Was Corona nicht schafft, das schafft ein Flaschenhagel – 19 Bullen verletzt

Der folgende Text wurde in München als Flyer verteilt. Wir dokumentieren ihn hier aus aktuellem Anlass.

Wo immer in München derzeit die uniformierten Schlägertrupps auftauchen, schlägt ihnen der geballte Hass der Menschen entgegen. Wenigstens beleidigt werden die Cops allerorts, der*die eine oder andere greift sie auch einmal kurzerhand an. Eine Bullenkontrolle an der Isar, am Balde- oder Gärtnerplatz, im Englischen Garten, am Wedekindplatz oder anderswo, wo sich diejenigen versammeln, die wenigstens ein Minimum an Leben haben wollen und nicht bloß vor ihren Bildschirmen vegetieren – sie ist nicht länger etwas, das den anderen passiert, nichts wo man lieber abgewandten Blickes vorbei geht, nichts, das man aus irgendeinem in der Schule vermittelten Reflexes für „schon irgendwie angebracht“ zu halten geneigt ist. Nein, eine Bullenkontrolle ist für all diejenigen, die weiter rausgehen, klarer als das erkenntlich, was sie schon immer war: Eine Demonstration der Macht des Staates gegenüber seinen Bürgern, eine Provokation, die einem förmlich ins Gesicht schreit: „STEHENBLEIBEN, POLIZEI“, „DIE AUSWEISE BITTE“ oder „SIE BEFINDEN SICH NUN IN POLIZEILICHEM GEWAHRSAM“, eine Provokation die ebenso Einschüchtern soll, wie sie diejenigen, die sich nicht einschüchtern lassen (wollen) mit aller Gewalt zu brechen versucht.

Wer angesichts dieses immer offener zutagetretenden Charakters der Polizei und des ganzen Hasses, den sie endlich auch in München beinahe überall dort auf sich zieht, wo sie auftaucht, ernsthaft verwundert darüber ist, dass sich, wie vergangenes Wochenende im Englischen Garten, spontan auch einmal hunderte Personen gegen die Polizei verbünden und diese dann einen Vorgeschmack dessen erlebt, was ihr in Zukunft noch blühen wird, der muss irgendwo zwischen den eigenen vier Wänden den letzten Rest von Verstand verloren haben. Jaja, die Presse. Von Süddeutscher Zeitung bis hin zur BILD will uns das obrigkeitshörige Journalistentum aus dem Homeoffice die Welt erklären, geht aber nicht einmal mehr in seiner Freizeit vor die eigene Türe. Dass eine faktisch seit Monaten gleichgeschaltete Presse ohnehin bei den Bullen abschreibt ist dabei wenig verwunderlich. Vielmehr überrascht es ein wenig, dass diese Gleichschaltung so total zu sein scheint, die Gehirnwäsche so tief sitzt, dass man sich selbst die banalsten Dinge nicht mehr erklären kann.

Stattdessen muss der Presse ein von der Polizei gezielt aufgebautes und altbekanntes Konstrukt zur Delegitimierung der Angriffe auf die Bullenschweine herhalten. Anlass des Einsatzes sei nämlich eine Schlägerei gewesen, die laut Bullen und Presse entstanden sei, weil eine Person eine andere begrabscht hätte. Folglich, so behauptet die Bullenpresse und allen voran der politische Oberbulle Joachim Herrmann, hätten sich diejenigen, die die gegen diese Schlägerei einschreitenden Bullen angegriffen hätten, mit einem „möglichen Sexualstraftäter“ solidarisiert. Nun spricht ja ohnehin nichts dagegen, auch eine Person, die andere begrabscht einerseits gegen die Bullen zu verteidigen und andererseits möglicherweise ebenfalls zusammenzuschlagen, was ja selbst der Beschreibung in der Bullenpresse nach ungefähr so passiert sein muss, allerdings ist es selbstverständlich eine allzu lächerlich Propaganda zu behaupten, ein Angriff auf die Bullen käme einer Solidarisierung mit irgendeiner Übergriffshandlung gleich. Denn auch wenn das Journalistenpack nicht differenzieren kann zwischen Flaschenwürfen auf Bullen und Leuten, die herumlaufen und andere Leute begrabschen, ist der Unterschied doch allzu offensichtlich, als dass ich ihn hier irgendjemandem erklären müsste. Herrmann, der von seiner Hofpresse ausführlich zu der Eskalation interviewt wurde, macht indem er die Schlägerei nach diesem Übergriff und den Bulleneinsatz gegen deren Teilnehmer als Versuch „die Streithähne zu trennen“ beschreibt, ohnehin klar, dass es – wie jeder weiß – sowieso niemals um irgendetwas dergleichen ging, sondern dass dieser Einsatz nichts als die übliche Schikane und Einmischung der Polizei darstellte.

Also warum sich überhaupt weiter mit diesem Narrativ der Bullenpresse befassen, wo es doch ohnehin höchstens bei den seit Monaten daheimgebliebenen nicht sofort Gelächter auslöst. Werfen wir doch lieber einen Blick auf die Situation: Während es vergangenes Wochenende in ganz München brodelte, verloren die Cops im Englischen Garten die Kontrolle und kassierten nicht nur die Schmach der Niederlage, sondern immerhin auch ein paar pochende Prellungen. Bei aller nun angekündigten und teilweise bereits etablierten technologischen Aufrüstung mit Videoüberwachungsfahrzeugen und behelmten Hundertschaften am Monopteros ist klar, dass selbst mit dem martialischsten Aufgebot die Kontrolle über die Stadt für die Cops nicht zu gewinnen sein wird – nicht wenn wir uns zur Wehr setzen. Die Wut kann sich jederzeit und überall entladen, wo eine zahlenmäßig unterlegene Patrouille an Cops in eines der tausenden Wespennester sticht, oder wo sich Menschen dazu entscheiden, ihrer Wut von sich aus Ausdruck zu verleihen. Der Staat hat offenbar beschlossen, die Zähne zu zeigen, es ist nun an uns, für den nötigen Zahnausfall zu sorgen, es ist an uns, die zahllosen Gelegenheiten, die sich jeden Tag bieten, zu nutzen, um zurückzuschlagen, es ist an uns, den Albtraum der sozialen Kontrolle zu sabotieren und zu zerschlagen.

Gegen jede Bevormundung,
Gegen alle Bullen,
Für einen heißen Sommer.