Eine Kritik an „Fridays for Future“

In letzter Zeit haben mir Leute oft stolz erzählt, sie würden auf den Klimastreik gehen. Oft war dann meine polemische Antwort: Ach ihr seid diejenigen, die für die langsamere Zerstörung der Erde demonstrieren? Um ehrlich zu sein bin ich mir sicher, dass dies nicht die Absicht der meisten Schüler*innen ist, die auf die Fridays for Future Demos gehen. Ich möchte jedoch anhand der Argumente und Parolen der Sprecher*innen von Fridays for Future, also derjenigen, die sich in den Mittelpunkt der Bewegung stellen, indem sie Interviews mit den Medien geben und auf dem Lautsprecherwagen die Masse zum Mitrufen und Mitlaufen bewegen, als sinnlos entlarven. Zumindest für diejenigen, die tatsächlich gegen die Ausbeutung und Zerstörung der Erde sind.

Die Sprecher*innen der Bewegung sind für die Einhaltung der Pariser Klimaziele und für erneuerbare Energien. Eine grüne Politikerin in der Berliner Demoplanung möchte diese bei den nächsten Wahlen zum Wahlkampfthema machen. Das ist ihre Kampfansage im Namen von Fridays for Future. Diese Inhalte sind alle im staatlichen und kapitalistischen System gedacht und könnten im besten Falle etwas an der Geschwindigkeit des Klimawandels ändern. Eine wirkliche Lösung für die vorhandenen Probleme kann es aber weder unter der Herrschaft des Kapitalismus, noch des Staates geben. Dies werde ich nun mit folgendem Argument beweisen: Damit ein Staat funktioniert braucht er Militär und Polizei, um sich nach innen und außen zu schützen. Polizei und Militär sind nicht nur freiheitsfeindlich, sondern stark abhängig von Ressourcen und verbrauchen z.B. durch ihre Fahr- und Flugzeuge Unmengen an Energie. Genauso ist es mit der Wirtschaft, ohne die ein Staat nicht funktioniert. Hierzu zählt die Industrie, die auch Unmengen an Energie verbraucht und Müll produziert, die Tourismusbranche mit ihren Billigfliegern, Skiegebieten, usw. … Die smarte Technologie mit ihren unzähligen Bildschirmen und Rechnern … hier kann noch ganz schön viel aufgezählt werden. Diese aufgezählten Dinge sind auch für den Kapitalismus immanent. Die Herrschaft von Staat und Kapitalismus sind also abhängig von sehr vielen Infrastrukturen, die von extrem viel Energie abhängig sind. Dafür braucht er extrem viele Kraftwerke, egal ob erneuerbar oder nicht, alle zerstören die Natur. Für Windparks werden Wälder abgeholzt, für Wasserkraft Flüsse aufgestaut, und auch für Solarplatten ist die Herstellung und Entsorgung extrem umweltschädlich. Ein radikaler Kampf gegen die Zerstörung der Erde muss also antistaatlich und antikapitalistisch sein, Fridays for Future dient allerdings nur der Propaganda eines grün angestrichenen Kapitalismus und als Wahlwerbung für grüne Parteien.

Nachdem ich mir selbst ein Bild von der Hamburger Demo gemacht habe, bin ich auch davon überzeugt, dass die meisten Teilnehmer*innen, wenn auch unabsichtlich für die langsamere Zerstörung der Erde demonstrieren. Auch wenn dies nicht deren Absicht ist, laufen sie einfach dem Lautsprecherwagen hinterher und schreien die Parolen nach, wie sie es in der Schule gelernt haben. Am Ende der Demo wird sich dann noch bei der Polizei bedankt. Genau die gleiche Polizei, die den Staat und seine „Kohlekonzerne“ beschützt, wie man es am deutlichsten bei angriffslustigeren Kämpfen z.B. im Hambacher Forst sieht.

Eine friedliche Massenbewegung, die irgendwelchen Führer*innen hinterherläuft und Forderungen an die Politik stellt, wird nichts ändern, außer dass vielleicht wieder Versprechungen gemacht werden, wie die Pariser Klimaziele, die dann aber nicht eingehalten werden. Genausowenig wird ein Kampf ändern, der die Reformierung eines im Kern schädlichen Systems anstrebt.

Da ich frei sein möchte, saubere Luft atmen möchte und mir der Anblick von zerstörter Natur sowie der Gedanke an deren Folgen weh tut, ruhe ich mich weder auf bewusstem Konsum aus, noch auf einem Selfie mit der Klimademo. Mit denjenigen, die keine Kompromisse mit den Feind*innen der Natur und der Freiheit eingehen wollen, möchte ich diese bekämpfen. Lasst uns die Verantwortlichen und Profiteur*innen der Ausbeutung der Erde auf unsere individuelle Art und Weise angreifen, anstatt darauf zu warten, dass uns die nächste „Energiewende“ betrügt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im April 2019 in „Gegen das Warten“ Nr. 3, einem anarchistischen Monatsblatt aus Hamburg veröffentlicht.