Wenn tausend Augen erblinden

Ich werde verfolgt! Überall lauern sie mir auf, mit tausend Augen begleiten sie mich durch die Stadt: An U-Bahnhöfen, an Bürogebäuden, an Stadtvillen, an Tiefgarageneinfahren, an Klingelanlagen, in Bussen, in Trams, in S-Bahnen, in U-Bahnen, an Ampeln, auf Straßenlaternen, im Supermarkt, an Luxusautos, an Hotels, an Gerichtsgebäuden, an Polizeidienststellen, ja sogar an Bull*innen. Überall Kameras! Und du? Du trägst sogar eine mit dir herum. In deinem Smartphone.

Überhaupt macht mich diese smarte Technologie rasend! Autos, die die Bull*innen rufen, Autos, die anfangen zu blinken, wenn ich durch ihre Fenster sehe, E-Scooter, die nervtötend piepsen, wenn ich sie ins Gebüsch schleudere oder umstoße, Kameras an fast jeder Klingelanlage, Kameras überall in den öffentlichen Verkehrsmitteln und überall Leute mit Smartphone, die dir ihre Kameras in die Fresse halten.

Demnächst sollen intelligente Straßenlaternen jeden Winkel der Stadt mit ihren Kameras und Bewegungssensoren erfassen. Bald werden all die E-Scooter ebenfalls Kameras haben – angeblich zum autonomen Fahren zurück zur Ladestation – und die Stadt scannen. Was wenn auch hier bald Lieferdrohnen die Stadt erobern und mit ihren Argusaugen jeden Winkel scannen? Und was ist mit den Carsharing-Autos? Die meisten von ihnen haben Kameras. Wer garantiert mir, dass die mich nicht permanent filmen, wenn ich durch die Stadt laufe?

Diese gesamte smarte Technologie macht mich paranoid. Ich fühle mich beobachtet, ausgespäht, kontrolliert. Schluss damit! Ich werde sie angreifen: Mit Sprühlack lasse ich sie erblinden, mit Hämmern und Steinen steche ich der Bestie die Augen aus und Feuerlöscher und Farbbeutel lassen mich auch die weiter entfernten Ziele erreichen. Tod der smarten Kontrolle!