[Virus Radio] Das Elend der Linken – Track 3

Seit der baiuwarische Verfassungsschutz verwirrt feststellte, dass die „Linksextremen“ in der „Coronakrise“ scheinbar regierungstreu geworden seien (was ja auch stimmt), scheint es mir, dass zur Linken eigentlich nicht mehr allzu viel gesagt werden muss. Solches Lob sagt eigentlich alles aus. Ebenso ist mit Zerocovid die linke Szene auch endlich dazu übergegangen, sich zu spalten. Wir sagen: gut so!, aber, ihr lieben (angeblichen) Revolutionäre: noch eine Anstrengung, wenn ihr die Anarchie wollt! Denn solange ihr den Kadaver der Linken wiederbeatmen wollt, werdet ihr immer nur neue Autoritäten und neue Kompromisse züchten, werdet ihr eine Bewegung (re-)produzieren, die euch in die eine oder andere Sackgasse führt, anstatt zur sozialen Revolution.

Auch wenn es eigentlich also gute Argumente gäbe, die Remixe des Elends der Linken hiermit ein für alle Mal einzustellen, da die Kritik und Blossstellung ihres Elends längst in aller Munde ist, lege ich hier nocheinmal nach, mit einem klassischen Remix von Skits und Styles über die Linke in der alten Normalität. Dabei benutze ich Material, dass wir nie zuvor veröffentlicht haben. Schon vor Jahren produziert (ca. 2012), hatte damals der Anlass sein Haltbarkeitsdatum schon überschritten (irgendeine widerliche Unschuldskampagne à la “Antifaschismus ist legitim, nicht kriminell”), weshalb dann das ganze nie so ganz vollendet wurde und seinen letzten Schliff verpasst hat. Heute passt es wie die Faust aufs Auge und zeigt nocheinmal auf, dass die gegenwärtige Misere schon längst prognostiziert werden konnte. Damit im Nachhinein keiner behaupten kann, die Linke wäre vorher nicht schon ein Hindernis auf dem Weg zur Befreiung gewesen – und dass die Freunde und Freundinnen der Anarchie dies nicht schon längst festgestellt hätten (und zwar auch anderswo).

Weiterhin also die härteste Mucke auf Virus Radio, die dir deinen Nuckel raushaut. Aber noch besser als Radio ist es natürlich: Live… À propos Live: da kommt mir ein alter Witz über das Fusion Festival in den Sinn, der bei jenen anarchoiden Partygängern zirkulierte, die diesen linken Karneval aus den einen oder anderen guten oder schlechten Gründen trotzdem immer besucht haben: Nämlich, dass die stalinistischen Zaunwärter, welche seit einigen Jahren die Grenze der Fusion beschützen, eigentlich nur trainieren um die künftigen Gulags zu verwalten… In der Neuen Normalität sind ja nun allzu viele schlechte und gute Witze in Erfüllung gegangen, und dieser gehört ganz bestimmt dazu. Wenn die Linke nun langsam wieder aus den Stayathome-Löchern kriecht, so also nur um zu experimentieren, wie man – oder sie – die Neue Normalität besser verwalten kann… aber eben, das haben wir ja alles schon prognostiziert, dazu muss man nur die letzten paar Sendungen hören.

Wenn der Superspreader von Live spricht, dann meint er natürlich nicht den live selbstverwalteten Tanzgulag. Denn “Keine Fusion um jeden Preis” ist ihm natürlich allzu lasch, vielmehr will er um jeden Preis keine Fusion mit den Linken, und feiert lieber mit der verwirrten lost youth, die sich täglich ihr Katz-und-Maus-Spiel mit den Bullen liefert, als mit diesen konformistischen Idioten!

Prosit also, hier kommt der Remix. Reisst vom Kadaver los was ihr könnt…

Das Elend der Linken feat. Antifa (old school Rettungsring-Mix)

Die Nazis. Eine ganze Szene scheint sich an ihnen zu orientieren. An den Nazis. Nein, wir reden nicht von den Nazis selber. Wir meinen die Antifa. Die Nazis sind ein Problem. Klar. Die Bullen, die Rechte und die Linke, das Bestehende insgesamt, sind ein Problem. Die Nazis sind unsere Feinde. Die Bullen, die Linke und die Rechte, das Bestehende, sind unsere Feinde. Es gibt keinen Grund sich auf einen dieser Teile als das ultimativ Böse zu beziehen, auf das, was dann unsere ganze (Negativ-)Definition ausmacht.

Jeder ist antifaschistisch. Ein jeder, der nicht so bescheuert ist, sich nicht auf diesen linken, ach so viel sagenden Nenner zu beziehen… Die Stasi, die AktivistInnen, und deine Mami ist antifaschistisch. Weil der Faschismus ja die ultimativ böse Ausformung der Boshaftigkeit ist.

Die Antifa ist so vieles. Antifaschismus bedeutet so viel, er reicht von Bürgern bis zu Revolutionären, von linken Reformisten bis zu blablabla. Der Antifaschismus, was ist heute seine Bedeutung? Ein gemeinsamer Nenner, der Revolutionäre und die miefendsten linken Bürger gemeinsam auf die Strasse bringt, im Namen einer Ideologie, die ihnen allen das Gefühl gibt, die Guten zu sein. Der sie dazu bringt, die Bullen, das Bestehende insgesamt, zu ignorieren, um gegen die Schlimmsten, die Faschisten auf die Strasse zu gehen. Eine Ideologie, die zumindest die Linke – von oben bis unten – sich vertragen lässt, sie ihre Differenzen vergessen lässt, ist praktisch… Fragt sich nur für wen…

Wer profitiert davon, wenn alle mit einem destruktiven Hass auf das gesamte Bestehende sich mobilisieren lassen, um gegen die FaschistInnen auf die Strada zu gehen, die ja offensichtlich auch den Demokraten ein Dorn im Auge sind (schliesslich konkurrieren diese beiden um die Macht, die Faschos als die Bösen, die Demokraten als die Guten). Wer profitiert davon, wenn wir vom Bestehenden als Totalität ablassen, und nicht mehr mit der Gesellschaft brechen, sondern sie umarmen, zumindest ihren linken, liberalen Arm. Wer profitiert davon als die Verteidiger des Bestehenden, die ihre Scheisse damit noch besser funktionieren sehen?

Problematisierung

Der Antifaschismus wird davon abhängig, mit was für einer Sorte AntifaschistIn wir gerade sprechen, entweder als etwas total rrrrevolutionäres abgehandelt, oder als etwas, dass einfach den bestehenden Staat beschützen soll. Das macht das hybride Wesen des Antifaschismus aus. Die autonome Antifa ist stolz darauf, die Bürger manchmal sogar zu einem „militanten Angagement“ zu bringen, während sich die Bürger das als moralischeres Aktivbürgertum durchgehen lassen, legitim, was nun hankerum auch die autonomen Antifas für sich in Anspruch nehmen (die Legitimität). Da finden sich beide Teile im Kampf gegen ihre „Kriminalisierung“, die einen aus offensichtlichem Legalismus, die anderen aus dem Bedürfnis, auch mal legalisiert für die Zerstörung der Gesetze zu kämpfen. Beide finden sich also in einem radikalen Reformismus, den einen gefällt das Radikale, den andern der Reformismus…

Nun, da sich beide Teile des Antifaschismus militant gebärden, halten dies die einen für einen Schritt zur Revolution, während die anderen das Ganze klarer als eine Erweiterung ihres linken Aktivbürgertums sehen. Zu denen, die sich das Ganze als revolutionäre Aktion erhoffen, an welche wir uns schliesslich auch richten: mensch ist nicht einfach revolutionär, nur weil er Gesetze bricht, wie das Beispiel der Suffragetten zeigt, die ihre ganz sympathischen Aktionen für das Frauenstimmrecht verschwendet haben… (Während einige sich anschliessend so an den Aktivismus gewöhnt haben, dass sie in ganz anderen Dingen weitergekämpft haben (die auch nicht revolutionär waren), war das Ganze trotz allem eine agressive Selbstintegration ins Bestehende) Ganz allgemein ist dann das die Oberflächlichkeit des Aktivismus, sich an der (gemeinsamen) Aktivität aufzuhängen, die ganz toll ausschauen kann, aber übersehen, dass innerhalb ganz verschiedene Motive, eigentlich unvereinbare Richtungen bestehen, die konkurrieren. Es dominiert meistens nicht in Richtung Bruch mit dem Bestehenden! Und falls es dazu tendieren würde, wäre es auch ein Bruch innerhalb der Antifa…

Denn: Antifaschismus als einziger Inhalt ist an und für sich nicht revolutionär, sondern eben nur antifaschistisch. Es ist das Ausblenden aller anderen Konflikte um den Faschismus zu verhindern, und der gemeinsame Boden, auf dem die antifaschistische Querfront steht, ist diese Gesellschaft. Die Antifa ist der Rettungsring (Daher auch das Antifa-Logo, das einen Rettungsring darstellen soll. Weimar vor dem Faschismus retten heisst aber Noske zu vergessen), der uns alle wieder ins Boot zurückholt. Einzig ein revolutionäres Projekt bietet überhaupt die Chance diesen Boden, auf dem eben auch der Faschismus wächst, endlich zu zerstören. Und vielleicht irgendwann mal nicht zwischen der einen und der anderen Scheisse wählen zu müssen, sondern die reale Möglichkeit der Freiheit zu haben.

(…)

Aber es ist klar, an diejenigen AntifaschistInnen, die Politiker sind, irgendwelche NGOs, Kleinbürger und Paraparteimitglieder wenden wir uns nicht. Wir wenden uns an diejenigen autonomen Antifas, die zwar irgendwie das System scheisse finden, aber halt trotzdem bloss eine radikale Linke sein wollen. Diejenigen die zwar eigentlich auch alle Staaten abschaffen wollen, aber doch nicht so richtig, denn wenn die Bullen die Nazis bekämpfen… Und die Gesellschaft… Diejenigen, die mit revolutionären Parolen um sich werfen um dann trotzdem den Sozialstaat irgendwie ganz gut zu finden.

Die heroische Geschichte des Antifaschismus

Und die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Antifas nichts als der verlängerte Arm des Staates sind, auch wenn sie das vielleicht nicht sein wollen, sie reproduzieren und erhalten den Status quo, wenn ihre Aktivität nicht über die der Antinazipolizei herausgeht. Einfach „die Gesellschaft“ – dieses Heiligtum – gegen die Nazis verteidigend, vergessend dass die Dichotomie links/rechts nur die wahren Konflikte verschleiert, dass die Gesellschaft heute einfach ein abstraktes Verwaltungsorgan ist, herumspukend in den Köpfen der Bürger, um die schlechten Teile (und seien sie auch die Nazis) zu neutralisieren.

Aber es ist klar: Es sind dieselben, die Dresden abgefeiert haben, da hier seit langem wiedereinmal die tolle Antifaeinheitsfront realisiert wurde. Danke Amerikkka, ihr habt uns vom Faschismus befreit. Durch einen Krieg, der für die Befehlshaber natürlich nicht in erster Linie ein riesen Geschäft ist, sondern aus reinsten humanitären Motiven. Unsere Befreier…

Doch: „weil der Mensch ein Mensch ist, kann er sich nur selbst befreien“ heisst doch, das uns keine Armee befreien kann, dass nur wir es sind, und nicht irgendwelche Führer, die uns von jeglicher Knechtschaft befreien können (und wollen)… aber, es schleicht sich im Liedtext auch wenige Zeilen später gleich ein Fehler ein, der auf den nicht genug hingewiesen werden kann: die Arbeitereinheitsfront. Dass der Faschismus so restlos gesiegt hat, liegt auch an der beinahe-Abwesenheit von Revolutionären [Anm. Superspreader 2021: Oder viel eher an deren Bolschewisierung? Egal, hier ist nicht der Ort für geschichtliche Genauigkeiten], und eine linke Einheitsfront verwirrt höchstens die Fronten, wie diejenige zwischen Unterdrückten und Unterdrückern, Ausgebeuteten und Ausbeutern, zwischen denjenigen, die für die Zerstörung dieser Gesellschaft kämpfen und denen, die bloss zu ihrer Perfektion beitragen wollen. Wir können auch einen der wenigen aus dieser Zeit sprechen lassen, der das Ganze ein bisschen klarer sah und alles unternommen hat, um nicht bloss den Nationalsozialismus zu zerstören und danach damit auch nicht aufgehört hat:

Weil wir die bestehende Ordnung angreifen, nennt man uns Unruhestifter und gefährlich. Wohlan denn, wir sind gefährlich! Wir sind beides: asozial und zerstörerisch, da wir ein System beseitigen wollen, das auf soziale Ungerechtigkeit aufgebaut ist; Weil wir den Staat vernichten wollen, der die Inkarnation von Gewalt und Vernichtung ist. Wir sind unmoralisch, weil wir entschiedene Gegner der stagnierten Koden und Traditionen sind und die herrschende Moral des Staates bekämpfen, die die Reichtümer der Bevorrechtigten beschützt gegen die Besitzlosen; den Krieg mit all seinen Vergeltungen, Greuel, Massendemoralisation und Vernichtung heiligt im Interesse des Profits; und willkürlich das Denken der Massen mit allen Mitteln der Propaganda vergiftet. Wir stellen uns bewusst ausserhalb der Gesetze, weil wir die Gesetze, die sich auf dem Recht des Besitzes aufbauen verwerfen. Wir weigern uns, dem Zwange des Staates zu gehorchen, der die Menschen ihrer elementarsten Rechte der Selbstbestimmung beraubt und sie zwingt, den Gesetzen des eigenen Gewissens entgegenzuhandeln. Wir sind asozial, weil uns ein ununterdrückbares Gerechtigkeitsgefühl treibt. Wir sind zerstörerisch, weil wir von einem konstruktiven Instinkt geleitet werden. Solange wie die gegenwärtige soziale Ordnung die Wohlfahrt ihrer Institutionen höher stellt als die Wohlfahrt des Menschen; solange Staat und Kirche dem Menschen übergeordnet werden; Besitz mehr gilt als Menschlichkeit; orthodoxe Sittenregeln mehr als das Gewissen; werden wir nicht aufhören die Bollwerke der konstituierten Autoritäten zu bestürmen und unterhöhlen, werden wir nicht davon lassen, den faulen Frieden der Gewissenlosen zu stören, werden wir nicht unsere Bemühungen aufgeben, um die künstlichen Gitter niederzureissen, die die Gemeinschaft verhindern; werden wir nicht nachlassen, die Betrogenen zu Rebellion zu reizen!”

Wir brechen mit dem Partisanenmythos und mit der antifaschistischen Einheitsfront. Uns ist die Geschichte nur allzu bewusst und wir vergessen unsere Gefährten nicht, die nach dem zweiten Weltkrieg in Italien von der KP für Jahrzehnte weggesperrt wurden, während die Faschisten amnestiert wurden. Sie wurden weggesperrt, denn sie haben schon vor dem offiziellen Beginn des Widerstands gekämpft. Und sie haben gegen alle Autoritäten gekämpft – der KP natürlich ein Dorn im Auge. Wir vergessen nicht, wie die KPD versucht hat, den Widerstand zu kontrollieren und jegliche (von ihr) unabhängige Initiative zu unterdrücken oder zu vereinnahmen versucht hat – schon vor 1933 natürlich. Wir vergessen nicht Kronstadt, und dass dieses nur ein viel zu spätes Symbol war. Genauso wenig, wie wir vergessen, dass die KPD gemeinsam mit der NSDAP Wohnstreiks gemacht hat. Wieviele von der KPD direkt zur NSDAP übergelaufen sind. Vom RFB zur SA? Durchaus keine Ausnahmeerscheinung.

Wir vergessen aber auch nicht, wie zu viele Anarchisten plötzlich Kriegsbefürworter wurden. Wir vergessen auch nicht, dass die antifaschistische Einheitsfront in Spanien maßgeblich (für die Anarchisten – zumindest nannten sie sich so – ins Parlament gingen und alle Prinzipien sausen gelassen haben) für die Verhinderung der Revolution verantwortlich war. Anstatt die damalige Gesellschaft noch viel hartnäckiger zu bekämpfen, riefen CNT und FAI dazu auf, wieder arbeiten zu gehen und gemeinsam mit den Bürgern sich im Bürgerkrieg als Armee zu formieren.

(…)

Der Antifaschismus ist also legal? Illegal? Scheissegal?… Es ist uns nicht wert diesen Begriff, der noch nie inhaltsleerer war, als den unsrigen zu erkämpfen. Um den Antifaschismus drehen sich allerlei Mythen, und er dient heute vor allem dazu, einen gemeinsamen Nenner zwischen denen zu finden, die sonst keinen haben. Wir kämpfen gegen den Staat, gegen die Autorität in all ihren Ausformungen. Das macht uns viele Feinde. Diese Feinde kommen manchmal als Sozialarbeiter mit offenen Armen auf uns zu und manchmal treten sie uns als Faschist, die stolz darauf sind Autoritäre zu sein, mit aller Gewalt entgegen. Sie können Bürger sein, die die Autorität lieben, so wie auch immer sie gerade ist oder Leninisten, die hartnäckig versuchen, ihr autoritären Träume zu verwirklichen. Sie alle sind unsere Feinde. Sie auch so zu behandeln ist was wir lernen wollen…

Jajaja… diesen Track hatte ich schon beinahe vergessen, aber er enthält, trotz einiger Unausgegorenheiten doch einiges passendes. Es wird auch nicht der letzte Remix des Elends der Linken gewesen sein, trotz allem nicht… denn mir kommen schon neue Ideen, was es noch zu sagen gäbe. Aber Bill Gates wird sich wahrscheinlich nicht hier im Studio sehen lassen. Leider. Er hat nämlich so viel zu tun zur Zeit und ist auch ganz penibel was Hygiene anbelangt. So verraucht wie es hier in unserem Keller ist, Leute, die sogar husten ohne sich die Hand vor den Mund zu halten, skandalöse Zustände allgemein… und zu allem heran sind wir auch noch ungeimpft!

Aber nocheinmal ein paar Worte zum Track, der natürlich veraltet ist. Der historische Teil hapert natürlich massiv, ist unausgegoren belassen, aber die Tendenz scheint klar. Ebenso sollte festgestellt werden, dass durch den gegenwärtigen Umbruch der Boden, auf dem die antifaschistische Einheitsquerfront steht, heute die “Neue Normalität” ist, während sie alles bekämpft, was noch in der alten Normalität denkt und handelt (z.B. Querdenker, die vom Grundgesetz oder auch die Anhänger der noch Älteren Normalität, Reichsgesetz (z.B. weimarisch, wilhelminisch oder nationalsozialistisch sei dahingestellt) labern). Im Gespräch ist es mir auch immer noch vorgekommen, dass einige dieser Antifanten, die mit der Parole “Maske auf, Fresse zu!” (ansonsten waren sie weder als Antifa erkennbar noch sonstwas) gegen Querdenker oder sowas demonstriert haben, behaupteten, sie wären gegen alle Staaten. Das glauben sie. Andere glauben, sie wären “Söders Truppe”. Und es scheint mir, dass es möglich ist, zu glauben, gegen alle Staaten zu sein und trotzdem zum Stosstrupp eines Staates zu werden (oder zumindest einer “neuen Normalität”, was aber eben ein Staat im Sinne eines Zustandes ist). Das ist zumindest die Realität der heutigen Antifa, die längst nichtmehr nur Faschisten bekämpft. Sogar Kleber mit “Anti-egoistische Aktion” werden herumgeklebt, die schwarze und rote Fahne durch Klopapier ersetzt, von “no-borders.net” (Leider hab ich kein Foto gemacht, da ich nicht ständig so ne Wanze rumtrag, aber diesen anti-egoistischen Rettungsring der Gesellschaft, den gibts – und wird rumgeklebt, true story!). Wobei diese angeblich Grenzenlosen dabei enden, ganz banale Normen durchzusetzen. Deshalb muss der heutige Remix wohl vor allem als historisches Dokument gesehen werden, welches jenen, die es nicht kommen sehen haben, hilft, sich zu orientieren. Und mir persönlich hilft es, zu verstehen, dass man das logisch gesehen hat kommen sehen. Ein schwacher Trost.

Während sich die Rechten heute also (belustigenderweise könnte man sagen, wenn die Sache nicht so ernst wär) darüber beklagen, dass sie nun alle wie Flüchtlinge behandelt werden, während es ja sie waren, die dem Staat ermöglicht haben, für die heutige Lockdownrealität an Flüchtlingen zu trainieren… ist die Linke dazu übergegangen, zufrieden damit zu sein, wenn alle wie Flüchtlinge behandelt werden – dann wird ja immerhin niemand diskriminiert. “Toll, endlich haben alle keine Privilegien mehr!” Und so bekämpft die Linke jene, welche wieder das “Privileg” wollen, nicht komplett bevormundet, kontrolliert, schikaniert, etc. zu werden, anstatt sie dafür zu kritisieren, dass sie dasselbe als Privileg wollen, während sie Bevormundung, Kontrolle und Schikane ja bei anderen gar nicht so schlimm finden. Und folglich will die Linke die Rechte unterdrücken und die Rechte die Linke. Oder: beide wollen ihre Form der Unterdrückung. Wobei mit Zerocovid ja dazu übergegangen wurde, dass die totale Festung Europa von Linken fast stärker herbeigesehnt wird als von Rechten. Die soziale Revolution findet anderswo statt, und diese Bürgerkriegslogik wird niemanden befreien.

Eine grenzpfahllose Welt ohne Vaterländer, ohne Eigentum und Reiche, ohne Statistiker und Experten, Aparratschiks und Blockwarte, eine Welt ohne Polizei und ohne Kybernetik, ohne Bürokratie und Spekulation, ohne Bevormundung, Kontrolle und Schikane… solch eine Welt tragen wir im Herzen, wenn wir kämpfen, mit so einer Vorstellung stürzen wir uns in den sozialen Konflikt, und da sind Linke wie Rechte wie Mittige unsere Feinde, wobei aber das kleine Risiko interessant ist, dass wir uns trotzdem als Individuen treffen, die selbstbestimmt gegen ihre Unterdrückung aufbegehren und die Politik hinter sich lassen… war früher die Annahme, dass sich solche Leute vor allem unter Linken finden werden, so muss heute gesagt werden, dass diese menschlich mittlerweile oft genauso anwidernd und tief gesunken sind wie irgendwelche offenen Reaktionäre und Rassisten, mit denen es natürlich keinen gemeinsamen Boden geben kann.

Jaja… steile These, und geprüft wird sie natürlich in der Realität.

Hab mich natürlich dazu verstiegen, jetzt trotzdem zuviel Zeitgemässes zu den Linken zu sagen, obwohl der baiuwarische Verfassungsschutz ja eigentlich schon alles gesagt hat. Das wars für heute mit der Sendung auf Radio Virus, 1312 Megaher…

Chrrrz…

Chhh…