[Virus Radio] 50 Shades of Lockdown

pfffrrzzz…. kkkkz….

München ausser Kontrolle… hundertfü…

Pfffrrrz…. kcchhrrz. ….

50 Shades of Lockdown

 

von DJ Superspreader

Iiiich habe die Schlagzeilen jetzt nicht zur Hand, aber ihr werdet es in Bayern kaum übersehen haben: Skandal. 150 Leute feiern ein Fest. «München ausser Rand und Band»? Schön wärs… vielmehr ist heute Skandal was bis vor kurzem die letzten Jahrtausende normal war – Fremde feiern zusammen und kommen sich dabei unkontrolliert nahe. Ganz offensichtlich zuviel für jene, welchen die AHA-Regel schon als ihre neue Komfortzone gilt.

Auch ich war einer der «150» Partygänger. Selbst habe ich allerdings nicht – wie man vielleicht erwarten könnte – aufgelegt. Vielmehr liess ich mich in den stickigen Gewölben etwas zur Musik gehen – und bin durch Müdigkeit vom Tanzen dann doch «zu früh», oder besser: gerade noch früh genug nach «hause» gegangen.

Vor allem hat mir der atzig-primitive Hooligan-Techno gefallen, während mich das hin und widrige Abgleiten in poppige Gefilde eher weniger hingerissen hat. Aber auf jeden Fall eine Abwechslung wert, so was, hin und wieder zumindest… ein gutes Fest – es empfiehlt sich…

Emma Goldmann zur letzten Corona-Party (war sie auch da?)

«Ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich an die Regeln halten»? Nun gut! Und zur Feier des Skandals und um die Schmach der Regeltreue noch schmachvoller zu machen, verschiebe ich den nächsten «Das Elend der Linken»-Remix auf andermal. Billy Gates konnte ohnehin nicht, und auch die Antifa lässt sich nicht im Studio blicken. Heute deshalb also viel passender: FIFTY shades ooOOF LOCKDOWN!

Hier in einem rustikalen, teilweise geschmacklosen Mix, der fast so abgeschmackt und surreal ist wie die uns umgebende Realität. Anstatt nun also noch hunderte Male zu schleifen, um die sensiblen Gemüter des Publikums nicht allzu sehr zu strapazieren, hier ein Mix, ein Schlag ins Gesicht wie von einem Hooligan!

Andere mögen in der Selbstzensur eine Tugend sehen – wir nicht. Und deshaaaaaaalb:

* * *

50 Shades of lockdown feat. Themroc (ultimate trigger-mix)

Oder

«Das in sich geschlossene Knast-System hat in Zeiten der Krankheit durchaus Vorteile»

(Drinnen wie Draußen; Süddeutsche Zeitung 13. Mai 2020)

Einiges über das sexuelle und emotionale Elend des Stayathome

Während alle von exponentiellen Kurven schwafeln, und dabei gekonnt die sexuelle Aufladung ignorieren – über sowas redet man ja schliesslich nicht, vor allem macht man darüber keine Witze. Todernste Gesichter – schliesslich beteiligen wir uns ja gerade an der neuesten Form der Massenmobilisierung zur Abwesenheit. Und das ist schliesslich eine Ernste Sache.

Diese perverse Neigung eines Teils der Bevölkerung, ist er masochistisch? 50 Shades of Grey beschäftigte doch die Phantasie der ausgehungerten Langweiler des Westens ziemlich ausgiebig. Und warum wünscht man sich denn so sehr, eingesperrt zu werden? Woran ist da die Lust? Und dann diese Lust an Massenpanik und Denunziation… Es mag ja jedem sein ganz persönlicher Fetisch gegönnt sein, trotz allem – wenn der Punkt erreicht ist, wo man merkt, dass dieser die eigene Freiheit direkt angreift, sollte es mit der Toleranz vielleicht bald vorbei sein…

Ich überlasse es anderen Hobby- und auch gelehrten Psychologen, der psychischen Dynamik dieser Orgie des Autoritarismus nachzugehen. Ich bin mit meiner eigenen Paranoia schon genug beschäftigt, wenn die Realität meine Schlimmsten Dystopien übertrifft – vielleicht hätte ich damals doch Verschwörungstheoretiker werden sollen… dann hätte die Realität zumindest meine Hirngespinste nicht massiv übertroffen.

Was mich mehr interessiert (auch aus persönlichen Gründen), ist, was das Ergebnis dieses Massenwahns auf die Sexualmoral der Gesellschaft sein muss. Auch wenn einige Regierungsstellen nun von ihren Subjekten verlangen, dass sie doch bitte mit ihren Mitbewohnern vögeln sollen, und nicht mit wildfremden, so ist es doch klar, das nicht alle, welche in ihre Kleinfamilien eingesperrt werden, plötzlich Inzest treiben wollen. Zwar mag es sein, dass fast jeder insgeheim oder auch unbewusst Inzestfantasien habe, aber diese auszuleben, während man gerade zusammen sich zuhause einsperrt, setzt dann eben doch diesen eher bedenklichen Masochismus voraus, welcher oben angesprochen wurde. Und viel eher ist es so, dass in ganz vielen dieser Keimzellen der Gesellschaft zwar einige ihre Inzestfantasien ausgelebt haben mögen, aber wahrscheinlich hat es sich dabei im Grossteil der Fälle um Vergewaltigungen gehandelt. Das ist nun mal einfach naheliegend.

Und nein, dass alles ist nicht lustig gemeint oder so. Und wenn etwas sehr ernst ist, so der Wahn und die Verblendung, welche über diese ganze lockdown-Geschichte vorherrscht. Und es geht weit über Missbrauch hinaus. Die sexuelle und asexuelle Gewalt, welche in sämtlichen Haushalten, welche die Gebote der Regierungen ernst nehmen, losgebrochen sind – Kollateralschaden. Ein offizielle einkalkulierter Kollateralschaden, trotz der anfänglichen Skrupel einer gewissen Kanzlerin. Und so sind natürlich die Frauen, welche die Frauenhäuser überfüllt haben, auch nicht gänzlich unbeachtet von jenen, welche sich immer um die Opfer gekümmert haben – den Linken etc. Wie die Obdachlosen, Flüchtlinge, etc. Leave no one behind – sagt man ja in Rückzugsgefechten auf dem Schlachtfelt – im amerikanischen Militärjargon. Opfer eines perversen Krieges gegen… den Virus – du könntest es in dir haben. Ich genauso…

Aber was ist mit dem Zweck des Krieges selber? Das heisst, nicht dem Kollateralschaden, sondern dem beabsichtigten Schaden.

Das bezeichnete Ziel ist die letztjährige Grippemutation. Aber, wenn man blindwütig gegen Gespenster kämpft, in einer Scheinrealität, in einem Szenario, das schlicht und einfach gerade nicht stattfindet… so trifft man eben ganz anderes. Und dabei ist die Absicht unwichtig. Wer im Wahn glaubt, durch die Einsperrung von Menschen in erster Linie ein Virus zu bekämpfen, der mag sich in seinem Wahn ja Wohltäter dünken – er verlangt aber real die Einsperrung, Distanzierung usw. von Menschen, welche – sogar bloss möglicherweise – auch die Eigenschaft haben, dass sie ein vielbeachtetes Virus «aufgenommen» haben. «Es in sich haben.» Der Angriff ist zwar auf den Träger des Virus – aber dieser wird komplett ausgeblendet. Es geht ja nicht um ihn. Angeblich. Homo homini virus.

Der Zugriff funktioniert, weil der Wahn eben nicht ein individueller, sondern ein Massenwahn ist. Allerdings wohl der weitestmöglich vermasste Wahn welchen die komplett isolierten Subjekte umsetzen. Und er setzt wie angegossen bei einem verbreiteten, paranoiden Wesenszug an, einer panischen Angst vor physischen Kontakt. Vor allem mit Fremden.

Jedes „du bist unverantwortlich, bleib zu Hause und schütz die armen Risikogruppen“, beinhaltet nicht nur einen möglichen Kollateralschaden. Sondern eben einen direkten Schaden. Und dieser ist nicht „nur“, dass Menschen eingesperrt werden, oder vielmehr: dass an Individuen der strikte Befehl geht, sich selbst einzusperren (was vielleicht noch widerlicher ist). Vielmehr ist der Effekt sozial, kulturell, individuell… er ist umfassend. Es ist die Anordnung, eine Vorstellung des Lebens umzusetzen, welche bisher vielleicht irgendwelche Kellerkinder-Nerds gehabt haben. Es ist die Abtötung sämtlicher Beziehungen, ausser jenen zu den „eigenen vier Wänden“, den darin befindlichen Zeitgenossen und – oftmals vor allem – zu den darin befindlichen Geräten. Oder dem Gerät, in dem man sich befindet? Wer weiss.

Es rät sich auch, den Film Themroc nocheinmal zu betrachten, und dass diese surreale Revolte vielleicht immer mehr eine notwendige Fantasie wird. Letzter Ausweg? Er zeigt zumindest die Sackgasse auf, in der sich die Menschen befinden. Eben nicht erst seit gestern befinden. Vielleicht hat ja gerade der Surrealismus genug im Unbewussten gewühlt, um zur Analyse der nun erklärten Epoche beizutragen. Wer weiss…

Die Wände rausschlagen, das Domizil als letztliches Gefängnis…

Oder eben die komplette und wortwörtlichste Domestizierung. Verhaustierung. Das alleine vor dem Gerät wixxen. Der von Fanfaren begleitete Einzug ins gelobte Land der VR hinterlässt die Realität menschenleer…

Dass das Kapital seine von Grund auf eigene Welt auf erschaffen will, nachdem die Gesellschaft zerstört wurde, die Natur zerstört wurde, was schon eine Zeit her ist, war schon lange klar. Die Grundrisse wurden schon länger entworfen, die Fundamente gesetzt, das Feld bereitet – aber jetzt beginnt er richtig, der Aufbau. Der grosse Reset. Auf zum Smart Planet.

Verarmte Beziehungen, durch Technologie vermittelt, und einen gehörigen Abstand. Thats the way, A H A.

Es ist schockierend, das niemand um sich schlägt. Aber: wahrscheinlich tut es ja wer. Nur – man wird nichts davon sehen. Nichts davon hören.

Es ist schwierig. Denn: wenn die eigene Wohnung das wirkliche Gefängnis ist – wer wagt es, es zu zerstören. Als Gefängnis zumindest, immerhin…?

Anders als vielfach angenommen sind wir die Opfer, während die Insassen von Moria viel näher an ihrer Menschlichkeit sind, wenn sie „ihr“ Lager niederbrennen! Wer kann hier von wem lernen?

Aber hier, im befestigten Freiluftgefängnis Europa, geschlossene Grenzen, komplette Lagerisierung… War nicht das Lager der „Nomos der Moderne“?

Das Sozialleben ist reguliert, jede Infektionsgemeinschaft isoliert, und Begegnung das Verbrechen, welches verhindert werden soll. Die Barriere für jegliche Nähe, all das… ich wüsste nicht wie ich reagieren würde, wenn das meine Realität wär!

…und einsam und verlassen, frustriert von der x-ten Masturbation in irgendeinem Sex Chat oder vor einem Porno springt sie aus dem 30 Stock. Hurra! Es wollte ja niemand mit ihr Reden. Und vor allem fürchtete sie sich selber davor. War es nicht gefährlich? Und wenn sie jemanden anlächelte, so drang das leider nicht durch die Maske durch. Und: ist das überhaupt ein triftiger Grund – menschliche Wärme? Liebe? Ein Lächeln? Sexualität? Müsste dir das nicht dein Computer geben? Streichel doch dein Smartphone… oder geh halt auf Tinder…. – – Und so hat sie sich schön an die Abstandregeln gehalten. Toll, nicht?

Die Technologie ist von nun an deine Realität. Und diese ist tot.

Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – erinnert dich das Plakat an der Tramhaltestelle.

Nimm dich wahr als im magischen AHA-Kreis stehend, in den niemand eintreten darf, ohne dir zu nahe zu treten. Vielleicht schon ein Übergriff? In deine Blase. Und jaja, es ist ja toll, wenn Leute erzählen, dass sie darüber eigentlich ganz froh sind. Toll! Echt sensibel so was zu sagen. Sich alles zurechzureden.

Jegliche sexuelle Spannung wird noch einmal mehr in kontrollierte Bahnen gelenkt, worüber sich die Prüden aller Sorten – und sei es die queerste Prüderie – freuen. Endlich sind meine Grenzen respektiert. Und Tinder hat gewonnen. Tinder und Zoom und was weiss ich.

Das Gefängnis soll also jeder in seinem Kopf mit sich tragen. Die Magie dabei ist, dass das ganze angeblich „für andere“ getan würde. Für Andere, denen man so helfen würde. Toll! Diene deinem Nächsten. Unterwerfe dich.

Aber was rede ich hier von «soll»? Es tun ja schon alle. Es spiegelt nur eine Verwirklichung, eine Verstärkung und Formalisierung dessen wieder, was ohnehin schon ist… wird…

Homo homini virus macht natürlich die Annäherungsversuche unserer Schafe nicht gerade einfacher. Wenn jedes Schaf in seinen individuellen oder Päärchenstall gestellt wird (orgiastische WG’s nach Vorbild der Phalantastères sind wohl die Ausnahme oder sogar ein Mythos), dann kann es sich natürlich den anderen noch schwerer Annähern. Bravo!

Diese hässlichen Körper, Schleime, Säfte, Speichel… alles ansteckend! Pass auf, denn da draussen wartet der böse Wolf. Pass auf, da draussen: alles Wölfe, alles Viren…

„Versteck dich im Gesamtkondom“, sang einst eine Band diesen Zeitgeist parodierend… in den 90ern. Da war sowas noch ein bisschen übertrieben. Aber heute?

Wer den Traum der Herrschenden träumt, mag sich darüber freuen. Dem Transhumanismus steht Tür und Tor offen, man muss die Schafe nur ein bisschen einschüchtern – schon hat man sie: im Stall.

Wohin mit diesem Pessimismus? Es ist allzu langweilig, nocheinmal das Elend unerträglich zu machen indem man es publiziert. Ich will Wände niederreissen. Ich will alles anzünden. Was kümmern mich sämtliche Viren der Welt, wenn ich emotional verrecke?

Einen Scheissdreck!

Was kümmern mich eure Werte, eure Moral und eure Hygiene? Sie ersticken jeden freudigen Lebenstrieb, jedes spontane Aufeinander-Zugehen, jedes Abenteuer mit Unbekannten… Aber trotz allem findet es noch statt, das Leben! Das Leben ist nicht totzukriegen!

Und es werden schreckliche, unhygienische, unmoralische, unverantwortliche und wilde Feste sein in welchem wir die Grundlagen eurer Zivilisation – deren Wesen das Lager ist – angreifen… Noch haben wir uns nicht umgebracht! Noch haben wir das Feuer in uns und werden es so gut es geht in reale Feuer verwandeln! Noch wissen wir unseren Wahnsinn im Verbrechen auszuleben! Noch habt ihr uns nicht alle eingesperrt und gezähmt.

Wir mögen wenige sein, wir mögen verrückt sein… aber auf unserer Seite haben wir das Feuer! Das Feuer der Jugend und das Feuer der Revolte und einen direkten Draht zum Leben!

Die Revolution wird eine hochgradig ansteckende Orgie sein oder sie wird nicht sein!

* * *

Jaaaa…. das war doch mal was. Ein bisschen viel Pathos vielleicht, aber dieses ist vielleicht auch nötig, wenn denn die abgekapselten Inseln der erstarrten Iche und deren charakterliche Verhärtungen etwas angekratzt werden sollen… auch wenn da natürlich ganz unterschiedliche Methoden experimentiert werden könnten, wie man sowas aufbricht.

Aber genug für heute. Jetzt gehts raus aus dem Studio, in die Welt, die da ja immer noch existiert. Wer weiss, wann die nächste Corona-Party steigt? Wer weiss, ob ich davon höre oder sie verpasse? Wer weiss, ob der Reiz des Festes nicht noch zum Verderben der «Neuen Normalität» werden wird?

«Die beste Corona-Party wird die soziale Revolution» habe ich letzthin auf eine Parkbank getaggt. Ob sie das wird? Ob da der Optimismus mit mir durchgegangen ist? Es wäre natürlich dumm, darauf zu warten, auf die Revolution. Vielmehr ist sie ja genau jener Prozess, in welchem Individuen beginnen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Jaja…

Für heute also Schluss mit dem Virus Radio, vielleicht kommt beim nächsten Mal ja auch der eine oder andere Promi zu Besuch. Wer weiss… ich hoffe zumindest, ich verpasse die Sendung nicht. Denn einerseits ist es schon ein ziemlicher Aufwand, so einen Piratensender zu betreiben, und andererseits gibt es ja auch besseres zu tun. Das remixen des Elends der Linken scheint mir zwar irgendwie sinnvoll, aber vielleicht ist es ja auch verlorene Müh. Wer weiss?

Pfffrfrrrkk…

CHRZzzzzZ.