Graffiti, aber wie?

Bestimmt hast du es schon einmal ausprobiert oder dir wenigstens vorgenommen, es einmal selbst zu versuchen: Graffiti. Gesprühte Botschaften sind ein simples und direktes Mittel, um in das Stadtbild zu intervenieren, um Botschaften, die einer*einem wichtig sind zu vermitteln oder auch um einfach dem eigenen künstlerischen Drängen freien Lauf zu lassen.

Das Prinzip ist klar: Sprühdose besorgen, schütteln, loslegen, doch das führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Oft ist der Farbstrahl zu dünn, wodurch die Buchstaben nicht richtig zur Geltung kommen, manchmal kommt die Farbe auf einem Untergrund nicht richtig zur Geltung oder verläuft und nach dem Akt des Sprühens sind Hände und Kleidung oft voll von verräterischen Farbspuren. Diese Dinge passieren eigentlich allen, die regelmäßig und unregelmäßig zur Can greifen. Mit zunehmender Erfahrung bekommst du jedoch ein besseres Gefühl für viele Dinge und kannst sie mehr oder weniger vermeiden. Die folgenden Tipps können dir dabei und bei anderen gängigen Problemen helfen.

Was ist die richtige Farbe?

Es gibt ganz unterschiedliche Ausführungen von Sprühfarbe, die in der Regel unterschiedliche Zwecke erfüllt. In der Regel am besten geeignet sind Dosen der unterschiedlichen Graffiti-Marken wie Montana oder Molotow. Die bekommst du in einschlägigen Geschäften oder im Kunstbedarfshandel. In der Regel haben diese Cans 400ml Inhalt, es gibt sie aber auch in kleineren (z.B.: 200ml) und größeren Ausführungen (z.B.: 600ml). Unterschiede gibt es auch hinsichtlich des Druckes. Cans mit hohem Druck sind oft schwieriger zu handhaben, mit etwas Übung lässt sich mit ihnen jedoch deutlich schneller arbeiten. Cans mit geringem Druck erlauben präziseres arbeiten, zuweilen dauert die Arbeit mit ihnen jedoch auch quälend lange.

Neben Graffiti-Marken gibt es Sprühfarbe anderer Marken auch im Baumarkt (oft nicht besonders empfehlenswert) und in Kaufhäusern und Drogeriegeschäften werden oft 200ml Sprühdosen von Edding verkauft, die relativ gute Resultate liefern, aber die auch – sofern du sie kaufen willst – sehr teuer sind.

Kleinere Cans sind prima geeignet, um einfache Sprüche an Fassaden, Mauern, usw. zu hinterlassen. Sie lassen sich oft in die Tasche stecken oder gar in der Hand verstecken und sie sind verhältnismäßig schnell aufgebraucht, was bedeutet, dass du nicht zu lange die gleiche Can benutzen musst. Wofür 200ml oft nicht reichen sind größere Flächen, dafür empfehlen sich 400ml Cans und größere.

Die richtige Cap

Kennst du das, wenn du das Gefühl hast, dass deine Buchstaben zu schmal für ihre Größe sind? Oder wolltest du schon einmal kleinere Buchstaben machen, aber der Farbstrahl war zu dick dafür und mensch konnte nichts mehr lesen? Das kann durch unterschiedliche Caps, also die Sprühaufsätze beeinflusst werden: Die üblicherweise aufgesetzten Medium-Caps kannst du für dickere Strichstärken durch sogenannte Fat-Caps ersetzen, für dünnere Strichstärken durch Skinny-Caps. Beides bekommst du einzeln im Kunstbedarfs- oder Graffiti-Laden oder meist im Set überall wo es Sprühfarbe gibt. Du kannst die Stärke der Caps an der Unterseite erkennen. Je breiter die Einkerbung in dem Ventilaufsatz, desto dicker die Strichstärke. Unbhängig von der verwendeten Cap kannst du die Strichstärke aber auch durch den Abstand zur zu besprühenden Fläche beeinflussen. Da die Caps auch den Farbdurchsatz beeinflussen, haben sie auch Einfluss auf deine Arbeitsgeschwindigkeit. Mit Fat-Caps kannst du deutlich schneller arbeiten.

Weitere Tipps

Damit sich die Farbe in einer Can besser durchmischt ist meist eine Metallkugel in den Cans. Diese klappert recht verräterisch, was nicht selten dazu führt, dass Menschen erwischt werden. Mit einem starken (!) Magneten kannst du die Metallkugeln am Boden oder Rand der Can fixieren. Eventuell musst du die Can dann etwas länger schütteln, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.

Viele Cans haben einen Sicherheitsring, der verhindert, dass sie aus Versehen betätigt werden. Entferne diesen am besten immer bevor du losziehst, dann erlebst du keine bösen Überraschungen, wenn du loslegen willst.

Falls du beim Sprühen erwischt wirst und rennen musst, ist es meist sinnvoll, die Can(s) wegzuwerfen oder stehen zu lassen. Sind deine Fingerabdrücke darauf, kann es passieren, dass du im Nachhinein doch noch ermittelt wirst. Daher empfiehlt es sich, Cans immer vorher von Fingerabdrücken (auch von fremden!) zu befreien und während dem Sprühen Einmalhandschuhe zu tragen. Die schützen auch vor verräterischen Farbspuren an den Händen.

Einige Untergründe wie unbehandeltes Holz oder Naturstein saugen die Farbe sehr stark auf, was zu einem blassen Erscheinungsbild führt. Am besten du suchst dir andere Untergründe, ansonsten hilft es meist, die Farbe mehrfach aufzutragen.

Wenn deine Sprüche und Gemälde verlaufen liegt das meist daran, dass du zu viel Farbe aufgetragen hast. Vergrößere entweder den Abstand zwischen Can und Untergrund oder versuche, die Can schneller zu bewegen, um das zu vermeiden. Je kälter es ist, desto mehr neigen die meisten Farben dazu, zu verlaufen und desto mehr Rücksicht musst du darauf nehmen.

Entleerte Cans solltest du immer sicher entsorgen und zur Vermeidung von Spuren möglichst nicht in der Nähe deines/deiner Gemälde(s) zurücklassen. Auch halbaufgebrauchte Cans, die du zuhause lagerst können im Falle einer Hausdurchsuchung zum Verhängnis werden. Oft ist das aber Abwägungssache.