Ein ewig zankendes Ehepaar

[linke Triggerwarnung: Dieser Text beinhaltet arschoft Wörter wie Linke, links, Linkstum.]

Seit dem Ausbruch der Pandemie, ist die Kritik und auch offene Feindschaft zur linken Bewegung und dem Sumpf von oberflächlichem, politischen Aktivismus, lauter geworden. Eine Enttäuschung und Verbitterung folgte auf die Nächste. War es schon vorher klar, dass Linke gerne einen Dialog mit dem Staat halten – durch Forderungen, durch unreflektierte Akzeptanz des legalen Rahmens, durch ihre vom Parlamentarismus abgeleitete, ähnliche Strukturierung – so ist das Ausmaß des Gehorsams, der Reproduktion autoritärer Moral, der Passivität und der Scheinhandlungen aus diesem Lager, gefühlt, noch nie so offensichtlich gewesen, wie seit Anfang 2020. Menschen, die sich anti-autoritär nannten, was eine scheinbare Nähe zu anarchistischen Ideen vermuten lässt, übernehmen die neue Bedeutung von Wörtern wie „Solidarität“, „solidarischem Handeln“, aus dem erweiterten Wortschatz der staatlichen Polemik. Ja, wir müssen, wie schon immer, die Linke hinter uns lassen, wenn wir vertrauensvolle Beziehungen aufbauen wollen, und es uns mal wieder reicht von einer Meute umgeben zu sein, mit der sich zwar schöne, oberflächliche Sauf-Soli-Partys feiern lassen, die aber immer wieder panisch unter den staatlichen Mantel flieht, sobald es im ausgenüchterten Zustand ernst wird…

Aber! Bei aller Liebe zur Kritik, Reflektion, usw. Ist es ein Loslassen und Überwinden vom Linkstum, wenn wir uns ununterbrochen an der Scheiße, die es én masse auskotzt, abarbeiten?

Ich denke nicht. Das klingt eher nach einer nicht überwundenen Beziehung, nach dem Festhalten an Rache, oder nach Eifersucht. Eifersucht auf die Aufmerksamkeit, die linke Ideen, oder besser gesagt linkes Content, bekommen. Und ich schlage keine Vergebung vor, bei einer linken Öffentlichkeit, die immer wieder ihr befriedendes Potential beweist, indem sie bei sich intensivierenden Kämpfen, den Reset-Knopf drückt. Es ist einfach schrecklich…

Aber ist es nicht ähnlich beschissen, dies permanent zu kommentieren?!

Anstatt Meinungen zu verhöhnen und zu verspotten, die sie dem Bürgertum anbiedern, ist es doch wichtiger eigene Kämpfe zu führen. Wenn dann, bei diesen stattfindenden Kämpfen, die Linke (oder Rechte) mit ihren Integrationsversuchen ankommt, dann muss sie sabotiert und weggejagt, werden; also ihre Politiker*innen², sowie das Dogma aus den Köpfen müssen vertrieben werden.

Sich der Linken zu widmen, ohne konkreten Kontext, oder sie schlicht zu provozieren, zeigt womöglich eine wirre Ziellosigkeit auf. Außerdem schafft es die Linke auch hier diejenige*n, zu blockieren, die sich eigentlich von ihr abwenden wollen.

Auch ich hasse die linke Bewegung und kann manchmal nicht anders, wenn ich das Kreisgewichse geschichtsvergessener, linker Schein-widerständler*innen, höre, als zynisch zu lachen, oder mir deren Rotze aus den Gehörkanälen zu saugen, um sie ordentlich auszureihern. Doch bin ich mir diesem Trauma bewusst. Ja, es ist ein Trauma, eines dass mich mit Ressentiments erfüllt, weshalb ich es überwinden will.

Denn, ich schätze ein zufriedenes, freudvolles Lächeln nach einem gelungenen Angriff auf Auswüchse von Patriarchat, Kapitalismus und anderen Formen der Herrschaft, ob in Text- oder Waffenform. Und so sehr ein zynisches Lachen Menschen über Wasser halten kann, so bevorzuge ich doch die eben genannte, herzliche Freude.

Soll die Linke doch gegen faschistische Corona-Leugner*innen hetzten. Anstatt ihnen zu sagen wie oberflächlich diese Reaktion auf die faschistische Bedrohung ist, oder ihnen ihren Konformismus vorzuhalten, wäre es Zeit eigene antifaschistisch-anarchistische Vorschläge zu liefern/Kämpfe zu führen. Oder den anarchistischen Kampf gegen den Staat schädlicher und sichtbar zu machen. Denn eine alte Gemeinsamkeit zwischen Linken&Kommunist*innen und Faschist*innen&Rechten, bleibt: Sie kämpfen beide für eine Staatsmacht. Die heiligen Infektionsschutzgesetze auf der einen Seite und das super-tolle Grundgesetz auf der anderen Seite. Der Staat und seine Exekutive ermöglichen diese Gesetze – von den gerade viele Leute in der Bevölkerung abgefuckt sind. Wenn wir seine Macht erodieren (auf der Straße und in den Köpfen), müssen wir uns weniger um Linke und Rechte kümmern, welche stets von dieser Macht profitieren (wollen).

Die Linke zu bekämpfen, heißt viel Zeit darauf zu verschwenden, lediglich einen Auswuchs der Herrschaft zu bekämpfen¹, und damit noch einen, der sich aktuell sehr schlecht in ein Projekt verwandeln lässt.

Neben dem krassen Problem bewaffneter Nazi-Untergrundstrukturen stinkt der vorschlagsarme Kampf gegen die Linke da schon ab.

Also sehr geehrtes Zündlumpenproletariat, lasst doch ab von der Linken, denn ihr könnt jener vertrauen.

Dass sie euch immer wieder enttäuscht, wenn ihr sie so nah an euch ranlasst.


²=mit Politiker*innen meine ich nicht nur alle jene, die sich selbst als solche bezeichnen. Ich meine auch Alle, die sich als Sprecher*innen, Organisator*innen einnisten, und dadurch immer mehr Verantwortung und Macht anhäufen, alle die, die Individuen zu einer zählbaren, gleichförmigen Masse reduzieren.

¹=ersetze in diesem Satz das Wort die Linke durch die Rechte, und du weißt ein Stück weit, woher diese übersteigerte, anti-linke Tendenzkommt.