Die Katastrophenpsychose

Weitsichtiges aus den späten 1980er Jahren. Aktueller denn je. Man denke nicht nur an die gegenwärtige Coronahysterie sondern auch an die – gerade nicht ganz so präsenten – FFF…

Für eine lange Zeit ist jetzt schon eine terroristische Erpressung am Laufen, welche mehr und mehr zur polizistenmässigen Logik des Notstands führt. Die Medien führen die Aufgabe aus Probleme hervorzuheben und die apokalyptischen Bilder der Bedrohung durch die Katastrophe zu nutzen um grosse Volksmassen zu deren Verhinderung zu mobilisieren.

Man sollte sich selbst fragen was hinter dem von den Medien präsentierten Bild des bevorstehenden Albtraums der ökologischen Katastrophe steht. Diese wird präsentiert als etwas, was jenseits des Bereichs der gesellschaftlichen Verhältnisse oder des Klassenkonflikts gelöst werden soll.

Wir haben starke Zweifel bezüglich des Zeigens von guten Absichten, welche von Politikern aller Sorten und Farben gezeigt werden (einschliesslich der Umweltaktivisten) und ihrem plötzlichen Interesse an der Gesundheit der Bevölkerung.

Wir glauben das hinter der Bombardierung mit Neuigkeiten über die ökologische Alarmstufe Rot in Gebieten hoher industrieller Konzentration, wo Sicherheitslevels der Verschmutzung der Atmosphäre grosszügig übertreten wurden, ein anderer, viel weniger edler Kampf liegt: ein Machtkampf zwischen der alten, kapitalistisch-industriellen Klasse und der neuen, aufkommenden welche sich aus der öffentlichen und privaten Bürokratie zusammensetzt, angesichts der Position welche die letzteren innerhalb des technologischen Apparats des Kapitals und des Staates erreicht haben.

Wir wissen dass die Vorstellung der Katastrophe, in diesem Falle der ökologischen, die Massen gefühlsmässig dazu drängt, jenseits jeglicher Motivation welche von ihrer spezifischen Ausbeutungsbedingung herkommt zu kämpfen, also weniger für soziale Veränderung und mehr für ihr eigenes bedrohtes Überleben. Das drängt sie dazu, den Gedankengang welcher zur Konservierung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Ordnung führt zu übernehmen.

Der Planet ist am Sterben, wir wissen es alle. Er ist voll Gift und es fehlt ihm Sauerstoff aufgrund der atmosphärischen Verschmutzung. Die Flüsse sind biologisch tot; Seen und Meere sind zu Müllhalden reduziert; der Treibhauseffekt wird hervorgebracht durch das Erhöhen der Menge von Karbondioxid dank der massiven Arbeit der Entwaldung einer der Hauptlungen der Erde, des amazonischen Regenwaldes. Zunehmende Dürre führt zur Vergrösserung von gewaltigen Wüsten, und wir sind der Tragödie behilflich, welche Völker und Tierarten in ihre Ausrottung führt, der Logik des Profits und der Herrschaft geopfert.

Jede Klasse, welche nach der Herrschaft strebt, bringt ihre eigene Welt und ihre eigene Logik mit sich. Die aufsteigenden Bürokraten benutzen Ökologie um den Prozess der Übernahme der alten Welt zu beschleunigen.

Aber was kann dies in der Masse auslösen – zunehmend verängstigt durch die Möglichkeit der Katastrophe und die Verinnerlichung der Notstandslogik – wenn nicht ein totales Haften an den repressiven Verhaltensnormen welche von der kybernetischen Macht diktiert werden. Mit wissenschaftlicher Pünktlichkeit lädt sie Millionen proletarisierter Individuen ein neben den Institutionen daran teilzunehmen und zu mobilisieren, neue Kontrollorgane zu erschaffen und einzusetzen und die neuen Autoritäten mit der Schubkraft eines neuen demokratischen Radikalismus zu sanktionieren.

Jenseits des unmittelbaren Dramas gab der Atomunfall von Chernobil dem Kapital und allen Staaten die Chance kalt mit Elementen zu experimentieren, auf welche die repressiven Projekte der Kontrolle und des Konsens angewandt werden können, und zwar durch die Ausbeutung der Idee eines permanenten Notstands.

Die Ausnahmeintervention löst folglich nicht das Problem sondern dient dazu, Kontrolle zu installieren um den Konflikt auf dem gesellschaftlichen Territorium auszulöschen, durch die Erpressung der Pflicht zur Kollaboration zwischen den Klassen. Alle Notstandsmassnahmen welche als für das allgemeine gesellschaftliche Interesse notwendig präsentiert werden, geben faktisch aber einem Prozess des Privilegs und der Unterwerfung Raum, angesichts der Ungleichheit der bestehenden materiellen Bedingungen.

Die Grünen und die Umweltverbände suchen nicht nach einer Lösung für das Problem der Verschmutzung, sondern nach einem Kapillargefäss [capillary] und der Verbreitung der Kontrolle um sie in in eine Profitquelle zu verwandeln. Man entdeckt die am wenigsten verschmutzten Teile der Städte der höheren gesellschaftlichen Schicht vorbehalten sind; die Armen kriegen die Quadratmeter von Zement und Abfalldeponien an den Stadträndern.

Es ist also Zeit, anstatt solchen Kräften unkritisches Lob zu spenden, ihre Rolle als die neuen gesellschaftlichen Befrieder zu enthüllen, welche über das aufgetakelte Spektakel der Erpressung, dass „der Planet um jeden Preis gerettet werden muss“, hinausgehen, und sich anbieten die bestehende Entfremdung auf eine alternative Art zu verwalten, aber immer auf Ausbeutung und Unterdrückung basierend.

Wir denken, dass der Kampf gegen die Herrschaft des Menschen über den Menschen die einzige Ausgangsbasis ist. Sie ist die einzige welche fähig ist die Verantwortlichen für die Zerstörung von sowohl dem Planeten als auch dem sozialen Reichtum anzugreifen. Wir müssen konkret auf die Befreiung der Menschheit und der Natur in einem globalen Sinne abzielen.

Die Grünen und die Umweltaktivisten sind sogenannte Ökologisten, deren Ziel nicht ein sauberer ökologischer Planet ist; ihre Politik ist ein grüner Apartheid welcher „grüne Inseln“ will, vorgesehen für den Komfort der Privilegierten. Die internationalen Umweltverbände sind die Multinationalen der „Ökologie“, Kapitalismus überarbeitet und verbessert nach dem Schaden, welchen er durch die vorhergehende Phase der maximalen Industrialisierung angerichtet hat.

Der soziale Kampf im ökologischen Sinne ist nur dann brauchbar, wenn er die Herrschaftsbeziehung angeht, die Strukturen von Kapital und Staat, und seine subversive Kraft zeigt, welche die Aussicht einer neuen Welt beinhaltet, nicht die alternative Verwaltung der alten.

[übersetzt aus dem Englischen. the catastrophe psychosis; in: Insurrection. Anarchist paper September 1989; London]