Sabotage gegen E-Scooter

Im Laufe der vergangenen Woche wurden in zahlreichen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vermehrt E-Scooter der verschiedenen Anbieter*innen sabotiert (siehe hier). Mit Kabelbindern aneinander gekettet, mit überklebten, übermalten oder übersprühten QR-Codes, mit zertrümmerten Displays und abgetretenen Beleuchtungseinrichtungen haben alle E-Scooter eines gemeinsam: Sie können bis zur nächsten Wartung nicht mehr genutzt werden.

Auch in München konnte mensch in der vergangenen Woche vermehrt E-Scooter beobachten, die auf diese und andere Arten sabotiert worden waren. Hunderte E-Scooter standen mit übermalten oder übersprühten QR-Codes, Beleuchtungseinrichtungen und Nummernschilden nutzlos auf den Gehwegen der Stadt, immer wieder sah mensch Scooter, auf denen Aufkleber mit der Aufschrift „Out of Service“ oder „Defekt“ klebten, vereinzelt konnte mensch beobachten wie willige Nutzer*innen dieser neuen Unart von E-Mobilität verzweifelt versuchten durch Kabelbinder oder Schlösser miteinander verbundene E-Scooter zu befreien und quer übereinander ins Gebüsch geworfene E-Scooter zeugten von der sich spontan entladenden Wut vieler Feind*innen dieses „smarten“ Mobilitätsangebots.

Die Gründe für die Sabotage an E-Scootern können dabei vielschichtig sein: Völlig entnervt davon, dass mensch diesem Elektroschrott als Fußgänger*in und Fahrradfahrer*in ständig ausweichen muss, ist es sicher naheliegend, sich dieser Dinger durch einen gezielten Tritt oder einen gekonnten Stoß zu entledigen. Doch auch wer sich um die ökologischen Folgen der alles andere als klimafreundlichen E-Scooter sorgt, dürfte in der alltäglichen Sabotage dieser Roller einen Weg sehen, gegen dieses Mobilitätskonzept zu rebellieren. Das völlig überteuerte Angebot der E-Scooter, das sich alleine an diejenigen richtet, die es sich leisten können für einen wenige hundert Meter weiten Weg mehrere Euro zu bezahlen dürfte die Wut der Gegner*innen dabei noch vergrößern und die Zukunftspläne der Anbieter*innen, die in ersten Städten bereits autonom fahrende E-Scooter testen, die mit ihren Kameras ihre gesamte Umgebung überwachen, dürften dem Ganzen dann die Krone aufsetzen.

E-Scooter sind keine Bereicherung für unser Leben, sie sind nichts als Müll und der billige Versuch das Netz der Überwachung in unseren Städten zu verfeinern. Dass sich gegen diesen Versuch zahlreiche Menschen mit dem einfachen Mittel der direkten Sabotage auflehnen ist ebenso erfreulich wie folgerichtig. In diesem Sinne bin ich gespannt, welche kreativen Formen der Sabotage ich in Zukunft beobachten werde, denn eines haben schon die Erfahrungen mit den O-Bikes in München gezeigt: Einmal in Gang gesetzt lässt sich die massenhafte Sabotage kaum mehr unter Kontrolle bringen und sie entfaltet stattdessen ungeahnte Kreativität.

Auf dass die E-Scooter ein ebenso baldiges Ende finden, wie die O-Bikes!