Telekom gibt massenhaft Bewegungsdaten von Mobilfunknutzer*innen weiter

Aktuellen Presseberichten zufolge soll die Telekom am Dienstagabend (17.03.2020) insgesamt 5 Gigabyte Bewegungsdaten von Handynutzer*innen an das staatliche Robert-Koch-Institut weitergegeben haben. Momentan seien diese Daten anonymisiert; die Identitäten einzelner Nutzer*innen seien angeblich nicht bestimmbar, wohl aber seien Bewegungsprofile auf einzelne Landkreise und Gemeinden herunterbrechbar. Die Daten sollen dazu dienen, anhand der Bewegungsprofile der Menschen „Erkenntnisse über die Verbreitung“ des Coronavirus zu gewinnen. Auf diese Art und Weise soll wohl die soziale Kontrolle der Bevölkerung intensiviert und effizienter gestaltet werden.

Auch wenn es nicht so krass klingt, sind 5 Gigabyte eine enorme Datenmenge: Angenommen, ein Datensatz, der ja im Grunde bloß aus einer (anonymisierten) Nutzer*innen-ID, einem Zeitstempel und einer Mobilfunkzellen-ID besteht, benötige 256 Byte Speicherplatz, so ergeben sich bei einer Größe von 5GB rund 21 Millionen Datensätze. Die herausgegebenen Daten entsprechen den Berichten zufolge dabei allerdings nur einer „Stichprobe“. Seitens des Robert-Koch-Instituts verspricht mensch sich von diesen Daten besser simulieren zu können, wie sich die Menschen bewegen, um die sozialen Kontakte noch besser unterbrechen zu können.

Was derzeit anonymisiert erfolgt, könnte dabei schon bald auch auf individueller Ebene stattfinden: In China und Israel, sowie in weiteren Ländern wurden ähnliche Daten bereits dazu genutzt, Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen, sowie um zu überprüfen, ob Menschen den ihnen auferlegten Quarantänebestimmungen nachkommen. Ähnliches könnte auch hier in kürzester Zeit Realität werden, denn die Auswertung anonymisierter Daten wird nur ein erster Schritt sein. [1] Spätestens wenn sich die daraufhin perfektionierten Kontrollmechanismen ebenfalls als unzureichend erweisen werden, um soziale Beziehungen vollständig zu unterbrechen, wird mensch auch personalisierte Daten von den Mobilfunkanbietern einfordern. Und die werden ebenso bereitwillig kooperieren: „Die Herausforderungen von Corona sind gigantisch. Wenn anonymisierte Massendaten zum langsameren Verlauf der Infektionskurve beitragen und Leben retten können, kommen wir der Bitte zur Unterstützung der staatlichen Stellen gerne nach“ sagte ein*e Sprecher*in der Telekom Presseberichten zufolge. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Maxime auch auf personalisierte Daten erstrecken wird.

Daher kann ich nur jeder*jedem empfehlen, auf Mobilfunkgeräte jeglicher Art (nicht nur Smartphones, sondern auch alle „klassischen“ Handys) unterwegs zu verzichten. Wer weiß, wann die bei einer Nutzung hinterlassenen Spuren gegen eine*n verwendet werden!

 

[1] Update vom 23. März 2020: Tatsächlich hat das Gesundheitsministerium um das Politiker*innenarschloch Jens Spahn bereits einen Gesetzesvorschlag erarbeitet, der die Auswertung personalisierter Bewegungsdaten erlauben soll.