wen interessiert das schon? Sehen wir uns doch lieber die Bergpredigt dieser Jesusse an, vielleicht enthüllen uns ihre Lehren des Altruismus, der „Solidarität“ und der „überwiegend notwendigen Maßnahmen und Einschränkungen“ ja entgegen aller Erwartungen doch noch irgendwelche Weisheiten.

Das Gleichnis von derjenigen, die lieber an Corona sterben wollte, aber dann doch social distancing betreiben musste

Es stand einmal an einer Mauer – und irgendwo dahinter munkelt man, sei ein Pflegeheim gewesen –, der Spruch „I’d rather die of corona than live in a social coma“, was so viel bedeutet wie „Lieber sterbe ich an Corona, als in einem sozialen Koma zu leben.“ Da ging eine*r vorbei und las dieses Graffito und ärgerte sich sehr. Er*sie war nämlich mäßig begeistert davon, dass da jemand auf die Idee gekommen war, nicht in einem sozialen Koma, sprich einem Lockdown zu leben bzw. leben zu wollen. Überhaupt schien diese Person im Allgemeinen nicht besonders viel Ahnung von irgendetwas zu haben, sie war ja das letzte Jahr kaum vor die Tür gekommen und hatte wohl auch nur sehr wenige soziale Kontakte gehabt. Sonst hätte sie vielleicht gewusst, dass es sehr viele „pflegebedürftige Menschen“ gibt, die gar nicht selbst entscheiden, ihre Kontakte zu „reduzieren“, sondern die in ihren Einrichtungen regelrecht eingesperrt wurden und werden. Aber leider hatte die medial bis zum Erbrechen wiederholte staatliche Propaganda dieser Person so gehörig das Gehirn gewaschen, dass sie glaubte, dass die Eingesperrten im Altersheim doch tatsächlich allesamt freiwillig Gefangene wären. Und mit derartigen Gedanken beschäftigt entging dieser Person sogar, dass es eigentlich gar kein „Vorschlag“ war, der dort an der Wand stand, sondern der individuelle Wunsch der verfassenden Person. Aber individuelle Bedürfnisse waren dieser Person ohnehin fremd. Es ging ihr ja nicht um das Individuum, sondern um etwas ganz anderes … [1]

Das Gleichnis derjenigen, die „Egoismus über ur-anarchistische Werte wie Solidarität, Respekt und gegenseitige Hilfe stellten.“

Zu dieser Zeit begab es sich aber, dass eine Zeitung, die sich bereits voll Stolz aus dem „Spektrum der ernstzunehmenden Projekte“ – zumindest aus Sicht dieser Person – verabschiedet hatte, schrieb, dass wer auch immer fände, dass „die halbe Menschheit, wenn nicht sogar die ganze eingesperrt“ gehöre – denn es ist zwar ein weit verbreiteter, aber dennoch ein Irrglaube, dass Leute, die das finden und bei denen man „angesichts ihres schwächelnden Zustands“ nicht davon absehen mag, von uns nicht „eins auf die Fresse“ bekommen würden –, folgerichtig „eins auf die Fresse verdient hätte“. Und das ärgerte die Person noch viel mehr. Und da dachte sie sich: Wenn ich diese Aussage und die erläuternden Sätze drum herum nur gänzlich verdrehe, dann kann ich sie mit „Euthanasie-Programmen der Nazis“ vergleichen. Und so merkte sie gar nicht, dass sie in ihrem Wahn eigentlich nur wirr redete. Die Einsperrung der Menschheit wird so zu einem „Mindestmaß an Solidarität“ in der „anarchistischen Weltanschauung“ dieser sich allzu altruistisch gebenden Person, die offenbar mindestens noch einmal nachlesen sollte, was die Begriffe „Sozialdarwinismus“, „Egoismus“ und „Euthanasie“ bedeuten.

Das Gleichnis derjenigen, die es nicht über sich brachten ihre Publikation im Internet einem möglichst breiten Publikum zur Verfügung zu stellen

Dieses Gleichnis findest du nur in der Printausgabe, es ist aber das Witzigste.

Und die Moral von der Geschicht?

Ach komm, als würde ich eine Geschichte mit einer Moral erzählen.

Manch eine*r findet ja: „Mit Leuten, die diese Grundsätze nicht begriffen haben, kann man als Anarchist*in nicht unter einer Fahne laufen.“ Ich vertrete da eine gänzlich andere Meinung: Wer als Anarchist*in unter einer Fahne läuft … naja, muss ich es wirklich sagen?

Ein*e Anarchist*in


[1] Meine Interpretation ist, dass es dieser Person sowie all den anderen, die die besagte Bergpredigt mit unterzeichnet haben, sozusagen um das Gegenteil geht, nämlich darum eine Art von Moral aufzustellen, mit der die individuellen Bedürfnisse, Sehnsüchte, Verlangen, usw. gebunden werden sollen.

Über Tyrannenmorde und Briefbomben

Ein Nachtrag

Ich scheine mich in dem Artikel Corona und der Totalitarismus des Technologischen (Zündlumpen #078) missverständlich ausgedrückt zu haben, zumindest scheint mir eine Auslegung meiner Worte zu kursieren, die ich so jedenfalls nicht gemeint habe. Vielleicht sind es auch die sarkastisch gemeinten – an sich unnötigen, aber aus einer Gemütslage der Belustigung ergänzten – Post-Scriptum-Notizen, die schließlich die Entstellung des Gesagten vollenden. Wie auch immer. Als ich am Ende des Artikels folgendes schrieb, wollte ich damit nicht ausdrücken, dass ich per se für ein Wiederaufleben der Waffe der Briefbombe sei und schon gar nicht, dass ich es für eine per se kluge Idee halte, eine*n x-beliebigen Briefträger*in mit einer hochexplosiven, tödlichen Sendung auf den Weg zu schicken:

In einer Welt, in der man letztlich höchstens als Postbot*in ins Freie zu treten vermag, mag sich der*die eine oder andere vielleicht auch unwillkürlich des eingangs erwähnten Beispiels von der Briefbombe für den Autoren von Mirror Worlds erinnern. Was wäre auch naheliegender, wo doch auch sonst alles in Paketen seinen Bestimmungsort erreicht? Und wenn es auch nicht die Freiheit sein mag, die da im Inneren eines Päckchens zwischen den täglichen Amazon-Bestellungen vor sich hin schlummert, so wäre es doch vielleicht ein Schritt in ihre Richtung.

Aber besser noch, als sich nur der Tyrannen der Spiegelwelten zu entledigen, wäre doch, wir würden nicht zögern, auch den Spiegel ein für alle Mal zu zertrümmern, der hier freilich statt aus Glas aus Glasfasern und Funkwellen besteht.

Vielleicht ist die Briefbombe eine verunglückte Metaphorik gewesen. Warum sollte man, wenn man als „Postbot*in ins Freie [tritt]“ und an der Türe irgendeines Herrschenden klingelt nicht auch gleich einen Revolver benutzen? Sei’s drum. Die Briefbombe erschien mir wegen des eingangs erwähnten Beispiels vom Angriff des Freedom Clubs auf David Gelernter, dessen Spiegelwelten-Metapher mein Text aufgreift und dem Querverweis auf die Amazon-Päckchen passender. Aber vielleicht hätte der scheinbar rein positiven Bezugnahme auf den Freedom Club auch zumindest ein Verweis auf meine eigene Kritik an einigen dessen Grundannahmen vorangehen können … Vielleicht lohnt sich das ja auch einmal in einem zukünftigen Artikel, denn zumindest angesichts der jüngsten Episode der Technologisierung könnte es sich auch lohnen, einige Passagen aus Industrial Society and its Future erneut zu lesen.

Aber hier will ich mich nun auf einige Nachträge beschränken, die das Mittel der Briefbombe betreffen. Vielleicht ist das eigentlich auch langweilig, weil mein Vorschlag ohnehin auf die „Zertrümmerung des Spiegels“ abzielte, also die Zerstörung der Infrastruktur, die dieses technologische Delirium, in dem wir uns wiederfinden, ermöglicht. Vielleicht ist es müßig in jedem Detail nachzuzeichnen, was mich veranlasste, auch Überlegungen zum Tyrannenmord anzustellen, aber bedeutend scheint mir in diesem Kontext einerseits zu sein, dass derzeit durchaus Kritiken kursieren, die sich mit der spezifischen Rolle der (neuen?) Tyrannen des globalen Lockdowns beschäftigen und denen ich zumindest insofern etwas abgewinnen kann, dass ich durchaus sehe, dass es spezifische Akteur*innen gibt, die diese Entwicklung entscheidend vorantreiben, um ihre Profite aus ihr zu ziehen, andererseits, was vielleicht aus ersterem resultiert, dass wo eine vormals demokratische Herrschaft sich de facto wieder zu einer „archaischeren“ Form, einer Herrschaft im Ausnahmezustand, einer Herrschaft eines oder weniger Tyrannen zu entwickeln scheint, vielleicht auch das in der Demokratie – wegen des scheinbar endlosen Nachschubs an Tyrannen? – an Bedeutung eingebüßt habende Mittel des Tyrannenmordes wieder an Bedeutung gewinnen könnte. Ich habe dazu keine abschließende Meinung. Gerade in Zeiten jedoch, in denen die scheinbare Allmacht einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe von Personen so sehr in den Vordergrund tritt, dass sie jeglichen Widerstand dadurch zu lähmen droht, da entfesselte die Ermordung eines oder mehrerer dieser Tyrannen, seien es nun Zaren, König*innen, Diktator*innen, Polizeipräsident*innen, Richter*innen oder Industriebosse gewesen, diesen Widerstand manchmal. Und dabei ist es egal, ob es eine Granatenexplosion, Ein Schuss aus einem Revolver, ein Stich mit einer Feile oder eben eine Zeit-/Briefbombe ist, die zum Abtreten des Tyrannen führt. Oder nicht? Es macht sicher einen gewaltigen Unterschied, warum ein bestimmtes Mittel gewählt wird und natürlich auch, ob es seinem Zweck schließlich gerecht wird. Als Georg Elser damit scheiterte, Hitler durch eine zeitgezündete Bombe bei einer Rede vor einigen seiner fanatischsten Anhänger*innen zu töten, musste er wie viele vor und nach ihm die bittere Erfahrung machen, dass gerade dann, wenn man sich technologischer/technischer Mittel zur Begehung einer Tat bedient, die die Auslösung in die Zukunft verschieben, einem auch zunehmend mehr die Kontrolle über deren Verlauf entgleitet. Um 13 Minuten verfehlte Elser sein Ziel, stattdessen starben acht Personen und 63 weitere wurden verletzt. Bis auf die Angestellten der Brauerei (zumindest diejenigen, die nicht ebenfalls Nazis waren) in der die Explosion stattfand, allesamt Nazi-Funktionäre oder solche, die zum Aufstieg des Nationalsozialismus beigetragen hatten. Alternativ auch nicht schlecht, aber das Beispiel gehört wohl zu den wenigeren Fällen von Bombenattentaten, die auch unbeabsichtigte, aber in Kauf genommene Opfer forderten, von denen sich schwerlich sagen lässt, dass ihr Tod oder ihre Verletzungen auch nicht schlecht im Hinblick auf das verfolgte Ziel der*des Attentäter*in waren. Bevor eine zweite Granate im März 1981 endlich den Zar Alexander II tötete, tötete die erste, die seine Kutsche beschädigte und den Zaren zum Aussteigen zwang, beispielsweise auch einen Passanten und verletzte mehrere andere. Nur ein*e Feind*in des Individuums könnte das als „Kollateralschäden“ abtun, auch wenn es ebenso unnötig ist, die Attentäter*innen deshalb moralisch zu maßregeln.

Moralische Maßregelung ist ohnehin niemals das Niveau, auf das eine Debatte über unsere Mittel hinauslaufen sollte, wohl aber sollten wir einander kritisieren, wenn das eine oder andere gewählte Mittel in einem bestimmten Kontext sich als nicht mit antiautoritären Zielen vereinbar entpuppt. Und so verhält es sich eben auch mit Briefbomben. Auch wenn dies nicht wirklich mein Vorschlag war (zumindest meinte ich durchaus, dass man selbst die*der Postbot*in wäre), so kann ich gut nachvollziehen, dass eine Briefbombe, mit der man statt sich selbst, die*den Postbot*in, die*der sie ausliefert, in Gefahr bringt, nicht gerade das Musterbild antiautoritären Handelns ist. Es mag zwar bequem sein, die Logistik des Systems zur Übermittlung des eigenen Widerstands an seinen Bestimmungsort zu gebrauchen, aber wo wir uns auf diese hierarschische und unterdrückerische Institution verlassen, können wir nicht von uns behaupten, dass unser Gebrauch von ihr antiautoritär wäre, nur weil es unser Ziel ist, eine der Autoritäten des Systems anzugreifen. Und auch wenn dies nun nicht im Entferntesten etwas mit meinem Vorschlag zu tun hat, aber manchmal vielleicht ebenfalls mit Briefbomben in Verbindung gebracht wird, so bleibt mir der antiautoritäre Gehalt einer Briefbombe schleierhaft, die – sei es aus Bequemlichkeit oder aus anderen Gründen (z.B.: öffentliche Aufmerksamkeit) – an das Büro einer Institution geschickt wird, wohlwissend, dass sie dort nicht von den Verantwortlichen entpackt werden wird, sondern von irgendwelchen niederen Angestellten. Aber selbst wenn ich eine Briefbombe an eine*n der Herrschenden persönlich adressiere, aber weiß oder zumindest annehmen muss, dass dessen*deren Post nicht von ihr*ihm selbst bearbeitet, sondern von einem Büro, einer*m Sekretär*in geöffnet wird, so erscheint mir dieser Akt mehr als nur zynisch zu sein, ein Akt, der das die Briefbombe entpackende Individuum verachtet, es als Opfer für eine zweifelhafte Drohgebärde (denn warum sollte sich der Tyrann bedroht fühlen, wenn er doch weiß, dass all seine Post von solchen Sklav*innen entpackt wird und man sie*ihn auf diesem Wege auch in Zukunft nicht treffen wird) in Kauf nimmt, weil ich entweder zu faul oder zu feige war, einen besseren Weg zu ersinnen. Es scheint mir etwas anderes zu sein, im Versuch sie*ihn zu töten auch die Leibgarde einer*s Tyrann*in zu töten, weil diese zwischen ihr*ihm und mir steht und es mir willentlich verunmöglicht, an sie*ihn heranzukommen. Aber ein Mitglied der „Leibgarde“ (in Anführungszeichen, weil das Briefe-entpacken vermutlich in der Regel aus administrativen Gründen, nicht zum Schutze der*des Tyrann*in durch Angestellte erfolgen dürfte) zu töten, weil ich dem*der Tyrann*in Angst machen will und vielleicht noch den unwahrscheinlichen Wunsch hege, dass die*der Tyrann*in zufällig in der Nähe ist, wenn eine Briefbombe explodiert, das ist kein Angriff in diesem Sinne, sondern ein politisch-symbolischer Akt auf Kosten eben dieser Person.

Diesen Gedanken will ich verstanden wissen, bevor ich überhaupt über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, den Sinn und Unsinn eines modernen Tyrannenmordes in der techno-industriellen Zivilisation nachdenken will und mir leuchtet ein, dass ich das in meinem vorherigen Artikel nicht genügend klar gemacht habe, als ich dies alles mehr in einer Nebenbemerkung abspeiste, als sorgfältiger auszuführen, was ich damit meine. Ich denke ich will mich auch in diesem Nachtrag nicht viel ausführlicher mit diesem Thema beschäftigen, als ich es nun schon getan habe, einerseits weil ich meine Gedanken dazu noch nicht hinreichend sortiert habe, andererseits, weil ich die bei weitem interessantere Perspektive darin sehe, die technologische Infrastruktur zu sabotieren und zu zerstören, ohne die die modernen Tyrannen ihre neue Herrschaft vielleicht gar nicht erst voll entfalten können und die alten, potenziell im Aussterben begriffenen Tyrannen ebenfalls Schwierigkeiten haben werden, ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten. Jedenfalls scheinen mir Angriffe dieser Art ein Durchbrechen dessen, was ich zuvor Spiegelwelt genannt habe, einen Ausbruch aus dem technologischen Delirium des Internets und seiner virtualisierten Erfahrung der Welt also, zu ermöglichen. Und dies erscheint mir eine der Grundbedingung dafür zu sein, dass der der Technologisierung zugrunde liegende soziale Konflikt ausgetragen, der soziale Krieg gegen die techno-industrielle Zivilisation seinen Lauf nehmen kann.

Wenn ich schon einen Todesvirus „verbreite“, warum dann nicht „freudig“?

Eine leicht angepisste (ernsthaft, „Was ist eure Position zu Ökoterrorismus bzw. -faschismus?“) Antwort auf einen Leserbrief zum Artikel „Alkoholverbot statt Ausgangssperre

Sind Massensterben und Tod irgendein ein fruchtbarer Boden für ein freiheitliches Leben? Wohl kaum. Und als Autor*in des Artikels „Alkoholverbot statt Ausgangssperre“ würde es mich doch wundern, das gesagt zu haben. Und doch findet sich in diesem Artikel das folgende Zitat – das ich gleich noch weiter kontextualisieren will:

„Nein, wenn ich hier die Logik der Argumente für unsere Einsperrung untersuche, dann nur um zu beweisen, wie idiotisch das Ganze ist, ohne dabei zu verschleiern, dass selbst wenn Covid-19 den Untergang der Menschheit bedeuten würde, ich noch immer die orgiastisch-gewissenlose und freudige Verbreitung eines Todesvirus der sterilen Langeweile und dem vereinsamten sozialen Massensterben vorziehen würde.“

Ist die „einzige Art und Weise mit einer tödlichen Pandemie anti-autoritär umzugehen […] diejenige […], die „freudige Verbreitung eines Todesvirus“ zu betreiben?“, wie du fragst? Habe ich das gesagt? Ich sprach davon, was ich  aus diesen beiden Optionen vorziehen würde. Ebenso wie du finde ich es auch müßig, mir hier irgendwelche Gedanken über meine Möglichkeiten außerhalb dieser „unterjochten Welt“ zu machen. „No Future“ eben. Nein, was ich in diesem Zitat tue, ist zwei – mehr oder weniger genau so – im Raum stehende Möglichkeiten zu vergleichen, die beide in dieser Welt entstanden sind. Ich übernehme dabei freilich auch ein von außen übergestülptes Narrativ – das des absichtlich Corona-verbreitenden Partygängers – auf eine mehr oder weniger sarkastische Art und Weise, das so freilich völliger Unfug ist, denn auch wenn man sich allgemein sicher gerne darüber lustig macht, die Erzählung der „gewissenlosen Superspreader“ für sich übernimmt, so dürfte am Ende doch jede*r mit ein bisschen Sinn für Sarkasmus erkennen, dass Ziel der von mir als „orgiastisch-gewissenlose und freudige Verbreitung“ beschriebenen Weiterführung des Lebens nicht das Verbreiten von Corona oder eben eines gedachten Todesvirus ist, sondern eben sich zumindest nicht auf eine Art und Weise einzuschränken, der umgekehrt „sterile Langeweile und […] vereinsamte[s] soziale[s] Massensterben“ gegenübergestellt wird. Aber vielleicht ist der konkrete Anlass für die Wahl meiner Benennung auch nicht so wichtig und lenkt eher vom Thema ab.

Wichtig finde ich dagegen durchaus, und ich glaube, das weißt du bereits, was ich in meinem Text mit „verbreiten“ meine. Wie verbreitet man ein Todesvirus freudig, könnte man fragen. Und die Antwort ist: Indem man es nicht absichtlich tut, aber eben auch nicht so tut, als gäbe es eine Möglichkeit, auf die Verbreitung des Virus auf einer individuellen oder auch nur kollektiven Ebene zu verzichten. Für mich ist es nicht das individuelle Verhalten und auch nicht das kollektive Verhalten innerhalb der Strukturen unserer Zivilisation, das eine Ausbreitung des Virus verhindert oder befördert. Für mich ist es die Zivilisation, in der wir leben, selbst, die die Verbreitung des Virus – sei es nun ein Todesvirus oder nicht –, bestimmt. Zunehmend sich einander angleichende Lebensbedingungen, Massenmobilität, sowie die kurze Zeitdauer in der es möglich ist, beliebige Strecken zurückzulegen, die globale Vernetzung der Logistik des Kapitalismus, durch hygienische Umgebungen und Gebräuche, sowie einer stets sofortigen medikamentösen Einwirkung verlorengegangene Immunkräfte der Menschen, und vieles mehr, all das spielt für mich eine weitaus größere Rolle für die Verbreitung eines (Todes-)Virus, als es mein individuelles Sozialverhalten – was ja auch nicht ohne das Verhalten meines Gegenübers stattfindet – jemals könnte. Wenn ich also davon spreche, ein Todesvirus „freudig [zu] verbreiten“, dann meine ich nicht etwa, mit einer Spritze umherzulaufen und es anderen zu injezieren (was vielleicht der Ansatz irgendwelcher Ökoterrorist*innen bzw. -faschist*innen wäre, wenn du schon nach meinem Verhältnis zu diesen Ideologien fragst), ja nichteinmal, dass ich mich in ein Flugzeug setze und möglichst viele Orte aufsuche, um in Kontakt mit möglichst vielen Menschen zu kommen, nein ich meine damit raus zu gehen, auf die Straße (den Eintritt in einen Club, ins Theater oder sonstwohin, wo sich drinnen viele Leute versammeln könnte ich mir sowieso nicht leisten, selbst wenn er offen hätte, und ich wollte vermutlich auch nicht) und einfach weiterhin Menschen in meinem Umkreis zu treffen. Das kann freilich niemand so genau wissen, wenn sie*er das Wort „verbreiten“ hört, magst du nun teilweise zu Recht, teilweise zu Unrecht entgegnen. Aber ich denke doch, dass der Kontext meiner Äußerung zumindest das (Ökofaschismus-) Extrem des mit der Spritze rumlaufens oder irgendwie anders ganz bewusst einen Todesvirus in Umlauf bringens, verneint haben dürfte. Falls nicht, dann wäre das aber zumindest jetzt hoffentlich geklärt.

Aber warum dieses „freudig“? Naja, Gegenfrage: Warum denn „traurig“, „schlechten Gewissens“, „emotionslos“, usw.? Warum nicht zur Abwechslung mal freudig? Wenn wir uns tatsächlich in der hoffnungslosen Situation des „Ein Todesvirus geht um“ befänden, würdest du es dann vorziehen, darüber zu verbittern? Ich jedenfalls nicht.

Und will ich „den ‚Untergang der Menschheit‘ vorantreiben?“ Oder wäre ich darüber erfreut? Ich denke das kommt darauf an, wie man den Begriff Menschheit deuten will. Wenn du darin nichts mehr als die Gesamtheit der Menschen siehst, dann freilich nicht, wenn du darin die Spezies Mensch siehst, also vor allem die Frage, ob die Menschen sich eine weitere Generation reproduzieren können, dann ist es mir egal und wenn du darin irgendein Ideal siehst, dem alle Menschen irgendwie unterworfen sind – ohne das jetzt hier im Detail auszuführen, aber gerne ein anderes Mal –, ein Ideal, das auch die Zivilisation zu beinhalten scheint, dann lautet meine Antwort ja. Ja, ich denke ich will den „Untergang der Menschheit“ vorantreiben, auf dass wir uns irgendwann nicht mehr als Menschen, sondern als Individuen begegnen, als einzelne Entitäten und nicht als verschiedene Abbilder desselben Ideals. Aber ich denke das ist nicht das, was du unter Menschheit verstehst.

In deiner falschen Binarität „einer generellen Misanthropie oder […] Zynismus und Arroganz“, in der du meine Äußerung siehst, will ich mich gar nicht verorten und auch die Vorstellung von „Solidarität und Hilfe gegenüber allen unterdrückten Individuen, die sich mir gegenüber ebenso verhalten“ schließe ich doch gar nirgends aus. Aber „Solidarität und Hilfe“ sind für mich andere Fragen, als die Frage danach, ob ich nun rausgehe und dabei ein Virus „verbreite“, oder ob ich mich für etwas anderes entscheide. Und auch wenn ich weiß, dass du es so nicht gemeint haben wirst, will ich dir hier schon aus Rache für die Frage nach meiner Haltung zum „Ökofaschismus“ eine Gegenfrage stellen: Ist dein Einspruch vielleicht doch nichts anderes als, unter Annahme anderer Bedingungen (der Existenz eines Todesvirus), diejenigen, die dann weiterhin rausgehen wollen, mit den Fesseln der Moral zu binden?

Ich jedenfalls sehe die einzige Lösung für die Idee „jegliches unnötige Elend und Leid zu beseitigen und vermeiden“ darin, jeder*m die Möglichkeit zu verschaffen, dies selbst zu tun. Und so drängt es mich danach, die Zivilisation als den fruchtbaren Boden, auf dem „Kapital und Staat“ gedeihen konnten, zu zerstören, auf dass, was immer danach kommen möge, ein*e jede*r sein*ihr Leben in die eigenen Hände nehme.

Ratschläge an die Föderierten den Bruch mit der Linken betreffend

Kommentar zu Jens Störfrieds 2. Persiflage

oder

mit einem linken Anarchisten zanken

„Teil des Problems“ heisst halt Teil des Problems und „blöd formuliert“ führt halt zu entsprechenden Reaktionen. Darüber zu streiten, wer mit Beleidigungen angefangen hat, ist natürlich eine lächerliche Diskussion, und so genau mag ich mich nicht entsinnen (Ich würde es mir aber vielleicht sogar zugute halten) – aber ist es nicht so, dass verschiedene Leute auch Verschiedenes beleidigend finden. Und zeigen sich nicht gerade darin auch Unterschiede?

Ohnehin, Jens, bisher habe ich mich eigentlich immer eher belustigt gefühlt als verletzt, wenn ich deinen Senf gelesen habe, und deine Sticheleien und Anzapfversuche bieten zugegebenermassen gute Vorlagen für das Aufräumen mit gewissen Vorurteilen. Und dazu habe ich mich auch hier – oh Launen meiner Natur – mal wieder hinreissen lassen.

Es wäre ein Missverständnis deinerseits, wenn du glaubst, ich hätte nicht verstanden was du mit bürgerlich meinst. Das Gerücht, dass du aber weiterhin konsequent streust, nämlich, dass wir, bzw. „unser Lager“ kämpfen würden, „ohne andere Strukturen und Beziehungen aufzubauen“, ist eben nach wie vor falsch. Und ich glaube, dass du das auch weisst. Nur brauchen wir dazu eben keine Föderation. Der springende Punkt ist also, dass du – in guter Tradition der Organisatoren und Moralisten – versuchst, den informellen aufständischen Anarchisten (oder wie auch immer du sie bezeichnen willst), ihre Realität abzusprechen, nämlich jene, dass sie allemal „andere Beziehungen und Strukturen“ erschaffen und umsetzen. Womit du gleichzeitig sagst: wer „andere Beziehungen und Strukturen“ erschaffen will, braucht eine formelle Gruppe, die FdA, die Plattform, oder irgend etwas ähnliches… ist es nicht so?

Und persönlich würde ich sagen, gerade das Klammern an formellen Grüppchen, Föderationen, Namen, etc. ist Ausdruck eines bürgerlichen Bewusstseins. Und zwar in jenem Sinne einer „Form des Bewusstseins als eines, welches einer „bürgerlichen“ Gesellschaft entspringt“ und an deren Formen haften bleibt.

So würde ich die „Grundfragen, in denen wir ziemlich unterschiedliche Ansichten haben“ definieren. Und deine Formulierung des Unterschiedes wird eben unsererseits immer wieder allergische Reaktionen hervorrufen, denn was für eine Witz ist es, wenn ich mir meine Gefährten und Projekte anschaue, und uns dann einer sagt wir hätten keine „anderen Beziehungen und Strukturen“, seien alles Narzissten, u.Ä. Das ist belustigend!

Persönlich dreht sich für mich der Konflikt vor allem um diese Frage, welche verschieden formuliert werden kann. Man könnte sagen, dass du eine Form „aggregativer Organisierung“ vertrittst, oder den Vorschlag einer „akkumulierenden Bewegung“ – anarchistische Synthese halt. Die alte Tradition der Organisatoren. Und wir individuelle Initiative ohne Formalitäten etc.

Von der FAU (Freie Arbeiter-Union), zur AAU-E (Allgemeine Arbeiter-Union Einheitsorganisation), zur AFD (Anarchistische Föderation Deutschland), zur FKAD (Föderation kommunistischer Anarchisten Deutschlands), zum FFS (Föderation freiheitlicher Sozialisten), und wie die Vorläufer heutiger Organisatoren alle noch heissen, waren diese immer auch Sackgassen der freien Initiative und Vereinigung. Solche Organisationen bilden früher oder später eine Führungsschicht von Intellektuellen heraus, oder versinken in irrelevantem Sektierertum. Und dies gerade auch auf Grundlage der Föderation. Diese Dinge wurden oft von den jeweiligen Zeitgenossen analysiert, etc. Und natürlich kann man den Leuten, welche solche Projekte umsetzen, den guten Willen nicht per se absprechen.

Aber es ist eben allzu oft ein Stehenbleiben vor letzten Konsequenzen anarchistischer Theorie, uns führt letztlich zu einer Sammlung der Masse oder der Anarchisten auf dieser inkonsequenten Basis. Und ist somit allzu oft „Teil des Problems“, allerdings ein kompliziert zu analysierender und bekämpfender.

So sehe ich auch die FdA (Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen, zeitgenössisch), welche vor allem ein relativ bedeutungsloses Milieu zu sein scheint, welches aber möglicherweise einiges an lebendiger Energie auf ihren unfruchtbaren Boden locken kann. Wo diese vertrocknen wird…

Wo solche Vorstellungen, wie dass man zur eigenen Beruhigung schon jetzt über „antifaschistische Schutztruppen“ (was nichts anderes als eine Polizei ist) und Exil für „Verbrecher“ reden müsse, grassieren. Also ein Umfeld, in dem die rückständigsten Vorurteile reproduziert werden. Sämtliche anarchistischen Diskussionen über Gefängnisse der letzten 30 Jahre ignoriert werden. Oder halt abgelehnt. Verworfen? Aber nicht widerlegt!

Persönlich betrachte ich eine solche Organisation und auch Leute, welche solche Ideen vertreten, als links. Es ist genau dieser „Sozialismus“, dieses radikale Reformstreben (mit direkter Aktion meinetwegen), welche einen solchen Anarchismus zu einem Teil der Linken macht. Und deswegen wird es schwierig, Jens, dass du den radikalen Linken einfach entgehst, indem du kein Bier mit ihnen trinkst. Denn vielzuviel Linksradikales vertrittst du ja nach wie vor selbst.

Ich würde deshalb vorschlagen, dass du den Bruch mit der Linken jenen überlässt, welche ihn wirklich machen wollen, anstatt dass du versuchst, synthetisch Dinge zu übernehmen, welche du dadurch eher neutralisierst. Das haben eben nicht alle gern.

Denn deine Paraphrasierung jener Texte, was ist sie anderes, als der Versuch, Konzepte zu retten, die Teil der Linken sind? Was anderes, als die subversive Kritik zu verdauen, damit sie anderen nicht zu schwer im Magen liegt? Das Scheitern der radikalen Linken, oder vielmehr: ihr gegenwärtiges (vielleicht vorübergehendes) offenes Zusammenspannen mit der Macht, führt dich natürlich verständlicherweise zur Lektüre jener Texte, die ihr intimes Verhältnis mit der Macht schon herausgestellt haben, bevor dies dermassen offensichtlich war. Diese Lektüre mag dich weiterbringen, aber letztlich können deine Persiflagen kaum überdecken, dass du die radikale Linke vermisst, und dass du letztlich eben in deinem Denken nicht darüber hinauskommst, linksradikal zu sein. Das heisst, noch einmal übersetzt: dass du dich zu Linksradikalen verhältst, wie diese zur Linken, und diese wiederum zur bestehenden Totalität. Und letztlich heisst das: zur sozialen Revolte verhältst du dich wie sie alle, nämlich als Aussenstehender oder Organisator. Und wenn du selber handelst, so in der Logik des Aktivismus. Und wenn es gewaltig ist, so in der Logik der Militanz. Und wenn du etwas veränderst, so in der Logik der Politik. Versteh mich also nicht falsch: ich habe nie geglaubt, dass das Trennende die „Gewaltfrage“ sei. Vielmehr spreche ich einfach aus aus einer anderen Galaxie als du, auch wenn sich beide anarchistisch schimpfen mögen.

Soviel scheint mir das Problem zu sein, der Graben, den wir eben nicht wirklich kleiner machen wollen. Aber das weisst du ja alles. Es schadet aber bestimmt nicht, es zu wiederholen. Weniger für dich, als für jene, welche das vielleicht wirklich noch nicht verstanden haben.

Im Übrigen habe ich nirgends ein Recht auf Antwort behauptet, sondern vielmehr deine intellektuelle Feigheit.

Ein heute allzu wohlgesinnter Eigenbrödler

An einen Waschlappen

„Theoriefeind ist, wer Feind meiner Theorie ist“ (Mao Zedong)

Jens Störfried hat sich Mal wieder damit hervorgetan, die phösen „Einzelgänger*innen“, die er als „Teil des Problem[s]“ (sic!) betrachtet, anzufeinden. Darauf hat mich ein Gefährte kürzlich hingewiesen. Dies in einem Text, in welchem er darüber spricht, mit wem er Bier trinkt und mit wem nicht (auf jeden Fall nicht mit Nihilisten und Individualisten, so scheint es). Aus der Sicht von Jens Störfrieds bürgerlicher Subjektivität nimmt sein Trinkverhalten natürlich höchste Wichtigkeit ein, denn in seiner privilegierten studentischen Selbstbezüglichkeit denkt er, Texte wie Radikale Linke, ich trenne mich von dir würden sein irrelevantes Trinkverhalten mit radikalen Linken kritisieren. So scheint das zumindest.

Jaja, die Welt hört beim Bauchnabel auf.

Nun ist der Text, welchen er persiflagiert nicht von mir, somit werde ich auch seine Persiflage nicht beantworten. „Nicht mein Bier“, könnte man sagen. Aber ich weise darauf hin, dass Störfried mir immer noch eine Antwort schuldig ist. Und wenn der allzu friedliche Störfried sich den Vorwurf der intellektuellen Feigheit nicht gefallen lassen will, so müsste er sich wohl mal die Mühe machen, seine Vorwürfe der Bürgerlichkeit gegen individualistische, nihilistische und aufständische Anarchisten zu belegen. Diese Vorwürfe behaupte ich nämlich in meinem Text in der In Der Tat #3 widerlegt zu haben! Trotzdem wiederholt er diese ständig, sich zu Unrecht dabei auf Kropotkin beziehend (den er mittlerweile immerhin gelesen hat), ohne irgendwelche Argumente zu bringen. Und gleichzeitig behauptet er, es wäre ihm an Debatte gelegen. Jaja.

Persönlich glaube ich zwar, dass die Zeitung „Waschlappen. Zeitschrift für einen pragmatischen Anarchismus“ nicht existiert, in welcher Jensens Text angeblich erschienen ist. Aber des Witzes halber wollen wir annehmen, dass es sie gibt. Denn natürlich würde „Waschlappen zu Störfried passen, dessen Waschlappismus doch längst erwiesen ist. Ebenso das „pragmatisch“, wobei Pragmatismus ja oft an Opportunismus zu grenzen pflegt…

Im übrigen zitiere ich, zur Debatte, aus der Zeitung Die Erstürmung des Horizonts #1 vom November 2014: „Was die Beschäftigung mit der Linken aus einer anarchistischen Sichtweise aber noch notwendiger macht, ist, dass die Linke (…) auf dem revolutionären Terrain aufkreuzt (jedenfalls in ihren radikalen Teilen), und dort den Gestank der Politik verbreitet.“ Jens, schreib das doch in dein Stammbuch. Und überlege dir, ob du nicht selbst zu jenen gehörst, welche derartige Gerüche verbreiten…

Dass der Anarchismus Teil der „sozialistischen Bewegung“ sei, ist eine langweilige Diskussion, hängt von beliebigen Definitionen ab und besagt eigentlich rein gar nichts. Mein persönlicher Anarchismus besteht aus sozialen und antisozialen Anteilen, und auch wenn ich dem Sozialen hohe Wichtigkeit beimesse, ist mir in diesem Bereich das -istisch höchst suspekt.

Jenseits deines Trinkens mit fragwürdigen Leuten, Jens, frage ich mich, ob du deinen Waschlappen nicht letztlich in Benzin tränken solltest, um ihn in einen Zündlumpen zu verwandeln. Oder willst du ewig damit Lampen putzen?

Ein umherschweifender Eigenbrödler

Jens Störfried, du alter Pragmatiker!

Ob das nun eine späte, stellvertretende „Rache“ für die Insurrektionalistische Sonderausgabe zu Corona des sonst „sterbenslangweiligen Förderationsorgans“ Gai Dao sein soll, die sich anonyme Herausgeber*innen vor einigen Monaten erdreistet haben, zu publizieren? [1] Oder wollte sich der olle Störfried doch einfach nur einmal an einer neuen Textgattung, der Persiflage, versuchen? Jedenfalls greift er den Text „Radikale Linke, ich trenne mich von dir“ aus Zündlumpen Nr. 054 auf und stellt unter dem Titel „Radikale Linke, ich trinke noch ein Bier mit dir“ seine eigenen Ansichten zu diesem Thema zur Diskussion. Wenn ich so arrogant sein darf, hierzu ein vorläufiges Fazit zu ziehen, Jens: Für eine bissige Polemik scheint dir – vielleicht wegen all der „solidarischen Kritik“, auf die du dich sonst so oft beschränkst – noch ein wenig die Übung mit dieser Art von Text zu fehlen, aber mach dir nichts draus, in etwas Benzin getränkt, entpuppt sich schließlich auch ein Waschlappen als brauchbarer Zündlumpen.

Aber was hat der engagierte und allzeit konstruktive anarchistische Erneurer (gleich vier „Für eine neue anarchistische …“-Texte – zu Synthese, Theorie, Organisation und Ethik – hat er jüngst veröffentlicht), denn nun inhaltlich zu dem Thema zu sagen? Wenn ich ihn richtig verstehe, dann will er die Radikale Linke differenziert betrachten, hält dies – indem er statt von sich selbst von Anarchist*innen spricht – vielmehr für ein dem Anarchismus als „Hauptströmung der sozialistischen Bewegung“ (für seinen Anarchismus mag das ja gelten) inhärentes Verhältnis und wünscht sich bei aller Abgrenzung des Anarchismus von radikaler Linken dann doch eine gelegentliche gemeinsame Tätigkeit: „Deswegen nehme ich ein ambivalentes Verhältnis zwischen Anarchist*innen und der antiautoritären radikalen Linken wahr. Mögen sie sich selbst bestimmen und immer zusammen tätig sein, wo es sinnvoll und praktikabel ist!“ Nun, viel Spaß dabei. Und das meine ich – ausnahmsweise – keineswegs sarkastisch. Es ist mir ziemlich egal, wo und mit wem Jens Störfried sein Bier trinkt, ja nicht einmal die Sorte Bier ist mir wichtig. Und sollte er eines Tages zum Rotwein wechseln, weil er des Bieres überdrüssig ist, so müssten sich die gesellschaftlichen Situationen doch erheblich verändern, dass mir selbst das nicht egal wäre. Und in keinem Fall wünsche ich Jens Störfried, dass er am nächsten Morgen mit einem Kater erwacht.

Doch wie du sicher schon erraten hast, wäre es des Aufwands doch ein wenig zu viel, einen Text zu verfassen, nur um zu sagen, wie egal es mir ist, ob Jens Störfried eine Haltung teilt, die ich zwar mit Sicherheit teile, jedoch in der hier vorliegenden Form nicht einmal zu Papier gebracht habe. Und so folgt hier nun ein scheinbar berüchtigtes Prozedere, nämlich das Vollpöbeln eines Strohkopfes, pardon Strohmannes. Und für all diejenigen, die eher schwache Nerven haben und mit solch kompromissloser und ohnehin flegelhaft vorgebrachter Kritik schnell überfordert sind, hält Jens Störfried ja bereits eine Ausflucht parat: Haltet euch ruhigen Gewissens vor Augen, dass es mir eigentlich nur darum gehe, die eigene „Kränkung“ zu überwinden. Vielleicht stimmt das ja sogar …

Als „umherschweifende[r] Einzelgänger“ bin ich für Jens Störfried sowieso „Teil des Problems und nicht dessen Lösung“. Aber warum? Ja wie kommt es, dass – nicht nur bei Jens Störfried – sogenannte „Individualisten“ und „Nihilisten“ als Problem gesehen werden? Und das gar noch, wenn sie ohnehin als „umherschweifende Einzelgänger“ abgestempelt werden, die „konsequenterweise […] die Gesellschaft, welche sie hervorgebracht hat [bekämpfen]“? Ich meine angenommen – eine unbegründete Annahme, die einer Überprüfung vermutlich nicht (so pauschal) standhalten würde – das zu tun würde tatsächlich aus einer „privilegierten“ Position resultieren, wie Jens Störfried argumentiert, und so nicht jeder*m möglich sein (was die Biografien unterschiedlichster Individualist*innen auf der ganzen Welt offensichtlich widerlegen), was wäre dann das fucking Problem dabei? Wenn für „die meisten von Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung betroffenen Menschen […] die Notwendigkeit der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen [anstünde]“, was selbst bei Störfried „nur durch die Überwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung erfolgen kann“, was sollten sie denn dann gegen jene haben, die die Verhältnisse, die ihre derzeitigen Lebensbedingungen prägen, angreifen – und das auf eine Art und Weise, die für sie nicht schon eine bestimmte Rolle nach dem Zusammenbruch der Gesellschaftsordnung vorsieht? Was sollen sie im Gegenzug mit denen anfangen, die dieser Theorie zufolge genauso „privilegiert“ wären, solche Angriffe zu verüben, aber ihre „Privilegien“ lieber darauf verwenden „Skills [zu] verbreiten, Geschichten auf[zu]schreiben, Bildung und Erfahrung [zu] vermitteln, verschiedene Gruppen in Dialoge [zu] verstricken, […]“ und zu allem Überfluss auch noch „gemeinsame Diskussionen um Strategien und Visionen [zu] entwickeln“? Sprich mit jenen, die herumsitzen und eine Avantgarde mimen, jenen, die sich einladen (und bezahlen) lassen, dafür, dass sie ihrer „Leidenschaft“, ihrem „Aktivismus“ (Jens Störfried) nachgehen und kluge oder weniger kluge Vorträge und Workshops abhalten? Es ist ja nicht so, dass ich finde, man sollte nicht den eigenen Leidenschaften nachgehen. Aber wenn man die eigenen Leidenschaften als revolutionärer verkaufen will, als die derjenigen, die wenn sie – auf „poetische“ Weise (Jens Störfried in „Endlich neue Tatsachen!“ aus Gai Dao #99) – von Leidenschaft sprechen, in der Regel ein Feuer meinen, das die Herrschaft niederbrennt, dann sollte man vielleicht etwas mehr als nur trockene Texte anzubieten haben, in denen doch tatsächlich als „Eckpunkt der sozialen Revolution“ die „Verbannung“ – von alten und neuen Verbrecher*innen – „in menschenwürdige Umgebung auf 5 bis 30 Jahre bei jährlicher Prüfung einer möglichen Rückkehr in die alte oder eine andere Gemeinschaft“ vorkommt, neben „antifaschistischen Schutztruppen“, die Polizeiaufgaben übernehmen und einer „Nutzung von Medienanstalten“ zur „Beeinflussung der Massenkommunikation“ (siehe Jonathan Eibisch, alias Jens Störfried in „Für eine neue anarchistische Synthese!“ S. 12 f.). Und während sich der Störfried Gedanken um eine „neue“ totale Herrschaft macht, zu der man sich im Sinne eines „ωir“s (Ja, das ist absichtlich kein gewöhnliches W am Anfang dieses Wortes) freiwillig assoziiert, spiegelt für ihn die „„absolute Kompromisslosigkeit“ gegenüber „jeder Ordnung und Moral““ derjenigen, die so einen Quark – wie will man das anders nennen – ablehnen, „letztendlich bloß die Isoliertheit und den Fatalismus bürgerlicher Individuen“ wider.

Wenn ich mich mit Jens Störfried hoffentlich darauf einigen kann, dass durchaus ein Widerspruch besteht, zwischen dem – für ihn „pubertären“ – Affekt „jegliche Ordnung abzulehnen“ und der Existenz innerhalb – oder am Rande, das spielt keine Rolle – der Gesellschaft, Zivilisation, oder wie mensch es auch nennen mag, so kann es für mich doch keine „pragmatische alltägliche Praxis“ geben, die diesen Widerspruch einfach so stehen lässt. Während sich Jens Störfried „hier und jetzt sozial-revolutionär orientier[t] und formier[t], [sich] darin selbst ernst [nimmt], Verantwortung über[nimmt] und für emanzipatorische Bestrebungen kämpf[t]“, bedeutet das glücklicherweise nicht, dass diese Form des Selbstbetrugs die einzige Art und Weise ist, mit diesem Widerspruch umzugehen. Wozu mich sozial-revolutionär orientieren und formieren und mich dann auch noch ernst nehmen, wenn der Angriff doch meinem individuellen Verlangen und Vergnügen entspricht? Wozu und vor allem welche Verantwortung übernehmen und wem gegenüber? Etwa die Verantwortung die Gesellschaft „zu überwinden“? Hast du diese Verantwortung übernommen, Jens Störfried? Und wenn ja, dann rechtfertige dich doch mal, wie es kommt, dass „ωir“, wenn ich mich da nur mal für den Moment und aus rein funktionalen Gründen mit dir assoziiere, noch immer in dieser Gesellschaft leben. Oder ist es nur die Verantwortung, sich an die „formierte“ Linie zu halten? Und worin besteht diese Linie dann? Mich dünkt ohnehin, die Sache mit der Verantwortung ist nur eine leere Phrase, eine Abgrenzung zu jenen verantwortungslosen Anarchist*innen wie mir, die jede Verantwortung schon aus Prinzip zurückweisen, weil das Konzept von Verantwortung zumindest in diesem Sinne auch nur einer weiteren (sich anarchistisch gebenden) Moralerei entstammt, die, wenn sie tatsächlich die für sich behauptete universelle Wahrheit beanspruchen könnte, unnötig wäre, aufzuschreiben oder überhaupt von ihr zu reden. Aber das ist ja der Trick bei diesem Konzept, für Kant ebenso wie für Kropotkin und heute auch für den Jens Störfried: den eigenen Willen oder auch nur die eigenen Ansichten als universelle Wahrheit zu verkaufen.

Sicher würde Jens Störfried das nun als „Theoriefeindlichkeit“ abtun und vielleicht wäre ich sogar geneigt, diese Bezichtigung anzunehmen. Wenn Jens Störfried schreibt „Mangelnde Selbstreflektion, Geschichtsvergessenheit und die geringe Bereitschaft zur produktiven Auseinandersetzung kompensieren sie [theoriefeindliche Anarchist*innen] mit romantischem Kitsch, der problematischen Feier ihrer (meist post-bürgerlichen) Subjektivität, einer Fetischisierung von sich „echt“ anfühlenden „Taten“ und zur Schau gestellten rebellischen Phrasen“, dann mag man geneigt sein, ihm zu widersprechen, aber formuliert man einige seiner Behauptungen ein wenig wohlwollender, ergibt das schon ein anderes Bild: Wenn „mangelnde Selbstreflektion“, wie sich in Jens Störfrieds Text abzeichnet eigentlich eher mangelnde Kompromissbereitschaft und einen mangelnden Pragmatismus meint, wenn „Geschichtsvergessenheit“ bedeutet, mit der Vorstellung zu brechen, man sei Produkt einer sich von einer*m unabhängig entwickelnden Geschichte und als solches nicht im Stande die eigenen Lebensumstände durch Taten zu verändern, wenn die „geringe Bereitschaft zur produktiven Auseinandersetzung“ bedeutet, dass man auf lächerliche Unterstellungen wie die von Jens Störfried höchstens polemisch antworten wird, dann gibt es eigentlich überhaupt nichts zu kompensieren. Auch wenn ich nicht wüsste, wie es kommt, dass Jens Störfried etwa den „Echtheitsgehalt“ von Taten in Frage stellt, er eine Begründung, warum Taten fetischisiert und rebellische Phrasen „zur Schau gestellt“ werden würden, schuldig bleibt und eine „post-bürgerliche“ Subjektivität, wenn man nicht weiter definiert, was man damit meint, eigentlich nur eingesteht, dass es jemandem gelungen ist, Bürgerlichkeit zu überwinden. Theoriefeindlichkeit würde dann bedeuten, sich nicht (länger) in irgendwelchen Theorien zu verlieren, die das Leben soweit abstrahieren, das sich der Widerspruch gegen die herrschenden Verhältnisse schließlich ebenfalls nur noch auf theoretischer Ebene vollziehen kann. Theoriefeindlichkeit würde dann bedeuten, keine Trennung zwischen einer erst noch zu entwickelnden Theorie und einer daraus resultierenden Praxis zu praktizieren, sondern –  meinetwegen jede solche Theorie über den Haufen werfend – das eigene Handeln an den realen Begebenheiten und den anarchistischen Vorstellungen zu orientieren, nicht auf eine Art und Weise, die die eine*n umgebende Herrschaft in Einklang mit diesen Vorstellungen bringt, sondern auf eine Art und Weise, die diese Herrschaft kompromisslos angreift, zumindest mit dem Ziel sie zu zerstören und sich nicht in ihr einzurichten. Wenn man das als Theoriefeindlichkeit bezeichnen will, dann bin ich überzeugter Theoriefeind und überlasse das selbstreferentielle Theoriespinnen gerne den Jens Störfrieds dieser Welt.

Ein unmedikamentierter Narzisst, äh hoppla, Egoist

Fußnoten

[1] Damals kommentierte ein sichtlich angefressener Jens Störfried: „Übrigens haben gewisse Leute, die sich selbst als „Insurrektionalist*innen“ bezeichnen, ein Fakesimile dieser Gai Dao-Sonderausgabe erstellt. Vermutlich, um den Austausch über verschiedene Positionen und Stile anzuregen. So inspirierend manche Gedankengänge aus diesem Spektrum immer wieder sind, beruhen sie jedoch meiner Ansicht nach weitgehend auf problematischen Grundannahmen. Die Autor*innen wissen dies natürlich und so bleibt ihnen zur Rechtfertigung ihrer Positionen lediglich der Verweis auf die vermeintliche „Gesamtscheiße“ und die romantische Verklärung von liberaler Freiheit und des bürgerlichen Individuums. Weil sie es nicht aushalten, mit ihren eigenen Widersprüchen umzugehen und weil ihnen eigentlich kaum wer zuhört, bauen sie sich im konstruktiven Anarchismus einen Strohmann auf, den sie vollpöbeln können. Die Abwertung anderer um die eigene Kränkung zu überwinden, die reflexhafte Abwehr von Kritik und die Ausflucht in die idealistische Traumwelt eines post-zivilisatorischen „puren“ Lebens, lässt sich mustergültig als unbearbeiteter Narzissmus interpretieren. Er birgt die Gefahr, ins Autoritäre umzukippen. Doch wird er mit der individualistischen Leistungs- und Selbstdarstellungsgesellschaft untergehen, die ihn hervorgebracht hat. In dieser Hinsicht erscheint die reine Negation durchaus als erstrebenswert.“

Von der Handlung zur Identität

Ein vertiefender Beitrag zur Debatte um Anonymität mit den »Feministischen Autonomen Zellen«

Als Verfasser*in des Textes „Wozu dann der Name?“ in Zündlumpen Nr. 048 möchte ich mich im Folgenden mit der Reaktion der Feministischen Autonomen Zellen „Wegen alledem“ auseinandersetzen sowie einige meiner ursprünglichen Argumente noch einmal vertiefen. Ich werde dabei Textstellen aus „Wegen alledem“ nur entsprechend durch meine Positionen kontextualisiert zitieren, weshalb ich die vorherige Lektüre dieses Textes, sowie ggf. meines ursprünglichen Disskussionsbeitrags empfehle. Und weil aufgrund der bisherigen Beiträge zu dieser Debatte zu befürchten steht, dass mein Beitrag als Diskussionsbeitrag dazu gedeutet werden könnte, wie sich die FAZ – derer ich kein Teil bin – „organisieren“ sollten, möchte ich ausnahmsweise einmal vorab klarstellen, was sowieso klar sein sollte: Wenn ich auch meine Gedanken und Überlegungen zu Anonymität und (informeller) Organisation versuche darzulegen, so können andere, die möglicherweise auch andere Ziele als ich verfolgen, zu anderen Schlussfolgerungen gelangen. Den Wert einer solchen Debatte sehe ich vor allem darin, dass sich in der Konfrontation mit anderen Positionen vor allem die eigenen Ansichten schärfen, überdenken und manchmal auch ganz über den Haufen werfen lassen.

Feministische Militanz?

Der Vorwurf musste ja kommen: „wieso wird eigentlich im ganzen Artikel kein Wort über unsere feministische Positionierung oder die (leider so rare) Verbindung von Feminismus und Militanz verloren?“ und weiter: „Dass Feminismus als das Grundthema unserer Texte und Organisierung im gesamten Zündlumpen-Text ignoriert wird, zeigt leider deutlich, was wir mit Unsichtbarmachung unserer Sache im linken militanten Diskurs meinen.“ Aber welchen „linken militanten Diskurs“ meint ihr? Ich betrachte mich weder als links, noch als militant in einem Sinne, in dem es mir wert wäre, einen eigenen Diskurs darum zu führen. Ich betrachte mich vielmehr als Anarchist*in, als aufständische*r Anarchist*in, wenn mensch so will. Meine Militanz, wenn mensch das wiederum so nennen will, ist antipolitisch, unorganisiert – bzw. informell organisiert –, individuell und auf die Zerstörung jeglicher Herrschaft gerichtet. Sie verfolgt kein Programm außer vielleicht dem der totalen Destruktiven Verneinung. Warum verliere ich in meinem ursprünglichen Artikel also „kein Wort über [eure] feministische Positionierung oder die […] Verbindung von Feminismus und Militanz“? Weil es darum schlicht nicht geht: Mein Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern ich es für sinnvoll halte, den eigenen Angriffen einen (wiederkehrenden) Namen zu geben, bzw. ausschweifende Communiqués  dazu zu verfassen. Was spielt es dabei für eine Rolle, dass ihr euch als feministisch bezeichnet?

Was für mich eine völlig andere Frage ist, scheint für euch aber auch jenseits eines bloßen Delegitimierungs-Arguments gegenüber meinem Text (wie sonst soll ich den Vorwurf der Unsichtbarmachung verstehen, wenn sich doch zugleich in meinem Text mit den FAZ und ihren Aktionen auseinandergesetzt wird) eine Rolle zu spielen. „Queere, arme ‚kranke‘, rassifizierte und FLINT* Menschen und alle, die von gesellschaftlichen Normen abweichen, sind ständig gezwungen, mehr oder minder öffentliche ‚Bekenntnisse‘, ‚outings‘ zu produzieren“, schreibt ihr, und später beklagt ihr noch die „leider seltenen ‚outings‘ anonymer Aktionsgruppen als FLINT* Gruppen“. Hier scheint die gute alte Identitätspolitik Einzug in euer Militanzkonzept zu halten und eure Militanz zur identitätsstiftenden Angelegenheit zu machen. Es erinnert mich an die Schriften der Roten Zora, in denen häufig von „Gegenmacht“ (Ein Konzept, das auch von den Revolutionären Zellen und anderen militanten Gruppen gebraucht wurde und wird) und „Frauenmacht“ (was ebenso wie das Konzept der „Gegenmacht“ zumindest in „Mili’s Tanz auf dem Eis“ später kritisch gesehen wird) die Rede war und immer wieder das Frausein essentialisiert und als für die Gruppe identitätsstiftend ins Spiel gebracht wird [1]. Dabei geht es mir nicht darum, zu kritisieren, wenn sich Personen nicht länger in Zusammenhängen „organisieren“ wollen, in denen sie marginalisiert werden und in denen sie den Eindruck haben, ihre eigenen Projekte nicht realisieren zu können – Im Gegenteil, ich bin ohnehin der Ansicht, dass eine Organisation zerstört werden sollte, sobald sie den Projektualitäten ihrer „Mitglieder“ im Wege steht. Es geht mir auch nicht darum, zu kritisieren, wenn sich Menschen gemeinsam mit Menschen innerhalb ihrer sozialisierten Identitäten „organisieren“, verschwören, verbünden wollen. Wenn diese Identitäten dann aber die eigenen Angriffe und Handlungen zu überdauern scheinen, wenn es weniger auf eine Handlung ankommt, als auf die Identität der*desjenigen, die*der diese tätigt und vielleicht zusätzlich noch suggeriert wird, mensch würde für alle Menschen, die diese Identität (zu) teilen (scheinen), sprechen, so scheint mir diese Konstellation mitnichten geeignet, irgendein Herrschaftsverhältnis radikal anzugreifen. Das gilt übrigens nicht nur für Identitäten wie „wir, queere Militante“, „wir, eine FLINT* Aktionsgruppe“ oder „wir, eine Frauenkampfgruppe“, sondern insbesondere auch für „wir, militante Linke“ oder „wir, Militante“, wie Lina Gaso in „Jenseits von Militanz: Revolutionäre Gewalt“ (In der Tat Nr. 2) argumentiert.

Was mich aber bei „outings“ als „FLINT-Gruppen“ und der Ermutigung, sich als solche zu „outen“, wie ich das im Text der FAZ wahrnehme, ganz besonders verstört ist die eigentliche Kontraproduktivität des Ganzen und das implizite Fortschreiben einer der weitverbreitetsten und dämlichsten Legenden über diejenigen, die sich entscheiden anzugreifen, nämlich dass dies (vor allem) nicht nur „Männer“ seien, sondern gar solche, die nicht „von gesellschaftlichen Normen abweichen“ würden. Ist es nicht die größtmögliche Abweichung von „gesellschaftlichen Normen“, die bestehende Gesellschaft, das Eigentum, das Patriarchat, den Staat oder wie mensch es auch nennen will, anzugreifen? Und sicher mag es diese und jene Zusammenhänge geben, aber es würde mich doch sehr verwundern und meinen eigenen Erfahrungen zentral widersprechen, wenn sich die gängigen gesellschaftlichen Klischees über diejenigen, die sich entscheiden anzugreifen, im Großen und Ganzen als wahr erweisen würden. Das heißt nicht, dass ich es nicht respektiere, wenn Individuen wie beispielsweise die Anarchistin und Nihilistin Kaneko Fumiko [2] so heftig um Anerkennung ihrer Gefährlichkeit kämpfen (wollen), dass sie bereit sind dafür hingerichtet zu werden. Aber für die Anerkennung der Gefährlichkeit nicht eines Individuums, sondern einer Identität scheint mir ein solches Unterfangen – mit Verlaub – recht bescheuert. Geht es denn darum, das in einer Gesellschaft präsente Bild einer Identität zu verändern (und was würden beispielsweise liberale Feminist*innen dazu sagen, wenn dieses Unterfangen erfolgreich wäre und FLINT* Personen fortan als „Terrorist*innen“ gelten würden) oder geht es nicht vielmehr darum, jede Vorstellung von Identität und die Gesellschaft selbst – zumindest so wie sie heute existiert – zu zerstören?

Die*der anonyme Angreifer*in widersetzt sich in dieser Hinsicht trotz der dämlichen gesellschaftlichen Projektionen – warum ihnen auch irgendeinen Wert beimessen? – jeglicher Identität. „Die anonyme Aktion hat keinen Besitzer, keinen Meister, gehört niemandem. Das heißt sie gehört allen denen, die sie teilen. Als Schatten unter Schatten sind wir alle gleich. Niemand ist vorne um zu führen, niemand ist hinten um zu folgen.“ [3] Niemand blendete den Zyklopen Polyphem und doch scheitert die List des Odysseus [4] an seiner Eitelkeit: Als er glaubt entkommen zu sein, gibt er sich Polyphem doch noch zu erkennen: „Ich, Odysseus war es, der euch blendete“. Und so kommt es, dass Polyphem seinem Vater Poseidon nun Odysseus Namen enthüllen kann, der diesen und seine Gefährt*innen auf eine zehnjährige Irrfahrt schickt, die außer Odysseus keine*r überlebt [5].

„Warum könnt ihr uns nicht ertragen?“, fragt ihr und ich gebe diese Frage zurück: Warum könnt ihr es nicht ertragen, euch in den Nebel der Anonymität zu kleiden? Das soll eine Pathologisierung „starke[r] Frauenfiguren“ sein? „In der Finsternis jedoch gibt es keine Namen, keine Identität, es gibt nur eine heterogene Bewegung, kochend wie Magma, fragmentarisch, wild. Niemand befiehlt, niemand gehorcht. Akte wie Worte haben Wert wegen ihrem Sinn, wegen ihrem Inhalt, wegen ihren Konsequenzen. Nicht wegen dem Ruf ihrer Autoren.“ [6]

Der große ganze Zusammenhang in einem Communiqué

„Für uns ist zentral, Aktionen zu wählen, die wir richtig, machbar und effektiv finden – denn Militanz bedeutet auch Verantwortung für sorgfältige Arbeit, gerade, weil es danach keinen Dialog geben kann. Dafür betreiben wir ausführliche Recherchen und wollen unser Wissen teilen – auch, wenn lange Hintergrundtexte sicher höherschwelliger sind und nicht von allen (zu Ende) gelesen werden. […] Die Vorstellung, (bestimmte) Aktionen und politische Gegner*innenschaften seien sowieso selbsterklärend, halten wir […] für eine Position Erfahrener und Älterer in der „Szene“, die hierarchiebildend wirkt: Wenn als selbstverständlich dargestellt wird, warum etwas auf eine bestimmte Weise getan, warum die*derjenige nicht gemocht wird, kann das nur noch schwer er- oder hinterfragt werden.“

Warum wähle ich den Angriff? Weil ich es leid bin, das „Richtige“ zu tun, weil ich es leid bin, „Verantwortung“ zu übernehmen, weil ich es leid bin, Rechenschaft für mein Handeln vor irgendjemandem (außer vielleicht mir selbst – aber einem Selbst frei von jeglicher Moral) abzulegen, weil ich es leid bin, „politisch“ zu handeln. Ich weiß, mensch kann diese Begriffe für sich selbst anders definieren und es ist mir weder daran gelegen, eure Definition dieser Begriffe pauschal mit der allgemein anerkannten Definition dieser gleichzusetzen, noch daran, an dieser Stelle eine weitere Nebendebatte dazu aufzumachen, und doch bin ich überzeugt, dass diese Begrifflichkeiten und die damit transportierten Konzepte den Ursprung unserer unterschiedlichen Vorstellungen bilden. Ist ein Angriff selbsterklärend? Muss er das in jedem Sinne, gerade im politischen, sein? Ja und Nein. Ja, ich halte jeden Angriff, der mit der Logik dieser Gesellschaft bricht für selbsterklärend und Nein, ich finde nicht, dass mensch politische Gegner*innenschaften nachvollziehbar finden muss, um einen Angriff zu verstehen. Abgesehen davon glaube ich, dass diese das in der Regel für die meisten Leute, die bereit sind, genau hinzusehen, sind. Wo immer Aufstände oder Riots ausbrechen, passiert in der Regel ungefähr das Gleiche: Bullen werden angegriffen und Barrikaden werden errichtet, Läden werden geplündert, Banken verwüstet, Regierungsgebäude angegriffen, Kameras gesmasht, wenn irgendwie möglich Telekommunikation unterbrochen, Medienhäuser gestürmt, Knäste zerstört und Gefangene befreit, usw., ferner werden manchmal Kirchen niedergebrannt, Armenviertel zerstört (damit es keinen Ort gibt, an den mensch zurückkehren kann), die Industrie lahmgelegt, das Energieversorgungsnetz zerstört, u.v.m. Kurz: Den Menschen ist recht klar, wer und was sie unterdrückt, das muss einer*einem kein Marx sagen, kein Engels, Lenin, Mao, Castro, Che Guevara, Nelson Mandela und auch kein*e Anarchist*in. Und auch als (vorrangige) Feminist*innen werdet ihr in dieser Aufzählung zentrale patriarchale Institutionen finden, die ihr den Menschen nicht besser benennen könntet. Dabei gehen die allermeisten Aufstände und Riots mitnichten von irgendwechen politischen Akteur*innen aus. Die meisten Aufstände sind vielmehr apolitisch, in sich unvereinnahmbar und ersterben in dem Moment, in dem sie neue Anführer*innen (Politiker*innen) hervorbringen, die im Namen der Menschen zu sprechen beanspruchen.

Was hat dies nun mit militanten „Aktionen“ bzw. apolitischen Angriffen zu tun? Ziele dieser Angriffe sind (in der Regel) ganz ähnliche Institutionen, wie diejenigen, die auch während Aufständen angegriffen werden. Wenn es nun aber gar keine politischen Akteur*innen sind, die Aufstände auslösen, woher kommt dann die Arroganz so vieler Militanter, ihre Angriffe für besonders außergewöhnlich und erklärungsbedürftig zu halten? Und umgekehrt gefragt: Wenn ihre Angriffe tatsächlich erklärungsbedürftig wären, weil auch während eines Aufstands niemand – und zwar diesmal im Sinne von keine*r – auf die Idee kommt, diese zu verüben, inwiefern macht es dann überhaupt Sinn diese zu erklären? Entweder handelt es sich bei diesen dann um Angriffe, die aus einer recht individuellen Motivation heraus stattfinden, oder aber die dem Angriff vorangehende Analyse, die versucht, diesen in einen sozialen Kontext einzubetten, ist gescheitert, weil sich mit dem Angriff herausstellt, dass es diesen sozialen Kontext nie gegeben hat.

Aber es stimmt ja auch gar nicht, dass nicht in hunderten und tausenden anarchistischen (und anderen militanten – wobei dort ja besonders häufig nur in Communiqués zu den Angriffen) Schriften, wie Zeitungen, Magazinen, Flyern, Plakaten, Büchern, Radiosendungen, ja manchmal sogar Filmen grundsätzlich erklärt werden würde, warum sich Individuen für den Angriff entscheiden, was die zugrundeliegende Analyse ist und sogar welche Strategien hinter diesen Angriffen stehen. Ferner gibt es eine Fülle von Anleitungen, wie bestimmte Angriffe durchgeführt werden können, Auflistungen von Akteur*innen, die irgendwer für angreifenswert hält (aber es oft nicht selbst tun will), und nicht zuletzt weltweite Berichterstattungen über stattgefundene Angriffe auf anarchistischen Blogs, in anarchistischen Zeitungen und sogar in „sozialen Medien“. Wie jämmerlich und erbärmlich ist da ein zwei/drei, höchstens einmal zehnseitiges Communiqué, das einen einzelnen Angriff in hübsche oder weniger hübsche Worte kleidet, ihn in einen Gesamtkontext stellen und nebenbei noch „ausführliche Recherchen“ und „Wissen teilen“ will, im Vergleich zu den hunderttausenden Seiten der Analyse, Recherche und Wissen dieser Publikationen, die sich nicht nur auf einen einzelnen Angriff beziehen, sondern auf alle, sowohl die publik gewordenen, als auch die stillen, sowohl die materiellen Angriffe, als auch die immateriellen Angriffe, die zum Beispiel Herrschaftsbeziehungen in den eigenen Denkmustern angreifen. Wie ineffizient ist es, ein seitenlanges Comuniqué zu jedem Angriff zu schreiben, im Vergleich zu einem allgemeinen Text mit einer Analyse, einer Anleitung oder einer Recherche, der über das äußerst kurzlebige Spektakel des Angriffs selbst seine Relevanz behält? Oder wer keine Lust hat, selbst etwas zu schreiben, die*der kann sich hier auch genausogut einen der tausenden existierenden Texte aneignen, mehrere zu einem neuen Text collagieren oder seine*ihre Ideen auf andere Art und Weise verbreiten. Und wo bleibt da der Angriff? Der spiegelt sich in all diesen Texten ebenso wider, unabhängig davon, wie gewandt eine*r ist, diesen mit klugen Worten zu bewerben.

Die Propaganda der Tat und die „patriarchale Vorstellung ‚alles was zählt, ist die Aktion'“

Die „Aktion“ ist für mich so ziemlich das Letzte was zählt, dafür jedoch die „Tat“ oder meinetwegen auch „Handlung“ umso mehr. Während eine „Aktion“ zumindest in dem Sinne, in dem dieser Begriff derzeit innerhalb einer „radikalen Linken“ gebraucht wird, für mich die absolut politisierteste, symbolischste und unalltäglichste Handlung überhaupt darstellt, kurz, eine von mir selbst und meinen Ideen entfremdete Vorstellung des Handelns, das mir dazu dient, in all der übrigen Zeit, in der ich gerade keine „Aktion“ durchführe oder wenigstens plane, die Verwirklichung meiner Ideen unter Mottos wie „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“, oder „der Kapitalismus/das Patriarchat zwingt uns eben, bei der Verwirklichung unserer Ideen Kompromisse einzugehen“, oder „nach der Revolution …“ guten Gewissens beiseitezuschieben. Die „Tat“ oder „Handlung“ dagegen ist nicht politisch. Sie ist untrennbar mit meinen Emotionen, meinen Fehlern, meinem Scheitern und meinem Spaß verbunden. Sie entspringt dem individuellen Verlangen nicht (länger) auf eine Revolution zu warten, nur um dann vermutlich alle auf sie gesetzten Hoffnungen getrübt zu sehen, sondern hier und jetzt zur Tat zu schreiten und meine Ideen zu verwirklichen und alles, was mich in dieser Verwirklichung einschränkt auf kompromisslose Art und Weise anzugreifen.

Ob ich stehlen gehe um etwas zu essen zu haben oder um meine Miete zu zahlen, ob ich meiner Wut Luft mache, indem ich einen Bagger, einen Mobilfunkmast, einen Stromverteilerkasten, einen Amazon-Locker oder einfach nur das nächstgelegene (Bonzen-)Auto abfackle, ob ich meine*n Chef*in verprügle, weil ich das ewige herumkommandiert werden nicht mehr ertrage, ob ich eine*n Freund*in im Knast besuche, ob ich mich bei einer anderen Person dafür entschuldige, sie verletzt zu haben, ob ich eine*n Bull*in, die*der gerade eine andere Person kontrolliert zusammenschlage oder ob ich für ein (gem)einsames Abendessen koche. All das sind Taten, all diese Taten spiegeln meine Ideen wider, wenngleich das nicht bedeutet, dass dies kein widersprüchliches Leben wäre, in all diesen Taten kann ich scheitern, bei all diesen Taten werde ich mehr oder weniger Spaß empfinden und zu keiner dieser Taten werde ich irgendwelche Erklärungen abgeben.

Eine „Aktion“ dagegen, scheint erst durch die Abgabe einer Erklärung, warum mensch diese für richtig hält und warum mensch sich dafür entschieden hat, diese in die Tat umzusetzen zu einer solchen zu werden. Und weil es eben lächerlich ist, Erklärungen der Art „Heute habe ich Nudeln mit Tomatensoße gekocht, weil das in mir schlummernde revolutionäre Subjekt etwas zu essen brauchte und ich mich aber nicht getraut habe, einfach im Restaurant nebenan die Zeche zu prellen. Ich finde diese Aktion richtig, weil ich sonst früher oder später verhungern würde und wenn ich verhungere dient dies der Revolution nicht so sehr, wie wenn ich nun eben diese Aktion mache, um auch in Zukunft Aktionen mit mehr ‚revolutionärem Gehalt‘ machen zu können.“ abzugeben, muss sich der Begriff der „Aktion“ eben auf ganz bestimmte militante oder wenigstens scheinbar militante, bzw. massenhafte oder wenigestens scheinbar massenhafte bzw. spektakuläre oder wenigstens spektakulär inszenierte Formen des Handelns beschränken. Und so ist es kaum verwunderlich, dass der Begriff der „Aktion“ bloß Raum für immer waghalsigere, spektakulärere und vor allem erfolgreichere „Aktionen“ lassen kann, da jeder Versuch, diesen Begriff auszuweiten, um beispielsweise persönliche, individuelle und ja an sich häufig für das handelnde Individuum weitaus folgenreichere Taten, als so manch eine Spektakuläre, lächerlich erscheinen lassen muss. Zum Beispiel sei hier ein auf Barrikade.info veröffentlichtes Bekenntnis erwähnt, bei dem vier „Menschen mit Vulva“ claimen, öffentlich auf die „Dreirosenbrücke in Basel gepinkelt“ zu haben und (wie) zum Beweis, dass sie dieses Spektakel auch wirklich nicht erfunden haben, gar noch ein Bild mit vier deutlich erkennbaren Urinspuren veröffentlichten. „Wir wollen so für uns und unsere FLINT*-Geschwister einen Raum reclaimen, der durch eine Präsenz von cis-männlichen Menschen besetzt ist,“ [7] schreiben sie und geben damit ihre als Tat selbst keineswegs zu beanstandende oder überhaupt zu bewertende Handlung in Form einer „Aktion“ der Lächerlichkeit (weil sie sich besonders wichtig nimmt; weil sie nach Legitimation lechzt; weil sie die Individualität einer Handlung zugunsten irgendeines – nur scheinbar – allgemeinen Bewertungsmaßstabs aufgibt) preis (wobei das Ganze natürlich auch einfach als Witz verstanden werden könnte). Und das ist jetzt nur ein Beispiel. Ich hätte hier ebensogut ein Communiqué zu einem Bankraub anführen können, hatte aber gerade keines zur Hand.

Ob die Vorstellung einer „Aktion“ (bzw. dem ihr irgendwo inhärenten „alles was zählt ist die Aktion“) nun patriarchal ist oder nicht, das will ich nicht bewerten, auch wenn mensch sich bei dem Selbstbewusstsein, mit dem sich manchmal selbst zu den lächerlichsten und für viele nur allzu alltägliche bzw. individuelle und apolitische Handlungen mit großen Worten und der Bemühung einer Menge „Theorie“ bekannt wird, vielleicht schon fragen muss, inwiefern das auf eine in der Regel als „männliche Sozialisation“ referenzierte, patriarchale Verhaltensweise verweist. Aber ich denke auch hier ist ein Communiqué, das sich um wenige weitere Aspekte in der Vor- und Nachbereitung einer Aktion, sowie die Emotionen der Handelnden bemüht, nicht die einzig denkbare Form, sich solchen Themen zu widmen.

Eine Organisation auf „dauerhafter Basis“ oder eine kurzlebige, informelle Organisation, die „mit dem nächsten ‚Lebensabschnitt‘ ihrer Mitglieder [zerfällt]“?

Ist es erforderlich, „Reflexionen, Entwicklungen, Umdenken und Fehler“ über einzelne Aktionen hinaus sichtbar zu machen und wie kann das funktionieren? Die FAZ haben für sich die Antwort gefunden, eine auf lange Zeit angelegte Organisationsstruktur zu schaffen, deren Ziel es ist, militante „Aktionen“ langfristig zu ermöglichen. Das „bedeutet […] viel Arbeit unter hohen Sicherheitsstandards und Risiken“ und ist in der Vergangenheit dennoch häufig schief gegangen, etwa weil Observationen irgendwann doch einmal zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort stattgefunden haben, weil sich Fehler und Nachlässigkeiten eingeschlichen haben, usw. Aber das muss jede*r, der*die sich auf diese Art organisieren will für sich wissen. Was ich nicht so recht verstehe ist die Langlebigkeit und Statik einer solchen Organisation. Ich empfinde es als bedrückend mich für alle Ewigkeit (oder auch nur einige Jahre) einer Organisation zu verschreiben, auch wenn natürlich immer klar ist, dass ich diese „Mitgliedschaft“ theoretisch jederzeit aufkündigen kann und natürlich auch werde, wenn mir das Ganze nicht mehr taugt. Aber wenn dies so ist, warum dann überhaupt eine solche Organisation gründen und aufbauen, die darauf ausgelegt sein soll, Jahre und Jahrzehnte zu bestehen, ohne dass mit ihr ein konkretes Projekt verbunden ist? Und wenn dies nicht so wäre? Herrje, dann dürfte ich mich nicht mehr Anarchist*in nennen!

Aber was meine ich mit einem konkreten Projekt? Auf jeden Fall nicht „Militanz“ zum Selbstzweck. Um militante Angriffe zu verüben benötige ich ja keine Organisation per se. Alle mir bekannten Angriffe der FAZ – das muss ja aber nicht der Weißheit letzter Schluss sein – lassen sich zu zweit, zu dritt oder gar alleine bewerkstelligen. Das dafür notwendige „Wissen“, etwa wie mensch Spuren vermeidet oder wie mensch ein Fahrzeug in Brand setzt, findet sich in leicht beschaffbaren Publikationen, wie beispielsweise der PRISMA [8] und ähnlichen Anleitungsheftchen, sowie gelegentlich in periodischen Publikationen aufständischer Anarchist*innen und militanter Autonomer. Sicher, es gibt eine Menge unveröffentlichter Tricks für verschiedenste Dinge, aber wer Lust hat, findet auch beim experimentieren schnell heraus, wie mensch die Dinge noch ein wenig optimieren kann. Wer sich tiefer in die Materie einarbeiten möchte, findet auch zahlreiche Publikationen dazu, wie die Cops arbeiten [9], was meines Erachtens nach enorm dabei hilft, Spuren zu vermeiden, aber oft auch ein wenig paranoid machen kann. Jedenfalls erscheint mir eine Organisation, die ihre Mitglieder dazu befähigen soll, militante Angriffe durchzuführen, nicht besonders sinnvoll bzw. notwendig. Mit einem konkreten Projekt meine ich vielmehr, den Kampf gegen zum Beispiel den Bau eines Gefängnisses. Eine informelle Organisation dazu (einen Namen würde ich dieser trotzdem nicht geben) macht dann solange Sinn, bis entweder der Bau dieses Knasts gestoppt wurde oder mensch keine Perspektive mehr in diesem Projekt sieht. Hinsichtlich einer solchen Projektualität kann es meiner Meinung nach Sinn machen, Erfahrungen, (eigene) Entwicklungen, usw. zu teilen [10]. Aber welchen Sinn soll es machen, die Erfahrungen eines Kampfes gegen den Bau eines Gefängnises gemeinsam mit denen eines Kampfes gegen eine Gaspipeline oder einer Stromtrasse, etc. zu dokumentieren? Nach außen scheint mir das keinen Sinn zu ergeben und nach innen – so denn die Beteiligten an den Kämpfen tatsächlich die Gleichen sind –, erfordert dies ja auch keine feste Organisation.

Ähnlich verhält es sich meiner Meinung nach mit dem Austausch zu bestimmten militanten Techniken und Taktiken. Wer hier Erfahrungen weitergeben will kann dies ja tun und wer das öffentlich tun will, ist vielleicht ohnehin besser beraten eine Art zweite PRISMA herauszugeben.

Ich jedenfalls finde den Zerfall von Organisationen, wenn ihr Zweck überholt oder erfüllt ist, oder die einzelnen „Mitglieder“ einfach nicht mehr die gleichen Ideen teilen, einen fruchtbaren Prozess, in dem lähmende Strukturen und festgefahrene Muster, die oft mit der Zeit entstehen immer wieder aufgebrochen werden. Eine andere Form der Organisation kann zumindest ich mir sicher nicht vorstellen.

Anmerkungen

[1] Um nur ein Beispiel zu geben: „Erst in der Trennungsphase begriffen wir, daß nicht nur ‚unsere‘ patriarchal denkenden und handelnden Männer in ihrer Unfähigkeit und Borniertheit eine fruchtbare Zusammenarbeit verhinderten, sondern daß autonome FrauenLesbenorganisierung für uns hier und heute – auch im militanten Kampf – eine grundsätzliche politische Notwendigkeit ist. Gemeinsame Organisierung mit Männern bindet nicht nur unsere Energien in der ständigen Auseinandersetzung um die Behauptung von FrauenLesbenpositionen, sondern sie bindet uns auch in von Männern gesetzte Diskussionsprozesse ein, bringt uns immer wieder auf das Gleis der Orientierung an männlichen Normen, die wir selbst oft tief verinnerlicht haben. Sie blockiert uns damit in unserem Denken und unserer Entwicklung und steht der Herausbildung einer revolutionär-feministischen Perspektive ständig im Wege.“ Aus Mili’s Tanz auf dem Eis.

[2] Weil die Gerichte ihre Beteiligung an einer Verschwörung zur Ermordung des japanischen Kaisers nicht ernst nahmen (und zum Teil wohl auch ihre männlichen Gefährt*innen nicht), drohte Kaneko Fumiko vor Gericht (1925/1926) damit, dass sie den Kaiser ermorden würde, wenn das Gericht sie freilassen würde. Siehe auch „Because I Wanted To. Kaneko Fumiko on nihilism and why she wanted to kill the Emperor of Japan“ und Kaneko Fumiko. „The prison memoirs of a Japanese woman„.

[3] Aus „Namenlos. Beiträge zu einer anarchistischen Diskussion über Anonymität und Angriff„, erschienen bei Edition Irreversibel, S. 21. Kursivierungen von mir ergänzt.

[4] Als der „Kriegsheld“ Odysseus auf seinem Heimweg auf einer Insel landet und dort mit seinen Gefährten von einem Zyklopen gefangen gehalten wird, stellt er sich mit „Niemand“ vor. Nachdem Odysseus später den Zyklopen Polyphem geblendet hat, um ihm zu entkommen und dieser bei seinen Zyklopenfreund*innen um Hilfe bittet, erweist sich dieses Wortspiel als hilfreich, da die Zyklopen Polyphem nicht zu Hilfe eilen, als er ihnen auf die Frage, wer ihn geblendet habe, antwortet: Niemand.

[5] Diese mythologische Analogie ist ebenfalls der Broschüre Namenlos entlehnt.

[6] Namenlos, S. 22 f.

[7] Vgl. https://barrikade.info/article/3468

[8] Zu finden beispielsweise auf der Webseite https://militanz.noblogs.org (Ich empfehle, auf diese Seite nur mit TOR zuzugreifen!)

[9] Konkret würde ich für den Einstieg „Maßnahmen gegen Observation“ und die Bullenpublikation „Kriminaltechnik Expertise“ empfehlen (ACHTUNG: Links verweisen beide auf militanz.noblogs.org. Ich empfehle die Verwendung von TOR).

[10] Ein Beispiel für soetwas ist die Broschüre bzw. das Buch Stein für Stein, die den Kampf gegen den Bau eines Gefängnisses in Belgien dokumentiert und reflektiert.