[Chile] Der Triumph der Demokratie und der falschen Kritiker*innen

Veröffentlicht am 26.10.2020

Gefunden auf anarquia.info, die Übersetzung ist von panopticon

Während Tausende Chilen*innen den Wahlsieg zur Änderung der Verfassung feiern, führen wir weiterhin Krieg gegen alle Formen der Macht.

Heute feiern der chilenische Staat, die politischen Parteien und die offizielle Presse gemeinsam mit der Bürgerschaft den ekelerregenden Triumph der Demokratie, des institutionellen Weges und der bürgerlichen und republikanischen Kultur, als wäre es der Triumph einer Fussballweltmeisterschaft.Wie werden die „Revoltierenden“, die heute stolze Wähler geworden sind, diesen Widerspruch aufrechterhalten? Wir wissen es nicht.

Was wir wissen, ist, dass diejenigen, die gestern die „Brutalität“ der Repression anprangerten, heute freundlich an den Wahlurnen empfangen wurden, begleitet von Polizei und Militär.

Was wir auch wissen, ist, dass auf dem frischen Blut des Bürgersteigs, auf dem vor drei Tagen der junge Anibal Villarroel durch Polizeikugeln getötet wurde, heute so idealisierte Menschen tanzen und singen, die von der Demokratie berauchst sind.

Chile gewann, der Staat gewann, die Gesellschaft gewann, und sein Wunsch, unter einem neuen Sozialpakt mit der Herrschaft zu leben, gewann den mehrheitlichen Willen, einen neuen gesellschaftlichen Konsens zu schaffen. Am Ende des Tages, mit mehr oder weniger Barrikaden, siegte dieselbe alte Schrift, die in den Palästen der Macht geschrieben und historisch umgeschrieben wurde, um die Aufstände zu stoppen und die Rebellionen auf institutionelle und parteiische Wege umzulenken.

Und die Macht lacht, lacht und lacht. Sie lacht, weil Institutionen gültig gemacht werden. Sie lacht, weil sie nun „bewusstere“ und demokratischere Bürger*innen zur Verfügung haben wird, die freiwillig mithelfen werden, auf die Störrischen, die Entgegengesetzten, die Aufständischen, die „Verrückten“, die „Gewalttätigen“ hinzuweisen, die sich voller widerlicher Höflichkeit in ihre Veränderungsprozesse einmischen. Die Macht lacht, weil sie weiß, dass selbst mit schuldiger Hoffnung einige der selbsternannten Anarchist*innen an die Urnen gingen, um sich offiziell dem Feind zu ergeben, ihren Ideen abzuschwören, in ihren Überzeugungen zu kapitulieren, die so flüssig und flüchtig sind wie die Erinnerung an das so romantisierte „Volk“.

Wir, die stolze Minderheit der Aufrührer, führen weiterhin Krieg gegen die Macht, ohne Verwirrung zu stiften, indem wir uns im Chaos vervielfältigen und stärken.

Weil unsere Revolte nicht am 18. Oktober begonnen hat und nicht mit einer ekelhaften Volksabstimmung enden wird.

TOD DEM ZUSTAND UND DEM KARNEVAL DER DEMOKRATIE.
DIE ANARCHIE LEBT IN DEM STÄNDIGEN ANGRIFF AUF DIE HERRSCHAFT.
DURCH DEN PERMANENTEN AUFSTAND OHNE ANFÜHRER ODER FÜHRUNG,
MIT UNSEREN TOTEN IN UNSERER ERINNERUNG UND UNSEREN GEFANGENEN IN UNSEREN KÄMPFEN,
WIR BEFINDEN UNS IMMER NOCH IM KRIEG MIT ALLEN FORMEN DER MACHT.

Anárquicxs no pacificadxs del sur de Abya Yala ($hile).
26. Oktober 2020.