[Ramonville-Saint-Agne, Frankreich] Das zivilisierte Licht ausschalten

Anfang Juni haben wir das Umspannwerk von Lespinet (63kV) in Ramonville-Saint-Agne angegriffen.
Diese kleine Trafostation, weil man ja irgendwo anfangen muss. Weil diese Strukturen empfindliche Knoten im Stromnetz sind. Weil uns die Elektrizität heute wie das Blut der Zivilisation wirkt. Weil wir Gefangene des menschlichen Imperiums sind. So sehr, dass sogar, wenn wir versuchen zu fliehen, indem wir die Sterne betrachten, wir von Satelliten gejagt werden.
Weil es uns blendet, wollen wir das zivlisierte Licht ausmachen.

Ein Sprung ins Unbekannte. Als wir das Gelände betraten, fragten wir uns, ob wir durch einen Stromschlag sterben würden. Aber nichts ist passiert, sogar 2-3 Meter von den Transformatoren entfernt. Während wir dort Feuer legten, fragten wir uns, ob wir dieses Werk in Schutt und Asche legen und ein Stück der Stadt in die Finsternis stürzen würden. Ob es zu einer Explosion kommen würde, ob die umliegenden Fabriken stoppen würden, ob die Straßenlaternen um uns herum ausgehen würden. Aber das hat sich auch nicht ereignet.
Das Werk funktioniert immer noch, ein einziger Transformator von dreien ist ein bisschen angekokelt und wir wissen nicht, ob er außer Betrieb ist.
Wir haben unter die Trafos, auf Höhe der Ventilatoren, zwei Reifen platziert, die voller mit Benzin getränkter Stofflappen waren. Wir wissen nicht, warum es nicht funktioniert hat: vielleicht ein schneller Einsatz der Feuerwehr, eine unzureichende Menge an Brennmaterial oder allgemeiner eine schlechte Methode.

Wir sind ein bisschen enttäuscht, aber es war aufregend für den Zeitraum einer Nacht unsere Ängste zu überwinden und die Flammen tanzen zu sehen.
Ein komplizenhaftes Augenzwinkern mit jenen Personen, die den Lauf des Fortschritts angreifen, an jene, die dafür gefallen sind und an jene, die daran denken, den Schritt zu wagen.

Quelle: Attaque