Category Archives: Nachrichten aus aller Welt

In der Kategorie Nachrichten aus aller Welt berichten wir über ausgewählte Ereignisse mit anarchistischem Bezug weltweit. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem deutschsprachigen Raum.

[Münster] Eingangsbereich von CM-Immobilien mit „ein paar verspäteten, grauen Ostereiern“ entglast

In der Nacht von Mittwoch, den 24. auf Donnerstag, den 25. April haben Menschen dem Luxusbauunternehmen CM-Immobilien, das für mehrere millionenschwere Gentrifizierungsprojekte in Münster verantwortlich ist, einen Besuch abgestattet und im Eingangsbereich einige „verspätete, graue Ostereier“ hinterlassen. Zusammen mit einem Haufen Scherben.

[Berlin] EU-Wahlplakate mit Warnhinweisen versehen

In Berlin haben Aktivist*innen am Dienstag, den 23. April EU-Wahlplakate von allen Parteien mit Warnhinweisen versehen, wie mensch sie von Zigarettenpackungen kennt. Mit Sprüchen wie „Niemand hat das Recht, dich zu regieren! #OrganisiertEuchSelbst“ und „Achtung! Demokratische Wahlen legitimieren Herrschaft und Unterdrückung. #AutonomeZentrenStattEU-Parlament“ agitieren sie gegen die Illusion von Mitbestimmung durch Wahlen.

[Basel] Filiale der Crédit Suisse mit Farbe und Hammer angegriffen

In der Nacht von Freitag, den 19. auf Samstag, den 20. April wurde eine Filiale der Bank Credit Suisse mit Farbe verschönert und der Spruch „CS finanziert Erdoğan“ hinterlassen. Hintergrund sind die Investitionen der Crédit Suisse in die Aufrüstung des türkischen Militärs. Damit soll sich mit der kämpfenden Bewegung in der Türkei und Rojava solidarisiert werden, welche sich der Diktatur Erdogans entgegenstellt.

[Athen] Räumungen von Hausbesetzungen wird mit Gegenschlag beantwortet

In Reaktion auf die Räumungswelle diversester Hausbesetzungen im linksradikal geprägten Athener Stadtviertel Exarchia seit Februar 2019 kam es zu mehreren Akten des Widerstands: in den frühen Morgenstunden des Freitags, 19. April wurde das Kulturministerium angegriffen. Dieses ist Eigentümer*in des Gebäudes, in dem sich die migrantische Besetzung Clandestina befand. Weiterhin wurde am Montag, den 22. April, das „Gini“-Gebäude (wieder) besetzt. Die derzeitigen Räumungen sind wohl Teil einer derzeit stattfindenden Gentrifizierung in Exarchia und der verzweifelte Versuch des Staates, die Kontrolle über das Viertel wiederzuerlangen.

Freiraum Hambacher Forst

Sie sind ziemlich lädiert und mitgenommen… aber sie sind noch da: der Hambacher Forst und seine Besetzer*innen. Seit 2012 ist der Hambacher Forst in der Nähe von Köln von einem losen, immer wieder sich verändernden Haufen Öko-Anarchist*innen besetzt. Seit sieben Jahren kämpfen sie dafür, dass dieser nicht gerodet wird, um den Abbau von der darunter befindlichen Braunkohle durch den Energiekonzern RWE zu ermöglichen. September letzten Jahres kam es zur bisher größten Räumung und Rodung im Hambacher Forst – zynischerweise vordergründig nicht wegen der Braunkohle, sondern um die Brandschutzverordnung durchzusetzen. Wochenlang bekämpften sich Bullenschweine und die Besetzer*innen. Damals schaffte es der Hambacher Forst sogar in die großen Medien, seine Besetzung scheint mit Impuls dafür gewesen zu sein, dass sich jetzt neue ökoaktivistische Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder „Extinction Rebellion“ bilden. Ein Gericht stoppte im letzten Moment, als die Räumung bereits vollendet war, vorläufig die Rodung des Waldes. Es wird geprüft, ob das Waldstück Naturschutzgebiet werden soll. Egal, was dabei herauskommen sollte: Aktuell hat RWE zugesagt, bis 2020 nicht mehr im Hambacher Forst zu roden. Auch wenn irgendwelche Politiker*innen nun den Erhalt des Hambacher Forstes als „wünschenswert“ bezeichnet haben, ist die Zukunft des Waldes allerdings immer noch ungewiss.

Der Kampf letzten September hat seine Spuren hinterlassen: viele Besetzer*innen haben nach der Räumung den Forst verlassen, haben mit psychischen Problemen zu kämpfen. Doch die Besetzung ist immer noch da, mit vielen neuen Leuten und wie jedes Jahr findet um das Osterwochenende herum zwei Wochen Skillsharingcamp statt, wie immer mit spannenden Workshops zum Thema Ladendiebstahl, ohne Fahrschein und sonstwie „geldneutral“ mobil sein, sich bewusst verschulden, Drogenpolitik und -konsum, Raupkopieren, Gerechtigkeit jenseits von Staat und Polizei… Skills, die Anarchist*innen halt so brauchen. Die Besetzung des Hambacher Forsts setzt (auch) auf militanten Widerstand. Brandanschläge auf Baustellen von RWE, Blockaden, Molotowcocktails, Sabotage, Zerstörung von Baggern, das ganze Repertoire kommt zum Einsatz. Seit sieben Jahren halten sie ihre Besetzung, zumindest ein Teilsieg ist gerade errungen. Doch nicht nur da zeigt der Hambacher Forst, wie „Rebellion“ aussehen kann (ja, liebe „Extinction Rebellion“-Menschen!). Der Hambacher Forst war und ist auch ein Freiraum, um im Hier und Jetzt eine andere, anarchistische Art und Weise des Miteinanders zu erproben, auch in einem anderen Verhältnis zu anderen Lebewesen, zu den Bäumen und anderen Pflanzen und Tieren im Wald. Ein Ort des Austauschs, eine Inspirationsquelle. Viel Wissen und Erfahrung wurden und werden hier gesammelt und weitergegeben. Das bedeutet nicht, dass immer alles rosig dort läuft, und die Repression, der die Aktivist*innen durch den Staat ausgesetzt sind, ist äußerst kräftezehrend. Für viele „alte“ Aktivist*innen stellt sich aktuell die Frage: Was jetzt? Wie weiter? Kann ich das weiterhin leisten? Die Ideale sind weiterhin da, der Wille auch, nur die Kraft fehlt vielen gerade. In konsequenter Revolte zu leben ist nicht einfach. Doch es lohnt sich. Wir werden stärker, je mehr Menschen die Möglichkeiten entdecken, sich wirklich selbst zu wehren, ohne dabei bei Politiker*innen oder anderen Machtinstitutionen betteln zu gehen. Der Kampf um den Hambacher Forst kann uns da bestärken. Wir können uns inspirieren lassen, neue Möglichkeiten entdecken. Der Hambacher Forst ist auch ein Ort der Zusammenkunft, ein Ort, an dem mensch sich mit Gleichgesinnten austauschen kann, neue Skills lernen kann. Bis 24. April habt ihr sogar intensiv Gelegenheit dazu. Solange geht das Skillsharing-Camp noch.

[Hambacher Forst] Trafohäuschen und Pumpstation ausser Gefecht gesetzt

In der Nacht von Mittwoch, den 17. auf Donnerstag, den 18. April wurde ein Trafohäuschen mit Graffiti verschönert und unbenutzbar gemacht, ein weiteres wurde in Brand gesetzt. Die danebenstehende Pumpstation nahm am Freudenfeuer teil und ist dadurch ebenfalls schwer beschädigt worden. Alle Orte der Revolte befanden sich in der Nähe des Hambacher Forstes.

[Hambacher Forst] Baustellenrohre entwendet

Mehrere jeweils 150 kg schwere Baustellenrohre und eine Kabeltrommel wurden von einer RWE-Baustelle in der Nähe des Hambacher Forstes entwendet. Bei einem Überfall der Bullenschweine auf die Waldbesetzung am letzten Mittwoch wurden in der Nähe leider die Rohre wiedergefunden. Ob die Bullen sich beim Zurücktragen wenigstens ein paar Bandscheibenvorfälle zugezogen haben, ist bislang unbekannt.