Was ist da los im Forst Kasten und Who the Fuck sind Tarek Luft und Ingo Blechschmidt?

[Der folgende Text wurde als Teil eines Flyers im Umfeld der Waldbesetzung im Forst Kasten bei München verteilt.]

HomeOffice und Fernstudium in entspannter Waldbesetzungsatmosphäre? Der feuchte Traum des Tech-Yuppie-Google-Hipsters ebenso wie der einer anderen Ausprägung der Techokraten-Ideologie, der der Freie-Software-„Hacker“-Weltenbummler-Hippies, die auf ihren Rucksacktourismus-Reisen um den Globus ihre Heimat finden, wo immer es WLAN gibt. Die „Waldbesetzung“ im Forst Kasten vermag diese Träume zu erfüllen. Seit dem 30. Mai um 21:51 locken die Besetzer*innen eben jene Rucksacktouristen, die das Klima sozialer – oder auch nur linker – Protestbewegungen ebenso konsumieren wie indigene Kulturen und unberührte Naturlandschaften, in die außer ihnen und ihresgleichen bisher nur ihre Internetanbindung vorgedrungen zu sein scheint. Auf der Webseite „Kasti bleibt“ der „Waldbesetzung“ wird seitdem vermeldet: „Ab jetzt ist der Kasti vorlesungs-/Home-Office-safe: Wir haben Strom und unlimitiertes WLAN.

Diese Meldung, sie wäre ja bloß eine Belanglosigkeit über die man einfach hinweggehen könnte, die man entweder als „schlechten Witz“ beiseitelegen oder aber als eine pragmatische Lösung für ein weitverbreitetes Suchtverhalten abtun könnte, während man ansonsten jene Anstrengungen zu würdigen in der Lage wäre, die die Waldbesetzer*innen im Forst Kasten unternehmen, um sich von einer Welt der Technologie, der Abhängigkeit und der Ausbeutung zu befreien; wäre da nicht dieses Unbehagen, das eine*n überkommt, wenn man sich all das, was in den letzten Wochen sonst so von den Besetzer*innen vermeldet wurde, zu Gemüte führt. Aber warum diese offensichtliche Kritik von außen – denn ja, für innere Einblicke scheinen mir zumindest bei dem, was von den Besetzer*innen nach außen dringt, sämtliche Grundvoraussetzungen zu fehlen –, warum diese „Besetzung“ nicht einfach ignorieren? Vielleicht weil ich den Eindruck habe, dass nicht alle, die sich in irgendeiner Form mit dem Forst Kasten und den darum stattfindenden Kämpfen verbunden fühlen, einverstanden sind mit der Vereinnahmung dieser Kämpfe durch jene „Waldbesetzer*innen“ , die Strom und WLAN in den Wald bringen und bereitwillig mit der Presse plaudern, und weil ich das Gefühl habe, dass eine daraus resultierende Frustration und möglicherweise zukünftige Resignation nur dadurch vermieden werden kann, dass sämtlichen Formen von Politiker*innen, Opportunist*innen und Rekuperateur*innen von Beginn an der Kampf angesagt wird. Wenn ich im folgenden also von der „Waldbesetzung“ im Forst Kasten spreche, so meine ich damit eben jenes öffentliche Auftreten, wie es in den Medien, von einschlägigen Politsekten im Internet und auf der Webseite „Kasti bleibt“ vermittelt wird. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass nicht alle, die sich in Vergangenheit und Gegenwart an dieser Besetzung beteiligt haben, Teil dieses Auftretens sind, allerdings sind mir zumindest auch keine Abgrenzungen davon bekannt.

Nachdem vor einigen Wochen im Münchner Osten der Strom nach einer Sabotage von zu diesem Zeitpunkt aufgrund einer Baustelle offenliegenden Mittelspannungsleitungen ausfiel, tauchte ein Bekenner*innenschreiben im Internet auf, das erklärte, dass dieser Angriff den Stadtwerken München und dem Rüstungskonzern Rohde und Schwarz gegolten habe, aber zugleich auch eine Antwort auf den Stadtratsbeschluss sei, den Forst Kasten für den Abbau von Kies zu roden (nachzulesen hier).  Und wie das eben so ist, machten sich sensationsgeile Journalist*innen daraufhin auf, die Besetzer*innen des Forst Kastens aufzusuchen, um von ihnen ein Statement zu dieser Sabotage einzuholen. Vielleicht waren die Journalisten enttäuscht, nachdem sie dort eintrafen, vielleicht bekamen sie, was sie wollten, das liegt im Auge des Betrachters, jedenfalls konnte man am nächsten Tag in den Zeitungen nicht nur persönliche Statements von Tarek Luft und Ingo Blechschmidt dazu lesen, was sie als „Waldbesetzer*innen“ von derlei Sabotagen hielten, sondern obendrein auch noch Spekulationen darüber wer, bzw. vielmehr wer nicht hinter diesen Sabotagen stecken könnte [1]. Die Bullen wird es gefreut haben. Ich werde mich an derlei Spekulationen, wie sie nur von Bullen und ihren Freunden angestellt werden, nicht beteiligen. Fest steht jedoch: Wenn auf solche Statements, die im Namen der gesamten „Waldbesetzung“ in der Presse verbreitet werden, die Verantwortlichen von anderen Waldbesetzer*innen nicht für ihre Snitch-Mentalität zusammengeschlagen werden oder – die Variante der pazifistischeren Bullenfeind*innen – wenigstens heftig konfrontiert werden, dann müssen Außenstehende davon ausgehen, dass eine solche Mentalität offenbar begrüßt wird.

Und weiter: Wenn ebenfalls dazu in der Presse abgedruckte Statements wie „Unsere wertvollste Ressource in diesem Kampf ist, dass die Anwohner hinter uns stehen. Aktionen wie diese rücken uns nur in ein schlechtes Licht. Das ist Mist.“ (Tarek Luft) im persönlichen Gespräch mehr oder weniger bestätigt zu werden scheinen, wie man hört, dann ist es nicht nur verwunderlich, dass gleichzeitig von den Besetzer*innen in der Presse mit „Zuständen wie im Hambacher oder Dannenröder Forst“ gedroht wird, die sich bekanntermaßen nicht dadurch auszeichnen, dass irgendwelche Politclowns auf Bäume steigen, sich vom SEK wieder runter holen lassen und dabei Kum ba yah singen, sondern zugleich muss diese Farce dann auch als eine Rekuperation jener radikalen Ideen, die zum Angriff drängen, verstanden werden, die hier in übelster Absicht in eine bloße politische Drohung verwandelt werden, ganz so als würden irgendwelche Bewegungsstrateg*innen wie sich vielleicht Tarek Luft oder Ingo Blechschmitt verstehen, jene Angriffe freigeben, die danach trachten die Herrschaft zu zerstören, anstatt sie im Sinne des grünen Kapitals und seiner – durchaus auch klimaaktivistischen – Tech-Hipster zu optimieren.

Vor dem Hintergrund derlei Äußerungen vermag es kaum mehr zu überraschen, dass die „Waldbesetzung“ im Forst Kasten ganz offensichtlich nicht den Wald– zumindest nicht als solchen – verteidigen möchte, sondern vielmehr aktiv an seiner Kolonisierung teilhat, wenn sie dort eine Strom- und WLAN-Versorgung aufbaut. Dabei ist ein Wald, der zum kybernetischen Naherholungsgebiet umfunktioniert wurde, in dem all die smarten Gadgets seiner Besucher*innen weiter ihren Dienst verrichten, mitnichten besser, als die durch den Extraktivismus des Kiesabbaus hinterlassene und renaturierte Wüste, auch wenn das vielleicht die neueste Vision der grünen Kapitalist*innen ebenso wie die irgendwelcher sozialistischen Bevölkerungsmanager*innen – zumindest hier in der westlichen Welt – sein mag. Weder der kybernetisierte Wald, in dem WLAN-Hotspots und 5G-Funkzellen in jedem zehnten Baumwipfel versteckt sind und vermeintliche Waldbesetzer*innen Tag für Tag die Farce eines Klimaprotests inszenieren, indem sie heute auf diesen und morgen auf jenen Baum klettern und dabei proaktiv jene Videomaterialien produzieren (der bereits erwähnte Ingo Blechschmidt hält etwa die Bildrechte einer BR-Meldung über einen SEK-Räumungseinsatz im Forst Kasten), die später in der Presse ausgestrahlt werden, um die Menschen sowohl zu unterhalten, als auch dadurch zu befrieden, dass der vermeintliche demokratische Handlungsspielraum gönnerhaft um jene, die Grenzen des legalen einstweilen überschreitenden, Formen des Protests, die jedoch niemals eine ernsthafte Bedrohung für die Herrschenden darstellen werden, erweitert werden und diese zuweilen sogar als radikaler Widerstand verherrlicht werden, noch die dystopische Wüstenlandschaft von der Renaturierung dienenden Pflanzenkulturen sind Orte, in denen das Leben gedeihen kann. Beides sind technologisch-wissenschaftlich kontrollierte Territorien, in denen ausschließlich jene Formen von künstlich geschaffenem, manipuliertem und unterworfenem Leben gedeihen, die den Interessen von Kapital, Technokraten und Zivilisation dienlich sind, während alle anderen Lebensformen hemmungslos ausgerottet werden. So lassen sich beispielsweise rund um die Waldbesetzung des Forst Kastens, sowie auch anderswo in Bayerns Wäldern bereits nanotechnologische Fallen für Borkenkäfer beobachten, die dieses ausschließlich für die Bewirtschaftung des Waldes schädliche Insekt auslöschen sollen, während in den Akademien längst daran geforscht wird, den Wald vollends zu kybernetisieren und Wachstum, Nährstoff- und Wasserzufuhr, Schädlingsbekämpfung, teils auch bestimmte Wachstumsformen, sowie die Artenvielfalt von Flora und Fauna mithilfe von tausenden Sensoren im Boden, an den Bäumen, verchippten Tieren, usw. nicht nur zu messen, sondern auch zu kontrollieren. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass derartige Experimente, wie sie an Pflanzen und Tieren durchgeführt und gesellschaftlich entstigmatisiert werden, meist mit dem ultimativen Ziel einer Übertragung auf den Menschen stattfinden und hier die Herrschaftsmethoden der Zukunft erforscht werden.

Jene Politclowns der Besetzung des Forst Kastens, derer (realen und erfundenen) Namen und (maskierter) Gesichter sich die Presse gemeinsam mit denen der noch viel clowneskeren Politprofis von den GRÜNEN bedient, die sich ebenfalls um den Forst Kasten hervortun wollen, während sie anderswo Waldrodungen für den Bau von Windkraftwerken befürworten, sie machen deutlich, dass sie auf Seiten derer stehen, denen es nicht um die Verteidigung der Wälder und der Natur geht, sondern auf Seiten jener, die Wälder und Natur vor ihren eigenen, technologischen Karren spannen wollen: Auf Seiten des grünen Flügels des Kapitals und derjenigen sozialistischen Autoritären, die die Wälder vielleicht als Kurorte für die in der restlichen Zeit in den „selbstverwalteten“ Fabriken ausgebeuteten Arbeiter*innen erhalten wollen. Auf Seiten der Apologet*innen des Fortschritts, die mit ihren wissenschaftlich-technologischen Analysen, Prognosen und angeblichen Errungenschaften die Wälder durch eine totalitäre technokratische Kontrollpolitik bewahren wollen, wie sie zum Beispiel im Pariser Abkommen, dessen Einhaltung von den „Waldbesetzer*innen“ eingefordert wird, festgehalten ist. Wer hätte gedacht, dass das WEF und gewisse antikapitalistische, sozialistische Freund*innen totalitärer Regime einmal in ihrer Essenz so sehr das Gleiche wollen könnten: Weltweite Kontrolle, etabliert unter dem Vorwand der Rettung vor der Klimakatastrophe und sogar mit den sich bis ins Detail gleichenden Parolen von globaler Gerechtigkeit und Chancengleichheit?

Dabei stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob beides auch gleichermaßen ernst gemeint ist …

Ein zorniger Waldgeist

[1] Ich zitiere aus der TZ: „„Ich habe von der Sache auch erst aus der Presse erfahren“, sagt Tarek Luft, einer der Verantworlichen des Wald-Camps. Er kann sich nicht vorstellen, dass jemand von den Waldbesetzern mit dem Anschlag zu tun hatte.“ Oder ein anderer prominenter Sprecher der „Waldbesetzung“, der anscheinend im Pluralis Majestatis zu sprechen gewöhnt ist: „Ingo Blechschmidt (32), einer der Baumbesetzer im Forst Kasten, distanziert sich gegenüber der tz von dem Anschlag: „Unsere Symbolsprache sind Baumhäuser. Wir protestieren friedlich, mit Stromausfällen haben wir nichts am Hut.“