Eine skurrile Floskel

Mir wär’s ja egal wenn ich’s krieg, aber…“ Diese skurrile Floskel ist heute wohl ein Gemeinplatz und in aller Munde… und beginnt langsam zu langweilen. Komisch dass sich die Leute andere Reaktionen erwarten als etwa, dass sie unterbrochen werden mit einem: „Ja: dann ist ja gut…“ oder auf ihr Ausreden die Antwort kriegen „Dann langweil‘ mich nicht und lass mich in Ruhe!“ Nein, dir ist es nicht egal! Tu doch nicht so. Angesteckt von Konformismus und in der Befürchtung, möglicherweise schuldig zu sein, jemand anderes anzustecken, ist es dir nicht egal. Wobei die Verdrehtheit des Zweiteren dir eben vielleicht sogar bewusst ist. Aber es wäre ja unhöflich, über die Irrationalität des Schuldgefühls zu diskutieren. So was tut man nicht! Man lässt den Leuten ihre Irrationalitäten, ist ja eine Privatsache… Nur doof, dass es gerade dieser Punkt ist, an dem Mobilmachung, Moralismus und Hervorbringung von Konformismus ansetzen. Vielleicht sogar Herrschaft überhaupt. Denn, zum Wesen von all dem gehört eben zuerst einmal die Produktion von Gefühlen, wobei das Schuldgefühl sich ganz ausgezeichnet eignet, um verunsicherte Leute zu manipulieren. Speziell auch, wenn man diesem Schuldgefühl den wohlklingenden Namen Verantwortung beilegt… es fühlt sich dann irgendwie so an, als betätige man mit seinem Konformismus die eigene Autonomie.

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