Tod den Statistikern!

„So viel haben sie schon gelernt, daß sie nur den Statistiken glauben, die sie selbst gefälscht haben.“ (1946)

Wo soll man anfangen bei diesem Wahn?

Die Tatsache dass wir alle sterben können und dass daraus von irgendwelchen Leuten, welche an unserer Verwaltung teilhaben, Statistiken gemacht werden können die wir – im Normalfall – nicht kennen, ist keine Neuigkeit. Die Neuigkeit ist, dass wenn solche Statistiker mit den Zahlen etwas wilder und schockierender herumfuchteln, scheinbar die Herde bereit ist, alles mit sich machen zu lassen…

Es wurde von anarchistischer Seite immer wieder darauf hingewiesen, dass die Welt mehr und mehr zu einem Freiluftgefängnis wird. Wem das heute nicht offenbar wird, der muss wohl taub und blind sein, wobei sogar dass noch keine ausreichende Ausrede wäre.

„Die Alten und Schwachen“ werden zu einer Ausrede für jegliche noch so faschistische Massnahme – wohlgemerkt: dass die Alten und Schwachen dabei nicht gefragt werden, dass es sich um abstrakte „Alte und Schwache“ handelt, sollte bemerkt werden. Wenn es bestimmt einer „Risikogruppe“ zugeordnete Leute gibt, welche ihr – real oder mögliches – gering statistisch erhöhtes Sterberisiko derart über sämtliche Bedürfnisse aller anderen stellen, dass sie denken, um dieses zu mindern, gehöre die halbe Menschheit, wenn nicht sogar die ganze, eingesperrt… nun, solche Leute mag es geben. Aber sie haben zumindest eins auf die Fresse verdient, auch wenn man davon absehen mag – angesichts ihres schwächelnden Zustands. Sie könnten doch auch einfach einfordern, von anderen bei ihrer Selbstquarantäne unterstützt zu werden. Aber ja, es gibt eben nicht nur solche, welche die leichte Verlängerung ihres wahrscheinlich ohnehin schon leidvollen Lebens über die Freiheit – und sei es nur die gestrige, lächerliche Freiheit in der Demokratie – aller anderen stellen. Es gibt zumindest auch kranke, schwache, lungengeschädigte, alte, etc. Menschen, welche nicht komplett spinnen und verstehen, dass ihr Sterben – wobei dieser Prozess ja bei den meisten „Risikogruppen“-Zugehörigen ohnehin schon begonnen hat – nicht dazu herhalten sollte, alle zuhause einzusperren und die menschliche Zivilisation in ein riesiges Lager zu verwandeln. Gerade diese viel als „Grund“ herhaltenden Alten können sich vielleicht ja auch noch an die 40er, 30er und teils auch 20er Jahre erinnern. Und wenn sie etwas Bewusstsein haben, und nicht schon damals Nazis oder ähnliches waren, so finden sie das wohl beängstigend, was jetzt gerade läuft. Bullen, die einem vorschreiben zuhause zu bleiben. Die in alle Wohnungen eindringen dürfen. Die sich alles herausnehmen dürfen. Die einem sämtliche Rechte absprechen. Dafür muss man ja noch nichtmal die Nazi- und Kriegszeit erlebt haben. Es reicht ja auch, wie eine nicht ganz unbedeutende Politikerin erklärte, an die DDR zu denken. Aber es geht nicht lange, und sie schwenkte ein. Es geht nicht lange, und alle schwenken ein.

Das Einschwenken in die Rolle passiert dabei schnell. Als „Risikogruppe“. Als normaler. Als Herdentier. Alle machen „Mäh“ und „Muh“ und finden sich ab mit ihrer Rolle als Zuschauer. Als Zuschauer und auf jeden Fall den Statistikern unterworfene.

Aber ja, wo bleiben denn die Demokraten? Das frag ich mich. Nichteinmal das demokratische Grundrecht ist ja mehr gewährt. Aber natürlich: das mit der Quarantäne steht ja im Grundgesetz. Seuchenschutz und sowieso. Aber, der gute Demokrat könnte ja immerhin noch seine „freie Meinung“ vertreten, und die Verhältnismässigkeit anzweifeln. Was ja auch getan wird. Von einer liberalen Ärzteopposition die allerdings dafür nicht schlecht diskriminiert und diffamiert wird. Zum Beispiel als verschwörungstheoretisch. Obwohl sie nicht im geringsten von einer Verschwörung reden. Aber, die Beleidigung „Verschwörungstheoretiker“ hält ja seit ihrem Aufkommen in der Post 911 Ära ohnehin schon für vieles her, was einfach dem gutgläubigen Schaf nicht ins Konzept passt… und weil Argumentieren und logisches Denken ohnehin nichts ist, was der allgemeine Medienkonsument und geschulbildete irgendwo gelernt hätte – wo auch? – ist eben sämtliches kritische Infragestellen an Identitäten gebunden, wobei „Verschwörungstheoretiker“ wohl die moderne Ketzerei wär, während der offizielle spektakuläre Diskurs die offizielle Religion darstellt. Es bleibt nur abzuwarten, wann die Inquisition kommt…

Aber eben, hier soll es mir nicht um solche Glaubensfragen gehen. Es macht natürlich vielleicht Sinn, sich die ärztliche Opposition, etwa einen Prof. Dr. Hockertz oder das berliner Praxiskollektiv u.Ä. mal anzuschauen, welche nüchtern und ganz im Verhältnis zu normalen demokratischen Werten argumentieren, und ziemlich offensichtlich besser argumentieren über das sogenannte Covid-19… Aber jenseits des Glaubens an die Spezialisten und Statistiker aller Sorte und ihre Diskussionen, bzw. Dogmatik und Abwendung jeglicher Diskussion, bleibt wohl die grundlegendere Frage, ob wir denn ein Virus, und sei es die Fiktion einer Zombieapokalypse, wie sie wohl im mehr oder weniger vom Fernseher weichgespülten Unbewussten der grossen Mehrheit herumspukt, als Argument für das Aufgeben sämtlicher noch zugestandener Freiheiten oder irgend einer Freiheit genügen würde…?

„Das Spektakel will es zu nichts anderem bringen als zu sich selbst“, behauptete Guy Debord…

Entmenschlichung ist nicht erst von gestern

Für den Statistiker bin ich nur eine Nummer, wie ich für den Staat nur eine Nummer bin, wie ich es für die Netzanbieter, Parteien, Kapitalisten und Politiker bin. Wie ich es für Bill Gates, Söder, WHO, Robert-Koch-Institut und ihre Handlanger bin. Nur eine Nummer. Eine Grösse die es zu verwalten gilt, aus der so und so viel Kapital gemacht werden kann, die ein Störfaktor ist oder nicht. Zumindest nur eine Nummer. Ein Mensch? Aber was ist ein Mensch? Ein Individuum? Aber was versteht denn ein Statistiker von Individualität? Eine Nummer, die Träger eines Virus sein könnte… wie alle. Die ein Risiko darstellen könnte für das normale Funktionieren der Gesellschaft oder jetzt halt der Quarantäne…

Eine Quarantäne, welche den Zusammenbruch des gesellschaftlichen Konsenses aufhalten soll. Welche benutzt wird, um Milliardenpakete in die Wirtschaft zu stecken… die Unternehmen zu retten, die Industrie zu retten… die Digitalisierung durchzusetzen…

Es ist naheliegend und vielleicht auch nötig, darauf hinzuweisen, dass dieses Geld nicht in den Aufbau eines Gesundheitssystems gesteckt werden soll, welches wirklich jede Pandemie aushalten könnte. Dass ein solches herzustellen für den Staat möglich wäre, ist ausser Frage. Zumindest gegenwärtig wäre es für alle, die jetzt wegen Corona paranoid werden, die einzige relevante Frage. Wenn Italien in den letzten 10 Jahren 150 Krankenhäuser geschlossen hat, ist es dann überraschend, wenn Corona dort ein grosser Sterbefaktor wird? In Deutschland wurde auch massivst privatisiert und „neoliberalisiert“, und auch das macht sich jetzt bemerkbar – im worst case Szenario zumindest. Aber ja, wir sind ja gar nicht deswegen im Gefängnis, denn dieses ist noch nicht ansatzweise eingetreten! Aber ja, zumindest mal präventiv alle einsperren.

Diese Argumentationslinien liessen sich alle weiter verfolgen, aber es bleibt das Gefühl, dass man damit dem grundlegenden Faktor dieses absurden Schauspiels nichteinmal nahekommt. Die Linken mögen nun fordern, dass der Staat künftig hunderte Krankenhäuser baut und die Reichen dafür bezahlen. Aber das würde nicht passieren ohne Revolution. Und eine Revolution in der die Linken (bzw. irgendwer) an die Macht kommt, wäre nicht besser als diese Ausgangssperre und an der Misere, eine verwaltete Nummer zu sein, würde sich nichts ändern…

Dieser Text wurde vor 1-2 Wochen geschrieben.