Gegen seine Geschichte, Gegen Leviathan! – Kapitel 5

Die Israeliten, welche sich aus der Ägyptischen Sklaverei zurückziehen und dann beginnen, ihren eigenen Lindwurm in die Welt zu setzen, führen nichts ganz und gar Neues in die Levante ein, mit Ausnahme der erfindungsreichen Theorien ihrer Führer.

Sie besetzen die Felder und Hütten derjenigen, über welche sie obsiegen können, und mühen sich dann, den Geboten ihrer verblichenen Führer Folge zu leisten.

Man sagt Moses nach, dass er, zusätzlich zum abstrakten Gotte Jahwe, seinen Abkommen viele verschiedene Gesetze gegeben habe, durch welche sie sich reinhalten sollten unter den Augen des Gottes. Nachdem sie sich zwei oder drei Generationen lang reingehalten haben, beginnen sie damit, die Lebensweisen ihrer unreinen Nachbarn anzunehmen. Redner vor dem Volke fielen im Bemühen, zu ergründen, was Moses nur vorgeschwebt haben könnte, bisweilen dem Wahn und der Raserei anheim.

Dergleichen öffentliche Ausbrüche, Anfälle und Trancen scheinen in den Leviathanen des Altertums weit verbreitet zu sein, und lassen diese Örter nachgerade frei erscheinen, verglichen mit den beherrschten Käfigen der Verständigung, die unser Dasein umgeben.

Nach einer allmählichen Gewöhnung an die Hütten und Felder der enteigneten Kananaaniter fragen sich einige Redner, ob nicht Jahwe etwa gewollt hätte, dass sein auserwähltes Volk in den Genuss einiger Güter seiner Phönizischen, oder einiger eherner Waffen und der damit verbundenen militärischen Tauglichkeit der Philistrischen Nachbarn gerate. Ein rasender Prophet erkennt, dass den Israeliten nur die Idee eines ‚Königs der Könige‘ bekannt ist, während die Völker des Ostens, die Assyrer, die wahrhafte Idee des Königs in Verkörperung Assur-rabis II. besitzen.

Ein Mann namens Saulus nimmt diese Herausforderung an, indem er mit dem Ausheben von Truppen geschwind den Assyrern nacheifert. Er wird bei dem Versuch, die Stärke seiner Truppen gegen die der eisernen Philister zu setzen, getötet, worauf ein mit eisernen Riesen vertrauterer Mann der Israeliten es vollbringt, den Israelitischen Leviathan dem Philistrischen Lindwurm anzugleichen.

König David gelingt es dann, die überlebenden Söhne Levis in taugliche Mordmaschinen, eingegliedert in ein stehendes Heer, das durch eherne Söldner noch ergänzt wird, zu verwandeln.

Mit dieser Gewalt ist der Monarch zumindest befähigt, den Rest der Träume Moses und Deborahs zu erfüllen, Moab, Ammon, Edom und Aram zu verkleinern. Gegen seine ehemaligen philistrischen Verbündeten verbündet er sich mit den Phöniziern von Tyros, Verehrern des Gottes Baal, und zeigt mit der Leichtigkeit seines Sieges über die Philister, dass die eisernen Menschen mitnichten Riesen waren.

Von einem weiteren Redner befeuert, ahmte der siegreiche Monarch die Verehrer Baals nach, indem er seinem Gotte einen Tempel erbaute. Die Tatsache, dass dieser Gott kein totes Relikt einer vor-leviathanischen Vergangenheit, sondern der Könige König, die Abstraktion des Leviathans selbst, ist, stört niemanden. Dem Gott dieses Tempels wird auf die nämliche Weise gedient, wie dem der Zikkurats.

Der Sohn König Davids erbt die Krone und verrringert in Gottes Namen die Bevölkerung noch entschiedener, und ergebene Männer häufen in ihren Häusern Reichtümer an, gleichfalls im Namen des Gottes, wie es auch die Babylonier in Marduks, die Assyrer in Assurs und die Phönizier in Baals Namen tun. Die Gottheiten unterscheiden sich in Ursprüngen und Eigenheiten, doch lediglich darin, selbst nach der Spaltung des einheitlichen Leviathans in zwei zankende Leviathane namens Israel und Judäa. Die Geschichtsschreibung ist sumerisch-akkadisch, das Recht babylonisch, die Sprichworte sind ägyptisch, die Psalme phönizisch.

Der Schimmer eines anderen glänzt einmal auf, als der Redner Elisa vor einem Teil des Volkes mit einem dergestalt ungewöhnlichen Gott gegen diesen Mangel an Ursprünglichkeit wütet, aber es gelingt ihm doch nicht, einen neuen Beginn zu setzen, geschweige denn einen neuen Exodus auszulösen.

Stanley Diamond wird hervorheben, dass das Buch Hiob eine Entschuldigung für diesen Unwillen, sich in einer menschlicheren, sinnvolleren Richtung zu bewegen, darstelle. In einem Meer der Armut scheint dem altertümlich gesinnten Hiob persönlicher Reichtum unvereinbar mit althergebrachten Weisen des Gesellschaftslebens, bis es ihm gelingt sich zu überzeugen, den Reichtum als Lohn für die blinde Unterwerfung unter den unerforschlichen Gott anzunehmen.

Der von Max Weber beschriebene Dünkel der weit späteren Puritaner ist bereits weit verbreitet. Diese Selbstgefälligkeit würde nicht gegeisselt werden, bis der egalitäre Schäfer Amos dagegen aufbegehrt, doch dann würde es bereits zu spät sein, wie Amos selbst in der Schrift an der Wand erahnen würde. Tiglat-Pileser III. wird den todgeweihten assyrischen Leviathan wieder zu einer hervorragenden Kriegsmaschine erneuen, und beginnen, ganz Mesopotamien und die Levante zu verschlingen. Des Heeresfürsten Nachfolger, Sargon II. , wird den ersten Staat Israels erobern und dessen Bewohner deportieren, und Sennacherib wird dem Staate Judäa einen änhlichen Hieb versetzen. Während ihrer langen Gefangenschaft in Assyrien und dann Babylonien wird es Moses Erben dann gelingen, etwas Neues zu schaffen. Die Erinnerung jenes Messias, welcher sie aus der früheren Gefangenschaft führte, wird ihnen nicht nur Hoffnung, sondern auch ein für Gefangene jeden Zeitalters ungewöhnliches Gemeinschaftsgefühl verleihen.

* * *

Dieser Mangel an Originalität, der den freien Erben Moses eignete, kann nicht auf ihre Umzingelung durch konterrevolutionäre Heere zurückgeführt werden – eine Entschuldigung, welche die Erben Lenins später nutzen werden. Die Israeliten in Kanaan bleiben zehn oder zwanzig Generationen lang (die Zahl hängt davon ab, ob es möglich ist, der anerkannten Zeitrechnung zu trauen, deren Vertrauenswürdigkeit in Frage gestellt werden wird) von den Heeren der Riesen, sowie von denen der Pygmäen unbelästigt.

Der Riese der Hethiter hört auf, irgendjemanden in der Levante zu drängen, weil er völlig vom Antlitz der Erde verschwindet. Dieser träge Leviathan, welcher Ägyptens Macht in Kadesh begegnete, verfällt so vollständig, dass sich die Griechen, welche später auf seinen verschütteten Festungen Olivenbäume pflanzen, nicht einmal seines Namens erinnern werden. Die Israeliten, welche die Geschichtsbücher schreiben, werden nur jenen in Erinnerung behalten, so dass die Pracht dieser Zivilisation erst zum Vorschein kommen wird, als Archäologen unserer Tage sie unter Hügeln von Schmutz ausgraben werden. Weder grosse Kriegszüge, noch Dürren oder Verschiebungen der Erdplatte sind nötig, um den Niedergang dieses Erben Mohano Daros’ Schicksals zu erklären. Jene ägyptischen Geschichtsschreiber, welche den Niedergang ihres riesenhaften Nachbarn erlebten, berichten, dass schlicht niemand sich erhob, für Khatti zu kämpfen. Den Gruppen von Mykenäern, Phrygiern und Ioniern, welche den Wehrdienst in den Heeren des anatolischen Leviathans weigern, gelingt es schliesslich aus den selben Gründen, die verbleibenden Festungen Ḫattušas zu stürmen, wie Attila dem Hunnen, der später Rom plündern würde. Das Ungeheuer ist verlassen worden.

Die Unsterblichen sterben eines Tages doch, und nicht nur, wenn sie von grösseren Leviathanes verschlungen werden, sondern auch, wenn ihre menschlichen Bestandteile sich zurückziehen und das Aas verrotten lassen. Die künstlichen Drachen haben kein eigenes Leben.

Tänzer umkreisen Cybele, die Erdengöttin, und feiern ihre wiedererlangte Freiheit. Sie werden noch immer tanzen, da sie zehn oder fünfzehn Generationen später Besucher aus Athen als von Königinnen gelenkte Völker beschreiben, und so auch werden die Athener jene Völker verstehen, welche weder von Archoi noch von Königen regiert werden.

Es wäre freilich eine Übertreibung zu behaupten, dass in Anatolien nichts von dem hethitischen Lindwurm verblieben . Frühere Eingezogene , die mit Eisen bewehrten Mykener, und die Ionischen Gruppen männlicher Abenteurer und Mörder, deren Feldzüge Homer besingen würde, sind schwärende, vom verfallenden Leviathan in Cybeles anatolische Erde geschlagene Wunden. Die Segmente des Lindwurms regen sich weiterhin, sind jedoch lediglich Schädlinge an den Rändern friedlicher Dörfer, bis der phönizische Krake sie mit seinem pupurnen Schlick ausfüllt.

Der ägyptische Riese hört aus ähnlichen Gründen auf, die Levante zu belästigen, wenngleich dieser Leviathan nicht so vollständig verfällt wie sein hethitischer Nachbar. Er erstarrt. Genötigt, um potentielle Verschwörer zu werben, streikenden Gruppen von Arbeitern ihre Anführer abzukaufen, mit vormaligen, zu den lybischen Abenteurern übergelaufenen Provinzen zu verhandeln, wagen es die Ägypter nicht länger, etwas zu tun, was ihre Vorfahren nicht getan hatten. Diese konservative Haltung bietet dem Pharao, Priestern und dem Volk ausreichend Anlässe, den toten Göttern in Tempeln und Schreinen ihre Achtung zu zollen. War nicht dies das grosse Ziel der Begründer des Lindwurms? Die Götter kommen in Ägypten auf; Modernismus und Säkularität würden nur die Überreste dessen beseitigen, was an wenigem noch von einer seit langem toten Vergangenheit verblieben ist.
Der assyrische Riese verlässt ebenso die Levante von allein, zumindest zehn oder zwanzig Generationen, bevor er die Israelitischen und Phönizischen Einwohner der Levante deportiert. Auf diesen Riesen werde ich jedoch noch einmal zurückkommen.

Zunächst will ich die Pygmäer, die Phönizier Tyras, Sidons und anderer unabhängiger Enklaven, die nächsten Nachbarn der Israeliten in Kanaan, betrachten. Sie sind Kaufleute zu Wasser, und werden an allen Küsten, die ihre Schiffe reichen, die roten oder purpurnen Männer geheißen, da sie ein Weltmonopol der Purpurfarbe besitzen und es auch wohl zu schützen wissen. Ihre purpurnen Stoffe und Kleider sind so wertvoll allenthalben, wie es Gold oder Uran in späteren Zeiten sein werden.

* * *

Die Söhne Levis gehen die engsten Beziehungen mit ihren phönizischen Nachbarn ein, derart, dass sie selbst Frauen aus Tyros heiraten und sich selbst vor Baal niederwerfen. Ich habe die Vermutung, dass gerade diese Nähe die mangelnde Originalität der levantischen Israeliten erklären könnte. Der Fluch der Arbeit lastet denn schwer auf den Pflanzern und Mähern, welche einen beträchtlichen Teil ihrer Jahresernte für ihrer begüterten Nachbarn purpurne Gewänder und andere gute Dinge, mehrenteils aus fernen Ländern, hergeben.

Die Voreingenommenen späterer Zeiten werden einmal alle Juden als Kaufleute darstellen, ungeachtet der Tatsache, dass, von der Herrschaft Davids bis zur Zeit Hezekiahs die Einzelheiten des Handels ihnen ferner sind als Baal es ist. Sie sind Landwirte oder, das trifft es besser, Bauern. Unserer Tage würden wir die beiden kleinen israelitischen Staaten als wirtschaftliche Kolonien der raubgierigen Phönizier bezeichnen, da es ihnen an Zeit wie an Kraft, originell zu sein, gebricht.

Die Gewänder und anderer Tand, den die tyrischen Männer so grosszügig ihren hart arbeitenden Nachbarn verkaufen, kosten sie wenig, und im Gegenzug werden die Händlersstädte mit dem nötigen Vieh und Getreide aus dem eigenen freundlichen Hinterland versorgt. Sie haben es nicht nötig, zu diesem Zwecke Schiffe nach Anatolien oder Syrakus zu entsenden, und vermögen daher die Schiffe mit leichteren und weit wertvolleren Dingen als Vieh oder Weizen zu beladen.

Die phönizischen Händler, deren großes Geheimnis darin liegt, ihnen selbst Günstiges zu verkaufen, und anderen Teures zu nehmen , und noch größere Mengen an Dingen, von dort, wo sie mannigfach vorhanden, an Orte zu bringen, wo sie selten sind. Damit nun fahren sie so lange fort, bis die vordem reiche Quelle versiegt, und schicken sich danach an, neue Quellen zu erschöpfen.

Ehe Salomon in Israel und sein Stiefvater Hiram von Tyros herrschten, waren Bäume ebenso reichlich wie Elephanten in der Levante. Nach ihrer Herrschaft jedoch waren Bäume in Schiffen und Tempelmauern verbaut und Elephanten ebenso exotisch in der Levante geworden, wie Karibus.

Gewaltige phönizische Schiffe kreuzen nun die rote und arabische See, um Stoßzähne von den indischen Elephantenjäger zu sammeln, welche ihrerseits nach dem Purpur der Levante und lybischen Erzen gieren. Hinsichtlich der Reduktion von Lebewesen auf Gegenstände, die in Schiffen transportiert werden können, und hinsichtlich der Neuverteilung zerstörter Tier- und Pflanzenwelten von ihnen lebensfreundlichen, nach ihnen lebensfeindlichen Orten, handelt es sich bei dem künstlichen phönizischen Kraken um einen noch größeren Gewalttäter an der Biosphäre als alle früheren Leviathane der Levante zusammen. Der wildnisfeindliche Geist des Westens wird Phönizien ungleich mehr verdanken als Purpurfarben.

Jene zehn oder zwanzig Generationen, die mit dem Niedergang der Hethiter beginnen und mit dem Feldzug der Assyrer ihr Ende finden, sind eine Hochzeit der levantinischen Metropole, nicht seiner wirtschaftlichen Kolonien. Die krakenähnlichen künstlichen Männer des kleinen Tyros und Sidons sind die einzigen noch bestehenden Leviathane westlich von China, und ich würde mich selbst zu der These versteigen, dass die relative Ruhe der assyrischen Kriegsmaschine zumindest in Teilen dem Ansturm auf exotische Güter anzulasten ist, deren Erwerb selbst die Mittel der Assyrer begrenzt.

Allein, die Phönizischen Vorgänger der Athener, Venetier und der handeltreibenden Amerikaner sind noch spärlicher belegt als alle anderen Leviathane der Antike. Wir erfahren von ihnen hauptsächlich durch die Zeugnisse anderer. Die Händler tragen ihre Gehemnisse mit ins Grab.

Alles, was wir wissen, ist, dass ihr krakenähnliches Reich, bestehend aus Schiffen und Handelsposten viele, wenn nicht alle Küstenlinien der Erde umfasst. Außerdem wissen wir, dass sie ihre Häfen an den Küsten Afrikas und der spanischen Atlantikküste begründeten. Barry Fell wird behaupten, dass die Phönizischen Schiffe bereits lange vor den Seglern Sevillas die Hochsee befahren, und einige werden darauf hinweisen, dass sie sogar den friedlichen Ozean zu queren wagen und mit ihrer Überfahrt die Errichtung der Statuen bärtiger Männer auf den Polynesischen Inseln bedingen würden.

Wir werden wissen, dass die Etrusker, während oder kurz nach der Regentschaft Hirams auf der Italienischen Halbinsel, plötzlich lernen, ihre eigene Sprache zu schreiben, indem sie sich Hirams Alphabet bedienen. […] Wir werden wissen, dass viele dieser Handelsposten, ob nun Gadir (Gades, Cadiz), Tarshish an der atlantischen Küste, die bekannten Posten Carthago, Sardinien oder Sizilien, ob die zahlreichen Posten an der Adria oder der ägäischen See, sich schnell in krakenähnliche Ungeheuer verwandeln und ihr eigenes Hinterland mit der Gründlichkeit ihrer Erbauer plündern, um wohlversorgt mit Gütern zu sein, sobald die großen Schiffe einlaufen.

Dank der fortschrittlichen Aktivitäten der geheimnisvollen Phönizier entwickelt sich das westliche Eurasien schnell zu einem dichten Netz ineinander verflochtener Tentakeln, einem Orte, da freie Menschen weder zu springen, noch stehen, noch sitzen vermögen.

* * *

Der phönizische Krake lebt von Israeliten und anderen Völkern aus seinem ursprünglichen Entschluss heraus, sich der Leviathan-Werdung zu widersetzen.

Wir gewahrten, dass frühere Leviathane die Menschen der Steppe bewegten , zu fliehen oder sich zu verteidigen, und das beides Wellen in Bewegung versetzte, die selbst im fernen China zu spüren waren.

Mittani, Kassiter und Hethiter waren einige der vielen, die sich erkühnten, dem Leviathan zu begegnen, und sich anschließend in ihrem eigenen leviathanischen Netz wiederfanden. Bewaffnet und befestigt, ließen die ehernen Hethiter mit ihren Raubzügen um Tribute und Aushebungs-Jagden neue Wellen entstehen.

Mykener, Ionier und Dorier mögen, als Antwort auf diese Provokationen der Hethiter, hinabgestiegen sein nach Anatolien und dem griechischen Festland und Archipel. Linguistisch sind diese Völker Cousins der Hethiter, Kassiter und Mittani, der Arier, die sich in Indien erstmals zeigten, und selbst der Perser, denen es einmal gelingt, über ganz Anatolien und die Levante siegreich hervorzugehen.

Iranisch- (oder Indo-Europäisch-) oder Türkisch-sprechende Stämme scheinen sich gemeinsam in die Steppen zu begeben. Später werden sie an den Grenzen des römischen Reiches auftauchen; zumindest sind sie einander keine Fremden. Einige dieser Stämme sind sesshaft und verlassen ihre Orte lediglich, wenn sie dazu gedrängt werden; andere sind Nomaden, die hirtenähnlich leben. Einige züchten Pferde, welche sich schnell von Mesopotamien nach China bewegen können, und einige wiederum schmieden sich ihre Waffen aus Eisenerz.

Mykenische Griechen weilten schon zur Blüte des hethitischen Leviathans in Anatolien und auf dem griechischen Festland. Mykenische Vasen aus der mittleren hethitischen Zeit werden in Zypern, Ägypten und der Levante sowie sogar auf Sizilien und in Irland gefunden werden; Mykenisches Olivenöl muss in all diese Gegenden auf Phönizischen Schiffen gebracht worden sein, da es keine Nachweise einer grossen mykenischen Flotte geben wird. Gelegentlich machten sie Gebrauch von Aushebungen, doch verfügten zu keiner Zeit über einen König oder ein stehendes Heer. Ihre frühere Gemeinschaft war zerbrochen, doch sie hatten sich noch nicht in einem eigenen Leviathan eingesperrt, obgleich sich ihr Theseus dafür mit großen Mühen verwendete. Sie schlossen sich entweder Hethitern auf den Aushebungs-Jagden an oder unternahmen eigene Raubzüge; Neulinge von fast identischer Sprachzugehörigkeit behandelten sie nicht als Verwandte, sondern Feinde. Die Mykener verstärkten ihre Städte und hielten sich, möglicherweise mithilfe der Hethiter, die Neulinge vom Leibe. Beinahe direkt nach dem Niedergang der Hethiter begannen, eine nach der anderen, die Mykenischen Festungen in die Hände der Ionischen oder dorischen Griechen zu fallen.

Die Erniedrigungen, welche die Neulinge vor ihrer Ankunft zu ertragen hatten, werden einer genauen Erforschung nicht zur Verfügung stehen, da die Griechen späterer Zeit ihre vor-leviathanische Vergangenheit zu vergessen sich entscheiden werden. Nichtsdestoweniger können wir versuchen, einen Eindruck der Natur dieser Erniedrigungen zu gewinnen, indem wir unseren Blick zu anderen Orten schweifen lassen.

Auf einer assyrischen Schrifttafel, welche entstand, als sich gerade die Zerstörung der Mykener zutrug, prahlt ein Gelehrter Tiglat-Pileser I., dass der Tyrann und sein Heer in einem einzigen Feldzuge im nördlichen Gebiet des Vansees Tausende Muški – unter dieser Bezeichnung fassten sie Phrygier, Hurriter und Griechen anderer indo-iranischer Sprachzugehörigkeit – gefangen nahmen.

Die Griechen entledigen sich ihrer mykenischen Vorfahren, als das phönizische Wirtschaftsimperium gerade seine Hochzeit erlebt. Gleich ihren Vorfahren, den Guti, bilden sie Stamm-Verbünde von Kriegern, angeführt von dem vormaligen Priester Basileus, der nun ihr Kriegsfürst ist. Ebenso wie die Guti, bleiben sie so lange verbunden, dass sie den Kontakt mit ihren ursprünglichen Gemeinschaften verlieren. Von ihren ehemaligen Göttern erhalten sie sich hauptsächlich Zeus, den blitzeschleudernden Donnergott, der den Kriegsfürsten leitet. Sie übernehmen Minotaurus, das taurische Labyrinth, Helena, Artemis und Demeter von Anatolien und Kreta. Die phönizischen Schiffe bringen ihnen Kadmus, Europa und ein leviathanisches Projekt.

Die frühesten Verbünde, unter ihnen das bekannte Geschlecht Agamemnons, scheinen so entschieden wie die späteren Mongolen, jegliche Spur dessen, was die Griechen “Zivilisation” nennen würden, zu tilgen. Sie reißen Festungen nieder, erbauen sie nicht von neuem, machen Paläste dem Erdboden gleich, ohne sie nachzubilden, und zerstören Schrifttafeln ohne sich ihre Inschriften anzueignen. Ihre Speere sind ihre Götter und sie leben um des Kampfes wegen.

Doch als die großen Schiffe einlaufen und purpurne Tuche und Elfenben entladen, befleissen sich die Helden, jene Fremden beim nächsten Mal mit Geschenken zu empfangen. Ihre Nachbarn, besonders die Frauen unter ihnen, zwingen pressend das Öl aus Oliven und den Saft aus den Beeren. Die Griechen tragen ihren Nachbarn an, sie zu schützen anstatt sie zu erniedrigen, und bieten einige der Geschenke, die sie von den Phöniziern erhalten hatten. Sie postieren Wachen vor Schreinen und Tanzflächen, wo sich Frauen bis in den Wahn berauschen und sich gegen die Beschützer verschwören. Und die Griechen füllen ihre Lager mit Vasen.

Agamemnons Enkel erscheinen vor der Ägaer Küsten als Händler von Wein und Öl, und eine nach der anderen, werden die Enklaven zu Tentakeln des phönizischen Kraken.

Als das Haupt des Kraken vom assyrischen Lindwurm verschlungen wird, existiert jede griechische Tentakel für sich.

Diese Geschichte wird meist als das zwielichtige Aufstieg der Griechen aus den Fängen des Dunkels in das Licht der Zivilisation erzählt. Doch wenigstens ein, noch unbewehrter, Grieche, erlebt diese Begebenheit als etwas von dem Aufstieg ins Licht sehr Unterschiedliches.

Der Dichter Hesiod erinnert sich besserer Zeiten. Er ist ein Zeitgenosse der assyrischen Invasion Phöniziens und somit ein Zeitgenosse der Griechen, die ihr eigenes Handelsimperium zu beginnen sich anschicken, Hesiod berichtet von fünf Zeitaltern oder Generationen der Sterblichen. Die ehesten, nomadische Hirtenvölker, die irgendwo in der Steppe und den Gebirgen lebten, waren ein güldnes Geschlecht. Und sie lebten gleich Göttern ohne ein Weh des Herzens, ferne und frei von Mühe und Trübsal. In Frieden und Leichtigkeit weilten sie auf ihren Landen, an Herden und vielen guten Dingen reich und geliebt von den gesegneten Göttern.

Diese nun sind noch nicht ganz hinfort; sie wandern rings auf der Erden, in Nebel gehüllt, und wachen über Urteil und Missetat.

Noch immer in den Steppen, wurden die nomadischen Hirten-Gemeinschaften gestört von den Mittlern eines Leviathans und es zeigte sich eine zweite Generation, die silbern und weit unedler war. Dem güldnen Geschlecht ähnelt’ sie weder im Hinblick des Körpers, noch des Geistes… Zeus, Sohn des Kronos, zürnte ihnen und raffte sie hin, da sie des Olymps heiligen Göttern keine Ehre zu leisten mehr mochten.
Da die Erde bedeckte das zweite Geschlecht, traten jene auf, die sich verbündeten gegen die Störer; ein drittes, nun schamloses Geschlecht von Sterblichen, sprosste aus Eschen; und war dem silbernen ungleich in jeglicher Art, doch furchtbar und stark. Sie liebten des Ares klagenswerte Werke und gewaltsame Taten; sie assen kein Brot, sondern waren im Herzen hart, dem Demanten gleich, schreckliche Männer. Grossartig war ihre Stärke und unüberwindbar die Waffen, die entwuchsen den ihrigen Schultern und Gliedern. Ihr Schild, ihre Häuser waren von Bronze geschmiedet, und so auch ihr Werkzeug…Diese wurden zerstört durch die eigenen Hände und schieden hin, nach des Hades schauerklammem Hause, und hinterliessen keinen Namen…

Sodann kamen die von Homer lobgepriesenen Kriegsfürsten, die

Heldenmenschen, so man Halbgötter nennt, ein Geschlecht vor dem unsern… Der grimmige Krieg und das fürchterliche Gefecht rafften hin einen Teil der Ihrigen, einige in dem Lande des Kadmus vor dem siebentorigen Theben, wo für des Ödipus Scharen sie stritten, einige, da er sie in Schiffen gebracht über des troischen Meeres gewaltigen Arm.

Zuletzt reiht sich daran die fünfte Generation, Hesiods eigene, die Opfer und Helfershelfer der Wein- und Ölhändler, die Griechen, welche zuletzt durch die phönizischen Führer in die Künste der Zivilisation eingeweiht wurden. Hesiod schreibt:

Wäre ich doch nur nicht ein Lebender unter diesen Menschen der fünften Generation, wäre ich doch vielmehr zuvor des Todes gewesen oder nach ihnen geboren worden. Denn dies Geschlecht ist nun ein ehernes, und Menschen rasten am Tage nicht und halten vom Sterben sich fern nicht des Nachts… Es könnt’ doch ihr Recht sein: und einer wird doch des andern Stadt plündern. Unbegünstigt bleibt derjenige, der seinen Schwur hält und der Gerechten oder Gute; Eher werden sie den Übeltäter und sein gewalttätges Handeln preisen… Der Neid, der, faulen Mauls und starren Blickes sich labet an dem Übel, wird, zusammen mit dem ganzen erbärmlichen Menschengeschlechte, vom Antlitz dieser Erde ein für alle Male, scheiden. Dann endlich werden Aidos und Nemesis, weißgewandet ihre wohlgestalten Körper, des Erdballs weiten Pfad beschreiten, um, die Menscheit verlassend, den Göttern, den ewigen, Gleiche zu werden.

Hesiods Erinnerung vergangener Dinge verleiht ihm eine Kraft, die Moses vermisste; die Kraft, sich seiner leviathanischen Maske zu entledigen, indes immernoch in das leviathanische Netz eingewebt zu sein. Solch eine Kraft werden wir als kritische Theorie bezeichnen, eine öde Bezeichnung dafür. Später wird diese Kraft zu einem zweischneidigen Dolche geschmiedet, doch nicht durch die Griechen, denen sie Hesiod gibt.

Hesiods griechische Mitmenschen wenden diesem Geschenk, das er ihnen so freimütig übergibt, den Rücken zu, denn in eben diesem Moment, als er sie ihres eigenen Goldenen Zeitalters erinnert, verschlingt der assyrische Leviathan der Griechen phönizische Mentoren und Lenker, und Hesiods Zeitgenossen bereiten sich vor, sich in ihren eigenen Kraken hineinzustürzen.

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