Archiv der Kategorie: Aufruf

Andreas Krebs braucht dringend unsere Solidarität!

Unserem Freund Andi geht es zunehmend schlechter. Er ist nun seit mehr als vier Jahren in Neapel inhaftiert und leidet seitdem an den Folgen seines immer noch unbehandelten Krebs. Er wird von Tag zu Tag schwächer und fühlt sich nur noch miserabel. Darüber hinaus lässt die Anstalt immer wieder Briefe verschwinden, behält Post ein oder verzögert die Ausstellung von Briefen um viele Wochen.

Andi hat erst nächstes Jahr sein Revisionsverfahren in Rom, doch es ist bei seinem derzeitigen gesundheitlichen Zustand komplett ungewiss, ob er diesen Tag noch erleben wird. Er hat in den letzten Monaten extrem an Gewicht verloren und hat andere Symptome einer ernsthafter Krebserkrankung. Ein unbehandelter Krebs kann nach vier Jahren jederzeit tödlich sein… und der Staat will, dass Andi stirbt. Andi stirbt einen langsamen Tod und es interessiert den (italienischen und den deutschen) Staat einen Dreck.

Wir erwarten von dem Staat weder Gerechtigkeit noch Fürsorge, doch die Umstände, die Andi gezwungen ist zu erdulden sind auch für uns immer wieder schockierend und es scheint unglaublich, dass mitten in Europa einem Inhaftierten jegliche ernsthafte medizinische Versorgung verweigert wird. Mal dient sein Status als angeblicher „linker Terrorist“ als Begründung, warum er nicht ins Krankenhaus kann, dann die Überlastung durch die Corona-Pandemie, dann wieder irgendwelche bürokratisch-jursitischen Verklausulierungen und dann wieder seine rebellische Haltung.

Der Staat war und ist schon immer ein Mörder gewesen und schreckt vor keinem Massaker zurück. Im März 2020 sind in Italien bei Knastrevolten insgesamt 25 Gefangene von Staatsdienern ermordet worden, alleine neun im Gefängnis von Modena – ein in der Geschichte Italiens unvergleichbares Ereignis. Zeitgleich wurden in dem Gefängnis Santa Maria Capua Vetere, wo Andi zuvor absaß, Gefangene systematisch gefoltert und kollektiven Strafen und Erniedrigungen wie dem Abrasieren der Kopfhaare ausgesetzt. Wenn der Staat mit Rebellionen und Revolten konfrontiert ist, schreckt er vor keiner Bluttat zurück – das hat nicht zuletzt das Massaker am Piazza Fontana 1969 in Mailand gezeigt.

Andi hat während seiner 21 Jahre andauernden Einsperrung in deutschen und italienischen Knästen immerzu auf seine eigene Art gekämpft und rebelliert, hat Protestaktionen organisiert und dem Staat immerzu die Zähne gezeigt. In dieser Zeit und in seiner Zeit auf freiem Fuß ist Andi unser Freund geworden. Seitdem er wieder in Italien inhaftiert ist, versuchen wir ihn und seine Freundin Jutta emotional, finanziell und sozial zu unterstützen.

Andis momentaner Zustand sieht alles andere als gut aus, deswegen wollen wir einerseits alle Freund*innen und Unterstützer*innen von Andi aufrufen (und auch sonst alle Feind*innen von Staat und Justiz) ihm Briefe, Postkarten, Bücher und Zeitschriften zu schicken, um ihm zu zeigen, dass er nicht vergessen ist und Informationen über seine Lage an unsere Ohren dringen. Andererseits wollen wir hier noch einmal klar und deutlich festhalten: Wenn Andi stirbt, war es der Staat, der ihn ermordet hat. Das soll keine rhetorische Floskel oder Metapher sein, sondern ist Tatsache. In den letzten vier Jahren wurde in unzähligen Dokumenten im Internet und auf Papier auf seinen tragischen gesundheitlichen Zustand hingewiesen und sowohl sein Anwalt als auch Untertsützer*innen haben den Staat etliche Male aufgefordert Andi medizinisch zu versorgen und seinen Krebs zu behandeln. Doch von der deutschen Botschaft bis zum obersten italienischen Gericht bis zum Anstaltsarzt hat niemand etwas unternommen. Die medizinische Versorgung wurde konsequent unterlassen. Manchmal haben Ärzte ein großes Tamtam gemacht, doch keiner von ihnen hat gehandelt. In den letzten Jahren wäre es kein größeres medizinisches Problem gewesen, Andis Krebs zu entfernen. Jetzt schon! Wir gehen davon aus, dass es die explizite mündliche Anweisung gab und gibt, Andreas sterben zu lassen… weil er er ist, wer er ist und aus seinen Ideen und seiner revolutionären Haltung nie einen Hehl gemacht hat.

Wenn Andi stirbt, war es der Staat, der ihn ermordet hat und wir werden wissen, gegen wen wir unsere Wut richten werden.

Schreibt Andi an folgende Adresse und schickt ihm Zeitungen oder Bücher:

Krebs Andreas
Sezione 3 Stanza 1
S.A.I.
Via Roma Verso Scampia 350
CAP 80144 (NA)
– ITALY –

Wenn ihr sein Buch „Der Taifun“ bestellen wollt, schreibt an:

andreaskrebs at riseup.net

Wenn ihr Andi finanziell beim Kauf von Lebensmiteln und Medikamenten unterstützen wollt, überweist eine Spende an:

Empfänger: Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs

Boris im Krankenhaus: Aktions- und Solidaritätsaufruf

Seit Samstag morgen, den 7. August, liegt unser Freund und Gefährte Boris in der Station für schwere Brandverletzungen des Krankenhauses von Metz im künstlichen Koma, nachdem es in seiner Zelle gebrannt hat. Da seine Atemwege durch den Rauch und den Ruß stark vergiftet wurden, ist immer noch nicht klar, ob er überleben wird. Sobald es sein Gesundheitszustand erlaubt, soll eine erste Hauttransplantation vorgenommen werden.

Seitdem ist Antony Speciale, Journalist von Lorraine Actu eifrig darum bemüht, die Version des Geschehenen zu übernehmen, die Fadila Doukhi, die Regionaldelegierte der Schließergewerkschaft Force Ouvrière verbreitet hat. Der Priorität gegenüber den Aasgeiern der Presse verpflichtet, wird das Gefängnis sich erst spät am Tag die Mühe machen die Familie zu benachrichtigen, weit nach der Veröffentlichung in der Rubrik Vermischtes. Wenig überraschend werden die Schließer für ihre schnelle Reaktion angesichts dieses Ereignisses, das direkt von einem Jahr Einsperrung produziert wurde, beglückwünscht.

Es ist für uns heute schwer nachzuvollziehen, was geschehen ist. Boris kann sich momentan natürlich nicht selbst dazu äußern, und ganz offensichtlich können wir von den Schließern und der Verwaltung nur Berichte erwarten, die sie von jeder Verantwortung freisprechen.

Wie auch immer die Umstände dieses Vorfalls ausgesehen haben mögen, ist die einzige Gewissheit, dass die Knastverwaltung, die Justiz, ihre Lakaien und ihre Welt verantwortlich sind.  Es ist klar, dass in der Gefängniswelt diese „Unfälle“ von der Staatsgewalt hervorgebracht werden. Diese Situation ist die Folge der institutionalisierten Folter. Da, wo die Körper eingesperrt sind und ihre Bewegungen genauestens verfolgt werden, sind Feuer in der Zelle manchmal das letzte Mittel seine Ununterworfenheit oder seinen Schmerz hinauszuschreien. Wir zeigen mit dem Finger auf die Wiederholung dieser Vorfälle, die sich regelmäßig in Dramen verwandeln, je nachdem, wie schnell die Schließer eingreifen. Von Villepinte im Juni 2020 über La Santé im Oktober desselben Jahres bis zu Lille-Sequedin im letzten Juli, der Zellenbrand von Boris ist kein Einzelfall.

Seit seiner Verhaftung am 22. September 2020 für die Brandstiftung an zwei Funkmasten im Jura am 10. April 2020 inhaftiert, wurde Boris am 19. Mai 2021 zu einer Strafe von 4 Jahren Knast, davon zwei auf Bewährung, und zu einer Geldstrafe von mehreren hunderttausend Euro verurteilt. Das Gericht hat den Prozess hinter verschlossenen Türen verhandelt, trotz der Abwesenheit und des Antrags auf Vertagung des Prozesses seiner Anwältin. Als Publikum waren alleine zwei Familienmitglieder erlaubt. Unter dem Vorwand von Hygienemaßnahmen wurden Freund.innen und Gefährt.innen am Eingang des Gerichts aufgehalten, während ein Journalist des Est Républicain eine Einladung erhielt um einen Scheißartikel auszubrüten und den Anschein einer Scheinöffentlichkeit der Verhandlung zu wahren.

In einem im Juni aus dem Knast heraus verfassten Brief kommt Boris auf seine Tat und seine Motivationen zurück, die gegen die Kontrollwerkzeuge gerichet waren, wie auch gegen die verheerenden Auswirkungen des Abbaus der benötigten Materialien für die Herstellung dieser Technologien für alles Leben. Er bezeichnet die Überwachungs-, Distanzierungs- und Ausbeutungsgesellschaft als dystopisch, die uns der Kapitalismus und der Staat auferlegt.

Es erscheint uns notwendig die Reichweite der Gedanken und der Handlung von Boris, die ihn in den Knast gebracht haben, so weit und so tief wie möglich zu verbreiten. Mit der gleichen Solidarität, die er in sich getragen hat, als er dieses menschliche und ökologische Desaster angriff. Weil wir uns weigern, angesichts des Gesundheitszustandes und der Inhaftierung unseres Freundes und Gefährten in einem Ohnmachtsgefühl zu verharren, rufen wir dazu auf unserer Solidarität Ausdruck zu verleihen, in dem wir die Venen der Herrschaft und der Knastwelt angreifen.

Die Situation von Boris erinnert uns daran, dass der anarchistische Kampf eine Spannung zwischen der Wut zu leben und diesem System des Todes ist, dass sich fügen lügen heißt [Mühsam, Der Gefangene] und dass wir den Weg des Aufstands wählen anstatt den der Resignation.

Ein Angriff auf eine.n von uns ist ein Angriff auf uns alle!
Lasst uns aufrührerisch und solidarisch sein!

Quelle: Sans Nom, erschienen bei Indymédia Lille, 25. August 2021

[Neapel] Solidarität mit Andreas Krebs

Der in Neapel gefangen gehaltene Anarchist Andreas Krebs braucht dringend medizinische Versorgung, die ihm seit Monaten verweigert wird. Vor einigen Monaten wurde bei ihm Nierenkrebs diagnostiziert, die ihm bereits zugesagte Operation wird dennoch immer noch nicht durchgeführt. Medikamente muss er selbst bezahlen. Deshalb gibt es nun einen Spendenaufruf für folgendes Konto:
Empfänger: Krebs
IBAN: DE 90 1005 0000 1067 1474 26
BIC: BELADE BEXXX
Verwendungszweck: Spende/Andreas Krebs.

Auch über Zuschriften oder Bücher (über Motorräder und philosphische Fragen) an folgende Adresse freut er sich:
Andreas Krebs
Sez. 1 Stz.1
Sez. Mediterraneo (CASA CIRCONDARIALE SECONDIGLIANO)
Via Roma Verso Scampia, 250,
Cap 80144 Napoli (NA),
Italy

Mehr Infos zu seinem Fall findet ihr hier.

Subversiver Mai 2019 – Gegen jedes Gefängnis, ob mit oder ohne Mauern

Internationale Solidarität und Komplizenschaft mit den angeklagten und gefangenen Anarchist*innen

Hiermit soll der Vorschlag eines anarchistischen 1. Mai 2019 in Berlin auf einen ganzen Monat der Solidarität ausgeweitet werden. Ob nun mit Info-Veranstaltungen, Diskussionen oder direkten Angriffen, liegt in der Spannung und Konfliktualität jedes einzelnen Individuums und dessen Zusammenhänge.

Die Geschichte des alltäglichen Elends hat viele Gesichter: Menschen die aus ihren Wohnung verdrängt werden, da im Kapitalismus die Wohnung eine Ware ist; Menschen die zu „Illegalen“ werden, weil irgendwelche scheiß Papiere ungültig sind; gelangweilte, auf‘s Smartphone gaffende Gesichter, die wie Halbtote ihrer Arbeit nachgehen müssen, um sich als Prekäre irgendwie über Wasser zu halten; oder diejenigen hinter den Knastmauern, da sie sich nicht an irgendwelche Spielregeln von Staat und Kapital gehalten haben. Die bestehende Gesellschaft beruht auf Grenzen und Papieren, auf Kontrollen, Überwachung und dem Knast, auf der täglichen Ausbeutung und Entfremdung, auf Geld, Eigentum und Herrschaft. Mit diesem täglichen Elend versucht jede*r irgendwie umzugehen, ob durch soziale Abstumpfung, Dopaminausschüttung vorm Computer oder Smartphone, durch Drogen, Alkohol und „Feiern“, oder dadurch, vereinzelt Schlupflöcher zu finden, um das Elend etwas einzudämmen.

Ein anarchistischer Vorschlag gegen das tägliche Elend und eine Gesellschaft, die ein Gefängnis unter freiem Himmel baut, ist Aufstand und sozialer Umsturz! Der Vorschlag der Selbstorganisation, des direkten Angriffs und der individuellen und kollektiven Revolte ist keiner, der sich auf eine Reaktion bezieht, sondern der in die Offensive geht und die Herrschaftsstrukturen angreift. Wenn sich der 1. Mai in Berlin von Seiten Anti-Autoritärer und Anarchist*innen wieder angeeignet wird, schlagen wir vor, diesen einen Tag auf einen ganzen Monat auszuweiten. Es ist ein Vorschlag, die eigene Würde im direkten Angriff, der Verbreitung selbstbestimmter Ideen oder der Anhäufung von Attacken zurück zu erlangen.

Die direkte Propaganda einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung erklärt sich dabei zum Feind von all jenen, die von der Herrschaft profitieren und sie beschützten. Zum Feind jeglicher Herrschaft und Macht, gegenüber Bullen in Uniform oder pseudo-polizeiliche Bürger*innen, dem Gericht, der Bank und der Bosse, Faschist*innen in den Straßen und am Schreibtisch, gegenüber jeglicher Politik und den reformistischen Linken. Als Feind der Knast- und Abschiebemaschinerie und dem technologischen Fortschritt, der dabei hilft die Gesellschaft in ein Gefängnis ohne Mauern zu entwickeln.

Die Idee und die Sehnsucht einer Gesellschaft basierend auf freier Vereinbarung und Selbstbestimmung ohne Staat und hierarchischen Strukturen, besteht über Grenzen und Mauern hinweg. Nichtsdestotrotz und gerade deswegen finden sich Anarchist*innen auf der Anklagebank, auf der Flucht oder im Knast wieder. Und nicht selten wird von Seiten des Staates versucht, die Betroffenen als Terrorist*innen zu diffamieren, um sie (und vor allem den Drang zu einer Welt weit entfernt der kapitalistischen Logik) gesellschaftlich zu isolieren.

Im folgenden eine unvollständige Liste von aktuellen Repressionsfällen in Europa:

  • In Italien geht der Staat (mit einem Faschisten als Ministerpräsident) massiv mit mehreren Polizei- Operationen gegen Anarchist*innen vor.Durch die Operation „Panico“ werden 3 Anarchisten in Florenz verhaftet.
    • Im Februar werden 14 Menschen in Turin und Trient verhaftet und der Bildung einer subversiven Vereinigung, Anstiftung zu Verbrechen, sowie Besitz, Herstellung und Beförderung von Sprengkörpern an einen öffentlichen Ort, angeklagt.
    • Derweil wurde in Italien das vorläufige Urteil im Prozess der Operation “Scripta Manent” gesprochen, die Staatsanwaltschaft verlangt insgesamt 204 Jahre Knast (von 6 bis 30 Jahre für die unterschiedlichen Angeklagten).
  • In Zürich wurde am 29. Januar ein anarchistischer Gefährte auf der Straße verhaftet und in U-Haft gesteckt. Ihm wird vorgeworfen: Aufruf zu Straftaten bezüglich dem Kampf gegen neue Knäste, Brandanschläge auf Autos der Schweizer Armee, sowie auf einen Polizeifunkturm. Ein anderer Gefährte befindet sich wegen Letzterem und der polizeilichen Suche seit zwei Jahren auf der Flucht.
  • In Basel wurden 18 Menschen angeklagt (15 davon verurteilt) im Juni 2016 an einer wilden Demonstration teilgenommen zu haben, bei der es mehrere Angriffe gab, u.a. gegen die Parteizentrale der rassistischen SVP, eine Bankfiliale der UBS, verschiedene Versicherungen und das Strafgericht, wobei anrückende Bullen mit Steinen und Flaschen beworfen wurden.
  • Seit April 2016 befindet sich die Anarchistin Lisa im Knast (zuerst in Deutschland und nun in Spanien), da ihr Bankraub in Aachen vorgeworfen wird.
  • Der Anarchist Thomas Meyer-Falk sitzt bereits seit 1996 im Knast (momentan in der JVA Freiburg), da er für einen Bankraub verurteilt wurde. Der deutsche Staat hält ihn weiterhin gefangen durch die sogenannte Sicherungsverwahrung.
  • In Hamburg sitzt der Gefährte Loic aus Frankreich in U-Haft. Ihm wird vorgeworfen, während des G-20 an einem wütenden Mob teilgenommen zu haben, der durch die Elbchaussee in Hamburg zog, und diverses Eigentum von Reichen, das Gericht und kapitalistische Infrastruktur angriff.
  • Am 29. April beginnt der Prozess gegen 12 Anarchist*innen in Belgien, denen 14 Straftaten vorgeworfen werden. Es handelt sich um Angriffe, besonders im Zusammenhang eines Kampfes gegen ein Abschiebelager und den Bau eines neuen Knastes in Brüssel.

Die praktische Solidarität für alle angeklagten und verurteilten Anarchist*innen bedeutet, weiterhin den Traum einer herrschaftsfreien Welt im Herzen zu tragen und ihn praktisch zu äußern. Darauf, dass sie weitere Herzen entflammen…

„Wenn der Kampf für die Freiheit eine Straftat ist, dann ist die Unschuld wahrhaftig das Schlimmste von allem.“ (Aus einem Flugblatt bezüglich des Prozesses gegen die Anarchist*innen in Belgien)

Mit erhobenem Kopf gegen die Klauen des Staates – ob auf der Flucht, gegen das alltägliche Elend, im Knast, umschlossen von Mauern oder in dieser knastähnlichen Gesellschaft!

Feuer allen Knästen, ob mit oder ohne Mauern!

Quelle: https://prisonsociety.blackblogs.org/

Die Lifestyleanarchist*in Vol. 03 – Call for Papers

Im Sommer 2019 soll die Lifestyleanarchist*in zum dritten Mal erscheinen.

In der dritten Ausgabe wollen wir uns schwerpunktmäßig mit dem Thema Arbeit und Faulheit auseinandersetzen:

In jeder Gesellschaft fallen Arbeiten an, die zur Befriedigung individueller und kollektiver Bedürfnisse erforderlich sind. Diese Arbeiten werden in aller Regel arbeitsteilig – wobei die Verteilung in aller Regel geprägt von den Hierarchien der Gesellschaft ist – von den Mitgliedern der Gesellschaft erledigt, wobei viele Gesellschaften einen Teil ihrer Arbeiten auch von menschlichen wie nichtmenschlichen Individuen, die nicht (vollwertiger) Teil der Gesellschaft sind, erledigen lassen. Die Verteilung der zum Erhalt einer Gesellschaft erforderlichen Arbeiten und auch deren Definition war in vergangenen Epochen ebenso wie heute ein bedeutendes Herrschaftsinstrument. Menschen wurden und werden – mal mehr subtil, mal weniger – dazu gezwungen, ihre Arbeitskraft in die Dienste anderer Menschen zu stellen, die dann über den damit erzeugten Mehrwert verfügen. Insofern ähneln sich ansonsten ganz und gar unterschiedliche Unterdrückungsmodelle im Zusammenhang mit Arbeit, von Sklaverei und Lehnsherrschaft über frühe Fabrikarbeit, Arbeitslager bis zu moderner Knastarbeit, Zeitarbeit oder auch sogenannter „freier Mitarbeit“.

Dabei sind es keineswegs ausschließlich materielle (ökonomische) Zwänge, die die Menschen dazu verleiten, Teil dieses Systems zu sein. Gerade in modernen Gesellschaften, in denen der Zwang zur Arbeit deutlich subtiler ausfällt, als noch vor einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten, kommt den verbreiteten Arbeitsideologien eine zunehmend bedeutendere Rolle zu. Diese dienen unter anderem dazu, Mitglieder der Gesellschaft, die sich der Arbeit (scheinbar) verweigern, zu stigmatisieren, sie sollen Hoffnung auf Besserung des eigenen Lebens durch Arbeit (reich werden) machen und sie werten bestimmte Arbeiten, vornehmlich reproduktive, ab und bürden diese bestimmten Mitgliedern der Gesellschaft (z.B. Frauen) auf, die diese in der Konsequenz nicht nur ohne Entlohnung verrichten, sondern dafür auch noch eine gesellschaftliche Abwertung erfahren.

Nicht nur, aber ganz besonders in Deutschland herrscht seit einiger Zeit eine ganz besonders absurde Arbeitsideologie. Diejenigen, deren Arbeitskraft in verhältnismäßig großem Maße ausgebeutet wird, fordern nicht etwa ein Ende dieser Ausbeutung, nein sie fordern noch mehr! „Sozial ist, was arbeit schafft“ (CDU/CSU, FDP, INSM), „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ (Müntefering, SPD) sind inzwischen gängige politische Parolen der Mehrheitsgesellschaft. Kein Wunder, dass mensch sich da davor ängstigt, dass „Ausländer“ einem die „Arbeitsplätze klauen“.

Trotz der offensichtlichen Existenz einer solchen, von der gesamten Mehrheitsgesellschaft getragenen, Arbeitsideologie verklären auch viele linken Kritiken an Arbeit und Kapitalismus im Allgemeinen die Verhältnisse: Auf der Suche nach klaren Feindbildern müssen entweder einige unbestimmte „Kapitalist*innen“ oder gar das (personifizierte oder auch nicht personifizierte) „Kapital“ als Verursacher*innen herhalten, manchmal sind es gar ganz bestimmte Berufsgruppen – etwa Banker und Manager –, die als Sündenböcke herhalten sollen. Gerade letzteres erinnert – ob gewollt oder ungewollt – an die Federsche Unterscheidung von „schaffendem“ und „raffendem Kapital“ und bedient nicht selten auch andere klassische antisemitische Klischees.

Wir wollen in der kommenden Ausgabe der Lifestyleanarchist*in nach anarchistischen Analysen von Arbeitsideologien und deren Rolle im kapitalistischen System suchen. Dabei wollen wir uns nicht auf ein statisches und aus der Zeit gefallenes Herrscher*innen-Beherrschte-Schema beschränken, sondern versuchen, der hohen Komplexität der (heutigen) Verhältnisse Rechnung zu tragen. Zugleich möchten wir natürlich auch nach Ansätzen suchen, adäquaten Widerstand zu leisten: Wie lassen sich gängige Arbeitsideologien aufbrechen? Wie können wir den Ablauf der Produktivität stören und welchen Erfolg können wir uns davon versprechen?

Wir sind gespannt auf eure Beiträge zu diesem Thema.

Wie immer freuen wir uns aber auch über alle anderen anarchistischen Beiträge. Schickt sie uns per E-Mail an die-lifestyle-anarchistin@riseup.net (vorzugsweise verschlüsselt – PGP Key) oder nutzt unser Kontaktformular.

Einsendeschluss für Beiträge der dritten Ausgabe ist der 26. Mai 2019.

Gegen das Symposium der Demo für Alle am 23.02.

Aufruf von kAoS München

Am 23. Februar 2019 plant die sogenannte „Demo für Alle“ ein „wissenschaftliches“ Symposium zum Thema „Elternrecht versus Staat: Wohin führen „Kinderrechte“ im Grundgesetz?“ in München. Mitorganisiert und unterstützt wird das Ganze unter anderem auch von der rechtskonservativen Zeitung „Die Tagespost“, der extrem rechten Zeitung „Junge Freiheit“ und der Online-Petitionsseite „CitizenGo“, die sich hauptsächlich als ein Sprachrohr von reaktionären christlichen Fundamentalist*innen begreift. Frühere Veranstaltungen unter dem Namen „Demo für Alle“ wurden von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch und den „Christen in der AfD“ unterstützt. Auch bekannte queerfeindliche Publizistinnen wie Birgit Kelle oder Gabriele Kuby gehörten zu den Unterstützer*innen der „Demo für alle“. Auch die extrem rechte „Identitäre Bewegung“ und Vetreter*innen ähnlich gesinnter Organisationen – etwa der NPD – nahmen an den Demonstrationen der „Demo für Alle“ teil. Dass die „Demo für Alle“ mit ihren Bündnispartner*innen so großen Anklang im rechten Spektrum findet und bis in die vordersten Reihen mit extrem rechten Akteur*innen besetzt ist, ist sicher kein Zufall. Für extrem rechte Ideologie spielte die „Ehe“ im Sinne der Veranstalter*innen schon immer eine große Rolle. Im Nationalsozialismus etwa wurde die „Ehe als Keimzelle der Volksgemeinschaft“ verherrlicht. Auf einer Website der Symposiumsrednerin Elke Möller-Nehring heißt es: „Die Familie ist die natürliche Zelle des gesellschaftlichen Lebens und die Voraussetzung für den Bestand des [..] Rechtsstaates.“

Auch die politische Ausrichtung des Symposiums steht im Vorhinein schon fest. In einem Flyer zum Thema „Kinderrechte“ werden diese konsequent abgelehnt, da sie vermeintlich eine Gefahr für die „traditionelle“ heteronormative Familie darstellen. Weshalb sie trotzdem in einem anderen Flyer der „Demo für Alle“ von einem „Recht des Kindes von Mutter und Vater erzogen zu werden“ träumen und sie dabei fordern, dass dieses „Recht“ „auch im Fall einer Adoption geachtet werden“ müsse, bleibt fraglich. Dies lässt vermuten, dass sie an sich nichts gegen Kinderrechte einzuwenden hätten, insofern sie ihrem Weltbild entsprächen. Dass das hier aber nicht der Fall ist, zeigt deren Besorgnis und Argwohn gegenüber den neuen Gesetzesentwürfen. Dies macht umso mehr klar, dass es ihnen nicht nur um das von ihnen gewählte Thema „Kinderrechte“ geht, sondern dieses auch instrumentalisiert wird um ihre anderen antifeministischen, homo- und transfeindlichen Positionen zu propagieren. Diese sind z.B. das Hochhalten der konservativen „Vater-Mutter-Kind“-Familienkonstellation als „natürliches Familienbild“. Eine Infragestellung dieses „natürlichen Familienbilds“ oder der „natürlichen Geschlechter“ (was auch immer das sein mag, vonseiten der „Demo für Alle“ jedenfalls gibt es dafür keine Erklärung) gilt für sie als „Indoktrination“. Doch damit nicht genug: Die „Demo für Alle“ wendet sich gemä????ß ihres Selbstverständnisses gegen die „durchdringenden Umerziehungsversuche gut organisierter Lobbygruppen und Ideologen“. Dieses extrem rechte Narrativ hat Verschwörungsideologie-Charakter. Außerdem sind sie gegen Schwangerschaftsabbrüche und gegen eine Sexualaufklärung bei Kindern. All diese Positionen sind Ausdrücke einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Die Veranstalter*innen vereinen zahlreiche Akteur*innen des rechten Spektrums und fungieren dabei als ein Sammelbecken rechter, antifeministischer Organisationen. Dies wollen wir nicht tolerieren und rufen deshalb auf am 23. Februar ab 9 Uhr 30 in München dem Symposium in der „Wappenhalle“, Konrad-Zuse-Platz 7 mit vielfältigen kreativen Aktionen entgegenzutreten.
Einlass zum Symposium: 10 Uhr, Beginn: 11 Uhr

Gegen die Verbreitung von heteronormativer, antifeministischer, trans- und homofeindlicher Hetze!