Gegen seine Geschichte, Gegen Leviathan – Kapitel 4

Das Buch am Ursprung der heutigen zivilisierenden Religionen beginnt nicht mit Zivilisations-Erbauer*innen, etwa mit den Sumerern, die den ersten Leviathan zum Leben erweckten. Sein erstes Kapitel erzählt von einem irdischen Garten, Eden, einem Ort, der an den Naturzustand erinnert. Sein zweites Kapitel erzählt von dem Auszug von Menschen aus den Eingeweiden eines großen Leviathans. Das Buch beschreibt dann unkritisch den Versuch dieser Menschen, selbst einen Leviathan zum Leben zu erwecken, aber das Buch fährt fort, von schmerzhaften und oft unerträglichen Gefangenschaften in den Eingeweiden anderer Würmer zu erzählen. Der allgemeine Eindruck, den es vermittelt, ist, dass die Wunder der Zivilisation keine positiven, das Leben steigernden Wunder sind.

Auszüge aus Zivilisationen sind so zahlreich und häufig, dass die lebensverzehrenden Würmer in einem ständigen Zustand des Zerfalls zu sein scheinen.

Der Exodus Israels aus Ägypten ist kein großer Auszug, aber er ist ein gut dokumentierter, so dass wir Einblicke in einige der Handlungen und sogar einige der Gedanken der Teilnehmer*innen gewinnen können.

Die Subjekte des Exodus sind Zeks in Ägypten, aber sie scheinen relativ privilegierte Zeks zu sein. Sie sind vorschriftlich. Sie sind keine Menschen mit einer einheitlichen Denkweise, wie sie später in der Geschichte enthüllen werden und wenn sie nicht sogar aus einem einzigen Stamm stammen, werden sie durch ihre späteren gemeinsamen Erfahrungen zu einem zusammengeschweißt werden.

Sie sind nicht sehr lange in Ägypten gewesen, bloß ein paar Generationen, sodass sie sich daran erinnern, dass es eine Welt außerhalb Ägyptens gibt. Ihr Bezug zum irdischen Garten mag sogar eine Erinnerung an eine Welt außerhalb von Leviathan sein. Turner wird vorschlagen, dass der einzige Garten, an den sie sich erinnern, der mesopotamische Garten des Lugals und seiner akkadischen Nachfolger sei.

Das mag auf einige von ihnen tatsächlich zutreffen, aber ich haben den Verdacht, dass einige von ihnen etwas anderes im Kopf haben.

Vierzig Generationen nach ihrem Exodus aus Ägypten werden die Schriftgelehrten dieser Menschen ihr Buch schreiben; in ihm werden sie akkurat von politischen und militärischen Ereignissen erzählen, wie sie auf Tafeln und Schriftrollen beschrieben sind, die modernen Forscher*innen zugänglich sind, den Schriftgelehrten jedoch nicht zugänglich waren. Die Erinnerungen der vorschriftlichen Menschen sind lang. Menschen, die sich der Taten von Pharaos, Hethitern und Assyrern erinnern, können sich auch daran erinnern, dass ihre eigenen Vorfahren einst in Gemeinschaften freier Menschen lebten, egal ob im Jemen oder in Äthiopien, und dass diese Vorfahren mit Tieren, mit der Erde, mit dem Geist des Himmels und dem Geist des Apfelbaumes kommunizierten.

Ich habe den Verdacht, dass sie sich erinnern und Eden nennen, woran sich andere als das Goldene Zeitalter erinnern. Und wenn wenn sie sich in Ägypten unwohl fühlen, muss die Erinnerung, dass es ein Außerhalb gibt, sogar ein angenehmes, idyllisches Außerhalb, in ihnen ein Verlangen wecken, die größte und wohlhabendste aller antiken Zivilisationen zu verlassen.

Ungeachtet ihrer Nostalgie für das, was Morgan und Engels eine primitivere Stufe des Seins nennen werden, eine Stufe, die keine Produktionsweise war, sind sich diese relativ privilegierten Zeks des materiellen und sozialen Zustands ihres Zeitalters sehr wohl bewusst. Sie wissen, dass der ägyptische Leviathan nur ein Monolith unter anderen ist und sie scheinen eine ganze Menge über die anderen zu wissen. Das ist nicht überraschend, da sie sich an jüngere Vorfahren lebhafter erinnern, als sie sich an Edens Adam erinnern, und zumindest einer dieser jüngeren Vorfahren, ein Mann namens Abraham, stammte aus Haran, einer genau an der Kreuzung zwischen den größten Leviathanen der Welt gelegenen Stadt. Selbst wenn dieser Abraham nicht neben dem Palast des Regierungsoberhauptes oder dem Tempel, sondern in einem Außenbezirk lebte, war er sicherlich vertraut mit der inneren Stadt und ihren Gärten und möglicherweise sogar mit den Gärten anderer Städte.

Abraham muss sogar noch vertrauter mit den Händlern und Soldaten der großen Leviathane gewesen sein, da Haran entlang der Straße gelegen war, die von assyrischen Handelsreisenden genutzt wurde, die nach überraschenden Gewinnen in Anatolien suchten und der friedliche Handel der Händler am Tage führte beinahe unvermeidbar zu Zusammenstößen ungehobelter Armeen in der Nacht, die Harans Außenbezirke in eine sich verdunkelnde Ebene verwandelten.

Abrahams Sippe wurde sicherlich in die verwirrten Rufe zum Kampf und zur Flucht gefegt. Sie mögen sogar an Seiten der gepanzerten ägyptischen oder hethitischen Männer als Hilfstruppen gekämpft haben. Es ist unwahrscheinlich, dass sie jemals Hilfstruppen der Assyrer gewesen sind, da ihr Buch nur Angst und Schrecken vor den Todesschwadronen ausdrückt, die von den Tyrannen von Assur und Ninive ausgesandt wurden.

Die Schriftgelehrten werden schreiben, dass ihr Vorfahre Abraham bereits ausschließlich Jahwe verehrte, aber das ist sicherlich Wunschdenken ihrerseits, da Abrahams Großenkel in ihrer späteren Gefangenschaft in Ägypten noch immer verschiedenen Naturgöttern huldigen.

Uns wird nicht genau erzählt, wann oder warum Abrahams Sippe ihren Weg nach Ägypten nahm oder mitgenommen wurde, aber es gab viele Gelegenheiten, zu denen solch eine Reise opportun oder sogar notwendig gewesen sein könnte.

***

Die wiederholten Versuche der akkadischen und amoritischen Nachfolger Lugalzagesis den weltumfassenden Leviathan wieder zum Leben zu erwecken hatten den unbeabsichtigten Effekt viele der Menschen auf der Welt in Bewegung zu versetzen.

Wir haben bereits gesehen, wie beunruhigend ein Besuch durch einen Händler, seinen Cousin und einige bewaffnete Männer sein konnte. Gemeinschaften von Aussäher*innen und ländlichen Nomad*innen nahmen ihre Waffen auf, entweder um sich vor zukünftigen Besuchen zu schützen oder um zu versuchen, ihre gefangengenommene Sippe zu retten.

In Anatolien zwangen einflussreiche Frauen den Pankuš, die Versammlung aller, ihre Lebensweise gegen den Angriff der Todeshändler zu verteidigen und die mächtigeren Gemahle einflussreicher Frauen begannen Mauern zu errichten. Spätere hethitische Schriftgelehrte werden sich auf ihren Tafeln nur auf den mächtigeren Gemahl beziehen und sich an ihn als König Labarnasch den Ersten erinnern, aber sie werden sich erinnern, dass der König ein bloßer Gemahl war, da die Frauen bis in die Zeit der Schriftgelehrten stolz und stark bleiben werden. Anatolische Frauen werden nicht so leicht entwürdigt werden; mehr als 50 Generationen später wird Herodot von anatolischen “Amazonen” sprechen und es wird bis in Roms patriarchales Zeitalter noch immer mächtige Frauen in Anatolien geben.

Während die sesshafteren Gemeinschaften dem Ungeheuer widerstanden, indem sie sich selbst einmauerten, machten es mobilere, ländliche Nomad*innen, wie es die Guti getan hatten, und stürmten die Tore der betrügerischen Leviathane. Zu dieser Zeit haben die habgierigen Tentakeln der verschiedenen Leviathana die Ur-Großeltern beinahe aller Menschen, die die Tore der Leviathane in späteren Zeitaltern stürmen werden, auseinandergerissen, die Ur-Großeltern von Sanskrit- und Iranischsprachigen, von Tungusisch- undTürkischsprachigen, der Mongolen, Finnen und Ungaren. Die Mesopotamier*innen nannten sie Kassiten, Hurriter und Mittani. Die Ägypter*innen nannten sie Hyksos. Von den anatolisch-beinflussten Hethitern sagt man, dass sie von ihnen hervorgebracht wurden.

Viele dieser königlosen Völker ritten auf Pferden und einige handhabten eiserne Werkzeuge, aber das machte sie in keiner Weise zivilisierter als die kupferverarbeitenden Vorfahren der Ojibwa der Great Lakes; die Pferde und das Eisen wurden erst zu Produktivkräften, zur Technologie der Zivilisation, nachdem sie Teil von Leviathans Waffenarsenal geworden waren.

Diese Menschen hatten keine Angst Städte anzugreifen und ihr Zorn trieb viele von ihnen dazu, die Stadtzentren ihrer Störer vollständig ins Chaos zu stürzen. Sanskritsprachige Kassiten, die mit Elamitern verbündet waren, machten das Meiste des Imperiums der Amoriter dem Erdboden gleich und erreichten sogar die Grenze nach Babylon.

Die Cousins der Kassiten, von den Assyrern Hurriter genannt, bildeten ihr eigenes Bündnis berittener Männer im armenischen Hochland und zermürbten Assur, sowie Assurs levantische Außenposten.

Die Menschen oder Völker, die Hyksos genannt wurden, verbündeten sich mit ägyptischen Armeen und jagten die Assyrer aus der gesamten Levante.

Die hethitische Armee verbündete sich mit Hyksos, Hurritern und Kassiten und plünderte das kommerzielle Aleppo, das Juwel der Levante, sowie das entfernte Babylon selbst, und halfen den Kassiten, den Amoritern die gleiche Bürde aufzuerlegen, die die Amoriter den Kassiten auferlegt hatten.

Es mag sein, dass Abrahams Sippe den Hyksos dabei half, assyrische Außenposten aus der Levante zu verdrängen und einige ihrer Mit-Hilfstruppen in das Heimatland des großen Bruders am Nil zu begleiten, wo das Leben weniger von verwirrten Rufen zum Kampf und zur Flucht erfüllt war. Oder es mag sein, dass sie eine Generation später Zuflucht am Nil suchten, als berittene Mittani den Gebieten Assyriens das antaten, was die Kassiten denen Babylons angetan hatten.

Es ist auch möglich, das Abrahams Sippe von den siegreichen Ahmosiden gefangen genommen wurden. Oder sie mögen einige Generationen später von einer Zeks-jagenden Expedition an den Nil verschleppt worden sein, die von dem zweiten Thutmosis ausgesandt worden war.

Es erscheint wahrscheinlich, dass Abrahams Erben bereits etablierte Zeks in den Außenbezirken Karnaks oder sogar weiter südlich gewesen sind, als Menelaos und seine Mykener ihre Städte an der nördlichen Küste zum Mittelmeer befestigten, als ein Vulkanausbruch in Kreta die kommunale Steinbehausung einebnete, die später Minospalast genannt werden würde.

Vermutlich sahen sie – und halfen vielleicht sogar bei seiner Errichtung – den Palast von Königin Hatschepsut am anderen Nilufer, eines der schönsten architektonischen Wunder überhaupt – ein Palast, der von üppigen tropischen Gärten umgeben war, die später wieder zu Wüstensand zerfallen würden. Wie die Zeks anderswo auch fühlten sie vermutlich den Schmerz in ihren Gelenken, wenn sie die großen Monumente ihrer Herr*innen betrachteten. Aus eben jenem Grund konnten sie nicht an den Garten des Lugals gedacht haben, als sie sich an Eden erinnerten und sie konnten schwerlich angenommen haben, dass ihre Vorfahren aus einem solchen Garten des Lugals stammten.

Sie waren noch immer in Ägypten, als die Königin Hatschepsut von ihrem Nachfolger ermordet wurde, als die Schriftgelehrten ihren Namen von den Kartuschen radierten und den eindeutigen Beweis schufen, dass es niemals eine weibliche Pharaonin gegeben habe. Die Zeks müssen sich gefragt haben, ob all das wirklich getan werden müsse, um die Erinnerung an eine Frau auszulöschen, die niemals behauptet hatte, irgendetwas anderes zu sein als ein Mann.

Die Gefangenen konnten nicht wissen, dass während Hatschepsuts Name in Ägypten besudelt und vergessen wurde, der Frauenhasser Theseus, ein Archon basileus oder Befehlshaber einer Bande Mykener die anatolischen Amazonen besiegte, Antiope tötete, ihre Schwestern versklavte und sich selbst im befestigten Troja verschanzte.

***

Die Israeliten in Ägypten waren keineswegs unwissend über die Lebensweisen und Taten der großen Leviathane ihrer Zeit. Wir können sogar annehmen, dass sie mit diesen Lebensweisen und Taten nicht einverstanden waren. Einige unter ihnen, sowie einige unter den Hyksos, waren möglicherweise Modernisierer, die dachten, dass Lugalzagesi und andere Friedensstifter gigantischer Regionen Frieden brachten und nicht den Speer. Die Modernisierer*innen waren zweifelslos eine Minderheit. Die Mehrheit muss das gewesen sein, was wir Primitivist*innen nennen würden, Menschen, die nostalgisch auf den altertümlichen Garten und seine Naturgötter zurückblickten.

Die Modernisierer*innen unter ihnen konnten sich weder unter ihren Mitmigrant*innen noch unter ihren ägyptischen Gastgeber*innen geborgen fühlen, da zahlreiche Hyksos für ihre fremden Ansichten und Lebensweisen verstoßen wurden, als respektable Ägypter*innen ihre einstigen Verbündeten als Verwalter*innen des Sinai und der Levante ersetzten. Die Modernisierer*innen können nur Ressentiment empfunden haben, als Tuthmosis der Dritte Ägypter, denen alle kanaanitischen Sprachen fremd waren, sandte, um die Ländereien des Pharaos in der Levante zu verwalten und diese vor den grausamen Mittani zu schützen; Und die Möchtegern-Botschafter*innen müssen erzürnt gewesen sein, als Amenophis der Zweite die Tochter des mittanischen Artatama heiratete und dann ein Bündnis mit diesen Wagenlenkern gegen die Hethiter schloss.

Die Kinder oder Enkel der Modernisierer*innen, ebenso wie die Primitivist*innen, müssen sich von Amenophis dem Dritten abgestoßen gefühlt haben, der nicht nur die verhasste Allianz mit den Mittani fortsetzte und Botschafter*innen in das grauenvolle Assyrien sandte, sondern der auch seine eigene Tocher heiratete. Die unsägliche Herrschaft des Tyrannen hielt beinahe zwei Generationen lang an; Glücklicherweise scheiterte der Ischtar, der von den Mittani geschickt wurde, um das Leben des Tyrannen noch mehr zu verlängern.

Die Modernisierer*innen müssen das erste Mal befreit aufgeatmet haben, als ein fürstlicher Modernisierer als Amenophis der Vierte ins Amt des Pharaos aufstieg und seinen Namen in Echnaton änderte. Wenn dieser Pharao nicht der erste totalitäre war, so war der doch der erste revolutionär totalitäre.

Es wird unserer Tage gesagt werden, dass die Großväter von Moses ihren Monotheismus von Echnaton erlernten, von dem angenommen wird, dass er ihn erfunden hätte. Ich glaube dieser Pharao musste nicht erfinden, was seit mehr als fünfzig Generationen allgemeine Praxis seiner Tempelturm-bauenden Nachbar*innen gewesen war. Er könnte einige Details dieser Praxis von den semitisch-sprachigen Immigrant*innen in und um seinen Palast erfahren haben.

Der Pharao verfügte, dass ebenso wie er der König der Könige und der Herr der Herren war, auch Aton, der Sonnengott, fortan der Gott aller Götter sei. Die Revolution bestand nicht in dem Dekret, sondern darin, was darauf folgte. Bewaffnete Banden neu konstituierter Priester von Aton stürmten begleitet von den Truppen des Pharaos und möglicherweise von modernisierenden Immigrant*innen die Tempel aller anderen Götter und enteigneten alle anderen Priesterschaften, indem sie die Ländereien und Paläste Aton widmeten. Dies war ein Vorläufer der berümteren Religionskriege, die Europa in einem späteren Zeitalter verwüsten würden. Ägypten hatte nie zuvor einen solchen Ikonoklasmus, eine solche Verfolgung, eine solche innere Gewalt erfahren.

Zum Unglück der Modernisierer*innen erhoben sich ganze Geschwader konservativer Priester, die den verdrängten Göttern gegenüber loyal waren, gegen die Thronräuber und gegen ihren Gott Aton. Wenn irgendeiner der Immigrant*innen die Gunst von Echnaton gehabt haben mochte, so waren diese nun in Schwierigkeiten. Nachdem sie den neunjährigen Tutanchamun auf den Thron gesetzt hatten, fuhren die Götzen-anbetenden Priester*innen fort, die monotheistischen Partisanen so zu behandeln, wie sie zuvor behandelt worden waren. Eine neue Säuberungswelle gegen Fremde begann. Dies war eine gute Zeit, Ägypten zu verlassen.

Wenn Echnaton den Israeliten schon nicht den Monotheismus gebracht hatte, so hat er ihnen doch einen anderen Gefallen getan: Er hatte die Levante aufgegeben, als er seine Armeen nach Hause beordert hatte, um die Götzenbilder zu zerstören. Aber die Verfolgten erfuhren schnell, dass die Hethiten die Ägypter als Besatzer der Levante ersetzt hatten, so dass die Levante für die ägyptisierten Semiten noch immer nicht sicher war.

Also blieben die Israeliten wo sie waren und hielten sich bedeckt, als der Armeeführer Horemheb Echnatons Name besudelte, behauptete, die monotheistische Verwaltung sei korrupt gewesen, seine Steuereintreibungen betrügerisch, seine Beschlagnahmungen willkürlich und seine Armee eine Bande von Plünderern.

Die Israeliten mögen gehört haben, dass sich Zeks, die sich mit nomadischen Aramäern verbündet hatten, kürzlich den babylonischen Tyrannen gestürzt hatten und dass assyrische Todesschwadronen Babylon auf der Stelle eingenommen und den Rebellen abscheuliche Verstümmelungen zugefügt hatten. Solche Neuigkeiten ermutigten potenzielle Rebell*innen nicht gerade. Also blieben die Israeliten noch immer wo sie waren, während der erste und dann der zweite Ramses der Erinnerung an Echnaton das antaten, was der dritte Tuthmosis mit der Erinnerung an Hatschepsut gemacht hatte: sie auslöschen.

***

Schließlich kam der Tag, auf den sie gewartet hatten.

Der zweite Ramses, ein Größenwahnsinniger, der berggroße Statuen von sich selbst überall in Ägypten in Auftrag gab, entschied die Welt zu erobern. Dieser Pharao erschöpfte Ägypten seines Essens und seiner Vorräte um seine Armeen zu versorgen. Er marschierte nach Westen und reduzierte freie lybische Stämme zu Abgaben-entrichtenden Subjekten. Dann marschierte er nach Osten und Norden, in Richtung der Levante, mit der größten Armee, die jemals zusammengetrommelt worden war. Diese Armee, die sich selbst versorgte, indem sie entlang ihrer Route jede Gemeinschaft ausplünderte, erschuf eine unvergängliche Feindseligkeit entlang der gesamten südöstlichen Mittelmeerküste.

Unterdessen zogen die vorgewarnten Hethiter die größte Armee, die jemals nördlich von Ägypten aufgestellt worden war, zusammen, und bereiteten sich darauf vor, den Eindringlingen entgegenzutreten; ihre Armee erregte Feindseligkeiten entlang der gesamten nordöstlichen Mittelmeerküste.

Die beiden aufeinander zuschlurfenden, bewaffneten Giganten trafen sich in der Schlacht bei Kadesch am Orontes. Sowohl die Schriftgelehrten der Ägypter als auch die der Hethiter behaupteten, dass ihr Herr siegreich gewesen sei, aber die Leviathane eines jeden begannen von dem Tag nach dem Sieg an zu zerfallen.

Die siegreichen Hethiten kehrten nach Anatolien zurück und wurden von nachtragenden mykenischen und anderen Banden bewaffneter Abenteurer heimgesucht. Keines der hethitischen anatolischen Subjekte war bereit, weiterhin Khatushilischs Palast oder seine Armee zu unterstützen.

In der Levante hielten die Hethiten noch immer Karkemisch, aber Assyrer, die von Salmanassar angeführt wurden, setzten dem hethitischen Karkemisch ein abruptes Ende. Die Assyrer fuhren fort, “den Feind der Mittani abzuschlachten” und hätten vermutlich die gesamte Levante eingenommen, wenn sie sich nicht nach Osten hätten wenden müssen, gegen aufständische Babylonier, die von Elamitern unterstützt wurden.

Phönizische Handelsstädte, insbesondere Tyros und Sidon, die immerhin so frei waren, ihre eigenen Götter Baal und Moloch zu füttern anstatt die Götter ihrer hethitischen Lehnsherren, entsandten große Schiffe nach Libyen und anderswohin in Afrika, in die Ägäis und die Adria, eigentlich überall hin entlang des Mittelmeeres und bis in den Atlantik. Sie hinterließen Spuren ihrer Besuche in vielen Teilen der Welt, aber sie gaben ihre Ziele nicht an ihre Konkurrent*innen preis.

Rein zufällig wurden auf der entgegengesetzten Seite des Globus, jenseits eines Ozeans, der offiziell nicht durchsegelt wurde, bis ein gewisser Kolumbus diese Meisterleistung vollbrachte, gigantische Häupter geformt, Häupter von Menschen, die kein bisschen so aussahen wie irgendjemand, der jemals bei Tehuantepec gelebt hatte, die sogenannten Köpfe der Olmeken. Es wäre natürlich beleidigend den heutigen Nahua-Völkern und Maya nahezulegen, dass ihre Vorfahr*innen Praktiken wie das Erbauen von Zikkurats oder das Verfüttern menschlicher Opfer an Baal nicht erfunden haben. Aber eine solche Unterstellung wäre keineswegs beleidigend für die Vorfahren dieser Menschen gewesen, die tatsächlich darauf bestanden, dass sie viel von seltsam aussehenden Fremden gelernt hatten, die über das Meer gekommen waren.

Wie auch immer, im Mittelmeerraum riefen die Handelsreisende der großen Schiffe Verteidigungsbündnisse hervor, die mit kleinen Schiffen ausgerüstet waren und die schon bald ihrerseits zu Plünderungsexpeditionen aufbrachen.

Die gesamte Welt schien in hektische Bewegung versetzt worden zu sein.

Der zweite Ramses kehrte schon bald an den Nil zurück, um seine Heldentat zu feiern und er wies seine Bildhauer an, den Sieg von Kadesch auf die Mauern jedes neuen Tempels zu meißeln, auf jede Wand eine andere Szene der Schlacht.

Aber schon bald zerfiel Ramses Leviathan ebenso sicher wie der seines Feindes. Eine Verschwörung in seinem Palast brachte den Pharao fast zur Strecke. Zeks in den Arbeitskolonnen weigerten sich, weigerten sich einfach die ihnen zugeteilten Aufgaben auszuführen. Das war eine frühe aufgezeichnete Form des Streiks. Die Besorgnis, die von den Schriftgelehrten ausgedrückt wird, legt nahe, dass es sogar ein Generalstreik gewesen sein könnte. Und dann kam die Kunde, dass Libyer*innen auf dem Seeweg und andere mysteriöse Fremde das Nildelta überfielen.

Wenn die Israeliten jemals aus ihrer ägyptischen Gefangenschaft ausziehen wollten, dann war dies sicherlich die richtige Zeit dafür.

***

Die ausziehenden Gefangenen übertragen ihre Verantwortung an einen Moses, einen Ägypter, zumindest von mütterlicher Seite her. (In Ägypten werden Namen und Reichtum noch immer durch die mütterliche Erblinie weitergegeben, ein alter Brauch, den die Schriftgelehrten und Pharaonen kein bisschen besser abzuschaffen vermochten als die anatolischen Hethiten.)

Moses mag ein niederer Palastbeamter gewesen sein, der wegen seiner familiären Verbindungen zu den Fremden daran scheiterte aufzusteigen. Die späteren Äußerungen dieses Mannes sind geradezu fanatisch patriarchal und dieser Fanatismus lässt sich nicht einfach erklären, indem man auf die patriarchalen Tendenzen ländlicher Nomaden verweist; es werden Materialien gefunden werden, die zeigen, dass die israelitischen ländlichen Nomaden ebenso weibliche wie auch männliche Gottheiten in Ägypten verehren. Sein Vater war möglicherweise ein Beamter während Echnatons Herrschaft gewesen, der sein Amt verlor, als der monotheistische Pharao fiel, und der seither seinen Landsleuten seine modernistischen Ansichten vorgrummelte und anpries. Der Sohn, Moses, verschmäht seine Mutter offensichtlich, ebenso wie ihr Volk und entscheidet sich, ein Verfechter, ein Erlöser des Volkes seines Vaters und seines Halbbruders zu werden.

Wir werden keinen guten Grund haben, Moses Motive zu hinterfragen, seine Entscheidung auf Missgunst zu schieben. Das Buch porträtiert ihn als ein prinzipientreues Mitglied der herrschenden Klasse, das sich auf die Seite der Unterdrückten schlägt und wir können das akzeptieren und davon ausgehen. Er ist ebenso ideal geeignet für die Aufgabe die Gefangenen aus dem Leviathan zu führen, wie jeder andere Cousin eines Ensis. Er braucht bloß zu sagen, “Lass mein Volk ziehen” und seine ehemaligen Beamtenkollegen und sogar Verwandte werden die nötigen Anweisungen und Papiere ausstellen.

Das Ziel ist klar. Moses wird die Gefangenen nach Kanaan führen, was erst kürzlich von all den großen Armeen verlassen wurde, von denen zumindest zwei der Besetzer wahrscheinlich nicht so bald zurückkehren werden: Der ägyptische Leviathan wird von Streikenden, Verschwörern und Plünderern beschäftigt, und der hethitische Leviathan scheint allen Berichten zufolge, die Moses gehört haben muss, gänzlich zu zerfallen, heimgesucht von anhaltenden Hungersnöten und feindlichen Plünderern. Die dritte große Armee, die assyrische, ist anderswo beschäftigt; ihr Tyrann Tukulti-Ninurta unterwirft am Tigris Babylonier und Elamiten und ruft sich selbst als König der Könige, Herr der Herren, Sonne aller Menschen aus. Folglich erscheint Kanaan ein sicherer Zufluchtsort zu sein, zumindest für den Moment.

Aber für Moses Gefolgsleute, zumindest für die “Primitivist*innen” unter ihnen, bedeutet Kanaan etwas anderes; es bedeutet für sie eine gewohnte Sprache, ein ursprünglich gewohntes Zuhause; es bedeutet wahrscheinlich etwas wie der Eden, zu dem sie zurückkehren wollten. Warum sonst sollten sie eine kriegsgebeutelte levantinische Provinz “das gelobte Land” nennen?

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Moses ein Modernisierer wie sein Vater ist, besonders nicht angesichts der Tatsache, dass er Ägypten mit den Zeks verlässt. Das Buch macht deutlich, dass es keine Modernisierer in der gesamten Gruppe von Wanderern gibt. Tatsächlich ist der Ekel dieser Menschen vor den Annehmlichkeiten der Zivilisation so tiefgreifend, dass er noch immer von den zivilisierten städtischen Schriftgelehrten empfunden werden wird, die noch vierzig Generationen später mit Abscheu von den “Amüsierlokalen” Ägyptens und der “Hure” Babylon schreiben werden.

Moses war eindeutig kein Modernisierer in Ägypten. Aber als er erst einmal draußen im Wüstensand steht und einige der Menschen in Richtung Jemen ziehen, andere in Richtung des Roten Meeres und Äthiopien, muss Moses sich entscheiden, wer und was genau er ist.

Der Moses des Buches ist kein Modernisierer. Er denkt nicht, dass die Einölung und Straffung eines Leviathans irgendeine menschliche Bedeutung haben könnte. Er fühlt sich ebenso abgestoßen von Aschur, Khatti und Ur, wie jede*r seiner Gefolgsleute.

Aber wo ist das gelobte Land? Die meisten seiner Gefolgsleute sind offensichtlich Primitivist*innen. Und offensichtlich sind sie entweder schwach oder blind, da ihnen klar sein sollte, dass wenn sie erst sicher die Wüste erreicht hatten, Moses nichts mehr für sie tun konnte. Sie klammern sich an ihn, entweder aus Loyalität oder weil sie immer noch eingeschüchtert sind von dem ehemaligen Mitglied des ägyptischen Palastpersonals.

Moses ist weder ein Modernisierer noch ein Primitivist. Es ist klar, dass er ein gepanzerter Mann ist, der unfähig ist, seinen Panzer zu entfernen. Er ist wie Lenin. Er sucht innerhalb, aber findet dort keine Bestimmung; alles, was er in sich selbst findet, sind Versatzstücke leviathanischer Rüstung. Er hasst Ur und Aschur und sein Zeitgenosse Tukulti-Ninurta lässt ihn vor Wut erschaudern. Aber die einzige Stimme in ihm ist die Stimme von Lugalzagesi, die Stimme des Allmächtigen, des Königs der Könige, des Herrn der Herren, des Mannes aller Männer. Lenin wird die Stimme der Elektrifizierung hören. Dennoch hasst Moses jeden einzelnen König der Könige, ebenso wie Lenin die Kapitalist*innen hassen wird. Moses abstrahiert den König, macht ihn zu einem Gott, ebenso wie Lenin die Elektrifizierung abstrahieren wird und sie zum Kommunismus machen wird.

Durch diesen Akt projiziert Moses seine innere Leere, seinen Panzer, seinen eigenen toten Geist in den Kosmos.

Wenn sich irgendjemand in dieser Gruppe Eden als den Garten eines Lugals vorstellt, dann ist das Moses. Die Götter sind für diesen Ägypter der Oberklasse alle tot. Für ihn gibt es keinen Eden, es gibt nur Leviathan.

Es ist eine Ironie, dass dieser Mann, für den es kein Außerhalb gibt, derjenige sein sollte, der die anderen nach draußen führen sollte.

Natürlich hatte er über all das nicht zuende nachgedacht, bevor er Ägypten verließ und vielleicht hatte er erwartet, dass sich sein Panzer ablösen würde, vielleicht hatte er gehofft, dass irgendein Funke in ihm zum Leben erwachen würde. Aber nichts dergleichen passierte. Nur eine Abstraktion regt sich in ihm, körperlos, asexuell, geschlechtslos und unsterblich. Die Abstraktion ist Leviathan selbst, als Konzept.

Wir werden alle wissen, dass seine Gefolgsleute nicht mochten, was sie hörten. Sobald er ihnen den Rücken zuwandte, bilden sie den uralten, heiligen Kreis der alten Gemeinschaft. Sie geben sich selbst auf. Sie träumen. Sie werden besessen. Sie verehren ein goldenes Kalb, nicht weil sie aus Gold ist, sondern weil sie weiblich ist, weil sie das Leben gebärt, weil sie von der Erde ist und weil sie die Erde ist.

Diese Menschen kannten den Unterschied zwischen den toten Götterbildern der Ägypter und den lebendigen Symbolen ihrer eigenen Vorfahren. Sie erinnern sich. Ihr Inneres war nicht abgestorben. Sie sind Zeks und Kinder von Zeks. Sie haben immer gewusst, dass der Panzer eine Bürde ist, die sie eines Tages ablegen würden und als der Tag gekommen ist, sind sie in der Lage ihn abzuwerfen.

Moses ist gehandicapt. Er kann darauf antworten, indem er zu ihnen geht und ihren Stimmen lauscht. Er ist noch immer Moses, der Mann, der potentielle Mensch. Er ist frei. Er kann den lebendigen Funken in ihm aufbrechen lassen, wie ein Ei. Er kann sich entscheiden lebendig zu werden.

Aber Moses antwortet, indem er ihnen den Rücken zuwendet. Er lässt den Panzer die Kontrolle übernehmen. Er versteift sich. W. Reich würde sagen, er wird rigide. Er entscheidet sich, das Potenzial Nichts werden zu lassen, den Panzer den kleinen Funken des Lebens, der da war, auslöschen zu lassen. Er lässt Leviathan durch sich sprechen. Und die Stimme, die da spricht, ist nicht die von Echnaton, der Sonne, sondern die von Lugalzagesi, dem Herrn der Herren.

Der Panzer spricht von keinem Garten. Er drückt “eine Vision des Lebens” aus, “die spirituell Lichtjahre von der mythischen Gemeinschaft entfernt ist”, wie Turner es ausdrücken wird. Die Stimme von Leviathan spricht von Geboten und Strafen. Sie spricht nicht von Sitten, von Wegen des Seins, sondern von Gesetzen, von geschlossenen Toren. Sie sagt nicht: Du kannst und Du sollst sein. Sie sagt: Du sollst nicht.

Und wehe denen, die nicht gehorchen. Ebenso wie das Ding Leviathan seine Polizei besitzt, um diejenigen, die von seinem Recht abweichen zu verfolgen, zu foltern und zu exekutieren, so hat auch das Konzept von Leviathan, Jahwe, seine Polizei.

Aber die Polizei des Konzepts ist nicht selbst bloß ein Konzept. Moses verleiht diese Aufgabe an die Lebensspenderin selbst, an die Natur – nicht die gesamte Natur, sondern bloß ihre Einbrüche, ihre Gewalt, alles vereint und zusammengefasst wie in Lugalzagesis eigener Gottheit im Zikkurat. Erdbeben, Stürme, Fluten und Plagen sind Jahwes Instrumente der Verfolgung, Folter und Hinrichtung. Die Göttin, die in dem Kalb verehrt wurde, wird gegen ihre Verehrer*innen gewendet.

Und nun kommt das krönende Detail. Nun wird Moses zu einem tatsächlichen Vorreiter Lenins. “Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.” Das ist etwas, das Moses von Echnaton gelernt haben mag. Das ist modern. Keine Sumero-Akkadier waren bisher in der Lage, das “kein anderes” aufzuerlegen. Moses legt sich nicht nur Teile der Rüstung an; er trägt sie vollständig.

Das Gebot hat noch immer eine sumerische Form, aber seine moderne Bedeutung wird vorbuchstabiert:

Dann packte er das Kalb, das sie gemacht hatten, verbrannte es im Feuer und zerstampfte es zu Staub. Den Staub streute er in Wasser und gab es den Israeliten zu trinken.

Der ehemalige Beamte des Pharaos weiß, dass Gefangene von freien Gemeinschaften in Zeks verwandelt werden mussten; sie mussten domestiziert werden, sie mussten gezwungen werden, ihre Freiheit zu essen.

Aber die Verehrer*innen des Kalbs leisten noch immer Widerstand. Sie rebellieren. Sie sind bereit erneut auszuziehen, dieses Mal aus dem Leviathan ihres eigenen Anführers.

Also lässt der gepanzerte Mann den Schleier fallen und enthüllt die Rüstung allen. Er hört auf, ein Medium zu sein, durch das Lugalzagesi spricht. Er wird Lugalzagesi. Er setzt eine allgemeine Säuberungswelle in Bewegung, mit einer Polizei, die weder ein Konzept ist noch der konzentrierte Zorn der Erde:

„Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.“ Die Leviten [sie werden später ein Verteidigungsbündnis schließen] taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann.

Dieses Massaker ist der erste Völkermord, der im Namen von Jahwe verübt wird. Und dafür gibt es weder einen menschlichen Grund noch eine menschliche Rechtfertigung. “Ich bin, der ich bin.” Das ist der Glaubenssatz.

Das anti-menschliche, anti-natürliche Gesicht dessen, was später Totalitarismus genannt werden würde, muss zusammen mit dem Rest der Rüstung getragen werden. Jedes letzte Fleckchen menschlicher Haut muss verdeckt werden. Leviathan besitzt weder Leben noch Seele. Er ist, der er ist. Er ist sein eigener, einziger Zweck. Er ist Tod, total, ungerechtfertigt, unerklärt.

Wir werden an Wissenschaft, Technologie und den säkularen Staat gewöhnt werden; wir werden nicht erschreckt werden von der Unmenschlichkeit der Vision dieses Mannes; einige von uns werden sogar beeindruckt sein von seinem progressiven, nein prophetischen, Charakter.

Aber diejenigen, die Ägypten verließen, diejenigen von ihnen, die immer noch am Leben sind, können diesen monströsen Rückschritt nicht verdauen und Moses weiß das. Wenn er nicht schnell handelt, wird dieser Massenmord von einem Massensuizid oder von einem Exodus derer, die übrig geblieben sind, gefolgt werden. “Ich bin, der ich bin” ist nicht genug für Menschen, die sich noch immer erinnern.

Also führt er den berühmten Bund ein. Er hatte ihnen bereits gesagt, “wenn ihr auf meine Stimme hört … werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein …” Nun, wie ein Pferdedompteur, erzählt er ihnen, dass sie entlohnt werden würden, erzählt er von dem, was ihnen ihr Gehorsam einbringen würde. Sie würden das gelobte Land erreichen. Aber in diesem Land würden sie Zeks bleiben. Der Fluch mühsamer Arbeit würde nicht von ihnen genommen werden. Das Land würde nicht Eden sein, ein Ort, der für diesen gepanzerten Mann nicht länger existierte (ebenso wie Frauen für ihn nicht existierten; nur Söhne existierten; Frauen sind für ihn nichts als Gebärmaschinen für Kinder, Gefäße, die ebensogut aus Ton gemacht sein könnten, das Material, zu dem die Erde selbst reduziert worden ist, das Material, das manipuliert und verstümmelt werden wird).

Das gelobte Land ist ein neuer Leviathan und die Geschätzten werden ebenso belohnt werden, wie Lugalzagesis Ensis belohnt werden. Du sollst die anderen enteignen. Du sollst große und stattliche Städte, die du nichts selbst erbaut und Häuser voller guter Waren, die du nicht selbst gefüllt hast und Weinberge und Olivenbäume, die du nicht gepflanzt hast, einnehmen.

Dies ist das Land, wo Milch und Honig fließen und Moses Truppen werden es wie Pioniere stürmen:

Ich vertreibe die Kanaaniter, Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter …

Es ist von Bedeutung, dass die Kanaaiter, die Cousin*en, die ersten Opfer sind. Leviathan hat keine Sippe. Wer auch immer in seinem Weg steht, was auch immer außerhalb von ihm lebt, ist sein Feind. Alle Lebewesen, die nicht in seinen Eingeweiden eingeschlossen sind, egal ob Mensch, Tier oder Bäume, sind sein Feind.

… bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alles Tier, das auf Erden kreucht.

Das ist, wie Turner hervorhebt, eine Kriegserklärung gegen die Wildnis und dieses Wort hat nun eine furchteinflößende Bedeutung erlangt: es bezieht sich auf “alles Tier, das auf Erden kreucht.” Das ist Leviathans Kriegserklärung gegen alles Leben.

Moses stirbt, aber die “Söhne Levis” erreichen tatsächlich das Gelobte Land, das Land ihrer einstigen Sippschaft. Und sie erreichen es nicht als Sippe; sie bilden nicht den uralten Kreis oder beleben die verlorene Gemeinschaft wieder. Sie erreichen es wie Tukulti-Ninurtas’ bewaffnete Assyrer, als die Nemesis ihrer einstigen Sippe. Einer der Söhne Levis, ein Mann namens Deborah, ein Vorreiter der gepanzerten Jeanne d’Arc, erfüllt die Pioniere mit genozidalem Hass. Sie, oder vielmehr er, ermahnt, schwärmt und gestikuliert um die Söhne noch gegen den letzten Moabiter*in, Hazoriter*in und Kanaaniter*in im Gelobten Land aufzubringen.

Moses stirbt, aber der Leviathan, den er in Bewegung setzt, ist unsterblich und wenn er auch schon bald selbst verschlungen wird, wird sein Konzept eines Tages den Pfad von Ungeheurlichkeiten erleuchten, von denen Lugalzagesi oder Moses nicht zu träumen gewagt hätten.

Du wirst alle Völker verzehren, die der HERR, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen …

Wie Turner beobachten wird, ist dies eine Beschreibung der Dinge, die kommen werden; das sieht bereits die “dunklen Wolken über Afrika, den Amerikaner*innen, dem fernen Osten bis schließlich den entferntesten Inseln und Dschungel-Enklaven, die mit Feuer und Schwert und durch die subtilere Waffe der Missionierung durch Verspottung getroffen werden werden”, voraus. Dies ist bereits die Entdeckung der Neuen Welt.