Archiv der Kategorie: Nachrichten aus aller Welt

In der Kategorie Nachrichten aus aller Welt berichten wir über ausgewählte Ereignisse mit anarchistischem Bezug weltweit. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem deutschsprachigen Raum.

Ring: die smarten Polizeitürklingeln von Amazon

Wie Amazon der amerikanischen Polizei dabei hilft ein immenses Videoüberwachungsnetz aufzubauen
BFM, 3. März 2021 (Auszüge)

Die smarten Türklingeln der zu Amazon gehörenden Marke Ring sind äußerst erfolgreich. Aber sie helfen auch, ein Videoüberwachungssystem im ganzen Land zu errichten, finanziert von den Bürgern selbst.

Werden die Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Videoüberwachung bald mit China konkurrieren? Während die Regierung aus Peking 600 Millionen Kameras im ganzen Land installiert hat, können sich die amerikanischen Behörden stattdessen auf die Bürger selbst stützen. In drei Jahren hat das Unternehmen Ring, Filiale von Amazon, die sich auf den Verkauf von mit Kameras ausgestatteten, smarten Türklingeln spezialisiert hat, die Menge an Videodaten, die der Polizei zur Verfügung stehen, bedeutend anwachsen lassen, informiert die Washington Post.

Laut dieser amerikanischen Tageszeitung (die Jeff Bezos, dem Gründer von Amazon gehört) haben mehr als 2000 lokale Polizei- und Feuerwehrbehörden in den USA eine Partnerschaft mit Ring abgeschlossen. Eine Zahl, die von einer anderen, letztens in der Financial Times erschienenen Analyse bestätigt wird. Die Zahl der Partnerschaften belief sich 2019 noch auf 703 und 2018 lediglich auf 60. Die Washington Post schätzt, dass Amazon inzwischen zwei neue Partnerschaften am Tag knüpft.

Screenshot der von Ring geschaffenen Plattform für die Ordnungskräfte

Anfang 2019 veröffentlichte die Webseite The Intercept Bilder des Programms, das den Behörden von Ring zur Verfügung gestellt wird. Ohne richterlichen Beschluss können die Ermittler von jedem Benutzer, der sich im Radius von 400 Metern um ein vermutetes Delikt befindet,  – manchmal mit finanziellen Anreizen – fordern, dass dieser ihnen Zugang zu den Bildern der Videoüberwachung seiner verbundenen Klingel gewährt. Bis zu 12 Stunden Aufnahmen können von der Polizei gesammelt und ohne Zeitlimit aufbewahrt werden, wie Le Monde Ende 2019 informierte. Im Fall einer offiziellen Hausdurchsuchung kann Amazon dazu gezwungen werden, den Ordnungskräften die verlangten Bilder oder Identifikationsdaten ohne das Einverständnis der Besitzer der Amazon Ring-Kameras zu liefern.

Während zu dieser Stunde das Kameranetz, das der amerikanischen Polizei zur Verfügung gestellt wird, deutlich eingeschränkter ist als das chinesische Überwachungssystem, integriert dieses bereits zahlreiche Geräte, die faktisch von den Amerikanern selbst finanziert werden – die smarten Ring-Türklingeln werden in Frankreich ab 99 Euro verkauft. Das amerikanische Medium zitiert besonders eine Studie des MIT, die die Ziffer von drei Millionen aktiven Ring-Kameras in den Vereinigten Staaten nennt.

Laut der La Gazette des communes, haben die 47 französischen Städte mit mehr als 90.000 Einwohnern Anfang 2020 eine Summe von 11.400 Überwachungskameras angesammelt. In den Vereinigten Staaten unterscheidet sich Amazon von Google, das Konkurrenzprodukte – via seiner Produktreihe Nest – anbietet, ohne aber mit der Polizei zusammenzuarbeiten [sollte man ihrem Wort glauben?, Anm. v. Sans Nom]. In Frankreich wurde keine Partnerschaft dieser Art zwischen Ring und den Behörden angekündigt. Eine Kollaboration, die komplex in der Umsetzung sein könnte, da das europäische Gesetz das Privatleben mehr schützt.

Quelle: Sans Nom

[Paris, Frankreich] Enedis-Fahrzeug in Brand gesteckt

Mit Grillanzündern, die ich unter dem Vorderreifen platziert habe und einem Feuerzeug habe ich ein Elektrofahrzeug von Enedis in einer Nacht am Anfang dieses Mais in Paris in Brand gesteckt.

Weil diese Firma am endlosen Fortschritt dieser schrecklichen Zivilisation ihrer Abhängigkeit von Elektizität teilnimmt.

Ganze Regionen und ihre Bewohner*innen werden von ihr verwüstet und Bevölkerungen ausgebeutet, um Uran für Kernkraftwerke zu finden und seltene Erden und Metalle für Photovoltaik und Solarpanele. Die allgemeine Betäubung basiert auch auf Unterhaltung und der Kontrolle, die von den Massenmedien und ihren Kommunikationsmitteln erzeugt und von den gigantischen elektrischen Energienachschüben aufrechterhalten wird. Aus all diesen Gründen, werde ich es wieder tun.

Gezeichnet: Eine feuerspuckende Ratte

[Nochten, Lausitz] Förderband einer Kohlegrube sabotiert

In der Nacht auf den 23. Mai wurde bei Nochten das Förderband einer Kohlegrube mit etwas Werkzeug sabotiert.

Einfach, aber effektiv, wie von den Saboteur*innen berichtet wird:

Das Band besteht aus Gummi und 100 Stahldrähten, die einen Durchmesser von 7mm haben. Mit einem Stanley-Messer kannst du den Gummi durchschneiden (Ersatzklingen mitbringen). Um die Stahldrähte in der Mitte des Gürtels zu erreichen, musst du das Gummi an der Seite, oben und unten entfernen. Dazu schneidest du in einem 45-Grad-Winkel in das Gummi ein, hebst dann die Lasche mit einem flachen Schraubendreher an und packst und ziehst sie mit einer Kombizange oder Kneifzange. Gleichzeitig schneidest du den Gummi weiter ein. Auf diese Weise kann eine Schicht des Gummis entfernt werden. Sobald die Stahldrähte freigelegt sind, können sie mit einem Bolzenschneider durchtrennt werden. Wiederhole diesen Vorgang, bis du mit der Zerstörung, die du verursacht hast, zufrieden bist.

Und wenn mal kein Bolzenschneider zur Hand ist, hilft bei Gummi immer auch dein bester Freund, das Feuer …

[Nancy] Einige Informationen zu Boris‘ Situation

Während des ersten Lockdowns hat der anarchistische Gefährte Boris am 10. April 2020 im Jura zwei Mobilfunkmasten der vier Telekommunikationsanbieter angezündet, die auch Polizei- und Gendarmeriefunk trugen.

Wie er selbst aus dem Gefängnis erklärt hat, wo er inzwischen seit zehn Monaten inhaftiert ist:

Es ist die Stunde der Beschleunigung der Sträme und der Daten, die Stunde der Konnektivität der Alltagsgegenstände um immer mehr zu kontrollieren, zuzuhören, zu tracken und zu spionieren, ohne Ende den Menschen mehr zum Sklaven der Maschine zu machen. All das ist das, was die Herrschaft „Fortschritt“, „Zivilisation“ nennt. In Wirklichkeit ist dieses Gesellschaftsprojekt durch und durch dystopisch. Angesichts dieses Gitters des Digitalen gibt es keine 36 000 Lösungen. Mir scheint es notwendig, das Stadium der Kritik hinter sich zu lassen und hier und jetzt zu handeln und die Ideen mit Handlungen zu verbinden […]. Ich [gehöre] zu jenen […], die sich beim ersten Widerhall der staatlichen und sanitären Ordnung geweigert haben sich zuhause einzusperren und die hinausgegangen sind um direkt einen der Pfeiler der Herrschaft anzugreifen.

„Warum ich zwei Funkmasten auf dem Mont Poupet abgefackelt habe“

Seit September 2020, nach monatelangen Ermittlungen und aufgrund von vor Ort aufgefundener DNA, im Gefängnis von Nancy-Maxéville inhaftiert, hatte Boris am 19. Mai diesen Jahres in dieser Stadt Prozess. Quasi hinter verschlossenen Türen verurteilt, ohne seine Anwältin, die um eine Vertagung gebeten hatte und ohne die solidarischen Gefährten, denen unter dem Vorwand der Coronabestimmungen der Zugang zum Prozess verweigert wurde, haben die Schweine im Talar ihn zu vier Jahren Haft verurteilt, davon 2 auf Bewährung, plus einige hunderttausend Euro Schadensersatz. Er hat sofort Berufung eingelegt, und das Datum ist gerade bekannt geworden.

Boris hat also  am 20. September 2021 um 14 Uhr erneut Prozess vor dem Berufungsgericht von Nancy, und jeder kann bereits damit fortsetzen seine Solidarität ihm gegenüber in der feurigen Art, die jeder für die angemessenste hält, auszudrücken…

Ansonsten wurde Boris nach seiner Verurteilung, als er zurück in den Knast gebracht wurde, vor das knastinterne Gericht gebracht, wo ihm drei Wochen Bunker aufgedrückt wurden, zwei davon auf Bewährung, wegen einer Auseinandersetzung vor vier Monaten mit einem anderen Gefangenen, der bereits von den Beteiligten selbst geklärt worden war, ohne dass irgendeine dreckige Streitschlichtung vonseiten der Strafvollzugsbeamten vonnöten gewesen wäre. Trotz dieser Woche Bunker und der Langsamkeit der Post hält er gut durch. Diesbezüglich kann man auch darauf hinweisen, dass die Briefe, die der Gefährte abschickt, weiterhin von der Richterin durchgesehen werden, auch wenn das Ermittlungsverfahren seit Anfang April abgeschlossen ist, ein Zaubertrick, aus dem jeder seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen kann.

Schließlich scheinen die Cops in Besançon weiterhin dranzubleiben (ein Verfahren läuft weiterhin wegen der Brandstiftung an einem Technikraum eines SFR-Mastes in derselben Stadt zur selben Zeit) und mindestens zwei Personen wurden deshalb in den letzten Monaten von Zivischweinen angesprochen, um zu versuchen Informationen über Boris nahestehende Personen herauszufinden. Ein Update wird diesbezüglich folgen…

Solidarität heißt Angriff
Freiheit für Alle!

Um Boris‘ Gefangenennummer zu erfahren und ihm zu schreiben, kann man eine E-Mail an besakattak at riseup.net schicken, während seine Strafen [mandats] im Knast immer noch von Kaliméro übernommen werden, der Solidaritätskasse für die Gefangenen im sozialen Krieg.

Solidarische Anarchist:innen und Kompliz:innen von Boris
6. Juli 2021

Quelle: Sans Nom